Grammatik

der

wendiſchen Sprache

katholiſchen Dialect’s.

Von

Franz Schneider.

Im Selbſtverlage.

Budiſſin, 1853.

Pruck von C. G. Hiecke.

♣In Commission♠

♣bei J. E. Schmaler in Bautzen.♠

Vorwort.

Die urſprünglichen Bewohner der Lauſitz waren Deutſche, die Semnonen,
ein Zweig der Sueven. Sie waren nach dem Zeugniſſe des römiſchen
Geſchichtſchreibers Tacitus ein rohes, aber tapferes, ſelbſt von den
Römern unbezwungenes Nomadenvolk, dem Waldhöhlen, Felſenklüfte und
Erdhütten als Wohnungen dienten. Ihren Götterdienſt hielten ſie in
heiligen Hainen ab, in welchen die Idole des Wodan oder Alfadur
(Allvater), der Hertha, Freia u. ſ. w. verehrt wurden.

Die Semnonen wohnten in der Lauſitz bis zur Zeit der großen
Völkerwanderung (375 n. Chr.); dann wurden ſie von den Vandalen
vertrieben. Die neuen Ankömmlinge blieben jedoch nur fünfunddreißig
Jahre lang in den eroberten Sitzen. Sie zogen (409 n. Chr.) über die
Pyrenäen nach dem ſüdweſtlichen Spanien und gaben dieſem Lande den Namen
Vandalitien oder Andaluſien.

Zu Ende des 5. Jahrhunderts drangen die Wenden in die Lauſitz ein. Sie
nannten das Land ♣Łužicy♠ oder Lauſitz wegen der vielen Lachen und
Moräſte ♣(łužje),♠ die ſie hier vorfanden.

Die Wenden gehören zu dem großen Stamme der Slawen. Dieſe leiten ihren
Namen ab von ♣sława♠ (Ruhm) — wegen ihrer ruhmwürdigen Siege — oder von
♣słowo♠ (Wort), im Gegenſatze zu den Deutſchen, welche ſie ♣němcy,♠ d.
h. Stumme, nennen.[1]⁾ Die Meinung Einiger, daß der Name „Slawen“ von
♣slewa♠ (Ruhe) herkomme und demnach ein Volk bezeichne, welches die Ruhe
liebt, iſt durchaus unhaltbar.

Die Slawen wurden von den Hunnen, einem mongoliſchen Volke, aus ihren
Sitzen am ſchwarzen und kaspiſchen Meere und <pb n="4"/>an den
nördlichen Abhängen des Kaukaſus bis zur Oſtſee hin — in welche ſie
ſchon vor Chriſti Geburt aus dem Nordweſten Hindoſtan’s eingewandert
waren, den Griechen und Römern unter dem Namen Sarmaten bekannt —
vertrieben. Durch nachrückende ſlawiſche Völkerſchaften verſtärkt
überſchritten ſie (die Slawen) die Wolga, den Don und die Weichſel,
drangen über die Oder bis an die Elbe und Saale vor und ergoſſen ſich
ſüdlich bis an die Lagunen von Venedig, den thermäiſchen Meerbuſen bei
Theſſalonich und bis an das Kap Matapan.[2]⁾ So war nach der
Völkerwanderung der ganze Nordoſten Europa’s ſlawiſch, vom Ural bis zur
Elbe, von der Oſtſee bis zum adriatiſchen und ſchwarzen Meere.

Für unſern Zweck kommen hier nur diejenigen Slawen in Betracht, welche
ſich zwiſchen der Oder, Elbe und Saale niedergelaſſen hatten und welche
den gemeinſamen Namen Wenden oder Sorben - Wenden trugen. Zu Anfang des
6. Jahrhunderts erſtreckten ſich ihre Wohnſitze von der Oder, dem Bober
und dem Queis bis zur Elbe und Saale, nördlich begrenzt durch die
Oſtſee, ſüdlich durch das Fichtelgebirge, ſächſiſche Erzgebirge und
lauſitzer Gebirge. Dieſer große wendiſche Diſtrict umfaßte folgende
Länder: Holſtein, Lauenburg, Lüneburg, Mecklenburg, Pommern mit der
Inſel Rügen bis nach Gidanik (Danzig), Brandenburg, Theile von
Niederſchleſien, beide Lauſitzen, das ganze ehemalige Churſachſen bis
zum Fuße des Harzgebirges, Altenburg, Reuß, Rudolſtadt, Weimar und
Anhalt.

Die ſlawiſchen Völkerſchaften, welche in den aufgeführten Länderſtrecken
eine neue Heimath gefunden hatten, wurden von den Deutſchen „Wenden“
genannt, deshalb weil ſie in die verlaſſenen Sitze der Vandalen
eingerückt waren.[3]^(*)) Sie ſelbſt nannten ſich nicht Wenden, ſondern
Sorben oder Serben, ♣Serbja,♠ gleichſam als ob ſie ſich ihrer Abſtammung
beſſer bewußt geweſen wären, als die Deutſchen, welche ihnen mit Unrecht
den Namen Wenden oder Vandalen beilegten. Der Name „Serben“ kommt von
dem wendiſchen Worte ♣serp,♠ die Sichel — böhmiſch: ♣srbiti♠ mähen — und
bedeutet demnach Sichelmänner, Männer, <pb n="5"/>die mit der Sichel,
mit dem Ackerbau ſich beſchäftigen. Dieſer Name entſpricht ganz dem
Character der Wenden, denn ſie traten entſchieden als ein ackerbauendes
Volk hervor. Einige Geſchichtsforſcher hatten den abenteuerlichen
Gedanken, den Namen „Wenden“ aus dem Deutſchen herzuleiten. Sie ſagten:
die Franken, beſonders die Sachſen, hätten bei ihrer Ankunft in das
Serbenland die Einwohner weder verſtehen, noch mit ihnen ſprechen
können, und hätten deshalb die Serben „ſtumme Wände“ genannt. Andere
halten dafür, der Name „Wenden“ komme daher, weil ſich die Wenden bei
ihren Wanderungen von Morgen gegen Abend „gewendet“ hätten.[4]⁾ Beide
Meinungen ſind falſch. Liebuſch ſtellt in ſeiner Skythika (S. 118) nicht
ohne Scharffinn die Behauptung auf, daß der Name Wenden von „Hindu,
Indien“ abſtamme und gleichbedeutend mit Indier ſei.

Die Wenden zerfielen in verſchiedene Völkerfamilien. Die vorzüglichſten
ſind:

1. die Wagiren oder Wagrier, um Lübeck und an der holſteiniſchen Gränze;

2. die Polaben, im Lauenburgiſchen um Ratzeburg (♣Raćibor♠);

3. die Linonen oder Liunen, im Lüneburgiſchen;

4. die Obotriten, im Mecklenburgiſchen mit einem Tempel zu Rhetra (bei
Neu - Brandenburg);

5. die Wilzen, in Vorpommern und an den Küſten der Oſtſee;

6. die Ranster oder Rugier, auf der Inſel Rügen (♣Rana♠) mit dem
wendiſchen Oberprieſter in dem Haupttempel zu Arkona (♣Orekunda♠);

7. die Pomeranen, in Pommern;

8. die Kaſſuben, in Hinterpommern bis zur Weichſel;

9. die Lutizier oder Leutizen (Haveller, Ukraner und Warnower) in
Brandenburg von der Elbe und Havel bis zur Oder, mit der Hauptſtadt
Brandenburg (♣Branibor♠);

10. die Luſitzer (♣Łužičenjo♠), in der Niederlauſitz an den Ufern der
Elbe, ſchwarzen Elſter, Spree und lauſitzer Neiße bis zur Oder, mit den
Städten Lübben (♣Lubin♠), Kottbus (♣Khoćebc, Chošebuz♠) und Sorau
(♣Žarow♠);

<pb n="6"/>

11. die Milzener oder Milzen (♣Milčenjo♠), in der Oberlauſitz und in
einem Theile des meißener Landes, zwiſchen der Elbe, dem Queis und dem
lauſitzer Gebirge, mit den Städten Lauban (♣Lubań♠), Görlitz (♣Zholeŕc,
Zhorjelc♠), Löbau (♣Lubij♠), Bautzen (♣Budyšin♠) und Kamenz (♣Kamjeńc♠);

12. die Daleminzer (♣Glomačenjo♠), weſtlich von der Elbe bis zur Saale,
ſüdlich bis zum Fichtel- und ſächſiſchen Erzgebirge, mit der Feſtung
♣Grona, Grana♠ oder ♣Gana♠ (jetzt Dorf Jahna bei Rieſa) und mit den
Städten Meißen (♣Mišno♠), Strehla (♣Třelany♠), Leipzig (♣Lipsk,♠
Lindenſtadt), Altenburg (♣Starohrod♠);

13. die Sorben oder Serben, im Anhaltiniſchen zwiſchen der Elbe, Mulde
und Saale, nördlich von den Daleminzen.

Dieſen verſchiedenen wendiſchen Völkerfamilien ſtanden Könige, Herzöge
und Herren vor (♣kralojo, wójwody, knježja, hospodarjo♠). Im Frieden war
zwar die Macht der Könige ziemlich bedeutungslos; ſie lebten,
unbekümmert um ihre Untergebenen, auf ihren Schlöſſern und Burgen,
welche ♣hrody♠ und ♣hrodźišća♠ hießen, pflegten der Jagd oder hielten
Gaſtmähler: zur Zeit des Krieges aber herrſchten ſie mit unbeſchränkter
Gewalt und alles Volk unterwarf ſich mit freudigem Gehorſam ihren
Anordnungen. Die berühmteſten wendiſchen Königsſitze waren ♣Orekunda,
Ranograd, Wolin, Branibor, Raćibor.♠ Zur königlichen Würde gelangte man
durch Erbrecht, indem die Söhne auf den Vater folgten und die Herrſchaft
gleichmäßig unter ſich theilten; doch hatte einer von ihnen, und zwar
derjenige, welcher dem Volke beſonders wohlgefiel, über die übrigen eine
gewiſſe Hegemonie.[5]⁾

Daß die Slawen, und ſomit auch die Wenden, aus Hindu oder Indien
ſtammen, iſt gewiß. Denn auf dieſe Abſtammung weiſen hin der Character
der Slawen, ihre frühere patriarchaliſche Landesverfaſſung, ihre tiefe
indiſche Religioſität, ihre — zum mindeſten ehedem übliche — weiße
Trauerkleidung, der Gebrauch der Löwenbilder bei einigen ihrer
Götteridole (z. B. beim Flins), die Verehrung einer Trimurti, nämlich
des Triglaw[6]^(*)), und insbeſondere die Aehnlichkeit der ſlawiſchen
Sprache mit der heiligen Sprache der Indier, dem Sanskrit.

<pb n="7"/>

Wir wollen im Nachſtehenden eine Probe dieſer Sprachverwandtſchaft geben
und bemerken nur noch, daß das Sanskrit ebenſo wie das Wendiſche in den
fleriblen Redetheilen eine Dualform hat (Skythika, S. 299).

Wendiſch: Sanskrit:

♣prěni♠ der erſte ♣prajama, brama♠

♣wyšši♠ der höhere ♣wischnu♠

♣žiwy♠ lebendig ♣schiwa♠[7]⁾

♣być♠ ſein ♣bu♠

♣budu♠ ich werde ſein ♣buddha♠[8]^(*))

♣pić♠ trinken ♣pa♠

♣bratr♠ Bruder ♣bhrata♠

♣durje♠ Thür ♣duar♠

♣drěć♠ reißen ♣dri♠

♣woda♠ Waſſer ♣uda♠

♣widźić♠ ſehen ♣vid♠

♣hnězdo♠ Neſt ♣nisdhis♠

♣woči♠ Augen ♣akschi♠

♣sto♠ hundert ♣sátan♠

♣kokula♠ Kukuk ♣kokila♠

♣syć♠ ſäen ♣sitsch♠

♣znać♠ kennen ♣dschna♠

♣žona♠ Frau ♣ghena♠

♣husa♠ Gans ♣hansa♠

♣krasny♠ herrlich ♣kris♠

♣zyma♠ Kälte ♣hima♠[9]^(**))

♣mać♠ Mutter ♣mita♠

♣nóc♠ Nacht ♣nis♠

♣nós♠ Naſe ♣nasa♠

♣raj♠ Reich ♣rai♠

♣zera, zerja♠ Röthe ♣surija♠[10]^(***))

♣rada♠ Rath ♣radh♠

♣mrěć♠ ſterben ♣mri♠

♣płówać♠ ſchwimmen ♣plava♠ Waſſervogel

♣zradosć♠ Freude ♣sraddha♠ Götterfeſt.

<pb n="8"/>

Auch der bibliſche Name Nebukadnezar ſcheint indoſlawiſchen Urſprunges
zu ſein. Er bedeutet: ♣njej’ bóh hač njej’ Car,♠ d. h. es iſt kein Gott
als der Zar. (♣Car♠ iſt nicht aus ♣Caesar♠ entſtanden, ſondern iſt ein
altſlawiſches Wort, welches zu deutſch Fürſt, Herrſcher heißt.)

Solange die Wenden noch nicht von den Deutſchen unterjocht waren, blieb
ihre Sprache rein von Germanismen. Als aber die ſiegreichen Deutſchen
(im 10. und 11. Jahrhundert n. Chr.) in den wendiſchen Gauen feſten Fuß
faßten, als ſie nach langen blutigen Kriegen einen ſlawiſchen Stamm nach
dem andern ſich unterwarfen, brachten ſie nicht blos deutſche Sitten
unter das wendiſche Volk, ſondern auch deutſche Elemente in den
wendiſchen Sprachbau.

Wie hätte auch die Sprache allein Widerſtand leiſten können, da die
Nation ſelbſt, eine der mächtigſten und weitverbreitetſten, unterlag?
Von dem ganzen großen Volke der Wenden haben ſich nur noch einige
ſpärliche Ueberreſte in den beiden Lauſitzen erhalten; doch hat ſich die
Sprache derer, welche die Oberlauſitz bewohnen, den Einflüſſen des
Germanenthums mehr entzogen, als die ihrer Stammgenoſſen in den
Niederungen. Das Geſchlechtswort ♣tón,♠ ſowie eine Menge Haupt-,
Eigenſchafts-, Zeit- und Umſtandswörter (z. B. ♣blak, bleša, štryk,
špiza, štrafa, frej, frómny, mól, tawzynt, lazować, wordować♠ u. ſ. w.)
ſind die Danaidengeſchenke der Deutſchen.

Hingegen haben es auch die Deutſchen nicht verſchmäht, aus den reichen
ſprachlichen Fundgruben ihrer, an Cultur ſie ehedem weit überragenden
ſlawiſchen Nachbarn zu ſchöpfen, denn viele deutſche Wörter laſſen ſich
auf einen ſlawiſch - wendiſchen Urſprung zurückführen. So kommt:

morden von ♣mor,♠ Peſt

♣morić,♠ tödten

♣mrěć,♠ ſterben

Holz = ♣hola,♠ Haide

Buſch (Puſch) = ♣pušćeć,♠ Holz fällen

♣Puscet,♠ Waldgott

Meth = ♣měd,♠ Honig

Pflug = ♣płuh♠ (polniſch: ♣pług♠), Pflug

Lein = ♣len,♠ Lein

Luhſche = ♣łuža,♠ Pfütze

thauen = ♣tać, roztajeć,♠ zerſchmelzen

glatt = ♣hładki♠ (niederlauf.: ♣gladki♠), glatt

<pb n="9"/>

Kaupe von ♣kupa,♠ Hügel, Inſel

Kretſcham = ♣korčma,♠ Schenke

Gaſt = ♣hósć♠ (polniſch: ♣gósć♠), Gaſt

Laib (Brot) = ♣khlěb,♠ Brot

graben = ♣hrabać♠ (niederlauſ.: ♣grabasch♠), harken, rechen, oder:

= ♣hrjebać♠ (niederlauſ.: ♣grěbasch♠), graben

kaufen, kaupeln = ♣kupić,♠ kaufen

ſich legen = ♣so lěhać♠ (niederlauſ.: ♣sse lěgasch♠), ſich legen

Graus = ♣hrózba♠ (niederlauſ.: ♣grosba♠), Furcht, Scheu

Kohl = ♣kał,♠ Kraut

theilen = ♣dźělić♠ (böhmiſch: ♣děliti;♠ poln.: ♣dzielić;♠ illyriſch:
♣děliti;♠ ruſſiſch: ♣delit♠), theilen

gränzen = ♣hranić♠ (ungebräuchlich; poln.: ♣graniczyć;♠ illyr.:
♣graničiti♠), gränzen

lahm = ♣łamać, lemić,♠ brechen

Kaſten = ♣kašć,♠ Kaſten

Thür = ♣durje,♠ Thür

lauter = ♣luty,♠ lauter

Rübe = ♣rěpa,♠ Rübe

Rettig = ♣rjedkej,♠ Rettig

nackt = ♣nahi♠ (niederlauſ. und polniſch: ♣nagi♠), nackt

Unrath = ♣njerjad,♠ Unrath

Silber = ♣slěbro,♠ Silber

Sohn = ♣syn,♠ Sohn

ſtöhnen = ♣stonać,♠ ſtöhnen

Wage = ♣waha,♠ Wage

= ♣wažić,♠ wägen

Wetter = ♣wjedro,♠ Wetter

viel = ♣wjelje♠ (polniſch: ♣wiele♠), viel

Thal = ♣doł,♠ Thal

blitzen = ♣błyskać♠ (böhmiſch: ♣bliskati♠), blitzen

Schnee = ♣sněh♠ (böhmiſch: ♣snih;♠ polniſch: ♣śnieg;♠ illyriſch: ♣sněg;♠
ruſſiſch: ♣snegh),♠ Schnee

mild = ♣miły,♠ mild

Lauge = ♣włuha,♠ Saft

grob = ♣hruby♠ (polniſch: ♣gruby♠), roh

Neſt = ♣hnězdo,♠ Neſt

Stuhl = ♣stół,♠ Stuhl

<pb n="10"/>

Poſt von ♣pósłać,♠ ſenden

= ♣pósoł,♠ Bote

Haag, Hain = ♣haj,♠ Gehege

mahlen, Mehl = ♣mlěć (mjełu),♠ mahlen

Kutſche = ♣khodźić,♠ gehen

= ♣khodźa,♠ Bote

Droſchke = ♣droha,♠ Straße

pritſch = ♣prječ,♠ weg

Pitſchel = ♣pić,♠ trinken

Mecklenburg = ♣mlóko♠ (polniſch: ♣mleko♠), Milch

Strelitz = ♣třylić♠ (böhm.: ♣střeliti♠), ſchießen

Pommern = ♣po morju,♠ am Meere

Preußen, ♣Borussi♠ = ♣po Rusach,♠ neben den Ruſſen

Leipzig = ♣lipa,♠ Linde

Kamenz = ♣kamjeń,♠ Stein

Hoyerswerda = ♣wo rěcy,♠ im Fluſſe

Muskau = ♣muž,♠ Mann

Die wendiſche Sprache beſitzt nicht blos eine außerordentliche Weichheit
und Biegſamkeit, ſondern ſie hat auch in ihrem Klange eine große
Aehnlichkeit mit der italieniſchen, weil ſie wie dieſe an Ziſchlauten
und Vocalendungen überaus reich iſt[11]⁾. Z. B.

♣Što člowjek je hač hruzlička?♠

♣Wón nahi přińdźe do swěta,♠

♣A ničo sobu njenjese, tež njewozmje,♠

♣Hdyž zasy z teho swěta dźe.♠

Die Slawen haben gegenwärtig den größten Theil des öſtlichen Europa’s
und einen Theil des weſtlichen Aſiens inne; die Geſammtzahl derſelben
beläuft ſich auf 75 Millionen. Man theilt ſie in ſüdöſtliche und
nordweſtliche Slawen.

I. Südöſtliche Slawen.

1. Ruſſiſcher Stamm.

1. Großruſſen 35,314,000

2. Kleinruſſen (Ruſſinen, Ruthenen, Rußniaken)

♣a.♠ in Rußland 10,370,000} 13,144,000

♣b.♠ in Öſterreich 2,774,000

3. Weißruſſen 2,726,000

51,184,000

<pb n="11"/>

2. Serbiſch-illyriſcher Stamm.

1. Bulgaren:

♣a.♠ in der Türkei 2,000,000} 2,093,500

♣b.♠ in Ungarn 13,500

♣c.♠ in Rußland 80,000

2. Serben:

♣a.♠ in der Türkei 1,000,000} 1,740,000

♣b.♠ in Ungarn 740,000

3. Bosnier:

♣a.♠ in Bosnien 700,000} 772,000

♣b.♠ in Neapel[12]⁾ 72,000

4. Montenegriner 100,000

5. Slawonier 720,000

6. Dalmatiner:

♣a.♠ in Öſterreich 350,000} 450,000

♣b.♠ in der Türkei 100,000

5,875,500

3. Kroatiſcher Stamm.

Kroaten:

♣a.♠ in Öſterreich 900,000} 950,000

♣b.♠ in der Türkei 50,000

4. Windiſcher Stamm.

Winden:

♣a.♠ in Steiermark 400,000} 1,000,000

♣b.♠ in Kärnthen 150,000

♣c.♠ in Krain 400,000

♣d.♠ in Ungarn 50,000

♣II.♠ Nordweſtliche Slawen.

1. Böhmiſcher oder cžechiſcher Stamm.

1. Böhmen oder Cžechen 3,000,000

2. Mähren 1,414,000

4,414,000

<pb n="12"/>

2. Slowakiſcher Stamm.

Slowaken 1,822,000

3. Polniſcher Stamm.

Polen:

♣a.♠ im Königreich Polen 3,500,000} 9,571,000

♣b.♠ in den ruſſiſchen Gouvernements 1,500,000

♣c.♠ in Galizien mit Krakau 2,471,000

♣d.♠ in Preußen 2,100,000

4. Sorbenwendiſcher Stamm.

Wenden:

♣a.♠ in der Oberlauſitz 85,000} 150,000

♣b.♠ in der Niederlauſitz 65,000

Von dieſen 74,966,000 Slawen ſtehen unter der Herrſchaft:

1. des ruſſiſchen Kaiſers 53,490,000

2. des öſterreichiſchen Kaiſers 15,204,000

3. des türkiſchen Sultans 3,850,000

4. des preußiſchen Königs 2,200,000

5. des Fürſten von Montenegro ♣(čorna hora)♠ 100,000

6. des Königs von Neapel 72,000

7. des ſächſiſchen Königs 50,000

Der Religion nach theilen ſich die Slawen in:

51,000,000 griechiſche Chriſten;

19,000,000 römiſch - katholiſche Chriſten (darunter 12,000 Wenden in der
Oberlauſitz);

2,800,000 griechiſch - unirte Chriſten;

1,400,000 proteſtantiſche Chriſten;

650,000 Muhamedaner.

Erſter Theil.

Lautlehre.

§. 1. Buchſtaben.

Die katholiſchen Wenden der Oberlauſitz gebrauchen folgende Buchſtaben:

1. Helllaute (Vocale).

i u e o a ė é ò

2. Stilllaute (Conſonanten).

j n ṅ m ṁ r ṙ v w ẇ d t l ł h ch k kh b ƀ p ṗ z ſ—s ſch ż cz tz dż cż tż
(kż pż) f g

3. Doppellaute (Diphthongen).

ij ei ėi éi oi ói ui ai iw ew ėw éw ow òw uw aw

Anmerkung 1. Die beiden Buchſtaben f und g ſind aus dem Deutſchen
entlehnt und kommen nur in deutſch - wendiſchen Wörtern vor. Z. B. Figa
Feige; ṙegėruwacż regieren; Grat Geräth.

Anm. 2. Das g in deutſch-wendiſchen Wörtern wird nicht ſelten durch h
vertreten. Z. B. Hrat (= Grat) Geräth; Hwawt (= Gwawt) Gewalt; Hramota
(= Gramota) Gram; Markhrovinſtwo Markgrafenthum.

<pb n="14"/>

Anm. 3. Statt f und ph wird gewöhnlich v gebraucht. Z. B. Baraṙ Pfarrer;
Vilip Philipp; Jozev Joſeph.

Anm. 4. Der Laut r wird im Wendiſchen durch kſ ausgedrückt, qu durch kw.
Z. B. Halekſander Alerander; Kwadrat Quadrat.

Anm. 5. Kein ächt wendiſches Wort fängt mit einem Vocale an, ſondern
jedwedes mit einem Conſonanten, mit alleiniger Ausnahme des Bindewortes
ani (und nicht, auch nicht). Den fremden Eigennamen, welche mit einem
Vocale anfangen, wird gewöhnlich ein h vorgeſetzt. Z. B. Hadam Adam,
Hana Anna, Hilzbeta Eliſabeth, Handrij Andreas. Seltener ein j; z. B.
Japożtow Apoſtel, Jandżel Engel.

Anm. 6. Statt ei, ėi, éi, oi, òi, ui, ai kann man auch ſchreiben: ej,
ėj, éj, oj u. ſ. w.

§. 2. Ausſprache der Buchſtaben.

1. Ausſprache der Vocale.

1. i, u, a werden hell und rein wie im Deutſchen ausgeſprochen. Z. B.
Lina Lehm; Buk Buche; Rataṙ Ackersmann.

2. e hat einen zweifachen Laut:

♣a.♠ wie in den deutſchen Wörtern „gehe, jemand“, oder wie das
franzöſiſche ♣é♠ in ♣„été“.♠ Z. B. Zeṁan Edelmann; Jeja Eier.

♣b.♠ wie das deutſche ä. Z. B. ze mit, aus; ṗecż fünf; Kṅez Herr; ṅeſcz
tragen; Kije Stöcke; dobre gut.

3. ė wird ausgeſprochen wie das deutſche ü, oder wie i in „mir, dir“. Z.
B. Wėra Glaube; Mėr Frieden; ſchėroki breit.

4. é tönt wie ein kurzes ö. Z. B. té ſé du biſt; Zéma Kälte; Réba
Fiſch.[13]⁾

5. o hat einen doppelten Laut:

♣a.♠ rein und lang wie das deutſche oh in „ohne, Ohr.“ Z. B. Moch Moos;
wowacż rufen.

♣b.♠ wie o in „Docht“, oder wie oa in dem Worte „Voter“ für „Vater.“ Z.
B. to dieſes; Koza Ziege; rano morgens; Rozom Verſtand; Bożo Gott; won
heraus; Holcza Mädchen.

<pb n="15"/>

6. ò hält die Mitte zwiſchen o und u, und wird geſprochen wie no oder
wie u. Z. B. tón der; wón er; Dwór Hof; żtó wer? Hólcz Knabe.

Anm. Nach w, b, p, m wird ſtatt é auch ȯ, und ſtatt e — o gebraucht. Z.
B. nowó = nowé, nowo = nowe neu; ſwabó = ſwabé, ſwabo = ſwabe ſchwach;
Żtomó = Żtomé Bäume; Wutrobó = Wutrobé Herzen.

2. Ausſprache der Conſonanten.

Vorbemerkung (Jotacismus). Die wendiſche Sprache hat die
Eigenthümlichkeit, daß in vielen ihrer Conſonanten ein verborgenes Jota
ruht. Dieſes Jota wird durch einen über dem Conſonanten ſtehenden Punkt,
bei l und b aber durch einen Querſtrich angedeutet. Z. B. ṅ = nj; ṗ =
pj; ł = lj; ƀ = bj; Koṅa des Pferdes; ṁetam ich werfe; ƀezo mṅe ohne
mich. Jotirte Buchſtaben ſind: ṅ, ṁ, ṙ, ẇ, ł, ƀ, ṗ.

1. j wird wie im Deutſchen ausgeſprochen. Z. B. jim ihnen; ja ich.

2. n wie im Deutſchen. Z. B. Nan Vater; nimo vorbei.

3. ṅ wie nj. Z. B. ṅech mag; Koṅe Pferde; mėrṅe friedlich.

4. m wie im Deutſchen. Z. B. Macż Mutter; Maré Todtenbahre; wam euch.

Anm. Mſcha (Meſſe) wird Scha ausgeſprochen.

5. ṁ wie mj. Z. B. ṁetacż werfen; wo Ṁeṅe im Namen.

6. r wie im Deutſchen. Z. B. Rana Wunde; Ród Schloß; Raṁo Schulter.

Anm. Bratr Bruder, Kmótr Gevatter und Wėtr Wind werden ausgeſprochen:
Brat, Kmót, Wėt; Genitiv: Bratra, Kmótra, Wėtra.

7. ṙ wie rj. Z. B. ṙané ſchön; Muṙa Mauer; Moṙo Meer.

8. v wie f. Z. B. Varaṙ Pfarrer; vrei frei.

9. w wie im Deutſchen. Z. B. Woko Auge; Wókno Fenſter; Wėra Glaube; wó
ihr.

Anm. 1. w nach b und m, ſowie in einigen Wörtern nach k, kh, p und ſ
wird nicht ausgeſprochen, kann demnach auch ganz wegbleiben. Die hierher
gehörigen Wörter ſind:

Bwóto Koth

bwócżané kothig

Bwóta Spreewald

Bwȯcżané Plotzen

bwuki düſter

Bwud Irrthum

<pb n="16"/>

bwudżicż irren

Bwuzna Narbe

Jabwuko Apfel

Jabwoṅ Aepfelbaum

Kwobuk Hut

Khwȯdk Schatten

khwódné ſchattig

kwócż ſtechen

khwóſchcżicż naſchen

Kwós, Kwȯſk Aehre

mwodé jung

Mwodżeṅcz Jüngling

Mwón Mühle

Mwóṅk Müller

mwónſki zur Mühle gehörig

mwȯcżicż dreſchen

Mwótżk Dreſcher

mwojicż ſprechen

pwókacż waſchen

Pwóṁo Flamme

Pwȯncz, Pwóntżik Holzapfel

Pwót Zaun

Pwótno Webe Leinewand

pwóſchicż ſcheu machen

pwóſchiwé ſcheu

Pwuh Pflug

Pwucza Lunge

poſwuſchné gehorſam

Anm. 2. Desgleichen wird w in dem männlichen Participium Perfecti Activi
Singularis der 8. Conjugation nicht ausgeſprochen, kann demnach auch
ganz wegbleiben. Z. B. lakw (lak); tżaſw (tżas); paſw (pas); ṅeſw (ṅes);
ẇed w (ẇed).

Anm. 3. w zu Anfang eines Wortes und vor einem Conſonanten wird
gleichfalls nicht ausgeſprochen, kann demnach auch ganz wegbleiben. Die
hierher gehörigen Wörter ſind:

wbohi bedauerungswerth

wcżipné neugierig

wlecz ſchleppen

Wnuk Enkel

Wnuknicza Erbgut

wrėcż ſchließen

Wṙecżeṅcza Blindſchleiche

Wṙecżeno Spille

Wrjós Haidekraut

Wróbel Sperling

Wróna Krähe

Wrota das Thor

wrótné verrückt

wrócżicż umwenden

Wſé Dörfer

wſchak ja, doch

wſchelaki verſchieden

wſchėdné täglich

Wſchi Läuſe

wſchitkón, wſchón aller

wſchohomóczné allmächtig

wſchudżom überall

wwótżicż eggen

Wwókno Flachsbaſt

Wwoſé Haare

Wwuha Saft, Feuchtigkeit

wzacż nehmen

Wżicza Löffel

Wtżowa (Ptżowa), Biene

wtżora geſtern[14]⁾

<pb n="17"/>

Anm. 4. Werden einige der vorgenannten Wörter mit Präpoſitionen
verbunden, ſo tritt das w hervor und muß ausgeſprochen werden. Z. B.
zawrėcż zuſchließen; wotewricż aufſchließen; zawrócżicż umwenden; ze Wſé
aus dem Dorfe; na Wſach auf den Dörfern; ze wſchitkimi mit allen; ze
wſchėm mit allem; ze wſchėch aus allen; za wſchėch für alle; pżiwzacż
hinzunehmen; ze Wżiczu mit dem Löffel. Ueber die eigenthümliche
Ausſprache dieſes w vergl. weiter unten 3, 5.

Anm. 5. w als Präpoſition wird nicht ausgeſprochen, muß aber geſchrieben
werden. Z. B. w Mėſcże (= Mėſcże) in der Stadt; w Kaṁeṅczu (= Kaṁeṅczu)
in Kamenz; w Wożu (= Wożu) im Bette.

10. ẇ wird ausgeſprochen:

♣a.♠ wie wj; z. B. ẇele viel; Ẇerch Gipfel; w Roẇe im Grabe.

♣b.♠ wie j; z. B. ſẇaté (= ſjaté) heilig; ẇazacż binden; ẇaznécż
einſinken; lubuẇe er liebt.

11. d wie im Deutſchen. Z. B. dacż geben; Rada Rath; Duch Geiſt.

12. t wie im Deutſchen. Z. B. tam dort; twerdé hart; Hat Teich.

Anm. Tka Floh und Tkalcz Weber werden ausgeſprochen: Ka, Kalcz.

13. l wie im Deutſchen. Z. B. Liſt Brief; lubé lieb.

14. ł wie lj, ſteht jedoch nicht vor o, a, u. Vor e iſt ł meiſtentheils
ſchwach jotirt, weshalb man ſtatt ł ſogleich l ſchreiben kann. Z. B.
Kułe oder Kule Kugeln; ẇełe oder ẇele viel; dałe oder dale weiter; bółe
oder bóle mehr; wałecż oder walecż wälzen.

15. h wie im Deutſchen. Z. B. ha und; Hara Lärm; Hora Berg.

Anm. 1. h zu Anfang eines Wortes und vor einem Conſonanten wird nicht
ausgeſprochen, kann demnach auch ganz wegbleiben. Die hierher gehörigen
Wörter ſind:

hdé wann?

hdéż wenn

hdże wo?

hdżeż wo

hladacż ſchauen

hlei ſiehe

Hlebija Lanze

Hlina Lehm

Hlina Gleina

Hliſta Spulwurm

hnacż treiben

Hnada Gnade

Hnaſcheczé Gnaſchwitz

hnédom ſogleich

<pb n="18"/>

Hnėw Zorn

Hnėzdo Neſt

hnicż faulen

Hnói Dünger

hnucż bewegen

hracż ſpielen

Hra Spiel

Hrab Weißbuche

hrabacż rechen

Hrabje Rechen

Hrabja Graf

hrabnécż faſſen

Hrana Kante

Hranicza Gränze

hṙebacż graben

Hṙebja Graben

Hṙebwo Ofenkrücke

hrėcż wärmen

Hrėch Sünde

hrėſchicż ſündigen

Hriwna Görlitzer Mark

Hrib Pilz

hrimacż donnern

Hriwa Mähne

Hrjada Balken

Hrjadka Gartenbeet

Hróch Erbſen

Hród Schloß

Hrodżiſchcżo Gröditz

Hródż Stall

Hródk Spremberg

Hromada Haufe

hromadżicż ſammeln

Hrono Periode

Hrȯzba Furcht

hrozné garſtig

hrozécż drohen

hrubé roh, unbearbeitet

Hruzel Erdklos

hwadki glatt

Hwód Hunger

hwȯdné hungrig

Hwós Stimme, Melodie

Hwowa Haupt

Hwub Krautſtrunk

hwuchi taub

hwupé dumm

Hwėzda Stern

hwizdacż pfeifen

Hwiżdżel Schienbein[15]⁾

Anm. 2. In dem Niederlauſitziſch - Wendiſchen und in andern Slawinen
geht das vorerwähnte h gemeiniglich in g über. Z. B.

Niederlauſ. Böhmiſch. Polniſch. Illyriſch. Ruſſiſch.

♣groch♠ ♣hrach♠ ♣groch♠ ♣grah♠ ♣garoch♠ Erbſen

♣glowa♠ ♣hlawa♠ ♣głowa♠ ♣glava♠ ♣galawa♠ Haupt

♣gdy♠ ♣kdy♠ ♣kiedy♠ ♣kad♠ ♣kad♠ wann?

♣žó♠ ♣kde♠ ♣gdzie♠ ♣gdě♠ ♣gde♠ wo?

♣gruslá♠ ♣hruda♠ ♣grusła♠ ♣grudva♠ ♣gluiba♠ Erdklos

♣glupy♠ ♣hloupý♠ ♣głupi♠ ♣glup♠ ♣glupui♠ dumm

♣gluchy♠ ♣hluchý♠ ♣głuchy♠ ♣gluhak♠ ♣gluchoi♠ taub

♣gněsdo♠ ♣hnizdo♠ ♣gniazdo♠ ♣gnězdo♠ ♣gnesdo♠ Neſt

♣gloss♠ ♣hlas♠ ♣głos♠ ♣glas♠ ♣goloss♠ Stimme

♣grań♠ ♣hraničiti♠ ♣graniczyć♠ ♣graničiti♠ ♣granitschit♠ gränzen

♣grěsch♠ ♣hřiti♠ ♣grzać♠ ♣grijati♠ ♣gret♠ wärmen

— ♣hrubý♠ ♣gruby♠ ♣grub♠ ♣grubui♠ roh

♣grimma sse♠ ♣hřmi♠ ♣grzmi♠ ♣germi♠ ♣grom gremit♠ es donnert

♣grasch♠ ♣hráti♠ ♣grać♠ ♣igrati♠ ♣igrat♠ ſpielen

♣gwěsda♠ ♣hwězda♠ ♣gwiazda♠ ♣zvězda♠ ♣swesda♠ Stern

<pb n="19"/>

Anm. 3. h in der Mitte oder am Ende eines Wortes wird nicht
ausgeſprochen, muß aber geſchrieben werden, wenn entweder in der
Verlängerung oder im Wurzelwort ein h gehört wird. Z. B. Bóh Gott, Boha
Gottes; Sczėhwki die Folgen, von ſczėhuwacż folgen. Das h in der Mitte
oder am Ende eines Wortes iſt demnach kein Dehnungszeichen[16]⁾.
Nachſtehende Wörter werden häufig mit einem h in der Mitte geſchrieben:

Bahno Sumpf

cżahnécż ziehen

dha ſo

doſahnécż erreichen

druhdé bisweilen

druhdże anderswo

hakhlei erſt

Jahwé Hirſe

Jehṅo Lamm

lahnécż brüten

ſo lehnécż ſich legen

Lėhwo Lager

móhcz können

nahwé jäh

nahle jählings

nėhdé einſt

nihdé niemals

nihdże nirgends

Sczehno Hüfte

ſuhnécż ſchieben

pomhacż helfen

pżahnécż (ungebräuchlich) ſpannen

tamhlei dort

tȯnhlei dieſer

torhacż reißen

torhnécż einen Riß machen

tzihnécż einen Schnitt thun

whacż lügen

Wuhlo Kohle

Wolhar Bulgar

żehrawé eiferſüchtig

żohnuwacż ſegnen

zbėhnécż aufheben

Zahroda Garten

ſowie die Compoſita aller derjenigen Wörter, welche oben in der erſten
Anmerkung aufgeführt worden ſind.

Anm. 4. Das h am Anfange, in der Mitte und am Ende der wendiſchen Wörter
geht in den meiſten übrigen Slawinen gewöhnlich in g über. Z. B.

Ober-Wend. Niederlauſ. Böhmiſch. Polniſch. Illyriſch. Ruſſiſch.

horicż ♣gorésch♠ ♣hořeti♠ ♣goreć♠ ♣gorěti♠ ♣garet♠ brennen

horbaté ♣garbaty♠ ♣hrbatý♠ ♣garbaty♠ ♣gěrbav♠ ♣garbatui♠ buckelig

Huſa ♣guss♠ ♣husa♠ ♣gęś♠ ♣guska♠ ♣guss♠ Gans

Hoiƀ ♣golb♠ ♣holub♠ ♣gołąb́♠ ♣golub♠ ♣golub♠ Taube

Huſaṅcza ♣gusseńza♠ ♣houseńka♠ ♣gąsienica♠ ♣gusenica♠ ♣gussenica♠ Raupe

nihdé ♣nigdy♠ ♣nikdy♠ ♣nigdy♠ ♣nikada♠ ♣nikogda♠ niemals

<pb n="20"/>

Noha ♣noga♠ ♣noha♠ ♣noga♠ ♣noga♠ ♣noga♠ Fuß

Woheṅ ♣wogeń♠ ♣oheń♠ ♣ogień♠ ♣ogani♠ ♣agoń♠ Feuer

Bóh ♣bog♠ ♣bůh♠ ♣bóg♠ ♣bog♠ ♣bog♠ Gott

Bróh ♣brog♠ ♣břeh♠ ♣brzég♠ ♣breg♠ ♣bereg♠ Ufer

16. ch wie im Deutſchen, wird aber von den katholiſchen Schriftſtellern
als Anfangsbuchſtabe eines Wortes nicht gebraucht. Z. B. Rėch Sünde;
Duch Geiſt.

17. k wie im Deutſchen. Z. B. Kut Winkel; kaiki wie beſchaffen? Rapak
Rabe.

18. kh wie ein ſcharf gehauchtes k. Z. B khoré krank; khudé arm; khowam
ich berge; Khlėb Brot.[17]⁾

19. b wie im Deutſchen. Z. B. Bamuż (Bamż) Papſt; Bok Seite; Rub Tuch.

20. ƀ wie bj. Z. B. Raƀe (Rabje) Rechen; na Ṅeƀu (Ṅebju) am Himmel.

Anm. Bisweilen, beſonders vor e, iſt ƀ ſehr ſchwach jotirt, weshalb man
ſtatt ƀ ſogleich b ſchreiben kann. Z. B. teƀe oder tebe dich; ƀez oder
bez ohne; huƀené oder hubené elend.

21. p wie im Deutſchen. Z. B. pak aber; Piwo Bier; pói komm’!

Anm. Ptak (Vogel) wird Tak ausgeſprochen.

22. ṗ wie pj. Z. B. ṗaté der fünfte; ṗané trunken; Ṗero Feder.

23. z iſt ein ſanfter ſ-Laut. Z. B. zadé hinten; Zubé Zähne; Zak Taſche;
Wóz Wagen.

24. ſ iſt das deutſche ſſ. Z. B. ſam ſelbſt; noſécż tragen; Sak
Fiſchnetz; Wós Stimme.

25. ſch etwas ſchärfer als das deutſche ſch. Z. B. Schaté Wäſche; ſchėré
grau; ſchiju ich nähe.

26. ż iſt ein ſanfter ſch - Laut, wie das franzöſiſche j in ♣jour.♠ Z.
B. Żona Frau; Muż Mann; Róża Roſe.

Anm. Vor einem Conſonanten wird der ſch - Laut gemeiniglich durch ż
ausgedrückt. Z. B. Żkra Funke; żtó wer? Żtom Baum. Man kann aber auch,
beſonders vor k, p, t, cż, tż — ſch ſchreiben; z. B. ſchtó, Schtom.

27. cz wie das deutſche z. Z. B. czuzé fremd; Czéroba Nahrung; Ruczé
Hände.

<pb n="21"/>

28. tz ſcharf wie das deutſche tz in „Netz.“ Z. B. tzihacż ſcheeren; tzi
drei; nutz hinein; tzélecż ſchießen.

29. dż wie ein weiches dſch. Z. B. Dżak Dank; dżi gehe! dżerżecż halten;
Żerdż Stange.

30. cż wie zſch. Z. B. cżi dir; Cżerṅ Dorn; dacż geben; Dżėcżo Kind.

31. tż wie ein ſcharfes tſch. Z. B. Tżas Zeit; tżora geſtern; Pitżk
Trinker; tżakai warte.

32. kż wie kſch. Z. B. Kżiż Kreuz; Kżiṅa Lade; kżiwé krumm.

Anm. Man kann ſtatt kż auch kſch ſchreiben; z. B. Kſchiż.

33. pż wie pſch und zu Anfange eines Wortes wie ein geſchärftes ſch. Z.
B. pżi bei; pżed vor; pżez durch; napżecżo entgegen; pżiṅdż komme!

Anm. Man kann ſtatt pż auch pſch ſchreiben; z. B. pſchi.

34. f und g werden wie im Deutſchen ausgeſprochen.

Anm. 1. Vor é und ei ſteht niemals ein jotirter Conſonant; desgleichen
vor o, a, u kein jotirtes ł (lj).

Anm. 2. Vor ė und i iſt der Conſonant jedesmal jotirt, doch wird die
Jotirung nicht erſt durch den Punkt ausgedrückt. Z. B. nė nein (nicht:
ṅė); prėni der erſte; poſleni der letzte; z nich aus ihnen.

Anm. 3. Die jotirten Buchſtaben ƀ, ł, ṁ, ṅ, ṗ, ṙ, ẇ werden am Ende eines
Wortes faſt wie unjotirt ausgeſprochen.[18]⁾ Die Jotirung dient dazu, um
anzudeuten, daß in der Verlängerung das Jota hörbar wird. Z. B. Krotżeł
(= Krotżel) Schritt, Krotżełe Schritte; Kóṅ (= Kón) Pferd, Koṅa des
Pferdes; Seṗ (= Sep) Windwebe, Seṗe der Windwebe; Wutżeṙ (= Wutżer)
Lehrer, Wutżeṙa des Lehrers; Tżeṙẇ (= Tżer) Wurm, Tżeṙẇa (= Tżerja) des
Wurmes.

Ausgenommen ſind: Daṅ (= Dain) Zins; ſtaṅ (= ſtain) ſtehe auf!

Anm. 4. Die proteſtantiſchen Wenden haben ein doppeltes w, nämlich w und
ł. Den letzteren Laut (ł) gebrauchen ſie überall da, wo ł bei der
Buchſtaben-Umwandlung in l übergeht, und wo die übrigen Slawinen ein l
haben. Die hierher gehörigen Wörter ſind:

<pb n="22"/>

bjeły bėwé weiß

Błaſeṅ Bwazeṅ Narr

Błóto Bwóto Koth

Błud Bwud Irrthum

Błuſna Bwuzna Wunde

Błyſk Bwóſk Blitz

Cżjeło Cżėwo Leib

Cžłowek Cżwojek Menſch

Cžlowek

Cžoło Tżowo Stirn

cžopły tżopwé warm

Djaboł Djabow Teufel

Dół Dów Schuld, Thal

dołhi dowhi lang

dżjełacż dżėwacż arbeiten

Hałoſa Hawza Aſt

Hołb Hoib Taube

hołdowacż howduwacż huldigen

Horło Horwo Kropf

Jabłuko Jabwuko Apfel

Jahły Jahwé Hirſe

Japoſchtoł Japożtow Apoſtel

Jedło Jedwo Giebel

Jehła Johwa Nadel

kabłacż kabwacż wackeln

Kał Kaw Kraut

kałacż kawacż ſtechen

kißały kiſawé ſauer

kłapacż kwapacż klopfen

kłaſz kwaſcz legen

Kłobuk Kwobuk Hut

kłócż kwócż ſtechen

Kłótba Kwótba Bann

Khłódk Khwódk Schatten

Kłok Kwok Pfeil

Kłóſk Kwóſk Aehre

Kȯł Ków Pfahl

Koło Kowo Rad

Kołṗ Kowṗ Schwan

Koſoł Kozow Ziegenbock

Koßydło Koſédwo Schlinge

Kotoł Kotow Keſſel

khróbły khrobwé kühn

Krocžałka Krotżawka Schrittchen

Kſchidło Kżidwo Flügel

Kuſłar Kuzwaṙ Zauberer

Kubło Kubwo Gut

łacżanſki wacżonſki lateiniſch

łahodny wahodné ſchmächtig

łakacż wakacż lauern

łamacż wamacż brechen

łaſycż wazécż kriechen

hładki wadki glatt

Ława Wawa Bank

łhacż whacż lügen

hłuboki huboki tief

Łóchcż Wóchcż Elle

włócžicż wótżicż eggen

Hłód Wód Hunger

Łȯdż Wȯdż Schiff

Włoßy Woſé Haare

Hłóß Wȯs Stimme

łaßkotacż woſkotacż kitzeln

Hłowa Wowa Kopf

łowicż wojicż fangen

łożicż wożicż legen

Hłub Wub Strunk

Łucžwo Wutżwo Kien

hłuchi wuchi taub

Włuha Wuha Saft

Łuka Wuka Wieſe

hłupy wupé dumm

Łuża Wuża Sumpf, Pfütze

Łużiza Wużicza Lauſitz

Łżiza Wżicza Löffel

mały mawé klein

miły miwé mild

Młȯn Mwón Mühle

młócżicż m wócżicż dreſchen

młody mwodé jung

młowicż mwojicż ſprechen

Motydło Motédwo Weife

Mrócžałka Mrótżawka Wölkchen

Módło Módwo Seife

nahły nahwé jäh

Noßydło Noſédwo Trage

Pachoł Pachow Burſche

Pawoł Pawow Paulus

<pb n="23"/>

Wopiłz Wopiwcz Trunkenbold

płacżicż pwacżicż gelten

płakacż pwakacż weinen

Płaſt Pwaſt Honigſcheibe

Płat Pwat Leinwand

pławicż pwawicż ſchwemmen

Płód Pwód Frucht

płȯkacż pwókacż waſchen

Płómjo Pwóṁo Flamme

Płónz Pwȯncz Holzapfel

płóſchicż pwóſchicż ſcheu machen

Płót Pwót Zaun

Płuh Pwuh Pflug

płówacż pwuwacż ſchwimmen

pół pów halb

połny powné voll

Popeł Poṗew Aſche

poßłuſchny poſwuſchné gehorſam

Rebło Ṙebwo Ribbe

ſaßukły zaſukwé verſtockt

ſchibały ſchibawé ſchelmiſch

Schołta Schowta Scholz

Skała Skawa Fels

ſniły zniwé faul

ßłaby ſwabé ſchwach

ßłacż ſwacż ſchicken

ßłodżicż ſwodżecż ſchmecken

Ssłóma Swóma Stroh

Ssłónzo Swȯnczo Sonne

ßłódki ſwódki ſüß

Słoto Zwote Gold

Ssłowo Swowo Wort

ßłużicż ſwużicż dienen

ſły zwó böſe

ßłyſchecż ſwóſchecż hören

ßłuſchecż ſwuſchecż gehören

Ssmoła Smowa Pech

Ssedło Sedwo Sattel

Soła Zowa Aeſcher

Stadło Stadwo Heerde

Stał Staw Glied

Stół Stów Stuhl

Stołp Stowp Säule

ßwjetły ſwėtwé hell

Ssyła Séwa Schaar

tełko teiko ſo viel

Tyło Téwo Genick

tłacż twacż modern

tłocžicż twotżicż drücken

tołkacż towkacż ſtampfen

tołſty towſté dick

Topoł Topow Pappel

weßeły ẇeſowé fröhlich

Widły Widwé Gabel

Wół Wów Ochſe

wołacż wowacż rufen

Wołtaṙ Wowtaṙ Altar

Woßoł Woſow Eſel

wutwy wutwé welk

żadławy żadwawé greulich

Żahadło Żahadwo Stachel

Żałba Żawba Salbe

Żałoſz Żawoſcz Jammer

Żłob Żwob Krippe

Żołma Żowma Welle

żołty żowté gelb

Żołdk Żowdk Magen

Żołdż Żowdż Eichel

Żołcž Żowtż Galle

Żórło Żurwo Quelle

zyły czéwé ganz

Zło Czwo Zoll

u. a. m.

Dazu kommen noch die Participia Perfecti Activi aller Zeitwörter. Z. B.
pytał (= pótaw), pił (= piw) u. ſ. w.

Anm 5. Unſer jotirtes ł bezeichnen die Proteſtanten durch l oder lj.

Anm. 6. Zur Vergleichung, wie das proteſtantiſche ł in den andern
Slawinen in l übergeht, dienen folgende Beiſpiele:

<pb n="24"/>

Ober-Wendiſch. Niederlauſ. Böhmiſch. Polniſch. Illyriſch. Ruſſiſch.

Wołtaṙ ♣holtaŕ♠ ♣oltář♠ ♣oltarz♠ ♣oltar♠ ♣altaŕ♠ Altar

błyſkacż ♣blyskasch♠ ♣bliskati♠ ♣błyskać♠ ♣bliskati♠ — blitzen

Błóto ♣bloto♠ ♣blato♠ ♣błoto♠ ♣blato♠ — Koth

pół ♣pol♠ ♣půl♠ ♣pół♠ ♣pol♠ ♣pol♠ halb

Słoto, ♣sloto♠ ♣zlato♠ ♣złoto♠ ♣zlato♠ ♣soloto♠ Gold

bjeły ♣běly♠ ♣bilý♠ ♣biały♠ ♣běl♠ ♣belui♠ weiß

Woreł ♣jerel♠ ♣orel♠ ♣orzeł♠ ♣oral♠ ♣arol♠ Adler

Wół ♣wol♠ ♣wůl♠ ♣wół♠ ♣vol♠ ♣wol♠ Ochſe

Woßoł ♣wossol♠ ♣osel♠ ♣osioł♠ ♣osel♠ ♣assel♠ Eſel

Dłóṅ ♣dloń♠ ♣dlań♠ ♣dlóń♠ ♣dlan♠ ♣dlań♠ flache Hand

Cžoło ♣zolo♠ ♣čelo♠ ♣czoło♠ ♣čelo♠ ♣tschelo♠ Stirn

mały ♣maly♠ ♣malý♠ ♣mały♠ ♣mali♠ ♣malui♠ klein

ſły ♣sly♠ ♣zly♠ ♣zły♠ ♣zal♠ ♣slui♠ böſe

ßłużicż ♣sslužysch♠ ♣sloužiti♠ ♣złužyć♠ ♣služiti♠ ♣sslushit♠ dienen

łhacż ♣lgasch♠ ♣lháti♠ ♣łgać♠ ♣lagati♠ ♣lgat♠ lügen

był ♣byl♠ ♣byl♠ ♣był♠ ♣bio♠ ♣byl♠ geweſen

3. Ausſprache der Diphthongen.

1. ij wird wie ein gedehntes i geſprochen. Z. B. pij trinke! Kij Stock;
Wolij Oel.

2. ei = e - i wie in den lateiniſchen Wörtern ♣Dei, diei.♠ Z. B. Nanei
dem Vater; popżei gönne!

3. ėi, éi. Z. B. mėi habe! ſmėi ſo lache! téi gedeihe! ſéi ſäe!

4. oi, òi, ui, ai. Z. B. mói mein; Wói Inſelt; Wui Vetter; dui blaſe!
hai ja; Krai Reich; dai gieb!

5. w nach einem Vocal wird wie ein kurzes u ausgeſprochen.

iw = i - u. Z. B. biw geſchlagen; piw getrunken.

ew = e - u. Z. B. Schewcz Schuſter.

ėw, éw, ow, òw, uw, aw. Z. B. jo mėw er hat gehabt; Nėw Zorn; jo czéw er
hat gewollt; jow hier; Schow Naht; Wów Ochs; jo ruw er hat gebrüllt; Law
Löwe; Żawba Salbe; na Wſach (= nawſach) auf den Dörfern; ze wſchėmi (=
zewſchėmi) mit allen; za wſchėch (= zawſchėch) für alle; ze Wżiczu (=
zewżiczu) mit dem Löffel.

<pb n="25"/>

§. 3. Schreibweiſe.

1. Anwendung der großen Buchſtaben.

Große Anfangsbuchſtaben werden im Wendiſchen überall da gebraucht, wo
auch im Deutſchen dergleichen ſtehen. Mit großen Anfangsbuchſtaben
werden demnach geſchrieben:

♣a.♠ alle Hauptwörter. Z. B. Swėt Welt; Tżowo Stirn; Dżėcżo Kind.

♣b.♠ alle Wörter zu Anfang eines Satzes, nach einem Punkte, Frage- und
Ausrufungszeichen. Z. B. Mó ſmó Cżwojekoẇe. Cżwojekoẇe ſu ſṁertni wir
ſind Menſchen. Menſchen ſind ſterblich.

♣c.♠ alle Wörter nach einem Doppelpunkte, wenn die Rede eines Andern
angeführt wird. Z. B. Japożtow Pawow praji: Ja wſchitko zamóżu wo Bohu,
kiż ṁe ſélnoſcżi der Apoſtel Paulus ſagt: Ich vermag alles in Gott, der
mich ſtärkt.

♣d.♠ alle Wörter zu Anfang einer Verszeile. Z. B.

Schwa jo tam Hilżitżka Trawitżku żṅecż,

Tzi mi te Żtundżitżki do bėwoh’ Dṅa.

Prėṅu tu Żtundżitżku żṅejeſche,

Raniſche Zeṙa ji hoṙedżėchu.

Zu ſchneiden das Gräschen ging Elsbethchen aus,

Drei Stunden vor Ankunft des weißen Tag’s.

Und als ſie geſichelt ein Stündchen daſelbſt,

Da ließ ſich das liebliche Morgenroth ſeh’n.

(Wend. Volksl.)

♣e.♠ alle Titulaturen. Z. B. Waſcha Majeſtoſcz Ew. Majeſtät; Waſcha
Jaſnoſcz Ew. Durchlaucht; Waſcha Wóſoka Doſtoinoſcz (Waſcha Duchownoſcz)
Ew. Hochwürden.

♣f.♠ diejenigen Fürwörter in Briefen, welche ſich auf die angeredete
Perſon beziehen. Z. B. Mói Kṅeże! Po tei Dowolnoſczi, kotruż ſcże Wó mi
dali, póſczelu ja Wam jedén wot mojich huƀeṅe piſanéch Liſtow. Ja mam k
Wam te Dowėṙeṅo, zo Waſcha dobrocżiwa Wutroba tu Khróbwoſcz za zwo wzacż
ṅebudże mein Herr! Nach der Erlaubniß, die Sie mir gegeben haben, ſende
ich Ihnen einen von meinen ſchlecht <pb n="26"/>geſchriebenen Briefen.
Ich habe zu Ihnen das Vertrauen, daß Ihr gütiges Herz dieſe Freiheit
nicht übel nehmen wird.

Anm. Neuere Schriftſteller ſchreiben nur in den von ♣b♠ bis ♣f♠
angeführten Fällen die wendiſchen Wörter mit großen Anfangsbuchſtaben,
alle Subſtantiva aber, Bóh (Gott) und die Eigennamen ausgenommen, mit
kleinen.

2. Theilung der Wörter.

1. Im Wendiſchen gelten dieſelben Regeln der Theilung, wie im Deutſchen,
Sylbe für Sylbe wird abgetheilt. Z. B. boha - té reich; Wo - da - wa -
ṅo Vergebung; wu - mó - żicż erlöſen; mi - wo - ſczi - wé barmherzig.

2. Diejenigen Buchſtaben, welche im Wurzelworte zuſammen gehören, dürfen
bei der Theilung nicht von einander getrennt werden. Z. B. ho - ṙe -
wzacż aufnehmen; po - wró - cżicż umſtürzen; po - bracż ein wenig
nehmen; pod - jan - ſki katholiſch; wó - tzicż ſchärfen; Za - ſwu - żbé
Verdienſte; wumṙecż ſterben.

3. Verdoppelung der Conſonanten.

1. Eine Verdoppelung der Conſonanten findet im Wendiſchen nicht ſtatt.

2. Wenn zuweilen ein Wort mit doppeltem Conſonanten geſchrieben wird, ſo
kommt das daher, weil es mit einer Präpoſition zuſammengeſetzt iſt. Z.
B. poddacż untergeben (von pod unter, dacż geben); wottorhacż abreißen
(von wot weg, torhacż reißen); wobbohacżicż bereichern (von wob und
bohacżicż).

3. Gewöhnlich wird ein doppelter Conſonant nicht geſchrieben, ſondern
nur ein einfacher, weil beim Ausſprechen keine Verdoppelung gehört wird.
Z. B. Podan = Poddan Unterthan.

4. Dehnungszeichen.

1. Wie es im Wendiſchen keine Verdoppelung giebt, ſo giebt es auch keine
Dehnung.

2. Das h, welches in einigen Wörtern geſchrieben wird, gilt nicht als
Dehnungszeichen, ſondern gehört zum Wurzelworte und iſt auf die
Ausſprache ohne Einfluß. (Vergl. §. 2, 2, 15 Anm. 3.)

<pb n="27"/>

5. Gegenſeitige Vertretung einiger Conſonanten.

h, j und w vertreten ſich oft gegenſeitig. Z. B. hako und jako als;
praje und praẇe recht; woprajecż und wopraẇecż communiciren; jutze und
witze morgen; Hui und Wui Vetter.

§. 4. Betonung der Wörter.

1. Der Wende betont in allen Wörtern die erſte Sylbe; er ſpricht: dawacż
geben; Paduch Dieb; Paṅeṅo das Fallen; Zaroda Garten; Rakeczé
Königswartha; Wolijeṅcza Oelberg.

2. Wird ein Wort mit einer Präpoſition oder mit der Partikel ṅe
zuſammengeſetzt, ſo bleibt der Ton auf der erſten Sylbe. Z. B. powowacż
berufen; zaṁetacż zuwerfen; ṅelubo unlieb; ṅemėrnė unruhig;
Ṅepótſcziwoſcz Untugend. Selbſt wenn ein Wort mit zwei Präpoſitionen
zuſammengeſetzt iſt, wird die erſte Sylbe betont. Z. B. dorozṁetacż
vollends auseinander werfen; pżepowożicż an einen andern Ort legen;
Wotpoladaṅo Abſicht.

3. Wird ein mehrſylbiges Wort mit einem mehrſylbigen Umſtandsworte
verbunden, ſo behält jedes der beiden Wörter ſeinen Ton. Z. B. Deṙehicżo
Wohlergehen; Hoṙeſtawaṅo Auferſtehung.

4. Die Präpoſition, welche einem Subſtantivum, Adjectivum u. ſ. w.
vorangeht, wird mit dieſem Subſtantivum, Adjectivum u. ſ. w. ſo eng
verbunden, als ob beide Ein Wort bildeten. Z. B. na Pżedaṅ (= napżedaṅ)
zum Verkauf; do Wėcżnoſcże (= dowėcżnoſcże) in Ewigkeit; wo Wſé (=
wowſé) im Dorfe; wo wſchėch (= wowſchėch) in allen. Hat jedoch das
Subſtantivum, Adjectivum u. ſ. w. den Nachdruck, ſo bekommt letzteres
die Betonung. Z. B. na Zemi auf der Erde, po Jutrach nach Oſtern.

5. Die aus fremden Sprachen entlehnten Wörter behalten die ihnen
eigenthümliche Betonung. Z. B. Pilatus; Jėruzalem.

§. 5. Umwandlung oder Erweichung der Buchſtaben.

Der Wende duldet in ſeiner Sprache keine Härten. Wenn zwei Buchſtaben
zuſammenkommen, welche in der Ausſprache hart klingen würden, ſo
verwandelt er den einen Buchſtaben in einen andern ähnlichen Laut, um
einen beſſern Klang, eine größere Weichheit hervorzubringen. Man nennt
dieſe Operation Buchſtaben - Umwandlung <pb n="28"/>oder Buchſtaben -
Erweichung. Sie geſchieht:

1. durch Jotirung eines Buchſtaben; z. B. n geht über in ṅ, m in ṁ u. ſ.
w.

2. durch wirkliche Umwandlung eines Buchſtaben in einen andern; z. B. e
in ė, o in a, d in dż, t in cz oder cż u. ſ. w.

Die Buchſtaben - Umwandlung erſtreckt ſich über alle Redetheile.

1. Umwandlung der Vocale.

e geht über in ė. Z. B. ṙecz ſagen, rėkacż heißen; ṗecz backen, Pėcz
Backofen.

o in a. Z. B. khodżicż gehen, zkhadżecż aufgehen.

o in e. Z. B. zkoro bald, zkeṙe eher; Żona Frau, ſo żenicż heirathen.

o in ò. Z. B. Hora Berg, do Hór ins Gebirge; dóſtacż erhalten (von do
und ſtacż).

ò in o. Z. B. żtó wer? żto was? Rów Grab, Rowa des Grabes; Wóz Wagen,
Woza des Wagens.

a in e. Z. B. Kżeſczijan Chriſt, Kżeſczijeṅo Chriſten; cżahnu ich ziehe,
cżehṅeſch du zieheſt.

2. Umwandlung der Conſonanten.

n in ṅ. Z. B. Zeṁan Edelmann, Zeṁeṅo Edelleute; Holan Haidebewohner,
Holeṅo die Haidebewohner; Żona Frau, k Żoṅe zur Frau.

m in ṁ. Z. B. Zéma Winter, w Zéṁe im Winter; wama = waṁe er bricht.

r in ṙ. Z. B. Dwór Hof, na Dwoṙe auf dem Hofe; Hora Berg, na Hoṙe auf
dem Berge.

w in ẇ. Z. B. Rów Grab, w Roẇe imGrabe; Japożtow Apoſtel, Japożtoẇe die
Apoſtel.

w in l. Z. B. powné voll, ṗelnicż füllen; Waw Bund, Waltżk Bündchen.

w in l (ł). Z. B. Cżėwo Leib, na Cżėle am Leibe; Staw Glied, Capitel, na
Stale. §. 2, 2, 14.

d in dż. Z. B. Woda Waſſer, wo Wodże im Waſſer; Rada Rath, radżicż
rathen; Lud Volk, Ludżo Leute.

t in cz. Z. B. ṙehotam ich wiehere, ṙehoczeſch du wieherſt; ṁetam ich
werfe, ṁeczeſch du wirfſt.

<pb n="29"/>

t in cż. Z. B. Pokuta Buße, pokucżicż büßen; Ruta Raute, rucżané Wėncz
Rautenkranz; Khriƀet Rücken, na Khriƀecże auf dem Rücken.

tr in tz (oder tſ). Z. B. Sotra Schweſter, na Sotze an der Schweſter;
Bratr Bruder, Bratze o Bruder!

Anm. Vor e, o, a ſchreibt man ſtatt tz häufig auch tzj. Z. B. Bratze
oder Bratzje o Bruder; Bratza oder Bratzja Brüder; khėtze oder khėtzje
geſchwind.

tk in tz (oder tſ.) Z. B. krótki kurz, pżikrótzicż verkürzen.

l in ł (l). Z. B. Kula Kugel, Kułe die Kugeln; Kral König, Krałeſtwo
Königreich. §. 2, 2, 14.

l in w. Z. B. Mrótżel Wolke, Mrótżawka Wölkchen; Piſchcżel Pfeife,
Piſchcżawka Pfeifchen.

h in z. Z. B. druhi der andere, druzé die anderen; Droha Straße, na
Drozé auf der Straße.

h in ż. Z. B. Droha Straße, Dróżnik Wanderer; druhja die andere, Drużka
Brautjungfer (Geſellſchafterin); Bóh Gott, Bożo o Gott!

ch in ſch. Z. B. Rėch Sünde, rėſchicż fündigen; Duch Geiſt, Duſcha
Seele.

k in cz. Z. B. Rėka Fluß, pżi Rėczé bei’m Fl.; Ruka Hand, wo Ruczé in
der Hand.

k in tż. Z. B. Tuk Fett, tutżné fett; Ruka Hand, rutżne Dżėwo
Handarbeit; Woko Auge, Wotżi die Augen.

b in ƀ. Z. B. Baba alte Frau, baƀecż zur alten Frau werden; Dub Eiche,
na Duƀe auf der E.

p in ṗ. Z. B. Lipa Linde, na Liṗe auf der L.; lėpſchi der beſſere, lėṗe
beſſer.

z in ż. Z. B. Kṅez Herr, Kṅeże o Herr! kṅeżicż herrſchen; mazacż
ſchmieren, mażu ich ſchmiere.

ſ in ſch. Z. B. proſécż bitten, proſchu ich bitte, Proſcheṙ Bettler;
Strach Gefahr, ſtraſchné gefährlich.

ſt in ſcż und ſcz. Z. B. Mėſto Stadt, w Mėſcże in der Stadt; Móſt
Brücke, pżi Moſcże bei der Brücke; proſté ſteif, proſcziſchi ſteifer.

<pb n="30"/>

ſcz in ſcż[19]⁾. Z. B. Miwoſcz Barmherzigkeit, Miwoſcże der B. (Genit.);
Hóſcz Gaſt, Hoſcża des Gaſtes.

cz in cż. Z. B. Swėcza Licht (Kerze), ſwėcżiż leuchten.

cz in tż. Z. B. Hólcz Knabe, Hóltżk Knäbchen; Wėncz Kranz, Wėntżk
Kränzchen.

g in dz. Z. B. Figa Feige, Fidzé der Feige (Dativ).

§. 6. Tabelle der Buchſtabenumwandlung.

Nachſtehende Tabelle wird über die Buchſtabenumwandlung einen ſchnellen
Ueberblick gewähren.

e o ó a

ė a, e, ó o e

n m r w d t tr tk l h

ṅ ṁ ṙ ẇ, l, ł dż cz, cż tz (tſ) tz (tſ) ł, w z, ż

ch k b p z ſ ſt ſcz cz g

ſch cz, tż ƀ ṗ ż ſch ſcż, ſcz ſcż cż, tż dz

Zweiter Theil.

Wortlehre.

§. 7. Die Redetheile.

1. In der wendiſchen Sprache kommen folgende Redetheile oder
Wörterklaſſen vor:

1. das Subſtantivum (Hauptwort);

2. der Artikel (Geſchlechtswort);

3. das Adjectivum (Eigenſchaftswort);

4. das Pronomen (Fürwort);

5. das Numerale (Zahlwort);

6. das Verbum (Zeitwort);

7. das Adverbium (Umſtandswort);

8. die Präpoſition (Verhältnißwort);

9. die Conjunction (Bindewort);

10. die Interjection (Ausruf, Empfindungslaut).

2. Die erſten ſechs Redetheile ſind einer Abänderung fähig, die übrigen
vier nicht. Die Abänderung geſchieht bei dem Hauptwort, Geſchlechtswort,
Eigenſchaftswort, Fürwort und Zahlwort durch Declination, bei dem
Zeitwort durch Conjugation.

§. 8. Das Subſtantivum oder Hauptwort, ſein Geſchlecht und ſeine
Declination.

1. Das Subſtantivum oder Hauptwort bezeichnet eine für ſich beſtehende,
ſelbſtändige Perſon oder Sache. Z. B. Muž Mann; Cżwojek Menſch; Żona
Frau; Wutżba Lehre; Mėſto Stadt.

<pb n="32"/>

2. Das Subſtantivum hat im Wendiſchen wie in den meiſten Sprachen ein
dreifaches Geſchlecht (Genus). Dieſe drei Geſchlechter ſind:

1. das Maſculinum (männliche Geſchlecht);

2. das Femininum (weibliche Geſchlecht);

3. das Neutrum (ſächliche Geſchlecht).

3. Das Geſchlecht der Subſtantiva wird an der Endung erkannt.

Die ♣Substantiva masculina♠ endigen ſich auf ui, òi, ai oder auf einen
Conſonanten; die ♣Substantiva feminina♠ endigen ſich auf a, ei und ſcz
(ſcż); die ♣Substantiva neutra♠ endigen ſich auf o.

4. Nach den drei Geſchlechtern unterſcheiden wir drei Declinationen:

1. die ♣Substantiva masculina♠ gehen nach der erſten Declination;

2. die ♣Substantiva feminina♠ gehen nach der zweiten Declination;

3. die ♣Substantiva neutra♠ gehen nach der dritten Declination.

5. Der Numerus (die Zahlform) der Subſtantiva iſt dreifach:

1. der Singularis (die Einzahl);

2. der Dualis (die Zweizahl);

3. der Pluralis (die Mehrzahl).

6. Der Dualis iſt eine der wendiſchen Sprache eigenthümliche Form. Er
wird gebraucht, wenn von einer Zweiheit die Rede iſt. Z. B. Wotżi (zwei)
Augen; Wuſchi (zwei) Ohren; Nozé (zwei) Füße. Die übrigen Slawinen haben
nur noch Bruchſtücke einer Dualform.

7. Jeder Numerus hat ſieben Caſus (Fälle, Verhältnißformen). Dieſe Caſus
ſind:

1. der Nominativus (Werfall);

2. der Genitivus (Weßfall);

3. der Dativus (Wemfall);

4. der Accuſativus (Wenfall);

5. der Vocativus (Ausruffall);

6. der Sociativus oder Inſtrumentalis (Mitfall);

7. der Locativus (Wofall).

<pb n="33"/>

8. Der Nominativ ſteht auf die Frage: Wer? oder: Was?; der Genitiv auf
die Frage: Weſſen?; der Dativ auf die Frage: Wem?; der Accuſativ auf die
Frage: Wen? oder: Was?; der Vocativ ſteht bei einem Zuruf oder einer
Anrede; der Sociativ auf die Frage: Womit?; der Locativ auf die Frage:
Wo?

9. Der Sociativ wird meift mit der Präpoſition ze, z (mit) verbunden. Z.
B. z Nanom mit dem Vater. Daher der Name „Sociativ.“

10. Die Caſus werden gebildet:

1. indem dem Endconſonanten des Subſtantiv’s ein oder mehrere neue
Buchſtaben angehängt werden. Z. B. Muż der Mann, Muż - a des Mannes,
Muż - oẇe die Männer.

2. indem der Endvocal des Subſtantiv’s verändert wird. Z. B. Żona die
Frau, Żon - é der Frau.

3. indem der Endvocal des Subſtantiv’s weggeſtoßen wird und an deſſen
Stelle ein oder zwei neue Sylben geſetzt werden. Z. B. Żona die Frau,
Żon - ow der Frauen, Żon - omai den (beiden) Frauen, Żon - am den
Frauen.

11. Ueber die ♣Substant. mascul.♠ der erſten Declination iſt etwas ganz
beſonders Wichtiges zu ſagen. In der erſten Declination werden nämlich
unterſchieden:

1. Weſen, die mit Vernunft begabt ſind, ♣rationalia;♠ z. B. Muż Mann,
Cżwojek Menſch.

2. Weſen, die zwar belebt, aber vernunftlos ſind, ♣animata non
rationalia;♠ z. B. Ẇelk Wolf, Knot Maulwurf.

3. Dinge, die leblos oder nur naturbelebt ſind, ♣inanimata;♠ z. B. Dub
Eiche, Krai Reich.

12. Die ♣rationalia♠ (vernunftbegabte Weſen) haben in jedem Numerus den
Accuſativ gleich dem Genitiv. Z. B. ja znaju toho Muża ich kenne dieſen
Mann; ja znaju téch Mużow ich kenne dieſe Männer.

13. Die ♣animata non rationalia♠ (vernunftloſe Weſen) habe im Singularis
und Dualis den Accuſativ gleich dem Genitiv, im Pluralis aber den
Accuſativ gleich dem Nominativ. Z. B. wón ma Koṅa er hat ein Pferd; wón
ma Koṅow er hat zwei Pferde; wón ma Koṅe er hat Pferde.

<pb n="34"/>

14. Die ♣inanimata♠ (lebloſe Dinge) haben in jedem Numerus den Accuſativ
gleich dem Nominativ. Z. B. kóżdé lubuẇe ſwói wótczné Krai jeder liebt
ſein Vaterland.

§. 9. Tabelle der drei Declinationen.

1. Declination. ♣Masculina.♠ 2. Declination. ♣Feminina.♠ 3. Declination.
♣Neutra.♠

Singularis.

♣Nomin.♠ — ui, ói, ai, ij, n, ṅ, m, ṁ, r, ṙ, v, w, ẇ, d, t, l, ł, h, ch,
k, b, ƀ, p, ṗ, z, s, ſch, ż, cz, tz, dż, cż, tż — a, ei, ſcz (ſcż) — o

♣Genitiv♠ — a, u — é (ó), i, e, ė — a

♣Dativ♠ — ei, u, oi — e, é, i — u, ei

♣Acc.♠ 1. ♣ration.}♠ wie der 1. die auf a haben u wie der ♣Nomin.♠

2. ♣animat. Genit.♠ 2. die übrigen wie

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nominat.♠ der ♣Nomin.♠

♣Voc.♠ — o, e wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣Soc.♠ — om — u — om

♣Loc.♠ — u, e, é — e, é, e — u, e, é

Dualis.

♣Nom. Voc.♠ — ai, ei — e, i, é — i, é, e

♣Genit.♠ — ow — ow — ow

♣Dat. Soc.♠ — omai — omai — omai

♣Loc.♠

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠} wie der wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim. Genit.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣Nom. Voc.♠ — oẇe, o, a, e, i, é, ó — é (ò), i, e, ė — a

♣Genit.♠ — ow — ow — ow

♣Dat.♠ — am — am — am

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠} wie d.

3. ♣inanim. Nom.♠

♣Soc.♠ — ami, emi — ami, emi — ami, emi

♣Loc.♠ — ach — ach — ach

<pb n="35"/>

§. 10. Erſte Declination.

1. Die erſte Declination enthält alle Hauptwörter männlichen
Geſchlechts, welche ſich endigen auf: ui, ȯi, ai, ij, n, ṅ, m, ṁ, r, ṙ,
v, w, ẇ, d, t, l, ł, h, ch, k, b, ƀ, p, ṗ, z, s, ſch, ż, cz, tz, dż, cż,
tż.

2. Ueber die Eintheilung der Hauptwörter in ♣rationalia, animata non
rationalia♠ und ♣inanimata♠ iſt im §. 8 unter 11—14 das Nothwendige
geſagt worden.

3. Die in den §§. 5 und 6 angegebene Umwandlung der Buchſtaben tritt in
der erſten Declination ein.

Beiſpiele.

♣Rationale.♠ ♣Animatum.♠ ♣Inanimatum.♠

Singularis.

♣Nom.♠ Kral König Zajacz Haſe Khriƀet Rücken

♣Gen.♠ Krala Zajacza Khriƀeta

♣Dat.♠ Kralei Zajaczei Khriƀetei

♣Acc.♠ Krala Zajacza Khriƀet

♣Voc.♠ Kralo Zajaczo Khriƀecże

♣Soc.♠ Kralom Zajaczom Khriƀetom

♣Loc.♠ Kralu Zajaczu Khriƀecże

Dualis.

♣N. V.♠ Kralai (Kralei) Zajaczai Khriƀetai

♣Gen.♠ Kralow Zajaczow Khriƀetow

♣D.S.L.♠ Kralomai Zajaczomai Khriƀetomai

♣Acc.♠ Kralow Zajaczow Khriƀetai

Pluralis.

♣N. V.♠ Kraloẇe Zajaczé Khriƀeté

♣Gen.♠ Kralow Zajaczow Khriƀetow

♣Dat.♠ Kralam Zajaczam Khriƀetam

♣Acc.♠ Kralow Zajaczé Khriƀeté

♣Soc.♠ Kralami (Kralemi) Zajaczami Khriƀetami

♣Loc.♠ Kralach Zajaczach Khriƀetach

Singularis.

♣Nom.♠ Muż Mann Ẇelk Wolf Pwód Frucht

♣Gen.♠ Muża Ẇelka Pwodu

♣Dat.♠ Mużei Ẇelkei Pwodei

♣Acc.♠ Muża Ẇelka Pwód

♣Voc.♠ Mużo Ẇelko Pwodże

♣Soc.♠ Mużom Ẇelkom Pwodom

♣Loc.♠ Mużu Ẇelku Pwodże

<pb n="36"/>

Dualis.

♣N. V.♠ Mużai (Mużei) Ẇelkai Pwodai

♣Gen.♠ Mużow Ẇelkow Pwodow

♣D. S. L.♠ Mużomai Ẇelkomai Pwodomai

♣Acc.♠ Mużow Ẇelkow Pwodai

Pluralis.

♣N. V.♠ Mużoẇe Ẇelki Pwodé

♣Gen.♠ Mużow Ẇelkow Pwodow

♣Dat.♠ Mużam Ẇelkam Pwodam

♣Acc.♠ Mużow Ẇelki Pwodé

♣Soc.♠ Mużami (Mużemi) Ẇelkami Pwodami

♣Loc.♠ Mużach Ẇelkach Pwodach

§. 11. Bemerkungen zur erſten Declination.

1. Ueber den ♣Genitiv Singularis♠.

1. Viele einſylbige Subſtantiva, die im Nominativ vor dem Endconſonanten
ein ȯ haben, verwandeln dieſes ȯ im Genitiv und in den übrigen Caſus in
o. Z. B. Bóh Gott, ♣Genit.♠ Boha; Wóz Wagen, ♣Gen.♠ Woza; Wói Inſelt,
♣Gen.♠ Woja; Rói Schwarm, ♣Gen.♠ Roja; Nói Dünger, ♣Gen.♠ Noja; Rów
Grab, ♣Gen.♠ Rowa; Róh Horn, ♣Gen.♠ Roha; Nóż Meſſer, ♣Gen.♠ Noża; Lód
Eis, ♣Gen.♠ Lodu; Wód Hunger, ♣Gen.♠ Wodu; Hóſcz Gaſt, ♣Gen.♠ Hoſcża;
Hózdż Nagel, ♣Gen.♠ Hozdża.

2. Unverändert bleibt das ȯ in: Hólcz Knabe (♣Gen.♠ Hólcza), Mróz Reif,
Kóncz Ende, Kórcz Scheffel, Wóſt Diſtel, Wótcz Vater, Twóṙ Iltis u. a.

3. Viele einſylbige Subſtantiva haben im ♣Genit. Singul.♠ neben der
Endung a auch u. Z. B. Dom Haus, Domu; Lód Eis, Lodu; Lud Volk, Ludu;
Kad Rauch, Kadu; Khód Gang, Khodu; Zkhód Treppe, Zkhodu; Zkót Vieh,
Zkotu; Pwat Leinwand, Pwatu; Sad Obſt, Sadu; Bóz Holunder, Bozu.

4. Die Genitiv - Endung auf u iſt nach Präpoſitionen gebräuchlich. Z. B.
do Domu in das Haus hinein; do Sadu in das Obſt. — Bóh Gott, Bratr
Bruder, Kmótr Gevatter, <pb n="37"/>Wėtr Wind, haben im Genitiv immer
Boha, Bratra, Kmótra, Wėtra.

5. Viele Subſtantiva, die im Nominativ vor dem Endconſonanten einen
Vocal haben, werfen denſelben im Genitiv und in den übrigen Caſus weg.
Z. B.

Singul. Dual. Plural.

♣N. Ac.♠ Dżeṅ Tag ♣N. Acc.♠ Dnai ♣N. A.♠ Dné

♣Gen.♠ Dṅa ♣Gen.♠ Dṅów (Dnów) ♣Gen.♠ Dṅów (Dnów)

♣Dat.♠ Dnei (Dṅu) ♣Dat.♠ Dṅam (Dnam)

♣Soc.♠ Dṅom ♣D. S. L.♠ Dṅómai (Dnómai) ♣Soc.♠ Dṅami (Dnami)

♣Loc.♠ Dṅu ♣Loc.♠ Dṅach (Dnach)[20]⁾

6. Ebenſo: Pos Hund, ♣Genit.♠ Pſa; Róbel Sperling, ♣G.♠ Róbla; Rėbel
Leiter, ♣G.♠ Rėbla; Ṗezel Frauenjacke, ♣G.♠ Ṗezla; Kotow Keſſel, ♣G.♠
Kótwa; Woheṅ Feuer, ♣G.♠ Wóhṅa; Bwazeṅ Narr, ♣G.♠ Bwazṅa; Kaſchel
Huſten, ♣G.♠ Kaſchla; Poſow Bote, ♣G.♠ Póſwa; Hort Mund, ♣G.♠ Hrta oder
Horta.

2. Ueber den ♣Dativ Singularis.♠

1. Der ♣Dativ Singul.♠ endigt auf ei. Vor dieſer Endung ei verlieren die
jotirten Endconſonanten ihr Jota (§. 2, 34, Anm. 1.) Z. B. Wutżeṙ
Lehrer, ♣G.♠ Wutżeṙa, ♣D.♠ Wutżerei; Paſtéṙ Hirt, ♣G.♠ Paſtéṙa, ♣D.♠
Paſtérei; Koṙeṅ Wurzel, ♣D.♠ Koṙenei.

2. Manche einſylbige Subſtantiva haben im ♣Dativ Sing.♠ neben der Endung
ei auch u. Z. B. Lud Volk, ♣D.♠ Ludei und <pb n="38"/>Ludu; Tżert
Teufel, ♣D.♠ Tżertei und Tżertu; Duch Geiſt, ♣D.♠ Duchei und Duchu; Rów
Grab, ♣D.♠ Rowei und Rowu.

3. Bóh Gott hat im ♣Dat. Sing.♠ immer Bohu; z. B. Bohu bódż Dżak Gott
ſei Dank!

4. Die Subſtantiva auf m, w, b, p haben im ♣Dat. Sing.♠ ſtatt ei auch
oi. Z. B. Rów, ♣D.♠ Rowei, Rowoi; Nėw Zorn, Nėwoi.[21]⁾ §. 2, 1, Anm.

3. Ueber den ♣Vocativ Singularis.♠

1. Der ♣Vocat. Singul.♠ endigt auf o und e. Eine beſtimmte Regel darüber
anzugeben, welche Subſtantiva im ♣Vocativ Singul.♠ o und welche e haben,
iſt kaum möglich. Der Sprachgebrauch muß dieſes lehren. Jm Allgemeinen
gilt Folgendes:

1. o haben im ♣Vocativ:♠

♣a.♠ die Subſtantiva, die ſich endigen auf: i, j, h, ch, l, k, s, z, cz,
ż, cż, tż. Z. B. Muż Mann, ♣V.♠ Mużo; Krawcz Schneider, ♣V.♠ Krawczo;
Ẇelk Wolf, ♣V.♠ Ẇelko; Kżiż Kreuz, ♣V.♠ Kżiżo.

♣b.♠ die Subſtantiva, die auf einen jotirten Conſonanten endigen. Z. B.
Kowaṙ Schmied, ♣V.♠ Kowaṙo; Proſcheṙ Bettler, ♣V.♠ Proſcheṙo.

♣c.♠ die Subſtantiva ♣rationalia♠ auf an. Z. B. Kżeſczijan Chriſt, ♣V.♠
Kżeſczijano; Nan Vater, ♣V.♠ Nano; Jan Johann, ♣V.♠ Jano.

♣d.♠ die Wörter Sén Sohn, Lud Volk, Len Lein.

2. e haben im ♣Vocativ♠ die übrigen Subſtantiva, die ſich endigen auf:
n, m, r, w, d, t, b, p, ſt. Hierbei iſt wohl zu bemerken, daß bei der
♣Vocativ-♠ Endung auf e die in den §§. 5 und 6 angegebene Umwandlung der
Buchſtaben eintritt. Z. B. Żtom Baum, ♣V.♠ Żtoṁe; Móſt Brücke, ♣V.♠
Moſcże; Knot Maulwurf, ♣V.♠ Knocże; Wów Ochs, ♣V.♠ Woẇe oder Wole.

3. o und e haben im ♣Vocativ:♠ Bur Bauer, ♣V.♠ Buro und Buṙe; Hoib
Taube, ♣V.♠ Hoibjo und Hoibje; Paduch Dieb, ♣V.♠ Paducho und Paduſche;
Suſod Nachbar, ♣V.♠ Suſodo und Suſodże.

2. Folgende Subſtantiva haben einen eigenthümlichen ♣Vocativ♠ durch
Buchſtabenumwandlung (§§. 5 und 6.):

<pb n="39"/>

Bóh Gott, ♣Voc.♠ Bożo

Kṅez Herr, „ Kṅeże

Jėzus Kréſtus, ♣Voc.♠ Jėzu Kréſchcże oder Jėzuſo Kréſtuſo

Cżwojek Menſch, ♣Voc.♠ Cżwojetże oder Cżwojeko

Hólcz Knabe, ♣Voc.♠ Hòltże

Krawcz Schneider, ♣V.♠ Krawtże oder Krawczo

Schewcz Schuſter, ♣V.♠ Schewtże oder Schewczo[22]⁾

Bratr Bruder, ♣Voc.♠ Bratzje

Kmótr Gevatter, ♣Voc.♠ Kmótzjo oder Kmótzje

Tżert Teufel, ♣Voc.♠ Tżercże oder Tżerto

Had Schlange, ♣Voc.♠ Hadże u. ſ. w.

3. Wird mit der Titulatur „Herr“ im Vocativ ein Name — Standes- oder
Eigenname — verbunden, ſo wird nicht Kṅeże, ſondern Kṅez geſetzt, der
Name ſelbſt aber bekommt die Vocativendung. Z. B. Kṅez Wutżeṙo Herr
Lehrer! Kṅez Debiko Herr Debik! In der Umgangsſprache gebraucht das Volk
ſelbſt bei’m Namen die Vocativendung nicht, ſondern ſagt kurzweg: Kṅez
Varaṙ Herr Pfarrer! Kṅez Kapwan Herr Kaplan! Desgleichen: Jakub! Michaw!
Jurij! anſtatt: Jakuƀe! Michale! Jurijo! Auch Bóh ſteht zuweilen für den
Vocativ Bożo; z. B. Bóh Wótcze, Bóh Séno, Bóh Ducho ſẇaté, té jedén Bóh
Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geiſt, du einiger Gott! Dagegen
ſagt man immer: Kṅeże Bożo Herr Gott![23]^(*))

4. Ueber den ♣Locat. Singularis.♠

1. Der Locat. Singul. endigt auf u, e und é.

2. Im Allgemeinen gilt folgende Regel:

1. Subſtantiva, deren Endvocal ſich nicht jotiren, oder nach §§. 5 und 6
ſchwer umwandeln läßt, haben im Locativ u. Z. B. Cżwojek Menſch, ♣L.♠
Cżwojeku; Bok Seite, ♣L.♠ Boku; Pos Hund, ♣L.♠ Pſu.

2. Subſtantiva, deren Endvocal ſich leicht jotiren, oder nach §§. 5 und
6 leicht umwandeln läßt, haben im <pb n="40"/>Locativ (und auch im
Vocativ) e. Z. B. Dub Eiche, ♣L.♠ Duƀe; Dów Thal, ♣L.♠ Dole; Klin
Schooß, ♣L.♠ Kliṅe; Swėt Welt, ♣L.♠ Swėcże.

3. Die Endung u haben:

1. die Subſtantiva, welche im Vocativ o haben. Z. B. Krai Land, ♣V.♠
Krajo, ♣L.♠ Kraju.

2. die meiſten ♣Subst. rationalia.♠ Z. B. Cżwojek Menſch, ♣L.♠ Cżwojeku;
Bóh Gott, ♣L.♠ Bohu; Kṅez Herr, ♣L.♠ Kṅezu.

3. einige ♣Substant. animata.♠ Z. B. Kóṅ Pferd, ♣L.♠ Koṅu; Rapak Rabe,
♣L.♠ Rapaku.

4. die ♣Substant. inanimata,♠ die ſich endigen auf: k, s, z, cz. Z. B.
Zpotżatk Anfang, ♣L.♠ Zpotżatku; Kunk Köcher, ♣L.♠ Kunku; Mėſacz Monat,
♣L.♠ Mėſaczu.

5. alle Diminutiva (Verkleinerungswörter). Z. B. Domik Häuschen, ♣L.♠
Domiku; Mėſatżk Mond, ♣L.♠ Mėſatżku.

4. Die Endung e (mit Buchſtabenumwandlung §§. 5 und 6) haben:

1. die Subſtantiva, welche im Vocativ e haben. Z. B. Jakub, ♣V.♠ Jakuƀe,
♣L.♠ Jakuƀe; Bratr Bruder, ♣V.♠ Bratzje, ♣L.♠ Bratzje; Hat Teich, ♣L.♠
Hacże; Rów Grab, ♣L.♠ Roẇe.

2. die Subſtantiva, welche im Genitiv u haben. Z. B. Lód Eis, ♣L.♠
Lodże; Dom Haus, ♣L.♠ Doṁe; Staw, Glied, ♣L.♠ Stale.

5. Die Endung u und e haben die Subſtantiva auf ch. Z. B. Bruch Bauch,
♣L.♠ Bruchu und Bruſche; Strach Gefahr, ♣L.♠ Strachu und Straſche; Próch
Staub, ♣L.♠ Próchu und Próſche; Rėch Sünde, ♣L.♠ Rėchu und Rėſche.

6. Die Endung é haben die Subſtantiva auf h, wobei nach §§. 5 und 6 das
h in z übergeht. Z. B. Snėh Schnee, ♣L.♠ Snėzé; Bróh Ufer, ♣L.♠ Brozé;
Próh Schwelle, ♣L.♠ Prozé.

7. Die Endung é und u hat Kwobuk Hut, ♣L.♠ Kwobuczé und Kwobuku.

8. Bóh Gott, Duch Geiſt, Lud Volk, Bėh Lauf haben im ♣Locat. Singul.♠
nur Bohu, Duchu, Ludu, Bėhu.

<pb n="41"/>

9. Són Traum (Genit. Sona u. ſ. w.) wirft im ♣Locat. Sing.♠ das n weg;
z. B. wo Sṅe im Traume. Dagegen ſagt man: wo ſwódkim Soṅe im ſüßen
Traume.

10. Rjad Reihe hat im ♣Locat. Sing.♠ Rjadu und Rjedże.

5. Ueber den ♣Nominat. Dualis.♠

1. Der Nominativ Dualis endigt auf ai.

2. Hauptwörter mit einem jotirten Endconſonanten oder auf ni, òi, ai, j,
l, ſch, ż, dż, cż, tż endigen im Nominativ Dualis auf ei. Die jotirten
Endconſonanten verlieren alsdann ihr Jota (§. 2, 34. Anm. 1.). Z. B.
Muleṙ (Muṙeṙ) Maurer, Mulerei; Nóż Meſſer, Nożei; Kral König, Kralei;
Muż Mann, Mużei.

6. Ueber den ♣Nominat. Pluralis.♠

1. Der Nominat. Plur. endigt auf oẇe (budiſſiniſch: ojo), o, a, e, i und
é.

2. Die Endung oẇe haben alle ♣Substant. rationalia.♠ Z. B. Muż Mann,
Mużoẇe; Cżwojek Menſch, Cżwojekoẇe; Dżėd Großvater, Dżėdoẇe.

3. Die Endung o (verkürzt aus oẇe) haben alle mehrſylbigen ♣Substant.
rationalia♠ auf l, eṙ, aṙ und an. Z. B. Jandżel Engel, Jandżelo[24]⁾;
Dobrocżeṙ Wohlthäter, Dobrocżeṙo; Kuzwaṙ Zauberer, Kńzwaṙo; Kżeſczijan
Chriſt, Kżeſczijeṅo. Das einſylbige Wort Hóſcz Gaſt hat im ♣Nomin.
Plur.♠ ebenfalls Hoſcżo (auch Hoſcże).

4. Die Endung o und a haben: Bur Bauer, Buṙo und Buṙa; Serb Wende,
Serbjo und Serbja; Kmótr Gevatter, Kmótzjo und Kmótzja; Póp Prieſter,
Poṗo und Poṗa; Kṅez Herr, Kṅeżo und (häufiger) Kṅeża.

5. Bratr Bruder, Suſod Nachbar, Żid Jude, Tżech Böhme, Mich Mönch, haben
im ♣Nominat. Plur.:♠ Bratzja, Suſodża, Żidża (ſelten Żidé), Tżeſcha,
Miſcha.

6. Die Endung e haben die ♣Substant. animata♠ und ♣inanimata♠ auf ui,
òi, ai, ij, ṅ, ẇ, l, ƀ, ſch, ż, zdż, cż, tż. Z. B. Krai Land, Reich,
Kraje; Zmij Drache, Zmije; Cżerṅ Dorn, Cżerṅe; Tżeṙẇ Made, Tżeṙẇe; Hoiƀ
Taube, Hoibje; Nóż Meſſer, Noże; Hózdż Nagel, Hozdże; Klutż Schlüſſel,
Klutże.

7. Die Endung i haben die ♣Substant. animata♠ und ♣inanimata♠ <pb
n="42"/>auf h, ch, k. Hierbei iſt zu bemerken, daß ch vor i keine
Umwandlung erleidet, Paduch Dieb ausgenommen, welches im ♣Nominat.
Plur.♠ Paduſchi heißt. Z. B. Róh Horn, Rohi; Pwuh Pflug, Pwuhi; Rėch
Sünde, Rėchi; Jazék Zunge, Jazéki; Rak Krebs, Raki.

8. Die Endung é haben alle ♣Substantiva♠ auf u, m, r, w, d, t, b, p, z,
s, ſt, cz. Z. B. Żtom Baum, Żtomé; Rów Grab, Rowé; Lud Volk, Ludé
Völker; Zub Zahn, Zubé; Snóp Garbe, Snopé; Porſt Finger, Porſté; Lacz
Weſte, Laczé. Die ♣Substantiva♠ auf m, w, b, p haben ſtatt é auch ò. Z.
B. Żtomó, Rowó, Snopó. §. 2, 1. Anm.

9. Japożtow Apoſtel hat im ♣Nominat. Plur.♠ Japożtoẇe; Poſow Bote,
Póſwó; Djabow Teufel, Djabowó (wé); Pohan Heide, Pohaṅo und Pohani.

10. Die ♣Substant. rationalia♠ auf ik und ak haben im Nominat. Plural.
koẇe und czé Z. B. Mėſchnik Prieſter, Mėſchnikoẇe und Mėſchniczé;
Wutżownik Schüler (Jünger), Wutżownikoẇe und Wutżowniczé; Rėſchnik
Sünder, Rėſchnikoẇe und Rėſchniczé; Wojak Soldat, Wojakoẇe und Wojaczé.

11. Die ♣Substantiva masculina rationalia♠ haben im Nominat. Plural.
auch eine weibliche Endung auf e, é und i. Z. B. Muż Mann, Muże (ſtatt
Mużoẇe); Kral König, Krale (ſtatt Kraloẇe); Nan Vater, Nané (ſtatt
Nanoẇe); Sén Sohn, Séné (ſtatt Sénoẇe); Rėſchnik Sünder, Rėſchniki
(ſtatt Rėſchnikoẇe). In dieſem Falle werden die ♣Substant. mascul.♠ wie
♣feminina♠ behandelt; man ſpricht: ſẇate tzi Krale die heiligen drei
Könige; te pėkne Muże dieſe braven Männer; wſchė Rėſchniki ſu Bohu znate
alle Sünder ſind Gott bekannt. Der Gebrauch der weiblichen Endung im
Nominativ Pluralis iſt jedoch nur in der Umgangsſprache erlaubt; in der
Schriftſprache muß man ſagen: ſẇacżi tzjo Kraloẇe, cżi pėkni Mużoẇe,
wſchitczé Rėſchnikoẇe ſu Bohu znacżi.[25]⁾

<pb n="43"/>

7. Ueber den ♣Genitiv Pluralis.♠

1. Der Genit. Plural. endigt auf ow.

2. Einige Subſtantiva werfen im Genit. Plural. die Endung ow weg; Z. B.
Ṗeṅez für Ṗeṅezow, von Ṗeṅezé Gelder. Dies kann nur da geſchehen, wo
durch Wegwerfung der Endſylbe ow keine Härte entſteht; entſteht eine
Härte, ſo muß die volle Form auf ow genommen werden. Z. B. Dṅów, nicht
Dn, von Dżeṅ Tag; Róblow, nicht Róbl, von Róbel Sperling.

3. Diejenigen Subſtantiva, welche auf einen jotirten Buchſtaben oder auf
l, ſch, ż, cż und tż endigen, verwandeln im Genit. Plural. das
weggeworfene ow in i. Z. B. woſém Koni (Koṅow) acht Pferde; dżeẇecż
Toleri (Toleṙow) neun Thaler; ẇele Pacżeri (Pacżeṙow) viel Gebet; ſédém
Mużi (Mużow) ſteben Männer; ẇele woſobnéch Hoſcżi (Hoſcżow) viele
vornehme Gäſte; ſchėſcz Wóchcżi (Wóchcżow) ſechs Ellen.

8. Ueber den ♣Sociativ Pluralis.♠

Der Sociat. Plural. endigt auf ami und emi. Die Endung emi haben die
Subſtantiva mit jotirtem Endbuchſtaben und die auf ui, òi, ai, ij, l,
ſch, ż, dż, cż, tż. Z. B. Wui Vetter, Wujemi; Kij Stock, Kijemi; Ṙeṁeṅ
Riemen, Ṙeṁeṅemi; Kral König, Kralemi; Nóż Meſſer, Nożemi.

§. 12. Beiſpiele zur Uebung.

Bamuż Papſt

Biſkop Biſchof

Bėrcz Büttel

Bwud Irrthum

Bwóſk Blitz

Bok Seite

Buk Buche

Czeich Zeichen

Czéhel Ziegel

Cżerṅ Dorn

Cżwojek Menſch

Dawk Steuer

Dar Gabe

Deſchcż Regen

Dów Schuld, Thal

Dorn Raſen

Dub Eiche

Duch Geiſt

Dwòr Hof

Déch Athem

Dżėl Theil

Dżiw Wunder

Hai Hain

Hat Teich

Had Schlange

Hercz Spielmann

Hoib Taube, ♣Gen.♠ Hoibja

Hólcz Knabe

Horncz Topf

Hrat Geräth

Jazék Zunge

Jetżṁeṅ Gerſte

Jėzor See

Jėd Gift

Kaw Kraut

Kaṁeṅ Stein

Kaſchcż (Kachcż) Kaſten

Khlėb Brot

Klutż Schlüſſel

Knot Maulwurf

Kóncz Ende

Kórcz Scheffel

Króp ſiedendes Waſſer

Kżiż Kreuz

Kur Rauch

Kheiżor Kaiſer

Law Löwe

Lės Wald

Liſt Brief

Ṁetż Schwert

Mėd Honig, ♣Gen.♠ Ṁedu

<pb n="44"/>

Mėr Friede

Mėſchnik Prieſter

Mwón Mühle

Muż Mann

Ṅeboz Bohrer

Nėw Zorn

Pad Fall

Pas Gürtel

Pawk Spinne

Ṗeṅk Stamm

Piſaṙ Schreiber

Póſk Schnabel

Pót Schweiß

Rak Krebs

Rjad Reihe

Róh Horn

Rozom Verſtand

Rub Tuch

Sad Obſt

Skutk Werk

Stów Stuhl

Sud Gericht

Swėdk Zeuge

Schmrók Fichte

Staw Glied

Towarſch Genoſſe

Tuk Fett

Tżas Zeit

Tżėpcz Haube

Tżrij Schuh

Ẇeṙch Gipfel

Wėncz Kranz

Woƀed Mittagsmahl

Wolij Oel

Zak Taſche

Zank Thürſchloß

Żowdż Eichel

Żiwot Unterleib

§. 13. Unregelmãßige Declination.

Folgende Subſtantiva der 1. Declination werden im Plural unregelmäßig
declinirt:

Pluralis.

♣N. V.♠ Kṅeża Herren Koṅe Pferde

♣Gen.♠ Kṅeżich Koni (Koṅow)

♣Dat.♠ Kṅeżim (Kṅeżom) Koṅom

♣Acc.♠ Kṅeżich Koṅe

♣Soc.♠ Kṅeżimi Kónimi (Koṅemi)

♣Loc.♠ Kṅeżoch Koṅoch

♣N.V.♠ Ludżo (Ludże[26]⁾) Leute

♣Gen.♠ Ludżi

♣Dat.♠ Ludżom

♣Acc.♠ Ludżi

♣Soc.♠ Ludżimi

♣Loc.♠ Ludżoch

§. 14. Zweite Declination.

1. Die zweite Declination enthält alle ♣Substantiva feminina♠ und endigt
auf a, ei, ſcz (ſcż).

2. Die Subſtantiva auf a haben im Accuſativ Singul. u; die übrigen
Subſtantiva ſind im Accuſ. Singul. gleich dem Nominativ.

<pb n="45"/>

3. Die in den §§. 5 und 6 angegebene Umwandlung der Buchſtaben tritt in
der 2. Declination ebenfalls ein, jedoch nur im Dativ und Locativ
Singul., und im Nominativ, Accuſativ und Vocativ Dualis, welche Caſus
unter einander übereinſtimmen.

Beiſpiele.

1. 2. 3.

Singularis.

♣N. V.♠ Strona Seite Wowcza Schaf Droha Straße

♣Gen.♠ Stroné Wowczé Drohi

♣Dat.♠ Stroṅe Wowczé Drozé

♣Acc.♠ Stronu Wowczu Drohu

♣Soc.♠ Stronu Wowczu Drohu

♣Loc.♠ Stroṅe Wowczé Drozé

Dualis.

♣N.V.A.♠ Stroṅe Wowczé Drozé

♣Gen.♠ Stronow Wowczow Drohow

♣D.S.L.♠ Stronomai Wowczomai Drohomai

Pluralis.

♣N.V.A.♠ Stroné Wowczé Drohi

♣Gen.♠ Stronow Wowczow Drohow

♣Dat.♠ Stronam Wowczam Droham

♣Soc.♠ Stronami Wowczami Drohami

♣Loc.♠ Stronach Wowczach Drohach

4. 5. 6.

Singularis.

♣N. V.♠ Mucha Fliege Rola Acker Duſcha Seele

♣Gen.♠ Muchi Role (Rołe) Duſche

♣Dat.♠ Muſche Roli Duſchi

♣Acc.♠ Muchu Rolu Duſchu

♣Soc.♠ Muchu Rolu Duſchu

♣Loc.♠ Muſche Roli Duſchi

Dualis.

♣N.V.A.♠ Muſche Roli Duſchi

♣Gen.♠ Muchow Rolow Duſchow

♣D.S.L.♠ Muchomai Rolomai Duſchomai

<pb n="46"/>

Pluralis.

♣N.V.A.♠ Muchi Role Duſche

♣Gen.♠ Muchow Rolow Duſchow

♣Dat.♠ Mucham Rolam Duſcham

♣Soc.♠ Muchami Rolami (Rolemi) Duſchami (Duſchemi)

♣Loc.♠ Muchach Rolach Duſchach

7. 8. 9.

Singularis.

♣N. V.♠ Kazṅa Gebot Czérkei Kirche Boloſcz[27]⁾ Schmerz

♣Gen.♠ Kazṅe Czérkẇe Boloſcże

♣Dat.♠ Kazni Czérkwi Boloſczi

♣Acc.♠ Kazṅu Czérkei Boloſcz

♣Soc.♠ Kazṅu Czérkẇu Boloſcżu

♣Loc.♠ Kazni Czérkwi Boloſczi

Dualis.

♣N.V.A.♠ Kazni Czérkwi Boloſczi

♣Gen.♠ Kazṅow Czérkẇow Boloſcżow

♣D.S.L.♠ Kazṅomai Czérkẇomai Boloſcżomai

Pluralis.

♣N.V.A.♠ Kazṅe Czérkẇe Boloſcże

♣Gen.♠ Kazṅow Czérkẇow Boloſcżow

♣Dat.♠ Kazṅam Czérkẇam Boloſcżam

♣Soc.♠ Kazṅemi Czérkẇemi Boloſcżami (Boloſcżemi)

♣Loc.♠ Kazṅach Czérkẇach Boloſcżach

§. 15. Rückblick auf die Beiſpiele.

1. Nach dem erſten Beiſpiel (Strona) gehen alle Subſtantiva auf na, ma,
ra, tra, va, wa, da, ta, ba, pa, ſta, zda.

2. Nach dem zweiten Beiſpiel (Wowcza) gehen alle Subſtantiva auf za, ſa,
cza.

3. Nach dem dritten Beiſpiel (Droha) gehen alle Subſtantiva auf ha, ka,
ga.

4. Nach dem vierten Beiſpiel (Mucha) gehen alle Subſtantiva auf cha.

5. Nach dem fünften Beiſpiel (Rola) gehen alle Subſtantiva auf la.

<pb n="47"/>

6. Nach dem ſechsten Beiſpiel (Duſcha) gehen alle Subſtantiva auf ſcha,
ża, tża.

7. Nach dem ſiebenten Beiſpiel (Kazṅa) gehen alle Subſtantiva auf ja und
jene, die vor dem Endvocal einen jotirten Buchſtaben haben.

8. Nach dem achten Beiſpiel (Czérkei) gehen alle Subſtantiva auf ei.

9. Nach dem neunten Beiſpiel (Boloſcz) gehen alle Subſtantiva auf ſcz
(ſcż).

10. Die ♣Substant. femin.♠ auf ma, wa, ba, pa haben im Genit. Singul.
und im Nominat. Plur. anſtatt é auch ò. Z. B. Wutroba Herz, Gen. Sing.
und Nom. Plur. Wutrobé und Wutrobó; Rėpa Rübe — Rėpé und Rėpó. §. 2, 1,
Anm.

11. Die ♣Substant. femin.♠ auf a haben im Accuſ. Singul. u; z. B. Żona
Frau, ♣A.♠ Żonu. Die ♣Substant. femin.♠ auf ei und ſcz haben den Accuſ.
Sing. gleich dem Nominativ.

12. Die ♣Substant. femin.♠ auf ei werfen im Genit. das ei weg und hängen
an das Stammwort ẇe. Dieſes ẇ bleibt in allen Caſibus, mit Ausnahme des
Accuſ. Singul., welcher wie der Nominativ lautet[28]⁾. Z. B. Kruſchei
Birne, ♣G.♠ Kruſchẇe; Czérkei Kirche, ♣G.♠ Czérkẇe; Morchei Möhre, ♣G.♠
Morchẇe; Britei Scheermeſſer, ♣G.♠ Britẇe; Buſchkei Flinte, Büchſe am
Rade, ♣G.♠ Buſchkẇe; Żerchei Brunnenkreſſe, ♣G.♠ Żerchẇe[29]^(*)). Nur
Ṙedkei Rettig und Konopei Hanf haben im ♣Genit.♠ Ṙedkeje, Konoṗe. Krei
Blut hat im ♣Genit.♠ Krẇe und Kṙeje.

§. 16. Bemerkungen zur zweiten Declination.

1. Ueber den ♣Dativ♠ und ♣Locat. Singul.♠ und ♣Nominat. Vocat.♠ und
♣Accus. Dualis.♠

1. Wir haben bereits oben (§. 14, 3.) geſagt, daß in der zweiten
Declination die Buchſtabenumwandlung (§§. 5 und 6) nur ſtattfindet im
Dativ und Locativ Sing., und im Nominativ, <pb n="48"/>Vocativ und
Accuſativ Dualis. Dieſe fünf Caſus ſind einander ganz gleich und endigen
entweder auf e oder é. Z. B.

♣Nominat.♠ ♣Dat. Loc. Sing.♠

♣Singul.♠ ♣Nom. Voc. Acc. Dual.♠

Żona Frau Żoṅe

Swóma Stroh Swóṁe

Skawa Fels Skale

Rėka Fluß Rėczé

Muka Mehl Muczé

Smuha Streifen Smuzé

Pata Gluckhenne Pacże

Pjata Ferſe Ṗecże

Kmotra Gevatterin Kmotzje (Kmotṙe)

Sotra Schweſter Sotzje (Sotṙe)

Butra Butter Butzje (Butṙe)

Woda Waſſer Wodże

Wuzda Zaum Wuzdże

Zda Lohn Zdże

Figa Feige Fidzé

2. Eine Ausnahme von dieſer Buchſtaben-Umwandlung machen: Matra Marter
(boża Matra Crucifirbild), Stwa Stube, Tka Floh. Z. B.

♣Nominat.♠ ♣Dat. Loc. Sing.♠

♣Singul.♠ ♣Nom. Voc. Acc. Dual.♠

Matra Marter Matṙe

Stwa Stube Stwė[30]⁾

Tka Floh Tkė

2. Ueber den ♣Genitiv Pluralis.♠

1. Wie in der erſten Declination (§. 11, 7.), ſo werfen auch in der
zweiten viele Subſtantiva im Genit. Plural. die Endung ow weg,
insbeſondere wenn kein Nachdruck auf dem Worte liegt. Z. B. do Hór in
das Gebirge; do Horow in die Berge; ſchėſcz Kóp ſechs Schock.

2. Die Subſtantiva, welche vor der Endung a einen jotirten Buchſtaben
haben, ſowie die auf ja, la, ża, ſcha und tża verwandeln im Genitiv
Pluralis das weggeworfene ow in i. Z. B. ẇele Kazni viel Gebote; dżeẇecż
Ṅedżeli neun Wochen (dżeẇecż Ṅedżelow neun Sonntage); ṗecżdżeſacż
Krotżeli fünfzig Schritte.

<pb n="49"/>

3. Ueber den ♣Sociativ Pluralis.♠

Der Sociativ Plural. in der zweiten Declination hat ebenſo wie der
Sociat. Plur. in der erſten Declination (§. 11, 8) die Endungen ami und
emi. Mit emi endigen die Subſtantiva, welche vor der Endung a einen
jotirten Buchſtaben haben; ferner die Subſtant. auf ja, la, ża, ſcha,
tża und ſcz. Z. B. Muṙa Mauer, ♣S.♠ Muṙemi; Kula Kugel, ♣S.♠ Kulemi;
Koża Leder, ♣S.♠ Kożemi; Schwaltża Nähterin, ♣S.♠ Schwaltżemi; Kóſcz
Knochen, ♣S.♠ Koſcżemi.

§. 17. Beiſpiele zur Uebung.

Barba Farbe

Bwuzna vernarbte Wunde, Wundmal

Bojoſcz Furcht

Czawta Semmel

Czécha Bettüberzug

Cżeta Muhme

Cżeża Beſchwerniß

Deſka Brett

Dóṅcza Faß

Draſta Kleidung

Dżėra Loch

Dżówka Magd

Hawza Aſt

Hara Lärm

Holcza Mädchen

Jahoda Beere

Jama Grube

Johwa Nadel

Kṅeżna Jungfrau

Kótżka Katze

Katżka Ente

Kermuſcha Kirmeß

Kopa Schock

Krei Blut ♣G.♠ Krẇe und Kṙeje

Kheiża Haus

Lina Lehm

Lipa Linde

Ṁeza Gränze

Mėra Maaß

Muka Mehl

Muṙa Mauer

Nada Gnade

Ṅeẇeſta Braut

Nuza Noth

Paża Unterachſel, Arm

Paṗera Papier

Pótſcziwoſcz Tugend

Próſtwa Bitte

Ra Spiel[31]⁾

Rana Wunde

Ruka Hand

Slówka Pflaume

Slówtżina Pflaumbaum

Smowa (Smoha) Pech

Sélza Thräne

Sélnoſcz Stärke

Trawa Gras

Tżeſcz Ehre

Waha Wage

Waka Wurm

Wėra Glaube

Woſada Gemeinde, Kirchſprengel

Wowka Großmutter

Wawka Bank

Wowa Kopf

Wutroba Herz

Wuża Sumpf

Zeṁa Erde

Zéma Kälte

Zwoſcz Bosheit

Zawiſcz Neid

Żaba Froſch

Żida Seide

Żiwa Ader

§. 18. Ausnahmen.

1. ♣Substantiva feminina♠ mit männlicher Endung.

1. Es giebt im Wendiſchen mehrere Subſtantiva, die, obſchon ſie eine
männliche Endung haben, dennoch weiblichen Geſchlechtes ſind und nach
der zweiten Declination gehen. Der <pb n="50"/>Nominat., Vocat. und
Accuſ. Singul. ſind bei denſelben einander gleich. Dieſe Subſtantiva
ſind:

1. auf oi; 2. auf ei, ♣G.♠ oje, eje.

Khöroi, Khorei Fahne, ♣Gen.♠ Khoroje

Pónoi, — ei Pfanne, ♣Gen.♠ Pónoje und Pónẇe

3. auf ṅ, ♣Gen.:♠ ṅe.

Bróṅ Waffe

Daṅ Zins

Dwóṅ flache Hand

Jabwoṅ Apfelbaum

Kcżėṅ Blüte

Pżedaṅ Verkauf

Ṗetżeṅ Braten

Skròṅ Schläfe

Scżėṅ Schatten

Wóṅ Duft

4. auf ṙ, ♣Gen.:♠ ṙe.

Cżėṙ Bahn

Kudżeṙ Locke

Schėṙ Breite

Ẇetżeṙ Abendmahl

5. auf l (ł), ♣Gen.:♠ le (łe).

Bėł etwas Weißes; Splint; grauer Staar im Auge

Kobel Kober, Köcher

Kukel Trespe, Rade

Kwitżel Krammetsvogel

Krotżel Schritt

Kudżel Spinnrocken

Kuṗel Bad

Ṁetel Schmetterling

Móſl (= Mós) Gedanke, ♣Gen.♠ Móſle

Mrótżel Wolke

Piſchcżel Pfeife

Pruſkel Schwiele, Blaſe

Sól (Sél) Salz

Stróżel Schreck

Tatżel Scheibe im Butterfaß, Butterſtempel

Tutżel Regenbogen

Trubel Ofenröhre

Tżumpel Schaukel

Wiżdżel Schienbein

6. auf Ṗ, ♣Gen.:♠ ṗe.

Konoṗ Hanf

Kuṗ Kauf

Seṗ Windwebe, Haufe

Wokleṗ Schütte Stroh

7. auf s, ♣Gen.:♠ ſé.

Mós Gemüth

8. auf ſch, ♣Gen.:♠ ſche.

Heiduſch Grütze, Haidekorn

Kokoſch Henne

Móſch Maus

Póduſch Sohle

Wopuſch Schwanz

9. auf cz, ♣Gen.:♠ czé.

Mócz Macht

Ṅemócz Ohnmacht

Nócz Nacht

Pównócz Mitternacht

Pomocz Hilfe

Pėcz Backofen, ♣Gen.♠ Ṗeczé

Wėcz Ding, Sache

10. auf dż, ♣Gen.:♠ dże.

Jėdż Speiſe

Kadż Braupfanne, Bottich

Ṗedż Spanne

Poṁedż Mehlthau

Ródż Stall

Tżeledż Geſinde

Wódż (Lódż) Schiff

Zpojedż Beichte

Żerdż Stange

<pb n="51"/>

11. auf cż, ♣Gen.:♠ cże.

Borſchcż Förſtchen (Dorf)

Horſchcż eine Hand voll; hohle Hand

Kicż Traube

Nicż Faden

Nacż Kräutig bei Wurzelgewächſen

Narcż Oberleder

Ṗerſchcż lockere Erde, Schutt

Serſchcż Borſte

Snėcż Brand im Getreide

Schcżėcż Bürſte

Sṁercż Tod

Wicż (Jicż) Gicht

12. auf tż, ♣Gen.:♠ tże.

Rétż Rede, Sprache

Sétż Netz

Tétż Hopfenſtange

Towtż Schroot vom Getreide

Wobrutż Reifen

2. Zu den Subſtantiven, die, obſchon ſie eine männliche Endung haben,
dennoch weiblichen Geſchlechts find, gehören noch folgende, welche im
Genitiv und in den übrigen Caſus vor dem Endbuchſtaben den Vocal
wegwerfen (§. 11, 1, 5. 6.):

1. auf oi:

Pónoi Pfanne, ♣Gen.♠ Pónẇe (auch Pónoje)

2. auf ṅ:

Baſeṅ (auch Baſṅa) Mährchen, ♣Gen.♠ Baſṅe

Bròżeṅ (auch Bróżṅa) Scheune, ♣Gen.♠ Bróżṅe

Móſcheṅ (auch Móſchṅa oder Móſchna) Beutel, ♣Gen.♠ Móſchṅe (oder
Móſchné)

Studżeṅ (häufiger Studṅa) Brunnen, ♣Gen.♠ Studṅe

Wiſcheṅ (auch Wiſchṅa) Kirſche, ♣Gen.♠ Wiſchṅe

3. auf l (ł):

Mutel (auch Mutei) Quirl, ♣Gen.♠ Mutle

Ruzel (auch Ruzla) Erdklos, ♣Gen.♠ Ruzle[32]⁾

4. auf s:

Ẇes Dorf, ♣Gen.♠ Wſé

5. auf ſch:

Woſch Laus, ♣Gen.♠ Wſchė

6. auf ż:

Roż Roggen, ♣Gen.♠ Rże

7. auf cż:

Ricż Hintere, ♣Gen.♠ Rcże (mit do)

3. Die ♣Substant. femin.♠ auf ṅ, ṙ und ṗ gehen nach dem neunten Beiſpiel
(Boloſcz).

4. Die ♣Substant. femin.♠ auf l, ſch, ż, cż und tż gehen nach dem
fünften Beiſpiel (Rola), doch ift der Acc. Singul. gleich dem Nominativ.

5. Die ♣Substant. femin.♠ auf s und cz gehen nach folgendem Beiſpiel:

<pb n="52"/>

Singularis.

♣Nom. Voc.♠ Ẇes Dorf Nócz Nacht

♣Gen.♠ Wſé Noczé

♣Dat.♠ Wſé Noczé

♣Acc.♠ Ẇes Nócz

♣Soc.♠ Wſu Noczu

♣Loc.♠ Wſé Noczé

Dualis.

♣N. V. A.♠ Wſé Noczé

♣Gen.♠ Wſow Noczow

♣D. L. S.♠ Wſomai Noczomai

Pluralis.

♣Nom. Voc.♠ Wſé Noczé

♣Gen.♠ Wſow Noczow

♣Dat.♠ Wſam Noczam

♣Acc.♠ Wſé Noczé

♣Soc.♠ Wſami Noczami

♣Loc.♠ Wſach Noczach

6. Paprócż (Papruſch) Farrenkraut wird als ♣mascul.♠ und ♣femin.♠
gebraucht; z. B. Paprócż, ♣Gen.♠ Paprócża und Paprócże.

2. ♣Substantiva masculina♠ mit weiblicher Endung.

1. Folgende Subſtantiva endigen mit der weiblichen Endung auf a, ſind
aber männlichen Geſchlechts:

Cżėſla Zimmermann, Braſchka Hochzeitbitter, Grova (Hrabja) Graf,
Izraelita Iſraelit, Herba Erbe, Nawożeṅa Bräutigam, Patriarcha
Patriarch, Proveta Prophet, Ruſa Ruſſe, Turka Türke, Totżka Mundſchenk,
Vėrżta Fürſt, Vorminda Vormund. Desgleichen die Eigennamen: Schowta
Scholze, Cżunka, Khorla Karl u. ſ. w.

2. Dieſe Subſtantiva gehen im Singular nach der zweiten Declination, im
Dual und Plural aber nach der erſten. Hierbei iſt zu bemerken, daß ſie
im Nominat. Plural. auch die weibliche Endung auf e, é und i haben; z.
B. cżi Cżėſloẇe und te Cżėſle. (§. 11, 6. 11.)

Singularis.

♣N. V.♠ Cżėſla Zimmermann Vėrżta Fürſt Braſchka Hochzeitbitter

♣G.♠ Cżėſle Vėrżté Braſchki

♣D.♠ Cżėſli Vėrżcże Braſchczé

♣A.♠ Cżėſlu Vėrżtu Braſchku

♣S.♠ Cżėſlu Vėrżtu Braſchku

♣L.♠ Cżėſli Vėrżcże Braſchczé

<pb n="53"/>

Dualis.

♣N. V.♠ Cżėſlai (ei) Vėrżtai Braſchkai

♣G. A.♠ Cżėſlow Vėrżtow Braſchkow

♣D.S.L.♠ Cżėſlomai Vėrżtomai Braſchkomai

Pluralis.

♣N. V.♠ (cżi) Cżėſloẇe Vėrżtoẇe oder Vraſchkoẇe

oder (te) Cżėſle Vėrżté oder Braſchki

♣G. A.♠ Cżėſlow Vėrżtow Braſchkow

♣D.♠ Cżėſlam Vėrżtam Braſchkam

♣S.♠ Cżėſlami (Cżėſlemi) Vėrżtami Braſchkami

♣L.♠ Cżėſlach Vėrżtach Braſchkach

3. Vorminda Vormund hat im Nominat. Plural. Vormindża; Herba Erbe (cżi)
Herboẇe, Herbja oder (te) Herbé.

4. Von den genannten Maſculinis werden Feminina in folgender Weiſe
gebildet: Grova Graf, Grovina Gräfin; Proveta Prophet, Provecżina
Prophetin; Vėrżta Fürſt Vėrżcżina Fürſtin.

5. Kowodżei (= Kowodżij) Rademacher hat im Genit. Kowodżeja und geht
nach der erſten Declination.

§. 19. Unregelmäßige Declination.

1. Die Wörter Mſcha Meſſe (boża Mſcha heilige Meſſe), Żkra Funke, Żkla
Schüſſel, Wża (Bża) Lüge werden folgender Weiſe declinirt:

Singul. Dual. Plural.

♣N. V.♠ Żkla Schüſſel ♣N. V. A.♠ Żkli ♣N. V. A.♠ Żklė

♣G.♠ Żklė ♣G.♠ Żklow ♣G.♠ Żklow

♣D.♠ Żkli ♣D. S. L.♠ Żklomai ♣D.♠ Żklam

♣A.♠ Żklu ♣S.♠ Żklami

♣S.♠ Żklu (Żklemi)

♣L.♠ Żkli ♣L.♠ Żklach

2. Woſch Laus wirft im Genit. und in den übrigen Caſus das o weg und
wird declinirt:

Singul. Dual. Plural.

♣N. V. A.♠ Woſch ♣N. V. A.♠ Wſchi ♣N. V. A.♠ Wſchi

♣G.♠ Wſchė ♣G.♠ Wſchow ♣G.♠ Wſchow

♣D.♠ Wſchi ♣D.S.L.♠ Wſchomai oder Wſchi

♣S.♠ Wſchu oder ♣D.♠ Wſcham

♣L.♠ Wſchi Woſchomai ♣S.♠ Wſchami

♣L.♠ Wſchach

<pb n="54"/>

3. Folgende Wörter werden im Singular unregelmäßig, im Dual und Plural
aber regelmäßig declinirt:

Singularis.

♣N.♠ Kṅeni Herrin, Frau Macż und Macżeṙ Mutter

♣G.♠ Kṅeni und Kṅeṅe Macżeṙe

♣D.♠ Kṅeni Macżeri

♣A.♠ Kṅeni und Kṅeṅu Macż und Macżeṙ

♣V.♠ Kṅeni Macżeṙ und Macżi

♣S.♠ Kṅeṅu Macżeṙu

♣L.♠ Kṅeni Macżeri

Dualis.

♣N. V. A.♠ Kṅeni Macżeri

♣G.♠ Kṅeṅow Macżeṙow

♣D.S.L.♠ Kṅeṅomai Macżeṙomai

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Kṅeṅe Macżeṙe

♣G.♠ Kṅeṅow Macżeṙow

♣D.♠ Kṅeṅam Macżeṙam

♣S.♠ Kṅeṅemi Macżeṙemi

♣L.♠ Kṅeṅach Macżeṙach

Anm. Wie Kṅeni geht auch Pani Herrin, welches Wort jedoch aus dem
Volks-Sprachgebrauche verſchwunden iſt und nur noch in Volksliedern
vorkommt.

4. Im Pluralis werden unregelmäßig declinirt:

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Huſé Gänſe Kuré Hühner Kruwé, — wó Kühe

♣G.♠ Hus oder Kur oder Kurow Kruw oder

Huſow Kruwow

♣D.♠ Huſom Kurom Kruwom

♣S.♠ Huſémi Kurémi Kruwémi oder

Kruwómi

♣L.♠ Huſoch Kuroch Kruwoch

§. 20. Dritte Declination.

1. Die dritte Declination enthält alle ♣Substantiva neutra♠ und endigt
auf o.

2. Die in den §§. 5 und 6 angegebene Umwandlung der Buchſtaben tritt nur
im Locat. Singul. und im Nominat., Vocat. und Accuſ. Dualis ein, welche
Caſus dann unter einander übereinſtimmen.

<pb n="55"/>

3. Die dritte Declination umfaßt auch alle von Zeitwörtern abgeleitete
Hauptwörter, Verbalhauptwörter (♣Substantiva verbalia♠). Dieſe endigen
auf ṅo und cżo. Z. B. Napominaṅo Ermahnung, von napominacż; Zpóznacżo
Erkenntniß, von zpóznacż.

Beiſpiele.

1. 2. 3.

Singularis.

♣N.V.A.♠ Jejo Ei Swowo Wort Blido Tiſch

♣Gen.♠ Jeja Swowa Blida

♣Dat.♠ Jeju (Jejei) Swowu (Swowei) Blidu (Blidei)

♣Soc.♠ Jejom Swowom Blidom

♣Loc.♠ Jeju Swoẇe Blidże

Dualis.

♣N. V. A.♠ Jeji Swoẇe Blidże

♣Gen.♠ Jejow Swowow Blidow

♣D.S.L.♠ Jejomai Swowomai Blidomai

Pluralis.

♣N.V.A.♠ Jeja Swowa Blida

♣Gen.♠ Jejow Swowow Blidow

♣Dat.♠ Jejam Swowam Blidam

♣Soc.♠ Jejami (Jejemi) Swowami Blidami

♣Loc.♠ Jejach Swowach Blidach

4. 5. 6.

Singularis.

♣N.V.A.♠ Sczeṅo Evangelium Póznacżo Erkenntniß Liczo Wange

♣Gen.♠ Sczeṅa Póznacża Licza

♣Dat.♠ Sczeṅu Póznacżu Liczu

♣Soc.♠ Sczeṅom Póznacżom Liczom

♣Loc.♠ Sczeṅu Póznacżu Liczu

Dualis.

♣N.V.A.♠ Sczeni Póznacżi Liczé

♣Gen.♠ Sczeṅow Póznacżow Liczow

♣D.S.L.♠ Sczeṅomai Póznacżomai Liczomai

<pb n="56"/>

Pluralis.

♣N.V.A.♠ Sczeṅa Póznacża Licza

♣Gen.♠ Sczeṅow Póznacżow Liczow

♣Dat.♠ Sczeṅam Póznacżam Liczam

♣Soc.♠ Sczeṅemi Póznacżemi Liczami

♣Loc.♠ Sczeṅach Póznacżach Liczach

§. 21. Bemerkungen zur dritten Declination.

1. Ueber den ♣Dativ Singularis.♠

1. Der Dativ Singul. endigt auf u und ei. Die Verbalhauptwörter auf ṅo
und cżo haben im Dat. Sing. nur u; die übrigen u und ei.

2. Ṗeṙo Federn[33]⁾, Ẇeſelo Freude, Ṅebjo Himmel, Polo Feld haben im
Dat. Sing. u.

3. Dno Boden, Jadro Kern, Kubwo Gut, Ṗero Feder haben im Dat. Sing.
gewöhnlich ei.

2. Ueber den ♣Locat. Singul.♠ und den ♣Nomin., Vocat.♠ und ♣Accus.
Dualis.♠

1. Der Loc. Sing. endigt auf u und e.

♣a.♠ Die Endung u haben alle Verbalhauptwörter und alle Subſtantiva auf
jo, ko, lo, zo, ſo, żo, czo, cżo, tżo. Z. B. Picżo das Trinken, ♣L.♠
Picżu; Ṅebjo Himmel, ♣L.♠ Ṅebju; Wojo Deichſel, ♣L.♠ Woju; Wuhlo Kohle,
♣L.♠ Wuhlu; Wożo Bett, ♣L.♠ Wożu; Swónczo Sonne, ♣L.♠ Swónczu.

♣b.♠ Die Endung e haben alle Subſtantiva, welche die
Buchſtabenumwandlung erleiden.

2. Die in den §§. 5 und 6 angegebene Buchſtabenumwandlung tritt ein im
Locat. Singul. und im Nominat., Vocat. und Accuſ. Dualis (§. 20, 2.),
und zwar bei den Subſtantiven auf no, mo, ro, wo, do, to, ſto. Es geht
über:

♣Nom. Sing. Loc. Sing.♠

♣N. V. A. Dual.♠

no in ṅe; z. B. Wino Wein, Wiṅe

mo in ṁe; „ Piſmo Schrift, Piſṁe

ro in ṙe; „ Ẇedro Wetter, Ẇedṙe

Slėbro Silber, Slėbṙe

wo in ẇe und le (łe); „ Cżėwo Leib, Cżėẇe und Cżėle

<pb n="57"/>

z. B. Tżowo Stirn, Tżoẇe

Kowo Rad, Kole

do in dże; „ Blido Tiſch, Blidże

Nėzdo Neſt, Nėzdże

to in cże; „ Lėto Jahr, Lėcże

Żito Korn, Żicże

ſto in ſcże; „ Mėſto Stadt, Mėſcże

Cżėſto Taig, Cżėſcże

3. Die Subſtantiva auf ko und cho erleiden die Buchſtaben-umwandlung nur
im Nominat., Vocat. und Accuſ. Dualis; im Locat. Sing. haben ſie u. Es
geht über:

♣Nom. Sing. Locativ N. V. A.♠

♣Sing. Dual.♠

ko in czé; z. B. Ṗerko Federchen, Ṗerku Ṗerczé

Wėko Deckel, Wėku Wėczé

cho in ſche; z. B. Wucho Ohr, Henkel, Wuchu Wuſche

4. Mlóko Milch hat im Loc. Sing. Mlóczé. Z. B. w Mlóczé Jahwó
Milchhirſe; w Mlóczé Czawta Milchſemmel.

5. Lėto Jahr, Wucho Ohr, Zeleżko Feuereiſen haben im Locat. Singul.:
Lėtu und Lėcże, Wuchu und Wuſche, Zeleżku und Zeleżczé.

6. Die regelmäßige Endung im Nominat., Vocat. und Accuſ. Dual. iſt i
oder e; die Subſtant. auf zo, ſo, czo haben aber é; z. B. Liczo Wange,
Liczé.

3. Ueber den ♣Genitiv Pluralis.♠

1. Der Genit. Pluralis endigt auf ow.

2. Einige Subſtantiva werfen im Genit. Plural. die Endung ow weg. Z. B.
ẇele Lėt viele Jahre, do Ṅeƀes in den Himmel.

3. Einige Subſtantiva auf jo, ṅo, lo, żo, cżo, tżo verwandeln im Genit.
Plur. die Endung ow in i. Z. B. Jejo Ei, ♣G. Pl.♠ Jeji; Wożo Bett, ♣G.
Pl.♠ Wożi; Kazaṅo Geheiß, ♣G. Pl.♠ Kazani.

4. Ueber den ♣Sociat. Pluralis.♠

Der Sociat. Plur. endigt auf ami und emi. Die Endung emi haben die
Subſtantiva, welche vor o einen jotirten Buchſtaben haben, ſowie die auf
jo, lo, żo, cżo, tżo. Z. B. Wojo Deichſel, Wojemi; Kcżeṅo Taufhandlung,
Kcżeṅemi; Polo Feld, Polemi; Wożo Bett, Wożemi.

<pb n="58"/>

§. 22. Beiſpiele zur Uebung.

Bėdżeṅo das Kämpfen

Bledżeṅo das Schwatzen

Blido Tiſch

Bwóto Koth

Braſtwo Bruderſchaft

Czwo Zoll

Cżerṗeṅo das Leiden

Cżėwo Leib

Dno Boden

Dobócżo Sieg

Dṙeƀeṅo das Brocken

Dṙewo Holz

Dżėwo Arbeit

Hibaṅo Bewegung

Hoṙo Angſt

Howjadwo Rind

Howno Schmutz

Hudaṅo Räthſel

Huno Tenne

Jabwuko Apfel

Jadro Kern

Jaſtwo Gefängniß

Jėtro Geſchwür, Blatter

Kawaṅo Stechen

Kiſawo Eſſig

Kneiſtwo Herrſchaft

Koleno Knie

Kopto Leiſten

Korto Trog

Koſédwo Schlinge

Kraleſtwo Reich

Kżidwo Flügel

Kubwo Gut

Lėhwo Lager

Lėto Jahr

Lėcżo Frühling

Mandżelſtwo Ehe

Ṁeno Name

Mjaſo Fleiſch

Moṙo Meer

Módwo Seife

Móto Lohn

Nėzdo Neſt

Polo Feld

Poſleſchcżo Federbett

Prawo Recht

Raṅo Morgen

Ṙecżeno Spille

Rimaṅo Donnern

Rozkacżo Reue

Scheṙeṅo Geſpenſt

Schuṁeṅo Brauſen

Sedwo Sattel

Séno Heu

Swaṅo Streu

Stadwo Heerde

Stwelczo Halm

Sudoẇo Gefäß

Téwo Genick

Torhaṅo Reißen

Toroſchcżo Markt

Trėṅo Handtuch

Waſchṅo Art

Ẇeſelo Freude

Wino Wein

Woblitżo Geſicht

Wókno Fenſter

Woṗeno Blatt

Zelo Kraut

Zbożo Glück

Zelezo Eiſen

Żahadwo Stachel

Żiẇeṅo Leben

Żohnuwaṅo Segen

Żurwo Quelle

§. 23. Unregelmäßige Declination.

1. Woko Auge und Wucho Ohr werden im Singular regelmäßig, im Dual und
Plural aber bald regelmäßig, bald unregelmäßig declinirt:

Dualis.

♣N. V. A.♠ Wotżi Augen Woczé Augen

♣Gen.♠ Wotżow Wokow

♣D. S. L.♠ Wotżomai Wokomai

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Wotżi Woka

♣Gen.♠ Wotżow Wokow

♣Dat.♠ Wotżom, Wotżam Wokam

♣Soc.♠ Wotżimi, Wotżemi Wokami

♣Loc.♠ Wotżach Wokach

<pb n="59"/>

Dualis.

♣N. V. A.♠ Wuſchi Ohren Wuſche Ohren

♣Gen.♠ Wuſchow Wuchow

♣D. S. L.♠ Wuſchomai Wuchomai

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Wuſchi Wucha

♣Gen.♠ Wuſchow Wuchow

♣Dat.♠ Wuſchom, Wuſcham Wucham

♣Soc.♠ Wuſchimi, Wuſchemi Wuchami

♣Loc.♠ Wuſchach Wuchach

2. Hierüber iſt folgendes zu bemerken: die unregelmäßige Form Wotżi
Augen, Wuſchi Ohren bezeichnet natürliche Augen und Ohren. Die
regelmäßige Form Woczé Augen, Wuſche Ohren bezeichnet bildliche Augen
und Ohren, z. B. Augen auf der Suppe, Augen in Schlingen, Oehre an
Nähnadeln, Henkel an Töpfen u. ſ. w. — oder Augen und Ohren, die vom
Körper abgelöſt ſind; z. B. wukawane Woka ausgeſtochene Augen, wotrėzane
Wucha abgeſchnittene Ohren.

3. Dżėcżo Kind wird in allen Rumeris unregelmäßig declinirt:

Singul. Dual. Plural.

♣N.V.A.♠ Dżėcżo Kind ♣N.V.A.♠ Dżėſcżi ♣N. V. A.♠ Dżėcżi

♣Gen.♠ Dżėſcża ♣Gen.♠ Dżėſcżow ♣G.♠ Dżėcżi oder

♣Dat.♠ Dżėſcżu oder ♣D.S.L.♠ Dżėſcżomai Dżėcżow

Dżėſcżei ♣D.♠ Dżėcżom

♣Soc.♠ Dżėſcżom ♣S.♠ Dżėcżimi

♣Loc.♠ Dżėſcżu ♣L.♠ Dżėcżoch

§. 24. Augment (Zuwachs) in der dritten Declination.

Viele Subſtantiva der dritten Declination nehmen im Genitiv und in den
übrigen Caſus eine neue Sylbe als Augment (Zuwachs) an. Dieſes Augment
iſt:

♣a.♠ eṅ bei vielen Subſtant. auf ṁo;

♣b.♠ ecż, im Plural at, bei vielen Subſtant. auf ṅo, ṙo, bjo, lo, ſo,
ſcho, dżo, cżo, tżo;

♣c.♠ eſ, bei zwei Subſtant. auf wo und bjo.

1. Das Augment eṅ.

Folgende Subſtantiva nehmen im Genitiv und in den übrigen Caſus das
Augment eṅ an:

<pb n="60"/>

Drėṁo (Brėṁo) Laſt, Bürde; Pwóṁo Flamme; Próṁo Strahl, Glied bei
geflochtenen Dingen; Raṁo Schulter; Séṁo Same; Téṁo Quellſumpf; Wuṁo
Euter am Vieh; Znaṁo Bild, Zeichen. Z. B.

Singularis.

♣N. V. A.♠ Znaṁo Bild Raṁo Schulter

♣Gen.♠ Znaṁeṅa Raṁeṅa

♣Dat.♠ Znaṁeṅu Raṁeṅu

♣Soc.♠ Znaṁeṅom Raṁeṅom

♣Loc.♠ Znaṁeṅu Raṁeṅu

Dualis.

♣N.V.A.♠ Znaṁeni Raṁeni

♣Gen.♠ Znaṁeṅow, Raṁeṅow

♣D.S.L.♠ Znaṁeṅomai Raṁeṅomai

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Znaṁeṅa Raṁeṅa

♣Gen.♠ Znaṁeṅow Raṁeṅow

♣Dat.♠ Znaṁeṅam Raṁeṅam

♣Soc.♠ Znaṁeṅemi Raṁeṅemi

♣Loc.♠ Znaṁeṅach Raṁeṅach

2. Das Augment ecż und at.

1. Folgende Subſtantiva nehmen im Genitiv und in den übrigen Caſus des
Singular und Dual das Augment ecż, im Plural at an:

Cżelo Kalb; Holtżo kleines Mädchen; Hóltżo kleiner Knabe; Jehṅo Lamm;
Kuṙo junge Henne; Kózlo junge Ziege; Huſo junge Gans; Mwodżo Brut; Proſo
Ferkel; Ṙeſcho kleines Sieb, Häufchen; Sẇecżo Heiligenbild; Zkocżo Vieh;
Zrėbjo Füllen; Zwėṙo Thier. Z. B.

Singularis.

♣N.V.A.♠ Sẇecżo Heiligenbild Jehṅo Lamm

♣Gen.♠ Sẇecżecża Jehṅecża

♣Dat.♠ Sẇecżecżu oder Sẇecżecżei Jehṅecżu oder Jehṅecżei

♣Soc.♠ Sẇecżecżom Jehṅecżom

♣Loc.♠ Sẇecżecżu Jehṅecżu

Dualis.

♣N. V. A.♠ Sẇecżecżi Jehṅecżi

♣Gen.♠ Sẇecżecżow Jehṅecżow

♣D. S. L.♠ Sẇecżecżomai Jehṅecżomai

<pb n="61"/>

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Sẇecżata Jehṅata

♣Gen.♠ Sẇecżatow Jehṅatow

♣Dat.♠ Sẇecżatam Jehṅatam

♣Soc.♠ Sẇecżatami Jehṅata mi

♣Loc.♠ Sẇecżatach Jehṅatach

2. Swiṅo Schwein hat im Genit. Swiṅa, häufiger Swiṅecża u. ſ. w; im
Plural aber ſo:

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Sw’iṅe Schweine

♣Gen.♠ Swini oder Swiṅow

♣Dat.♠ Swiṅom

♣Soc.♠ Swinimi oder Swiṅemi

♣Loc.♠ Swiṅoch

3. Ẇedżo Kunſt, Wiſſenſchaft hat im Genit. Singul. Ẇedżecża u. ſ. w.; im
Nominat. Plur. Ẇedżecża, Genit. Ẇedżecżow u. ſ. w.

3. Das Augment eſ.

1. Kowo (auch Koleſo) Rad hat im Genit. Koleſa u. ſ. w.

2. Ṅebjo Himmel geht im Singul. regelmäßig; im Plural bekommt es das
Augment eſ:

♣N. V. A. Plur.♠ Ṅeƀeſa, ♣G.♠ Ṅeƀes oder Ṅeƀeſow, ♣D.♠ Ṅeƀeſam, ♣S.♠
Ṅeƀeſami, ♣L.♠ Neƀeſach.

§. 25. Subſtantiva, die nur im Plural gebräuchlich ſind (♣Pluralia
tantum♠).

Es giebt im Wendiſchen eine große Anzahl von Subſtantiven, die nur im
Plural gebräuchlich ſind (♣Pluralia tantum♠). Sie endigen auf é, e, ė,
i, a.

♣a. Substant. plur. tant.♠ auf é (ó):

Bróné Egge, Bladé Geſchwätz, Czépó Dreſchflegel, Hodé Weihnachten, Jutré
(Witré) Oſtern, Jahwó Hirſe, Koſmó Thierhaare, Kṙapó Naſenlöcher, Krupó
Schloßen, Khlamó Kram, Kholowó Hoſen, Ladé Anger, Maré Todtenbahre, Mozé
Gehirn, Nożiczé Scheere, Nóżné Scheide, Piné Schaum, Jäſcht, Podawizné
Ueberlieferung, Tradition, Póſniczé Faſtnacht, Ṗeṅezé Geld, Riwó (oder
Rihi) Mähne, Sazé Ruß, Sliné Speichel, Swodżizné Träber, Schaté Wäſche,
Schtżanté <pb n="62"/>Urin, Schwinczé Schwindſucht, Widwó Gabel, Woſé
Kopfhaare, Worſté Banſen, Wuteré Faßdauben, Żorté Scherzreden, Żkruté
Schmiedeſchlacken.

♣b. Substant. plur. tant.♠ auf e:

Duṙe Thüre, Drożdże Hefen, Huſle Geige, Kanſle Pickſchlitten, Kemſche
Gottesdienſt, Meſſe (♣Missarum solemnia♠), Klėchcże (Klėſchcże) Zange,
Knihe Buch, Khachle Ofen, Mozle Maſern, Paſle Falle, Piſchcżele Orgel,
Pomoje Spülwaſſer, Prėkle Skrupel, Rabje Rechen, Saṅe Schlitten, Swiſle
Giebel, Trumple Baßgeige.

Anm. 1. Kemſche Gottesdienſt wird folgender Weiſe declinirt:

Pluralis.

♣N. V. A.♠ Kemſche Gottesdienſt, Meſſe

♣Gen.♠ Kemſchow oder Kemſchi

♣Dat.♠ Kemſcham oder Kemſchom

♣Soc.♠ Kemſchemi oder Kemſchimi

♣Loc.♠ Kemſchach

Anm. 2. Anſtatt des Dativ’s Kemſcham wird auch der Dat. Singul. Kemſchi
(ke Mſchi) gebraucht; z. B. ja Kemſchi du ich gehe in die Kirche, wone
ſo Kemſchi zwoni man läutet in die Kirche.

♣c. Subst. plur. tant.♠ auf ė:

Slė Hoſenträger, Żnė Ernte (♣G.♠ Żṅów).

♣d. Subst. plur tant.♠ auf i:

Braki Schund, Czanki Spitzen, Déƀeṅki Geſchmeide, Kruſchanki gekochte
Birnen, Ladawki Brille, Ṁeczki Backmulde, Nawożki Aufwand, Patoki
Halbbier, Pihi Sommerſproſſen, Puki Schläge, Porki Unfug, Zawoſtaṅtżki
Reliquien, Smėrki Dämmerung, Sẇatki Pfingſten, Suſcheṅki gedorrtes Obſt,
Tréſki Poſſen, Wėki Jahrhundert[34]⁾, Wiki Markt, Widlitżki Gabel,
Zwóntżki Glockenſpiel, Tżeṗelki Goldflitter, Tżrónki Meſſerſchalen,
Meſſerheft.

♣e. Subst. plur. tant.♠ auf a:

Jatra Leber, Dżaſna Gaumen, Nadra Brüſte, Plucza Lunge, Rota Thorweg,
jutne Zeṙa (oder Zera) Morgenröthe, ẇetżorne Zeṙa Abendröthe, Zowa
Aeſcher.

<pb n="63"/>

§. 26. Subſtantiva, die im Singular und Plural eine verſchiedene
Bedeutung haben.

Einige wenige Wörter haben im Plural eine vom Singular verſchiedene
Bedeutung. Es ſind folgende:

Singular. Plural.

Bob Bohne Bobé Bohnenfelder

Bwóto Koth Bwóta Moräſte, Spreewald

Cżėſto Taig Cżėſta Backwerk

Hora Berg Horé Gebirg

Huba Mund Hubé Lippen

Kerk Strauch Kerki Gebüſch

Kulka kleine Kugel Kulki Kartoffeln

Lud Volk Ludżo Leute

Ludé Völker

Nowina Neuigkeit, Nachricht Nowiné (Nowizné) Zeitungen

Pėſchk Fußgänger Pėſchki Fußvolk

Rėbel Leiter Rėble Wagenleiter

Suchota Trockenheit Suchoté Schwindſucht

Slėbro Silber Slėbra Silbergeräth

Waltżk kleiner Bund Waltżki Reißigbündel

Wows Hafer Wowſé Haferſorten oder Haferfelder.

§. 27. Die Verkleinerungswörter (♣Diminutiva♠).

1. Der Wende gebraucht vorzüglich gern Verkleinerungswörter
(♣Diminutiva♠). Er drückt durch dieſelben ſein Wohlgefallen, ſeine
Liebe, ſeine Herzlichkeit aus.

2. Die männlichen Diminutiva endigen auf k, die weiblichen auf ka, die
ſächlichen auf ko.

♣A.♠ Männliche Diminutiva auf k (k, ak, ik, ék, eſchk, uſchk, eżk, tżk,
étżk).

♣a.♠ auf k:

Bróżk von Bróh Ufer

Dżėdk = Dżėd Großvater

Kuſk = Kus Biſſen

Jank = Jan Johann

Ṅebozk = Ṅeboz Bohrer

Nóſk = Nós Naſe

Pupk = Pup Knospe

Ródk = Ród Schloß

Sénk = Sén Sohn

Wólk = Wów Ochs

<pb n="64"/>

♣b.♠ auf ak:

Poſak von Pos Hund

♣c.♠ auf ik:

Burik von Bur Bauer

Bratzik = Bratr Bruder

Cżernik = Cżerṅ Dorn

Deſchcżik = Deſchcż Regen

Hoibik = Hoib Taube

Kaſchcżik = Kaſchcż Kaſten, Sarg

Konik = Kóṅ Pferd

Kòzlik = Kozow Ziegenbock

Kroſchik Dreier = Kroſch Groſchen

Moſcżik = Móſt Brücke

Prucżik = Prut Ruthe

Wėtzik = Wėtr Wind

♣d.♠ auf ék:

Dornék von Dorn Raſen

(Dornik)

♣e.♠ auf eſchk:

Bleſchk von Blach Blech

Kaṁeſchk = Kaṁeṅ Stein

Kijeſchk = Kij Stock

Mėſchk = Mėch Sack

Ṙeṁeſchk = Ṙeṁeṅ Riemen

♣f.♠ auf uſchk:

Bruſchk von Bruch Bauch

Koruſchk = Koṙeṅ Wurzel

♣g.♠ auf eżk:

Ṗeṅeżk Pfennig von Ṗeṅez Geld

♣h.♠ auf tżk:

Bletżk von Blak Flecken

Brutżk = Bruk Käfer

Dwórtżk = Dwór Hof

Hóltżk = Hólcz Knabe

Horntżk = Horncz Topf

Karantżk = Karan Krug

Mėſatżk = Mèſacz Monat, Mond

Ptatżk = Ptak Vogel

Stawtżk = Staw Glied

Stóltżk = Stów Stuhl

Waltżk = Waw Bund

Wėntżk = Wėncz Kranz

Zajetżk = Zajacz Haſe

<pb n="65"/>

♣i.♠ auf étżk:

Mazétżk von Maz Schmiere

Wozétżk = Wóz Wagen

♣B.♠ Weibliche Diminutiva auf ka (ka, inka, tżka, itżka).

♣a.♠ auf ka:

Bleſchka von Bleſcha Flaſche

Cżetka = Cżeta Muhme

Deſchka = Deſka Brett

Dżėrka = Dżėra Loch

Hawżka = Hawza Aſt

Kóſka = Kóſcz Knochen

Kheiżka = Kheiża Haus

Mrótżawka = Mrótżel Wolke

Nitka = Nicż Faden

Swėcżka = Swėcza Licht, Kerze

Schcżėpka = Schcżėpa Scheit Holz

Schcżėtka = Schcżėcż Bürſte

Żeżka = Żaha Zunder

Wėżka = Wėzda Stern

Tżówka = Tżowa Biene

♣b.♠ auf inka:

Duſchinka von Duſcha Seele

Studżinka = Studṅa Brunnen

♣c.♠ auf tżka:

Dóṅtżka von Dóṅcza Faß

Holtżka = Holcza Mädchen

Khoroitżka = Khoroi Fahne

Rutżka = Ruka Hand

Waſtoitżka = Waſtoicza Schwalbe

Watżka = Waka Wurm

Żtutżka Vers = Żtuka Stück

Żkleṅtżka = Żkleṅcza Glas

♣d.♠ auf itżka:

Britwitżka von Britei Scheermeſſer

Bróżnitżka = Bróżṅa Scheune

Johlitżka = Johwa Nadel

Kólnitżka = Kólṅa Schuppen

Mutlitżka = Mutei Quirl

Suknitżka Jacke = Sukṅa Rock

Stwitżka = Stwa Stube

Wóchlitżka = Wóchla Hechel

Żklitżka = Żkla Schüſſel

<pb n="66"/>

♣C.♠ Sächliche Diminutiva auf ko (ko, eſchko, eżko, aſchko, tżko,
itżko).

♣a.♠ auf ko:

Dṙewko von Dṙewo Holz

Jeiko = Jejo Ei

Wuſchko = Wucho Ohr

Wóżko = Wożo Bett

♣b.♠ auf eſchko:

Drėṁeſchko von Drėṁo Bürde

Jadṙeſchko = Jadro Kern

Kżidleſchko Pfriem, Ahle = Kżidwo Flügel

Poſleſchko = Poſleſchcżo Bett

Stadleſchko = Stadwo Heerde

Wókṅeſchko = Wókno Fenſter

Zorṅeſchko = Zorno Kern

Żurleſchko = Żurwo Quelle

♣c.♠ auf eżko:

Nėżko von Nėzdo Neſt

♣d.♠ auf aſchko:

Mėſtaſchko von Mėſto Stadt

♣e.♠ auf tżko:

Swóntżko von Swónczo Sonne

Swowtżko = Swowo Wort

Stweltżko = Stwelczo Halm

Wėtżko = Wėko Deckel

Wótżko = Woko Auge

♣f.♠ auf itżko:

Piſmitżko von Piſmo Schrift

Paſmitżko = Paſmo Gebind (Garn)

3. Diejenigen Subſtantiva, die nur im Plural gebräuchlich ſind
(♣Pluralia tantum♠), haben ihr Diminutivum auf ki, tżki, itżki, ka,
itżka.

♣a.♠ auf ki:

Czépki von Czépó Dreſchflegel

Kniżki = Knihe Buch

Pinki = Piné Schaum

Sanki = Saṅe Schlitten

Tżrónki = Tżroné Meſſerheft

♣b.♠ auf tżki:

Durtżki von Duṙe Thüre

Tżróntżki = Tżrònki Meſſerheft

<pb n="67"/>

♣c.♠ auf itżki:

Drożdżitżki von Drożdże Hefen

Hubitżki = Hubó Lippen

Koſmitżki = Koſmó Haare

Khachlitżki = Khachle Ofen

Rabitżki = Rabje Rechen

Ṙeblitżki = Ṙeble Wagenleiter

Widlitżki Eßgabel = Widwó Gabel

♣d.♠ auf ka:

Rótka von Rota Thor

♣e.♠ auf itżka:

Jaſlitżka von Jaſla Schafhürde

Zowitżka = Zowa Aeſcher

4. Manche Subſtantiva bilden, und zwar oft neben ihrer gewöhnlichen
Diminutivform, noch ein neues Diminutivum auf atko. Durch dieſe Endung
werden ſie zu Neutris. Z. B.

Hoib Taube, Hoibik, Hoibjatko

Hólcz Knabe, Hóltżk, Hóltżatko

Kóṅ Pferd, Konik, Koṅatko

Kozow Ziegenbock, Kózlik, Kózlatko

Muż Mann, Mużik, Mużatko

Pſék Hund, Pſétżk, Pſétżatko

Holcza Mädchen, Holtżka, Holtżatko

Żona Frau, Żónka, Zoṅatko

Dżėcżo Kind, — Dżėcżatko

Huſo Gans, — Huſatko

Jehṅo Lamm, — Jehṅatko

Kuṙo Henne, — Kuṙatko

Ṙeſcho Sieb, — Ṙeſchatko

Sẇecżo Heiligenbild, — Sẇecżatko

5. Manche Subſtantiva haben im Wendiſchen noch eine Diminutivform auf
itżk, atżk, etżk, tżitżk, itżitżk, étżitżk — itżka, étżka, tżitżka,
itżitżka, étżitżka — itżko. Diminutiva ſolcher Art werden ſcherzweiſe
gebraucht, oder mit der Nebenbedeutung der Werthloſigkeit. Z. B.

♣a.♠ Maſculina:

Kóṅ Pferd, Konik, Konitżk

Kral König, Kralik, Kralitżk

Nóż Meſſer, Nożik, Nożitżk Federmeſſer

Kus Biſſen, Kuſk, Kuſatżk

Dżėd Großvater, Dżėdk, Dżėdetżk

Waw Bund, Waltżk, Waltżitżk

<pb n="68"/>

Tżróp Scherbe, Tżrópk, Tżróptżitżk

Kóṅ Pferd, Konitżk, Konitżitżk

Nóż Meſſer, Nożitżk, Nożitżitżk

Wóz Wagen, Wozétżk, Wozétżitżk

♣b.♠ Feminina:

Ruka Hand, Rutżka Rutżitżka

Żona Frau, Żónka Żóntżitżka

Sukṅa Rock, Suknitżka Suknitżitżka

Koza Ziege, Kozétżka Kozétżitżka

♣c.♠ Neutra:

Blido Tiſch, Blidko Blidżitżko

Dṙewo Holz, Dṙewko Dṙewitżko

§. 28. ♣Nomina indignativa.♠

1. Um etwas Mißfälliges, Grobes und Schlechtes zu bezeichnen, hängt der
Wende an einige Subſtantiva die Endungen iſko und iſchcżo, oder éſko und
éſchcżo. Z. B. Mużiſko (Mużiſchcżo) grober Mann; Żoniſko (Żoniſchcżo)
böſe Frau; Kṅeżiſko ſchlimmer Herr; Kruwiſko häßliche Kuh; Ludżiſko
Geſindel, Pöbel; Hóltżiſko garſtiges, unartiges Kind; Wozéſko plumper
Wagen.

2. Dergleichen Subſtantiva heißen ♣Nomina indignativa.♠ Sie gehen im
Singular und Plural nach der dritten Declination, im Dual aber nach der
Declination des Stammwortes. Demnach gehen im Dual die von Maſculinis
abgeleiteten Indignativa nach der erſten, die von Femininis abgeleiteten
nach der zweiten, die von Neutris abgeleiteten nach der dritten
Declination. Z. B.

1. 2. 3.

Singularis.

♣N.V.A.♠ Mużiſko Żoniſchcżo Blidżiſko

♣Gen.♠ Mużiſka Żoniſchcża Blidżiſka

♣Dat.♠ Mużiſku oder Mużiſkei Żoniſchcżu Blidżiſku oder Blidżiſkei

♣Soc.♠ Mużiſkom Żoniſchcżom Blidżiſkom

♣Loc.♠ Mużiſku Żoniſchcżu Blidżiſku

<pb n="69"/>

Dualis.

♣N.V.♠ Mużiſkai Żoniſchcżi Blidżiſczé

♣Gen.♠ Mużiſkow Żoniſchcżow Blidżiſkow

♣Acc.♠ Mużiſkow Żoniſchcżi Blidżiſczé

♣D.S.L.♠ Mużiſkomai Zoniſchcżomai Blidżiſkomai

Pluralis.

♣N.V.A.♠ Mużiſka Żoniſchcża Blidżiſka

♣Gen.♠ Mużiſkow Żoniſchcżow Blidżiſkow

♣Dat.♠ Mużiſkam Żoniſchcżam Blidżiſkam

♣Soc.♠ Mużiſkami Żoniſchcżemi Blidżiſkami

♣Loc.♠ Mużiſkach Żoniſchcżach Blidżiſkach

§. 29. Declination der Orts- und Eigennamen.

1. Die Ortsnamen.

1. Die Ortsnamen ſind männlichen, weiblichen oder ſächlichen Geſchlechts
und werden als ſolche declinirt.

♣Masculina.♠

Singularis.

♣N. A.♠ Kaṁeṅcz Kamenz Kulow Wittichenau Różant Roſenthal

♣Gen.♠ Kaṁeṅcza Kulowa Różanta

♣Dat.♠ Kaṁeṅczei Kulowei Różantei

♣Soc.♠ Kaṁeṅczom Kulowom Różantom

♣Loc.♠ Kaṁeṅczu Kuloẇe Różeṅcże

♣Feminina.♠

Singularis.

♣Nom.♠ Bukoina Buchwalde Kocżina Kotten Praha Prag

♣Gen.♠ Bukoiné Kocżiné Prahi

♣Dat.♠ Bukoiṅe Kocżiṅe Prazé

♣Acc.♠ Bukoinu Kocżinu Prahu

♣Soc.♠ Bukoinu Kocżinu Prahu

♣Loc.♠ Bukoiṅe Kocżiṅe Prazé

♣Neutra.♠

Singularis.

♣N. A.♠ Miſchno Meißen Stróżiſchcżo Stroſchitz Ṅeſwatżidwo Neſchwitz

♣Gen.♠ Miſchna Stróżiſchcża Ṅeſwatżidwa

♣Dat.♠ Miſchnu — ei Stróżiſchcżu Ṅeſwatżidwu — ei

♣Loc.♠ Miſchnom Stróżiſchcżom Ṅeſwatżidwom

♣Soc.♠ Miſchnu Stróżiſchcżu Ṅeſwatżidẇe

<pb n="70"/>

2. Eine große Anzahl wendiſcher Ortsnamen iſt nur im Plural gebräuchlich
(♣Pluralia tantum♠). Sie endigen auf czé, eczé, iczé, oczé, né, wé, ré,
dé, té, ṅe, le, że, ki. Ueber dieſe Ortsnamen iſt Folgendes zu
bemerken: 1. ſie werfen im Genitiv die Endung ow gewöhnlich weg; 2. die
auf eczé, iczé, oczé haben den Locativ gleich dem Nominativ; 3. einige
haben im Dativ und Sociativ om und omi ſtatt am und ami. Z. B.

♣N. A.♠ Khróſcżiczé Kroſtwitz Wojeṙeczé Hoyerswerda

♣Gen.♠ Khróſcżicz, Khróſcżiczow Wojeṙecz, Wojeṙeczow

♣Dat.♠ Khróſcżiczam — om Wojeṙeczam — om

♣Soc.♠ Khróſcżiczami — omi Wojeṙeczami — omi

♣Loc.♠ Khróſcżiczé Khróſcżiczach, och Wojeṙeczé Wojeṙeczach — och.

♣N. A.♠ Nėmczé Dörgenhauſen Dṙeżdżané Dresden

♣Gen.♠ Nėmczow Dṙeżdżan, Dṙeżdżanow

♣Dat.♠ Nėmczam Dṙeżdżanam

♣Soc.♠ Nėmczami Dṙeżdżanami

♣Loc.♠ Nėmczach Dṙeżdżanach

3. Einige Ortsnamen werden wie Adjectiva behandelt; z. B. Kaṁenei
Kaminau, ♣G.♠ Kaṁeṅeje; Cżėlno Tſchelln, ♣G.♠ Cżėlnoho. Ueber dieſe
vergl. §. 36, 4.

2. Die Eigennamen.

♣a.♠ Vor- und Taufnamen.

1. Die Vor- und Taufnamen ſind entweder männlich oder weiblich und
werden als ſolche unter Berückſichtigung der in den §§. 5 und 6
angeführten Buchſtabenumwandlung declinirt. Z. B.

♣Masculina.♠

1. 2. 3.

Singularis.

♣Nom.♠ Jan Johann Jakub Pėtér

♣G. A.♠ Jana Jakuba Pėtéra

♣Dat.♠ Janei Jukubei Pėtérei

♣Voc.♠ Jano Jakuƀe Pėtéro (—ṙe)

♣Soc.♠ Janom Jakubom Pėtérom

♣Loc.♠ Janu Jakuƀe Pėtéru (—ṙe)

Dualis.

♣N. V.♠ Janai Jakubai Pėtérai

♣G. A.♠ Janow Jakubow Pėtérow

♣D.S.L.♠ Janomai Jakubomai Pėtéromai

<pb n="71"/>

Pluralis.

♣N. V.♠ Janoẇe Jakuboẇe Pėtéroẇe

♣G. A.♠ Janow Jakubow Pėtérow

♣Dat.♠ Janam Jakubam Pėtéram

♣Soc.♠ Janami Jakubami Pėtérami

♣Loc.♠ Janach Jakubach Pėtérach

♣Feminina.♠

1. 2. 3.

Singularis.

♣N. V.♠ Marija Madlena Herta Gertrud

♣Gen.♠ Marije Madlené Herté

♣Dat.♠ Mariji Madleṅe Hercże

♣Acc.♠ Mariju Madlenu Hertu

♣Soc.♠ Mariju Madlenu Hertu

♣Loc.♠ Mariji Madleṅe Hercże

Dualis.

♣N.V.A.♠ Mariji Madleṅe Hercże

♣Gen.♠ Marijow Madlenow Hertow

♣D.S.L.♠ Marijomai Madlenomai Hertomai

Pluralis.

♣N.V.A.♠ Marije Madlené Herté

♣Gen.♠ Marijow Madlenow Hertow

♣Dat.♠ Marijam Madlenam Hertam

♣Soc.♠ Marijemi Madlenami Hertami

♣Loc.♠ Marijach Madlenach Hertach

2. Der Name Jėzus Kréſtus wird folgenderweiſe declinirt:

Singularis.

♣N.♠ Jėzus Kréſtus Jėzus Kréſtus, Jėzus Kréſt

♣G. A.♠ Jėzuſa Kréſtuſa Jėzuſa Kréſtuſa, Jėzom Kréſta

♣D.♠ Jėzuſei Kréſtuſei Jėzuſei Kréſtuſei, Jėzom Kréſtei

♣V.♠ Jėzuſo Kréſtuſo, Kréſchcże Jėzu Kréſchcże

♣S.♠ Jėzuſom Kréſtuſom Jėzuſom Kréſtuſom, Jėzom Kréſtom

♣L.♠ Jėzuſu Kréſtuſu Jėzuſu Kréſtuſu, Jėzom Kréſchcże

3. Die fremden Eigennamen, welche ſich auf o endigen, erhalten im
Genitiv und in den übrigen Caſus ein n. Z. B. <pb n="72"/>Varao, ♣G.♠
Varaona; Salomo, ♣G.♠ Salomona; Veno, ♣G.♠ Benona. Noah hat im Genitiv
Noacha.

♣b.♠ Eigennamen männlicher Perſonen und Familiennamen.

1. Die Eigennamen männlicher Perſonen werden nach allen drei
Geſchlechtern declinirt. Die mit ſächlicher Endung haben im Singular den
Genitiv und Accuſativ gleich, im Dual und Plural aber gehen alle wie
Maſculina. Z. B.

1. 2. 3.

Singularis.

♣Nom.♠ Mróz Cżunka Mėtko

♣Gen.♠ Mróza Cżunki Mėtka

♣Dat.♠ Mrózei Cżunczé Mėtku, ei

♣Acc.♠ Mróza Cżunku Mėtka

♣Voc.♠ Mrózo Cżunka Mėtko

♣Soc.♠ Mrózom Cżunku Mėtkom

♣Loc.♠ Mrózu Cżunczé Mėtku

Dualis.

♣N. V.♠ Mrózai Cżunkai Mėtkai

♣G. A.♠ Mrózow Cżunkow Mėtkow

♣D.S.L.♠ Mrózomai Cżunkomai Mėtkomai

Pluralis.

♣N. V.♠ Mrózoẇe Cżunkoẇe Mėtkoẇe

♣G. A.♠ Mrózow Cżunkow Mėtkow

♣Dat.♠ Mrózam Cżunkam Mėtkam

♣Soc.♠ Mrózami Cżunkami Mėtkami

♣Loc.♠ Mrózach Cżunkach Mėtkach

2. Die Eigennamen männlicher Perſonen auf é und ſki werden wie Adjectiva
behandelt. Z. B. Nowotné, ♣G.♠ Nowotnoho; Lubeṅſki, ♣G.♠ Lubeṅſkoho.
Darüber vergl. §. 36, 1.

3. Die Frauennamen auf owa, ina, éna und ſczéna, die von den Eigennamen
männlicher Perſonen abgeleitet werden, gehen ebenfalls wie Adjectiva. Z.
B. Mrózowa die Mroſin, die Frau des Mros, ♣G.♠ Mrózoweje; Schowcżina die
Scholzin, ♣G.♠ Schowcżineje; Kralowa die Kralin, ♣G.♠ Kralo weje.
Darüber vergl. §. 36, 2. Hingegen ſind die Frauenna men auf ka, wa und
na, die kein eheliches Verhältniß anzeigen, <pb n="73"/>wirkliche
Subſtantiva und gehen nach der zweiten Declination. Z. B. Ṗekarka
Bäckerin, ♣G.♠ Ṗekarki; Schoſarka Schöſſerin, ♣G.♠ Schoſarki; Wudowa
Wittwe, ♣G.♠ Wudowé; Kralowna Königin, ♣G.♠ Kralowné.

4. Von den Eigennamen männlicher Perſonen werden Familiennamen gebildet.
Sie endigen auf eczé, iczé, ſelten auf oczé, und ſind nur im Plural
gebräuchlich. Dergleichen Familiennamen ſind: Mrózeczé die Mroſe’s, die
Familie, das Haus des Mros; Cżunkeczé die Cżunka’s; Mėtleczé die
Metko’s; Réntżeczé die Röntſche’s; Wicżazeczé die Lehmann’s; Schowcżiczé
die Scholze’s; Roliczé die Rola’s u. ſ. w. Thre Declination iſt
folgende:

Pluralis.

♣N. V.♠ Mrózeczé Mroſe’s Schowcżiczé Scholze’s

♣Gen.♠ Mrózecz, — ow Schowcżicz, — ow

♣Dat.♠ Mrózeczom, — am Schowcżiczom, — am

♣Acc.♠ Mrózeczow oder Mrózeczé Schowcżiczow oder Schowcżiczé

♣Soc.♠ Mrózeczami, — omi Schowcżiczami, — omi

♣Loc.♠ Mrózeczé, — ach, — och Schowcżiczé, — ach, — och

5. Der Genitiv der Familiennamen, in Verbindung mit dem Taufnamen, wird
gewöhnlich gebraucht, um die Söhne und Töchter der Familie zu
bezeichnen. Z. B. Rėzakecz Michaw Michael Reſak; Mrózecz Marija Maria
Mroſin, d. i. Maria, die Tochter des Mros. Hingegen heißt Marija
Mrózowa: Maria, die Frau des Mros.

♣c.♠ Völkernamen.

Die männlichen Völkernamen werden declinirt wie die Eigennamen
männlicher Perſonen (ſiehe oben ♣b.♠). Z. B.

1. 2.

Singularis.

♣Nom.♠ Polak Pole Wużitżan Lauſitzer

♣Gen.♠ Polaka Wużitżana

♣Dat.♠ Polakei Wużitżanei

♣Acc.♠ Polaka Wużitżana

♣Voc.♠ Polako Wużitżano

♣Soc.♠ Polakom Wużitżanom

♣Loc.♠ Polaku Wużitżanu

<pb n="74"/>

Dualis.

♣N. V.♠ Polakai Wużitżanai

♣G. A.♠ Polakow Wużitżanow

♣D.S.L.♠ Polakomai Wużitżanomai

Pluralis.

♣N. V.♠ Polakoẇe, — czé, —ki, Wużitżeṅo — ané

♣G. A.♠ Polakow Wużitżanow

♣Dat.♠ Polakam Wużitżanam

♣Soc.♠ Polakami Wużitżanami—eṅemi

♣Loc.♠ Polakach Wużitżanach

3. 4.

Singularis.

♣Nom.♠ Ruſa Ruſſe Turka Türke

♣Gen.♠ Ruſé Turki

♣Dat.♠ Ruſé Turczé

♣Acc.♠ Ruſu Turku

♣Voc.♠ Ruſa Turka

♣Soc.♠ Ruſu Turku

♣Loc.♠ Ruſé Turczé

Dualis.

♣N. V.♠ Ruſai Turkai

♣G. A.♠ Ruſow Turkow

♣D.S.L.♠ Ruſomai Turkomai

Pluralis.

♣N. V.♠ Ruſoẇe, Ruſé Turkoẇe, Turki

♣G. A.♠ Ruſow Turkow

♣Dat.♠ Ruſam Turkam

♣Soc.♠ Ruſami Turkami

♣Loc.♠ Ruſach Turkach

Anm. 1. Tżech Böhme hat im Nominativ Plural. Tżeſchi, Tżeſcha und
Tżechoẇe; Serb Wende hat Serbja, Serbjo, Serboẇe; Nėmcz Deutſcher hat
Nėmczé und Nėmczoẇe.

Anm. 2. Delan Niederländer hat im Nominativ Plural. Deleṅo und Delané.
Deleṅo ſind die Bewohner des Landes; Delané (mit der weiblichen Endung)
bezeichnet mehr die Gegend, das Land ſelbſt. Z. B. to ſu Deleṅo das ſind
Niederländer; to ſu Delané das iſt das Niederland.

<pb n="75"/>

Anm. 3. Die männlichen Völkernamen werden meiſt auf ſki gebildet und als
Adjectiva declinirt. Z. B. Branczowſki der Franzoſe, ♣G.♠ Vranczowſkoho;
Żpanſki der Spanier, ♣G.♠ Żpanſkoho; Rómſki der Römer, ♣G.♠ Rómſkoho;
Bramborſki der Preuße, ♣G.♠ Bramborſkoho; Sakſki der Sachſe, ♣G.♠
Sakſkoho. Vergleiche §. 36, 2.

§. 30. Bedeutung der Endungen an den Subſtantiven.

1. Die Subſtantiva ſind ihrer Form nach entweder Stammwörter
(Primitiva), oder abgeleitete Wörter (Derivata), oder zuſammengeſetzte
Wörter (Compoſita).

2. Zu den Stammwörtern gehören jene Subſtantiva, deren Ableitung von
einem andern Worte ſich nicht nachweiſen läßt. Z. B. Nan Vater, Porſt
Finger, Zeṁa Erde, Ẇes Dorf, Swowo Wort, Dżėcżo Kind.

3. Zu den abgeleiteten Wörtern gehören jene Subſtantiva, welche von
andern Wörtern abgeleitet ſind. Z. B. Mór Peſt, von mrėcż ſterben;
Wutżba Lehre, von wutżicż lehren; Starſchi Aeltern, von ſtaré alt;
Kraleſtwo Königreich, von Kral König.

4. Zu den zuſammengeſetzten Wörtern gehören jene Subſtantiva, die aus
zwei oder mehreren Wörtern zuſammengeſetzt ſind. Z. B. Sobucżwojek
Mitmenſch (ſobu mit, Cżwojek Menſch); Ṅedżela Sonntag (ṅe nicht, Dżėwo
Arbeit); Póṅdżela Montag (po nach, Ṅedżela Sonntag).

5. Die abgeleiteten Subſtantiva haben verſchiedene Endungen und je nach
dieſen Endungen auch verſchiedene Bedeutungen. Wir wollen im
Nachſtehenden einige Endungen mit ihren Bedeutungen vorführen.

♣a.♠ Die Endungen k, ak, ék, eſchk, uſchk, ėżk, étżk; ka, inka, tżka,
itżka; ko, eſchko, ėżko, aſchko, tżko, itżko, atko bezeichnen gewöhnlich
Verkleinerungen und gehören den Diminutiven an (§. 27.). Z. B. Sénk
Söhnchen, Ptatżk Vögelein, Rutżka Händchen, Katérżinka Katharinchen,
Wóżko Bettchen, Mużatko Männchen.

♣b.♠ Die Endung atż bezeichnet gewöhnlich eine Vergrößerung. Z. B.
Wowatż Großkopf, Wokatż Großauge, Rohatż Großgehörnter, Nohatż Großfuß,
Bruchatż Dickbauch.

<pb n="76"/>

♣c.♠ Die Endungen iſko, iſchcżo, éſko, éſchcżo bezeichnen etwas
Mißfälliges, Grobes und Schlechtes (§. 28.) Z. B. Djabliſko
abſcheulicher Teufel; Mużiſko grober Mann; Ludżiſko ſchlechtes Volk;
Żoniſchcżo ſchlechtes Weib; Tżoliſko große oder häßliche Stirn; Cżeliſko
häßliches Kalb.

♣d.♠ Die Endungen ſchcżo und iſchcżo bezeichnen gewöhnlich einen Ort. Z.
B. Torhoſchcżo Marktplatz, Wóhniſchcżo Feuerheerd, Jetżniſchcżo
Gerſtenfeld, Nopowiſchcżo Schädelſtätte, Paſtwiſchcżo Weideplatz,
Bwudżiſchcżo Irrgang, Labyrinth, Bitwiſchcżo Schlachtfeld,
Bwaznowiſchcżo Irrenhaus.

♣e.♠ Die Endungen eṅcz, eṅcza, erṅa, arṅa bezeichnen gleichfalls einen
Ort. Z. B. Koṅeṅcz Pferdeſtall, Kuṙeṅcz Hühnerſtall, Koſcżeṅcza
Beinhaus, Sẇateṅcza Heiligthum, heiliger Ort, Zkótṅeṅcza Viehhaus,
Wowtżerṅa Schafſtall, Bróṅerṅa Waffenort, Zeughaus, Waṙerṅa Küche,
Kruwarṅa Kuhſtall, Kowarṅa Schmiede, Piwarṅa Brauhaus, Pwókarṅa
Waſchhaus, Skutkuwarṅa oder Dżėwarṅa Werkſtatt.

♣f.♠ Die Endung ſtwo bezeichnet eine Menge oder Vielheit. Z. B.
Duchownſtwo Geiſtlichkeit, Cżwojeſtwo Menſchheit, Kżeſczijanſtwo
Chriſtenheit.

♣g.♠ Die Endungen ina und éna bezeichnen gleichfalls eine Menge oder
Vielheit. Z. B. Ptatżina Gevögel, Pawtżina Spinngewebe, Dubina
Eichenwald, Brėzéna Birkenbuſch, Woṙeſchina Haſelnußſtrauch.

♣h.♠ Die Endungen ina und éna bezeichnen jedoch auch, wie owa,
Frauennamen. Z. B. Schowcżina die Frau des Scholze, Lubeṅſczéna die Frau
des Lubenſki, Mrózowa die Frau des Mros, Schewczowa die Frau des
Schuſter.

♣i.♠ Die Endung oſcz bezeichnet eine Eigenſchaft. Z. B. Mudroſcz
Weisheit, Zwóſcz Bosheit, Wulkoſcz Größe, Pótſcziwoſcz Tugend.

♣k.♠ Die Endung dwo bezeichnet ein Hilfsmittel oder Werkzeug. Z. B.
Kżidwo Flügel, Flederwiſch, Zhibadwo Gelenk, Módwo Seife, Sedwo Sattel,
Motédwo Weife.

♣l.♠ Die Endungen ṅo und cżo bei Verbalſubſtantiven bezeichnen eine
Handlung, einen Act. Z. B. Kcżeṅo Taufhandlung, <pb n="77"/>Zpóznacżo
Erkenntniß, Sécżo das Säen, Piſaṅo das Schreiben.

§. 31. Zuſammengeſetzte Subſtantiva.

1. Zuſammengeſetzte Subſtantiva werden gebildet:

1. durch Zuſammenſetzung zweier Subſtantiva; z. B. Bóhcżwojek
Gottmenſch, Kowrot Spinnrad, Piwarcz Bierbrauer, Bohabojoſcz
Gottesfurcht, Babéduſchka Feldkümmel, Bruchorétżeṙ Bauchredner.

2. durch Zuſammenſetzung eines Subſtantiv’s mit einem Adjectiv; z. B.
Schohomócznoſcz Allmacht, Schohowėdomoſcz Allwiſſenheit, Dobrotżiṅeṙ
Wohlthäter, Cżichowėtr Zephyr.

3. durch Zuſammenſetzung eines Subſtantiv’s mit einem Zahlwort; z. B.
Trejicza Dreieinigkeit, Tzinohak Dreifuß, Tzizubak Dreizack, Tziróżk
Dreieck, Schėſtelk Sechstel, Jednorohatż Einhorn, Pównócz Mitternacht.

4. durch Zuſammenſetzung eines Subſtantiv’s mit einer Präpoſition; z. B.
Pżedawaṙ Verkäufer, Pżidawk Zugabe, Pżibóh Abgott, Zcżerpnoſcz Geduld,
Wotpotżink Ruhe, Rozdżėlk Abtheilung, Zkażeṙ Verderber, Bezbóiſtwo
Atheismus, Rozpucż Scheideweg, Kreuzweg, Wurétż Ausrede, Podẇazk
Strumpfband, Dokóntżeṅo Schluß.

5. durch Zuſammenſetzung eines Subſtantiv’s mit einem Adverbium; z. B.
Deṙehicżo Wohlergehen, Hoṙeſtawaṅo Auferſtehung, Schudżompżitomnoſcz
Allgegenwart, Dowhotżakaṅo Langmuth, Doſcztżiṅeṅo Genugthuung, Dalehicżo
Fortgang, Daleẇedżeṅo Fortſetzung.

6. durch Zuſammenſetzung eines Subſtantiv’s mit einer Partikel,
insbeſondere mit ṅe; z. B. Ṅeẇedro Unwetter, Ṅetżeſcz Unehre,
Arczjandżel Erzengel, Arczbiſkop Erzbiſchof.

2. Die deutſchen zuſammengeſetzten Hauptwörter werden im Wendiſchen
folgenderweiſe ausgedrückt:

1. durch einfache Hauptwörter; z. B. Wincza Weinberg, Wėtnik Windmühle,
Baba Hebamme, Bawma Baumwolle, Pjatk Freitag, Żtwórtk Donnerstag,
Czéhelnicza Ziegelhütte, Dupa Taufſtein, Rukaicza Handſchuh, <pb
n="78"/>Woƀed Mittagsmahl, Kówtż Bienenſtock, Tżoẇeṅcza Bienenhaus,
Dujadwo Blaſebalg, Jabwoṅ Apfelbaum, Zwóſcznik Böſewicht, Kniherṅa
Buchhandlung, Para Waſſerdampf, Weẇertżka Eichhörnchen, Ṗerſchcżeṅ
Fingerring, Pėſchk Fußgänger, Krajownik Landsmann, Knot Maulwurf.

2. durch zwei Subſtantiva, von denen eines im Genitiv oder Accuſativ
ſteht; z. B. Swėta Zbóżnik Weltheiland, Zkóntżeṅo toho Swėta Weltende,
Wokoſcheṅo Ruki Handkuß, Zatżėmṅeṅo Mėſacza Mondfinſterniß, Hozpoza téch
Khudéch Armenhaus, Wopiſaṅo teje Zeṁe Geographie, Wóinuẇedżer
Kriegsführer, Knihiẇazaṙ Buchbinder.

3. durch Subſtantiva, die mit Adjectivis verbunden werden; z. B. bożi
Sén Gottesſohn, boże Cżėwo Frohnleichnam, boże Dżėcżo heiliger Chriſt,
zapalacza Żkleṅcza Brennglas, moſtne Czwo Brückenzoll, ſṁertne Zelo
Buchsbaum, ſtrowa Woda Geſundbrunnen, wilki Pjatk Charfreitag, kżiżowné
Pucż Kreuzweg, dżakowné Wopór Dankopfer, ſcżinané Ẇerch Rohrdecke,
herbuwané (pżinarodżené) Rėch Erbſünde, dżėdowé Stów Großvaterſtuhl,
lėtowne Knihe Jahrbücher, wopominacza Khwalba Nachruhm, zelezné Pucż
Eiſenbahn, parné Wóz Dampfwagen.

4. durch Umſchreibung mit Präpoſitionen und dergleichen; z. B. Kuṗel na
Nohi Fußbad, Johwa k Woſam Haarnadel, Wjaz k Woſam Haarband, Mėra po
Wotżomai Augenmaß, Hrat k Brodutruhaṅu Barbierzeug, Wuſtoinoſcz k
Twaṙeṅu Baufunſt, Nicż k ẇazaṅu Bindfaden, Muṙa pżecżiwo Wóhnei
Brandmauer, Hózdż za Deſku Brettnagel, Wėdomoſcz Pola mėricż
Feldmeßkunſt, Daṅ wot Kheiże Hauszins, Wjaz woko Wowó Kopfbinde.

§. 32. Der Artikel oder das Geſchlechtswort: tón, ta, te, der, die, das.

1. Die ſlawiſchen Sprachen haben keinen Artikel. Der Einfluß des
Germanenthums war aber auf die lauſitzer Wenden ſo ſtark, daß ſie dem
hinweiſenden Fürwort tón, ta, te (vergl. §. 43) <pb n="79"/>eine neue
Bedeutung beilegten und daſſelbe häufig wie den deutſchen Artikel der,
die, das gebrauchten. Z. B. Jėzus, tón Wumóżnik toho Swėta Jeſus, der
Erlöſer der Welt; wóſoko khwalcże toho Kṅeza naſchoho Boha preiſet hoch
den Herrn unſern Gott; pżi Zpotżatku toho Kżeſczijanſtwa bóchu cżi do
Kréſtuſa Wėriwi ṁenuwani Sẇecżi zu Anfang des Chriſtenthums wurden die
Chriſtgläubigen genannt Heilige. Der Gebrauch des wendiſchen Artikels
iſt jedoch ſo viel als möglich zu beſchränken.

2. Die Declination des Artikels iſt folgende:

♣Masculinum. Femininum. Neutrum.♠

Singularis.

♣Nom.♠ tón, tén der ta die te, to das

♣Gen.♠ toho, toh’ teje toho, toh’

♣Dat.♠ tomu, tom’ tei tomu, tom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ tu wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ tém (tom) tei tém (tom)

Dualis.

♣Nom.♠ tai, tei tei tei

♣Gen.♠ teju, tej’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ témai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣Nom.♠ 1. ♣ration.♠ cżi te te

2. ♣non ration.♠ te

♣Gen.♠ téch durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ tém durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ te

♣Soc.♠ témi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ téch durch alle drei Geſchl.

3. Das Neutrum te wird in Verbindung mit Subſtantiven gebraucht. Z. B.
te Dṙewo das Holz, te Dżėcżo das Kind; <pb n="80"/>to wird hingegen
geſetzt, wenn kein Subſtantiv darauf folgt, z. B. to je wėrno das iſt
wahr; to ſo cżi dżiwne zda das ſcheint dir wunderbar.

§. 33. Das Adjectivum oder Eigenſchaftswort.

1. Das Adjectivum oder Eigenſchaftswort giebt dem Hauptworte eine nähere
Bezeichnung. Z. B. wilki Muż ein großer Mann; mawe Dżėcżo ein kleines
Kind.

2. Das Adjectivum hat ein dreifaches Geſchlecht, d. h. iſt ♣masculinum,
femininum, neutrum.♠ Das ♣mascul.♠ endigt auf é, i oder ò; das ♣femin.♠
auf a; das ♣neutr.♠ auf e oder o.

3. Das Adjectivum muß mit ſeinem Subſtantivum in gleichem Genus, Numerus
und Caſus ſtehen.

4. Bei der Declination der Adjectiva tritt die in den §§. 5 und 6
angegebene Buchſtabenumwandlung ein.

5. Folgende Tabelle enthält die Caſusendungen der Adjectiva behufs ihrer
Declination.

§. 34. Declinationstabelle der Adjectiva.

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ é, i, ó a e, o

♣Gen.♠ oho, oh’ eje, oje oho, oh’

♣Dat.♠ omu, om’ ei, oi omu, om’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ u wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ ém, im, om, óm ei, oi ém, im, om, óm

Dualis.

♣N. V.♠ ai, ei ei, oi ei, oi

♣Gen.♠ eju, oju durch alle drei Geſchl.

ej’, oj’

♣D.S.L.♠ émai, imai, ómai, durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nom.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣ration.♠ i, é e, o e, o

2. ♣non rat.♠ e, o

<pb n="81"/>

♣Gen.♠ éch, ich, óch durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ ém, im, óm durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie der ♣Gen.♠ e, o e, o

2. ♣non rat.♠ e, o

♣Soc.♠ émi, imi, ómi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ éch, ich, óch durch alle drei Geſchl.

Beiſpiele.

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ dobré gut dobra dobre

♣Gen.♠ dobroho, dobroh’ dobreje dobroho, dobroh’

♣Dat.♠ dobromu, dobrom’ dobrei dobromu, dobrom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ dobru wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ dobrém dobrei dobrém

Dualis.

♣N. V.♠ dobrai, dobrei dobrei dobrei

♣Gen.♠ dobreju, dobrej’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ dobrémai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣rat.♠ dobri dobre dobre

2. ♣non rat.♠ dobre

♣Gen.♠ dobréch durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ dobrém durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ dobre

♣Soc.♠ dobrémi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ dobréch durch alle drei Geſchl.

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ wilki groß wilka wilke

♣Gen.♠ wilkoho, wilkoh’ wilkeje wilkoho, wilkoh’

♣Dat.♠ wilkomu, wilkom’ wilkei wilkomu, wilkom’

<pb n="82"/>

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wilku wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ wilkim wilkei wilkim

Dualis.

♣N. V.♠ wilkai, wilkei wilkei wilkei

♣Gen.♠ wilkeju, wilkej’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ wilkimai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣rat.♠ wilczé wilke wilke

2. ♣non rat.♠ wilke

♣Gen.♠ wilkich durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ wilkim durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ wilke

♣Soc.♠ wilkimi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ wilkich durch alle drei Geſchl.

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ ſlepé, ſlepó blind ſlepa ſlepa, ſlepo

♣Gen.♠ ſlepoho, ſlepoh’ ſlepeje, ſlepoje ſlepoho, ſlepoh’

♣Dat.♠ ſlepomu, ſlepom’ ſlepei, ſlepoi ſlepomu, ſlepom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ ſlepu wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ ſlepém, ſlepȯm ſlepei, ſlepoi ſlepém, ſlepóm

Dualis.

♣N. V.♠ ſlepai, ſlepei, ſlepoi ſlepei, ſlepoi ſlepei, ſlepoi

♣Gen.♠ ſlepeju, ſlepoju, ſlepej’, ſlepoj’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ ſlepémai, ſlepómai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

<pb n="83"/>

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣rat.♠ ſlepi ſlepe, ſlepo ſlepe, ſlepo

2. ♣non rat.♠ ſlepe, ſlepo

♣Gen.♠ ſlepéch, ſlepóch durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ ſlepém, ſlepóm durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ ſlepe ſlepo

♣Soc.♠ ſlepémi, ſlepómi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ ſlepéch, ſlepóch durch alle drei Geſchl.

♣Masculinum.♠ ♣Feminimum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ tuni wohlfeil tuṅa tuṅe

♣Gen.♠ tuṅoho, tuṅoh’ tuṅeje tuṅoho, tuṅoh’

♣Dat.♠ tuṅomu, tuṅom’ tunei tuṅomu, tuṅom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie d. ♣Gen.♠ tuṅu wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣L. S.♠ tunim tunei tunim

Dualis.

♣N. V.♠ tunei tunei tunei

♣Gen.♠ tuṅeju, tuṅej’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ tunimai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie d. ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣rat.♠ tuni tuṅe tuṅe

2. ♣non rat.♠ tuṅe

♣Gen.♠ tunich durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ tunim durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie d. ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ tuṅe

♣Soc.♠ tunimi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ tunich durch alle drei Geſchl.

<pb n="84"/>

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ drohi theuer drohja (droha) drohje

♣Gen.♠ drohjoho, drohjoh’ (drohoho) drohjeje drohjoho, drohjoh’
(drohoho)

♣Dat.♠ drohjomu, drohjom’ (drohomu) drohei drohjomu, drohjom’ (drohomu)

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ } wie der ♣Gen.♠ drohju (drohu) wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ drohim drohei drohim

Dualis.

♣N. V.♠ drohei drohei drohei

♣Gen.♠ drohjeju, drohjej’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ drohimai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ } wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nominat.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣rat.♠ drozé drohje drohje

2. ♣nonrat.♠ drohje

♣Gen.♠ drohich durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ drohim durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie d. ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ drohje

♣Soc.♠ drohimi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ drohich durch alle drei Geſchl.

§. 35. Bemerkungen über die Declination der Adjectiva.

1. Die Adjectiva auf mé, wé, bé, pé nehmen in allen Caſibus ſtatt des é
auch ȯ, und ſtatt des e — o an. Z. B. ſlepé = ſlepó blind, kromé = kromó
lahm, ſwabé = ſwabó ſchwach, kżiwé = kżiwó krumm, ſlepei = ſlepoi. (§.
2, 1, Anm.). Bei den Adjectiven auf hi iſt die jotirte und unjotirte
Form im Gebrauch.

2. Der Sociativ und Locativ Singularis männlichen und ſächlichen
Geſchlechtes (ém, im) lautet auch, beſonders um Wittichenau, em; z. B.
dobrom, wilkom, tuṅom.

<pb n="85"/>

3. Der Genitiv und Dativ Singularts männlichen und ſächlichen
Geſchlechtes (oho, omu) lautet im Budiſſiner Dialecte eho, emu; z. B.
dobreho, dobremu, wilkeho, wilkemu.

4. Der Nominativ Dualis männlichen Geſchlechtes endigt auf ai oder ei.
Die Endung ei iſt ausſchließlich im Gebrauche bei den Adjectiven auf ji,
hi, ni, żi, ſchi, tżi.

5. Die in den §§. 5 und 6 angegebene Buchſtabenumwandlung tritt bei den
Adjectiven nur im Nominativ Pluralis der Rationalen vor i und é ein. Es
geht über:

dé in dżi; z. B. khudé arm, ♣N. Pl. ration.♠ khudżi; mwodé jung, mwodżi;
hordé ſtolz, hordżi.

té in cżi; z. B. bohaté reich, bohacżi; ſẇaté heilig, ſẇacżi oder
ſẇecżi; żowté gelb, żowcżi.

ſté in ſcżi; z. B. proſté ſteif, proſcżi; towſté dick, towſcżi; tżiſté
rein, tżiſcżi.

wé, wó in li bei einigen wenigen Wörtern; z. B. ẇeſowó fröhlich, ẇeſeli;
ſwėtwȯ hell, ſwėtli.

hi in zé; z. B. nahi nackt, nazé; drohi theuer, drozé.

ki in czé; z. B. wilki groß, wilczé; wóſoki hoch, wóſoczé.

ſki in ſczé; z. B. kżeſczijanſki chriſtlich, kżeſczijanſczé; podjanſki
katholiſch, podjanſczé.

6. Die Adjectiva auf ni, chi[35]⁾, ſchi, żi haben bei Rationalen den
Nominativ Singular. und Plural. gleich. Z. B. wuchi taub, ♣N. Pl.
ration.♠ wuchi; ſuchi dürr; cżichi ruhig; bożi göttlich. Desgleichen die
Superlative auf ſchi. Vergl. §. 40.

7. Einige Adjectiva verwandeln (nach §§. 5 und 6) im Nominativ Pluralis
a und o in e. Z. B. ſẇaté heilig, ſẇecżi; ṙané ſchön, ṙeni; pjané
trunken, pjeni; jaté gefangen, jecżi; ẇeſowó fröhlich, ẇeſeli.

8. Das Adjectivum rad, rada, rade (gern) iſt nur im Nominativ Singular.,
Dual. und Plural. gebräuchlich; nämlich ♣N. Sing.♠ rad, rada, rade; ♣N.
Dual.♠ radai, radei; ♣N. Plur.♠ radżi, rade.

9. Das Adjectivum wſchitki (wſchitkón), wſchitka, wſchitko, abgekürzt:
wſchón, wſcha, wſcho, iſt nur im Singular und Plural gebräuchlich und
wird folgenderweiſe declinirt:

<pb n="86"/>

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ wſchitki, wſchitkón, wſchón jeder wſchitka, wſcha wſchitke,
wſchitko wſcho

♣Gen.♠ wſchitkoho, wſchoho, wſchitkoh’ wſchitkeje, wſcheje wſchitkoho,
wſchoho, wſchitkoh’

♣Dat.♠ wſchitkomu, wſchomu, wſchitkom’, wſchom’ wſchitkei, wſchei
wſchitkomu, wſchomu, wſchitkom’ wſchom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie d. ♣Gen.♠ wſchiku, wſchu wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ wſchitkim, wſchėm wſchitkei, wſchei wſchitkim, wſchėm

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣rat.♠ wſchitczé wſchitke, wſchė wſchitke, wſchė

2. ♣non rat.♠ wſchitke, wſchė alle

♣Gen.♠ wſchitkich, wſchėch durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ wſchitkim, wſchėm durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ wſchitke, wſchė

♣Soc.♠ wſchitkimi, wſchė mi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ wſchitkich, wſchėch durch alle drei Geſchl.

Anm. 1. Wſchitki, wſchitkón, wſchitka, wſchitke rc. wird häufig
geſprochen wſchiczki, wſchiczkón rc.

Anm. 2. Wird wſchitki rc. mit einer Präpoſition verbunden, ſo wird das
vorangeſetzte w ausgeſprochen. Z. B. na wſcho = nawſcho auf alles; ƀe
wſchėmi = ƀewſchėmi unter allen; za wſchėch Cżwojekow = zawſchėch
Cżwojekow für alle Menſchen. (Vergl. §. 2, 2. w. Anm. 4.)

Anm. 3. Das Neutrum wſchitke wird in Verbindung mit Subſtantiven
gebraucht, z. B. wſchitke Ṅezbożo ṁe tṙechi alles Unglück trifft mich;
die Form wſchitko, wſcho hingegen <pb n="87"/>ohne Verbindung mit
Subſtantiven; z. B. wſchitko jo wón zpótuwaw alles hat er verſucht. (§.
32, 3.)

Anm. 4. Mit wſchitki wird häufig das Adverbium ṙeṅe (ſchön) verbunden.
Z. B. mó wſchitczé ṙeṅe wir alleſammt; wón jo mi wſchitko ṙeṅe prajiw,
żtożkuli ja tżiniwa ſém er hat mir alles geſagt, was ich gethan habe
(Joh 4, 39.).

10. Einige mit Präpoſitionen zuſammengeſetzte Adjectiva werfen zuweilen
den Endvocal weg und werden in Folge deſſen indeclinabel. Z. B.
natżorné, a, e und natżorn ſchwärzlich; nażowté, a, e und nażowt
gelblich; mam nażowt Sukṅu ich habe einen gelblichen Rock.

11. Folgende Adjectiva ſind ebenfalls unveränderlich: boſé baarſuß; rézé
gelblich, fahl; kozé der Ziege gehötig. Z. B. zboſé Nohomai baarfuß; na
rézé Koṅu auf fahlem Pferde; kozé Broda (= kozacza Broda) Ziegenbart.
Ebenſo: Kocżinan (= Kocżinanſki) Kottener, aus Kotten u. ſ. w.

12. Manche Adjectiva haben die Bedeutung von Subſtantiven, werden aber
wie Adjectiva declinirt. Z. B. te Dobre das Gute, tón Zwó der Böſe,
Zwote Gold, Mandżelſki (♣scilicet♠ Muż) Ehemann, Mandżelſka (♣sc.♠ Żona)
Ehefrau, Kowarſki (♣sc.♠ Towarſch) Schmiedegeſell, Schewſki
Schuhmachergeſell, Khlamarſki Kaufmannsdiener. Hierher gehören
insbeſondere die männlichen Eigennamen auf é und ſki, die Frauennamen
auf owa, ina, éna, fczéna, die Ländernamen auf ſka und einige Ortsnamen
weiblichen und ſächlichen Geſchlechts.

13. In der ältern Zeit wurden die Adjectiva wie Subſtantiva declinirt;
z. B. ♣Nom.♠ now, nowa, nowo neu, ♣G.♠ nowa, nowé, nowa u. ſ. w. Es
haben ſich noch einige ſolche Formen (mit adverbialer Bedeutung)
erhalten; z. B. z nowa (znowa) neuerdings; z lóchka (zlóchka) leicht; z
cżeżka (zcżeżka) ſchwerlich; z cżicha (zczicha) ſtill; z rėdka (zrėdka)
ſelten; po mawu (pomawu) langſam; po tżėſku böhmiſch; za ſtarſku vor
Alters.

§. 36. Declination adjectiviſcher Eigennamen.

1. Declination der männlichen Eigennamen auf é und ſki.

Singularis.

♣N. V.♠ Nowotné Lubeṅſki

♣G. A.♠ Nowotnoho, Nowotnoh’ Lubeṅſkoho, Lubeṅſkoh’

♣D.♠ Nowotnomu, Nowotnom’ Lubeṅſkomu, Lubeṅſkom’

♣S. L.♠ Nowotném Lubeṅſkim

<pb n="88"/>

Anm. Wie Adjectiva auf ſki, ſka, ſke werden auch die männlichen und
weiblichen Völkernamen auf ſki und ſka declinirt. Z. B. Bramborſki der
Preuße, Bramborſka die Preußin; Sakſki der Sachſe, Sakſka die Sachſin.

2. Declination der Frauennamen auf owa, ina, éna, ſczéna.

Singularis.

♣N. V.♠ Mrózowa Mroſin Schowcżina Scholzin Lubeṅſczéna Lubenſkin

♣Gen.♠ Mrózoweje—oje Schowcżineje Lubeṅſczéneje

♣Dat.♠ Mrózowei—oi Schowcżineil Lubeṅſczénei

♣Acc.♠ Mrózowu Schowcżinuj Lubeṅſczénu

♣S. L.♠ Mrózowei—oi Schowcżinei Lubeṅſczénei

u. ſ. w.

3. Declination der Ländernamen auf ſka.

Faſt alle Ländernamen endigen auf ſka und ſind Adjectiva weiblichen
Geſchlecht’s. Man hat Zeṁa Erde, Land hinzuzudenken.

Singularis.

♣N. V.♠ Żidowſka Judäa Pólſka Polen

♣Gen.♠ Zidowſkeje Pólſkeje

♣Dat.♠ Żidowſkei Pólſkei

♣Acc.♠ Żidowſku Pólſku

♣S. L.♠ Żidowſkei Pólſkei

Anm. 1. Bei den Ländernamen gebraucht man auch zuweilen die männliche
Form auf ſki, wobei Krai Land hinzuzudenken. Z. B. wo Żidowſkim im
Judenlande, wo Schlezinſkim in Schleſien, wo Schwaiczſkim in der
Schweiz.

Anm. 2. Einige Ländernamen ſind wirkliche Subſtantiva und nur im Plural
gebräuchlich. Z. B. Wużiczé Lauſitz, ♣G.♠ Wużicz, Wużiczow, ♣L.♠
Wużiczach; Tżechi Böhmen, ♣G.♠ Tżech, ♣L.♠ Tżechach; Nėmczé Deutſchland,
♣G.♠ Nėmczow, ♣L.♠ Nėmczach; Delané Niederland, ♣G.♠ Delan, ♣L.♠
Delanach.

Anm. 3. Die Namen der Welttheile werden wie Subſtantiva declinirt. Z. B.
Amerika, ♣G.♠ Ameriki; Azija, ♣G.♠ Azije u. ſ. w. Man ſagt aber auch
Aziſka, ♣G.♠ Aziſkeje; Awſtraliſka, ♣G.♠ Awſtraliſkeje.

<pb n="89"/>

4. Declination einiger adjectiviſchen Ortsnamen weiblichen und
ſächlichen Geſchlecht’s.

♣Feminina.♠

Singularis.

♣N.V.A.♠ Kaṁenei Kaminau Tżornei Tſchornitz

♣Gen.♠ Kaṁeṅeje Tżorṅeje

♣Loc.♠ Kaṁenei Tżornei

Ebenſo gehen: Lėſkei Lieske, Nizkei Niesky, Nédei Neida, Rudei Rauden,
Wopalenei Oppeln, Wóſokei Weißig.

♣Neutra.♠

Singularis.

♣N.V.A.♠ Cżėlno Tſchelln Jamno Jahmen

♣Gen.♠ Cżėlnoho Jamnoho

♣Loc.♠ Cżėlnom Jamnom

Ebenſo gehen: Klėtno Klitten, Slepo Schleife, Tuṙo Tauer.

Anm. Einige adjectiviſche Ortsnamen weiblichen Geſchlecht’s haben im
Nominativ oi ſtatt ei und behalten den o - Laut in den übrigen Caſibus.
Z. B. Schiboi Scheibe, ♣G.♠ Schiboje, ♣L.♠ Schiboi; Wupoi Luppe, ♣G.♠
Wupoje, ♣L.♠ Wupoi. §. 2, 1, Anmerk.

§. 37. Beiſpiele zur Uebung.

bėwó, a, o weiß

blėdé, a, e blaß

bożi, a, e göttlich, Gottes —

bóizki, a, e göttlich

bojazné, a, e furchtſam

brodaté, a, e bärtig

czuzé, a, e fremd

czéwó, a, o ganz

cżeṅki, a, e dünn

cżeżki, a, e ſchwer

cżichi, a, e ſtill

daloki, a, e weit

dowhi, ja, je lang

drobné, a, e klein

duchowné, a, e geiſtlich

dżėwawó, a, o arbeitſam

dżiwné, a, e wunderbar

dżiji, a, e wild

hórki, a, e bitter

horbaté, a, e bucklig

hordé, a, e ſtolz

hotowó, a, o fertig

huƀené, a, e elend

jaſné, a, e glänzend

jėdwaté, a, e giftig

kedżbné, a, e aufmerkſam

kiſawó, a, o ſauer

kóżdé, a, e, jeder

krawó, a, o blutig

kraſné, a, e herrlich

khoré, a, e krank

khudé, a, e arm

lubé, a, e lieb

liwó, a, o link

lėſné, a, e waldig

lieſné, a, e liſtig

lėni, ṅa, ṅe faul

mawó, a, o klein

ṁechki, a, e weich

morwó, a, o todt

móczné, a, e mächtig

móżné, a, e möglich

mutżné, a, e müde

nahi, ja, je nackt

nėwné, a, e, zornig

nėmé, a, e ſtumm

nizki, a, e niedrig

nowó, a, o neu

<pb n="90"/>

nuzné, a, e nothwendig

pėkné, a, e hübſch

podomné, a, e ähnlich

pótſcziwó, a, o tugendhaft

prawó, a, o recht

puſté, a, e wüſte

pwódné, a, e fruchtbar

ṙané, a, e ſchön

rozné, a, e garſtig

runé, a, e gerade

ſélné, a, e ſtark

ſéré, a, e roh

ſmėlné, a, e barmherzig

ſtaré, a, e alt

ſtrózbé, a, e nüchtern

ſwabé, a, e ſchwach

ſẇaté, a, e heilig

ſrėni, ṅa, ṅe mittelſte

ſchelaki, a, e verſchieden

ſchėdné, a, e täglich

ſchwarné, a, e rein

towſté, a, e dick

trėbné, a, e nöthig

tupé, a, e ſtumpf

twerdé, a, e hart

tżeſné, a, e ehrbar

tżerẇené, a, e roth

tżopwó, a, o warm

tżorné, a, e ſchwarz

tżmowó, a, o finſter

wadki, a, e glatt

wėcżné, a, e ewig

wódné, a, e hungrig

wupé, a, e albern

wuchi, a, e taub

zbóżné, a, e glücklich

zjawné, a, e öffentlich

żadné, a, e ſelten

żiwó, a, o lebendig

§. 38. Bedeutung der Endungen an den Adjectiven.

1. Wie bei den Subſtantiven (§. 30.), ebenſo haben auch bei den
Adjectiven die Endungen ihre eigenthümliche Bedeutung.

2. Die Endungen ſki, anſki, owſki bezeichnen gewöhnlich eine Abſtammung
von Völkern, Örtern oder Perſonen. Z. B. ſerſki wendiſch, tżėſki
böhmiſch, mėſcżanſki ſtädtiſch, Kulowſki einer aus Wittichenau,
kralowſki königlich, żidowſki jüdiſch.

3. Die Endungen owó, iné, éné bezeichnen einen Beſitz, ein Angehören.
Hierbei iſt folgendes zu bemerken: 1. die Endung owó wird gebildet von
männlichen Hauptwörtern; z. B. mużowó dem Manne gehörig, mużowo Kubwo
Mannes Gut, nanowó Kij Vaters Stock, Pėtérowo Knihe Peter’s Buch; 2. die
Endungen iné und éné werden gebildet von weiblichen Hauptwörtern; z. B.
żoniné der Frau gehörig, żonina Sukṅa Frauenrock, Mariné ſẇaté Dżeṅ
Marienfeſt, holczéne Rubiſchko des Mädchens Tuch. Dergleichen Adjectiva
beziehen ſich immer auf ein Subject im Singular und vertreten die Stelle
des deutſchen Genitiv’s.

4. Die Endungen żi und tżi bezeichnen gleichfalls ein Zugehören und
vertreten die Stelle des deutſchen Genitiv’s. Z. B. bożi Dar Gottesgabe,
kṅeże Polo Herrſchaftsfeld, cżwojetżi Rozom Menſchenverſtand, liſchtża
Koża Fuchsbalg, ptatże Nėzdo Vogelneſt, wowtża Wowma Schafwolle, ratże
Woko Krebsauge, ẇeltżi Zub Wolfszahn.

5. Die Endungen né, ané, cżané bezeichnen gewöhnlich einen Stoff, eine
Materie. Z. B. ſlėborné, ſilbern, zelezné <pb n="91"/>eiſern, mjaſné
fleiſchig, dṙeẇané hölzern, żidżané ſeiden, kaṁeṅané ſteinern,
żkleṅtżané gläſern, zwocżane golden.

6. Die Endung ni bezeichnet gewöhnlich einen Ort. Z. B. prėni (ṅa, ṅe)
der erſte, ſrėni (ṅa, ṅe) der mittlere, poſleni (ṅa, ṅe) der letzte.

7. Die Endung iwó bezeichnet gewöhnlich eine Fülle. Z. B. luboſcziwó
voller Liebe, luboznoſcziwó voller Lieblichkeit, rétżiwó redſelig.

8. Die Endungen até, awé, oité bezeichnen gewöhnlich eine Größe oder
Menge. Z. B. nohaté langbeinig, wokaté großäugig, zubaté zahlreich,
dżėwawé arbeitſam, pihawé ſommerſproſſig, pėſkoité ſandig, wodoité
wäſſerig. Werden até und oité mit Wörtern verbunden, die von Diminutiven
abgeleitet ſind, ſo bezeichnen ſie Verkleinerungen; z. B. woṗeſchkaté
kleinblätterig, nóżkaté kleinfüßig, mutżkoité feinmehlig.

9. Die Endungen tżki und uſchki bezeichnen Verkleinerungen. Z. B.
mólitżki klein, mwoduſchki jung, tżerẇenuſchki röthlich.

10. Die Endungen owó und aczé bezeichnen ein Herkommen von dem, was das
Stammwort ausſagt. Z B. dubowó eichen, dubowo Dṙewo Eichenholz, winowo
Kiſawo Weineſſig, różowó Wėncz Kranz von Roſen, heleṅacza Koża
Hirſchhaut, ſwiṅacze Mjaſo Schweinfleiſch, ſkoṗacza Ṗetżeṅ
Schöpſenbraten, kuṙacze Jejo Hühnerei.

11. Auf aczé (até) endigen auch die Participia Präſentis, welche wie
Adjectiva behandelt werden. Z. B. wukṅaczé (wukṅaté) lernend, lubuwaczé
liebend, rożaczé drohend.

12. Auf ané, ené, óté, até endigen die Participia Perfecti Paſſivi. Z.
B. lubuwané geliebt, wutżené gelehrt, zabóté vergeſſen, wzaté genommen.

13. Auf awné, iwné, éwné endigen die Participia Futuri Paſſivi. Z. B.
lubuwawné der geliebt werden ſoll (♣amandus♠), proſéwné der gebeten
werden ſoll (♣rogandus♠), prajiwné der geſagt werden ſoll (♣dicendus♠).

14. Auf anité und enité endigen diejenigen Adjectiva Verbalia, welche im
Lateiniſchen ♣ilis♠ haben und eine Würde oder Leichtigkeit ausdrücken.
Z. B. lubuwanité liebenswürdig (♣amabilis♠), proſchenité erbittlich
(♣rogabilis♠), prajenité leicht zu ſagen (♣dicibilis♠), pżemėnité
veränderlich (♣mutabilis♠).

<pb n="92"/>

§. 39. Zuſammengeſetzte Adjectiva.

Die zuſammengeſetzten Adjectiva werden gebildet:

1. durch Zuſammenſetzung zweier Adjectiva; z. B. ſchohowėdomó
allwiſſend, ſchohomóczné allmächtig, ſtarowėriwó altgläubig.

2. durch Zuſammenſetzung eines Subſtantiv’s mit einem Adjectiv; z. B.
Piſma wutżené ſchriftgelehrt, Tżeſcże doſtoiné ehrwürdig, Tżeſcże
lakowné ehrſüchtig. Oft werden beide Wörter in eines zuſammengezogen,
wie: bohabojazné gottesfürchtig, bohuſwużowné religiös, bohuzpodobné
gottgefällig, ſchėdné (wſchė Dné) täglich.

3. durch Zuſammenſetzung eines Adjectiv’s mit einem Zahlwort; z. B.
ṗecżlėtné fünfjährig, tziróżkaté dreieckig, tzizubaté dreizackig,
pównahi halbnackt.

4. durch Zuſammenſetzung eines Adjectiv’s mit einer Präpoſition; z. B.
ƀezmóczné kraftlos, ƀezbóżné gottlos, pżibóizki abgöttiſch, nabwazné
halbnärriſch, zpodobné wohlgefällig.

5. durch Zuſammenſetzung eines Adjectiv’s mit einem Adverbium; z. B.
dowhomóſné langmüthig, ſchudżom pżitomné allgegenwärtig, wóſoko doſtoiné
hochwürdig.

6. durch Zuſammenſetzung eines Adjectiv’s mit einer Partikel,
insbeſondere mit ṅe; z. B. ṅeṙadné unordentlich, ṅeprawó unrecht,
ṅetżiſté unrein, ṅeſṁertné unſterblich.

§. 40. Die Vergleichungsſtufen der Adjectiva oder die Comparation.

Die Adjectiva können nach verſchiedenen Stufen oder Graden mit einander
verglichen und in ihrer Bedeutung vergrößert oder verkleinert werden.
Dieſe Stufen nennt man Vergleichungsſtufen oder Vergleichungsgrade. Die
erſte Stufe heißt die ausſagende Stufe oder der Poſitiv (♣gradus
positivus♠); z. B. ṙana Róża die ſchöne Roſe. Die zweite Stufe heißt die
vergleichende Stufe oder der Comparativ (♣gradus comparativus♠); z. B.
ṙeṅſcha Róża die ſchönere Roſe. Die dritte Stufe heißt die höchſte Stufe
oder der Superlativ (♣gradus superlativus♠); z. B. naiṙeṅſcha Róża die
<pb n="93"/>ſchönſte Roſe. Wir haben es hier nur mit dem Comparativ und
Superlativ zu thun.

1. Der Comparativ.

1. Der Comparativ der Adjectiva wird im Wendiſchen dadurch gebildet, daß
man an dem Poſitiv die Geſchlechtsendung é (i), a, e wegläßt und an den
letzten Stammconſonanten iſchi, iſcha, iſche anhängt. Die Comparative
ſind Adjectiva dreier Endungen. Z. B.

Poſitiv: Comparativ:

tżorné, a, e ſchwarz tżorniſchi, a, e ſchwärzer

trėbné nöthig trėbniſchi nöthiger

móczné mächtig móczniſchi mächtiger

ſélné ſtark ſélniſchi ſtärker

kraſné herrlich kraſniſchi herrlicher

dżiji (dżiwi) wild dżijiſchi wilder

2. Die in den §§. 5 und 6 angegebene Buchſtabenumwandlung tritt auch bei
der Comparation ein und zwar geht über:

dé in dż ſté in ſcż

té in cż chi in ſch

wé, wȯ in l bei einigen Wörtern. Z. B.

Poſitiv: Comparativ:

hordé, a, e ſtolz hordżiſchi, a, e ſtolzer

ſẇaté heilig ſẇacżiſchi (ſẇecżiſchi) heiliger

tżiſté rein tżiſcżiſchi reiner

ſuchi trocken ſuſchiſchi trockener

cżichi ſtill cżiſchiſchi ſtiller

ẇeſowó fröhlich ẇeſeliſchi fröhlicher

ſwėtwó hell ſwėtliſchi heller

3. Einige Adjectiva werfen im Comparativ das erſte i in iſchi weg und
haben blos ſchi, ſcha, ſche. Z. B.

Poſitiv: Comparativ:

ſtaré, a, e alt ſtarſchi, a, e älter

nowó neu nowſchi neuer

ẇeſowó fröhlich ẇeſelſchi fröhlicher

ſwabé ſchwach ſwabſchi ſchwächer

kżiwó krumm kżiwſchi krummer

lubé lieb lubſchi lieber

prėni, ṅa, ṅe erſte prėṅſchi erſtere

drohi, ja, je theuer dróſchi (dróżſchi) theurer

<pb n="94"/>

tuni, ṅa, ṅe wohlfeil tunſchi wohlfeiler

ṙané ſchön ṙeṅſchi ſchöner

bėwó weiß bėlſchi weißer

4. Die Adjectiva auf oki und die meiſten auf ki mit vorhergehendem
Conſonanten (ausgenommen die auf dki und tki) bilden den Comparativ,
indem ſie an die Stammſylbe ſchi, ſcha, ſche annehmen. Der Conſonant der
Stammſylbe wird nach §§. 5 und 6 umgewandelt, oder kann bisweilen ganz
wegbleiben. Z. B.

Poſitiv: Comparativ:

ſchėroki, a, e breit ſchėrſchi, a, e breiter

huboki tief hubſchi tiefer

daloki weit dalſchi weiter

wóſoki hoch wóſchſchi (wóſchi) höher

cżeṅki dünn cżeṅſchi dünner

cżeżki ſchwer cżeżſchi (cżeſchi) ſchwerer

lóchki (lóhki) leicht lóżſchi (lóſchi) leichter

blizki nahe bliżſchi (bliſchi) näher

nizki niedrig niżſchi (niſchi) niedriger

wuſki ſchmal wuſchſchi (wuſchi) ſchmaler[36]⁾

5. Einige Adjectiva auf dé, té, tré und ki bilden den Comparativ, indem
ſie an die Stammſylbe ſi, ſa, ſe[37]^(*)) annehmen. Z. B.

Poſitiv: Comparativ:

khudé, a, e, arm khudſi, a, e ärmer

mwodé jung mwódſi jünger

twerdé hart twerdſi härter

bohaté reich bohatſi reicher

wótré ſcharf wótſi ſchärfer

khėtré ſchnell khėtſi ſchneller

krótki kurz krótſi kürzer

wadki glatt wadſi glätter

rėdki dünn rėdſi dünner

ſwódki ſüß ſwódſi ſüßer

żidki dünn (flüſſig) żidſi dünner

rad gern radſi (ródſi) lieber

<pb n="95"/>

6. Einige Adjectiva werfen im Comparativ einen Buchſtaben ganz weg oder
verſetzen denſelben. Z. B.

Poſitiv: Comparativ:

towſté, a, e dick towſchi, a, e dicker

ṁechki weich ṁekſchi weicher

dowhi lang dlėiſchi länger

7. Einige Adjectiva, insbeſondere die auf ſki, iwó, ité, oité haben
keine Comparativformen auf iſchi und ſchi, ſondern werden durch
Vorſetzung des Adverbium bóle (mehr) in den Comparativ erhoben. Z. B.

Poſitiv: Comparativ:

kżeſczijanſki, a, e chriſtlich bóle kżeſczijanſki, a, e chriſtlicher

pohanſki heidniſch bóle pohanſki heidniſcher

dobrocżiwȯ gütig bóle dobrocżiwó gütiger

miwoſcziwó barmherzig bóle miwoſcziwó barmherziger

próṁenité faſerig bóle próṁenité faſeriger

kaṁenité ſteinig bóle kaṁenité ſteiniger

różkoité eckig bóle różkoité eckiger

mukoité mehlig bóle mukoité mehliger

8. Folgende Adjectiva haben einen unregelmäßigen Comparativ:

Poſitiv: Comparativ:

dobré, a, e gut lėpſchi, a, e beſſer

zwó, a, o böſe hórſchi, a, e böſer

wulki (wilki), a, e groß ẇetſchi (ẇetżi), a, e größer

mawó, a, o klein ṁeṅſchi, a, e kleiner

hórki, a, e bitter hórtżi, a, e bitterer

zahi, ja, je frühzeitig zażi, a, e zeitiger

9. Das vergleichende „als, wie“ wird nach Comparativen durch hacż, hako,
déżli, ſelten durch każ ausgedrückt. Z. B. Zeṁa jo ẇetſcha hacż Mėſacz
die Erde iſt größer als der Mond; Jandżelo ſu mudriſchi, móczniſchi ha
Bohu bliſchi, déżli mó Cżwojekoẇe, tola pak ṅezkóntżṅe ṁeṅſchi, déżli
Bóh ſam die Engel ſind weiſer, mächtiger und Gott näher als wir
Menſchen, doch aber unendlich geringer als Gott ſelbſt.

<pb n="96"/>

10. Das deutſche „je — deſto“ wird entweder durch tżim — tżim
ausgedrückt oder ganz weggelaſſen. Z. B. tżim bliſchi, tżim lėpſchi je
näher deſto beſſer; ẇetſchi ſé ha ẇetſche Prawo maſch je größer du biſt,
deſto größeres Recht haſt du; zrawiſche Żito lóżo ſo roni je reifer das
Korn, deſto leichter fällt es aus.

2. Der Superlativ.

1. Der Superlativ wird im Wendiſchen dadurch gebildet, daß man dem
Comparativ, er ſei regelmäßig oder unregelmäßig, die Sylbe nai vorſetzt.
Bei den Comparativen mit bóle kommt nai vor bóle. Z. B.

Comparativ: Superlativ:

tżorniſchi, a, e ſchwärzer naitżorniſchi, a, e der ſchwärzeſte

hordżiſchi ſtolzer naihordżiſchi der ſtolzeſte

ſtarſchi älter naiſtarſchi der älteſte

ſchėrſchi breiter naiſchėrſchi der breiteſte

khudſi ärmer naikhudſi der ärmſte

towſchi dicker naitowſchi der dickſte

bóle kżeſczijanſki chriſtlicher naibóle kżeſczijanſki der chriſtlichſte

lėpſchi beſſer nailėpſchi der beſte

2. Um den Superlativ, beſonders den adverbialen, zu verſtärken, wird
zuweilen noch na oder hacż na vorgeſetzt. Z. B. naniṙenſchi der
allerſchönſte, nanaikrótſi der allerkürzeſte, nanaitunſcho auf’s
allerwohlfeilſte, hacż nanaibóle am allermeiſten. To jo téch Zbóżnéch
naiwóſcha Zbóżnoſcz, Boha zjawṅe widżecż ha joho hacż naibóle lubuwacż
das iſt der Seligen höchſte Seligkeit, Gott klar zu ſchauen und ihn auf
das allerinnigſte zu lieben.

3. In Gedichten werden die Comparative ṙeṅſchi, mwódſi, ſtarſchi häufig
als Superlative gebraucht. Z. B.

Mó znajemó tón ṙeṅſchi Krai,

Mó wėmó jón, o hai, o hai!

To jo ta ſerſka Wużicza,

Ta pruſka ha ta ſakſonſka.

<pb n="97"/>

§. 41. Das Pronomen oder Fürwort.

1. Die Pronomina oder Fürwörter vertreten die Stelle der Hauptwörter und
werden gebraucht, um deren (der Hauptwörter) übelklingende Wiederholung
zu vermeiden. Statt z. B. zu ſagen: Jakub leiżi, Jakub jo khoré Jakob
liegt, Jakob iſt krank — ſpricht man: Jakub leiżi, wòn jo khoré Jakob
liegt, er iſt krank.

2. Es giebt ſechs Arten oder Claſſen der Fürwörter:

1. perſönliche Fürwörter (♣pronomina personalia♠), d. h. ſolche, welche
die Stelle einer Perſon oder Sache vertreten; z. B. ja ich, té du, wón
er, wone es.

2. hinweiſende Fürwörer (♣pron. demonstrativa♠), d. h. ſolche, welche
auf eine Perſon oder Sache hinweiſen; z. B. tutón dieſer, tamón jener.

3. fragende Fürwörter (♣pron. interrogativa♠); z. B. kotré welcher?
tżeji weſſen? żtó wer? kaiki was für einer?

4. bezůgliche Fürwörter (♣pron. relativa♠) d. h. ſolche, welche ſich auf
eine vorhergehende Perſon oder Sache beziehen; z. B. kotréż welcher,
żtóż derjenige welcher.

5. unbeſtimmte und allgemeine Fürwörter (♣pron. indefinita♠), d. h.
ſolche, die keine beſtimmte Perſon oder Sache bezeichnen; z. B. nėkotré
mancher, kóżdé jeder, nichtó niemand.

6. beſitzanzeigende Fürwörter (♣pron. possessiva♠); z. B. mói mein, twói
dein, naſch unſer.

§. 42. 1. Die perſönlichen Fürwörter (♣pronomina personalia♠).

1. 2. 3.

Singularis.

♣Nom.♠ ja ich té du fehlt

♣Gen.♠ ṁe, mṅe tebe, cże ſebe, ſo

♣Dat.♠ mi, mni (mṅe) tebi, cżi ſebi, ſei

♣Acc.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Genit.♠

♣Voc.♠ ja té fehlt

♣Soc.♠ mnu tobu ſobu

♣Loc.♠ mni tebi ſebi

<pb n="98"/>

Dualis.

♣N. V.♠ mói wir beide wói ihr beide wie im

♣Gen.♠ naju, naj’ waju, waj’

♣D.S.L.♠ namai wamai Singul.

♣Acc.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Genit.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ mó wir wó ihr

♣Gen.♠ nas was wie im

♣Dat.♠ nam wam

♣Acc.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Genit.♠ Singul.

♣S. L.♠ nami wami

1. 2. 3.

Singularis.

♣Nom.♠ wón er wona ſie wone (wono) es

♣Gen.♠ joho, joh’ jeje, jej’ joho, joh’

ṅoho, ṅoh’ ṅeje, ṅej’ ṅoho, ṅoh’

♣Dat.♠ jomu, jom’ ji, jei jomu, jom’

ṅomu, ṅom’ ni, nei ṅomu, ṅom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie d. ♣Gen.♠ ju, ṅu je, ṅe

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ jón, ṅón

♣S. L.♠ nim (ṅom) nei nim (ṅom)

Dualis.

♣Nom.♠ wonai, wonei ſie beide wonei wonei

♣Gen.♠ jeju, jej’ durch alle drei Geſchl.

ṅeju, ṅej’

♣D.S.L.♠ jimai, nimai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie d. ♣Gen.♠ jei, nei jei, nei

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ jei, nei

Pluralis.

♣Nom.♠ 1. ♣ration.♠ woni ſie wone wone

2. ♣non rat.♠ wone

♣Gen.♠ jich, nich durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ jim, nim durch alle drei Geſchl.

<pb n="99"/>

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ wie der ♣Genit.♠ je, ṅe je, ṅe

2. ♣non ration.♠ je, ṅe

♣Soc.♠ nimi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ nich durch alle drei Geſchl.

Mit den vorgenannten Fürwörtern wird öfters verbunden ſam, ſama, ſamo
ſelbſt, allein; z. B. ja ſam ich ſelbſt, ich allein; wón ſam er ſelbſt,
er allein.

1. 2. 3.

Singularis.

♣Nom.♠ ſam ſelbſt, allein ſama ſame, ſamo

♣Gen.♠ ſamoho, ſamoh’ ſameje (ſamoje) ſamoho, ſamoh’

♣Dat.♠ ſamomu, ſamom’ ſamei (ſamoi) ſamomu, ſamom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie d. ♣Gen.♠ ſamu wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie d. ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ ſamém (ſamóm) ſamei (ſamoi) ſamém (ſamóm)

Dualis.

♣Nom.♠ ſamai, ſamei (ſamoi) ſamei (ſamoi) ſamei (ſamoi)

♣Gen.♠ ſameju, ſamej’ (ſamoju, ſamoj’) durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ ſamémai (ſamómai) durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie d. ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie d. ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣Nom.♠ 1. ♣ration.♠ ſami ſame (ſamo) ſame (ſamo)

2. ♣non ration.♠ ſame (ſamo)

♣Gen.♠ ſaméch (ſamóch) durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ ſamém (ſamóm) durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie d. ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non ration.♠ ſame (ſamo)

♣Loc.♠ ſamémi (ſamómi) durch alle drei Geſchl.

♣Soc.♠ ſaméch (ſamóch) durch alle drei Geſchl.

<pb n="100"/>

1. Ja (ich) hat im Genit., Dat. und Accuſ. Sing. eine doppelte Form: ṁe
und mṅe, mi und mni. Die längeren Formen mṅe und mni, ſowie der Soc. und
Loc. mnu und mni werden nur nach Präpoſitionen gebraucht. Z. B. do mṅe
in mich, za mṅe für mich, za mnu hinter mir, na mṅe auf mich, pże mṅe
über mich, pżi mni bei mir, po mni nach mir, wo mni in mir.

2. Endigt die Präpoſition vor mṅe mni, mnu auf einen Conſonanten, ſo
wird demſelben des Wohllauts wegen ein e oder o angehängt. Z. B. ƀeze
mṅe, ƀezo mṅe ohne mich; wote mṅe, woto mṅe von mir; nade mṅe, nado mṅe
über mich; pżede mṅe, pżedo mṅe vor mich; pżeze mṅe, pżezo mṅe durch
mich.

3. Präpoſitionen mit einem Endconſonanten, welche den Sociativ mnu
regieren, nehmen ſtatt e lieber o an. Z. B. zo mnu mit mir, nado mnu
über mir, pżedo mnu vor mir.

4. Die Präpoſition k (zu) vor dem Dativ mni heißt immer: ke mni zu mir
(auch ke mṅe).

5. Präpoſitionen mit dem angehängten euphoniſchen e oder o können mit
ihrem regierten Pronomen entweder zuſammen geſchrieben, oder auch
getrennt werden. Z. B. kemni und ke mni zu mir, ƀezomṅe und ƀezo mṅe
ohne mich, wotomṅe und woto mṅe von mir.

6. Folgende zwei- und mehrſylbige Präpoſitionen regieren die kürzeren
Formen ṁe und mi:

1. ṁe: pola bei, pódla neben, pṙedé vor, zadé hinter, mėſto ſtatt, nimo
vorbei, niże unter, zpodé unter, wóſche über, zblizka in der Nähe, zboka
ſeitwärts, wokowo (woko) herum. Z. B. pola ṁe bei mir, pṙedé ṁe vor mir,
nimo ṁe bei mir vorbei.

2. mi: porṅo zur Seite, neben, napżecżo gegen, pżecżiwo wider. Z. B.
porṅo mi mir zur Seite, napżecżo mi gegen mich.

7. Té (du) hat im Genit., Dat. und Accuſ. Sing. eine längere und eine
contrahirte Form. Die contrahirten Formen cże und cżi ſind accentlos und
können niemals nach Präpoſitionen oder zu Anfang eines Satzes gebraucht
werden. Nach einer Präpoſition und wo das Wort den Ton hat, muß es
heißen tebe, tebi. Z. B. wot tebe von dir, napżecżo tebi gegen dich; ja
cże proſchu ich bitte dich, ja cżi wėṙu ich glaube <pb n="101"/>dir;
tebe proſchu ich bitte dich, tebi wėṙu ich glaube dir. Vergl. §. 104,
16.

8. Die Genitive des Dualis von ja und té — naju und waju — werden
zuweilen wie beſitzanzeigende Fürwörter gebraucht; z. B. waju (waj’)
Dżėcżi ſu dżėwawo euere (euer beiden) Kinder ſind arbeitſam.

9. Die Formen ſebe und ſo, ſebi und ſei werden beliebig gebraucht, doch
ſteht nach Präpoſitionen niemals die contrahirte Form ſei, ſondern ſebi.
Z. B. wot ſebe und wot ſo von ſich; wón ſebe ſamoho lubuẇe und wón ſo
ſamoho lubuẇe er liebt ſich ſelbſt; pżecżiwo ſebi wider ſich.

10. Bei rückbezüglichen Zeitwörtern wird ſo, nicht ſebe gebraucht, und
zwar bezieht ſich dieſes ſo nicht nur auf die dritte Perſon, ſondern
auch auf die erſte und zweite. Z. B. ja ſo boju ich fürchte mich, té ſo
bojiſch du fürchteſt dich, wón ſo boji er fürchtet ſich, woni ſo boja
ſie fürchten ſich.

11. Wón, wona, wone (er, ſie, es) hat in den meiſten Caſibus eine
doppelte Form auf j und ṅ (n): joho und ṅoho, jeje und ṅeje, jomu und
ṅomu u. ſ. w. Die letztere Form auf ṅ und n wird ſtets nach
Präpoſitionen gebraucht. Z. B. wot ṅoho von ihm, wot ṅeje von ihr, k
ṅomu zu ihm, pżez nich durch ſie. Nur bei dla (wegen) ſagt man: joho dla
ſeinetwegen, jeje dla ihretwegen, jich dla ihretwegen.

12. Die apoſtrophirten Formen joh’, jom’ u. ſ. w. ſind accentlos und
werden gebraucht, wenn kein Nachdruck darauf ruht. Statt joho, jomu hört
man auch zuweilen ’ho, ’mu.

13. Die Genitive joho, jeje, jeju, jich drücken (wie das lateiniſche
♣ejus, eorum♠) das deutſche beſitzanzeigende Fürwort „ſein,“ „ihr“ aus,
wenn letzteres nicht auf das Subject im Satze, ſondern auf ein
entfernteres ſich bezieht. Z. B. mói Bratr jo wumṙew, joho Dżėcżi ſu
Séroté mein Bruder iſt geſtorben, ſeine (♣ejus♠) Kinder ſind Waiſen;
Herta jo wudata, jeje Muż rėka Tżornak Gertrud iſt verheirathet, ihr
Mann heißt Tſchornak. Bezieht ſich jedoch das „ſein,“ „ihr“ auf das
Subject im Satze, ſo muß (wie im Lateiniſchen ♣suus, a, um♠) ſwói,
ſwoja, ſwoje ſtehen. Z. B. Nan lubuẇe ſwoje Dżėcżi ein Vater liebt ſeine
(♣suos♠) Kinder; dobre Dżėcżo tżeſcżuẇe ſwojich Starſchich ein gutes
Kind ehrt ſeine Eltern.

<pb n="102"/>

14. Aus dem weiblichen Genitiv jeje bilden Einige das Adjectivum jejiné,
a, e und gebrauchen es zur Stellvertretung des jeje; z. B. jejiné Nan
ihr Vater, jejinom’ Bratrei ihrem Bruder.

15. Das Neutrum wone (auch wonaike) wird im gemeinen Leben häufig
gebraucht, wenn ſich der Sprechende auf den betreffenden Gegenſtand
nicht ſogleich beſinnen kann, im Deutſchen etwa zu vergleichen mit:
„Ding’s da.“ Z. B. kak rėka tola te wone wie heißt doch gleich das
Ding’s da; ṅetżiṅ mi żane wone mach’ mir keine Dinge!

§. 43. 2. Die hinweiſenden Fürwörter (♣pronomina demonstrativa♠).

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣Nom.♠ tón, tén der, dieſer ta die, dieſe te, to das, dieſes

♣Gen.♠ toho, toh’ teje toho, toh’

♣Dat.♠ tomu, tom’ tei tomu, tom’

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ tu wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ tém (tom) tei tém (tom)

Dualis.

♣Nom.♠ tai, tei tei tei

♣Gen.♠ teju, tej’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ témai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

Pluralis.

♣Nom.♠ 1. ♣ration.♠ cżi te te

2. ♣non ration.♠ te

♣Gen.♠ téch durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ tém durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ te

♣Soc.♠ témi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ téch durch alle drei Geſchl.

<pb n="103"/>

1. Das Neutr. Singul. te wird in Verbindung mit einem Subſtantivum
gebraucht, to hingegen ohne Subſtantivum. Z. B. te Swowo dieſes Wort; to
jo dżiwne das iſt wunderbar. Vergl. §. 32, 3.

2. Wie tón, ta, te werden declinirt: tutón, tuta, tute (tuto) dieſer,
♣G.♠ tutoho, tuteje, tutoho u. ſ. w.; tónlei, talei, telei (tolei)
dieſer, ♣G.♠ toholei, tejelei, toholei u. ſ. w. Wie Adjectiva auf é, a,
e werden declinirt: tamón, (tamó), tama, tamo jener, ♣G.♠ tamoho,
tamoje, tamoho u. ſ. w.; tamné, tamna, tamne jenſeitiger, ♣G.♠ tamnoho,
tamneje, tamnoho u. ſ. w. Bei tónſamón (tónſamó), taſama, teſamo
(toſamo) derſelbe wird tón und ſam declinirt: ♣G.♠ tohoſamoho,
tejeſamoje, tohoſamoho u. ſ. w. Wie Adjectiva auf i, a, e werden
declinirt: taiki, taika, taike ein ſolcher, ♣G.♠ taikoho, taikeje,
taikoho u. ſ. w. (♣Nom. plur. ration.♠ taiczé); hinaiki, hinaika,
hinaike ein anderer.

§. 44. 3. Die fragenden Fürwörter (♣pronomina interrogativa♠).

♣Mascul.♠ und ♣Femin.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣Nom.♠ żtó (ſchtó) wer? żto (ſchto) was?

♣Gen.♠ koho? tżoho?

♣Dat.♠ komu? kom’? tżomu? tżom’?

♣Acc.♠ koho? żto? nach Präpoſit. tżo?

♣S. L.♠ kim? tżim?

Dualis.

♣S. L.♠ kimai?

Pluralis.

♣D.♠ kim?

♣S. L.♠ kimi?

1. Die altwendiſche, in der Schriftſprache jetzt ungebräuchliche Form
für żtó wer? iſt chtó oder hdó.

2. Die im Dual. und Plural. fehlenden Caſus von żtó und żto werden durch
den Singular ergänzt.

<pb n="104"/>

3. Der Accuſativ vom Neutrum żto heißt nach Präpoſitionen tżo; z. B. pże
tżo (pżetżo) warum? za tżo wofür? na tżo worauf?

4. Nachſtehende fragende Fürwörter: kotré, kotra, kotre welcher? (♣Nom.
plur. ration.♠ kotzi); kaiki, a, e was für einer? kelki, a, e der wie
vielſte? tżeji, a, e, wem angehörig? weſſen? werden wie Adjectiva
declinirt.

5. Die fragenden Fürwörter werden im Wendiſchen auch bei der indirecten
Frage angewendet. Z. B. prai mi, tżeji ſé ſage mir, weſſen du biſt; ja
żno wėm, kotroho wot was ſebi wuzwolicż budu ich weiß ſchon, welchen von
euch ich mir auswählen werde; kaiki jo Bóh, ṅemóżemó z cżėwnémai
Wotżomai widżecż wie Gott beſchaffen iſt, können wir nicht mit
leiblichen Augen ſehen.

§. 45. 4. Die bezüglichen Fürwörter (♣pronomina relativa♠).

1. Die bezüglichen Fürwörter werden aus den fragenden gebildet, indem
ihnen ein ż angehängt wird. Sie werden wie jene declinirt. Die
bezüglichen Fürwörter ſind: kotréż, kotraż, kotreż welcher (♣G.♠
kotrohoż, kotrejeż, kotrohoż; ♣D.♠ kotromuż, kotreiż, kotromuż; ♣S. L.♠
kotrémż, kotreiż, kotrémż; ♣N. Dual.♠ kotraiż, kotreiż; ♣G.♠ kotrejuż,
♣D. S. L.♠ kotrémaiż; ♣N. plur.♠ kotziż, kotreż; ♣G.♠ kotréchż; ♣D.♠
kotrémż; ♣S.♠ kotrémiż; ♣L.♠ kotréchż); żtóż wer (♣G.♠ kohoż); żtoż was
(♣G.♠ tżohoż); kaikiż, kaikaż, kaikeż wie beſchaffen, als welcher;
tżejiż, tżejaż, tżejeż weſſen; kiż welcher, welche, welches.

2. Kotréż, aż, eż wird in allen Caſibus gebraucht. Z. B. to jo tón
Cżwojek, kotréż jo mi to pojedaw, z kotrohoż Horta ja to ſwóſchaw ſém ha
z kotrémż ẇele tżinicż mam das iſt der Menſch, der mir dies erzählt hat,
aus deſſen Munde ich dies gehört und mit welchem ich viel zu thun habe.

3. Kiż (aus dem alten ki wer? gebildet) iſt unveränderlich und wird nur
im Nominativ aller drei Geſchlechter und Zahlen gebraucht.

4. Żtóż wer, żtoż was, werden gebraucht, wenn kein bezügliches
Subſtantivum vorausgeht. Z. B. żtóż ſo wopija, tón ſo z lóchka
ṅewobohacżi wer ſich zu betrinken pflegt, <pb n="105"/>der wird nicht
leicht reich; kohoż ſo boju, toho ſo zdaluẇu wen ich fürchte, den meide
ich.

5. Um żtóż, żtoż u. ſ. w. zu verallgemeinern, wird die unveränderliche
Partikel kuli oder kuliż (lateiniſch ♣libet♠ oder ♣cunque♠) angehängt.
Z. B. żtóżkuli Bohu ſwėrṅe ſwużi, budże zbóżné wer immer (♣quicunque♠)
Gott treu dient, wird ſelig werden; żtożkuli wó budżecże na Zemi ẇazacż,
to budże téż w Ṅeƀeſach ẇazane, ha żtożkuli wó budżecże na Zemi
wotẇazacż, to budże téż w Ṅeƀeſach wotẇazane Matth. 18, 18.

§. 46. 5. Die unbeſtimmten und allgemeinen Fürwörter (♣pronomina
indefinita♠).

1. Die unbeſtimmten Fürwörter werden aus den fragenden durch Vorſetzung
der Sylbe nė oder ni gebildet. Nė iſt bejahend, ni verneinend. Z. B.
nėchtó jemand, nėżto etwas, nichtó niemand, nitżo nichts, nėkaiki, a, e
irgend jemand, irgend wie beſchaffen (♣quidam parvae aestimationis♠),
nikaiki, a, e zu nichts beſchaffen (♣nihil valens♠), nėkotré, a, e
mancher.

Singularis.

♣Nom.♠ nėchtó jemand nėżto etwas

♣Gen.♠ nėkoho, nėkoh’ nėtżoho, nėtżoh’

♣Dat.♠ nėkomu, nėkom’ nėtżomu, nėtżom’

♣Acc.♠ wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S.L.♠ nėkim nėtżim

2. Nach nėchtó wird declinirt nichtó niemand; nach nėżto: nitżo nichts.

3. Bei nėchtó, nėżto, nichtó, nitżo wird häufig die Vorſylbe nė oder ni
weggelaſſen. Z. B. ſé komu żto ſlubiw haſt du einem was verſprochen? ja
ſo koho ṅeboju ich fürchte niemand.

4. Um nėchtó, nėżto, nėkaiki, nėkotré, nėtżeji zu verallgemeinern, wird
die unveränderliche Partikel żkuli oder żkuliż angehängt. Z. B.
nėchtóżkuli jemand wer immer, der erſte beſte; nėkotréżkuli mancher, wer
es auch ſei; mi jo nėkaikażkuli Pojėdż dobra doſcz mir iſt jede, wie
immer beſchaffene Speiſe gut genug.

5. Żadén, żana, żane keiner, (♣G.♠ żanoho, żaneje, żanoho), kóżdé, a, e
jeder, kóżdżitżki, a, e jedweder, werden wie Adject. declinirt.

6. Kóżdé und kóżdżitżki haben nur dann eine plurale Form, wenn ſie mit
einem ♣Plurale tantum♠ verbunden werden; <pb n="106"/>z. B. kóżde
Khachle jeder Ofen, kóżdżitżke Duṙe jedwede Thüre.

§. 47. 6. Die beſitzanzeigenden Fürwörter (♣pronomina possessiva♠).

1. Die beſitzanzeigenden Fürwörter: mói, moja, moje mein; twói, twoja,
twoje dein; ſwói, ſwoja, ſwoje ſein; naſch, naſcha, naſche unſer; waſch,
a, e euer, werden wie Adjectiva auf i, a, e declinirt.

2. Das Poſſeſſivum ſwói, ſwoja, ſwoje wird gebraucht, wenn ſich das
„ſein,“ „ihr“ auf das Subject im Satze zurückbezieht. Z. B. Kréſtus jo
nas pżez ſwoju Sṁercż na Kżiżu wumóżiw Chriſtus hat uns durch ſeinen Tod
am Kreuze erlöſt. Bezieht ſich das „ſein, „ihr“ nicht auf das Subject im
Satze, ſondern auf einen entfernteren Gegenſtand, ſo werden die Genitive
joho, jeje, jeju, jich gebraucht. Z. B. Bóh jo dobrocżiwó Kṅez, joho
Luboſcz k nam jo ṅezkóntżna Gott iſt ein gütiger Herr, ſeine Liebe zu
uns iſt unendlich. Vergl. §. 42, 13.

3. Das Poſſeſſivum ſwói, ſwoja, ſwoje ſteht nicht blos bei der dritten
Perſon, ſondern auch bei der erſten und zweiten. Z. B. ja ſwoju Macż
lubuẇu = ja moju Macż lubuẇu ich liebe meine Mutter; ſtarai ſo za ſwoje
(= twoje) Wėczé ſorge für deine Sachen; wodai nam naſche Winé, każ téż
mó wodawamó ſwojim (= naſchim) Winikam vergieb uns unſere Schuld, ſo wie
auch wir vergeben unſern Schuldigern.

4. Man bildet auch zuweilen des Nachdrucks wegen beſitzanzeigende
Fürwörter auf otné, a, e; z. B. mojotné, a, e der meinige, twojotné, a,
e der deinige, ſwojotné, a, e der ſeinige, ſamotné, a, e der eigene.
Kréſtus podawa nam wo naiſẇacżiſchim Sakraṁeṅcże toho Wowtaṙa ſwoje
ſamotne Mjaſo ha ſwoju ſamotnu Krei Chriſtus giebt uns im allerheil.
Altarsſacramente ſein eigenes Fleiſch und ſein eigenes Blut.

§. 48. Das Numerale oder Zahlwort.

1. Die Zahlwörter (♣numeralia♠) bezeichnen eine Menge oder Ordnung der
Dinge.

2. Die Zahlwörter werden in beſtimmte und unbeſtimmte (allgemeine)
eingetheilt.

<pb n="107"/>

3. Bei den beſtimmten Zahlwörtern unterſcheidet man:

1. Haupt- oder Grundzahlen (♣cardinalia♠), auf die Frage: wie viel?

2. Ordnungszahlen (♣ordinalia♠), auf die Frage: der wie vielſte?

3. Vertheilungszahlen (♣distributiva♠), auf die Frage: wie viel ein
jeder? wie viel jedesmal?

4. Verſchiedenheits- oder Gattungszahlen (♣proportionalia♠), auf die
Frage: wie vielerlei?

5. Vervielfältigungszahlen (♣multiplicativa♠), auf die Frage: wie
vielfach?

6. Wiederholungszahlen, auf die Frage: wie vielmal?

7. Halbirungs- und Bruchzahlen.

§. 49. ♣I.♠ Beſtimmte Zahlwörter.

1. Haupt- oder Grundzahlen (♣numeralia cardinalia.♠)

2. Ordnungszahlen (♣numeralia ordinalia.♠)

Haupt- oder Grundzahlen. Ordnungszahlen.

1 jedén, jena, jene ein, eine, ein prėni, prėṅa, prėṅe erſte

2 dwai, dwė zwei druhi, druhja, druhje zweite, andere

3 tzjo, tzi drei tzecżi, tzecża, tzecże dritte

4 żtéṙo, żtéri vier żtwórté, a, e vierte

5 ṗecżo, ṗecż fünf pjaté, a, e fünfte

6 ſcheſcżo, ſchėſcz ſechs ſchėſté ſechste

7 ſédéṁo, ſédém (ſédom) ſieben ſédémé (ſédmó) ſiebente

8 woſéṁo, wóſém (wȯſom) acht woſémé (woſmó) achte

9 dżeẇecżo, dżeẇecż neun dżeẇaté neunte

10 dżeſacżo, dżeſacż zehn dżeſaté zehnte

11 jėdnacżo, jėdnacże elf jėdnaté elfte

12 dwanacżo, dwanacże zwölf dwanaté zwölfte

13 tzinacżo, cże dreizehn tzinaté dreizehnte

14 żtérnacżo, cże vierzehn żtérnaté vierzehnte

15 pjatnacżo, cże fünfzehn pjatnaté fünfzehnte

16 ſchėſnacżo, cże ſechszehn ſchėſnaté ſechszehnte

17 ſédémnacżo, cże ſiebzehn ſédémnaté ſtebzehnte

18 wóſémnacżo, cże achtzehn wóſémnaté achtzehnte

19 dżeẇatnacżo, cże neunzehn dżeẇatnaté neunzehnte

20 dwaczecżo, cżi zwanzig dwaczeté zwanzigſte

31 jen’ ha dwaczecżo, cżi[38]⁾ einundzwanzig jen’ ha dwaczeté
einundzwanzigſte

<pb n="108"/>

22 dwai ha dwaczecżo, cżi zweiundzwanzig dwai ha dwaczeté
zweiundzwanzigſte

23 tzi ha dwaczecżo, cżi dreiundzwanzig tzi ha dwaczeté
dreiundzwanzigſte

24 żtéri ha dwaczecżo, cżi vierundzwanzig żtéri ha dwaczeté
vierundzwanzigſte

25 ṗecż ha dwaczecżo, cżi fünfundzwanzig ṗecż ha dwaczeté
fünfundzwanzigſte

30 tziczecżo, cżi dreißig tziczeté dreißigſte

31 jen’ ha tziczecżo, cżi einunddreißig jen’ ha tziczeté
einunddreißigſte

32 dwai ha tziczecżo, cżi zweiundreißig dwai ha tziczeté
zweiunddreißigſte

40 żtérczecżo, cżi vierzig żtérczeté vierzigſte

50 ṗecżdżeſacżo, ṗecżdżeſacż (ſat) oder pów Sta fünfzig ṗecżdżeſaté oder
pówſtaté fünfzigſte

51 jen’ ha pecżdżeſacżo, ſacż (ſat) oder jen’ ha pów Sta einundfünfzig
jen’ ha ṗecżdżeſaté einundfünfzigſte

52 dwai ha ṗecżdżeſacżo, ſacż (ſat) oder dwai ha pów Sta zweiundfünfzig
dwai ha ṗecżdżeſaté zweiundfünfzigſte

53 tzi ha ṗecżdżeſacżo, ſacż (ſat) oder tzi ha pów Sta dreiundfünfzig
tzi ha ṗecżdżeſaté dreiundfünfzigſte

60 ſchėſczdżeſacżo, ſacż (ſat) ſechszig ſchėſczdżeſaté ſechszigſte

70 ſédémdżeſacżo, ſacż (ſat) ſiebzig ſédémdżeſaté ſiebzigſte

80 wóſémdżeſacżo, ſacż (ſat) achtzig wóſémdżeſaté achtzigſte

90 dżeẇecżdżeſacżo, ſacż (ſat) neunzig dżeẇecżdżeſaté neunzigſte

100 Sto hundert ſtoté, a, e hundertſte

101 ſto ha jedén, jena, jene hundert und ein ſto ha prėni, prėṅa, prėṅe
hundert und erſte

102 ſto ha dwai, dwė hundert und zwei ſto ha druhi hundert und zweite

103 ſto ha tzjo, tzi hundert und drei ſto ha tzecżi hundert und dritte

104 ſto ha żtéṙo, żtéri hundert und vier ſto ha żtwórté hundert und
vierte

105 ſto ha ṗecżo, ṗecż hundert und fünf ſto ha pjaté hundert und fünfte

200 dwė Scżė zweihundert dwėſtoté zweihundertſte

300 tzi Sta dreihundert tziſtoté dreihundertſte

400 żtéri Sta vierhundert żtériſtoté vierhundertſte

500 ṗecż Stów fünfhundert ṗecżſtoté fünfhundertſte

<pb n="109"/>

600 ſchėſcz Stów ſechshundert ſchėſczſtoté ſechshundertſte

700 ſédém Stów ſtebenhundert ſédémſtoté ſiebenhundertſte

800 woſém Stów achthundert woſémſtoté achthundertſte

900 dżeẇecż Stów neunhundert dżeẇecżſtoté neunhundertſte

1000 Tawzént (Téſacz) oder dżeſacż Stów tauſend tawzéntſté (tawzéntſki,
téſatżi) tauſendſte

2000 dwai Tawzentai (dwai Téſaczai) zweitauſend dwaitawzéntſté
zweitauſendſte

3000 tzi Tawzénté (tzi Téſaczé) dreitauſend tzitawzéntſté dreitauſendſte

4000 żtéri Tawzénté viertauſend żtéritawzéntſté viertauſendſte

5000 ṗecż Tawzént (Tawzéntow, ṗecż Téſacz) fünftauſend ṗecżtawzéntſté
fünftauſendſte

6000 ſchėſcz Tawzént ſechstauſend ſchėſcztawzéntſté ſechstauſendſte

10,000 dżeſacż Tawzént zehntauſend dżeſattawzéntſté zehntauſendſte

100,000 Sto Tawzént hunderttauſend ſtotawzéntſté hunderttauſendſte

1,000,000 Milion Million milionſté, a, e millionſte

1. Jedén, jena, jene wird folgenderweiſe declinirt:

♣Masculinum.♠ ♣Feminimum.♠ ♣Neutrum.♠

Singularis.

♣N. V.♠ jedén einer jena eine jene eines

♣Gen.♠ jenoho, jenoh’ jeneje jenoho, jenoh’

♣Dat.♠ jenomu, jenom’ jenei jenomu, jenom’

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ } wie der ♣Gen.♠ jenu wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣S. L.♠ jeném (jenom) jenei jeném (jenom)

Dualis.

♣N. V.♠ jenai, jenei die einen beiden jenei die einen beiden jenei die
einen beiden

♣Gen.♠ jeneju, jenej’ durch alle drei Geſchl.

♣D.S.L.♠ jenémai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ } wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nominat.♠

<pb n="110"/>

Pluralis.

♣N. V.♠ 1. ♣rat.♠ jeni jene die einen jene die einen

2. ♣non rat.♠ jene die einen

♣Gen.♠ jenéch durch alle drei Geſchl.

♣Dat.♠ jeném durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣rat.♠ wie d. ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣non rat.♠ jene

♣Soc.♠ jenémi durch alle drei Geſchl.

♣Loc.♠ jenéch durch alle drei Geſchl.

2. Das Grundzahlwort jedén, jena, jene wird gebraucht, wenn man im
Deutſchen einer, eine, eines oder der Eine, die Eine, das Eine ſetzt.
Das deutſche Geſchlechtswort ein, eine, ein wird im Wendiſchen nicht
ausgedrückt. Auch das deutſche Grundzahlwort ein, eine, ein bleibt im
Wendiſchen unüberſetzt, wenn es vor ein Hauptwort zu ſtehen kommt,
welches ein Maß, Gewicht u. ſ. w. bezeichnet.

4. Dwai, dwė wird folgenderweiſe declinirt:

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Dualis.

♣N. V.♠ dwai zwei dwė zwei dwė zwei

♣Gen.♠ dweju, dwej’ dwejoch dweju, dwej’ dweju, dwej’

♣D.S.L.♠ dwėmai durch alle drei Geſchl.

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

4. Mit dwai, dwė wird öfters woboi, wobei (beide) verbunden, welches
folgenderweiſe declinirt wird:

♣Masculinum.♠ ♣Femininum.♠ ♣Neutrum.♠

Dualis.

♣N. V.♠ woboi, wobai beide wobei (woboi) beide wobei (woboi) beide

♣Gen.♠ wobeju, wobej’ wobejoch wobeju, wobej’ wobeju, wobej’

♣D.S.L.♠ wobomai, wobimai durch alle drei Geſchl.

<pb n="111"/>

♣Acc.♠ 1. ♣ration.♠ } wie der ♣Genit.♠ wie der ♣Nomin.♠ wie der ♣Nomin.♠

2. ♣anim.♠

3. ♣inanim.♠ wie der ♣Nomin.♠

5. Tzjo, tzi wird folgenderweiſe declinirt:

♣Mascul. ration.♠ ♣Mascul. non ration. Femin.♠ und ♣Neutr.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ tzjo drei tzi drei

♣Gen.♠ tzjóch tzjóch

♣Dat.♠ tzjóm tzjóm

♣Acc.♠ wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣Soc.♠ tzjómi tzjómi

♣Loc.♠ tzjóch tzjóch

6. Żtéṙo, żtéri wird folgenderweiſe declinirt:

♣Mascul. ration.♠ ♣Mascul. non ration. Femin.♠ und ♣Neutr.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ żtéṙo vier żtéri vier

♣Gen.♠ żtéṙoch żtéṙoch

♣Dat.♠ żtéṙom żtéṙom

♣Acc.♠ wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣Soc.♠ żtéṙomi żtérimi

♣Loc.♠ żtéṙoch żtéṙoch

7. Ṗecżo, ṗecż wird folgenderweiſe declinirt:

♣Mascul. ration.♠ ♣Mascul. non ration. Femin.♠ und ♣Neutr.♠

Pluralis.

♣N. V.♠ ṗecżo fünf ṗecż fünf

♣Gen.♠ ṗecżoch ṗecżich, ṗecżi

♣Dat.♠ ṗecżom ṗecżim

♣Acc.♠ wie der ♣Gen.♠ wie der ♣Nomin.♠

♣Soc.♠ ṗecżomi ṗecżimi

♣Loc.♠ ṗecżoch ṗecżich

8. Nach ṗecżo, ṗecż gehen alle Grundzahlen bis neunundneunzig
einſchließlich. Hierbei iſt wohl zu beachten, daß die rationalen
Maſculina, von tzjo anzufangen, die Endung auf o haben. Z. B. tzjo
Kraloẇe drei Könige, tzi Żoné drei <pb n="112"/>Frauen, żtéṙo Bratzja
vier Brüder, żtéri Sotré vier Schweſtern.

9. Von ṗecż an können die Grundzahlen entweder declinirt werden, oder
aber ganz unverändert bleiben. Man ſagt: ja mam ṗecż Dżėcżom Khlėb
dawacż, und: ja mam ṗecżim Dżėcżom.... ich habe fünf Kindern Brot zu
geben; Jėzus ze ſwojimi dwanacże Japożtowami, und: Jėzus ze ſwojimi
dwanacżomi Japożtowami Jeſus mit ſeinen zwölf Apoſteln; te ṅeƀeſke
Kraleſtwo jo ruṅa dżeſacż Kṅeżnam Matth. 25, 1.

10. Bei den Grundzahlen von 21 an, die mit jen’, dwai u. ſ. w.
zuſammengeſetzt ſind, wird nur das letzte Zahlwort declinirt. Z. B. mó
ſmó jen’ ha dwaczecżo Mużoẇe wir ſind 21 Männer; Jėzus ſei wuzwoli dwai
ha ſédémdżeſacżoch Wutżownikow Jeſus wählte ſich 72 Jünger.

11. Der Nominativ und Accuſativ der Grundzahlen von ṗecż bis dżeẇecż ha
dżeẇecżdżeſat wird als Subſtantivum behandelt und hat die gezählten
Dinge im Genitiv nach ſich. Z. B. ṗecż Mużow (für: ṗecżo Mużoẇe) 5
Männer; ſédém Żonow (für: ſédém Żoné) 7 Frauen; ſchėſcz Dṅów 6 Tage;
dwaczecżi Toleri 20 Thaler. Wird jedoch mit dem Grundzahlwort ein
hinweiſendes oder beſitzanzeigendes Fürwort verbunden, ſo wird erſteres
adjectiviſch behandelt. Z. B. telei ṗecż Żoné dieſe 5 Frauen; moje ṗecż
Sotré meine 5 Schweſtern. Nur äußerſt ſelten hört man ſprechen: telei
ṗecż Żonow; moje ṗecż Sotrow.

12. Stehen die Grundzahlwörter von ṗecż bis dżeẇecż ha dżeẇecżdżeſat
nicht im Nominativ oder Accuſativ, oder werden ſie mit einer Präpoſition
(die den Accuſativ nicht regiert) und mit einem Subſtantivum verbunden:
ſo bleiben ſie unverändert. Z. B. ṗecż khudém Cżwojekam jo wón pomhaw 5
armen Menſchen hat er geholfen; na dżeẇecż Mużach an 9 Männern; wo
ſchėſcz Mėſtach in 6 Städten; z ṗecż Żonami mit 5 Frauen. Vergl. oben
Nr. 9 und §. 101, 2, 9.

13. Sto wird folgenderweiſe declinirt:

♣N.V.A.♠ Sto hundert (dwė) Scżė Sta

♣Gen.♠ Sta (dwej’) Stów Stów

♣Dat.♠ Stu, Stei (dwėmai) Stómaj Stam

♣Soc.♠ Stóm = Stómai Stami

♣Loc.♠ Scżė = Stómai Stach

<pb n="113"/>

14. Wie die eben angegebene Declination zeigt, iſt Sto ein Subſtativum
ſächlichen Geſchlecht’s; darum regiert es auch — im Nominativ oder
Accuſativ ſtehend — den Genitiv. Z. B. Sto Wojakow 100 Soldaten; dwė
Scżė Toleri 200 Thaler; Sto Lėt 100 Jahre; za Sto Lėt in 100 Jahren.

15. Steht Sto nicht im Nominativ oder Accuſativ, oder wird es mit einer
Präpoſition (die den Accuſativ nicht regiert) und mit einem Subſtantivum
verbunden: ſo bleibt im Singular Sto, im Dual Scżė, im Plural Sta
unverändert. Z. B. Sto Wojakam ſmó mó Khlėb dawali 100 Soldaten haben
wir Brot gegeben; pżed Sto Lėtami vor 100 Jahren; po Sto Lėtach nach 100
Jahren; pżed dwė Scżė habó tzi Sta Lėtami vor zwei- oder dreihundert
Jahren.

16. Mit ṗecż und den folgenden Grundzahlen wird der Genit. Plur. Stów
verbunden; z. B. ṗecż Stów Mużi 500 Mann, ze ſédém Stów Wojakami mit 700
Soldaten.

17. Tawzént (Téſacz) und Milion ſind wie Sto Subſtantiva und werden
regelmäßig declinirt. Im Genit. Plural. hat Tawzént und Téſacz ſtatt
Tawzéntow und Téſaczow die abgekürzte Form Tawzént, Téſacz; z. B. ṗecż
Tawzént fünftauſend. Alles was von Sto geſagt worden iſt, gilt auch von
Tawzént, Téſacz und Milion.

18. Bei Beſtimmung der Tageszeit auf die Frage: w kotrém Tżaſu jo?
welche Zeit iſt’s? ſteht der Locativ der weiblichen Grundzahlwörter mit
beigefügter oder weggelaſſener Präpoſition w. Z. B. wone jo (w) jenei,
dwėmai, tzjóch, żtéṙoch, ſcheſcżich, ruṅe dwanacżich es iſt ein, zwei,
drei, vier, ſechs, Punkt zwölf Uhr. — Bei der Zeitbeſtimmung mit napów
halb wird von 1 bis 4 Uhr der Dativ der weibl. Grundzahlwörter, von 5
bis 12 Uhr aber der verkürzte Genitiv auf i oder auch der Locativ
gebraucht. Z. B. napów jenei halb ein Uhr; napów dwėmai halb zwei Uhr;
napów tzjóm halb drei Uhr; napów ſcheſcżi (ſcheſcżich) halb ſechs Uhr;
napów jėdnacżi (jėdnacżich) halb elf Uhr.[39]⁾ — Folgende Redensarten
ſind <pb n="114"/>noch zu merken: jenu, dwė, tzi, żtéri, ṗecż jo biwo
(wotbiwo) ein, zwei, drei, vier, fünf Uhr hat’s geſchlagen; jenu, wóſém
jo précż (nimo) ein, acht Uhr iſt vorüber; wone dżo na jenu, na dwė, na
tzi, na dwanacże es geht auf ein, auf zwei, auf drei, auf zwölf Uhr;
hacż do jeneje, hacż do dweju, hacż do dżeſacżich bis um ein, zwei, zehn
Uhr; pṙedé (do) jeneje, pṙedé (do) dweju, pṙedé (do) dżeſacżich, pṙedé
napów ṗecżich vor ein, zwei, zehn, halb fünf Uhr; po jenei, po dwėmai,
po tzjóch, po ṗecżich nach ein, zwei, drei, fünf Uhr; Bėrtelk na jenu,
na dwė, na tzi, na ſédém ein Viertel auf ein, zwei, drei, ſieben Uhr;
tzi Bėrtelki na wóſém, na dżeẇecż drei Viertel auf acht, neun Uhr.

19. Beim geſchlechtsloſen Zählen gebraucht man die Form: jedén, dwai,
tzi, żtéri, ṗecż h. t. d. eins, zwei, drei, vier, fünf u. ſ. w.

20. Die Ordnungszahlen werden wie Adjectiva declinirt. Prėni und druhi
haben eigene Wurzeln, die übrigen Ordnungszahlen werden aus den
Grundzahlen gebildet.

21. Bei den Ordnungszahlen, welche mit jen’, dwai, tzi, ſto u. ſ. w.
zuſammengeſetzt ſind, wird nur das Ordnungszahlwort declinirt; z. B. wo
dwai ha tziczetém Stale im 32. Hauptſtück; wo ſto ha jen’ ha dwaczetém
Lėcże po Kréſtuſowém Narodże im 121. Jahre nach Chriſti Geburt.

22. Prėni der erſte hat im Comparativ prėṅſchi, im Superlativ
naiprėṅſchi.

23. Bei der Eintheilung in Ordnungen ſagt man: k prėṅom’ zum erſten,
erſtens; k druhjom’ zum zweiten, zweitens; k tzecżom’ zum dritten,
drittens u. ſ. w.

§. 50. 3. Vertheilungszahlen (♣numeralia distributiva♠).

1. Die Vertheilungszahlen werden durch die Präpoſition po und den
Locativ der Grundzahlen gebildet:

po jeném, jenei, jeném zu einem, je ein, eine, eines

po dwėmai oder pódu zu zweien, je zwei

po tzjóch zu dreien, je drei

po żtéṙoch zu vieren, je vier

po ṗecżich, po ṗecżi zu fünfen, je fünf

po ſcheſcżich, cżi zu ſechs, je ſechs

po ſédémich, mi zu ſieben, je ſieben

po woſémich, mi zu acht, je acht

<pb n="115"/>

po dżeẇecżich, cżi zu neun, je neun

po dżeſacżich, cżi zu zehn, je zehn

po dwaczecżich, cżi zu zwanzig, je zwanzig

po jen’ ha dwaczecżich, cżi zu einundzwanzig, je einundzw.

po dwai ha dwaczecżich, cżi zu, je einundzwanzig

po tzi ha dwaczecżich, cżi zu, je dreiundzwanzig

po tziczecżich, cżi zu, je dreißig

po jen’ ha tziczecżich, cżi zu, je einunddreißig

po żtérczecżich, cżi zu, je vierzig

po ṗecżdżeſacżich, cżi, tach od.

po pów Scżė zu, je fünfzig

po ſchėſczdżeſacżich, cżi, tach zu, je ſechszig

po ſédémdżeſacżich, cżi, tach zu, je ſiebzig

po wóſémdżeſacżich, cżi, tach zu, je achtzig

po dżeẇecżdżeſacżich, cżi, tach zu, je neunzig

po Scżė zu, je hundert

po ſto ha jeném, jenei, jeném zu, je hundert und ein

po ſto ha dwėmai zu, je hundert und zwei

po ſto ha tzjóch zu, je hundert und drei

po ſto ha żtéṙoch zu, je hundert und vier

po ſto ha ṗecżich zu, je hundert und fünf

po dwėmai Stómai oder

pódu Scżė zu, je zweihundert

po dwė Scżė ha jeném, jenei, jeném zu, je zweih. und ein

po dwė Scżė ha dwėmai zu, je zweih. und zwei

po tzjóch Stach zu, je dreihund.

po tzi Sta ha jeném, jenei, jeném zu, je dreih. und ein

po tzi Sta ha dwėmai zu, je dreihundert und zwei

po żtéṙoch Stach zu, je vierh.

po żtéri Sta ha jeném, jenei, jeném zu, je vierhund. und ein

po żtéri Sta ha dwėmai zu, je vierh. und zwei

po ṗecżich (ṗecżi) Stach zu, je fünfhundert

po ṗecż Stów ha jeném, jenei, jeném zu, je fünfh. und ein

po ſcheſcżich (ſcheſcżi) Stach zu, je ſechshundert

po ſchėſcz Stów ha jeném, jenei, jeném zu, je ſechshund. und ein

po ſédémich (ſédémi) Stach zu, je ſtebenhundert

po ſédém Stów ha jeném, jenei, jeném zu, je ſiebenhundert und ein

po woſémich (woſémi) Stach zu, je achthundert

po dżeẇecżich (dżeẇecżi) Stach zu, je neunh.

po Tawzéṅcże oder

po Tawzéntu (Téſaczu) zu, je tauſend

po Milioṅe oder

po Milionu zu, je 1 Million.

2. Die Vertheilungszahlen von 5 bis 99 endigen auf ich und i; außerdem
die von 50 ab auf ach. Z. B. po ſcheſcżich und po ſcheſcżi; po
wóſémdżeſacżich, po wóſémdżeſacżi und po wóſémdżeſatach.

3. Bei Vertheilungszahlen, die mit jen’, dwai, tzi u. ſ. w.
zuſammengeſetzt ſind, bekommt nur das letzte Zahlwort die Locativform;
z. B. Wóchcż po dwai ha dwaczecżich Slėbornéch die Elle zu 22 Groſchen.
Wird den Vertheilungszahlen <pb n="116"/>100, 200 u. ſ. w. eine kleinere
Ziffer beigeſetzt, ſo bleiben die Hunderte ebenfalls unverändert und
blos die letzte Zahl kommt in den Locativ zu ſtehen; z. B. po ſto ha
jeném Toleṙu zu 101 Thaler, das Stück zu 101 Thaler, in Summen zu 101
Thaler.

4. Statt pódu (je zwei) ſchreibt und ſpricht man auch zuweilen pódwu.

§. 51. 4. Verſchiedenheits- oder Gattungszahlen (♣numeralia
proportionalia♠).

Die Verſchiedenheits- oder Gattungszahlen werden von den Grundzahlen
gebildet und endigen auf oji, aiki, aki, oré, eré. Declinirt werden ſie
wie Adjectiva. Z. B.

jenaiki, a, e einerlei

dwoji, dwojaki zweierlei

tzoji, troji, trojaki dreierlei

żtworé, żtworaki viererlei

ṗecżoré (pjateré) fünferlei

ſcheſcżoré (ſcheſteré) ſechserlei

ſédémoré (ſédmeré) ſiebenerlei

woſémoré (woſmeré) achterlei

dżeẇecżoré (dżeẇateré) neunerlei

dżeſacżoré (dżeſateré) zehnerlei

jėdnacżoré (jėdnateré) elferlei

dwanacżoré (dwanateré) zwölferlei

dwaczecżoré (dwaczeteré) zwanzigerlei

tziczecżoré (tziczeteré) dreißigerlei

ṗecżdżeſacżoré (ṗecżdżeſateré) fünfzigerlei

ſtoteré hunderterlei

tawzénteré tauſenderlei

§. 52. 5. Vervielfältigungszahlen (♣numeralia multiplicativa♠).

Die Vervielfältigungszahlen werden durch die Präpoſition na und das
Neutrum der Gattungszahlen gebildet. Sie ſind unveränderlich und werden
adverbialiter gebraucht. Z. B.

na jene auf eins, einfach

na dwoje zweifach, doppelt

na tzoje dreifach

na żtwore vierfach

na ṗecżore fünffach

na ſtotere hundertfach

na tawzéntere tauſendfach

§. 53. 6. Wiederholungszahlen.

1. Die Wiederholungszahlen werden gebildet, indem man die Grundzahlen
mit krócż (mal) zuſammenſetzt. Z. B.

jedén krócż, junkrócż, junu einmal

dwai krócż, dwóiczé zweimal

tzi krócż dreimal

żtéri krócż viermal

ṗecż krócż fünfmal

ſto krócż hundertmal

tawzént krócż tauſendmal

<pb n="117"/>

2. Statt des unveränderlichen krócż gebraucht man häufig mól mal, im
Dual molei, im Plur. mole, von ṗecż ab moli (abgekürzter Genit. für
molow). Z. B. jedén mól, dwai molei, tzi mole, ṗecż moli. Das Wörtchen
raz mal, welches bet den Polen gebräuchlich iſt, hört man unter den
Wenden ſelten.

3. Aus den Wiederholungszahlen werden auch Adjectiva gebildet, indem man
an krócż die Endung né, na, ne anhängt: junkrócżné a, e einmalig,
dwaikrócżné zweimalig, tzikrócżné dreimalig, ſtokrócżné hundertmalig.

§. 54. 7. Halbirungs- und Bruchzahlen.

1. Die Halbirungszahlen werden durch die Ordnungszahlen, denen pów
(halb) vorangeſetzt wird, gebildet und bleiben unveränderlich. Z. B.

½ pów halb

1½ pówdra anderthalb

2½ pówtzecża drittehalb

3½ pówżtwórta viertehalb

4½ pówpjata fünftehalb

5½ pówſcheſta ſechstehalb

6½ pówſédéma ſiebentehalb

7½ pówwoſéma achtehalb

8½ pówdżeẇata neuntehalb

9½ pówdżeſata zehntehalb

10½ pówjėdnata elftehalb

11½ pówdwanata zwölftehalb

14½ pòwpjatnata fünfzehntehalb

19½ pówdwaczeta zwanzigſteh.

20½ pów jen’ ha dwaczeta einundzwanzigſtehalb

21½ pów dwai ha dwaczeta zweiundzwanzigſtehalb

22½ pów tzi ha dwaczeta dreiundzwanzigſtehalb

23½ pów żtéri ha dwaczeta vierundzwanzigſtehalb

29½ pówtziczeta dreißigſtehalb

30½ pów jen’ ha tziczeta einunddreißigſtehalb

39½ pówżtérczeta vierzigſtehalb

49½ pówṗecżdżeſata fünfzigſtehalb

59½ pówſchėſczdżeſata ſechszigſtehalb

69½ pówſédémdżeſata ſtebzigſtehalb

99½ pówſtota hunderthalb

2. Die Formen auf a: dra, tzecza, żtwórta u. ſ. w. ſind veraltete
Genitive. Vergl. §. 35, 13.

3. Pów halb regiert den Genitiv; z. B. jowlei maſch pów Toleṙa hier haſt
du einen halben Thaler.

4. Nimmk eine Halbirungszahl die Stelle des Nominativ’s oder Accuſativ’s
ein, ſo folgt das abhängige Subſtantiv im Genitiv Singularis. Z. B.
pówſcheſta Toleṙa mi ẇele pomhacż móże ſechstehalb Thaler können mir
viel helfen; pówdżeſata Kórcza Pżeṅczé mam na Pżedaṅ zehntehalb Scheffel
Weizen habe ich zum Verkauf. Sonſt richtet ſich das abhängige Subſtantiv
nach dem regierenden Worte; z. B. zpówſcheſta Toleṙemi móżu ſebi pomhacż
mit ſechstchalb <pb n="118"/>Thalern kann ich mir helfen; na téch
pówdżeſata Kórczach Pżeṅczé ſém ẇele warbuwaw an dieſen zehntehalb
Scheffeln Weizen habe ich viel verdient; pżed pów Lėtom vor einem halben
Jahre. Vergl. §. 101, 2, 10.

5. Da im Wendiſchen, um einen Plural zu bilden, wenigſtens drei Dinge
nothwendig ſind — denn eins bildet den Singular, zwei den Dual — ſo wird
mit pówdra anderthalb und pówtzecża dritthalb das abhängige Subſtantiv
im Singular verbunden. Z. B. z pówdra Puntom mit anderthalb Pfunden, z
pówtzecża Puntom mit dritthalb Pfunden. Dagegen: z pówżtwórta Puntami
mit vierthalb Pfunden.

6. Die Benennungen der übrigen Bruchtheile, die mehr oder weniger als
„halb“ bezeichnen, werden von den Ordnungszahlen hergeleitet, erhalten
mit Berückſichtigung der §§. 5 und 6 über die Buchſtabenumwandlung den
Ausgang ina und ſind Subſtantiva weiblichen Geſchlecht’s. Z. B. Jednina
Eintel, Tzecżina ein Drittel, Żtwórcżina ein Viertel, Ṗecżina ein
Fünftel, Scheſcżina ein Sechstel, Sédmina ein Siebentel, Stocżina ein
Hundertel, Tawzéncżina (Téſatżina) ein Tauſendtel. Man gebraucht jedoch
auch Tėl (Dżėl) Theil mit dem betreffenden Ordnungszahlworte; z. B.
tzecżi Tėl (Dżėl), żtwórté Tėl (Bėrtel), pjate Tėl u. ſ. w.

7. Aus den Zahlwörtern werden verſchiedene Subſtantiva gebildet, z. B.
Dwojak Zweier; Tzojak Dreier; Trojicza Dreieinigkeit; Tzecżak dritter
Knecht; Żtwórtk Donnerstag; Pjatk Freitag; Dżeſatk Zehnte, Decem; Dwanak
Zwölfer, Duzend; Pjatnak Fünfzehner, Mandel; Schėſnak Gulden; Pówa
(Pówka) Hälfte, untere Hälfte des Hemdes, Leinwandbreite; Pówdrak
anderthalb Zaſpel, anderthalb Beet am Ende des Ackers. Ferner werden
Zahlwörter mit Adjectiven verbunden, z. B. jenelėtné einjährig,
jedénmėſaczné einmonatlich, żtériróżkoité viereckig, ſtolėtné
hundertjährig.

§. 55. ♣II.♠ Allgemeine und unbeſtimmte Zahlwörter.

1. Die allgemeinen und unbeſtimmten Zahlwörter ſind:

wſchitki (wſchitkón wſchón), a, e (o) jeder, alle; vgl. §. 35, 9.

czéwó, a, o ganz

kóżdé, a, e jeder

żadén, żana, żane keiner

nėchtó jemand

nėkaiki, a, e irgend jemand

nichtó niemand §. 46, 1.

ſchelaki, a, e verſchieden, mancherlei

nėkotré, a, e mancher

mnohi, a, e viel (iſt ungebräuchlich)

<pb n="119"/>

2. Hierher gehören auch die unveränderlichen Umſtandswörter
(Zahladverbien), welche eine unbeſtimmte Menge anzeigen:

doſcz genug

ẇele viel

tóiżto ziemlich viel (entſtanden aus: to jo żto)

khėtro ziemlich viel

keiko wie viel

teiko ſo viel

jaczé mehr

naijaczé (naijacz) am meiſten

mnoho viel (ungebr.)

mawo wenig

trochu ein wenig (tróſchku)

ṁeṅe weniger

naiṁeṅe am wenigſten

3. Die Zahladverbien regieren, wenn ſie im Nominat. oder Accuſ. ſtehen,
den Genitiv des dazu gehörigen Subſtantiv’s. Z. B. prai jomu ẇele
dobroho wote mṅe ſage ihm einen ſchönen Gruß (viel Gutes) von mir; keiko
Wowow, teiko Móſlow viel Köpfe, viel Sinne; wón ma Tżaſa doſcz er hat
Zeit genug; Khudé ma mawo Ṗeṅez der Arme hat wenig Geld (dróbne Ṗeṅezé
kleine Münzſorten, Scheidemünze); dai jomu ṁeṅe Wina ha jacz Wodé gieb
ihm weniger Wein und mehr Waſſer. Sonſt richtet ſich das abhängige
Subſtantiv nach dem regierenden Worte; z. B. ẇele Kṅeżim ſém hoṙeſwużiw
vielen Herren habe ich aufgewartet; z ẇele Cżwojekami ſém znaté mit
vielen Menſchen bin ich bekannt; wo ẇele Mėſtach ſém bów in vielen
Städten bin ich geweſen.

4. Werden die genannten Zahladverbien mit dem Plural eines rationalen
Subſtantiv’s verbunden, ſo daß das mit dem Zahlworte verbundene
Subſtantiv das Subject im Satze bildet: ſo pflegt das Zeitwort ebenfalls
in den Plural zu kommen. Z. B. ẇele ſẇatéch Provetow ſu to provecżili
viele heilige Propheten haben das prophezeiht; dżencza bėchu na Hermanku
jaczé Pżedawaṙow hacż Kupuwaṙow heute waren auf dem Jahrmarkte mehr
Verkäufer als Käufer. Man ſagt aber auch: ẇele ſẇatéch Provetow jo to
provecżiwo; oder man gebraucht folgende Erweiterung: ẇele ſẇatéch
Provetow jo, kiż to provecżili ſu.

5. Wie Zahladverbien werden ferner gebraucht: nėżto etwas, einige; żto
was; nitżo nichts. Z. B. nėżto Séle etwas Salz; nėżto Serbow ha Wolharow
ſu pod ruſowſkei Wóſchnoſcżu einige (ein Theil der) Serben und Bulgaren
ſtehen unter ruſſiſcher Oberherrſchaft; wėſch té żto nowoh’ weißt du was
Neues? nitżo dobroh’ wón ṅedżėwa er thut nichts Gutes. Vergl. §. 101, 2,
11. 12.

<pb n="120"/>

§. 56. Das Verbum oder Zeitwort.

1. Zeitwörter heißen diejenigen Begriffswörter, welche eine Thätigkeit,
die Zeit dieſer Thätigkeit und das Urtheil des Sprechenden ausdrücken.

2. Ein Zeitwort wird daran erkannt, daß man demſelben die perſönlichen
Fürwörter:

♣Singul.♠ ja ich té du wón, wona, wone er, ſie, es

♣Dual.♠ mói wir beide wói ihr beide wonai, wonei ſie beide

♣Plural.♠ mó wir wó ihr woni, wone ſie

vorſetzen kann. Z. B. ja pótam ich ſuche; té pótaſch du ſuchſt; wón póta
er ſucht. Jedoch werden dieſe perſönlichen Fürwörter nicht immer vor das
Zeitwort geſetzt, ſondern nur dann, wenn ein beſonderer Nachdruck darauf
ruht.

3. Der Bedeutung nach werden die Zeitwörter eingetheilt:

1. in bezügliche Zeitwörter (♣Verba transitiva♠);

2. in unbezügliche Zeitwörter (♣Verba intransitiva♠ oder ♣neutra♠);

3. in rückbezügliche Zeitwörter (♣Verba reciproca♠ oder ♣reflexiva♠);

4. in unperſönliche Zeitwörter (♣Verba impersonalia♠).

4. Die bezüglichen Zeitwörter beziehen ſich auf einen beſtimmten
Gegenſtand oder auf ein beſtimmtes Object, d. h. ſie brauchen, um einen
vollſtändigen Sinn zu haben, eine Ergänzung. Z. B. Wutżeṙ khwali —
Schuleṙa der Lehrer lobt — den Schüler; Żtom ṅeſe — Pwodé der Baum trägt
— Früchte. Vergl. §. 99, 8. 9. Alle bezüglichen Zeitwörter können in die
leidende Form umgewandelt werden.

5. Die unbezüglichen Zeitwörter werden auf einen beſtimmten Gegenſtand
nicht bezogen, ſondern bezeichnen die Thätigkeit des Subjectes ſo
vollſtändig, daß ſie kein Wort zu ihrer Ergänzung bedürfen. Z. B. ſpacż
ſchlafen; ſeidżecż ſitzen; hicż gehen; kletżecż knieen. Vergl. §. 99,
10. Die unbezüglichen Zeitwörter können in die leidende Form nicht
umgewandelt werden.

6. Die rückbezüglichen Zeitwörter beziehen ſich auf das Subject im Satze
zurück und haben das rückbezügliche Fürwort „ſo“ in allen Perſonen als
Ergänzung bei ſich. Z. B. ja ſo boju ich fürchte mich; té ſo bojiſch du
fürchteſt dich; wón <pb n="121"/>ſo boji er fürchtet ſich; woni ſo
zpodżiwachu ſie verwunderten ſich; zradui ſo freue dich!

7. Die unperſönlichen Zeitwörter bezeichnen das Subject ganz unbeſtimmt
durch das Wörtchen „es“ (wone), ohne eine Perſon oder Sache anzugeben.
Sie ſind nur in der dritten Perſon Singularis im ſächlichen Geſchlechte
gebräuchlich. Z. B. wone ṁerzṅe es friert; wone ṁe ṁerza es verdrießt
mich. Viele bezügliche und unbezügliche Zeitwörter werden unperſönlich,
wenn man ſie mit dem rückbezüglichen Fürworte „ſo“ verbindet. Z. B. wone
ſo ſtaṅe es geſchieht; mi ſo zda mir ſcheint es; mi ſo czo picż ich will
trinken; mi ſo ṅecha jėſcz ich mag nicht eſſen; mi ſo ſtéſka mir bangt;
mi ſo deṙe dżo mir geht es wohl; mi ſo dżijeſche mir träumte; wone jich
ẇele jo es giebt ihrer viele.

8. Die wendiſchen Zeitwörter werden mit Rückſicht auf ihre Bedeutung
noch eingetheilt:

1. in einmalige (♣Verba momentanea♠);

2. in dauernde (♣Verba durativa♠);

3. in wiederholende (♣Verba iterativa♠);

4. in veröfternde (♣Verba frequentativa♠);

5. in anfangende (♣Verba inchoativa♠);

6. in machende (♣Verba factitiva♠);

7. in verkleinernde (♣Verba diminutiva♠).

9. Einmalige Zeitwörter (♣V. momentanea♠) ſind diejenigen, welche eine
einzige, ſchnell vorübergehende Thätigkeit bezeichnen. Im Deutſchen
werden dieſe Zeitwörter gewöhnlich durch ein Hauptwort und ein Zeitwort
umſchrieben. Z. B. cżiſnécż einen Wurf thun; zkotżicż einen Sprung
machen; tzélicż einen Schuß thun; torhnécż einen Riß thun; dunécż einmal
blaſen; hicż einmal gehen.

10. Dauernde Zeitwörter (♣V. durativa♠) ſind diejenigen, welche eine
Thätigkeit in der Zeit fortdauernd darſtellen. Z. B. bódlicż wohnen;
ducż blaſen; torhacż reißen.

11. Wiederholende Zeitwörter (♣V. iterativa♠) ſind diejenigen, welche
eine Thätigkeit anzeigen, die von Zeit zu Zeit und in gewiſſen
Zwiſchenräumen wiederholt wird. Z. B. klepotacż klappern; polėtuwacż
flattern; zaboluwacż hin und wieder ſchmerzen; ſẇerƀecż jucken.

12. Veröfternde Zeitwörter (♣V. frequentativa♠) ſind diejenigen, welche
eine mehrmalige, oft vorgenommene Thätigkeit <pb n="122"/>anzeigen. Z.
B. cżahacż oft ziehen; cżepacż oft ſchlagen; pżinoſchecż oft bringen; ſo
lehacż ſich oft legen; khodżicż oft gehen; dawacż oft geben. Man kann im
Deutſchen dergleichen Zeitwörter bisweilen durch „pflegen“
ausdrücken[40]⁾.

13. Anfangende Zeitwörter (♣V. inchoativa♠) ſind diejenigen, welche
einen Beginn, ein Werden anzeigen. Z. B. wonėmicż ſtumm werden,
verſtummen; zabolicż anfangen zu ſchmerzen; woblėdnécż blaß werden,
erblaſſen.

14. Machende Zeitwörter (♣V. factitiva♠) ſind diejenigen, welche ein
Machen oder Verrichten anzeigen. Letztere — die ein Amt, eine
Verrichtung andeuten — werden von Perſonennamen abgeleitet. Z. B.
ztwerdżicż hart machen, verhärten; ſwódnicż ſüß machen; hozpodaricż den
Wirthſchafter machen; hozpozécż die Hausfrau machen; braſchcżicż den
Hochzeitsführer machen.

15. Verkleinernde Zeitwörter (♣V. diminutiva♠) werden in der
Kinderſprache oder im Scherze gebraucht und bezeichnen etwas Kleines,
Niedliches. Z. B. beiżkacż in kleinen niedlichen Schritten laufen;
ſpėwkacż in feinem Tone ſingen; ſpinkacż ſchlafen; ſo ſmėwkacż lächeln.

16. Die Zeitwörter werden mit Rückſicht auf ihre Entſtehung eingetheilt:

1. in Stamm- oder Wurzelzeitwörter (♣Verba primitiva♠);

2. in abgeleitete oder Sproßzeitwörter (♣Verba derivata♠);

3. in zuſammengeſetzte Zeitwörter (♣Verba composita et decomposita♠ oder
♣bicomposita♠).

17. Die Stamm- oder Wurzelzeitwörter kommen von keinem andern Worte her,
vielmehr entſtehen aus ihnen andere Wörter. Z. B. hicż gehen; picż
trinken; bicż ſchlagen; piſacż ſchreiben; kwaſcz legen; wutżicż lehren.

18. Die abgeleiteten oder Sproßzeitwörter werden gebildet:

♣a.♠ von Hauptwörtern. Z. B. żkodżicż ſchaden, von Żkoda Schade;
ṁenuwacż nennen, von Ṁeno Name.

♣b.♠ von Eigenſchaftswörtern. Z. B. lubuwacż lieben, von lubé lieb;
runacż gerade machen, von runé gerade, gleich.

<pb n="123"/>

♣c.♠ von andern Zeitwörtern. Z. B. dunécż einmal blaſen, von ducż
blaſen; cżahacż oft zichen, von cżahnécż ziehen; dawacż oft, gern geben,
von dacż geben.

♣d.♠ von Umſtandswörtern. Z. B. powóſchicż erhöhen, von wóſche höher;
mnóżicż mehren, von mnoho viel; ſo zraduwacż ſich freuen, von radé gern.

19. Zuſammengeſetzte Zeitwörter heißen jene, welche mit Präpoſitionen
und Partikeln verbunden ſind. Solcher giebt es im Wendiſchen eine große
Menge. Z. B. naworacż aufackern; napiſacż aufſchreiben; ṅedacż nicht
geben; pżedawacż verkaufen. Sind Zeitwörter mit zwei oder mehreren
Präpoſitionen zuſammengeſetzt, ſo heißen ſie ♣Verba decomposita♠ oder
♣bicomposita.♠ Z. B. dozatzélicż vollends erſchießen; dorozṁetacż
vollends auseinander werfen; pżepowożicż an einen andern Ort legen.

§. 57. Die Conjugation oder Abänderung der Zeitwörter.

Bei dem Zeitworte ſind folgende fünf Stücke zu merken:

1. die Form des Zeitwortes;

2. die Ausſageweiſe oder der Modus;

3. die Zeit oder das Tempus;

4. die Zahl oder der Numerus und die Perſon;

5. die Abänderung oder die Conjugation.

1. Die Form des Zeitwortes.

1. Der Form nach iſt das Zeitwort entweder ein Activum oder Paſſivum.

2. Das Activum oder die thätige Form bezeichnet ein Thätig-Sein des
Zeitwortes, oder eine Thätigkeit, welche das Subject ausübt. Z. B. ja
pótam ich ſuche; wón lubuẇe er liebt.

3. Das Paſſivum oder die leidende Form bezeichnet ein Leiden des
Zeitwortes, oder eine Thätigkeit, welche das Subject erleidet. Z. B. ja
ſém pótané ich werde geſucht; wón jo lubuwané er wird geliebt.

4. Das Paſſivum der wendiſchen Zeitwörter wird, weil eine eigene paſſive
Form fehlt, durch Umſchreibung gebildet. Dieſe Umſchreibung kann auf
folgende Weiſe geſchehen:

<pb n="124"/>

1. indem man das Hilfszeitwort bócż mit dem leidenden Mittelworte des
betreffenden Verbi (♣Participium perfecti passivi♠) zuſammenſtellt. Z.
B. pótané, a, e bócż geſucht werden, ja ſém pótané ich werde geſucht.
Der Gebrauch des germaniſirten Zeitwortes worduwacż (werden) für bócż
iſt nicht anzurathen.

2. indem man das betreffende Zeitwort in der activen Form mit dem
rückbezüglichen Fürworte „ſo“ gebraucht. Z. B. déż ſo ſtaroſcziẇe póta
wenn ſorgfältig geſucht wird; wo ſẇatém Piſṁe te Swowo Boh jara huſto ſo
namaka in der heil. Schrift wird das Wort Gott ſehr häufig gefunden; wot
tutoho Cżwojeka ſo ṙekṅe von dieſem Menſchen wird geſagt. Dieſe
Umſchreibung iſt im Wendiſchen die gewöhnliche.

3. indem man die 2. Perſon Singularis des betreffenden Zeitwortes in der
activen Form gebraucht. Z. B. déż ſtaroſcziẇe pótaſch wenn du ſorgfältig
ſuchſt; wo ſẇatém Piſṁe te Swowo Bóh jara huſto namakaſch in der heil.
Schrift findeſt du das Wort Gott ſehr häufig.

4. indem man die 3. Perſon Pluralis des betreffenden Zeitwortes in der
activen Form gebraucht. Z. B. woni budża cże pótacż ſie werden dich
ſuchen; woni praja ſie ſagen, es wird geſagt, man ſagt.

5. indem man das betreffende Zeitwort in der activen Form gebraucht und
es mit nėchtó jemand, Ludżo Leute ververbindet. Z. B. déż cże nėchtó
wulada wenn dich jemand erblickt; dobroho Muża Ludżo tżeſcżuẇu einen
braven Mann ehren die Leute.

5. In den von 2 bis 5 angegebenen Fällen kann auch im Deutſchen das
betreffende Zeitwort in der activen Form gebraucht werden, wenn vor
daſſelbe das Wörtchen „man“ geſetzt wird. Z. B. woni pojedaju man
erzählt; dobre Pżikwadé dérbja ſo Bliſchim dawacż gute Beiſpiele ſoll
man den Nebenmenſchen geben.

6. Die obigen Arten, das Paſſivum zu umſchreiben, dürfen nicht
willkührlich gebraucht werden, denn eine Art iſt dem Sinne nach
richtiger als die andere.

<pb n="125"/>

2. Die Ausſageweiſe oder der Modus.

1. Unter der Ausſageweiſe oder dem Modus verſteht man die Art und Weiſe,
wie das Zeitwort ausgeſagt, oder wie das Prädicat dem Subjecte beigelegt
wird.

2. Wir haben im Wendiſchen 6 Ausſageweiſen oder Modi. Dieſe ſind:

1. die unbeſtimmte Ausſageweiſe oder der Infinitiv (Grundform,
Grundwort);

2. die beſtimmte Ausſageweiſe oder der Indicativ (Wirklichkeitsform);

3. die ungewiſſe und wünſchende Ausſageweiſe oder der Subjunctiv
(Möglichkeits- und Wunſchform);

4. die bedingende Ausſageweiſe oder der Conditional (Bedingungsform);

5. die zugebende Ausſageweiſe oder der Conceſſiv (Zugebeform);

6. die befehlende Ausſageweiſe oder der Imperativ (Befehlsform).

3. Die unbeſtimmte Ausſageweiſe oder der Infinitiv drückt das Zeitwort
ganz allgemein aus, ohne alle Beſtimmung der Zeit und Perſon. Z. B.
pótacż ſuchen, mėcż haben, dacż geben.

4. Die beſtimmte Ausſageweiſe oder der Indicativ drückt das Zeitwort
beſtimmt aus und zeigt an, daß etwas wirklich iſt, war oder ſein wird.
Z. B. ja pótam ich ſuche, ja ſém pótaw ich habe geſucht, ja budu pótacż
ich werde ſuchen.

5. Die ungewiſſe und wünſchende Ausſageweiſe oder der Subjunctiv
(Optativ) drückt das Zeitwort ungewiß und wünſchend aus. Z. B. ja bóch
pótaw ich würde (möchte) ſuchen.

6. Die bedingende Ausſageweiſe oder der Conditional drückt das Zeitwort
bedingend aus. Z. B. pótamli wenn ich ſuche, buduli pótacż wenn ich
ſuchen werde.

7. Die zugebende Ausſageweiſe oder der Conceſſiv drückt das Zeitwort
zugebend aus. Z. B. ṅech pótam mag ich ſuchen, ṅech pżiṅdże mag er
kommen.

8. Die befehlende Ausſageweiſe oder der Imperativ drückt das Zeitwort
befehlend, bittend, ermahnend aus. Z. B. pótai ſuche! dżi gehe!

<pb n="126"/>

9. Zu dieſen 6 Ausſageweiſen kommen noch hinzu:

1. die Mittelwörter oder Participien;

2. die überſchreitende Ausſageweiſe oder der Transgreſſiv (auch Grundium
genannt);

3. das Verbalhauptwort oder das ♣Substantivum verbale.♠

10. Die Mittelwörter oder Participien ſind die vom Zeitworte
abgeleiteten Eigenſchaftswörter, mit dem Nebenbegriffe des Thuns oder
Leidens. Es giebt demnach thätige Mittelwörter (♣Participia Activi♠) und
leidende Mittelwörter (♣Participia Passivi♠). Z. B. pótaczé, a, e
ſuchender; pótaw, a, o geſucht habend; pótané, a, e geſuchter.

11. Die überſchreitende Ausſageweiſe oder der Transgreſſiv iſt diejenige
Form des Zeitwortes, vermöge deren man von einer Thätigkeit zur andern,
ohne ſich eines Bindewortes zu bedienen, überſchreitet. Z. B. wón
dżėſche pótajo er ging ſuchend (indem er ſuchte); Marija zdéchné k Ṅebju
hoṙeladajo Maria ſeufzte, indem ſie zum Himmel aufblickte; wón dżėſche
précż ṅeẇedżo dże, k komu er ging weg, nicht wiſſend wohin, zu wem?

12. Es giebt im Wendiſchen zwei Transgreſſive; dieſe ſind:

1. der Transgreſſiv der gegenwärtigen Zeit oder der kurze Transgreſſiv
auf o, auch auf aiczé, uiczé, iczé, eiczé, néczé, jiczé, zéczé, ſéczé
endigend. Z. B. kwadżo legend; pijo trinkend; pótaiczé ſuchend;
zbėhuiczé erhebend; prajiczé ſagend.

2. der Transgreſſiv der vergangenen Zeit oder der lange Transgreſſiv auf
wſchi. Z. B. kwadżiwſchi gelegt habend; piwſchi getrunken habend;
pótawſchi geſucht habend; zbėhuwawſchi erhoben habend; prajiwſchi geſagt
habend; Ruczé ztéknéwſchi die Hände gefaltet habend. Vergl. §. 102, 4.
4.

13. Das Verbalhauptwort oder ♣Substantivum verbale♠ iſt das von dem
Zeitworte abgeleitete Hauptwort. Z. B. Pótaṅo das Suchen, Wutżeṅo das
Lehren, Wumṙecżo das Sterben. Das Verbalhauptwort iſt immer ſächlichen
Geſchlechts.

<pb n="127"/>

3. Die Zeit oder das Tempus.

1. Wir unterſcheiden bei dem Zeitworte folgende 6 Zeiten oder Tempora:

1. die gegenwärtige Zeit oder das Präſens; z. B. ja pótam ich ſuche.

2. die halbvergangene Zeit oder das Imperfectum; z. B. ja pótach ich
ſuchte.

3. die vergangene Zeit oder das Perfectum (Präteritum); z. B. ja ſém
pótaw ich habe geſucht.

4. die längſtvergangene Zeit oder das Plusquamperfectum; z. B. ja bėch
pótaw ich hatte geſucht.

5. die zukünftige Zeit oder das Futurum; ja budu pótacż ich werde
ſuchen.

6. die als vergangen gedachte zukünftige Zeit oder das Futurum exactum;
z. B. ja budżech pótaw ich würde geſucht haben.

2. Die gegenwärtige, vergangene und zukünftige Zeit nennen wir
Hauptzeiten; die halbvergangene, längſtvergangene und als vergangen
gedachte zukünftige Zeit nennen wir Nebenzeiten.

4. Die Zahl oder der Numerus und die Perſon.

1. Wie bei den Subſtantiven, ſo haben wir auch bei den Zeitwörtern, und
zwar in allen Temporibus derſelben, eine dreifache Zahl (Numerus): 1.
die Einzahl oder den Singularis; 2. die Zweizahl oder den Dualis; 3. die
Vielzahl oder den Pluralis. Z. B. ja pótam ich ſuche, mói pótamói, wir
beide ſuchen, mó pótamó wir (viele) ſuchen.

2. Jede der drei Zahlformen hat drei Perſonen, nämlich:

1. Perſon. 2. Perſon. 3. Perſon.

♣Sing.♠ ja ich té du wón er wona ſie wone es

♣Dual.♠ mói wir beide wói ihr beide wonai } ſie beide

wonei

♣Plur.♠ mó wir wó ihr woni } ſie

wone

3. Das Geſchlecht der Perſonen iſt bei den Zeitwörtern nur im Dualis und
in den Mittelwörtern (Participien) bemerkbar. <pb n="128"/>Letztere ſind
reine Adjectiva; der Dualis aber hat folgende nach den Perſonen
verſchiedene Endungen:

♣Masculinum.♠ ♣Femin.♠ und ♣Neutr.♠

1. Perſon — mói wir beide — ẇe wir beide

2. = — tai ihr beide — tei ihr beide

3. = — tai ſie beide — tei ſie beide

5. Die Abänderung oder die Conjugation.

1. Die Abänderung, welche ein Zeitwort nach Form, Ausſageweiſe, Zeit,
Zahl und Perſon erleidet, um die verſchiedenen Verhältniſſe zwiſchen
Subject und Prädicat auszudrücken, heißt Conjugation.

2. Die wendiſche Sprache hat neun Conjugationen, welche nach der Endung
des Infinitiv’s und nach der erſten Perſon Präſentis unterſchieden
werden. Nämlich:

die 1. Conj. end. im Infin. auf acż, im Präſ. auf am;

= 2. = = = = = uwacż, = = = uẇu;

= 3. = = = = = icż, = = = u;

= 4. = = = = = ecż, = = = am;

= 5. = = = = = ecż, = = = u;

= 6. = = = = = nécż, = = = nu;

= 7. = = = = acż, ecż, écż, ėcż, icż, ócż, ucż, = = ju;

= 8. = = = = = ſcz, zcz, cz, = = = u;

= 9. = = = = = zécż, ſécż, = = = u.

3. Wird ein Zeitwort nach einer dieſer Conjugationen abgewandelt, ſo
heißt es ein regelmäßiges (♣Verbum regulare♠). Weicht hingegen ein
Zeitwort in der Abwandlung von einer der neun Conjugationen ab, ſo heißt
es ein unregelmäßiges (♣V. irregulare♠). Mangelhafte Zeitwörter (♣Verba
defectiva♠) ſind diejenigen, denen eine oder mehrere Ausſageweiſen,
Zeiten oder Perſonen fehlen.

4. Zur Conjugation eines Zeitwortes iſt das Hilfszeitwort bócż (ſein)
erforderlich[41]⁾. Es wird gebraucht, um die zuſammengeſetzten <pb
n="129"/>Zeiten (Perfectum, Plusquamperfectum, Futurum) und den
Subjunktiv, ſowie das Paſſivum — §. 57, 1. 4. — zu bilden. Z. B. ja ſém
prajiw ich habe geſagt; ja budu prajicż ich werde ſagen; ja bóch prajiw
ich möchte ſagen.

§. 58. Bildung der Zeiten (Tempora) und Ausſageweiſen (Modi).

1. Um die verſchiedenen Tempora und Modi eines Zeitwortes bilden zu
können, merke man den Infinitiv und die 1. Perſon des Präſens im
Singular als Stammformen. Von dieſen werden alle übrigen Formen
abgeleitet.

♣A.♠ Vom Infinitiv:

1. Das Participium Perfecti Activi der 1., 2., 3., 6., 7. und 9.
Conjugation, indem man die Endung cż in w, wa, wo verwandelt. Z. B.
pótacż ſuchen: pótaw, pótawa, pótawo; ſwużicż dienen: ſwużiw, ſwużiwa,
ſwużiwo; racż ſpielen: raw, rawa, rawo; proſécż bitten: proſéw, proſéwa,
proſéwo.

Anm. Ausgenommen iſt das Partic. Perf. Act. der 4., 5. und 8.
Conjugation. Das Part. Perf. Act. der 4. und 5. Conjugation wird
gebildet, indem man die Infinitivendung ecż in aw, awa, awo verwandelt;
z. B. mėſchecż miſchen: mėſchaw, a, o; dżerżecż halten: dżerżaw, a, o.
Das Part. Perf. Act. der 8. Conjugation hingegen wird gebildet, indem
man an den Stammconſonanten des Zeitwort’s w, wa, wo anhängt; z. B.
kwaſcz legen: kwadw, kwadwa, kwadwo; ṗecz backen: ṗekw, ṗekwa, ṗekwo.

2. Der lange Transgreſſiv, indem man an das Particip. Perf. Act. ſchi
anhängt. Z. B. pótacż ſuchen: pótaw, pótawſchi; dżerżecż halten:
dżerżaw, dżerżawſchi; wuknécż lernen: wuknéw, wuknéwſchi.

Anm. In der 8. Conjug. iſt der lange Transgreſſiv wenig gebräuchlich.
Gebildet wird er, indem man an den umgewandelten <pb
n="130"/>Stammconſonanten des Partic. Perf. Act. oder an den Imperativ
iwſchi (nach ſ und z éwſchi) anhängt. Z. B. ẇeſcz führen: ẇedżiwſchi;
ṗecz backen: ṗetżiwſchi; ṅeſcz tragen: ṅeſéwſchi.

3. Das Participium Perfecti Paſſivi, indem man die Infinitivendung in
ané, ené oder té verwandelt. Z. B. pótacż ſuchen: pótané; lubuwacż
lieben: lubuwané.

Anm. Ausgenommen ſind die Partic. Perf. Paſſ. der 8. und 9. Conjugation,
welche vom Imperativ durch Anhängung der Endung ené gebildet werden. Z.
B. kwaſcz legen, kwadż, kwadżené; proſécż bitten, proſch, proſchené.

4. Das Verbalhauptwort der 1., 2., 3., 6., 8. und 9. Conjugation, indem
man die Endſylbe des Partic. Perf. Paſſ. in ṅo verwandelt. Z. B. pótacż
ſuchen, pótané, Pótaṅo; proſécż bitten, proſchené, Proſcheṅo.

Anm. 1. Die Verbalhauptwörter der 4. und 5. Conjugation verwandeln die
Endung des Partic. Perf. Paſſ. ané in eṅo. Z. B. mėſchecż miſchen,
mėſchané, Mėſcheṅo; kurtżecż girren, kurtżané, Kurtżeṅo.

Anm. 2. Das Verbalhauptwort der 7. Conjugation wird gebildet, indem man
dem Infinitiv den Buchſtaben o anhängt. Z. B. ſécż ſäen, Sécżo; racż
ſpielen, Racżo.

5. Das Participium Präſentis Activi der 2. Conjugation, indem man cż in
czé verwandelt. Z. B. lubuwacż lieben, lubuwaczé; kupuwacż kaufen,
kupuwaczé.

6. Das Imperfectum der 2. Conjugation, indem man cż in ch verwandelt. Z.
B. lubuwacż lieben, lubuwach; zpótuwacż verſuchen, zpótuwach.

7. Der Imperativ der 3., 5. und 6. Conjugation, indem man die Stammſylbe
ohne Infinitivendung ſtehen läßt. Z. B. betżecż blöken, betż; palicż
brennen, pal; rétżecż reden, rétż.

<pb n="131"/>

♣B.♠ Vom Präſens:

1. Der Imperativ

♣a.♠ der 1. Conjugation, indem man am in ai verwandelt; z. B. pótam ich
ſuche, pótai.

♣b.♠ der 2. Conjugation, indem man uẇu in ui verwandelt; z. B. lubuẇu
ich liebe, lubui.

♣c.♠ der 4. Conjugation, indem man am in ei verwandelt; z. B. mėſcham
ich miſche, mėſchei.

♣d.♠ der 7. Conjugation, indem man ju in i oder (nach i) in j
verwandelt; z. B. raju ich ſpiele, rai; duju ich blaſe, dui; piju ich
trinke, pij.

♣e.♠ der 9. Conjugation, indem man das u wegläßt; z. B. noſchu ich
trage, noſch; proſchu ich bitte, proſch.

Anm. Der Imperativ der 8. Conjugation wird aus der 2. Perſon des Präſens
gebildet, indem man die Endung eſch wegwirft. Z. B. ṗetżeſch du bäckſt,
ṗetż; pżedżeſch du ſpinnſt, pżedż.

2. Der kurze Transgreſſiv, indem man an den Imperativ den Buchſtaben o
hängt. Z. B. pótai ſuche, pótajo; ẇedż führe, ẇedżo.

3. Das Imperfectum (die 2. und 8. Conjugation ausgenommen), indem man an
die Stelle des am oder u: ach, ech, ich, éch ſetzt. Z. B. pótam ich
ſuche, pótach; tzélu ich thue einen Schuß, tzélich; ẇezu ich fahre,
ẇezech, ẇezéch.

Anm. Das Imperfectum der 8. Conjugation wird aus der 3. Perſon Präſentis
gebildet; z. B. pżedże er ſpinnt, pżedżech; kwadże er legt, kwadżech.

4. Das Participium Präſentis Activi, indem man am oder u in aczé, até
verwandelt; z. B. pȯtam ich ſuche, pótaczé; wuknu ich lerne, wukṅaczé.

Anm. Das Partic. Präſ. Act. der 8. Conjugation wird aus der 3. Perſon
Präſentis gebildet; z. B. pżedże er ſpinnt, pżedżaczé; roſcże er wächſt,
roſcżaczé.

2. In den wendiſchen Zeitwörtern haben nur der Infinitiv, das Präſens,
das Imperfectum, die drei Participien und der <pb n="132"/>Transgreſſiv
— bisweilen auch das Futurum — eine beſondere Form; die übrigen Zeiten
werden aus dem Particip. Perf. Act. und dem Hilfszeitworte bócż
gebildet. Nämlich:

♣a.♠ das Perfectum aus dem Partic. Perf. Act. des betreffenden Verbi und
aus dem Präſens des Hilfszeitwortes (ſém); z. B. ja ſém pótaw ich habe
geſucht; ja ſém rétżaw ich habe geredet.

♣b.♠ das Plusquamperfectum aus dem Part. Perf. Act. des betreffenden
Verbi und aus dem Imperfectum des Hilfszeitwortes (bėch); z. B. ja bėch
pótaw ich hatte geſucht; wón bė rétżaw er hatte geredet.

♣c.♠ das Futurum aus dem Infinitiv des betreffenden Verbi und aus dem
Futurum des Hilfszeitwortes (budu); z. B. ja budu pótacż ich werde
ſuchen; ja budu rétżecż ich werde reden.

Anm. 1. (Futurum mit po). Viele Zeitwörter — Compoſita ausgenommen, —
welche eine Bewegung nach einem Orte anzeigen, hängen an das Präſens die
Präpoſition po und bilden ſo das Futurum. Z. B.

Infinitiv. Präſens. Futurum.

cżahnécż ziehen cżahnu pocżahnu

cżėricż treiben cżėṙu pocżėṙu

hicż gehen du póṅdu

jėcż fahren jėdu pojėdu

lecżecż fliegen lecżu polecżu

lėzcz kriechen lėzu polėzu

ṅeſcz tragen ṅeſu poṅeſu

raituwacż reiten raituẇu poraituẇu

ẇeſcz fahren ẇedu poẇedu

ẇezcz fahren ẇezu poẇezu

Anm. 2. (Futurum mit andern Präpoſitionen). Viele urſprüngliche
Zeitwörter bilden das Futurum, indem ſie an das Präſens eine andere
Präpoſition anhängen. Z. B.

Infinitiv. Präſens. Futurum.

ṅeſcz tragen ṅeſu zaṅeſu, pżiṅeſu

lėzcz kriechen lėzu wulėzu

picż trinken piju wupiju, dopiju

racż ſpielen raju pżeraju

mrėcż ſterben mru wumru

<pb n="133"/>

wuknécż lernen wuknu nawuknu

palicż brennen palu zapalu

woracż ackern woram zaworam

Anm. 3. Bei einigen zuſammengeſetzten Zeitwörtern der 1. und 4.
Conjugation wird das Futurum durch das Voranſtellen einer 2. Präpoſition
vor das Präſens gebildet. Z. B.

Infinit. Präſens. Futurum.

zbėracż aufſammeln zbėram zezbėram

pżirėwacż aufwärmen pżirėwam zpżirėwam

naliwacż aufgießen naliwam znaliwam

zankacż zuſchließen zankam zezankam

powalecż umwälzen powalam zpowalam

Anm. 4. Die durch vorangeſetzte Präpoſitionen (beſonders durch po, do,
ze, wu) gebildeten Futura vertreten häufig die Stelle des Futurum
exactum anderer Sprachen. Z. B. déż wumṙe wenn er geſtorben ſein wird;
déż Jetżṁeṅ poſétżemó wenn wir werden Gerſte gemähet haben; déż Kruwó
zeżeru wenn die Kühe werden aufgefreſſen haben.

Anm. 5. (Futurum auf nu). Viele momentane Zeitwörter der 6. Conjugation
(auf nécż) laſſen ihr Präſens auf nu als Futurum ihrer frequentativen
Formen gelten, und zwar deshalb, weil wegen der kurzen Dauer dieſer
momentanen Zeitwörter ein eigentliches Präſens nicht gedacht werden
kann. Z. B.

Infin. (♣frequent.♠) Präſens. Futurum.

rėzacż ſchneiden rėzam rėznu

ſo lėhacż ſich legen lėham ſo lehnu ſo

pżimacż angreifen pżimam pżimnu

cżiſkacż werfen cżiſkam cżiſnu

dóſtawacż empfangen dóſtawam dóſtanu

tzihacż ſchneiden tziham tzihnu

padacż fallen padam panu

ſo ſtawacż geſchehen ſtawa ſo ſtaṅe ſo

Ebenſo gilt das Präſens einiger andern momentanen Zeitwörter als
Futurum. Z. B.

zkakacż ſpringen zkakam zkotżu

wrȯcżecż umkehren wrócżam wrócżu

radżecż rathen radżam radżu

<pb n="134"/>

Anm. 6. Es iſt zu bemerken, daß durch den überwiegenden Einfluß des
Deutſchen die durch Präpoſitionen gebildeten Formen des Futurum aus dem
wendiſchen Sprachgebrauche immer mehr und mehr verſchwinden.

3. Der Subjunctiv wird gebildet aus dem Partic. Perf. Act. des
betreffenden Verbi und aus dem Subjunctiv des Hilfszeitwortes (bóch,
budżech), und zwar:

♣a.♠ der erſte Subjunctiv aus dem Partic. Perf. Act. des betreffenden
Verbi und aus dem erſten Subjunctiv des Hilfszeitwortes. Z. B. ja bóch
pótaw ich würde ſuchen; wón bó ladaw er würde ſehen.

♣b.♠ der zweite Subjunctiv aus dem Partic. Perf. Act. des betreffenden
Verbi und aus dem zweiten Subjunctiv des Hilfszeitwortes. Z. B. ja
budżech pótaw ich würde geſucht haben; wón budżeſche ladaw er würde
geſehen haben.

Anm. Zur Bildung des zweiten Subjunctiv’s wird ſtatt des zweiten
Subjunctiv’s des Hilfszeitwortes (budżech) meiſt das Imperfectum
deſſelben (bėch) nebſt dem Partic. Perf. Act. des betreffenden Verbi
gebraucht. Z. B. dé bė Hadam ṅerėſchiw, ṅebė Sṁercż tu do toho Swėta
pżiſchwa wenn Adam nicht geſündigt hätte, würde der Tod nicht in dieſe
Welt gekommen ſein.

4. Der Conditional wird gebildet, indem man an alle Perſonen des
Zeitwortes die Sylbe li anhängt. Z. B. pótamli wenn ich ſuche; buduli
pżiṅcż wenn ich kommen werde; ſéli bohaté wenn du reich biſt.

5. Der Conceſſiv wird gebildet, indem man allen Perſonen des Zeitwortes
das Wörtchen ṅech vorſetzt. Z. B. ṅech pótam mag ich ſuchen; ṅech dżo
mag er gehen; ṅech jo każ czo mag es ſein wie es will. Vergl. §. 93,
ṅech.

<pb n="135"/>

§. 59. Conjugationstabelle, enthaltend die Endungen aller neun
Conjugationen.

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Infinitiv.

acż uwacż icż ecż ecż nécż bócż acż, ecż, écż, ėcż icż, ócż, ucż ſcz,
zcz, cz zécż, ſécż

Präſeus.

S. 1. am uẇu u am u nu budu ju du, tu, ſtu, ſu, zu, ku żu, ſchu

2. aſch uẇeſch iſch eſch iſch ṅeſch budżeſch jeſch eſch zéſch, ſéſch

3. a uẇe i a i ṅe budże je e é

O. 1. amói uẇemói imói amói imói ṅemói budżemói jemói emói émói

2. 3. atai uẇetai itai atai itai ṅetai budżetai jetai etai étai

— tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei

P. 1. amó uẇemó imó amó imó ṅemó budżemó jemó emó émó

2. acże uẇecże icże ecże icże ṅecże budżecże jecże ecże écże

3. aja, aju uẇa, uẇu a eja, eju a nu, ṅa budu ja, ju u ża, ſcha

Imperfectum.

S. 1. ach uwach ach, ich ach ach ṅech; néch bóch jach; ach, ech, éch,
ėch, ich, óch, uch ech żach, ſchach; éch

2. 3. aſche; a uwaſche; uwa eſche, iſche eſche; a eſche; a ṅeſche; né bó
jeſche; a, e, é, ė, i, ó, u, eſche; e eſche; é

O. 1. achmói uwachmói achmói, ichmói achmói achmói ṅechmói; néchmói
bóchmói jachmói; chmói echmói achmói; échmói

2. 3. aſchtai uwaſchtai eſchtai, iſchtai eſchtai eſchtai ṅeſchtai;
néſchtai bȯſchtai jeſchtai; ſchtai eſchtai eſchtai; éſchtai

— tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei

P. 1. achmó uwachmó achmó ichmó achmó, achmó ṅechmó; néchmó bóchmó
jachmó; chmó echmó achmó; échmó

2. aſchcże uwaſchcże eſchcże, iſchcże eſchcże eſchcże ṅeſchcże; néſchcże
bóſchcże jeſchcże; ſchcże eſchcże eſchcże; éſchcże

3. achu uwachu achu, ichu achu achu ṅechu; néchu bóchu jachu; chu echu
achu; échu

<pb n="136"/>

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Imperativ.

S. 1. — — — — — — — — — —

2. 3. ai ui Stammſylbe ei Stammſylbe Stammſ. oder ṅ bódż ai, ei, éi, ėi,
ij, ói, ui 2. Perſ. Sing. Präſ. ohne eſch ż, ſch (1. Perſ. Sing. Präſ.
ohne u)

O. 1. aimói uimói — mói eimói — mói — mói bódżmói — mói — mói — mói

2. 3. aitai uitai — tai eitai — tai — tai bódżtai — tai — tai — tai

— tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei — tei

P. 1. aimó uimó — mó eimó — mó — mȯ bódżmó — mó — mó — mȯ

2. aicże uicże — cże eicże — cże — cże bódżcże — cże — cże — cże

Participieu.

Präſ. Act. aczé, a, e uwaczé (té), a, e aczé (té), a, e aczé (té), a, e
aczé (té) a, e ṅaczé (té) a, e budżaczé (té), a, e jaczé, a, e aczé,
eczé (té), a, e żaczé, ſchaczé (té), a, e

Perf. Act. Sing. aw, a, o uwaw, a, o iw, a, o aw, a, e aw, a, o néw, a,
o bów, a, o aw, ew, éw, ėw, iw, ów, uw, a, e — w, wa, wo zéw, ſéw, a, o

Plur. ♣rat.♠ ali uwali ili eli eli néli bóli — li li an den Stammconſ.
éli

Perf. Paſſ. Sing. ané, a, e uwané, a, e ené, a, e ané, a, e ané, a, e
ṅené, a, e bóté té (né), a, e ené, a, e żené, ſchené, a, e

Plur. ♣rat.♠ ani uwani eni eni eni ṅeni bócżi cżi (ni) eni eni

Cransgreſſiv.

Präſ. ajo, aiczé ujo, uiczé — o, iczé ejo, eiczé — o, iczé ṅo, néczé
budżo — jo, jiczé o and. 2. Perſ. Imper. żo, ſcho; zéczé ſéczé

Perf. awſchi uwawſchi iwſchi awſchi awſchi néwſchi bówſchi — wſchi —
zéwſchi, ſéwſchi

Verbalhauptwort.

aṅo uwaṅo eṅo eṅo eṅo ṅeṅo bócżo cżo eṅo żeṅo, ſcheṅo

<pb n="137"/>

§. 60. Das Hilfszeitwort bócż ſein.

Das Hilfszeitwort bócż iſt unregelmäßig und wird folgenderweiſe
conjugirt:

Infinitiv.

bócż ſein.

Indicativ.

Präſens.

1. 2. 3.

Singul. ſém ſé jo (je)

Dual. ♣masc.♠ ſmȯi ſtai ſtai

♣fem., neutr.♠ (ſẇe) ſtei ſtei

Plur. ſmó ſcże ſu

ich bin u. ſ. w.

Imperfectum Activi.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche, bė bėſche, bė

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai

(bėchẇe) — tei — tei

P. bėchmó bėſchcże bėchu

ich war u. ſ. w.

Imperfectum Paſſivi.

1. 2. 3.

S. bóch bó bó

D. bóchmói bóſchtai bóſchtai

(bóchẇe) — tei — tei

P. bóchmȯ bóſchcże bóchu

ich wurde, ich ward u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } bów, bówa, bówo

D. ſmȯi ſtai ſtai } bówoi

(ſẇe) ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu } ♣masc. rat.♠ bóli; ♣cet.:♠ bówo (e)

ich bin geweſen u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } bów, a, o

bė bė

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai } bówoi

(bėchẇe) — tei — tei

P. bėchmó bėſchcże bėchu } bóli, bówo (e)

ich war geweſen u. ſ. w.

<pb n="138"/>

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże

D. budżemói budżetai budżetai

(budżeẇe) — tei — tei

P. budżemó budżecże budża

budżeja

ich werde ſein u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — bódż bódż

D. bȯdżmói bódżtai bódżtai

— tei — tei

P. bódżmó bódżcże —

ſei du u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. budżaczé (budżaté), a, e ſeiend, einer der iſt.

Perf. Act. bów, bówa, bówo einer der geweſen iſt.

Perf. Paſſ. bóté, bóta, bóte

Pl. ♣ration.♠ bócżi, einer der geworden iſt.

Transgreſſivus Perfecti.

bówſchi geweſen ſeiend.

Verbalhauptwort.

Bócżo das Sein.

Subjunctiv.

1. Präſens, Imperfectum, Futurum.

1. 2. 3.

S. bóch bȯ bó } bòw, a, o

D. bóchmói bóſchtai bóſchtai } bówoi

(bóchẇe) — tei — tei

P. bóchmó bóſchcże bȯchu } bóli, bówo (e)

ich wäre; ich würde (möchte) ſein u. ſ. w.

2. Perfectum, Plusquamperfectum, Futurum exactum.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche } bów, a, o

D. budżechmói budżeſchtai budżeſchtai } bówoi

(budżechẇe) — tei — tei

P. budżechmó budżeſchcże budżechu bóli, bówo (e)

<pb n="139"/>

oder:

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } bów, a, o

bė bė

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai } bówoi

(bėchẇe) — tei — tei

P. bėchmó bėſchcże bėchu bóli, bówo (e)

ich wäre geweſen; ich würde (möchte) geweſen ſein u. ſ. w.

Conditional.

(Mit angehängtem li gebildet.)

Präſens.

1. 2. 3.

S. ſémli ſéli joli h. t. d.

wenn ich bin u. ſ. w.

Imperfectum Activi.

1. 2. 3.

S. bėchli bėſcheli bėſcheli

bėli bėli h. t. d.

wenn ich war u. ſ. w.

Imperfectum Paſſivi.

1. 2. 3.

S. bóchli bóli bóli h. t. d.

wenn ich wurde u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſémli ſéli joli } bów, a, o h. t. d.

wenn ich geweſen bin u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėchli bėſcheli bėſcheli } bȯw, a, o h. t. d.

bėli bėli

wenn ich geweſen war u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. buduli budżeſchli budżeli h. t. d.

wenn ich ſein werde u. ſ. w.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóchli bóli bóli } bów, a, o h. t. d.

wenn ich wäre; wenn ich ſein würde (möchte) u. ſ. w.

<pb n="140"/>

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżechli budżeſcheli budżeſcheli } bów, a, o h. t. d.

oder:

1. 2. 3.

S. bėchli bėſcheli bėſcheli } bów, a, o h. t. d.

bėli bėli

wenn ich geweſen wäre; wenn ich geweſen ſein würde (möchte) u. ſ. w.

Conceſſiv.

(Mit vorgeſetztem ṅech gebildet.)

Präſens.

1. 2. 3.

S. ṅech ſém ṅech ſé ṅech jo h. t. d.

mag ich ſein u. ſ. w.

Imperfectum Activi.

1. 2. 3.

S. ṅech bėch ṅech bėſche ṅech bėſche h. t. d.

= bė = bė

mochte ich ſein u. ſ. w.

Imperfectum Paſſivi.

1. 2. 3.

S. ṅech bóch ṅech bó ṅech bó h. t. d.

mochte ich werden u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ṅech ſém ṅech ſé ṅech jo } bów, a, o h. t. d.

mag ich geweſen ſein u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. ṅech bėch ṅech bėſche ṅech bėſche } bów, a, o h. t. d.

= bė = bė

mochte ich geweſen ſein u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. ṅech budu ṅech budżeſch ṅech budże h. t. d.

mag ich ſein werden u. ſ. w.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. ṅech bóch ṅech bó ṅech bó } bów, a, o h. t. d.

möge ich ſein u. ſ. w.

<pb n="141"/>

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. ṅech budżech ṅech budżeſche ṅech budżeſche } bów, a, o h. t. d.

oder:

1. 2. 3.

S. ṅech bėch ṅech bėſche ṅech bėſche } bów, a, o h. t. d.

= bė = bė

möge ich geweſen ſein u. ſ. w.

Verneinende Form. (Mit vorgeſetztem ṅe gebildet.)

Infinitiv.

ṅebócż nicht ſein.

Präſens.

1. 2. 3.

S. neiſém neiſé ṅejo

D. neiſmói neiſtai neiſtai

(neiſẇe) neiſtei neiſtei

P. neiſmó neiſcże neiſu

ich bin nicht u. ſ. w.

Imperfectum Activi.

1. 2. 3.

S. ṅebėch ṅebėſche ṅebėſche

ṅebė ṅebė

D. ṅebėchmói ṅebėſchtai ṅebėſchtai

(ṅebėchẇe) — tei — tei

P. ṅebėchmó ṅebėſchcże ṅebėchu

ich war nicht u. ſ. w.

Imperfectum Paſſivi.

1. 2. 3.

S. ṅebȯch ṅebó ṅebó

D. ṅebóchmói ṅebóſchtai ṅebóſchtai

(ṅebóchẇe) — tei — tei

P. ṅebóchmó ṅebóſchcże ṅebóchu

ich wurde nicht u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. neiſém neiſé ṅejo } bów, a, o h. t. d.

ich bin nicht geweſen u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. ṅebėch ṅebėſche ṅebėſche } bów, a, o h. t. d.

ṅebė ṅebė

ich war nicht geweſen u. ſ. w.

<pb n="142"/>

Futurum.

1. 2. 3.

S. ṅebudu ṅebudżeſch ṅebudże h. t. d.

ich werde nicht ſein u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — ṅebȯdż ṅebódż h. t. d.

ſei nicht u. ſ. w.

Partic. Perf. Act.

ṅebów, ṅebówa, ṅebówo der nicht geweſen iſt.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. ṅebóch ṅebó ṅebó } bów, a, o h. t. d.

ich wäre nicht; ich würde (möchte) nicht ſein u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3

S. ṅebudżech ṅebudżeſche ṅebudżeſche } bów, a, o h. t. d.

oder:

1. 2. 3.

S. ṅebėch ṅebėſche ṅebėſche } bówa, a, o, h. t. d.

ṅebė ṅebė

ich wäre nicht geweſen; ich würde (möchte) nicht geweſen ſein u. ſ. w.

Conditional.

1. 2. 3.

Präſ. S. neiſémli neiſéli ṅejoli h. t. d.

wenn ich nicht bin u. ſ. w.

Conceſſiv.

1. 2. 3.

Präſ. S. ṅechneiſém ṅech neiſé ṅech ṅejo h. t. d.

mag ich nicht ſein u. ſ. w.

§. 61. Bemerkungen zu dem Hilfszeitworte bócż.

1. Der Infinitiv bócż, ſowie die Infinitive aller Zeitwörter auf cż,
laſſen zuweilen am Ende noch ein i tönen; z. B. bócżi, piſacżi
ſchreiben.

2. Die 1. Perſon Sing. Präſ. ſém wird auch ſom ausgeſprochen.

3. Die 3. Perſ. Sing. Präſ. heißt im Budiſſiner Dialecte je.

<pb n="143"/>

4. Der Dual Präſentis und der übrigen Zeiten hat doppelte Formen: ſmói
und ſẇe, ſtai und ſtei, bėchmói und bėchẇe, bėſchtai und bėſchtei u. ſ.
w. Die Endungen auf ȯi und ai werden (ſtreng genommen!) bei dem
männlichen, die Endungen auf ẇe und ei hingegen bei dem weiblichen und
ſächlichen Geſchlechte gebraucht (vergl. §. 57, 4, 3.). Jedoch iſt die
Endung auf ẇe in der 1. Perſon des Dual (ſẇe, bėchẇe u. ſ. w.) abhanden
gekommen, ſo daß die Endung auf öi bei allen Geſchlechtern die
gewöhnliche geworden iſt. Z. B. mói dwai Mużei ſmói joho widżewoi wir
zwei Männer haben ihn geſehen; mói dwė Żoṅe tam bėchmói wir zwei Frauen
waren dort. Die Formen auf ai und ei werden bei Maſculinen häufig
♣promiscue♠ gebraucht. Z. B. to ſtai dwai Cżwojekai oder to ſtei dwai
Cżwojekai das ſind zwei Menſchen.

5. Die 1. Perſon Plur. Präſ. ſmó heißt im Budiſſiner Dialecte ſmé (ßmy).
Es ſei hier bemerkt, daß ſich der Wittichenauer Dialect von dem
Budiſſiner vornehmlich durch ſeine tiefen Endſylben auf ȯ und o
unterſcheidet. Wo die Budiſſiner das hellere é und e ſetzen, gebrauchen
die Wittichenauer gemeiniglich das dunklere, kräftigere ò und o.
Letztere ſprechen: jo, ſmó, ſcżo, bėſcho, bėſchcżo, bódżcżo u. ſ. w.

6. Das Imperfectum Activi hat in der 2. und 3. Perſ. Singul. die
doppelte Form bėſche und bė. Die kürzere Form bė wird gebraucht, um eine
kürzere Zeitdauer auszudrücken.

7. Das Imperfectum Paſſivi iſt wohl zu unterſcheiden von dem erſten
Subjunctiv. Letzterer muß jedesmal mit dem Partic. Perf. Act. verbunden
werden, während erſteres ſelbſtſtändig ſtehen kann und die Bedeutung des
deutſchen „wurde,“ „ward“ hat. Z. B. Séman Pėtér bó wot Kréſtuſa za
Japożtowa powowané Simon Petrus wurde von Chriſtus als Apoſtel berufen.

8. Das Perfectum und Plusquamperfectum wird mit Hilfe des Partic. Perf.
Act. (bów, a, o) gebildet. Dieſes Partic. Perf. Act. richtet ſich nach
dem Geſchlechte der Perſon folgenderweiſe:

Singul. Dual. Plural.

♣masc.♠ bòw ♣masc.♠ bówoi[42]⁾ ♣masc. rat.♠ bóli

♣non rat.♠ } bòwo oder bówe

♣femin.♠ bówa ♣femin.♠ } bȯwoi[43]^(*))

♣neutr.♠ bówo ♣neutr.♠ ♣fem. neutr.♠

<pb n="144"/>

Z. B. ja, Herta, ſém je bówa ich, Gertrud, bin es geweſen; Mużoẇe ſu tu
bóli, Żoné ſu tu bówo Männer ſind hier geweſen, Frauen ſind hier
geweſen. Jedoch hat ſich im Plural auch die Form bóli ohne Anſehn der
Geſchlechter eingebürgert; z. B. Żoné ſu tu bóli. Ebenſo wird im Dual
die Form auf oi ohne Anſehn der Geſchlechter gebraucht. Z. B. dwė Żoṅe
ſtei tu bówoi.

9. Das Futurum hat im gemeinen Sprachgebrauche die abgekürzte Form: du,
dżeſch, dże u. ſ. w. (eigentlich b’du, b’dżeſch, b’dże). Z. B. ja du
widżecż ich werde ſehen; woni dża (dżeja) pżiṅcż ſie werden kommen. In
der verneinenden Form heißt dann das abgekürzte Futurum: ṅeṅdu,
ṅeṅdżeſch, ṅeṅdże u. ſ. w.

10. Im Imperativ ſind die 2. und 3. Perſon Sing. und Dualis einander
gleich. Zur Unterſcheidung wird bei der 3. Perſon entweder das Fürwort
wón, wona, wone beigeſetzt — z. B. wón bódż er ſei! wonei bódżtei ſie
ſeien! — oder die 3. Perſon wird durch den Conceſſiv gebildet; z. B.
ṅech jo mag er ſein, ṅech (wonei) ſtei mögen ſie ſein. Ebenfalls durch
den Conceſſiv wird die 3. Perſon Plur. Imperativi gebildet; z. B. ṅech
ſu mögen ſie ſein, ſie ſeien!

11. Die Participien Präſ. Activi budżaczé, a, e und Perf. Paſſivi bóté,
a, e, ſowie der Transgreſſiv bówſchi ſind nur in zuſammengeſetzten
Verbis im Gebrauche. Z. B. dobudżaczé, a, e gewinnend, dobóté, a, e
gewonnen, dobówſchi gewonnen habend (vergl. die 6. Conjug.). Im
Transgreſſiv findet keine Unterſcheidung des Geſchlechtes ſtatt.

12. Einen Conjunctiv, wie ihn die lateiniſche und deutſche Sprache hat,
giebt’s im Wendiſchen nicht. Der Indicativ vertritt hier die Stelle des
Conjunctiv’s. Z. B. Suſod jo ṁe wopraſchaw, hacż mói Nan ſtrowó jo der
Nachbar hat mich gefragt, ob mein Vater geſund ſei; żtó wė, hacż tomu
tak jo wer weiß, ob dem ſo iſt. Bisweilen läßt ſich auch der Subjunctiv
anwenden; z. B. to ja wam pżiporutżam, zo wó pżez jene ſcże ha ſo ƀez
ſobu lubuẇecże, und: .... zo bóſchcże pżez jene bóli ha ſo ƀez ſobu
lubuwali dies befehle ich euch, daß ihr eines ſeid und euch unter
einander liebet. Die Anwendung des Subjunctiv’s iſt ſogar nothwendig bei
dem hiſtortſchen Tempus; z. B. Bóh jo Jėvu ztworiw, zo bó Hadamei k
Pomoczé bówa Gott hat die Eva erſchaffen, damit <pb n="145"/>ſie dem
Adam zur Hilfe ſei. Nicht ſowohl Regeln, als vielmehr ein genaues
Aufmerken auf den wendiſchen Sprachgebrauch kann hier das Richtige
lehren.

13. Der Subjunctiv drückt die wünſchende Form des Zeitwortes aus und
wird häufig mit den Partikeln dé, zo in Verbindung geſetzt. Z. B. dé bó
tola Nan żiwó bów wenn doch der Vater lebte! zo bó to wėrno bówo daß das
wahr ſein möchte!

14. Der zweite Subjunctiv budżech bów[44]⁾ wird meiſtentheils durch bėch
bów erſetzt (vergl. §. 58. 3, Anm.). Z. B. Kṅeże, dé bė té tudé bów, mói
Bratr ṅebė wumṙew Herr, wenn du hier geweſen wäreſt, mein Bruder würde
nicht geſtorben ſein (Joh. 11, 21.).

15. Die verneinende Form des Hilfszeitwortes wird durch das vorgeſetzte
ṅe gebildet. In allen Formen des Präſens aber, welche mit ſ anfangen,
tritt nach der Verneinung ṅe noch ein i hinzu; z. B. neiſém.

16. In der 3. Perſ. Sing. Präſ. der verneinenden Form (ṅejo) wird häufig
beim Sprechen der Endvocal o weggeworfen. Man ſagt: to ṅej’ móżno das
iſt nicht möglich; wón ṅej’ pżiſchow er iſt nicht gekommen. In der
Schriftſprache muß jedoch die volle Form ṅejo gebraucht werden.

17. Die Subjunctive der verneinenden Form lauten: ṅebóch bów, ṅebudżech
bów, ṅebėch bów. Man verbindet aber auch (beſonders nach zo und dé) die
Verneinung ṅe mit dem Participium und ſpricht: bóch ṅebów, budżech
ṅebów, bėch ṅebów. Z. B. zo bó to wėrno ṅebówo = zo ṅebó to wėrno bówo
daß das nicht wahr wäre; dé bó tak Zéma ṅebówo wenn es nicht ſo kalt
wäre. Vergl. §. 102, 6, 4. 5.

18. Vom Paſſivum hat das Hilfszeitwort bócż nur zwei Formen: 1. das
Imperfectum Paſſivi bóch ich wurde, ich ward; 2. das Participium Perf.
Paſſ. bóté, a, e, welches blos in Compoſitis (dobóté, zabóté)
gebräuchlich iſt. Das Imperfect. Paſſ. wird gewöhnlich mit einem
Eigenſchaftsworte oder mit einem Partic. Perf. Paſſ. verbunden. Z. B. ja
bóch bohaté ich wurde reich; wón bė ſlepó ha bó wuſtroẇené er war blind
und wurde geheilt.

<pb n="146"/>

19. Da das Hilfszeitwort bócż im Paſſivum nur die beiden eben genannten
Formen hat, ſo müſſen die fehlenden aus fremden Zeitwörtern gebildet
werden. Man gebraucht hierzu folgende Verba: ſo ztżinicż (gemacht
werden), naſtacż (entſtehen), ſo ſtacż (geſchehen), bówacż, zbówacż
(werden) und das aus dem Deutſchen entlehnte worduwacż. Z. B. te Swowo
jo ſo Mjaſo ztżiniwo das Wort iſt Fleiſch geworden (Joh. 1, 14.); ſta ſo
wilka Cżichota es ward eine große Stille. Der Genius der wendiſchen
Sprache verlangt jedoch hier öfters die Bildung eines ganz neuen
Zeitwortes. Z. B. bożi Sén jo ſo cżwojekuwaw (ſo wocżwojetżiw) der Sohn
Gottes iſt Menſch geworden; wone ſo ẇetżori es wird Abend.

§. 62. Erſte Conjugation.

1. Zur erſten Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
acż und in der 1. Perſon Präſentis am haben.

2. Die Zeitwörter der erſten Conjugation bezeichnen größtentheils eine
durch eine gewiſſe Zeit hin dauernde (durative), oder eine wiederholte
(frequentative) Thätigkeit. Z. B. drėmacż ſchlummern, ſo lėhacż ſich oft
legen, torhacż oft reißen, zkakacż oft ſpringen.

3. Die Abwandlungsform iſt folgende:

1. Activum.

Infinitiv.

pótacż ſuchen.

Indicativ.

Präſens.

1. 2. 3.

S. pótam pótaſch póta

D. pótamói pòtatai pótatai

pótatei pótatei

P. pótamó pótacże pótaja

pótaju

ich ſuche u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. pótach pótaſche pótaſche

D. pótachmói pótaſchtai pótaſchtai

pótaſchtei pótaſchtei

P. pótachmó pótaſchcże pótachu

ich ſuchte u. ſ. w.

<pb n="147"/>

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } pótaw, a, o pótawoi

D. ſmói ſtai ſtai

ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu } pótali, pótawo (e)

ich habe geſucht u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } pótaw, a, o

bė bė

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai } pótawoi

— tei — tei

P. bėchmó bėſchcże bėchu } pótali, pótawo (e)

ich hatte geſucht u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } pótacż

D. budżemói budżetai budżetai

— tei — tei

P. budżemó budżecże budża

ich werde ſuchen u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — pótai pótai

D. pótaimói pótaitai pótaitai

— tei — tei

P. pótaimó pȯtaicże —

ſuche u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. pótaczé, a, e ſuchender, einer der ſucht (Dual: pȯtaczai,
czei; Nominat. Plur. Ration.: pȯtaczi)

Perf. Act. pȯtaw, a, o geſucht habend

Perf. Paſſ. pótané, a, e geſuchter, einer der geſucht worden iſt.

Transgreſſiv.

pótajo, pótaiczé ſuchend, im Suchen

pótawſchi geſucht habend.

Verbalhauptwort.

Pótaṅo das Suchen.

<pb n="148"/>

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóch bȯ bȯ } pótaw, a, o pótawoi

D. bȯchmói bóſchtai bóſchtai

— tei — tei

P. bóchmȯ bȯſchcże bóchu } pótali, pótawo (e)

ich würde ſuchen u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche } pótaw, a, o pótawoi

D. budżechmói budżeſchtai budżeſchtai

— tei — tei

P. budżechmó budżeſchcże budżechu } pȯtali, pȯtawo (e)

oder:

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } pótaw, a, o

bė bė

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai } pótawoi

— tei — tei

P. bėchmó bėſchcże bėchu } pótali, pótawo (e)

Conditional.

(Mit angehängtem li gebildet.)

Präſens.

1. 2. 3.

S. pótamli pótaſchli pótali h. t. d.

wenn ich ſuche u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. pótachli pótaſcheli pótaſcheli h. t. d.

wenn ich ſuchte u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſémli ſéli joli } pótaw, a, o h. t. d.

wenn ich geſucht habe u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėchli bėſcheli bėſcheli } pȯtaw, a, o h. t. d.

bėli bėli

wenn ich geſucht hatte u. ſ. w.

<pb n="149"/>

Futurum.

1. 2. 3.

S. buduli budżeſchli budżeli } pótacż h. t. d.

wenn ich ſuchen werde u. ſ. w.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóchli bóli bóli } pótaw, a, o h. t. d.

wenn ich ſuchen würde u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżechli budżeſcheli budżeſcheli } pótaw, a, o h. t. d.

oder:

1. 2. 3.

S. bėchli bėſcheli bėſcheli } pȯtaw, a, o h. t. d.

bėli bėli

wenn ich geſucht haben würde u. ſ. w.

Conceſſiv.

(Mit vorgeſetztem ṅech gebildet.)

Präſens.

1. 2. 3.

S. ṅech pótam ṅech pótaſch ṅech póta h. t. d.

mag ich ſuchen u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. ṅech pótach ṅech pótaſche ṅech pótaſche h. t. d.

mochte ich ſuchen u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ṅech ſém ṅech ſé ṅech jo } pótaw, a, o h. t. d.

mag ich geſucht haben u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. ṅech bėch ṅech bėſche ṅech bėſche } pótaw a, o h. t. d.

= bė = bė

mochte ich geſucht haben u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. ṅech budu ṅech budżeſch ṅech budże } pótacż h. t. d.

mag ich ſuchen werden u. ſ. w.

<pb n="150"/>

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. ṅech bȯch ṅech bó ṅech bó } pótaw, a, o h. t. d.

möge ich ſuchen u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. ṅech budżech ṅech budżeſche ṅech budżeſche } pótaw, a, o h. t. d.

oder:

1. 2. 3.

S. ṅech bėch ṅech bėſche ṅech bėſche } pótaw, a, o h. t. d.

= bė = bė

möge ich geſucht haben u. ſ. w.

Verneinende Form.

(Mit vorgeſetztem ṅe gebildet.)

Infinitiv.

ṅepótacż nicht ſuchen.

Präſens.

1. 2. 3.

S. ṅepȯtam ṅepótaſch ṅepóta h. t. d.

ich ſuche nicht u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. ṅepótach ṅepótaſche ṅepótaſche h. t. d.

ich ſuchte nicht u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. neiſém neiſé ṅejo } pótaw, a, o h. t. d.

ich habe nicht geſucht u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. ṅebėch ṅebėſche ṅebėſche } pótaw, a, o h. t. d.

ṅebė ṅebė

ich hatte nicht geſucht u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. ṅebudu ṅebudżeſch ṅebudże } pótacż h. t. d.

ich werde nicht ſuchen u. ſ. w.

<pb n="151"/>

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — ṅepótai ṅepȯtai h. t. d.

ſuche nicht u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. ṅepótaczé, a, e nicht ſuchender, einer der nicht ſucht.

Perf. Act. ṅepótaw, a, o nicht geſucht habend.

Perf. Paſſ. ṅepótan é, a, e nicht geſuchter, einer der nicht geſucht
worden iſt.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. ṅebóch ṅebó ṅebó } pótaw, a, o h. t. d.

ich würde nicht ſuchen u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3

S. ṅebudżech ṅebudżeſche ṅebudżeſche } pótaw, a, o h. t. d.

oder:

1. 2. 3.

S. ṅebėch ṅebėſche ṅebėſche } pȯtaw, a, o, h. t. d.

ṅebė ṅebė

ich würde nicht geſucht haben u. ſ. w.

Conditional.

1. 2. 3.

Präſ. S. ṅepótamli ṅepótaſchli ṅepȯtali h. t. d.

wenn ich nicht ſuche u. ſ. w.

Conceſſiv.

1. 2. 3.

Präſ. S. ṅech ṅepótam ṅech ṅepótaſch ṅech ṅepóta h. t. d.

mag ich nicht ſuchen u. ſ. w.

2. Paſſivum.

Infinitiv.

pótané, a, e bócż geſucht werden.

Präſens.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } pótané, a, e

D. ſmȯi ſtai ſtai } pótanai

ſtei ſtei } pótanei

P. ſmó ſcże ſu } pótani, pótane

ich werde geſucht u. ſ. w.

<pb n="152"/>

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } pótané, a, e

bė bė

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai } pótanai

— tei — tei } pótanei

P. bėchmó bėſchcże bėchu } pótani, pótane

oder:

1. 2. 3.

S. bóch bȯ bó } pótané, a, e

D. bóchmói bóſchtai bóſchtai } pótanai

— tei — tei pótanei

P. bóchmó bóſchcże bȯchu } pótani, pótane

ich wurde geſucht u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo pótané, a, e } bów, a, o bówoi

D. ſmȯi ſtai ſtai pótanai

ſtei ſtei pótanei

P. ſmó ſcże ſu pótani, ne } bóli, bówo (e)

ich bin geſucht worden u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche pótané, a, e } bów, a, o

bė bė

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai pótanai } bòwoi

— tei — tei pótanei

P. bėchmó bėſchcże bėchu pótani, ne } bóli, bówo (e)

ich war geſucht worden u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } pótané, a, e

D. budżemȯi budżetai budżetai } pótanai

— tei — tei } pótanei

P. budżemó budżecże budża } pótani, ne

ich werde geſucht werden u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — bódż bódż } pótané a, e

D. bȯdżmói bódżtai bódżtai } pótanai

— tei — tei } pótanei

P. bódżmó bódżcże — } pótani, ne

werde geſucht u. ſ. w.

Part. Perf. Paſſ.

pótané, a, e geſuchter, einer der geſucht worden iſt.

<pb n="153"/>

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóch bȯ bó pótané, a, e } bȯw, a, o bó woi

D. bóchmói bóſchtai bóſchtai pótanai

— tei — tei pótanei

P. bóchmȯ bóſchcże bóchu pótani, ne } bóli, bówo (e)

ich wäre geſucht worden u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche pótané, a, e } bów, a, o bówoi

D. budżechmói budżeſchtai budżeſchtai pótanai

— tei — tei pótanei

P. budżechmó budżeſchcże budżechu pótani, ne } bóli, bówo (e)

oder:

1. 2. 3.

S. bėch bėſche, bė bėſche, bė } wie oben

D. bėchmói bėſchtai bėſchtai

— tei — tei

P. bėchmó bėſchcże bėchu

ich würde geſucht worden ſein u. ſ. w.

Conditional.

(Mit angehängtem li gebildet).

Präſens.

S. 1. ſémli pótané, a, e h. t. d.

wenn ich geſucht werde u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. bėchli } pótané, a, e h. t. d.

bóchli

wenn ich geſucht wurde u. ſ. w.

Perfectum.

S. 1. ſémli pótané (a, e) bȯw (a, o) h. t. d.

wenn ich geſucht worden bin u. ſ. w.

Plusqamperfectum.

S. 1. bėchli pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

wenn ich geſucht worden war u. ſ. w.

Futurum.

S. 1. buduli pótané (a, e) h. t. d.

wenn ich werde geſucht werden u. ſ. w.

1. Subjunctiv.

S. 1. bóchli pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

wenn ich geſucht würde u. ſ. w.

<pb n="154"/>

2. Subjunctiv

S. 1. budżechli } pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

bėchli

Conceſſiv.

(Mit vorgeſetztem ṅech gebildet).

Präſens.

S. 1. ṅech ſém pótané (a, e) h. t. d.

mag ich geſucht werden u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. ṅech bėch pótané (a, e) h. t. d.

mochte ich geſucht werden u. ſ. w.

Perfectum.

S. 1. ṅech ſém pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

mag ich geſucht worden ſein u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

S. 1. ṅech bėch pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

mochte ich geſucht worden ſein u. ſ. w.

Futurum.

S. 1. ṅech budu pótané (a, e) h. t. d.

mag ich werden geſucht werden u. ſ. w.

1. Subjunctiv.

S. 1. ṅech bóch pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

möge ich geſucht werden u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

S. ṅech budżech } pó tané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

ṅech bėch

mochte ich geſucht worden ſein u. ſ. w.

Verneinende Form.

(Mit vorgeſetztem ṅe gebildet).

Infinitiv.

ṅepótané (a, e) bócż nicht geſucht werden.

Präſens.

S. 1. neiſém pótané (a, e) h. t. d.

ich werde nicht geſucht u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. ńebėch pótané (a, e) h. t. d.

ich wurde nicht geſucht u. ſ. w.

<pb n="155"/>

Perfectum.

S. 1. neiſém pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

ich bin nicht geſucht worden u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

S. 1. ṅebėch pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

ich war nicht geſucht worden u. ſ. w.

Futurum.

S. 1. ṅebudu pótané (a, e) h. t. d.

ich werde nicht geſucht werden u. ſ. w.

Imperativ.

S. 2. 3. ṅebódż pótané (a, e) h. t. d.

werde nicht geſucht u. ſ. w.

Partic. Perf. Paſſ.

ṅepótané (a, e) nicht geſuchter, einer der nicht geſucht worden iſt.

1. Subjunctiv.

S. 1. ṅebóch pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

ich wäre nicht geſucht worden u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

S. 1. ṅebudżech} pótané (a, e) bów (a, o) h. t. d.

ṅebėch

ich würde nicht geſucht worden ſein u. ſ. w.

Conditional.

Präſ. S. 1. neiſémli pótané (a, e) h. t. d.

mag ich nicht geſucht werden u. ſ. w.

§. 63. Bemerkungen zur erſten Conjugation.

1. Viele Zeitwörter der erſten Conjugation auf kacż, ſacż, zacż haben im
Präſens, Imperativ und in dem kurzen Transgreſſiv auf o neben der
regelmäßigen Form noch eine unregelmäßige, welche der 8. Conjugation
entlehnt iſt. Z. B.

Infinitiv.

pwakacż weinen piſacż ſchreiben mazacż ſchmieren

Präſens.

S. 1. pwatżu piſchu mażu

2. pwatżeſch piſcheſch mażeſch

3. pwatże piſche maże

D. 1. pwatżemȯi piſchemói mażemói

2. 3. pwatżetai piſchetai mażetai

— tei — tei — tei

<pb n="156"/>

P. 1. pwatżemó piſchemó mażemó

2. pwatżecże piſchecże mażecże

3. pwatżu piſchu mażu

Imperativ.

S. 2. 3. pwatż piſch maż

D. 1. pwatżmói piſchmói mażmói

2. 3. pwatżtai piſchtai mażtai

— tei — tei — tei

P. 1. pwatżmó piſchmó mażmó

2. pwatżcże piſchcże mażcże

Transgreſſiv.

pwatżo, pwatżiczé piſcho mażo

2. Viele Zeitwörter der erſten Conjugation auf bacż, pacż, racż, macż,
wacż und otacż haben im Präſens — mit Ausnahme der 1. Perſ. Sing. und
der 3. Perſ. Plur. — neben der regelmäßigen Form noch eine unregelmäßige
nach der 8. Conjugation. Z. B.

Infinitiv.

jebacż (hebacż) ſépacż woracż dawacż ṙehotacż

betrügen ſchütten ackern geben wiehern

Präſens.

S. 1. jebam ſépam woram dawam ṙehotam

2. jeƀeſch ſéṗeſch woṙeſch daẇeſch ṙehoczeſch

3. jeƀe ſéṗe woṙe daẇe ṙehocze

D. 1. jeƀemói ſéṗemói woṙemȯi daẇemói ṙehoczemói

2. 3. jeƀetai ſéṗetai woṙetai daẇetai ṙehoczetai

— tei — tei — tei — tei — tei

P. 1. jeƀemó ſéṗemó woṙemó daẇemó ṙehoczemó

2. jeƀecże ſéṗecże woṙecże daẇecże ṙehoczecże

3. jebaja ſépaja woraja dawaja ṙehotaja

3. Die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten Zeitwörter der erſten
Conjugation werfen in der 2. und 3. Perſ. Singul. Imperfecti die Endung
ſche weg. Durch eine ſolche Verkürzung wird — in allen Conjugationen —
die kürzere Zeitdauer der Thätigkeit ausgedrückt. Z. B.

Infinitiv.

pżepȯtacż napiſacż rozwamacż wuladacż

durchſuchen aufſchreiben zerbrechen erblicken

Imperfectum.

S. 1. pżepótach napiſach rozwamach wuladach

2. pżepóta napiſa rozwama wulada

3. pżepóta napiſa rozwama wulada

<pb n="157"/>

4. Das Participium Perf. Act. richtet ſich nach dem Geſchlechte der
Perſon folgenderweiſe:

Singul. Dual. Plural.

♣masc.♠ pótaw ♣masc.♠ pótawoi[45]⁾ ♣masc. rat.♠ pótali

♣femin.♠ pótawa ♣fem.♠ pótawoi[46]^(*)) ♣non rat.,♠ } pótawood.

♣neutr.♠ pótawo ♣neutr.♠ ♣fem. neutr.♠ }pótawe

Jedoch hat ſich im Plural auch die rationale Form auf li (pótali) ohne
Anſehen der Geſchlechter eingebürgert. Z. B. Dżėcżi ſu pwakali (anſtatt
pwakawo) Kinder haben geweint. Ebenſo wird im Dual die Form auf oi ohne
Anſehen der Geſchlechter gebraucht. Das Geſagte gilt in gleicher Weiſe
von dem Partic. Perf. Act. aller übrigen Conjugationen. (§. 61, 8.)

5. In dem Subjunctiv der verneinenden Form wird die Verneinung ṅe
bisweilen mit dem Participium verbunden. Z. B. bėch ṅepótaw, bėch téż
ṅenamakaw hätte ich nicht geſucht, ſo würde ich auch nicht gefunden
haben.

6. Ueber das Paſſivum und deſſen Formation vergl. §. 57, 1.

7. Die rückbezüglichen Zeitwörter aller Conjugationen haben das Fürwort
ſo in allen Perſonen bei ſich (§. 56, 6). Es wird dem Zeitwort
nachgeſetzt, oder es kommt, wenn das Zeitwort mit den perſönlichen
Fürwörtern ja, té, wón u. ſ. w. verbunden wird, zwiſchen Fürwort und
Zeitwort (§. 104, 13). Z. B.

Präſens.

1. 2. 3.

S. lėham ſo lėhaſch ſo lėha ſo

D. lėhamói ſo lėhatai ſo lėhatai ſo

— tei ſo — tei ſo

P. lėhamó ſo lėhacże ſo lėhaja ſo

oder:

S. ja ſo lėham té ſo lėhaſch wón ſo lėha

D. mói ſo lėhamói wói ſo lėhatai wonai ſo lėhatai

— — — tei wonei — — tei

P. mó ſo lėhamó wó ſo lėhacże woni ſo lėhaja

ich lege mich u. ſ. w.

<pb n="158"/>

§. 64. Beiſpiele zur Uebung.

bėhacż laufen

bwóſkacż blitzen

cżahacż ziehen

cżazacż pfänden

cżėkacż fliehen

drapacż kratzen

drėmacż ſchlummern

dżėwacż arbeiten

ſo dżiwacż ſich wundern

ſo hibacż ſich regen

hudacż rathen

kawacż ſtechen

kazacż heißen, befehlen

kiwacż winken

klepacż klopfen

kopacż hacken

kuſacż beißen

khwatacż eilen

khowacż bergen

ladacż ſehen

ſo lėhacż ſich legen

lizacż lecken

machacż ſchwenken, ſchweifen

mazacż ſchmieren

maſacż greifen

ṁetacż werfen

morkotacż murren

namakacż (nankacż) finden

nėwacż zürnen

padacż (oft) fallen

ſo paſacż ſich gürten

piſacż ſchreiben

plowacż (plėwacż) ſchwimmen

pomhacż helfen

pominacż mahnen

poṙebacż begraben

pżiſahacż ſchwören

pwatacż flicken

pwókacż waſchen

reiwacż tanzen

rėkacż heißen

rubacż hauen

ſnėdacż frühſtücken

ſchwikacż peitſchen

ſpėwacż ſingen

ſtawacż aufſtehen

ſtonacż ſtöhnen

ſtupacż treten

teptacż treten

torhacż reißen

tradacż darben

tṙebacż brauchen

truhacż ſchaben

tżakacż warten

tżepotacż zittern

tżeṙpacż (tżėracż) ſchöpfen

tżeſacż behauen, kämmen

tzihacż ſcheeren

ẇazacż binden

wiſacż hängen

wowacż rufen

wużiwacż genießen

ſo zjednacż ſich vereinigen

ſo zpojedacż beichten

żadacż begehren

§. 65. Zweite Conjugation.

1. Zur zweiten Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
uwacż und in der 1. Perſon Präſentis uẇu haben.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der zweiten Conjugation
eine dauernde (durative) oder wiederholte (iterative) Thätigkeit.

3. Die Zeitwörter der zweiten Conjugation ſind abgeleitet ♣a.♠ von
Haupt,- Eigenſchafts- und Umſtandswörtern; ♣b.♠ von andern Zeitwörtern.
Z. B.

woƀeduwacż ſpeiſen, v. Woƀed; ſo zraduwacż ſich erfreuen, v. rad;

ſo próczuwacż ſich bemühen, v. Prócza; nakwaduwacż auflegen, v. kwaſcz;

lubuwacż lieben, v. lubé; kupuwacż kaufen, v. kupicż.

<pb n="159"/>

4. Die Abwandlungsform iſt folgende:

Infinitiv.

lubuwacż lieben.

Präſens.

1. 2. 3.

S. lubuẇu lubuẇeſch lubuẇe

D. lubuẇemói lubuẇetai lubuẇetai

— tei — tei

P. lubuẇemò lubuẇecże lubuẇa

lubuẇu

ich liebe u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. lubuwach lubuwaſche lubuwaſche

D. lubuwachmói lubuwaſchtai lubuwaſchtai

— tei — tei

P. lubuwachmó lubuwaſchcże lubuwachu

ich liebte u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } lubuwaw, a, o

D. ſmói ſtai ſtai } lubuwawoi

ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu } lubuwali, lubuwawo (e)

ich habe geliebt u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } lubuwaw, a, o

bė bė

D. bėchmòi bėſchtai bėſchtai } lubuwawoi

— tei — tei

P. bėchmó bėſchcże bėchu } lubuwali, lubuwawo (e)

ich hatte geliebt u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże

D. budżemói budżetai budżetai } lubuwacż

— tei — tei

P. budżemó budżecże budża

ich werde lieben u. ſ. w.

<pb n="160"/>

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — lubui lubui

D. lubuimói lubuitai lubuitai

— tei — tei

P. lubuimó lubuicże —

liebe u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. lubuwaczė (lubuwaté), a, e liebender, einer der liebt.

Perf. Act. lubuwaw, a, o geliebt habend.

Perf. Paſſ. lubuwané, a, e geliebter, einer der geliebt worden iſt.

Transgreſſiv.

lubujo, lubuiczé liebend, im Lieben;

lubuwawſchi geliebt habend.

Verbalhauptwort.

Lubuwaṅo das Lieben.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóch bó bó } lubuwaw, a, o. h. t. d.

ich würde lieben u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche } lubuwaw, a, o h. t. d.

bėch bėſche bėſche

ich würde geliebt haben u. ſ. w.

§. 66. Bemerkungen zur zweiten Conjugation.

1. Die Zeitwörter der zweiten Conjugation werden im gemeinen
Sprachgebrauch gewöhnlich abgekürzt, indem man das u nach der Stammſylbe
wegwirft. Man ſpricht: lub'wacż, lub'ẇu, lub'wach, lub'waw. In der
Schriftſprache iſt dieſe Abkürzung nicht erlaubt.

2. Die Endung uẇu im Präſens wird auch uju geſchrieben; z. B. lubuju,
lubujeſch, lubuje.

3. Die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten Zeitwörter der zweiten
Conjugation werfen in der 2. und 3. Perſ. Sing. Imperfecti die Endung
ſche weg, um eine kürzere Zeitdauer auszudrücken. Z. B. wón ſo podżakuwa
er bedankte ſich (kurz); wón ſo podżakuwaſche er bedankte ſich (mit
vielen Worten).

<pb n="161"/>

§. 67. Beiſpiele zur Uebung.

brachuwacż mangeln

daruwacż ſchenken

ſo dżakuwacż danken

ſo hadruwacż ſich zanken

ſo haṅbuwacż ſich ſchämen

hozpoduwacż bewirthen

kedżbuwacż Acht geben

kónczuwacż endigen

kupuwacż kaufen

kżiżuwacż kreuzigen

lichuwacż wuchern

lutuwacż ſparen

ṁenuwacż nennen

nuzuwacż nöthigen

pokazuwacż zeigen

pżihotuwacż zubereiten

ſczėhuwacż folgen

tżeſcżuwacż ehren

wokoſchuwacż küſſen

wotpotżuwacż ausruhen

zdéchuwacż ſeufzen

żawbuwacż ſalben

żohnuwacż (żonuwacż) ſegnen

§. 68. Dritte Conjugation.

1. Zur dritten Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
icż und in der 1. Perſon Präſentis u haben.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der dritten Conj.
entweder — und dieſe bilden die Mehrzahl — eine einmalige (momentane)
oder eine dauernde (durative) Thätigkeit. Einige Zeitwörter haben auch
eine inchoative Bedeutung; z. B. ſtaricż alt werden, wonėmicż ſtumm
werden.

3. Die Abwandlungsform iſt folgende:

Infinitiv. khwalicż loben.

Präſens.

1. 2. 3.

S. khwalu khwaliſch khwali

D. khwalimói khwalitai khwalitai

— tei — tei

P. khwalimó khwalicże khwala

ich lobe u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. khwalach khwaleſche khwaleſche

D. khwalachmói khwaleſchtai khwaleſchtai

— tei — tei

P. khwalachmó khwaleſchcże khwalachu

ich lobte u. ſ. w.

<pb n="162"/>

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } khwaliw, a, o

D. ſmói ſtai ſtai khwaliwoi

ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu khwalili, khwaliwo (e)

ich habe gelobt u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } khwaliw, a, o h. t. d.

bė bė

ich hatte gelobt u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } khwalicż h. t. d.

ich werde loben u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — khwal khwal

D. khwalmói khwaltai khwaltai

— tei — tei

P. khwalmó khwalcże —

lobe u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. khwalaczé (khwalaté), a, e lobender, einer der lobt.

Perf. Act. khwaliw, a, o gelobt habend.

Perf. Paſſ. khwalené, a, e gelobter, einer der gelobt worden iſt.

Transgreſſiv.

khwalo, khwaliczé lobend, im Loben;

khwaliwſchi gelobt habend.

Verbalhauptwort.

Khwaleṅo das Loben.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóch bó bó } khwaliw, a, o h. t. d.

ich würde loben u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche } khwaliw, a, o h. t. d.

bėch bėſche bėſche

ich würde gelobt haben u. ſ. w.

<pb n="163"/>

Infinitiv.

tżinicż thun.

Präſens.

1. 2. 3.

S. tżiṅu tżiniſch tżini

D. tżinimói tżinitai tżinitai

— tei — tei

P. tżinimó tżinicże tżiṅa

ich thue u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. tżiṅach tżiṅeſche tżiṅeſche

D. tżiṅachmói tżiṅeſchtai tżiṅeſchtai

— tei — tei

P. tżiṅachmó tżiṅeſchcże tżiṅachu

ich that u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } tżiniw, a, o h. t. d.

ich habe gethan u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } tżiniw, a, o h. t. d.

bė bė

ich hatte gethan u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } tżinicż h. t. d.

ich werde thun u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — tżiṅ tżiṅ

D. tżiṅmói tżiṅtai tżiṅtai

— tei — tei

P. tżiṅmó tżiṅcże —

thu' u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. tżiṅaczé (tżiṅaté), a, e thuender, einer der thut.

Perf. Act. tżiniw, a, o gethan habend.

Perf. Paſſ. tżiṅené, a, e gethaner, einer der gethan worden iſt

<pb n="164"/>

Transgreſſiv.

tżiṅo, tżiniczé thuend, im Thun;

tżiniwſchi gethan habend.

Verbalhauptwort.

Tżiṅeṅo das Thun.

§. 69. Bemerkungen zur dritten Conjugation.

1. Die Zeitwörter der dritten Conjug. auf bicż, picż, micż, nicż, ricż,
dzicż, tzicż und wicż haben vor u, e und a im Präſ., Imperfect., Partic.
und vor o in dem kurzen Transgreſſiv einen jotirten Buchſtaben (vergl.
tżinicż). Z. B.

Infinitiv.

wabicż tepicż wėricż ſwėdzicż

locken heizen glauben zeugen

Präſens.

S. 1. wabju teṗu wėṙu ſwėdzju

P. 3. wabja teṗa wėṙa ſwėdzja

Imperfectum.

S. 1. wabjach teṗach wėṙach ſwėdzjach

2. 3. waƀeſche teṗeſche wėṙeſche ſwėdzjeſche

D. 1. wabjachmói teṗachmói wėṙachmói ſwėdzjachmói

P. 3. wabjachu teṗachu wėṙachu ſwėdzjachu

Participien.

Pr. Act. wabjaczé teṗaczé wėṙaczé ſwėdzjaczé

Pf. Pſſ. waƀené teṗené wėṙené ſwėdzjené

Transgreſſiv.

wabjo teṗo wėṙo ſwėdzjo

2. Die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten Zeitwörter der dritten
Conjugation, ſowie die momentanen, bilden das Imperfectum auf ich und
werfen in der 2. und 3. Perſ. Singul. die Endung ſche weg. Z. B.

Infinitiv.

zbudżicż zaſwużicż ſtupicż tzélicż

erwecken verdienen treten, ſteigen einen Schuß

(♣moment.♠) thun (♣mom.♠)

<pb n="165"/>

Imperfectum.

S. 1. zbudżich zaſwużich ſtupich tzélich

2. 3. zbudżi zaſwużi ſtupi tzéli

D. 1. zbudżichmói zaſwużichmói ſtupichmói tzélichmói

2. 3. zbudżiſchtai zaſwużiſchtai ſtupiſchtai tzéliſchtai

— tei — tei — tei — tei

P. 1. zbudżichmó zaſwużichmó ſtupichmó tzélichmó

2. zbudżiſchcże zaſwużiſchcże ſtupiſchcże tzéliſchcże

2. zbudżichu zaſwużichu ſtupichu tzélichu

3. Die Zeitwörter auf licż mit vorhergehendem Conſonanten — bódlicż
wohnen, móſlicż denken, ſo modlicż beten — nehmen im Imperativ des
Wohllauts wegen ein i an. Z. B. bódli wohne, móſli ſei denke dir, modli
ſo bete.

§. 70. Beiſpiele zur Uebung.

barbicż färben

bėlicż weißen, ſchälen

bledżicż ſchwatzen

bolicż ſchmerzen

bódlicż wohnen

cżiſchcżicż drücken

dajicż würgen

déricż ſchlagen

dlėjicż (dlėſchicż) verlängern

dżėlicż theilen

hajicż hegen

hanicż ſchmähen

honicż treiben

hidżicż haſſen

jėzdżicż fahren

ſo jėtzicż ſchwären

klijicż leimen

krawicż bluten

kṙepicż ſprengen

kulicż kugeln

kupicż kaufen

lubicż verſprechen

mėricż meſſen

moricż tödten

móſlicż denken

palicż brennen

ſo poſcżicż faſten

pożcżicż borgen

pwacżicż gelten

prajicż ſagen

puſchcżicż laſſen

radżicż rathen

rėſchicż ſündigen

rubicż rauben

rudżicż betrüben

ſadżicż ſetzen

ſudżicż richten

ſécżicż ſättigen

ſchumicż brauſen

ſtajicż ſtellen

ſẇecżicż heiligen

ſwėcżicż leuchten

ſwėdzicż zeugen

trubicż tuten

twaricż bauen

tżiſcżicż reinigen

walicż wälzen

waricż kochen

ważicż wiegen (ſo zważicż wagen)

wożicż legen

wotmojicż antworten

wodżicż führen

wrócżicż wenden

wumóżicż erlöſen

wutżicż lehren

żawoſcżicż jammern

ſo żenicż ſich beweiben, heirathen

żiwicż nähren

zhonicż erfahren

zkorżicż klagen

zkomdżicż verſäumen

ſo zkhilicż ſich bücken

§. 71. Vierte Conjugation.

1. Zur vierten Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
ecż und in der 1. Perſon Präſentis am haben.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der vierten Conjugation
eine dauernde (durative) oder eine wiederholte <pb n="166"/>(iterative,
frequentative) Thätigkeit. Letztere können im Deutſchen zuweilen durch
„pflegen“ ausgedrückt werden. Z. B. wón ſo wopija er pflegt ſich zu
betrinken; wón jomu wſcho dowola er pflegt ihm alles zu erlauben.

3. Nur wenige Zeitwörter der vierten Conjugation ſind Stammwörter, wie
z. B. ſwuſchecż gehören, woṅecż duften, mėſchecż miſchen; die meiſten
ſind mit Präpoſitionen zuſammengeſetzt und abgeleitet:

♣a.♠ von Zeitwörtern der dritten Conjugation; z. B.

nawaƀecż anlocken, v. wabicż locken; tzélecż ſchießen, v. tzélicż einen
Schuß thun;

puſchcżecż Holz fällen, v. puſchcżicż laſſen; wopwacżecż belohnen, v.
pwacżicż gelten;

ſadżecż ſetzen, pflanzen, v. ſadżicż ſetzen; ſo zkhilecż ſich beugen, v.
ſo khilicż ſich bücken;

♣b.♠ von Zeitwörtern der ſechsten und neunten Conjugation; z. B.

poiſchecż aufhängen, v. poiſnécż; praſchecż fragen, v. proſécż bitten;

pżinoſchecż herbeitragen, v. noſécż tragen; wuwożecż ausführen, v.
wozécż führen;

♣c.♠ von Zeitwörtern der ſiebenten Conjugation; z. B.

pżipijecż zutrinken, v. picż trinken; roztajecż zerſchmelzen, v. tacż
thauen;

ſo rozkajecż zerknirſcht ſein, v. ſo kacż bereuen; zabijecż
todtſchlagen, v. bicż ſchlagen.

4. Die Abwandlungsform iſt folgende:

Infinitiv.

mėſchecż miſchen.

Präſens.

1. 2. 3.

S. mėſcham mėſcheſch mėſcha

D. mėſchamòi mėſchatai mėſchatai

— tei — tei

P. mėſchamó mėſchecże mėſcheja

mėſcheju

ich miſche u. ſ. w.

<pb n="167"/>

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. mėſchach mėſcheſche mėſcheſche

D. mėſchachmói mėſcheſchtai mėſcheſchtai

— tei — tei

P. mėſchachmó mėſcheſchcże mėſchachu

ich miſchte u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } mėſchaw, a, o

D. ſmói ſtai ſtai } mėſchawoi

ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu } mėſcheli, mėſchawo (e)

ich habe gemiſcht u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } mėſchaw, a, o h. t. d.

bė bė

ich hatte gemiſcht u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } mėſchecż h. t. d.

ich werde miſchen u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — mėſchei mėſchei

D. mėſcheimói mėſcheitai mėſcheitai

— tei — tei

P. mėſcheimó mėſcheicże —

miſche u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. mėſchaczé (mėſchaté), a, e miſchender, einer der miſcht.

Perf. Act. mėſchaw, a, o gemiſcht habend;

♣Nom. plur. rat.♠ mėſcheli.

Perf. Paſſ. mėſchané, a, e gemiſchter, einer der gemiſcht worden iſt;

♣Nom. plur. rat.♠ mėſcheni.

Transgreſſiv.

mėſchejo, mėſcheiczé miſchend, im Miſchen;

mėſchawſchi, gemiſcht habend.

<pb n="168"/>

Verbalhauptwort.

Mėſcheṅo das Miſchen.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóch bó bó } mėſchaw, a, o h. t. d.

ich würde miſchen u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche } mėſchaw, a, o h. t. d.

bėch bėſche bėſche

ich würde gemiſcht haben u. ſ. w.

§. 72. Bemerkungen zur vierten Conjugation.

1. In den Zeitwörtern der vierten Conjugation werden vor e und a die
Buchſtaben b, p, m, n, r, tz und w jotirt. Z. B.

Infinitiv.

woṅecż ẇetżeṙecż

duften zu Abend eſſen

S. 1. woṅam ẇetżeṙam

2. woṅeſch ẇetżeṙeſch

3. woṅa ẇetżeṙa

D. 1. woṅamói ẇetżeṙamói

2. 3. woṅatai ẇetżeṙatai

— tei — tei

P. 1. woṅamó ẇetżeṙamó

2. woṅecże ẇetżeṙecże

3. woṅeja ẇetżeṙeja

Imperfectum.

S. 1. woṅach ẇetżeṙach

2. 3. woṅeſche ẇetżeṙeſche

Participien.

Präſ. Act. woṅaczé, a, e ẇetżeṙaczé, a, e

Perf. Act. woṅaw, a, o ẇetżeṙaw, a, o

Perf. Paſſ. woṅané, a, e ẇetżeṙané, a e

Transgreſſiv.

woṅejo, woṅawſchi ẇetżeṙejo, ẇetżeṙawſchi

2. Die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten Zeitwörter der vierten
Conjugation werfen in der 2. und 3. Perſ. Sing. Imperfecit die Endung
ſche weg und verwandeln das e in a. Z. B.

<pb n="169"/>

Infinitiv.

zmėſchecż ſo zkhilecż porutżecż

vermiſchen ſich beugen befehlen

Imperfectum.

S. 1. zmėſchach zkhilach ſo porutżach

2. zmėſcha zkhila ſo porutża

3. zmėſcha zkhila ſo porutża

3. Im Partic. Perf. Act. und Paſſ. geht im Plural das a vor li und ni in
e über; z. B. mėſcheli, mėſcheni.

§. 73. Beiſpiele zur Uebung.

dokoṅecż (— nacż) vollbringen

haṅecż ſchmähen

kulecż kugeln

matżecż wäſſern

ſo mėṅecż tauſchen

ſo nawożecż ſich angewöhnen

napojecż tränken

ſo poniżecż ſich erniedrigen

ſo pżecżiẇecż ſich entgegenſetzen

ſo pżibliżecż ſich nähern

ſo pżiſpoṙecż ſich vermehren

pżitulecż anſchmiegen

rozwutżecż unterrichten

ſtajecż aufftellen

walecż wälzen

ẇeſchecż henken

wobcżeżecż beſchweren

woprajecż (wopraẇecż) communiciren

wudżėlecż austheilen

wuhajecż aushegen

wupraſchecż ausfragen

zawrócżecż umkehren

zkhadżecż aufgehen

znaṁeṅecż abbilden

§. 74. Fünfte Conjugation.

1. Zur fünften Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
ecż und in der 1. Perſon Präſentis u haben.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der fünften Conjugation
gewöhnlich eine dauernde (durative) Thätigkeit.

3. Die fünfte Conjugation umfaßt viele Zeitwörter, welche den
Naturlauten nachgebildet ſind; z. B. betżecż blöken, mjawtżecż miauen.

4. Die Abwandlungsform iſt folgende:

Infinitiv.

dżerżecż halten.

<pb n="170"/>

Präſens.

1. 2. 3.

S. dżerżu dżerżiſch dżerżi

D. dżerżimói dżerżitai dżerżitai

— tei — tei

P. dżerżimó dżerżicże dżerża

ich halte u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. dżerżach dżerżeſche dżerżeſche

D. dżerżachmói dżerżeſchtai dżerżeſchtai

— tei — tei

P. dżerżachmó dżerżeſchcże dżerżachu

ich hielt u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } dżerżaw, a, o

D. ſmói ſtai ſtai } dżerżawoi

ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu } dżerżeli, dżerżawo (e)

ich habe gehalten u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } dżerżaw, a, o h. t. d.

bė bė

ich hatte gehalten u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } dżerżecż h. t. d.

ich werde halten u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — dżerż dżerż

D. dżerżmói dżerżtai dżerżtai

— tei — tei

P. dżerżmó dżerżcże —

halte u. ſ. w.

<pb n="171"/>

Participien.

Präſ. Act. dżerżaczé (dżerżaté), a, e haltender, einer der hält.

Perf. Act. dżerżaw, a, o gehalten habend;

♣Nom. plur. rat.♠ dżerżeli.

Perf. Paſſ. dżerżané (dżerżené), a, e gehaltener, einer der gehalten
worden iſt;

♣Nom. plur. rat.♠ dżerżeni.

Transgreſſiv.

dżerżo, dżerżiczé haltend im Halten;

dżerżawſchi gehalten habend.

Verbalhauptwert.

Dżerżeṅo das Halten.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bòch bó bó } dżerżaw, a, o h. t. d.

ich würde halten u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche } dżerżaw, a, o h. t. d.

bėch bėſche bėſche

ich würde gehalten haben u. ſ. w.

§. 75. Bemerkungen zur fünften Conjugation.

1. In den Zeitwörtern der fünften Conjug. werden vor u, e und a (dérbu
ausgenommen) die Buchſtaben b, p, m, n, r, tz und w jotirt. Z. B.

Infinitiv.

dérƀecż müſſen.

Präſens. Imperfectum. Participien.

S. 1. dérbu dérbjach Präſ. Act. dérbjaczé, a, e

2. dérbiſch dérƀeſche Perf. Act. dérbjaw, a, o

3. dérbi dérƀeſche ♣Nom. plur. rat.♠ dérƀeli[47]⁾

P. 3. dérbja dérbjachu

<pb n="172"/>

2. Die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten Zeitwörter der ſünften
Conjugation werfen in der 2. und 3. Perſ. Sing. Imperfecti die Endung
ſche weg und verwandeln das e in a. Z. B.

Infinitiv.

wotdżerżecż wuſwóſchecż wubeiżecż

abhalten erhören auslaufen

Imperfectum.

S. 1. wotdżerżach wuſwóſchach wubeiżach

2. wotdżerża wuſwóſcha wubeiża

3. wotdżerża wuſwóſcha wubeiża

3. Im Partic. Perf. Act. und Paſſ. geht im Plural das a vor li und ni in
e über; z. B. dżerżeli, dżerżeni.

4. Das Partic. Perf. Paſſ. hat neben der Endung ané bisweilen noch ené;
z. B. leiżané und leiżené gelegen.

5. Cżerṗecż leiden hat: cżerṗu ich leide; cżerṗew; cżerṗewſchi.

§. 76. Beiſpiele zur Uebung.

ſo bojecż fürchten

beiżecż (bėżecż) laufen

bortżecż brummen

buntżecż klingen

bruntżecż ſchwirren

cżiſchcżecż drängen

kletżecż knieen

klintżecż klingen

kortżecż grunzen

kżitżecż kreiſchen, ſchreien

leiżecż (leżecż) liegen

ṁeltżecż ſchweigen

piſchcżecż weinen

rėſchtżecż greinen

ſeidżecż (ſedżecż) ſitzen

ſéntżecż klingen

ſṁerdżecż ſtinken

ſmortżecż ſchnarchen ſchnauben

ſwóſchecż hören

ſchcżertżecż klirren

ẇercżecż drehen

widżecż ſehen

§. 77. Sechste Conjugation.

1. Zur ſechsten Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
nécż und in der 1. Perſon Präſentis nu haben; ferner die Compoſita von
bòcż, deren Präſens budu lautet.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der ſechsten Conjugation
eine dauernde (durative) oder eine einmalige (momentane) Thätigkeit.
Einige haben eine inchoative Bedeutung; z. B. blėdnécż blaß werden.

3. Die Abwandlungsform iſt folgende:

<pb n="173"/>

Infinitiv. wuknécż lernen.

Präſens.

1. 2. 3.

S. wuknu wukṅeſch wukṅe

D. wukṅemói wukṅetai wukṅetai

— tei — tei

P. wukṅemó wukṅecże wuknu wukṅa

ich lerne u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. wukṅech wukṅeſche wukṅeſche

D. wukṅechmói wukṅeſchtai wukṅeſchta

— tei — tei

P. wukṅechmó wukṅeſchcże wukṅechu

ich lernte u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } wuknéw, a, o

D. ſmói ſtai ſtai } wuknéwoi

ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu } wuknéli, wuknéwo (e)

ich habe gelernt u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } wuknéw, a, o h. t. d.

bė bė

ich hatte gelernt u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } wuknécż h. t. d.

ich werde lernen u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — wuk wuk (wukṅ)

D. wukmói wuktai wuktai

— tei — tei

P. wukmó wukcże —

lerne u. ſ. w.

<pb n="174"/>

Participien.

Präſ. Act. wukṅaczé (wukṅaté), a, e lernender, einer der lernt.

Perf. Act. wuknéw, a, o gelernt habend.

Perf. Paſſ. wukṅené, a, e gelernter, einer der gelernt worden iſt.

Transgreſſiv.

wukṅo, wuknéczé lernend, im Lernen;

wuknéwſchi gelernt habend.

Verbalhauptwort.

Wukṅeṅo das Lernen.

1. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. bóch bò bó } wuknéw, a, o h. t. d.

ich würde lernen u. ſ. w.

2. Subjunctiv.

1. 2. 3.

S. budżech budżeſche budżeſche } wuknéw, a, o h. t. d.

bėch bėſche bėſche,

ich würde gelernt haben u. ſ. w.

Infinitiv. dobócż gewinnen.

Präſens.

1. 2. 3.

S. dobudu dobudżeſch dobudże

D. dobudżemói dobudżetai dobudżetai

— tei — tei

P. dobudżemó dobudżecże dobudu

ich gewinne u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. dobóch dobó dobó

D. dobóchmói dobóſchtai dobóſchtai

— tei — tei

P. dobóchmó dobóſchcże dobóchu

ich gewann u. ſ. w.

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } dobów, a, o h. t. d.

ich habe gewonnen u. ſ. w.

<pb n="175"/>

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } dobów, a, o h. t. d.

bė bė

ich hatte gewonnen u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } dobócż h. t. d.

ich werde gewinnen

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — dobódż dobódż

D. dobódżmói dobódżtai dobódżtai

— tei — tei

P. dobódżmó dobódżcże —

gewinne u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. dobudżaczé (dobudżaté), a, e gewinnender, einer der gewinnt.

Perf. Act. dobów, a, o gewonnen habend.

Perf. Paſſ. dobóté, a, e gewonnener, einer der gewonnen worden iſt;

♣Nom. plur. rat.♠ dobócżi.

Transgreſſiv.

dobudżo gewinnend, im Gewinnen;

dobówſchi gewonnen habend.

Verbalhauptwort.

Dobócżo das Gewinnen.

§. 78. Bemerkungen zur ſechsten Conjugation.

1. Bei den Zeitwörtern der ſechsten Conjugation wird die Infinitivendung
nécż zuweilen auch nucż geſchrieben und geſprochen. Z. B. wuknucż =
wuknécż lernen; minucż = minécż ſchwinden.

2. In den Zeitwörtern der ſechsten Conjugation wird n vor e, a und o
jotirt; z. B. wukṅe, wukṅaczé, wukṅo.

3. Die momentanen Zeitwörter, ſo wie die mit Präpoſitionen
zuſammengeſetzten, bilden ein kurzes Imperfectum auf éch, é u ſ. w. Z.
B.

Infinitiv.

kranécż ſtehlen panécż fallen, nawuknécż

einen Fall thun erlernen

<pb n="176"/>

Imperfectum.

S. 1. kranéch panéch nawuknéch

2. krané pané nawukné

3. krané pané nawukné

D. 1. kranéchmói panéchmói nawuknéchmói

2. 3. kranéſchtai panéſchtai nawuknéſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. kranéchmó panéchmó nawuknéchmó

2. kranéſchcże panéſchcże nawuknéſchcże

3. kranéchu panéchu nawuknéchu

4. Einige momentane Zeitwörter auf nécż, ſo wie einige mit Präpoſitionen
zuſammengeſetzte auf anécż und ahnécż haben neben dem gewöhnlichen
Imperfectum noch ein anderes auf dżech oder żech. Z. B.

Infinitiv.

kranécż (kradnécż) panécż (padnécż) zapżahnécż

ſtehlen fallen anſpannen

Imperfectum.

S. 1. kradżech, krażech padżech, pażech zapżeżech (§. 5.)

2. 3. kradże, kraże padże, paże zapżeże

D. 1. kradżechmói, krażechmói padżechmói, pażechmói zapżeżechmói

2. 3. kradżeſchtai, padżeſchtai, zapżeżeſchtai

— tei — tei — tei

krażeſchtai pażeſchtai

— tei — tei

P. 1. kradżechmó, krażechmó padżechmó, pażechmó zapżeżechmó

2. kradżeſchcże, krażeſchcże padżeſchcże, pażeſchcże zapżeżeſchcże

3. kradżechu, krażechu padżechu, pażechu zapżeżechu

5. Diejenigen Zeitwörter der ſechsten Conjugation, welche vor der
Infinitivendung nécż einen Conſonanten haben — z. B. wuknécż lernen,
dótknécż anrühren, cżiſnécż werfen, haſnécż löſchen — werfen im
Imperativ das (jotirte) ṅ weg. Man ſchreibt und ſpricht: wuk, dótk,
cżis, has. Jene Zeitwörter hingegen, welche vor der Infinitivendung nécż
einen Vocal haben, behalten das jotirte ṅ in allen Formen des
Imperativ's bei. Z. B.

Infinitiv.

doſahnécż panécż fallen ſo ſénécż

erreichen ſich ſetzen

<pb n="177"/>

Imperativ.

S. 2. 3. doſahṅ paṅ ſéṅ ſo

D. 1. doſahṅmói paṅmói ſéṅmói ſo

2. 3. doſahṅtai paṅtai ſéṅtai ſo

— tei — tei — tei —

P. 1. doſahṅmó paṅmó ſéṅmó ſo

2. doſahṅcże paṅcże ſéṅcże ſo

6. Diejenigen Zeitwörter der ſechsten Conjugation, welche vor der
Infinitivendung nécż einen Conſonanten haben, bilden außer dem
regelmäßigen Participium Perf. Act. noch ein kürzeres, indem ſie die
Sylbe né wegwerfen und w, wa, wo an den Stamm anhängen. Z. B.

Infinitiv.

wuknécż dótknécż cżiſnécż

lernen anrühren werfen

Partic. Perf. Act.

♣masc.♠ (wukw) (dótkw) (cżiſw)

♣fem.♠ wukwa dótkwa cżiſwa

♣neutr.♠ wukwo dótkwo cżiſwo

Es iſt jedoch zu bemerken, daß das verkürzte Partic. Perf. Act. im
Maſculino Singularis nicht gebräuchlich iſt.

7. Bei den durativen Zeitwörtern der ſechsten Conjugation, welche vor
der Infinitivendung anécż oder ahnécż ein l, ſch, ż, cż, pż haben, tritt
die im §. 5 angegebene Buchſtabenumwandlung in der Art ein, daß das a in
e übergeht, und zwar im Präſens — mit Ausnahme der 1. Perſ. Sing. und
der 3. Perſ. Plural. —, im Imperfectum, Imperativ, Participium Präſ.
Act. und Perf. Paſſ., in dem kurzen Transgreſſiv auf o und in dem
Verbalhauptworte. Z. B.

Infinitiv. cżahnécż ziehen.

Präſens.

1. 2. 3.

S. cżahnu cżehṅeſch cżehṅe

D. cżehṅemói cżehṅetai cżehṅetai

— tei — tei

P. cżehṅemó cżehṅecże cżahnu

ich ziehe u. ſ. w.

<pb n="178"/>

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. cżehṅech cżehṅeſche cżehṅeſche

D. cżehṅechmói cżehṅeſchtai cżehṅeſchtai

— tei — tei

P. cżehṅechmó cżehṅeſchcże cżehṅechu

ich zog u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — cżehṅ cżehṅ

D. cżehṅmói cżehṅtai cżehṅtai

— tei — tei

P. cżehṅmó cżehṅcże —

ziehe u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. cżehṅaczé (cżehṅaté), a, e ziehender, einer der zieht.

Perf. Act. cżahnéw, a, o gezogen habend.

Perf. Paſſ. cżehṅené, a, e gezogener, einer der gezogen worden iſt.

Transgreſſiv. cżehṅo ziehend, im Ziehen.

Verbalhauptwort. Cżehṅeṅo das Ziehen.

Anm. 1. Die Compoſita der eben genannten Zeitwörter haben im Imperfectum
éch, é oder żech, że (vergl. unter 4.). Z. B.

Infinitiv.

wucżahnécż wupżahnécż

ausziehen ausſpannen

Imperfectum.

S. 1. wucżahnéch, wucżeżech wupżahnéch, wupżeżech

2. 3. wucżahné, wucżeże wupżahné, wupżeże

u. ſ. w.

Anm. 2. Statt ahnécż ſchreibt man auch anécż; z. B. cżanécż.

§. 79. Beiſpiele zur Uebung.

cżeknécż entlaufen

cżiſnécż einen Wurf thun, werfen

doſahnécż erreichen

drapnécż krällen

déchnécż Athem holen

haſnécż löſchen

hibnécż bewegen

hinécż ſchwinden

klaknécż niederknieen

kleſnécż ſchlagen

kuſnécż beißen

linécż gießen

ſo minécż vergehen, ſterben

<pb n="179"/>

móknécż feucht werden

pobrachnécż mangeln

pótnécż gewahr werden

ſo puknécż platzen

pżewinécż überwinden

rabnécż raffen

ṙeknécż ſagen

ſépnécż ſchütten

ſtanécż aufſtehen

torhnécż reißen, einen Riß thun

téknécż ſtecken, ſchieben

tzichnécż nieſen

wuſnécż einſchlafen

wuplunécż ausſpeien

zbėhnécż aufheben

zlaknécż krepiren

zṁerznécż erfrieren

zẇadnécż verwelken

dobócż gewinnen

wotbócż verlieren

zabócż vergeſſen

§. 80. Siebente Conjugation.

1. Zur ſiebenten Conjugation gehören alle einſylbigen Zeitwörter und
deren Compoſita, welche im Infinitiv acż, ecż, écż, ėcż, icż, òcż, ucż
und in der 1. Perſon Präſentis ju haben.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der ſiebenten
Conjugation entweder eine dauernde (durative) oder eine einmalige
(momentane) Thätigkeit.

3. Das Partic. Perf. Paſſ. endigt bei den meiſten Zeitwörtern der
ſiebenten Conjug. auf té, ta, te, ſeltener auf né, na, ne.

4. Die Zeitwörter auf ecż bilden das Partic. Perf. Act. und Paſſ., den
langen Transgreſſiv auf wſchi und in Compoſitis das Imperfectum wie die
Zeitwörter auf acż.

5. Die Abwandlungsform iſt folgende:

Infinitiv.

racż ſpielen.

Präſens.

1. 2. 3.

S. raju rajeſch raje

D. rajemói rajetai rajetai

— tei — tei

P. rajemó rajecże raja

raju

ich ſpiele u. ſ. w.

Imperfectum.

1. 2. 3.

S. rajach rajeſche rajeſche

D. rajachmói rajeſchtai rajeſchtai

— tei — tei

P. rajachmó rajeſchcże rajachu

ich ſpielte u. ſ. w.

<pb n="180"/>

Perfectum.

1. 2. 3.

S. ſém ſé jo } raw, a, o

D. ſmói ſtai ſtai } rawoi

ſtei ſtei

P. ſmó ſcże ſu } rali, rawo (e)

ich habe geſpielt u. ſ. w.

Plusquamperfectum.

1. 2. 3.

S. bėch bėſche bėſche } raw, a, o h. t. d.

bė bė

ich hatte geſpielt u. ſ. w.

Futurum.

1. 2. 3.

S. budu budżeſch budże } racż h. t. d.

ich werde ſpielen u. ſ. w.

Imperativ.

1. 2. 3.

S. — rai rai

D. raimói raitai raitai

— tei — tei

P. raimó raicże —

ſpiele u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. rajaczé, a, e ſpielender, einer der ſpielt.

Perf. Act. raw, a, o geſpielt habend.

Perf. Paſſ. S. raté a, e } geſpielter, einer der geſpielt worden iſt.

D. ratai

P. racżi, rate

Transgreſſiv.

rajo, rajiczé ſpielend, im Spielen;

rawſchi geſpielt habend.

Verbalhauptwort. Racżo das Spielen.

6. Zur leichtern Ueberſicht wollen wir von den Zeitwörtern der ſiebenten
Conjug. die Hauptformen — nämlich den Infinitiv, das Präſens,
Imperfectum, den Imperativ und das Partic. Perf. Act. und Paſſ. — hier
anführen.

<pb n="181"/>

Infinit. Präſ. Imperf. Imperat. Part. Pf. Act. u. Paſſ.

♣a.♠ Infinitiv auf acż.

bacż Mährchen erzählen baju bajach bai baw baté

ſo kacż bereuen kaju kajach kai kaw katé

kracż ſchneiden kraju krajach krai kraw krané

ſacż ſieben ſaju ſajach ſai ſaw ſaté

tacż thauen taju tajach tai taw taté

tkacż weben tkaju tkajach tkai tkaw tkané

tracż dauern traju trajach trai traw traté

twacż modern twaju twajach twai twaw twaté

znacż kennen znaju znajach znai znaw znaté

♣b.♠ Infinitiv auf ecż.

blecż ſich erbrechen bluju blujach blui blaw (bleli) blané

ſo dżecż träumen dżiju dżijach dżij dżaw (dżeli) dżaté

klecż fluchen kliju klijach klij klaw (kleli) klaté

lecż gießen liju lijach lij law (leli) laté

plecż ſpeien pluju plujach plui plaw (pleli) plané

pżecż gönnen pżeju pżejach pżei pżaw (pżeli) pżaté

ſo ſṁecż lachen ſmėju ſmėjach ſmėi ſṁaw (ſṁeli) ſṁaté

♣c.♠ Infinitiv auf écż.

krécż decken kréju kréjach kréi kréw krété

pnécż ſpannen. pnéju pnéjach pnéi pnéw pnété

récż graben réju réjach réi réw rété

ſécż ſäen ſéju ſéjach ſéi ſéw ſété

ſknécż dorren ſknéju ſknéjach ſknéi ſknéw ſkṅené

técż gedeihen téju téjach téi téw tété

żnécż, żṅecż ſicheln żnéju żnéjach żnéi żnéw żnété

♣d.♠ Infinitiv auf ėcż.

(za) dzpėcż verachten dzpėju dzpėjach dzpėi dzpėw dzpėté dzṗaté

drėcż ſchinden drėju drėjach drėi drėw drėté dṙené

<pb n="182"/>

kcżėcż blühen kcżėju kcżėjach kcżėi kcżėw kcżėté kcżené

mlėcż mahlen mlėju mlėjach mlėi mlėw mlené

mrėcż ſterben mrėju mrėjach mrėi mrėw mrėté mṙené

plėcż jäten plėju plėjach plėi plėw plėté

prėcż ſtämmen, läugnen prėju prėjach prėi prėw prėté pṙené

rėcż wärmen rėju rėjach rėi rėw rėté

(pżė) ſtrėcż ausbreiten ſtrėju ſtrėjach ſtrėi ſtrėw ſtrėté ſtṙené

trėcż wiſchen trėju trėjach trėi trėw tṙené

(na) tżrėcż ſchöpfen tżrėju tżrėjach tżrėi tżrėw tżṙené

wėcż wurfeln wėju wėjach wėi wėw wėté

zpėcż ſteigen zpėju zpėjach zpėi zpėw zpėté

(za) wrėcż zumachen wrėju wrėjach wrėi wrėw wṙené

żkrėcż ſchmelzen żkrėju żkrėjach żkrėi żkrėw żkrėté

(pó) żrėcż verſchlucken żrėju żrėjach żrėi żrėw żrėté żṙené

♣e.♠ Infinitiv auf icż.

bicż ſchlagen biju bijach bij biw bité

kcżicż taufen kcżiju kcżijach kcżij kcżiw kcżené

nicż faulen niju nijach nij niw nité

picż trinken piju pijach pij piw pité

ſchicż nähen ſchiju ſchijach ſchij ſchiw ſchité

wicż winden wiju wijach wij wiw wité

żicż heilen żiju żijach żij żiw żité

♣f.♠ Infinitiv auf òcż.

kwócż ſtechen kwóju kwóch kwói kwów kwóté

(♣moment.♠)

mócż waſchen móju mójach mói mów móté

prócż trennen próju prójach prói prów próté

♣g.♠ Infinitiv auf ucż.

ducż blaſen duju dujach dui duw duté

hnucż bewegen hnuju hnujach hnui hnuw hnuté

rucż brüllen ruju rujach rui ruw ruté

tżucż fühlen tżuju tżujach tżui tżuw tżuté

wucż heulen wuju wujach wui wuw wuté

<pb n="183"/>

§. 81. Bemerkungen zur ſiebenten Conjugation.

1. Bei den Zeitwörtern auf ecż tritt im Plural des Partic. Perf. Act.
und Paſſ. die in den §§. 5 und 6 angegebene Buchſtabenumwandlung
dergeſtalt ein, daß das a vor li, ni und cżi in e übergeht. Z. B.

Partic. Pf. Act. Part. Pf. Paſſ. Part. Pf. Paſſ.

S. law, a, o laté, a, e blané, a, e

D. lawoi latai, latei blanai, ei

P. leli, lawo (e) lecżi, late bleni, blane

gegoſſen habend gegoſſen geſpieen

2. Der Imperativ der Zeitwörter auf icż, ſo wie einiger auf ecż, wird ij
geſchrieben, wobei zu bemerken, daß das j in allen Perſonen und Numeris
beibehalten wird. Z. B. pij, pijmói, pijtai, pijmó, pijcże.

3. Alle momentanen Zeitwörter der ſiebenten Conjugation, ſo wie die mit
Präpoſitionen zuſammengeſetzten, haben im Imperfectum eine verkürzte
Form. Es wird nämlich unmittelbar an die offene Stammſylbe ein ch
angehängt, wie folgt:

Infinitiv.

acż ecż écż ėcż

Imperfectum (bei Moment. und Compoſit.).

S. 1. ach ach éch ėch

2. 3. a a é ė

D. 1. achmòi achmói échmòi ėchmói

2. 3. aſchtai eſchtai éſchtai ėſchtai

— tei — tei — tei — tei

P. 1. achmó achmó échmó ėchmó

2. aſchcże eſchcże éſchcże ėſchcże

3. achu achu échu ėchu

Infinitiv.

icż ócż ucż

Imperfectum (bei Moment. und Compoſ.)

S. 1. ich óch uch

2. 3. i ó u

D. 1. ichmói óchmói uchmói

2. 3. iſchtai óſchtai uſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. ichmó óchmó uchmó

2. iſchcże óſchcże uſchcże

3. ichu óchu uchu

<pb n="184"/>

Z. B.

Infinitiv.

pżeracż ſo nadżecż pżikrécż zakcżėcż

verſpielen hoffen zudecken erblühen

Imperfectum.

S. 1. pżerach nadżach pżikréch zakcżėch

2. 3. pżera nadża pżikré zakcżė

D. 1. pżerachmói nadżachmói pżikréchmói zakcżėchmói

2. 3. pżeraſchtai nadżeſchtai pżikréſchtai zakcżėſchtai

— tei — tei — tei — tei

P. 1. pżerachmò nadżachmó pżikréchmó zakcżėchmó

2. pżeraſchcże nadżeſchcże pżikréſchcże zakcżėſchcże

3. pżerachu nadżachu pżikréchu zakcżėchu

Infinitiv.

wupicż pżekwócż wobucż

austrinken durchſtechen anziehen

Imperfectum.

S. 1. wupich pżekwóch wobuch

2. 3. wupi pżekwó wobu

D. 1. wupichmói pżekwóchmói wobuchmói

2. 3. wupiſchtai pżekwóſchtai wobuſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. wupichmó pżekwóchmó wobuchmó

2. wupiſchcże pżekwóſchcże wobuſchcże

3. wupichu pżekwóchu wobuchu

Anm. 1. Von ſo nadżecż (hoffen) heißt das Imperfectum auch: nadżijach,
nadżija u. ſ. w.[48]⁾ Ebenjo: popżejach und popżach (ich gönnte).

Anm. 2. Bei den Compoſitis von ſo ſṁecż (lachen) bleibt im Imperfectum
das m jotirt; z. B. wuſṁach, wuſṁa.

Anm. 3. Wobucż (anziehen) und wuzucż (ausziehen) werden von Stiefeln,
Schuhen, Strümpfen und dergleichen Fußbekleidungen gebraucht. An den
Leib anziehen heißt: woblecz, woblekacż; ausziehen: wuſlecz, wuſlekacż.

4. Einige Zeitwörter der ſiebenten Conjugation auf écż, ėcż, ecż, icż
und ócż haben im Präſens, Imperfectum und bisweilen auch im Imperativ
und in dem Transgreſſiv auf o neben der längern noch eine kürzere, oder
eine durch Verſchiebung der Buchſtaben neugebildete Form. Z. B.

<pb n="185"/>

♣a.♠ Zeitwörter auf écż.

Infinitiv.

pnécż ſknécż żnécż (żṅecż)

ſpannen dorren mähen, ſicheln

Präſens.

S. 1. pnu ſknu żnu

2. pṅeſch ſkṅeſch żṅeſch

3. pṅe ſkṅe żṅe

D. 1. pṅemói ſkṅemói żṅemói

2. 3. pṅetai ſkṅetai żṅetai

— tei — tei — tei

P. 1. pṅemó ſkṅemó żṅemó

2. pṅecże ſkṅecże żṅecże

3. pnu ſknu żnu

Imperfectum.

— S. 1. ſkṅech —

2. 3. ſkṅeſche u. ſ. w.

♣b.♠ Zeitwörter auf ėcż und ecż.

Infinitiv.

zadzpėcż wumṙecż mlėcż

verachten (Compoſ. v. mrėcż) ſterben mahlen

Präſens.

S. 1. zadzṗu wumru ṁelu (ṁewu)

2. zadzpėſch wumṙeſch ṁeleſch

3. zadzpė wumṙe ṁele

D. 1. zadzpėmói wumṙemói ṁelemói

2. 3. zadzpėtai wumṙetai ṁeletai

— tei — tei — tei

P. 1. zadzpėmó wumṙemó ṁelemó

2. zadzpėcże wumṙecże ṁelecże

3. zadzṗa wumru ṁelu

Imperfectum.

S. 1. zadzpėch wumṙech ṁelach (— ech)

2. 3. zadzpė wumṙe ṁeleſche

D. 1. zadzpėchmòi wumṙechmói ṁelachmói

2. 3. zadzpėſchtai wumṙeſchtai ṁeleſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. zadzpėchmó wumṙechmó ṁelachmó

2. zadzpėſchcże wumṙeſchcże ṁeleſchcże

3. zadzpėchu wumṙechu ṁelachu

<pb n="186"/>

Imperativ.

(zadzṗ) (wumṙ) ṁel

zadzpi, zadzpėi wumrėi

Participien.

Präſ. Act. zadzṗaczé wumṙaczé ṁelaczé

Perf. Act. zadzpėw wumṙew mlėw

Perf. Paſſ. zadzpėté wumṙeté mlené

zadzṗaté

Transgreſſiv auf o.

zadzṗo wumṙo (mrėjo) ṁelo

Anm. 1. Nach zadzpėcż gehen: dodzpėcż erreichen, pżidzpėcż zurechnen,
beimeſſen.

Anm. 2. Nach wumṙecż gehen: die Compoſita von drėcż ſchinden, prėcż
leugnen, trėcż wiſchen, tżrėcż ſchöpfen; ferner: kcżėcż blühen (Imperf.
kcżech, kcżeſche), póżṙecż (— ėcż) verſchlucken, pżėſtṙecż (— ėcż)
ausbreiten, zawrėcż zuſchließen.

Anm. 3. Die Compoſita von mlėcż haben im Imperfectum die verkürzte Form
auf ėch, ė; z. B. rozmlėch, rozmlė (ich zermalmte).

♣c.♠ Zeitwörter auf icż.

Infinitiv. kcżicż taufen.

Präſens. Imperfectum. Imperat.

S. 1. kcżu kcżich —

2. kcżiſch kcżiſche kcżij

3. kcżi kcżiſche kcżij

D. 1. kcżimói kcżichmói kcżijmói

2. 3. kcżitai kcżiſchtai kcżijtai

— tei — tei — tei

P. 1. kcżimó kcżichmó kcżijmó

2. kcżicże kcżiſchcże kcżijcże

3. kcża kcżichu —

♣d.♠ Zeitwörter auf òcż.

Infinitiv.

kwócż pròcż rozprócż

ſtechen trennen zertrennen

<pb n="187"/>

Präſens.

S. 1. kolu poru, pru rozporu, rozpru

2. koleſch poṙeſch, pṙeſch rozpoṙeſch

3. kole poṙe, pṙe rozpoṙe

D. 1. kolemói poṙemói, pṙemói rozpoṙemói

2. 3. koletai poṙetai, pṙetai rozpoṙetai

— tei — tei — tei — tei

P. 1. kolemó poṙemó, pṙemó rozpoṙemó

2. kolecże poṙecże, pṙecże rozpoṙecże

3. kolu poru, pru rozpoṙu

Imperfectum.

S. 1. kwóch poṙech, pṙech rozpróch

2. 3. kwó poṙeſche, pṙeſche rozpró

D. 1. kwóchmói poṙechmói, pṙechmói rozpróchmói

2. 3. kwóſchtai poṙeſchtai, pṙeſchtai rozpróſchtai

— tei — tei, — tei — tei

P. 1. kwóchmó poṙechmó, pṙechmó rozpróchmó

2. kwóſchcże poṙeſchcże, pṙeſchcże rozpróſchcże

3. kwóchu poṙechu, pṙechu rozpróchu

Imperativ.

kol poṙ rozpoṙ

Transgreſſiv auf o.

kolo poṙo rozpoṙo

§. 82. Achte Conjugation.

1. Zur achten Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
ſcz, zcz oder cz[49]⁾, und in der 1. Perſon Präſentis du, tu, ſtu, ſu,
zu oder ku (d. h. als Stammconſonanten d, t, ſt, ſ, z oder k) haben.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der achten Conjugation
entweder eine dauernde (durative), oder eine einmalige (momentane)
Thätigkeit.

3. Die in den §§. 5 und 6 angegebene Buchſtabenumwandlung tritt in der
achten Conjugation ein, indem die Stammconſonanten d in dż, t in cż, ſt
in ſcż, k in tż übergehen; bei einigen Zeitwörtern auch a in e.

<pb n="188"/>

4. Die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten Zeitwörter der achten Conjug.
werfen in der 2. und 3. Perſ. Singul. Imperfecti die Endung ſche weg. Z.
B. nakwadżech ich legte auf, nakwadże; wuſletżech ich zog aus, wuſletże.

5. Der lange Transgreſſiv auf wſchi iſt bei den Zeitwörtern der achten
Conjugation wenig gebräuchlich. Vergl. §. 58, 2, Anm.

6. Die Abwandlungsform iſt folgende:

♣I.♠ Infinitiv auf ſcz (ſcż).

1. Stammconſonant d.

Infinitiv.

kwaſcz ẇeſcz pżaſcz

legen führen ſpinnen

Präſens.

S. 1. kwadu ẇedu pżadu

2. kwadżeſch ẇedżeſch pżedżeſch

3. kwadże ẇedże pżedże

D. 1. kwadżemói ẇedżemói pżedżemói

2. 3. kwadżetai ẇedżetai pżedżetai

— tei — tei — tei

P. 1. kwadżemó ẇedżemó pżedżemó

2. kwadżecże ẇedżecże pżedżecże

3. kwadu ẇedu pżadu

ich lege ich führe ich ſpinne u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. kwadżech ẇedżech pżedżech

2. 3. kwadżeſche ẇedżeſche pżedżeſche

D. 1. kwadżechmói ẇedżechmói pżedżechmói

2. 3. kwadżeſchtai ẇedżeſchtai pżedżeſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. kwadżechmó ẇedżechmó pżedżechmó

2. kwadżeſchcże ẇedżeſchcże pżedżeſchcże

3. kwadżechu ẇedżechu pżedżechu

ich legte ich führte ich ſpann u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — — —

2. 3. kwadż ẇedż pżedż

D. 1. kwadżmói ẇedżmói pżedżmói

2. 3. kwadżtai ẇedżtai pżedżtai

— tei — tei — tei

P. 1. kwadżmó ẇedżmó pżedżmó

2. kwadżcże ẇedżcże pżedżcże

lege führe ſpinne u. ſ. w.

<pb n="189"/>

Participien.

Präſ. Act. kwadżaczé a, e ẇedżaczé, a, e pżedżaczé, a, e

Perf. Act. S. kwad (kwadw), ẇed (ẇedw) pżad (pżadw)

kwadwa, ẇedwa, pżadwa, wo

kwadwo ẇedwo

D. kwadwoi ẇedwoi pżadwoi

P. kwadli, wo (e) ẇedli, wo (e) pżadli, wo (e)

Perf. Paſſ. kwadżené, a, e ẇedżené, a, e pżedżené, a, e

Transgreſſiv.

kwadżo ẇedżo pżedżo

legend führend ſpinnend

(kwadżiwſchi) (ẇedżiwſchi) (pżedżiwſchi)

Verbalhauptwort.

Kwadżeṅo Ẇedżeṅo Pżedżeṅo

das Legen das Führen das Spinnen

Anm. Ebenſo geht: boſcz mit Hörnern ſtoßen.

2. Stammconſonant t.

Infinitiv.

ṁaſcz ṁeſcz pleſcz

drücken, quetſchen kehren flechten

Präſens.

S. 1. ṁatu ṁetu pletu

2. ṁecżeſch ṁecżeſch plecżeſch

3. ṁecże ṁecże plecże

D. 1. ṁecżemói ṁecżemói plecżemói

2. 3. ṁecżetai ṁecżetai plecżetai

— tei — tei — tei

P. 1. ṁecżemó ṁecżemó plecżemó

2. ṁecżecże ṁecżecże plecżecże

3. ṁatu ṁetu pletu

ich drücke ich kehre ich flechte u. ſ. w.

Imperfectum

S. 1. ṁecżech ṁecżech plecżech

2. 3. ṁecżeſche ṁecżeſche plecżeſche

D. 1. ṁecżechmói ṁecżechmói plecżechmói

2. 3. ṁecżeſchtai ṁecżeſchtai plecżeſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. ṁecżechmó ṁecżechmó plecżechmó

2. ṁecżeſchcże ṁecżeſchcże plecżeſchcże

3. ṁecżechu ṁecżechu plecżechu

ich drückte ich kehrte ich flocht u. ſ. w.

<pb n="190"/>

Imperativ.

S. 1. — — —

2. 3. ṁecż ṁecż plecż

D. 1. ṁecżmói ṁecżmói plecżmói

2. 3. ṁecżtai ṁecżtai plecżtai

— tei — tei — tei

P. 1. ṁecżmó ṁecżmó plecżmó

2. ṁecżcże ṁecżcże plecżcże

drücke kehre flechte u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. ṁecżaczé a, e ṁecżaczé, a, e plecżaczé, a, e

Perf. Act. S. ṁat (ṁatw), ṁet (ṁetw) plet (pletw)

ṁatwa, wo ṁetwa, wo pletwa, wo

D. ṁatwoi ṁetwoi pletwoi

P. ṁatli, wo (e) ṁetli, wo (e) pletli, wo (e)

Perf. Paſſ. ṁecżené, a, e ṁecżené, a, e plecżené, a, e

Transgreſſiv.

ṁecżo ṁecżo plecżo

drückend kehrend flechtend

(ṁecżiwſchi) (ṁecżiwſchi) (plecżiwſchi)

Verbalhauptwort.

Ṁecżeṅo Ṁecżeṅo Plecżeṅo

das Drücken das Kehren das Flechten

3. Stammconſonant ſt.

Infinitiv. roſcz wachſen.

Präſens. Imperfectum. Imperativ.

S. 1. roſtu roſcżech —

2. roſcżeſch roſcżeſche roſcż

3. roſcże roſcżeſche roſcż

D. 1. roſcżemói roſcżechmói roſcżmói

2. 3. roſcżetai roſcżeſchtai roſcżtai

— tei — tei — tei

P. 1. roſcżemó roſcżechmó roſcżmó

2. roſcżecże roſcżeſchcże roſcżcże

3. roſtu roſcżechu —

ich wachſe u. ſ. w. ich wuchs u. ſ. w. wachſe u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. roſcżaczé (roſcżaté), a, e

Perf. Act. S. roſt (roſtw), roſtwa, roſtwo

D. roſtwoi

P. roſtli, roſtwo (e)

<pb n="191"/>

Transgreſſiv.

roſcżo wachſend (roſcżiwſchi).

Verbalhauptwort. Roſcżeṅo das Wachſen.

4. Stammconſonant ſ.

ṅeſcz paſcz tżaſcz

tragen hüten ſchütteln

Präſens.

S. 1. ṅeſu paſu tżaſu

2. ṅeſeſch paſeſch tżaſeſch

3. ṅeſe paſe tżaſe

D. 1. ṅeſemói paſemói tżaſemói

2. 3. ṅeſetai paſetai tżaſetai

— tei — tei — tei

P. 1. ṅeſemó paſemó tżaſemó

2. ṅeſecże paſecże tżaſecże

3. ṅeſu paſu tżaſu

ich trage ich hüte ich ſchüttle u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. ṅeſech paſech tżaſech

2. 3. ṅeſeſche paſeſche tżaſeſche

D. 1. ṅeſechmói paſechmói tżaſechmói

2. 3. ṅeſeſchtai paſeſchtai tżaſeſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. ṅeſechmò paſechmó tżaſechmó

2. ṅeſeſchcże paſeſchcże tżaſeſchcże

3. ṅeſechu paſechu tżaſechu

ich trug ich hütete ich ſchüttelte u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — — —

2. 3. ṅes pas tżas

D. 1. ṅeſmói paſmói tżaſmói

2. 3. ṅeſtai paſtai tżaſtai

— tei — tei — tei

P. 1. ṅeſmó paſmó tżaſmó

2. ṅeſcże paſcże tżaſcże

trage hüte ſchüttele u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. ṅeſeczé (té), a, e paſeczé (té), a, e tżaſeczé (té), a, e

Perf. Act. S. ṅes (ṅeſw), pas (paſw) tżas (tżaſw),

ṅeſwa, wo paſwa, wo tżaſwa, wo

D. ṅeſwoi paſwoi tżaſwoi

P. ṅeſli, wo (e) paſli, wo (e) tżaſli, wo (e) e

Perf. Paſſ. ṅeſené, a, e paſené, a, e tżaſené, a,

<pb n="192"/>

Transgreſſiv.

ṅeſo paſo tżaſo

tragend hütend ſchüttelnd

(ṅeſéwſchi) (paſéwſchi) (tżaſéwſchi)

Verbalhauptwort.

Ṅeſeṅo Paſeṅo Tżaſeṅo

das Tragen das Hüten das Schütteln

5. Stammconſonant z.

ẇezcz lėzcz wulėzcz

fahren kriechen auskriechen

Präſens.

S. 1. ẇezu lėzu wulėzu

2. ẇezeſch lėzeſch wulėzeſch

3. ẇeze lėze

D. 1. ẇezemòi lėzemói

2. 3. ẇezetai lėzetai

— tei — tei

P. 1. ẇezemó lėzemó

2. ẇezecże lėzecże

3. ẇezu lėzu

ich fahre ich krieche ich krieche aus u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. ẇezech lėzech wulėzech

2. 3. ẇezeſche lėzeſche wulėze

D. 1. ẇezechmói lėzechmói wulėzechmói

2. 3. ẇezeſchtai lėzeſchtai

— tei — tei

P. 1. ẇezechmó lėzechmó

2. ẇezeſchcże lėzeſchcże

3. ẇezechu lėzechu

ich fuhr ich kroch ich kroch aus u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — — —

2. 3. ẇez lėz wulėz

D. 1. ẇezmói lėzmói

2. 3. ẇeztai lėztai

— tei — tei

P. 1. ẇezmó lėzmò

2. ẇezcże lėzcże

fahre krieche krieche aus u. ſ. w.

<pb n="193"/>

Participien.

Präſ. Act. ẇezeczé (té) a, e lėzeczé (té) a, e wulėzeczé (té), a, e

Perf. Act. S. ẇez (ẇezw), lėz (lėzw),

ẇezwa, wo lėzwa, wo

D. ẇezwoi lėzwoi

P. ẇezli, wo (e) lėzli, wo (e)

Perf. Paſſ. ẇezené, a, e lėzené, a, e

Transgreſſiv.

ẇezo lėzo wulėzo

fahrend kriechend auskriechend

(ẇezéwſchi) (lėzéwſchi) (wulėzéwſchi)

Verbalhauptwort.

Ẇezeṅo Lėzeṅo Wulėzeṅo

das Fahren das Kriechen das Auskriechen

Anm. Die ♣Verba simplicia♠ mit den Stammconſonanten ſ und z werden von
Einigen im Imperfectum auch éch, éſche u. ſ. w. geſchrieben. Z. B.
paſéch, paſéſche; ẇezéch, ẇezéſche.

♣II.♠ Infinitiv auf cz (ſcz, ſcż).

Stammconſonant k.

Infinitiv.

ṗecz (ṗeſcż) lacz (laſcż)

backen Schlingen legen

Präſens.

S. 1. ṗeku laku

2. ṗetżeſch letżeſch

3. ṗetże letże

D. 1. ṗetżemói letżemói

2. 3. ṗetżetai letżetai

— tei — tei

P. 1. ṗetżemó letżemó

2. ṗetżecże letżecże

3. ṗeku laku

ich backe ich lege Schlingen u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. ṗetżech letżech

2. 3. ṗetżeſche letżeſche

D. 1. ṗetżechmói letżechmói

2. 3. ṗetżeſchtai letżeſchtai

— tei — tei

<pb n="194"/>

P. 1. ṗetżechmó letżechmó

2. ṗetżeſchcże letżeſchcże

3. ṗetżechu letżechu

ich buk ich legte Schlingen u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — —

2. 3. ṗetż letż

D. 1. ṗetżmói letżmói

2. 3. ṗetżtai letżtai

— tei — tei

P. 1. ṗetżmó letżmó

2. ṗetżcże letżcże

backe lege Schlingen u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. ṗetżaczé (té), a, e letżaczé (té), a, e

Perf. Act. S. ṗek (ṗekw), lak (lakw),

ṗekwa, wo lakwa, wo

D. ṗekwoi lakwoi

P. ṗekli, wo (e) lakli, wo (e)

Perf. Paſſ. ṗetżené, a, e letżené, a, e

Transgreſſiv.

ṗetżo letżo

backend Schlingen legend

(ṗetżiwſchi) (letżiwſchi)

Verbalhauptwort.

Ṗetżeṅo Letżeṅo

das Backen das Schlingenlegen

Anm. Ebenſo gehen: cżecz tröpfeln (cżeku); ſo lacz Aehren bekommen; lecz
ſchleppen (woblecz Kleider anziehen, wuſlecz Kleider ausziehen); ſécz
mit der Senſe mähen; towcz ſtampfen.

§. 83. Neunte Conjugation.

1. Zur neunten Conjugation gehören alle Zeitwörter, welche im Infinitiv
zécż oder ſécż und in der 1. Perſon Präſentis żu oder ſchu haben.

2. Der Bedeutung nach bezeichnen die Zeitwörter der neunten Conjugation
entweder eine dauernde (durative) oder eine einmalige (momentane)
Thätigkeit.

3. Die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten Zeitwörter der neunten
Conjugation bilden das Imperfectum auf éch, é u. ſ. w

4. Die Abwandlungsform iſt folgende:

<pb n="195"/>

Infinitiv.

rozécż proſécż wuproſécż

drohen bitten ausbitten

Präſens.

S. 1. rożu proſchu wuproſchu

2. rozéſch proſéſch wuproſéſch

3. rozé proſé wuproſé

D. 1. rozémói proſémói wuproſémói

2. 3. rozétai proſétai

— tei — tei

P. 1. rozémò proſémó

2. rozécże proſécże

3. roża proſcha

ich drohe ich bitte ich bitte aus u. ſ. w

Imperfectum.

S. 1. rożach proſchach wuproſéch

2. 3. rożeſche proſcheſche wuproſé

D. 1. rożachmói proſchachmói wuproſéchmói

2. 3. rożeſchtai proſcheſchtai wuproſéſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. rożachmó proſchachmó wuproſéchmó

2. rożeſchcże proſcheſchcże wuproſéſchcże

3. rożachu proſchachu wuproſéchu

ich drohete ich bat ich bat aus u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — — —

2. 3. roż proſch wuproſch

D. 1. rożmói proſchmói wuproſchmòi

2. 3. rożtai proſchtai

— tei — tei

P. 1. rożmó proſchmó

2. rożcże proſchcże

drohe bitte bitte aus u. ſ. w

Participien.

Präſ. Act. rożaczé (té) a, e proſchaczé, a, e wuproſchaczé, a, e

Perf. Act. S. rozéw, a, o proſéw, a, o

D. rozéwoi proſéwoi

P. rozéli, wo (e) proſéli, wo (e)

Perf. Paſſ. rożené, a, e proſchené, a, e

Transgreſſiv.

rożo, rozéczé proſcho, proſéczé wuproſcho, wuproſéczé

drohend bittend ausbittend

rozéwſchi proſéwſchi wuproſéwſchi

gedroht habend gebeten habend ausgebeten habend

<pb n="196"/>

Verbalhauptwort.

Rożeṅo Proſcheṅo Wuproſcheṅo

das Drohen das Bitten das Ausbitten

Anm. Ebenſo gehen: duſécż erſticken; kazécż verderben; noſécż tragen;
razécż ſchlagen; wazécż kriechen; wozécż fahren.

§. 84. Unregelmäßige Zeitwörter (♣Verba irregularia♠).

1. Unregelmäßige Zeitwörter nennt man diejenigen, welche nicht nach
einer der neun Conjugationen regelmäßig gebildet werden. Die
unregelmäßigen Zeitwörter entlehnen ihre Formen bald aus verſchiedenen
Conjugationen, bald aus verſchiedenen, zum Theil veralteten
Wurzelſylben, bald ſind die Unregelmäßigkeiten nur ſcheinbar, indem ſie
Abkürzungen ſind, die in dem wendiſchen Sprachorganismus ihren Grund
haben.

2. Wir werden die unregelmäßigen Zeitwörter nach der Endung ihrer
Infinitive eintheilen in unregelmäßige Zeitwörter auf acż, icż, ecż,
ėcż, écż, ſcz (ſcż) und cz.

3. Alle hier nicht angegebenen Formen werden regelmäßig gebildet.

1. Infinitiv auf acż.

1. dacż geben.

Präſens. Imperfectum. Imperativ.

S. 1. dam dach —

2. daſch daſche, da dai

3. da daſche, da dai

D. 1. damói dachmói daimói

2. 3. datai daſchtai daitai

— tei — tei — tei

P. 1. damó dachmó daimó

2. dacże daſchcże daicże

3. dadża dachu —

ich gebe ich gab gieb u. ſ. w.

Participien.

Perf. Act. S. daw, dawa, dawo

Perf. Paſſ. daté, data, date

♣Nom. plur. rat.♠ dacżi.

<pb n="197"/>

Anm. 1. Das Partic. Präſ. Act. und der kurze Transgreſſiv auf o ſind von
dacż ungebräuchlich.

Anm. 2. Dacż als momentanes Zeitwort hat das verkürzte Imperfectum dach,
da. Ebenſo haben die Compoſita von dacż (podacż darreichen, begeben;
pżedacż verkaufen; pżidacż zugeben; wodacż verzeihen; wudacż ausgeben;
zawdacż vergeben) in der 2. und 3. Perſon Singul. Imperfecti die kürzere
Form. Ausgenommen: ſo zdacż ſcheinen, welches in der 3. Perſ. Sing.
Imperf. zdaſche ſo heißt.

2. ṅechacż nicht wollen.

Dieſes Zeitwort geht nach der erſten Conjugation regelmäßig; nur die 3.
Perſ. Plur. Präſentis lautet: ṅechadża.

3. ſchcżwacż hetzen; 4. żwacż kauen.

Präſens. Imperfectum.

S. 1. ſchcżuju żuju ſchcżujach żujach

2. ſchcżujeſch żujeſch ſchcżujeſche żujeſche

3. ſchcżuje żuje ſchcżujeſche żujeſche

ich hetze kaue ich hetzte kauete u. ſ. w.

nach der 7. Conjugation.

Imperativ. Participien.

ſchcżui żui Perf. Act. ſchcżwaw żwaw, a, o

hetze kaue Perf. Paſſ. ſchcżwané żwané, a, e

5. bracż nehmen; 6. pracż ſchlagen;

7. żracż freſſen; 8. ſracż ♣cacare.♠

Präſens.

S. 1. beru ṗeru żeru ſeru

2. beṙeſch ṗeṙeſch żeṙeſch ſeṙeſch

3. beṙe ṗeṙe żeṙe ſeṙe

ich nehme ſchlage freſſe u. ſ. w.

nach der 6. Conjugation.

Imperfectum.

S. 1. beṙech ṗeṙech żeṙech ſeṙech

2. 3. beṙeſche ṗeṙeſche żeṙeſche ſeṙeſche

nach der 6. Conjugation.

Imperfectum in Compoſitis.

S. 1. nabrach zprach pożrach naſrach

2. 3. nabra zpra pożra naſra

ich nahm an zerſchlug verſchlang u. ſ. w.

nach der 1. Conjugation.

<pb n="198"/>

Imperativ.

beṙ ṗeṙ żeṙ ſeṙ

Participien.

Präſ. Act. beṙaczé (té) — żeṙaczé (té) ſeṙaczé (té), a, e

Pf. Act. S. braw praw żraw ſraw, a, o

P. brali prali żrali ſrali

Perf. Paſſ. brané prané żrané ſrané, a, e

Transgreſſiv.

beṙo ṗeṙo żeṙo ſeṙo

brawſchi prawſchi żrawſchi ſrawſchi

9. ſpacż ſchlafen.

Präſens. Imperfectum. Imperativ.

S. 1. ſṗu (ſpju) ſpach wuſpach ſpi, ſpimói, ſpitai,

2. ſpiſch ſpaſche wuſpa ſpitei, ſpimó, ſpicże

3. ſpi ſpaſche wuſpa ſchlafe u. ſ. w.

D. 1. ſpimói ſpachmói Participien.

2. 3. ſpitai ſpaſchtai Präſ. Act. ſṗaczé (ſpjaczé), a, e

— tei — tei

P. 1. ſpimó ſpachmó Perf. Act. ſpaw, a, o

2. ſpicże ſpaſchcże Pf. Paſſ. ſpané, a, e

3. ſṗa (ſpja) ſpachu Transgreſſiv.

ich ſchlafe ſchlief ſchlief aus u. ſ. w. ſṗo (ſpjo), ſpiczé ſpawſchi

10. ſtacż (ſtojecż, ſtejecż) ſtehen.

Präſens. Imperfectum.

S. 1. ſtoju, ſteju ſtojach, ſtejach

2. ſtojiſch, ſtejiſch ſtojeſche, ſtejeſche

3. ſtoji, ſteji ſtojeſche, ſtejeſche

ich ſtehe u. ſ. w. ich ſtand u. ſ. w.

nach der 3. Conjugation.

Imperativ. Participien.

S. 1. — Präſ. Act. ſtojaczé, ſtejaczé

2. 3. ſtoi, ſtei (té), a, e

D. 1. ſtoimói, ſteimói Perf. Act. ſtaw, a, o

2. 3. ſtoitai, ſteitai Perf. Paſſ. ſtaté, a, e

— tei, — tei Transgreſſiv.

P. 1. ſtoimó, ſteimó ſtojo, ſtejo

2. ſtoicże, ſteicże ſtawſchi

Anm. Ebenſo gehen (auch im Imperfectum): pżiſtacż anſtehen; wobſtacż
beſtehen; ſo wuſtacż ſich auf etwas verſtehen; zaſtacż verrichten.

<pb n="199"/>

11. ſo ſtacż geſchehen.

Präſens. Imperfectum. Imp. in Compoſ.

S. 1. ſtanu ſtach dóſtach

2. ſtaṅeſch ſta dóſta

3. ſtaṅe ſta dóſta

D. 1. ſtaṅemói ſtachmói dȯſtachmói

2. 3. ſtaṅetai ſtaſchtai dȯſtaſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. ſtaṅemȯ ſtachmó dóſtachmó

2. ſtaṅecże ſtaſchcże dóſtaſchcże

3. ſtanu ſtachu dóſtachu

ich erhielt u. ſ. w.

Imperativ. Participien.

S. 1. — Präſ. Act. in Compoſ. dóſtaczé, a, e

2. 3. ſtaṅ Perf. Act. ſtaw, a, o

D. 1. ſtaṅmói Perf. Paſſ. ſtaté, a, e

2. 3. ſtaṅtai Transgreſſiv.

— tei ſtawſchi

P. 1. ſtaṅmó

2. ſtaṅcże

Anm. Ebenſo gehen: dóſtacż erhalten, empfangen; naſtacż entſtehen,
werden; pżeſtacż aufhören; woſtacż bleiben; wuſtacż ausſtehen; zaſtacż
ſtill halten, ſtehen bleiben.

12. ſwacż ſchicken, ſtreuen.

Präſens. Imperfectum. Imp. in Comp.

S. 1. ſczelu (ſczewu) ſczelech póſwach

2. ſczeleſch ſczeleſche póſwa

3. ſczele[50]⁾ ſczeleſche póſwa

D. 1. ſczelemói ſczelechmói pȯſwachmȯi

2. 3. ſczeletai ſczeleſchtai póſwaſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. ſczelemó ſczelechmȯ póſwachmó

2. ſczelecże ſczeleſchcże póſwaſchcże

3. ſczelu (ſczewu) ſczelechu póſwachu

ich ſchicke ſchickte ſandte u. ſ. w.

Imperativ. Participien.

S. 1. — Präſ. Act. ſczelaczé (té), a, e

2. 3. ſczel Perf. Act. ſwaw, a, o

D. 1. ſczelmói Perf. Paſſ. ſwané, a e

2. 3. ſczeltai Transgreſſiv.

— tei ſczelo

P. 1. ſczelmó ſwawſchi, ſczeliwſchi

2. ſczelcże

<pb n="200"/>

13. whacż (wżecż, bżecż) lügen.

Präſens. Imperfectum. Imperf. in Compoſ.

S. 1. wżu (bżu) wżach, whajach zewżach, wobowhach

2. wżiſch wżeſche, whajeſche zewża, wobowha

3. wżi[51]⁾ wżeſche, whajeſche zewża, wobowha

nach der 7. Conjugation.

D. 1. wżimói wżachmói zewżachmói, wobowhachmói

2. 3. wżitai wżeſchtai zewżeſchtai,

— tei

— tei — tei wobowhaſchtai

— tei

P. 1. wżimó wżachmó zewżachmó, wobowhachmȯ

2. wżicże wżeſchcże zewżeſchcże, wobowhaſchcże

3. wża, wżeja wżachu zewżachu, wobowhachu

ich lüge log belog u. ſ. w.

Imperativ. Participien.

S. 1. — Präſ. Act. wżaczé, a, e

2. 3. wżi, whai Perf. Act. whaw, wżaw, a, e

in Comp.: zewż, wobowhai ♣Plur. rat.♠ whali, wżeli

D. 1. wżimói Perf. Paſſ. whané, a, e

2. 3. wżitai Transgreſſiv.

— tei whajo, wżijo

P. 1. wżimó whawſchi

2. wżicże

14. wzacż nehmen.

Präſens. Imperfectum. Imperativ.

S. 1. wozmu wzach —

2. wozṁeſch wza woz, wzmi

3. wozṁe wza woz, wzmi

D. 1. wozṁemói wzachmói wozmói, wzmimȯi

2. 3. wozṁetai wzaſchtai woztai, wzmitai

— tei — tei — tei — tei

P. 1. wozṁemó wzachmó wozmó, wzmimó

2. wozṁecże wzaſchcże wozcże, wzmicże

3. wozmu wzachu —

ich nehme nahm nimm u. ſ. w.

Participien. Transgreſſiv.

Perf. Act. wzaw, a, o wozṁo, wzmiczé

Perf. Paſſ. wzaté, a, e wzawſchi

<pb n="201"/>

Anm. Außer wozmu iſt noch das Präſens woznu, wozṅeſch, das Imperfectum
woznéch, wozné und der Transgreſſiv woznéwſchi im Gebrauch (von
woznécż).

2. Infinitiv auf icż.

15. ſo dlicż ſich in die Länge ziehen; 16. ſo dnicż tagen;

17. ſo tżmicż finſter werden.

Präſens.

S. 1. dlu dṅu tżṁu

2. dliſch dniſch tżmiſch

3. dli dni tżmi

ich verziehe tage werde finſter u. ſ. w.

nach der 3. Conjugation.

Imperfectum.

S. 1. dlich dnich tżmich, zatżmich

2. 3. dliſche dniſche tżmiſche, zatżmi

Imperativ.

dli dni tżmi

Participien.

Perf. Act. dliw, a, o dniw, a, o tżmiw, a, o

Perf. Paſſ. dlené, a, e — zatżmité, a, e

dlité, a, e

Transgreſſiv.

dlo dṅo tżṁo

dliwſchi dniwſchi tżmiwſchi

18. hicż gehen,

nebſt den Compoſitis pżiṅcż kommen, zaṅcż vergehen.

Präſens.

S. 1. du pżiṅdu zaṅdu

2. dżeſch pżiṅdżeſch zaṅdżeſch

3. dże, dżo pżiṅdże zaṅdże

D. 1. dżemói pżiṅdżemói zaṅdżemȯi

2. 3. dżetai pżiṅdżetai zaṅdżetai

— tei — tei — tei

P. 1. dżemó pżiṅdżemó zaṅdżemó

2. dżecże pżiṅdżecże zaṅdżecże

3. du, dżeja pżiṅdu zaṅdu

ich gehe komme vergehe u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. dżėch pżiṅdżech zaṅdżech

2. dżėſche pżiṅdże zaṅdże

3. dżėſche pżiṅdże zaṅdże

<pb n="202"/>

D. 1. dżėchmói pżiṅdżechmói zaṅdżechmȯi

2. 3. dżėſchtai pżiṅdżeſchtai zaṅdżeſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. dżėchmó pżiṅdżechmó zaṅdżechmó

2. dżėſchcże pżiṅdżeſchcże zaṅdżeſchcże

3. dżėchu pżindżechu zaṅdżechu

ich ging kam verging u. ſ. w.

Futurum.

S. 1. póṅdu budu

2. póṅdżeſch budżeſch

3. póṅdże budże

D. 1. póṅdżemói budżemói

2. 3. póṅdżetai budżetai } pżiṅcż — zaṅcż

— tei — tei

P. 1. póṅdżemó budżemó

2. pȯṅdżecże budżecże

3. póṅdżeja budża

ich werde gehen kommen vergehen u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — — —

2. 3. dżi, pȯi pżiṅdż zaṅdż

D. 1. dżimói, póimói pżiṅdżmói zaṅdżmói

2. 3. dżitai, póitai pżiṅdżtai zaṅdżtai

— tei, — tei — tei — tei

P. 1. dżimó, pȯimó pżiṅdżmó zaṅdżmó

2. dżicże, póicże pżiṅdżcże zaṅdżcże

gehe komme komme vergehe u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. dżejaczé, a, e (dżaczé) pżiṅdżaczé, a, e zaṅdżaczé, a, e

Pf. Act. S. ſchow, ſchwa ſchwo pżiſchow, ſchwa, ſchwo zaiſchow, ſchwa,
ſchwo

D. ſchwoi pżiſchwoi zaiſchwoi

P. ſchli, ſchwo (e) pżiſchli, pſchiſchwo (e) zaiſchli, ſchwo (e)

Perf. Paſſ. hité, a, e pżiṅdżené, a, e zaṅdżené, a, e

Transgreſſiv.

dżejo, duczé pżiṅdżo zaṅdżo

ſchowſchi, pżiſchowſchi, zaiſchowſchi

ſchedſi pżiſchedſi

Anm. Nach zaṅcż gehen: dóṅcż hineingehen; nadeṅcż angehen, begegnen;
ṅeṅcż nicht gehen (Präſens: ṅeṅdu; Imperfectum: ṅeṅdżech; Futurum:
ṅepóṅdu; Imperativ: ṅeṅdż); pżeṅcż übergehen; rozeṅcż auseinander gehen;
<pb n="203"/>woboṅcż begehen; woteṅcż weggehen; wuṅcż ausgehen; zeṅcż
zuſammengehen, aufgehen.

19. ẇedżicż, ẇedżecż wiſſen,

nebſt dem Compoſitum poẇedżicż (poidżicż) ſagen, hinterbringen.

Präſens.

S. 1. wėm poẇem, poẇedżu (poidżu)

2. wėſch poẇeſch, poẇedżiſch

3. wė poẇe, poẇedżi

D. 1. wėmói poẇemói, poẇedżimói

2. 3. wėſtai poẇeſtai, poẇedżitai

— tei — tei, — tei

P. 1. wėmó poẇemó, poẇedżimó

2. wėſcże poẇeſcże, poẇedżicże

3. ẇedża poẇedża, poẇedża

ich weiß ſage u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. ẇedżach (ech) poẇedżich (poidżich)

2. 3. ẇedżeſche poẇedżi

D. 1. ẇedżachmói poẇedżichmói

2. 3. ẇedżeſchtai poẇedżiſchtai

— tei — tei

P. 1. ẇedżachmó poẇedżichmó

2. ẇedżeſchcże poẇedżiſchcże

3. ẇedżachu poẇedżichu

ich wußte ſagte u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — —

2. 3. wės poẇes, poẇedż (poidż)

D. 1. wėſmȯi poẇeſmói, poẇedżmói

2. 3. wėſtai poẇeſtai, poẇedżtai

— tei — tei, — tei

P. 1. wėſmȯ poẇeſmó, poẇedżmó

2. wėſcże poẇeſcże, poẇedżcże

wiſſe ſage u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. ẇedżaczé, a, e poẇedżaczé, a, e

Perf. Act. ẇedżaw, a, o poẇew, a, o

ẇedżew, a, o poẇedżiw, a, o

♣Plur. rat.♠ ẇedżeli

Perf. Paſſ. ẇedżené, a, e poẇedżené, a, e

<pb n="204"/>

Transgreſſiv.

ẇedżo poẇedżo

ẇedżiwſchi, ẇedżewſchi poẇedżiwſchi

Anm. Nach poẇedżicż gehen: dopoẇedżicż ganz erzählen; rozpoẇedżicż
ausführlich erzählen; wupoẇedżicż erzählen; zapoẇedżicż verſagen,
abſchlagen.

3. Infinitiv auf ecż.

20. rżecż (żṙecż) beben; 21. ſchtżecż piſſen;

22. tzecż ſtecken, haften.

Präſens.

S. 1. rżu ſchtżu tzju zarżu

2. rżiſch ſchtżiſch tziſch zarżiſch

3. rżi ſchtżi tzi zarżi

D. 1. rżimói ſchtżimói tzimói |

2. 3. rżitai ſchtżitai tzitai |

— tei — tei — tei |

P. 1. rżimó ſchtżimó tzimó |

2. rżicże ſchtżicże tzicże |

3. rża ſchtża tzja |

ich bebe piſſe ſtecke erbebe u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. rżach ſchtżach tzjach zarżach

2. 3. rżeſche ſchtżeſche tzeſche zarża

D. 1. rżachmói ſchtżachmói tzjachmói zarżachmói

2. 3. rżeſchtai ſchtżeſchtai tzeſchtai zarżeſchtai

— tei — tei — tei — tei

P. 1. rżachmó ſchtżachmó tzjachmó zarżachmó

2. rżeſchcże ſchtżeſchcże tzeſchcże zarżeſchcże

3. rżachu ſchtżachu tzjachu zarżachu

Imperativ.

rżij ſchtżij tzij zarż

Participien.

Präſ. Act. rżaczé, a, e ſchtżaczé tzjaczé zarżaczé, a, e

Pf. Act. S. rżaw, a, o ſchtżaw tzjaw zarżaw, a, o

Pl. rat. rżeli ſchtżeli tzeli zarżeli

Pf. Paſſ. S. rżané (té) ſchtżané tzjané zarżané, a, e

Pl. rat. rżeni ſchtżeni tzeni zarżeni

Transgreſſiv.

rżo ſchtżo tzjo zarżo

rżawſchi ſchtżawſchi tzjawſchi zarżawſchi

Anm. 1. Die Compoſita vorgenannter Zeitwörter — z. B. zarżecż — haben im
Imperfectum die verkürzte Form: ach, a u. ſ. w.

<pb n="205"/>

Anm. 2. In den Participien Perf. Act. und Paſſ. geht a vor li und ni in
e über; z. B. rżeli, rżeni.

Anm. 3. Die Compoſita von rżecż haben im Imperativ rż; z. B. zarż
erbebe.

4. Infinitiv auf ėcż.

23. jėcż fahren, fuhrwerken.

Präſens. Imperfectum. Futurum.

S. 1. jėdu jėdżech pojėdu

2. jėdżeſch jėdżeſche pojėdżeſch

3. jėdże jėdżeſche pojėdże

D. 1. jėdżemói jėdżechmȯi pojėdżemói

2. 3. jėdżetai jėdżeſchtai pojėdżetai

— tei — tei — tei

P. 1. jėdżemó jėdżechmó pojėdżemó

2. jėdżecże jėdżeſchcże pojėdżecże

3. jėdu jėdżechu pojėdu

ich fahre fuhr werde fahren u. ſ. w.

Imperativ. Participien.

S. 1. — Präſ. Act. jėdżaczé, a, e

2. 3. jėdż Perf. Act. jėw, jėwa, jėwo

D. 1. jėdżmói Perf. Paſſ. jėdżené } a, e

2. 3. jėdżtai jėté

— tei Transgreſſiv.

P. 1. jėdżmó jėdżo

2. jėdżcże jėwſchi

Anm. Die Compoſita dieſes Zeitworts werfen in der 2. und 3. Perſ. Sing.
Imperfecti die Endung ſche weg. Z. B. dojėdżech, dojėdże; wotjėdżech,
wotjėdże.

24. mėcż haben,

ṅemėcż nicht haben,

pomėcż eine Weile haben.

Präſens.

S. 1. mam nimam pomėju

2. maſch nimaſch pomėjeſch

3. ma nima pomėje

D. 1. mamói nimamói pomėjemói

2. 3. matai nimatai pomėjetai

— tei — tei — tei

<pb n="206"/>

P. 1. mamó nimamó pomėjemó

2. macże nimacże pomėjecże

3. maja nimaja pomėja

maju nimaju pomėju

ich habe habe nicht habe u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. mėjach, mėch ṅemėjach pomėch

2. 3. mėjeſche, mė ṅemėjeſche pomė

D. 1. mėjachmói, mėchmói ṅemėjachmói pomėchmói

2. 3. mėjeſchtai, mėſchtai ṅemėjeſchtai pomėſchtai

— tei, — tei — tei — tei

P. 1. mėjachmó, mėchmó ṅemėjachmó pomėchmó

2. mėjeſchcże, mėſchcże ṅemėjeſchcże pomėſchcże

3. mėjachu, mėchu ṅemėjachu pomėchu

ich hatte (♣moment.♠) hatte nicht hatte u. ſ. w.

Futurum.

S. 1. zmėju ṅezmėju budu

2. zmėjeſch ṅezmėjeſch budżeſch

3. zmėje ṅezmėje budże

D. 1. zmėjemói | budżemói

2. 3. zmėjetai | budżetai } pomėcż

— tei | — tei

P. 1. zmėjemó | budżemó

2. zmėjecże | budżecże

3. zmėja | budża

ich werde haben nicht haben haben u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — — —

2. 3. mėi ṅemėi pomėi

D. 1. mėimói | |

2. 3. mėitai | |

— tei | |

P. 1. mėimó | |

2. mėicże | |

habe habe nicht habe u. ſ. w.

Participien.

Präſ. Act. mėjaczé, a, e ṅemėjaczé pomėjaczé, a, e

Perf. Act. mėw, a, o ṅemėw pomėw, a, o

Perf. Paſſ. mėté, a, e ṅemėté poṁeté, a, e

Transgreſſiv.

mėjo ṅemėjo pomėjo

mėwſchi ṅemėwſchi pomėwſchi

<pb n="207"/>

Anm. 1. Das verkürzte Imperfectum mėch, mė u. ſ. w. wird gebraucht: ♣a.♠
wenn ven einem ſchnellen Haben, Erhaſchen die Rede iſt, z. B. mėch ich
hab’s erhaſcht, ja joh’ mėch da hab’ ich ihn; ♣b.♠ in Compoſitis, z. B.
pomėch, namėch.

Anm. 2. Statt des Futuri zmėju wird bisweilen die lange Form budu mėcż
gebraucht. Die Compoſita haben letztere Form immer.

25. ſmėcż dürfen.

Präſens. Imperfectum. Participien.

S. 1. ſmėm ſmėdżach, ich Präſ. Act. ſmėjaczé, a, e

2. ſmėſch ſmėdżeſche Pf. Act. ſmėw, a, o

3. ſmė ſmėdżeſche Pf. Paſſ. ſmėté, a, e

D. 1. ſmėmói ſmėdżachmói

2. 3. ſmėtai ſmėdżeſchtai Transgreſſiv.

— tei — tei ſmėjo

P. 1. ſmėmó ſmėdżachmó ſmėwſchi

2. ſmėcże ſmėdżeſchcże

3. ſmėdża ſmėdżachu

ſmėja

ich darf durfte u. ſ. w.

4. Infinitiv auf écż.

26. czécż wollen; 27. nȯczécż nicht wollen.

Präſens.

S. 1. czu nóczu

2. czeſch nóczeſch

3. cze, czo nócze

D. 1. czemói nóczemȯi

2. 3. czetai nȯczetai

— tei — tei

P. 1. czemó nóczemó

2. czecże nȯczecże

3. czedża nóczedża

ich will u. ſ. w. ich will nicht u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. czéch nóczéch

2. 3. czéſche nóczéſche

D. 1. czéchmói nóczéchmói

2. 3. czéſchtai nȯczéſchtai

— tei — tei

P. 1. czéchmó nóczéchmó

2. czéſchcże nóczéſchcże

3. czéchu nóczéchu

ich wollte u. ſ. w. ich wollte nicht u. ſ. w.

<pb n="208"/>

Futurum.

S. 1. zeczu ṅezeczu

2. zeczeſch ṅezeczeſch

3. zecze, zeczo ṅezecze

D. 1. zeczemói ṅezeczemói

2. 3. zeczetai ṅezeczetai

— tei — tei

P. 1. zeczemó ṅezeczemó

2. zeczecże ṅezeczecże

3. zeczedża ṅezeczedża

ich werde wollen ich werde nicht wollen u. ſ. w.

oder:

S. 1. budu ṅebudu

2. budżeſch czécż ṅebudżeſch czécż

3. budże ṅebudże

u. ſ. w. u. ſ. w.

Imperativ.

S. 1. — —

2. 3. czéi nȯczéi

D. 1. czéimȯi nóczéimói

2. 3. czéitai nóczéitai

— tei — tei

P. 1. czéimó nóczéimó

2. czéicże nóczéicże

Participien.

Präſ. Act. czéjaczé, a, e nóczéjaczé, a, e

Perf. Act. czéw a, o nóczéw, a, o

Perf. Paſſ. czété, a, e nóczété, a, e

Transgreſſiv.

czéjo nóczéjo

czéwſchi nóczéwſchi

6. Infinitiv auf ſcz (ſcż).

28. jėſcz eſſen.

Präſens. Imperfectum. Imperf. in Compoſ.

S. 1. jėm jėdżech zjėch

2. jėſch jėdżeſche zjė

3. jė jėdżeſche zjė

D. 1. jėmói jėdżechmói zjėchmói

2. 3. jėſtai jėdżeſchtai zjėſchtai

— tei — tei — tei

P. 1. jėmó jėdżechmȯ zjėchmó

2. jėſcże jėdżeſchcże zjėſchcże

3. jėdża jėdżechu zjėchu

ich eſſe aß verſpeiste u. ſ. w.

<pb n="209"/>

Imperativ. Participien.

S. 1. — Präſ. Act. jėdżaczé (té), a, e

2. 3. jės Perf. Act. jėd, jėdwa, jėdwo

D. 1. jėſmói Pl. rat. jėdli

2. 3. jėſtai Perf. Paſſ. jėdżené, a, e

— tei Transgreſſiv.

P. 1. jėſmó jėdżo, jėdżiczé

2. jėſcże jėdżiwſchi

7. Infinitiv auf cz.

29. mȯcz können.

Präſens. Imperfectum. Imperativ.

S. 1. mȯżu móżach móż

2. móżeſch móżeſche könne u. ſ. w.

3. móże mȯżeſche Participien.

D. 1. móżemói móżachmói Präſ. Act. móżaczé, a, e

2. 3. mȯżetai móżeſchtai Pf. Act. S. mów, a, o

— tei — tei ♣Plur. rat.♠ móli

P. 1. móżemó móżachmó Perf. Paſſ. móżené, a, e

2. móżecże móżeſchcże Transgreſſiv.

3. móża móżachu móżo

ich kann ich konnte u. ſ. w. mówſchi

Anm. 1. Die 2. Perſ. Sing. Präſentis móżeſch wird im gemeinen Leben
móż’ſch (móżſch) ausgeſprochen; z. B. té móż’ſch tam hicż du kannſt
dorthin gehen.

Anm. 2. Die Compoſita von mócz — pżemócz überwältigen, wumȯcz erlöſen,
zamócz vermögen[52]⁾ — haben im Imperfectum die verkürzte Form: ȯch, ȯ;
z. B. wumóch, wumó.

Anm. 3. Einige ſchreiben: móhcz, móhw, móhwſchi.

§. 85. Mangelhafte Zeitwörter (♣Verba defectiva♠).

Mangelhafte Zeitwörter (♣Verba defectiva♠) heißen diejenigen, denen eine
oder mehrere Zeiten, Modi und Perſonen fehlen, oder welche nur in
Compoſitis gebraucht werden. Dergleichen mangelhafte Zeitwörter ſind:

1. dżecż ſagen.

Bon dieſem veralteten Zeitworte iſt nur noch das Imperfectum im
Gebrauch:

<pb n="210"/>

Imperfectum.

S. 1. dżach D. dżachmói P. dżachmó

2. dżeſche dżeſchtai dżeſchcże

3. dżeſche — tei dżachu

ich ſagte u. ſ. w.

2. hnacż treiben, jagen

hat das Partic. Perf. Act. und Paſſ. und den Transgreſſiv; alle übrigen
Formen entlehnt es von cżėricż (treiben). Die Compoſita von hnacż haben
im Imperfect. die verkürzte Form: ach, a. Z. B.

Imperfect. Participien. Transgreſſiv.

S. 1. wuhnach Perf. Act. hnaw, a, o hnawſchi

2. 3. wuhna wuhnaw, a, e

ich trieb aus u. ſ. w. Perf. Paſſ. hnaté, a, e wuhnaté, a, e wuhnawſchi

3. jecż fangen, faſſen

hat das Partic. Perf. Paſſ. jaté, a, e (gefangen, ♣Nom. plur. ration.♠
jecżi); ſonſt iſt es nur in Compoſitis gebräuchlich und wird
folgenderweiſe conjugirt:

Infinitiv.

najecż podjecż pżijecż zajecż

miethen empfangen anfaſſen anrühren,

(♣concipere♠) erborgen

Präſens.

S. 1. najimu[53]⁾ podjimu pżimnu[54]^(*)) zajimu

2. najiṁeſch podjiṁeſch pżimṅeſch zajiṁeſch

3. najiṁe podjiṁe pżimṅe zajiṁe

D. 1. najiṁemói podjiṁemói pżimṅemói zajiṁemȯi

2. 3. najiṁetai podjiṁetai pżimṅetai zajiṁetai

— tei — tei — tei — tei

P. 1. najiṁemó podjiṁemó pżimṅemȯ zajiṁemó

2. najiṁecże podjiṁecże pżimṅecże zajiṁecże

3. najimu podjimu pżimnu zajimu

ich miethe empfange faſſe an rühre an u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. najach podjach pżijach zajach

2. 3. naja podja pżija zaja

<pb n="211"/>

Imperativ.

najim, nai najei podjim pżiṁ[55]⁾ zajim

Participien.

Präſ. Act. najaczé podjaczé pżijaczé zajaczé, a, e

Pf. Act. S. najaw podjaw pżijaw zajaw, a, o

♣Plur. rat.♠ najeli podjeli pżijeli zajeli

Perf. Paſſ. najaté podjaté pżijaté zajaté

♣Plur. rat.♠ najecżi podjecżi pżijecżi zajecżi

Transgreſſiv.

najo podjo pżijo zajo

najawſchi podjawſchi pżijawſchi zajawſchi

4. ṗecż ſpannen

hat das Partic. Perf. Paſſ. ṗaté, a, e (geſpannt, ♣Nomin. plur. ration.♠
ṗecżi); ſonſt iſt es nur in Compoſitis gebräuchlich und wird
folgenderweiſe conjugirt:

Infinitiv.

naṗecż zṗecż zaṗecż

aufſpannen anſpannen zuknöpfen

Präſens.

S. 1. napinu (napnu) zpinu zapinu

2. napiṅeſch zpiṅeſch zapiṅeſch

3. napiṅe zpiṅe zapiṅe

D. 1. napiṅemói zpiṅemói zapiṅemói

2. 3. napiṅetai zpiṅetai zapiṅetai

— tei — tei — tei

P. 1. napiṅemó zpiṅemó zapiṅemó

2. napiṅecże zpiṅecże zapiṅecże

3. napinu zpinu zapinu

ich ſpanne auf ſpanne an knöpfe zu u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. naṗach zṗach zaṗach

2. 3. naṗa zṗa zaṗa

Imperativ.

naṗ zpiṅ zaṗ

Participien.

Präſ. Act. naṗaczé zṗaczé zaṗaczé, a, e

Pf. Act. S. naṗaw zṗaw zaṗaw, a, o

♣Plur. rat.♠ naṗeli zṗeli zaṗeli

Perf. Paſſ. naṗaté zṗaté zaṗaté, a, e

♣Plur. rat.♠ naṗecżi zṗecżi zaṗecżi

<pb n="212"/>

Transgreſſiv.

naṗo zṗo zaṗo

naṗawſchi zṗawſchi zaṗawſchi

5. ṙecz ſagen

hat außer dem Infinitiv nur noch das Partic. Perf. Act. rėk (ṙekw),
ṙekwa, ṙekwo; alle übrigen Formen entlehnt es von ṙeknécż (ſagen).

6. cżecż hauen, ſchneiden

(von dem veralteten tṅecż) iſt nur noch in Compoſitis gebräuchlich und
wird folgenderweiſe conjugirt:

Infinitiv.

nacżecż wotcżecż

anſchneiden abſchneiden

Präſens.

S. 1. nacżnu, natnu wotcżnu, wotnu

2. nacżṅeſch, natṅeſch wotcżṅeſch

3. nacżṅe, natṅe wotcżṅe

D. 1. nacżṅemói, natṅemói wotcżṅemói

2. 3. nacżṅetai, natṅetai wotcżṅetai

— tei — tei — tei

P. 1. nacżṅemó, natṅemó wotcżṅemȯ

2. nacżṅecże, natṅecże wotcżṅecże

3. nacżnu, natnu wotcżnu

ich ſchneide an ſchneide ab u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. nacżach wotcżach

2. 3. nacża wotcża

Imperativ.

nacż, nacżei wotcż, wotcżei

natetṅ, natetni wotetṅ, wotetni

Participien.

Präſ. Act. nacżaczé wotcżaczé, a, e

Pf. Act. S. nacżaw wotcżaw, a, o

Pl. rat. nacżeli wotcżeli

Perf. Paſſ. nacżaté wotcżaté, a, e

Transgreſſiv.

nacżawſchi wotcżawſchi

<pb n="213"/>

7. tżecż beginnen

iſt nur in Compoſitis gebräuchlich und wird folgenderweiſe conjugirt:

Infinitiv.

potżecż[56]⁾ zapotżecż

anfangen anfangen

Präſens.

S. 1. potżnu zapotżnu

2. potżṅeſch zapotżṅeſch

3. potżṅe zapotżṅe

D. 1. potżṅemói |

2. 3. potżṅetai |

— tei |

P. 1. potżṅemó |

2. potżṅecże |

3. potżnu |

ich fange an u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. potżach zapotżach

2. 3. potża zapotża

Imperativ.

potż zapotż

Participien.

Präſ. Act. potżaczé zapotżaczé, a, e

Pf. Act. S. potżaw zapotżaw, a, o

Pl. rat. potżeli zapotżeli

Perf. Paſſ. potżaté zapotżaté, a, e

Transgreſſiv.

potżawſchi zapotżawſchi

8. żecż ſicheln, graſen

iſt nur in Compoſitis gebräuchlich und wird folgenderweiſe conjugirt:

Infinitiv.

pżiżecż woteżecż

verſchneiden mit der Sichel abſicheln

<pb n="214"/>

Präſens.

S. 1. pżiżnu pżiżnéju woteżnu

2. pżiżṅeſch pżiżnéjeſch woteżṅeſch

3. pżiżṅe pżiżnéje woteżṅe

u. ſ. w. u. ſ. w.

ich verſchneide ich ſichele ab u. ſ. w.

Imperfectum.

S. 1. pżiżach woteżach

2. 3. pżiża woteża

Imperativ.

pżiżnéi woteż

Participien.

Pf. Act. S. pżiżaw woteżaw, a, o

Pl. rat. pżiżeli woteżeli

Perf. Paſſ. pżiżaté woteżaté, a, e

Anm. Die Formen: żṅecż, żṅaw, żṅaté ſind gebräuchlicher.

§. 86. Unperſönliche Zeitwörter (♣Verba impersonalia♠).

1. Unperſönliche Zeitwörter (♣Verba impersonalia♠) heißen diejenigen,
welche nicht durch alle Perſonen conjugirt, ſondern nur in der 3. Perſ.
Sing. ſächlich gebraucht werden (vergl. §. 56, 7.). Z. B. (wone) ṁerzṅe
es friert; (wone) rima, rimocze es donnert.

2. Die unperſönlichen Zeitwörter ſind im Wendiſchen ſehr zahlreich, weil
faſt alle active und neutrale Verba in Verbindung mit „ſo” als ſolche
gebraucht werden. Z. B. wone ſo bwóſka es blitzt; wone ſo mrótżi es
umwölkt ſich; hodżi ſo es ziemt ſich; każ ſo pojeda wie man erzählt; tu
ſo deṙe ſeidżi hier ſitzt ſich’s gut.

3. Die gebräuchlichſten unperſönlichen Zeitwörter ſind folgende:

1. ſo czécż Luſt, Drang, Appetit haben. Z. B. mi ſo cze jėſcz ha picż
ich habe Hunger und Durſt.

2. ſo ṅechacż Luſt, Drang, Appetit nicht haben. Z. B. jomu ſo ṅecha picż
er mag nicht trinken.

3. ſo dżecż einen Traum haben. Z. B. mi ſo dżijeſche mir träumte; jomu
jo ſo dżawo ihm hat geträumt.

4. ſo hicż gehen. Z. B. mi ſo deṙe dżo mir geht’s gut; mi jo ſo huƀeṅe
ſchwo mir iſt’s ſchlecht gegangen.

<pb n="215"/>

5. ſo ſtacż geſchehen. Z. B. tebi ſo praẇe ſtaṅe dir geſchieht recht;
jomu ſo praẇe ſta ihm geſchah recht; jomu jo ſo żto dóſtawo ihm iſt
etwas geſchehen, angethan worden.

6. ſo ſtéſkacż bangen, Heimweh haben. Z. B. mi ſo ſtéſka mir bangt; w
Czuzƀe ſo jomu ſtéſkaſche in der Fremde hatte er Heimweh.

7. ſo zeṅcż ergehen. Z. B. mi jo ſo dżiwṅe zeiſchwo mir iſt’s wunderbar
ergangen.

8. ſo zdacż ſcheinen. Z. B. mi ſo zda, zdaſche mir ſcheint, ſchien es;
mi bó ſo zdawo mir möchte es ſcheinen.

9. ſo zécznécż ohnmächtig werden. Z. B. mi ſo zeczné ich wurde
ohnmächtig.

10. ſo woſtudżicż lange Weile haben. Z. B. tu ſo mi woſtudżi hier habe
ich lange Weile.

Anm. 1. Die deutſchen unperſönlichen Redensarten: es regnet, es ſchneit,
es hagelt, es reift, werden im Wendiſchen ſo ausgedrückt: Deſchcżik dżo
(es geht Regen), Snėh dżo, Krupó du (padaju), Mróz jo.

Anm. 2. Die deutſchen Redensarten: „es giebt, es gab” u. ſ. w. werden im
Wendiſchen durch jo, ſu, bėſche, bėchu u. ſ. w. überſetzt. Z. B. Mėſto
jo, kotreż . . . es giebt eine Stadt, welche . . .; Ludżo ſu, kiż . . .
es giebt Leute, welche . . .; bėſche nėdé Kral es gab einmal einen
König.

§. 87. Das Adverbium oder Umſtandswort.

1. Das Adverbium oder Umſtandswort dient zur nähern Beſtimmung eines
Zeit- oder Eigenſchaftswortes. Z. B. Haṅża pėkṅe piſa Agnes ſchreibt
hübſch; jara pilné ſehr fleißig.

2. Die Adverbien ſind:

1. Stammwörter; z. B. précż weg, ſém her, zkoro bald, krócż mal, ſnadż
vielleicht, hiſchcże noch.

2. abgeleitete, welche von andern Wörtern, meiſtens von Adjectiven,
herkommen; z. B. mawo wenig, zpėſchṅe geſchwind, wóſoko hoch, tuzé
ſanft, bohacże reichlich.

<pb n="216"/>

3. zuſammengeſetzte; z. B. pomawu langſam, zdobom ſogleich, zmėrom
ruhig, zpokojom zufrieden, woprawdże, zawėrno wahrlich, bóſnadż, bóſnano
vielleicht, wobdżeṅ innerhalb eines Tages (Dżėwo wobdżeṅ Arbeit für
einen Tag), nidé (nihdé) niemals, nidże (nihdże) nirgends, nacżwutrobé
nüchtern, pozdże (po Zdże) ſpät.

3. In Bezug auf die Bedeutung werden die Adverbia eingetheilt in:

1. Adverbia der Zeit.

dawno längſt lėtza (lėtſa) heuer

dżencza (dżenſa) heute loni voriges Jahr

dopówṅa (d. i. do pów Dṅa) nazaitra Tags darauf

Vormittags bórzé bald

popówṅu Nachmittags nėt, nėtk, nėtko, nėtkoi jetzt

pżipówṅu Mittags ṅedawno unlängſt

rano Morgens wóndano (— ṅo) neulich

witze (witſe) am morgigen Tage zahje frühzeitig

tżora (wtżora) geſtern

2. Adverbia des Ortes.

doma, domach zu Hauſe jow hier

domoi, dom nach Hauſe hew her

dżeż (hdżeż) wo nėdże (nėhdże) irgendwo

dele hinunter nidże (nihdże) nirgends

hoṙe hinauf ſchudżom, ſchudżim (wſchudżim) überall

tam dort

tudé hier wonka, wonkach draußen

tulei (tuhlei) hier nutzka, nutzkach drinnen

3. Adverbia der Art und Weiſe.

radé gern zczéwa aus dem Ganzen

ƀezdżak ungern czéle gänzlich

zkradże, zkradżu heimlich zcżeżka ſchwerlich, kaum

ṁeltżo heimlich lóchczé leichtlich

darmo umſonſt (ohne Koſten) ṅeẇatki unverſehens

podarmo vergeblich ſchelako (wſchelako) verſchieden

zrėdka, rėdko ſelten zkók galopp, eiligſt

4. Adverbia der Frage.

dże (hdże) wo? wohin? ka, kah, kak wie?

dé (hdé) wann? zwotkel, zwotkal von woher?

pżetżo warum? zdże (zhdże) woher?

<pb n="217"/>

5. Adverbia der Bejahung und Verneinung:

hai ja woprawdże wahrlich

ju ja zawėſcże, zawėſcżi gewißlich

nė nein zawėrno fürwahr

4. Die meiſten Adverbien werden, wie bereits bemerkt, von Adjectivis
abgeleitet. Bei Bildung derſelben auf die Endung e und é tritt die in
den §§. 5 und 6 angegebene Buchſtaben - Umwandlung ein. Es geht über:

1. é (ȯ) und i in e mit vorangehendem jotirten Buchſtaben; z. B.

Adject. Adverb.

dżiwi (dżiji) wild dżiẇe (dżije)

lėni, ṅa, ṅe faul lėṅe

móczné mächtig móczṅe

mudré weiſe mudṙe

pėkné ſchön pėkṅe

ṙané ſchön ṙeṅe

ſélné ſtark ſélṅe

ſtrózbé (trózbé) nüchtern ſtrózƀe (trózƀe)

ſtrowó geſund ſtroẇe

tupé ſtumpf tuṗe

wupé (hwupé) dumm wuṗe

czuzé fremd czuzje

2. dé in dże; z. B.

hordé ſtolz hordże

khudé arm khudże

twerdé hart twerdże

3. té in cże; z. B.

bohaté reich bohacże

kruté feſt krucże

ſẇaté heilig ſẇacże, ſẇecże

4. ſté in ſcże; z. B.

towſté dick towſcże (towſto)

tżiſté rein tżiſcże gänzlich

5. tré in tzje - tze; z. B.

khėtré geſchwind khėtzje (khėtṙe, khėtro ziemlich)

wótré ſcharf wótzje (wótṙe)

6. wȯ in le (łe); z. B.

khróbwó kühn khróble

ſtuchwó dumpfig ſtuchle (ſtuchẇe)

<pb n="218"/>

ẇeſowó fröhlich ẇeſele

nahwó jäh nahle

7. ki in czé; z. B.

lȯchki leicht lȯchczé (lóchko)

ṁechki weich ṁechczé (ṁechko)

ſwódki ſüß ſwȯdczé (ſwȯdko)

wadki (hwadki) glatt wadczé (wadko)

wóſoki hoch wóſoczé (wóſoko)

8. ſki in czé; z. B.

khatólſki katholiſch khatȯlſczé

kżeſczijanſki chriſtlich kżeſczijanſczé

pȯlſki polniſch pólſczé

9. hi in zé; z. B.

nahi nackt nazé

tuhi ſanft tuzé

10. chi in ſche; z. B.

cżichi ſtill cżiſche (cżicho)

5. Viele Adjectiva, beſonders die auf ki, hi und chi, bilden ihr
Adverbium gemeiniglich auf o ohne Buchſtaben - Umwandlung. Z. B.

blizki nahe blizko

daloki weit daloko

dowhi lang dowho

drohi theuer droho

huboki tief huboko

huſté dicht huſto oft

hȯrczé heiß hórczo

khėtré geſchwind khėtro ziemlich

lubé lieb lubo

mawó klein wawo wenig

mókré naß mókro

móżné möglich móżno

ſuchi trocken ſucho

ſchelaki mannigfach (wſchelaki) ſchelako

ſchėroki breit ſchėroko

towſté dick towſto

wėrné wahr wėrno

wóſoki hoch wóſoko

cżichi ſtill cżicho

tżopwó warm tżopwo

<pb n="219"/>

6. Folgende Adjectiva bilden unregelmäßige Adverbien:

Adject. Adverb.

dobré gut deṙe wohl

rad gern radé

rézé fahl, roſtfarbig rézé

wopatżné verkehrt wopaki

zwó böſe zlė übel

7. Die von Perſonen - und Eigennamen abgeleiteten Adjectiva auf ſki
werden wie Adverbia gebraucht; z. B. wón rétżi ſerſki, pólſki, wacżonſki
ha jandżelſki er redet wendiſch, polniſch, lateiniſch und engliſch. Doch
ſagt man auch: po pólſku polniſch, po delnu wużiſku niederlauſitziſch,
po zaſtarſku altväteriſch. Vergl. §. 35, 13.

8. Von Diminutiv - Adjectiven werden auch Diminutiv - Adverbien
gebildet; z. B. khuduſchko ärmlich, mawko wenig, mólitżko klein.

9. Die Hauptwörter Zéma Kälte und Tżma Finſterniß werden in Verbindung
mit dem Hilfszeitworte bócż wie Adverbien gebraucht. Z. B. dżencza jo
Zéma heute iſt kalt; tu jo Tżma hier iſt finſter.

§. 88. Die Steigerung der Adverbien.

1. Der Comparativ.

1. Der Comparativ des Adverbiums wird gebildet, indem man am Comparativ
der Adjectiva den Endbuchſtaben i in o verwandelt. Z. B.

Adject. Comp. d. Adject. Comp. d. Adverb.

hordé ſtolz hordżiſchi hordżiſcho

mȯczné mächtig móczniſchi móczniſcho

ṙané ſchön ṙeṅſchi ṙeṅſcho

trėbné nöthig trėbniſchi trėbniſcho

tżiſté rein tżiſcżiſchi tżiſcżiſcho

2. Die Adjectiva, welche im Comparativ dſi und tſi haben, enden das
Adverbium auf dſo und tſo, oder auf dſe und tſe. Vergl. §. 40, 5. Z. B.

bohatſi reicher bohatſo (bohatſe)

khudſi ärmer khudſo

krótſi kürzer krótſo

mwódſi jünger mwódſo

<pb n="220"/>

3. Folgende Adverbia haben einen unregelmäßigen Comparativ:

blizko nahe bliże näher

daloko weit dale weiter

deṙe wohl lėṗe beſſer

dowho lang dlėje länger

jara, jaré ſehr bóle mehr

huboko tief huƀe tiefer

lȯchko leicht lȯże, lóżo (lóżſcho) leichter

mawo wenig ṁeṅe weniger

nizko niedrig niże niedriger

radé gern radſcho (radſo, ródſo) lieber

zahje frühzeitig zaże (zażo) zeitiger

zkoro bald zkeṙe (zkeṙſcho) eher

zlė übel hóṙe ſchlimmer

cżeżko ſchwer cżeże ſchwerer

wóſoko hoch wóſche höher

ẇele viel jaczé (jacz, wjacz) mehr

4. Man kann die Adverbien auch durch bóle in den Comparativ erheben; z.
B. bóle trėbṅe nöthiger.

2. Der Superlativ.

1. Der Superlativ des Adverbiums wird dadurch gebildet, daß man dem
Comparativ, er ſei regelmäßig oder unregelmäßig, die Sylbe nai vorſetzt.
Bei den Comparativen mit bóle kommt nai vor bóle. Z. B.

mȯczniſcho naimóczniſcho am mächtigſten

ṙeṅſcho naiṙeṅſcho am ſchönſten

krótſo naikrótſo am kürzeſten

lėṗe nailėṗe am beſten

zkeṙe naizkeṙe am eheſten

2. Um den Superlativ zu verſtärken, wird zuweilen noch na oder hacż na
vorgeſetzt. (Vergl. §. 40, 2. 2.) Z. B.

nanaiṙeṅſcho auf’s allerſchönſte

hacż nanaiwóſche auf’s allerhöchſte

§. 89. Die Präpoſition oder das Verhältnißwort (Richtungswort).

1. Die Präpoſitionen bezeichnen ein Verhältniß, eine Lage, eine
Richtung, ein Ziel. Z. B. Jakub jo na Dwoṙe jakob iſt auf dem Hofe; wón
dżo do Zarodé er geht in den Garten.

<pb n="221"/>

2. Wir theilen die Präpoſitionen in drei Klaſſen ein:

1. Präpoſitionen, welche mit Haupt- oder Fürwörtern verbunden werden;

2. Präpoſitionen, welche mit Zeitwörtern verbunden werden;

3. zuſammengeſetzte Präpoſitionen und Adverbien als Präpoſitionen.

§. 90. 1. Präpoſitionen, welche mit Haupt- oder Fürwörtern verbunden
werden.

1. Sie werden ſtets vor das betreffende Haupt- oder Fürwort geſetzt, mit
alleiniger Ausnahme des dla, welches nachſteht. Z. B. z Nożom mit dem
Meſſer; Tżeſcże dla der Ehre wegen.

2. Die Präpoſitionen regieren nach verſchiedener Bedeutung auch
verſchiedene Caſus. Wir werden ſie der leichtern Ueberſicht wegen in
alphabetiſcher Reihenfolge aufführen. Sie ſind:

1. ƀez ohne, unter, zwiſchen mit dem Genitiv, Accuſativ und Sociativ.

1. ƀez ohne, mit dem Genitiv. Z. B. ƀez Khlėba ohne Brot; ƀez Ṗeṅez ohne
Geld; ƀez Pomoczé ohne Hilfe; ƀez ṅoho ohne ihn. (§. 42, 11.)

2. ƀez unter, mit dem Accuſativ auf die Frage wohin? Z. B. ja ſczelu was
każ Jehṅata ƀez Ẇelki ich ſende euch wie Lämmer unter die Wölfe; ƀez
Wotżi zwiſchen die Augen, in’s Geſicht.

3. ƀez unter, zwiſchen, mit dem Sociativ auf die Frage wo? Z. B. ƀez
druhimi unter andern; ƀez Cżwojekami unter Menſchen; ƀez nimi unter
ihnen; ƀez ſobu (ƀeſobu) unter einander; ƀez tém zo während daß.

Anm. 1. Wird ƀez mit dem perſönlichen Fürwort mṅe oder mnu verbunden, ſo
empfängt es ein euphoniſches e oder o. Z. B. ƀezo mṅe ohne mich; ƀezo
mnu ha ƀez tobu zwiſchen mir und dir. Vergl. §. 42, 2. 3. 5. Doch ſagt
man auch ƀez ṁe (ohne mich), wodurch ṁe mehr Nachdruck erhält.

Anm. 2. Vor wſchitki (wſchón) verliert ƀez ſein z. Z. B. ƀe wſchoho
Czwóbla ohne allen Zweifel; ƀe wſchėmi Cżwojekami unter allen Menſchen.

<pb n="222"/>

Anm. 3. Ḃez in Compoſitis verneint. Z. B. Ḃezdno Abgrund; ƀezbóżné
gottlos; ƀezdżak ungern, wider Willen; ƀezkóntżné endlos.

2. dla wegen, gemäß

mit dem Genitiv.

1. dla wegen, wird dem Hauptworte nachgeſetzt. Z. B. Khudobé dla wegen
Armuth; Nana dla wegen des Vaters; tżoho dla weswegen? toho dla
deswegen.

2. dla gemäß, nach, vermöge, wird bisweilen dem Hauptworte vorgeſetzt.
Z. B. dla mojeho Zdacża meiner Anſicht gemäß; dla toho hiernach; dla
mojoho Hamta vermöge meines Amtes.

Anm. Bei den beſitzanzeigenden Fürwörtern mói, twói, ſwói, naſch, waſch
wird dla mit dem Nominativ Singularis des ſächlichen Geſchlechts
verbunden. Z. B. moje dla meinetwegen, twoje dla deinetwegen, ſwoje dla
ſeinetwegen, naſche dla unſertwegen, waſche dla euretwegen. Davon iſt
wohl zu unterſcheiden: joho dla ſeinetwegen, jeje dla ihretwegen, jich
dla ihretwegen. Vergl. §. 42, 13. und §. 47, 2.

3. do in, nach, an, vor mit dem Genitiv.

1. do in, nach, mit dem Genitiv auf die Frage wohin? Z. B. do Mėſta in
die Stadt; do Prahi nach Prag; do Swėta in die Welt; do mṅe in mich; do
nich in ſie; do wſchėch in alle.

2. do an, in, auf die Frage woran? worein? Z. B. do Boha wėricż an Gott
glauben; do Duri cżiſnécż an die Thür werfen; ſo do nėkoho dacż ſich an
jemanden machen

3. hacż do bis auf, bis zu. Z. B. hacż do poſleṅoho Muża bis auf den
letzten Mann; hacż do tzjóch, ṗecżich tżakacż bis um drei, fünf Uhr
warten; hacż do tzecżoho Dṅa bis zum dritten Tage.

4. do vor, auf die Frage wann? Z. B. do Tżaſa vor der Zeit; do Hod vor
Weihnachten; do Jutrow vor Oſtern; do Wetżora, do ſcheſcżich dérbiſch
pżiṅcż vor Abend, vor ſechs Uhr mußt du kommen.

Anm. Die Präpoſition do mit nachfolgendem Genitiv wird bisweilen für das
fragende kaiki (was für einer?) gebraucht. <pb n="223"/>Z. B. żto jo to
do Muża (kaiki Muż to jo) was iſt das für ein Mann? żto jo to do Ludżi
was ſind das für Leute? żto jo to do Wėczé was iſt das für eine Sache?

4. k zu mit dem Dativ.

Z. B. k Bohu zu Gott; k tebi zu dir; k nam zu uns; k Nuzé zur Noth;
jenoho k lėpſchom’ mėcż einen zum beſten haben; k tżomu wozu?

Anm. Bei dem perſönlichen Förworte ja und bei einigen Subſtantiven, die
mit gehäuften Conſonanten anfangen, bekommt k ein euphoniſches e. Z. B.
ke mṅe zu mir; ke Mſchi zur Meſſe. (§. 42, 4.).

5. na auf, an, zu mit dem Accuſativ und Locativ.

1. na auf, an, zu, mit dem Accuſativ auf die Frage wohin? Z. B. na Zeṁu
cżiſnécż auf die Erde werfen; ſo na Pucż podacż ſich auf den Weg
begeben; na mṅe auf mich; to na Wóſk tṙechi das trifft auf’s Haar; na
drobne rozpojedacż haarklein erzählen; na Próch roztowkacż zu Staub
zerſtoßen; na Pżedaṅ zum Verkauf; na Pomocz wowacż zu Hilfe rufen; na to
darauf; na wſcho auf alles.

2. na auf, an, mit dem Locativ auf die Frage wo? woran? Z. B. na Zemi
auf der Erde; na Ṅebju am Himmel; na Pucżu auf dem Wege; na Blidże auf
dem Tiſche; na mni an mir; na tém daran; na Wſach auf den Dörfern; na
wſchėm an allem.

6. nad über mit dem Accuſativ und Sociativ.

1. nad über, mit dem Accuſativ auf die Frage wohin? iſt aus dem
Sprachgebrauche ganz entſchwunden.

2. nad über, mit dem Sociativ auf die Frage worüber? woran? wird nur mit
den perſönlichen Fürwörtern verbunden. Z. B. ſmėl ſo nad nami erbarme
dich über uns; nad nim über ihn.

Anm. 1. Wird nad mit dem Sociativ mnu verbunden oder mit Wörtern, die
mit gehäuften Conſonanten anfangen, ſo empfängt es ein euphoniſches e
oder o. Z. B. nade wſchėmi über alle; nado mnu über mir.

<pb n="224"/>

Anm. 2. Na mit dem Locativ pflegt die Stelle des nad zu vertreten.

7. napżecżo gegen mit dem Dativ.

Z. B. napżecżo Bohu gegen Gott (♣erga♠); napżecżo mi gegen mich. Vergl.
§. 42, 6.

8. po nach mit dem Accuſativ und Locativ.

1. po nach, mit dem Accuſativ, eine Bewegung nach einem Gegenſtande
anzeigend. Z. B. po Wodu hicż nach Waſſer gehen; ja du po Kṅeza ich gehe
nach dem Herrn (um ihn zu holen).

2. po nach, entlang, in, an, auf, mit dem Locativ auf die Frage wo? Z.
B. po Haſach bėhacż den Gaſſen entlang, auf den Gaſſen laufen; po Moṙu
dem Meere entlang; po Zemi an der Erde.

3. po nach, bei Zeitbeſtimmungen auf die Frage wann? Z. B. po Jutrach
nach Oſtern; po ſédém Ṅedżelach nach ſieben Wochen.

4. po nach, auf die Frage wornach? nach wem? z. B. po Wiṅe woṅecż nach
Weine duften; po Kwobuku znacż dem Hute nach kennen; po twojei Radże
nach deinem Rathe; po bożei Woli nach Gottes Willen; po Prawdże nach
Recht; mi ſo ſtaṅ po twojim Swoẇe mir geſchehe nach deinem Worte; po
Zdacżu dem Anſcheine nach; po Waſchṅu téch Żidow nach Art der Juden.

5. po nach, zu, -weiſe, bei Theilungen. Z. B. po Toleṙach zu Thalern,
thalerweiſe; po Slėbornéch groſchenweiſe; po Kruchach ſtückweiſe; po
dwėmai je zwei; po Rjadu (po Rjedże) nach der Reihe. Vergl. §. 50.

9. pod unter mit dem Accuſativ, Sociativ und Locativ.

1. pod unter, mit dem Accuſativ auf die Frage wohin? Z. B. pod moje
Wókna unter meine Fenſter.

2. pod unter, mit dem Sociativ auf die Frage wo? Z. B. pod mojimi
Wóknami unter meinen Fenſtern; ja ſtoju pod Kralom ich ſtehe unter dem
Könige; kżiżuwané pod Pónczijuſom Pilatuſom gekreuzigt unter Pontius
Pilatus.

<pb n="225"/>

3. pod unter, mit dem Locativ auf die Frage wo? (ſelten). Z. B. pod
Żtawtnoſcżach Khlėba ha Wina unter den Geſtalten des Brotes und Weines.

Anm. Wird pod mit dem perſönlichen Fürwort mṅe oder mnu verbunden, ſo
empfängt es ein euphoniſches e oder o. Z. B. podo mṅe unter mich; podo
mnu unter mir.

10. pola bei, in der Nähe bei mit dem Genitiv

Z. B. pola Nana beim Vater; pola nas bei uns; pola tebe bei dir; pola
Boha żana Wėcz ṅemóżna ṅejo bei Gott iſt kein Ding unmöglich.

Anm. 1. Wird pola mit dem perſönlichen Fürwort ṁe verbunden, ſo wird die
kürzere Form ṁe (nicht mṅe) gebraucht. Z. B. pola ṁe bei mir. Vergl. §.
42, 6.

Anm. 2. In der Umgangsſprache wird pola häufig in pa zuſammengezogen. Z.
B. wón jo pa nas bów er iſt bei uns geweſen.

11. pże über, gegen, wider mit dem Accuſativ.

1. pże über, um, mit dem Accuſativ. Z. B. ṅepwakaicże pże mṅe weinet
nicht über mich; wón ſo rudżi pże ſwoje Dżėcżi er betrübt ſich über
ſeine Kinder.

2. pże wider, gegen, mit dem Accuſativ. Z. B. pże Wowuboleṅo gegen
Kopfſchmerzen; pże wozaƀene Stawó gegen erfrorene Glieder; pże tżo to
pomha wider was hilft das?

12. pżecżiwo wider, gegen mit dem Dativ.

Z. B. pżecżiwo Bohu wider Gott (feindlich, ♣contra♠); pżecżiwo mi wider
mich; Rėch pżecżtwo ſẇatomu Duchei Sünde wider den heil. Geiſt; żtóż ſo
pżecżiwo Wóſchnoſczi ſtaji, tón ſtaji ſo pżecżiwo bożomu Wuſtajeṅu, Röm.
13, 2. Vergl. §. 42, 6.

13. pżed vor mit dem Accuſativ und Sociativ.

1. pżed vor, mit dem Accuſativ auf die Frage wohin? Z. B. pżed Krala
ſtupicż vor den König treten.

<pb n="226"/>

2. pżed vor, mit dem Sociativ auf die Frage wo? Z. B. pżed Kralom ſtacż
vor dem Könige ſtehen; pżed Wotżomai mėcż vor Augen haben; pżed
Mėſchnikom vor dem Prieſter; pżed tobu vor dir.

3. pżed vor, mit dem Sociativ bei Zeitbeſtimmungen auf die Frage wann?
Z. B. pżed Jutrami vor Oſtern; pżed dwėmai Ṅedżelomai vor zwei Wochen;
pżed Mėſaczom vor einem Monate.

Anm. 1. Wird pżed mit dem perſönlichen Fürworte mṅe oder mnu verbunden,
ſo empfängt es ein euphoniſches e oder o. Z. B. pżedo mṅe, pżede mṅe vor
mich; pżedo mnu vor mir. Vergl. §. 42, 2. 3.

Anm. 2. Pżed vor Wörtern mit gehäuften Conſonanten bekommt ein e. Z. B.
pżede wſchėmi Ludżimi vor allen Leuten; pżede Wſami vor den Dörfern.

14. pżemo über, um die Wette mit dem Accuſativ.

Z. B. jedén pżemo druhjoho einer über den andern, um die Wette. Am
gebräuchlichſten iſt folgende Verbindung: napżemo bėhacż um die Wette
laufen.

15. pżez durch, über, unter mit dem Accuſativ.

1. pżez durch, über, mit dem Accuſativ. Z. B. pżez tebe durch dich; pżez
twoju Pomocz durch deine Hilfe; pżez Moṙo über das Meer; pżez Móſt über
die Brücke; pżez tzi Sta Lėt über (länger als) dreihundert Jahre.

2. pżez durch, unter, mit dem Accuſativ. Z. B. pżez Nana ha Macż ſu téż
k zrozeṁeṅu pżirodni Starſchi, Pżecżelo, Dobrocżeṙo, Wutżeṙo, Kmótzja,
ſwėtne ha duchowne Wóſchnoſcże unter Vater und Mutter ſind auch zu
verſtehen Stiefeltern, Freunde, Wohlthäter, Lehrer, Pathen, weltliche
und geiſtliche Obrigkeiten.

Anm. 1. Wird pżez mit dem perſönlichen Fürwort mṅe verbunden, ſo
empfängt es ein euphoniſches e oder o. Z. B. pżeze mṅe, pżezo mṅe durch
mich. (§. 42, 2.).

Anm. 2. Pżez vor Wörtern mit gehäuften Conſonanten verliert ſein z, z.
B. pże wſchitko über alles; oder empfängt ein euphoniſches e, z. B.
pżeze Dné einen Tag um den andern.

<pb n="227"/>

16. pżi bei, an mit dem Locativ.

Z. B. pżi mni bei mir; pżi Moṙu am Meere; pżi Ṗeṅezach bócż bei Gelde
ſein.

Anm. Pżi bezeichnet eine nähere Verbindung als pola.

17. w, wo in

mit dem Locativ auf die Frage wo? wann?

Z. B. wo Bohu in Gott; dżi wo Pokoju gehe in Frieden; wo Mėſcże in der
Stadt; wo bożim Ṁeṅe im Namen Gottes; wo zaṅdżeném Lėcże im vergangenen
Jahre.

Anm. 1. Das einfache w wird in der Rede nicht ausgeſprochen, ſondern
dient blos zur Bezeichnung des Locativ’s. Z. B. w Mėſcże in der Stadt; w
Buduſchṅe in Bautzen; w Ródżi im Stalle.

Anm. 2. Bei den perſönlichen Fürwörtern und vor gehäuften Conſonanten
ſteht immer wo. Z. B. wo mni in mir; wo tebi in dir; wo nami in uns: wo
nich in ihnen; wo Wſé im Dorfe; wo wſchėm in allem. (§. 2, w.)

Anm. 3. Bei den perſönlichen Fürwörtern der erſten und zweiten Perſon im
Plural wird wo bald mit dem Accuſativ, bald mit dem Locativ gebraucht.
Z. B. zapal wo nas (wo nami) Woheṅ teje Luboſcże entzünde in uns das
Feuer der Liebe.

18. wo um, an

mit dem Accuſativ und Locativ.

1. wo um, an mit dem Accuſativ auf die Frage um was? an was? um wie
viel? Z. B. ſtarai ſo wo Ṗeṅezé kümmere dich um Geld; jenoho wo Strowotu
pżiṅeſcz einen um die Geſundheit bringen; wo to ṅerodżu darum kümmere
ich mich nicht; wo Rubiſchko trėcż an’s Tuch wiſchen; wo tzi Lėta mwȯdſi
um drei Jahre jünger.

2. wo um, von, mit dem Locativ, beſenders bei ſolchen Zeitwörtern, die
ein „wiſſen, verſtehen, erfahren” bedeuten. Z. B. wo tém ja nitżo ṅewėm
ich weiß nichts darum; żto ſé wo tém zhoniw was haſt du davon erfahren?

19. wot von

mit dem Genitiv.

Z. B. to wot Boha pżiṅdże das kommt von Gott; wot nas von uns; wot tżoh’
rétżiſch wovon redeſt du?

<pb n="228"/>

Anm. 1. Wird wot mit dem perſönlichen Fürwort mṅe verbunden oder mit
Wörtern, die mit gehäuften Conſonanten anfangen, ſo empfängt es ein
euphoniſches e oder o Z. B. wote mṅe, woto mṅe (auch wot ṁe) von mir;
witaicże wote Mſchė ſeid willkommen aus der Meſſe!

Anm. 2. Man ſagt wot ſebe und wot ſo; z. B. to ſo ſamo wot ſo zrozemi
das verſteht ſich von ſich ſelbſt. §. 42, 9.

Anm. 3. Dżeṅ wote Dṅa heißt: von Tag zu Tag.

20. z, ze aus, von, mit

mit dem Genitiv und Sociativ.

1. z, ze aus, von (heraus, herab), mit dem Genitiv. Z. B. z Kaṁeṅcza aus
Kamenz; z Luboſcże k Bohu aus Liebe zu Gott; z Nuzé aus Noth; z toho
daraus; z Klėtki pżipojedacż von der Kanzel verkündigen; ze Żtoma panécż
vom Baume fallen; z Koṅa zlėzcz vom Pferde ſteigen; ſtup z Kżiża dele
ſteige vom Kreuze herab.

2. z, ze mit, mit dem Sociativ. Z. B. z Nanom mit dem Vater; z Ṁetżom
mit dem Schwerte; z Muṙemi wobcżeṅené mit Mauern umzogen; z tobu mit
dir; z Khwatom (z Khwatkom) eilig.

Anm. 1. Ze ſteht vor Wörtern, welche mit ſ, ſch, z, ż oder mit gehäuften
Conſonanten anfangen. Z. B. ze Schule aus der Schule; ze ſẇatém Duchom
mit dem heil. Geiſte; ze Wſé aus dem Dorfe; ze Wżiczu mit dem Löffel; ze
wſchėmi mit allen.

Anm. 2. Wird z mit dem perſönlichen Fürwort mnu verbunden, ſo empfängt
es ein euphoniſches o. Z. B. zo mnu mit mir. §. 42, 3.

Anm. 3. Die Adelsbezeichnung „von” wird im Wendiſchen durch z, ze
ausgedrückt. Z. B. z Karlowicz von Karlowitz; z Nadowicz von Radowitz.

Anm. 4. Eigenthümlich iſt die Redensart z Boha, worin ein Hinweis auf
Gottes Güte liegt. Z. B. Żito ſtoji lėtza z Boha praẇe ṙeṅe das Getreide
ſteht heuer aus Gott (durch Gottes Güte) recht ſchön; ṙané Tżas z Boha
mamó wir haben durch Gottes Güte ſchöne Zeit; ſém z Boha ſtrowó ich bin
durch Gottes Gnade geſund; z Boha doſcz durch Gottes Segen genug.

<pb n="229"/>

Anm. 5. Z, ze mit dem Sociativ wird noch in folgenden Redensarten
gebraucht: z Wóknom wonladacż zum Fenſter hinausſehen; z Duṙemi
nutzſtupicż zur Thüre eintreten; z Tżaſom bei Zeiten; z Woſom laut (mit
Stimme).

Anm. 6. Z, ze mit dem Sociativ und mit dem Hilfszeitworte bócż vertritt
häufig die Stelle des Prädicat-Nominativs. Z. B. Bedrich Wilem jo z
Kralom Friedrich Wilhelm iſt König; z Kṅezom bócż Herr ſein; z Wudowu
bócż Wittwe ſein; z Hozpodaṙom bócż Wirth ſein; z Wobódleṅom bócż
wohnen. Vergl. §. 101, 1, 3.

Anm. 7. In Compoſitis geht z bisweilen in ſ über. Z. B. ſwėrné treu;
Swėdoṁo Gewiſſen; ſlubicż geloben; ſlekacż ausziehen. §. 91, 14.

21. za für, innerhalb, bei, hinter

mit dem Accuſativ und Sociativ.

1. za für, mit dem Accuſativ. Z. B. za mṅe für mich; proſch za nas bitte
für uns; za to dafür; za wſcho für alles.

2. za für, anſtatt, mit dem Accuſativ. Z. B. dżi té za mṅe gehe du für
mich; za ſwojoho Bratra anſtatt ſeines Bruders.

3. za, für, zu, als, mit dem Accuſativ. Z. B. woniſu joho za Krala
wuzwolili ſie haben ihn zum Könige erwählt.

4. za für, um, mit dem Accuſativ. Z. B. za dwai Kroſchikai für zwei
Dreier; za ṗecż Toleri für fünf Thaler.

5. za innerhalb, in, mit dem Accuſativ auf die Frage wann? binnen
welcher Zeit? Z. B. za Dżeṅ innerhalb eines Tages; za Żtundu innerhalb
einer Stunde; za Lėto innerhalb eines Jahres; za dwė Ṅedżeli in vierzehn
Tagen; za tzi Mėſaczé in drei Monaten.

6. za bei, an, mit dem Accuſativ, in Verbindung mit den Zeitwörtern
„führen, nehmen, halten, fangen, ziehen.” Z. B. za Ruku ẇeſcz an der
Hand führen; za Nohu popanécż beim Fuße fangen.

7. za hinter, mit dem Accuſativ auf die Frage wohin? Z. B ſo za Blido
ſénécż ſich hinter den Tiſch ſetzen.

8. za hinter, nach, mit dem Sociativ auf die Frage wo? Z. B. wón za
Blidom ſeidżi er ſitzt hinter dem Tiſche; za mnu hinter mir; pżiṅdżcże
za nami kommt uns nach; Krotżeṅo za Kréſtuſom die Nachfolge Chriſti;
żtérczecżi Dṅów za ſobu vierzig Tage nach einander.

<pb n="230"/>

9. za nach, mit dem Sociativ auf die Frage wornach? Z. B. za Żiẇeṅom
hicż nach dem Leben gehen; za jeném praſchecż nach einem fragen; za tżim
żadoſcżiſch wornach begehrſt du? za tém hacż je nachdem als; za Rakami
woṅecż nach Krebſen duften.

§. 91. 2. Präpoſitionen, welche mit Zeitwörtern verbunden werden.

1. Die wendiſche Sprache erhält dadurch, daß ſie eine, zwei oder auch
drei Präpoſitionen mit einem Zeitworte verknüpft, eine außerordentliche
Anſchaulichkeit, Lebhaftigkeit und Feinheit. Dergleichen Zeitwörter
können im Deutſchen nur mit langen und ermüdenden Umſchreibungen
wiedergegeben werden, zumal wenn das Zeitwort ein momentanes, oder
duratives, oder frequentatives iſt[57]⁾.

2. Folgende Präpoſitionen werden mit Zeitwörtern verbunden:

1. do bis hin, zu Ende, vollends.

Z. B. dodacż vollends geben, was noch fehlte; dobicż vollends
todtſchlagen; dóṅcż hingehen; dodżerżecż bis zu Ende halten; dojėſcz
vollends aufeſſen; doẇeſcz bis hin führen.

2. na an (ein wenig oder anfangend), auf, heran; mit ſo: bis zur Genüge.

Z. B. nacżecż Brot anſchneiden; nalemicż anbrechen; nalecż aufgießen;
naroſcz heranwachſen; ſo najėſcz ſich ſatt eſſen; ſo napicż ſich ſatt
trinken; ſo nadżėwacż ſich ſatt arbeiten.

3. nad über, an.

Z. B. nadpanécż überfallen; nadeṅcż antreffen; nadbėhacż anlaufen.

4. po ein wenig, be, über, um.

Z. B. potżakacż ein Weilchen warten; poſtacż ein Weilchen ſtehen;
powowacż berufen; pomazacż überſchmieren; podacż übergeben; poſtortżicż
umſtoßen; powrócżicż umſtürzen.

<pb n="231"/>

5. pod, pode unter.

Z. B. podpiſacż unterſchreiben; ſo podṙecz ſich verſprechen; podkopacż
untergraben; podeṗeracż unterſtützen.

Anm. Pod vor d verliert häufig ſein d. Z. B. poddacż und podacż
untergeben.

6. pże über, durch, durcheinander, ver.

Z. B. pżeṅcż übergehen; pżeladacż überſehen; pżewamacż durchbrechen;
pżedżėwacż durcheinander arbeiten; pżedacż verkaufen; pżeracż
verſpielen; pżeradżicż verrathen.

Anm. Bei einigen Zeitwörtern wird pże in pżė verwandelt. Z. B. pżėſtrėcż
auseinander breiten; ſo pżėwzacż ſich übernehmen.

7. pżed über, zuvor.

Z. B. pżedeṅcż überholen, zuvorkommen.

8. pżi herbei, an, etwas weg, ver.

Z. B. pżiṅeſcz herbeitragen, bringen; pżiẇazacż anbinden; pżidacż
hinzugeben; pżirėzacż etwas wegſchneiden, verſchneiden; pżipojedacż
verkündigen.

9. roz, roze auseinander, entzwei, zer.

Z. B. rozcżėkacż auseinander fliehen; rozdṙebicż zerbröckeln; ſo
rozpuknécż zerſpringen; rozdżėlicż zertheilen; rozehnacż auseinander
treiben.

10. wo werden, be u. ſ. w.

Z. B. woſlepicż blind werden; worótnicż dumm werden; wodżecż bedecken;
woſtajicż da laſſen; wotżinicż aufmachen; wodacż vergeben.

11. wob, wobo um, herum, be.

Z. B. wobdacż umgeben; woblekacż (Kleider) anziehen; wobucż (Stiefel,
Strümpfe) anziehen; wobowhacż belügen.

Anm. 1. Wob vor b verliert häufig ſein b. Z. B. wobohacżicż und
wobohacżicż bereichern.

Anm. 2. Desgleichen wird w nach wob häufig weggelaſſen. Z. B. wobalicż
(für wobwalicż) einhüllen; wobrócżicż (für wobwrócżicż) umdrehen;
woiƀeſnécż (für wobwiſnécż) hängen.

<pb n="232"/>

12. wot, wote weg, ab.

Z. B. woteṅcż weggehen; wotpwacżicż abzahlen; wotṙeknécż entſagen;
wotbolecż aufhören zu ſchmerzen; wotkhoṙecż aufhören krank zu ſein;
wotedacż weggeben; wotehnacż wegtreiben.

13. wu aus, heraus.

Z. B. wudéricż ausſchlagen; wukwaſcz auslegen; wuſpacż ausſchlafen; ſo
wudacż ſich ausgeben, ſich verheirathen (von Frauen); wumóżicż erlöſen.

14. z, ze ab, herab, weg, zuſammen, ver.

Z. B. zrazécż abſchlagen; zlėzcz herabkriechen; zeimacż Karten abheben;
zẇazacż verbinden; ſo zeṅcż zuſammenkommen; ztżinicż fertig machen;
zromadżicż verſammeln.

Anm. Dieſes z geht bisweilen in ſ über; z. B. wuſlecz, wuſlekacż
auskleiden.

15. za, zaw zu, ver, er.

Z. B. zatékacż zuſtopfen; zatżinicż zumachen; zażicż zuheilen, heil
werden; zahojicż zuheilen machen; zaprėcż verläugnen; zaẇeſcz verführen;
zaſwużicż verdienen; zazwonicż anfangen zu läuten, anläuten; zaſpėwacż
anſingen; zatzélicż erſchießen; zawdacż mit Gift vergeben.

§. 92. 3. Zuſammengeſetzte Präpoſitionen und Adverbien als
Präpoſitionen.

1. Blizko nahe, bliże näher

mit dem Genitiv.

Z. B. blizko Dwora nahe am Hofe; bliże Wſé näher am Dorfe; blizko (pola)
Mėſta nahe bei der Stadt.

2. Dale weiter, weiter von

mit dem Genitiv.

Z. B. dale naſchich Polow weiter von unſern Feldern; dale Lipſka über
Leipzig hinaus.

3. Ṁeltżo heimlich, ohne Wiſſen

mit dem Genitiv.

Z. B. ṁeltżo Nana ohne Wiſſen des Vaters.

4. Mėſto anſtatt

mit dem Genitiv.

Z. B. mėſto Boha anſtatt Gottes.

<pb n="233"/>

5. Napżecżiwo entgegen, zuwider

mit dem Dativ.

Z. B. jenomu napżecżiwo rétżecż einem entgegen reden.

6. napżecżo entgegen

mit dem Dativ.

Z. B. Nanei napżecżo hicż dem Vater entgegen gehen.

7. Ṅedaloko unweit

mit dem Genitiv.

Z. B. ṅedaloko Czérkẇe unweit der Kirche.

8. Nimo vorbei

mit dem Genitiv.

Z. B. nimo Dwora beim Hofe vorbei; nimo Mėré über’s Maaß.

9. Niże unter, unterhalb, tiefer unten

mit dem Genitiv.

Z. B. niże Mwóna unterhalb der Mühle.

10. Pȯdla neben, bei

mit dem Genitiv.

Z. B. pódla Kżiża neben dem Kreuze; pódla Drohi neben der Straße.

11. Poſledé, zpoſledé hinter, ſpäter, nach

mit dem Genitiv.

Z. B. zpoſledé Wutżeṙa hinter dem Lehrer.

12. Pozdżiſcho ſpäter

mit dem Genitiv.

Z. B. woni pozdżiſcho nas ze Schule pżiṅdu ſie kommen ſpäter als wir aus
der Schule.

13. Porṅo (po ruṅo), podṅo, podno zur Seite, neben, im Vergleich zu

mit dem Dativ.

Z. B. porṅo bożei Majeſtoſczi gegen, im Vergleich zu Gottes Majeſtät.

14. Pṙedé vor

mit dem Genitiv.

Z. B. pṙedé ṅoho vor ihm; pṙedé ṁe vor mir; pṙedé wſchoho vor allem.

<pb n="234"/>

Anm. Zu unterſcheiden: wón dżo w prėdku (na prėdku) er geht vorn (wo?);
wón do prėdka beiżi er läuft voran (wohin?).

15. Ruṅa gleich

mit dem Dativ.

Z. B. bożi Sén jo ṅeƀeſkom’ Wótczei tżiſcże ruṅa der Sohn Gottes iſt dem
himmliſchen Vater ganz gleich.

Anm. Tohoruṅa heißt: desgleichen.

16. Sṙedż, ſṙedża, woſṙedża inmitten, in der Mitte (wo?)

doſṙedż, doſṙedża in die Mitte hinein (wohin?)

zeſṙedż, zeſṙedża aus der Mitte heraus (woher?)

mit dem Genitiv.

Z. B. ſṙedż bėwoho Dṅa mitten am hellen Tage; woſṙedża Polow inmitten
der Felder; zeſṙedża Tżródé mitten aus der Heerde.

17. Stronu ſeitwärts, abſeits

mit dem Genitiv.

Z. B. ſtronu Ludżi abſeits der Leute.

18. Wokowo, woko um, herum

mit dem Genitiv.

Z. B. woko Mėſta um die Stadt herum; kowo woko ṁe rings um mich her.

19. Wȯſche über, höher als

mit dem Genitiv.

Z. B. wóſche Mrótżeli über den Wolken; ſẇ. Marija jo powóſchena wóſche
wſchitkich Jandżelow die heil. Maria iſt erhöhet über alle Engel.

20. Zadé hinten

mit dem Genitiv.

Z. B. zadé Bróżṅe hinter der Scheune; zadé ṁe hinter mir.

Anm. Zu unterſcheiden: ze zadé von hinten her; do zadé nach hinten hin,
rückwärts; pżi Zadku hinten (wo?).

<pb n="235"/>

21. Zblizka in der Nähe

mit dem Genitiv.

Z. B. zblizka Rėki in der Nähe des Flußes.

22. Zboka ſeitwärts, zur Sette

mit dem Genitiv.

Z. B. zboka Mėſta ſeitwärts der Stadt.

23. Zdale jenſeit

mit dem Genitiv.

Z. B. zdale Jórdana jenſeit des Jordans. Gewöhnlicher: na tamoi Stroṅe
Jórdana.

24. Zkȯncza am Ende, endlings

mit dem Genitiv.

Z. B. zkóncza Wuki am Ende der Wieſe.

25. Znutzka innerhalb

mit dem Genitiv.

Z. B. znutzka Rodu innerhalb des Schloſſes.

26. Zpodé unten, unterhalb

mit dem Genitiv.

Z. B. zpodé Żtomow unter Bäumen; zpodé Blida unter dem Tiſche.

27. Zẇercha oben, oberhalb

mit dem Genitiv.

Z. B. zẇercha Koṅa oberhalb des Pferdes.

28. Zwonka außerhalb

mit dem Genitiv.

Z. B. zwonka Kraja außerhalb des Landes.

Anm. Alle zwei- und mehrſylbigen Präpoſitionen haben die kürzere Form
des erſtperſönlichen Fürwortes nach ſich. Z. B. pola ṁe bei mir; pódla
ṁe neben mir; napżecżo mi gegen mich; zboła ṁe mir zur Seite; zpodé ṁe
unter mir. §. 42, 6.

§. 93. Die Conjunction oder das Bindewort.

1. Conjunctionen oder Bindewörter ſind ſolche unabänderliche Redetheile,
welche entweder einzelne Wörter oder ganze Sätze mit einander verbinden.

<pb n="236"/>

2. Die Bindewörter werden eingetheilt:

1. in unterordnende Bindewörter, welche einen Nebenſatz einem Hauptſatze
unterordnen;

2. in beiordnende Bindewörter, welche Hauptſätze und Hauptſätze, oder
Nebenſätze und Nebenſätze aneinander reihen.

3. Die unterordnenden Bindewörter ſind:

1. fügende. Z. B. zo daß; hacż ob.

2. bedingende. Z. B. déż wenn; dé (mit folgendem Conditional) wenn;
joli, joli zo, heizo wenn; déż pak, joli pak, joli zo pak, heizo pak
wenn aber; khiba zo, khibali zo es ſei denn daß; khiba zo es ſei denn
daß; khiba déż außer wenn; hako (mit folgendem Conditional) als ob; tak
daloko hacż inſofern als.

3. einräumende. Z. B. hacżruṅe obgleich; bórṅe wenn auch; ṅech mag; ṅech
téż mag auch; tak jara hacż, tak ẇele hacż ſo ſehr auch, ſo viel auch.

4. zweckliche. Z. B. zo daß, damit.

5. folgernde. Z. B. duż alſo, demnach; da ſo; da da nun ſo; potaikim
demnach; duż potaikim alſo demnach; tohodla da daher denn nun.

6. begründende. Z. B. dokelż (dokeliż) weil.

4. Die beiordnenden Bindewörter ſind:

1. zuſammenſtellende oder anreihende. Z. B. ha und; téż auch; téż nicz
auch nicht; anicz (ani) und nicht, auch nicht; anicz anicz weder noch;
nicz jeno, hale téż nicht nur ſondern auch; z Dżėlom, z Dżėlom theils,
theils.

2. trennende. Z. B. hale aber, ſondern; pak aber; pak pak (pa pa)
entweder oder, bald bald; habó oder; habó habó entweder oder.

3. entgegenſetzende. Z. B. dṙe zwar, wol; hale aber; pak aber; tola
(t’la) doch; hale pak aber doch; tola pak doch aber; hale tola aber
doch; ſchak ja, doch; ẇele jaczé vielmehr; hewak ſonſt.

4. vergleichende. Z. B. hako wie, gleichwie; ruṅe tak każ ebenſo wie;
nicz wo naiṁeṅſchim nicht im geringſten.

<pb n="237"/>

5. ordnende. Z. B. naipṙedé (k prėṅom’) zuerſt; potom (k druhjom’)
hierauf, nachher; na to darauf; dale weiter, ferner; napoſledku zuletzt;
zkóntżṅe endlich, ſchließlich.

6. begründende. Z. B. pżetoż denn; ṁenuiczé nämlich.

5. Der leichtern Ueberſicht wegen wollen wir die wichtigſten Bindewörter
in alphabetiſcher Reihenfolge aufführen und dieſelben durch einige
Beiſpiele erläutern.

1. anicz (ani) und nicht, auch nicht; anicz anicz weder noch.

Z. B. anicz wo naiṁeṅſchim auch nicht im geringſten; ṅerudż ſo, ani
morkotai betrübe dich nicht, murre auch nicht; boże Kraleſtwo ṅejo Jėdż
ani Picżo, hale Prawdoſcz ha Mėr Röm. 14, 17.; anicz tu anicz tam weder
hier noch dort. Vergl. §. 102, 6, 13 — 17.

2. bȯrṅe (bȯ ruṅe), bórṅeż wenn auch, wenn gleich

wird immer mit dem Subjunctiv (bóch, bėch und Particip) verbunden. Z. B.
bórṅe bóch bów wenn ich auch wäre; bórṅe bóch radé czéw wenn ich auch
gern wollte; bórṅe bó Kréſtus ſam rétżaw, woni bóchu jomu ṅewėrili wenn
auch Chriſtus ſelbſt redete, ſie würden ihm nicht glauben. Vergl. §.
104, 20.

3. da (dha) ſo, alſo, nun, denn, doch.

1. im Nachſatze. Z. B. joli jo maſch, da dai wenn du haſt, ſo gieb!
Vergl. §. 103, 6.

2. bei Schlußfolgerungen. Z. B. Pohani wėṙachu, zo wo Znaṁeṅach nėżto
bóizke zakhowane jo, ha wopokazuwachu jim bóizku Tżeſcz. Zo da bóchu
Żidża k taikim pohanſkim Waſchṅam zaẇedżeni ṅebóli, bóchu jim wſchė
Sẇecżata zakazane die Heiden glaubten, daß in den Bildern etwas
Göttliches verborgen ſei und erwieſen ihnen göttliche Ehre. Damit nun
die Juden nicht zu ſolchen heidniſchen Gebräuchen verführt würden,
wurden ihnen alle Bilder verboten; dokelż da weil alſo.

3. zur Ermunterung. Z. B. da pói da zaſé ſo komm’ denn wieder!

<pb n="238"/>

4. zur Verſtärkung der Frage. Z. B. żtó da wer denn? dże da wo denn? Muż
da habó Żona nun denn, Mann oder Frau? Vergl. §. 94, ha.

4. dé (hdé) wenn

mit dem Subjunctiv (bóch, bėch und Particip) verbunden, bezeichnet:

1. eine ungewiſſe Bedingung. Z. B dé bó Cżwojek czéwó Swėt nadobów, hale
bó Żkodu mėw na ſwojei Duſchi, żto bó jomu to pohawo wenn der Menſch die
ganze Welt gewönne, aber Schaden litte an ſeiner Seele, was würde ihm
das helfen? Kṅeże, dé bė té tudé bów, ṅebė mói Bratr wumṙew Herr, wenn
du hier geweſen wäreſt, würde mein Bruder nicht geſtorben ſein.

2. einen Wunſch und Ausruf. Z. B. dé bó té zpóznaw, żto jo k twojom’
Pokojei wenn du erkennen möchteſt, was zu deinem Frieden iſt! Vergl.
weiter unten zo, ſowie §. 102, 6, 5.

Anm. Von vorſtehendem dé ſind wohl zu unterſcheiden:

1. das Fragewort dé wann? Z. B. dé ſé pżiſchow wann biſt du gekommen? dé
da wann denn? nichtó ṅewė, dé ha kah niemand weiß, wann und wie.

2. dé je. Z. B. wſchitczé, kiż dé zbóżṅe wumṙeli ſu, ſu k Zbóżnoſczi
dóiſchli pżez Kréſtuſa alle, welche je ſelig geſtorben ſind, ſind zur
Seligkeit gelangt durch Chriſtum.

5. déż (hdéż) als, wenn, da

bezeichnet:

1. die Zeit. Z. B. déż Herodes na Żidowſkei kraluwaſche, bó Kréſtus
narodżené als Herodes über Judäa herrſchte, wurde Chriſtus geboren.

2. die Bedingung. Z. B. dėż wo wėſtei Należnoſczi jich jaczé romadu
dżerżi, jo to Zromadżijeṅſtwo wenn in einer gewiſſen Angelegenheit ihrer
mehrere zuſammenhalten, ſo iſt das Gemeinſchaft.

3. den Grund. Z. B. z tobu żana Rétż ṅejo, déż ſé wuchi mit dir iſt
keine Rede, da du taub biſt; déż ſu ſo za mudréch mėli, ſu woni bwazni
ztżiṅeni da ſie ſich für weiſe hielten, ſind ſie Thoren geworden.

<pb n="239"/>

6. déżli als

wird nach Comparativen gebraucht. Z. B. lóżo jo, ſwabe Woitżki mólicż ha
zatżėmnicż, déżli dowutżicż ha wujaſnicż leichter iſt’s, ſchwache Köpfe
zu verwirren und zu verdunkeln, als zu belehren und aufzuklären;
Jandżelo ſu ṅezkóntżṅe ṁeṅſchi déżli Bóh Engel ſind unendlich geringer
als Gott. Vergl. §. 40, 1, 9.

7. dȯiż (doniż) ſo lange als, bis.

1. ſo lange als. Z. B. dóiż Hona ſo zeleṅa ſo lange als die Fluren
grünen; dżėwaicże, dóiż jo Dżeṅ arbeitet, ſo lange es Tag iſt.

2. bis (hier kann auch hacż oder tak dowho hacż gebraucht werden). Z. B.
tżakai, dóiż Nan ṅepżiṅdże warte, bis der Vater kommt; wó ṅedérbicże te
Widżeṅo nikomu pojedacż, dóiż Sén toho Cżwojeka wot Morwóch hoṙeſtanéw
ṅejo Mtth. 17, 9. Vergl. §. 102, 6, 11.

8. dokelż, dokeliż weil.

Z. B. Bóh wopwacża Dobre ha żtravuẇe Zwo, dokelż jo zprawné Gott belohnt
das Gute und beſtraft das Bȯſe, weil er gerecht iſt.

9. duż alſo, nun

eine Folgerung bezeichnend. Z. B. Bóh jo pżez Kréſtuſa k nam Cżwojekam
rétżaw, duż wėṙ do Kréſtuſa Gott hat durch Chriſtum zu uns Menſchen
geredet, alſo glaube an Chriſtum.

10. dżėn, dżė ja, doch.

Z. B. bóchuli boże Skutkuwaṅa taike bówo, zo cżwojetżi Rozom je zlóchka
wopżijecż mów: tak dżėn bóchu ṅemówo rėkacż zpodżiwne ha ṅewuprajitne
wenn Gottes Werke ſo beſchaffen wären, daß der menſchliche Geiſt ſie
leicht begreifen könnte: ſo würden ſie ja nicht wunderbar und
unausſprechlich heißen können; té dżėn ṅerozpóznajeſch ha ṅedozrozemiſch
nėżtożkuli wot toho, żtoż zpodé tebe jo: kah da budżeſch wopżijecż to,
żtoż wóſche tebe jo? pói dżėn komm’ doch! poſkai dżėn höre doch!

11. ha und.

Z. B. wo Ṁeṅe Boha Wótcza, ha Séna, ha Ducha ſẇatoho im Namen Gottes des
Vaters und des Sohnes und des heil. Geiſtes.

<pb n="240"/>

12. habȯ (habé) oder, habȯ habȯ entweder oder.

Z. B. Muż habó Żona Mann oder Frau; habó Dobócżo habó Sṁercż entweder
Sieg oder Tod.

13. hako (jako) wie, gleichwie, als wie, als wenn.

1. wie, gleichwie, wenn ein Poſitiv mit oder ohne tak vorausgeht. Z. B.
joho Woblitżo ſwėcżeſche ſo hako Swónczo, ha joho Draſta bė bėwa hako
Snėh ſein Angeſicht leuchtete wie die Sonne, und ſeine Kleidung war weiß
wie Schnee.

2. als, als wie, nach Comparativen (für hacż). Z. B. nėkotréżkuli Ṗeṅezé
bóle lubuẇe hako ſo ſamoho mancher liebt das Geld mehr als ſich ſelbſt.

3. als wenn, mit nachfolgendem Subjunctiv (bóch, bėch und Particip). Z.
B. hako bó Bóh ṅezprawné bów als wenn Gott ungerecht wäre; hako bó
Kréſtuſowa Czérkei do Bwuda panécż mówa als wenn die Kirche Chriſti in
Jrrthum fallen könnte.

4. als, zeitbeſtimmend. Z. B. hako Jėzus dwanacże Lėt ſtaré bė, dżėſche
wón do Jėruzalema als Jeſus zwölf Jahr alt war, ging er nach Jeruſalem.

5. als, erklärend. Z. B. Jėzus jo na Swėt pżiſchow hako Wumóżnik ha
budże zas pżiṅcż hako Sudnik Jeſus iſt auf die Welt gekommen als Erlöſer
und wird wiederkommen als Richter; ſẇate Piſmo rėkaju te Knihe, wo
kotréchż boże Wozjeẇeṅa wot ſẇatéch Muſkich, hako Patriarchow, Provetow,
Jėzuſowóch Japożtowow ha Wutżownikow, z bożoho Nutzdawaṅa ſu napiſane
bówo.

14. hale aber, ſondern.

1. aber, einen unerwarteten Gegenſtand anzeigend. Z. B. hale boże dla,
żto tżiniſch aber um Gottes willen, was machſt du? hale, hale, Huſé ſu w
Kale aber, aber, Gänſe ſind im Kraute.

2. aber, allein, einen Gegenſatz bezeichnend. Z. B. drohje jo, hale
dobre theuer iſt’s, aber gut.

3. ſondern, mit vorausgegangener Verneinung. Z. B. wot tohoſamoha Dṅa
nichtó ṅewė, téż nicz Jandżelo wo Ṅeƀeſach, téż nicz tón Sén, hale jenoi
tón <pb n="241"/>Wótcz Mark. 13, 32.; nicz tón zahinité Swėt, hale toho
ṅezahinitoho Boha dérbimó lubuwacż nicht dieſe vergängliche Welt,
ſondern den unvergänglichen Gott müſſen wir lieben.

15. hacż (hatż) als, ob, bis, wenn, ſo daß.

1. als, nach Comparativen und nach tak. Z. B. Zeṁa jo ẇetſcha hacż
Mėſacz die Erde iſt größer als der Mond; tak khėtzje hacż móżno ſo
ſchnell als möglich.[58]⁾

2. ob, bei Fragen. Z. B. hacż ſmėm habó ṅeſmėm ob ich darf oder nicht?
hacż da ta Duſcha ṅejo jaczé déżli Jėdż iſt denn die Seele nicht mehr
als die Speiſe? wó ṅewėſcże, dé tón Kṅez toho Domu pżiṅcż budże, hacż na
Ẇetżor, hacż wo Pównoczé hacż pżi Zaſpėwaṅu toho Honatża, habó hacż na
Raṅo Mark. 13, 35.

3. bis. Z. B. tón Splahw ṅebudże zaṅcż hacż ſo wſchitko to ſtaṅe dieſes
Geſchlecht wird nicht vergehen, bis alles das geſchieht; hacż do bėwoho
Dṅa bis zum hellen Tage.

4. wenn, bedingend für joli zo. Z. B. hacż hotowi neiſcże, da ſo
ladaicże wenn ihr nicht fertig ſeid, ſo ſehet euch vor.

5. ſo daß, für: tak zo (ſelten). Z. B. ja ſo ſtróżich, hacż tżepotam ich
erſchrak, ſo daß ich noch zittere.

16. hacżruṅe, hacżruniſch, hacż — ruṅe obgleich, obſchon.

Z. B. wuſkṅena Hawza, hacżruṅe hiſchcże toho Ṗeṅka ſo dżerżi, tola
żaneje Ṁezé toho Żiẇeṅa wo ſebi nima ein verdorrter Zweig, obgleich er
noch an dem Stamme feſthält, hat doch keinen Saft des Lebens in ſich.

Anm. Mit hacż werden noch folgende Bindewörter geformt: nédém hacż
ſogleich als, ſobald als; potom hacż nachdem; pṙedé hacż bevor; tak
dowho hacż ſo lange als; za tém hacż jenachdem.

<pb n="242"/>

17. joli, joli zo, heizo, heizoli wenn, es ſei denn daß, im Falle daß.

Z. B. joli trėbne wenn es nöthig iſt; wó ſcże Sól teje Zeṁe, joli zo Sól
zeſtuchṅe, z tżim budże ſo ſélicż ihr ſeid das Salz der Erde, wenn das
Salz dumpfig wird, womit ſoll man ſalzen; joli zo zlė tżiniſch, bói ſo
wenn du übel thueſt, ſo fürchte dich.

18. każ wie, als ob

mit nachfolgendem Subjunctiv (bóch, bėch und Particip). Z. B. wón tżini,
każ bó ſpaw habó nėmó bów er macht, als ob er ſchliefe oder ſtumm wäre.
Vergl. hako, 3.

19. khiba, khibali außer, ausgenommen; khiba zo, khibali zo ausgenommen
daß, es ſei denn daß; khiba déż außer wenn.

Z. B. żana Wóſchnoſcz ṅejo, khiba wot Boha Röm. 13, 1.; winowó Prut ſam
wot ſo żanoho Pwodu pżiṅeſcz ṅemóże, khiba zo na Ṗeṅku woſtaṅe eine
Weinrebe kann von ſich ſelber keine Frucht bringen, es ſei denn daß ſie
am Stocke bleibe.

20. ṅech mag

dient zur Bildung des Conceſſiv’s und ſteht nur bei Zeitwörtern im
Präſens, Jmperfectum, Perfectum, Plusquamperfectum, Futurum und
Subjunctiv. Z. B. ṅech jo mag es ſein; ṅech dżo mag er geben; ṅech ſmó
żiwi, habó ṅech wumṙemó, mó ſmó toho Kṅeza mögen wir leben oder ſterben,
wir ſind des Herrn.

21. nicz jenoi (jeno, jenoż), hale téż nicht nur, ſondern auch.

Z. B. nicz jenoi khudé, hale téż khoré nicht nur arm, ſondern auch
krank.

22. pak, pa aber, oder, pak pak (pa pa) entweder oder, bald bald.

1. aber, entgegenſetzend oder verbindend. Z. B. to pak ṅewėṙu das aber
glaube ich nicht; to pak jo te wėcżne Żiẇeṅo, ſo woni tebe, toho wėrnoho
Boha, zpóznaja, ha Jėzuſa Kréſtuſa, kotrohoż ſé póſwaw Joh. 17, 3.; żto
ſé pak zaſé tżiniw was haſt du aber wieder gethan?

<pb n="243"/>

2. entweder oder, beſonders bei Jmperativen. Z. B. pak dżi, pak woſtaṅ
entweder gehe oder bleibe!

3. bald bald. Z. B. pak Swónczo ſwėcżi, pak Deſchcżik dżo bald ſcheint
die Sonne, bald regnet es; pa Draſtu, pa Ṗeṅezé bald Kleider, bald Geld.

4. oder aber (ſelten). Z. B. té kraṅeſch, pak maſch Zmija du ſtiehlſt,
oder aber du haſt einen Drachen.

23. ṗetża wie man erzählt, ſoll

(aus poẇedża zuſammengezogen) ſteht nur beim Zeitworte und macht die
Ausſage ungewiß. Z. B. wón jo ṗetża ẇele dobów er hat, wie man erzählt,
viel gewonnen, er ſoll viel gewonnen haben.

24. potaikim demnach, demzufolge.

Z. B. Bóh wodawa Rėſchnikam, potaikim jo miwoſcziwó Gott verzeiht den
Sündern, demnach iſt er barmherzig.

25. pżetoż denn.

Z. B. tżiṅcże Pokutu ha nakazaicże ſo, pżetoż boże Kraleſtwo jo ſo
pżibliżiwo thuet Buße und bekehret euch, denn das Reich Gottes hat ſich
genähert.

26. ruṅe tak deṙe każ eben ſowohl wie

bei Vergleichungen. Z. B. ruṅe tak deṙe tón Khudé każ tón Bohaté eben
ſowohl der Arme wie der Reiche.

27. ſchak (wſchak) doch, ja

entgegnend oder verbindend. Z. B. to ſchak wėſcże ṅepżiṅdże wot dobroho
Ducha das kommt doch gewiß nicht vom guten Geiſte; ſchak maſch du haſt
ja; pói ſchak komm’ doch! hai ſchak ja doch! ſchak ſém zmėrom ich bin ja
ruhig; Bóh ſchak móże ẇele jacz zeſkutkuwacż hacż Cżwojek dozrozemicż
Gott kann ja viel mehr wirken als der Menſch verſtehen.

28. téż (też, teiż, tei) auch, ſogar; téż nicz auch nicht.

Z. B. téż Jėzus ze ſwojimi Wutżownikami bė na Kwas pżeproſchené auch
Jeſus mit ſeinen Jüngern war auf die Hochzeit geladen; téż té ſogar du?
nichtó, téż nicz tón Sén niemand, auch nicht der Sohn.

<pb n="244"/>

29. tohoruṅa desgleichen

anreihend. Z. B. ſta ſo, zo Mėſchnik po teiſamoi Drozé dżėſche, tohoruṅa
téż Levita es geſchah, daß ein Prieſter auf derſelben Straße ging,
desgleichen auch ein Levit.

30. tola (t’ la) doch, jedoch

entgegenſetzend. Z. B. ja ſém to ſwóſchaw, tola pak, hacż wėrno jo,
ṅemȯżu prajicż ich habe das gehört, doch aber, ob es wahr ſei, kann ich
nicht ſagen; wupi Ludżo, żto tola zapotżinacże thörichte Leute, was
fanget ihr doch an? ſchak tola pżeczé hadruẇeſch du zankſt ja doch
immer!

31. zo daß, damit, weil.

1. daß, umſchreibend, beſonders die Jnfinitive. Z. B. ja widżu, zo wón
pżiṅdże ich ſehe, daß er kommt, ich ſehe ihn kommen; déż Herodes
ſwóſcheſche, zo nowó Kral téch Żidow narodżené jo, ſtróżi ſo wón als
Herodes hörte, daß der neue König der Juden geboren worden ſei, erſchrak
er.

2. damit, in der Abſicht daß, ſtets mit dem Subjunctiv (bóch, bėch und
Particip). Z. B. Bóh jo téch Cżwojekow ztworiw, zo bóchu joho zpóznali,
lubuwali, tżeſcżuwali, jomu poſuſchni bóli ha nėdé po Sṁercżi do Ṅeƀes
pżiſchli Gott hat die Menſchen erſchaffen, damit ſie ihn erkennen,
lieben, ehren, ihm gehorſam ſeien und einmal nach dem Tode in den Himmel
kommen; té dérbiſch Nana ha Macż wo Tżeſczi mėcż, zo bó ſo tebi deṙe
ſchwo, ha té dowho żiwó bów na Zemi.

3. daß, ſo daß, folgernd. Z. B. tak jara jo Bóh tón Swėt lubuwaw, zo jo
ſwojoho jednorodżenoho Séna podaw Joh. 3, 16.

4. daß, weil. Z. B. tohodla, zo ſé ṅewėriw mojim Swowam deshalb, weil
(daß) du meinen Worten nicht geglaubt haſt.

5. daß, beim Ausruf und Wunſch, mit dem Subjunctiv. Z. B. zo bóch tola
doſtoiné bów daß ich doch würdig wäre! zo bó té tola zpóznaw daß du doch
erkennen möchteſt! Vergl. dé, 2., ſowie §. 102, 6, 4.

<pb n="245"/>

32. tżim deſto, um deſto; tżim, tżim je deſto.

1. deſto. Z. B. Jėzus ṁeltżeſche, tón Lud pak joho tżim bóle haṅeſche
Jeſus ſchwieg, das Volk aber ſchmähete ihn deſto mehr.

2. je deſto, bei Comparativen. Z. B. tżim wóſche ſtupiſch, tżim huƀe
paṅeſch je höher du ſteigſt, deſto tiefer du fällſt. Vergl. §. 103, 5.

§. 94. Die Anhängepartikeln.

Die wendiſche Sprache hat einige Partikeln (Wörtchen), welche gewiſſen
Redetheilen angehängt werden. Dergleichen Anhängepartikel ſind:

1. ha

verſtärkt die Fragewörter und hat die Bedeutung des deutſchen „denn”. Z.
B. żtóha wer denn? dżeha (dż’ha) ſé wo biſt du denn? k tżomuha, k
tżom’ha wozu denn? w kotrémha Tżaſu jo welche Zeit iſt’s denn? Vergl. §.
93, da, 4.

2. li

wird mit dem Jndicativ oder Subjunctiv der Zeitwörter verbunden und iſt
das bedingende „wenn”. Z. B. ſémli wenn ich bin; maſchli wenn du haſt;
bóli pak jedén ſei móſliw wenn aber einer dächte; ſéli bożi Sén wenn du
Gottes Sohn biſt. Vergl. §. 58, ♣B.♠ 4.

3. ż

wird mit Fragewörtern verbunden und macht dieſelben bezüglich (relativ).
Z. B.

dże (hdże) wo? dżeż (hdżeż) wo

kaiki wie beſchaffen? kaikiż wie beſchaffen

ka, kah, kak wie? każ (kaiż, kai) wie

kotré, a, e welcher? kotréż, aż, eż welcher

żtó wer? żtóż wer

żto was? żtoż was

Vergl. §. 45.

4. żkuli, żkuliż

wird mit den unbeſtimmten Fürwörtern verbunden und verallgemeinert
dieſelben. Z. B. nėkotréżkuliż ſo mancher, wer es auch ſei; nėżtożkuliż
etwas, was immer. Vergl. §. 45, 5 und §. 46, 4.

<pb n="246"/>

§. 95. Die Jnterjection oder der Ausruf.

1. Die Jnterjection oder der Ausruf befaßt ſolche Laute, welche der
Menſch auszuſtoßen pflegt, um eine Empfindung der Freude, Betrübniß,
Verwunderung, des Schmerzes, Mißfallens u. ſ. w. zu bezeichnen.

2. Der Ausruf zerfällt:

1. in bloße Laute;

2. in Wörter;

3. in Sätze und Satzkürzen;

4. in Naturtöne.

§. 96. Eintheilung der Ausrufe.

1. Bloße Laute als Ausruf.

1. Laute der Freude: heiſa, heiſaſa, hopſa, hopſaſa, trala, juchei,
jujujuju!

2. Laute des Schmerzes: aw jaw, aw jawjaw, o, ow, och!

3. Laute der Furcht und des Ekels: hu, vi!

4. Laute der Verwunderung: ai ai, aha, oho, nó!

5. Laute des Zuruf’s: heida, hola, pſt, ſt!

6. Laute des Lachens: hahaha, hihihi!

2. Wörter als Ausruf.

Bėda wehe; Duſchu meiner Seele; lei ſiehe; leicże ſehet; hale hale aber,
aber; mordjo zeter Mord; na da haſt du; natai, natei da habt ihr beide;
nacże da habt ihr; nó ſchak ei doch; nó ſchak tola ei nun doch;
Ṅebożatko (entſtanden aus: ṅeboh’ Dżėcżatko), Żatko Armer, Hilfsloſer;
ow Jė (d. i. ow Jėzuſo) ach Herr Jeſus; ow jena o Jammer; poſkai höre;
poſkaicże höret; roſteicże zeter Mord; Swawa Heil, vivat; té Rawſo du
Schelm; té Rapako du Rabe; té Schibako du Schelm; tżwóda (Genitiv von
Tżwódo Wunder) wahrlich; Żkoda Schade; Smorże nichts da! (eigentlich:
Morcheln.)

3. Sätze und Satzkürzen als Ausruf.

Bohzkorżeno, Bohu bódż zkorżene Gott ſei es geklagt!

Bohużel Gott ſei es geklagt, leider!

<pb n="247"/>

Bóh toho ṅedai das ſei ferne! Bóh dai, Bóh daw Gott gebe!

Bóh zwarnui Gott bewahre!

Pomhai Bȯh helfe Gott!

Werſch pomhazé der Höchſte helfe!

Dali Bóh will’s Gott!

Dżakuwaṅo Bohu, dżakuwane Bohu, Bohu bódż Dżak Gott ſei Dank!

Zapwacż Bóh bezahl’s Gott!

Ẇele Zboża viel Glück! Dai Bóh Zbożo Gott gebe Glück! Antwort: Dai to
Bóh das gebe Gott!

Pſeizkorżeno, Pſeizkobano (dem Hunde ſei’s geklagt, gezupft), potz
Geier!

Pżiſabohu bei Gott geſchworen!

To bó bówo das wäre!

To bó Djabow (Djas) das wäre der Teufel!

To bó Dunder ei der Donner!

To bó Tżeṗel das wäre der Geier!

Zo bó tola daß doch!

4. Naturtöne als Ausruf.

Bucz! bei’m Stoße mit dem Kopfe.

Fuk, huſch! bei ſchneller Bewegung.

Haw haw! auf Hunde.

Hóntżo hóntżo! auf Schweine.

Hot, hi, je, pr! auf Pferde.

Kacz, micz! auf Katzen.

Knék! beim Zerbrechen eines Gegenſtandes.

Liba liba! auf Gänſe.

Put put! auf Hühner.

Praſk! bei’m Schlagen.

Schip ſchip! auf Schafe.

§. 97. Bemerkungen.

1. Die Ausrufe regieren eigentlich keinen Caſus, doch werden ſie häufig
mit dem Nominativ oder Vocativ, ſeltener mit dem Genitiv verbunden. Z.
B. ach ja huƀené Cżwojek ach ich elender Menſch! o té Schibako o du
Schalk! o toho Ṅerozoma o des Unverſtandes!

<pb n="248"/>

2. Bėda hat entweder den Dativ nach ſich, oder die Präpoſition na mit
dem Accuſativ. Z. B. bėda tebi wehe dir! bėda na tebe wehe über dich!

3. Żkoda hat den Genitiv nach ſich. Z. B. Żkoda tebe Schade um dich!

4. Nach bohzkorżeno und roſteicże ſteht die Präpoſition na mit dem
Accuſativ. Z. B. bohzkorżeno na tebe Gott ſei’s geklagt über dich!
roſteicże na toho Muża zeter Mord über dieſen Mann!

5. Ṅebożatko, pżiſabohu und roſteicże haben den Ton auf der vorletzten
Sylbe.

Dritter Theil.

Syntar oder Wortfügung.

§. 98. Erklärung.

Die Syntar oder Wortfügung iſt derjenige Theil der Grammatik, welcher
zeigt, wie die Wörter ſich zu Sätzen verbinden laſſen, und wie die
einzelnen Formen der wandelbaren Redetheile gebraucht werden müſſen.

Erſter Abſchnitt.

§. 99. Vom Satze.

1. Ein Satz iſt ein ausgeſprochener, in Worte gefaßter Gedanke.

2. Jeder Satz enthält wenigſtens zwei Theile:

1. den Selbſtand oder das Subject, d. h. die Perſon oder Sache, von
welcher etwas ausgeſagt wird;

2. die Ausſage oder das Prädicat, d. h. das, was von dem Subjecte
ausgeſagt wird.

Z. B. Nan piſa der Vater ſchreibt. Jn dieſem Satze iſt „Nan” der
Selbſtand, „piſa” die Ausſage.

3. Der Selbſtand, welcher immer im Nominativ auf die Frage wer? oder
was? ſteht, iſt allemal ein Hauptwort, oder ein die Stelle deſſelben
vertretendes Eigenſchaftswort oder Fürwort. Z. B. Nan piſa der Vater
ſchreibt; Slepó ṅewidżi der Blinde ſieht nicht; ja tżitam ich leſe.

4. Als Selbſtand ſteht zuweilen auch ein Jnfinitiv. Z. B. nicz bracż,
hale dawacż jo ṙeṅe nicht Nehmen, ſondern <pb n="250"/>Geben iſt ſchön;
Khoréch wopótacż jo Skutk kżeſczijanſkeje Miwoſcże Ktanke zu beſuchen
iſt ein Werk chriſtlicher Barmherzigkeit.

5. Der Selbſtand wird nicht immer beſonders ausgedrückt; er ſteckt aber
alsdann im Zeitworte. Z. B. piſam ich ſchreibe; pótamó wir ſuchen. Denn
die perſönlichen Fürwörter: „ich, du, er, wir, ihr, ſie” werden im
Wendiſchen nur dann geſetzt, wenn ein beſonderer Nachdruck darauf ruht,
oder wenn ein Gegenſatz angezeigt werden ſoll. Z. B. ja ſém to piſaw,
nicz té ich habe das geſchrieben, nicht du.

6. Die Ausſage iſt entweder:

1. ein Zeitwort; z. B. Nan piſa der Vater ſchreibt. Oder:

2. ein Eigenſchaftswort; z. B. Cżwojek jo ſṁertné der Menſch iſt
ſterblich. Oder:

3. ein Hauptwort; z. B. Jėzus Kréſtus jo Wumóżnik toho Swėta Jeſus
Chriſtus iſt der Erlöſer der Welt.

7. Jſt die Ausſage ein Eigenſchaftswort oder Hauptwort, ſo muß die
Verbindung des Selbſtandes mit der Ausſage durch das Hilfszeitwort bócż
bewirkt werden. Dieſes Hilfszeitwort heißt dann das Satzband oder die
Copula. Z. B.

Cżwojek — Selbſtand

jo — Satzband

ſṁertné — Ausſage

8. Manche Ausſage-Zeitwörter brauchen eine Ergänzung oder ein Object, um
einen vollſtändigen Sinn zu haben. Z. B. Wutżeṙ khwali der Lehrer lobt —
dieſer Satz braucht noch eine Ergänzung: Wutżeṙ khwali Schuleṙa der
Lehrer lobt den Schüler.

9. Zeitwörter, welche zur Vervollſtändigung des Sinnes noch einer
Ergänzung bedürfen, heißen bezügliche Zeitwörter. Dergleichen Zeitwörter
werden nämlich auf ein anderes Wort (Hauptwort) bezogen. Z. B. Żtom ṅeſe
Pwodé der Baum trägt Früchte. Vergl. §. 56, 3. 4.

10. Jene Zeitwörter hingegen, welche nicht auf ein anderes Wort bezogen
werden, ſondern ſchon an ſich verſtändlich ſind, heißen unbezügliche
Zeitwörter. Z. B. Nan ſpi der Vater ſchläft; Macż ſeidżi die Mutter
ſitzt.

11. Die Ergänzungen werden eingetheilt:

<pb n="251"/>

1. in Sachergänzungen,

2. in Perſonergänzungen.

12. Die Sachergänzung kann ſtehen:

1. im Accuſativ, auf die Frage wen? oder was? Z. B. Nan piſa Liſt der
Vater ſchreibt einen Brief.

2. im Genitiv, auf die Frage weſſen? Z. B. zmużité Wojak jo Khwawó hódni
der tapfere Soldat iſt des Ruhmes werth.

3. mit einer Präpoſition. Z. B. Kżeſczijan wėri do Boha der Chriſt
glaubt an Gott.

4. im Nominativ bei den Zeitwörtern werden, bleiben, heißen (bówacż,
zbówacż, woſtacż, rėkacż). Z. B. Marija bó Macż wėrnoho Boha Maria wurde
Mutter des wahren Gottes; Jėzus rėka Zbóżnik Jeſus heißt Heiland.

13. Die Perſonergänzung ſteht im Dativ auf die Frage wem? Z. B. Lėkaṙ
zapiſa Khoromu Lėkarſtwo der Arzt verſchreibt dem Kranken Arznei;
Kżeſczijan wodawa ſwojim Ṅepżecżelam der Chriſt verzeiht ſeinen Feinden.

14. Die Ausſage im Satze kann noch näher beſtimmt werden durch die
Umſtände.

15. Die Umſtände ſtehen auf die Fragen: wo? wann? wie? warum? wozu? u.
ſ. w. und bezeichnen den Ort, die Zeit, die Weiſe, den Zweck und die
Urſache. Z. B. Wutżeṙ rozwutżuẇe Schuleṙow w Schuli der Lehrer
unterrichtet die Schüler in der Schule; Mėſacz ſwėcżi w Noczé der Mond
leuchtet in der Nacht; Pawow bó z Ṁetżom zkónczuwané Paulus wurde mit
dem Schwerte getödtet; Kżeſczijan woſtaji ſo Zwoho z Luboſcże k Bohu der
Chriſt meidet das Böſe aus Liebe zu Gott; Kréſtus bó w Bethleheṁe wo
Ródżi w Tżaſu Kheiżora Awguſta w Noczé na zpodżiwne Waſchṅo k Wumóżeṅu
toho Swėta narodżené Chriſtus wurde zu Bethlehem in einem Stalle zur
Zeit des Kaiſers Auguſtus in der Nacht auf wunderbare Weiſe zur Erlöſung
der Welt geboren.

16. Ein Hauptwort, es mag als Selbſtand, als Ausſage oder als Ergänzung
ſtehen, kann noch eine nähere Beſtimmung, nämlich eine Beifügung (ein
Attribut), oder einen Zuſatz (eine Appoſition) erhalten.

<pb n="252"/>

17. Die Beifügung zu einem Hauptworte (das Attribut) kann ſein:

1. ein Eigenſchaftswort. Z. B. mawé Jakub jo pilné Schuleṙ der kleine
Jakob iſt ein fleißiger Schüler.

2. ein Mittelwort (Participium). Z. B. kcżėjacza Róża jo ṙana die
blühende Roſe iſt ſchön; zhubené Sén zaſé pżiṅdże der verlorene Sohn
kommt wieder.

3. ein Ordnungszahlwort. Z. B. prėni Cżwojek rėkaſche Hadam der erſte
Menſch hieß Adam.

4. ein unbeſtimmtes Zahlwort. Z. B. nėkotzi Schuleṙo ſu lėni manche
Schüler ſind faul.

5. ein beſitzanzeigendes Fürwort. Z. B. mói Dom jo Dom toho Modleṅa mein
Haus iſt ein Bethaus.

6. ein hinweiſendes Fürwort. Z. B. tón Hólcz jo pilné dieſer Knabe iſt
fleißig.

7. ein fragendes Fürwort. Z. B. kotré Cżwojek budże zbóżné welcher
Menſch wird ſelig werden?

8. ein Hauptwort, und zwar:

♣a.♠ im Genitiv. Z. B. Cżwojekow Móſle neiſu boże Móſle der Menſchen
Gedanken ſind nicht Gottes Gedanken.

♣b.♠ im Accuſativ. Z. B. tżora ſẇecżachmó Swėtżk Mariju geſtern feierten
wir Maria-Lichtmeß.

♣c.♠ mit einer Präpoſition. Z. B. Pucż do Hele jo ſchėroki, Pucż do
Ṅeƀes jo wuſki der Weg zur Hölle iſt breit, der Weg zum Himmel iſt
ſchmal.

18. Der Zuſatz zu einem Hauptworte (die Appoſition) wird gewöhnlich
durch ein Hauptwort ausgedrückt. Z. B. Kréſtus, tón Sén bożi, jo z Ṅeƀes
na Zeṁu deleſtupiw Chriſtus, der Sohn Gottes, iſt vom Himmel auf die
Erde herabgeſtiegen; Pawow, tón Japożtow, rėkaſche pṙedé Sawl Paulus,
der Apoſtel, hieß vorher Saulus.

19. Die Sprachlehre unterſcheidet zwei Arten von Sätzen:

1. den einfachen Satz;

2. den zuſammengeſetzten Satz (Sammſatz).

20. Der einfache Satz zerfällt:

1. in den reinen einfachen oder nackten Satz, wo blos Selbſtand und
Ausſage vorkommen. Z. B. Nan piſa der Vater ſchreibt (§. 99, 2.).

<pb n="253"/>

2. in den erweiterten oder ausgebildeten reinen Satz, wo Selbſtand und
Ausſage noch einen Beſtimmer (Sachergänzung, Perſonergänzung, Umſtand,
Beifügung, Zuſatz) bei ſich haben (§. 99, 8—18). Z. B. Jėzus Kréſtus,
tón jednorodżené Sén bożi, prėduwaſche tém rėſchném Cżwojekam ſẇate
Sczeṅo pżez tzi Lėta wo żidowſkim Kraju Jeſus Chriſtus, der eingeborene
Sohn Gottes, predigte den ſündigen Menſchen das heilige Evangelium durch
drei Jahre im jüdiſchen Lande.

21. Zuſammengeſetzter Satz oder Sammſatz heißt jener, in welchem zu dem
vorhandenen Satze noch ein neuer Satz hinzu kommt.

22. Die Sammſätze zerfallen:

1. in Sammſätze, deren Glieder im Verhältniß der Unterordnung ſtehen;

2. in Sammſätze, deren Glieder im Verhältniß der Beiordnung ſtehen.

23. Sammſätze, deren Glieder im Verhältniß der Unterordnung ſtehen,
beſtehen aus zwei Theilen:

1. aus dem Hauptſatze;

2. aus dem Nebenſatze.

24. Hauptſatz iſt derjenige Satz, welcher das eigentliche Urtheil des
Sprechenden enthält. Nebenſatz iſt derjenige Satz, welcher nur ein
einziges Glied des Hauptſatzes in Satzform enthält.

25. Wenn zu einem Satze noch ein anderer hinzu tritt, in welchem
ebenfalls das eigentliche Urtheil des Sprechenden enthalten iſt, ſo
entſteht ein Sammſatz, deſſen Glieder im Verhältniß der Beiordnung
ſtehen. Z. B. Jurij tżita ha piſa Georg liest und ſchreibt; Nan ſpi ha
Macż pżedże der Vater ſchläft und die Mutter ſpinnt; Cżwojek wuſéwa ha
Bóh dawa Żohnuwaṅo der Menſch ſäet und Gott giebt das Gedeihen.

26. Beigeordnete Sätze werden durch beiordnende Bindewörter gebildet.
Vergl. §. 93, 2. 4.

27. Zu den beigeordneten Sätzen gehören auch die ſogenannten Schlüſſe
und Folgerungen.

28. Zu jedem Schluſſe gehören: 1. der Oberſatz, 2. der Unterſatz, 3. die
Folgerung. Z. B. kóżdé Cżwojek jo <pb n="254"/>ſṁertné; ja ſém Cżwojek,
duż ſém ſṁertné jeder Menſch iſt ſterblich; ich bin ein Menſch, alſo bin
ich ſterblich.

Zweiter Abſchnitt.

§. 100. Von der Verbindung der Wörter.

1. Die Eigenſchaftswörter, Fürwörter, Zahlwörter und Mittelwörter müſſen
mit ihren Hauptwörtern in gleichem Genus, Numerus und Caſus ſtehen. Z.
B. mói Nan jo żno dawno wumṙew mein Vater iſt ſchon längſt geſtorben;
moja Macż jo hiſchcże żiwa meine Mutter lebt noch; dwai Bratrai ſtai do
Mėſta ſchwoi zwei Brüder ſind in die Stadt gegangen; dwė Lėcże ſtei
zaiſchwoi zwei Jahre ſind vergangen; Cżwojekoẇe ſu ſṁertni Menſchen ſind
ſterblich; wſchė Wėczé ſu pola Boha móżne alle Dinge ſind bei Gott
möglich; zeṁacze Kubwa ſu zahinite irdiſche Güter ſind vergänglich.

2. Wird mit einem Hauptworte ein anderes Hauptwort als erklärender
Zuſatz (Appoſition) verbunden, ſo ſteht das letztere in gleichem Caſus
mit dem erſteren; Zahl und Geſchlecht können verſchieden ſein. Z. B. k
Bohu tom’ Kṅezei dérbimó ſo modlicż Gott den Herrn müſſen wir anbeten;
Pawowei, tom’ Japożtowei, jo zo Kréſtus wozjewiw Paulus, dem Apoſtel hat
ſich Chriſtus offenbart; Nėmczé, Ẇes wo kulowſkei Woſadże Dörgenhauſen,
ein Dorf in der Wittichenauer Kirchgemeinde.

3. Das Wort, mit welchem man antwortet, muß rückſichtlich des Caſus mit
dem Beziehungsworte in der Frage übereinſtimmen. Z. B. koho ſé widżaw?
Nana wen haſt du geſehen? den Vater; komu ſé Ṗeṅezé pożcżiw? Pżecżelei
wem haſt du Geld geliehen? dem Freunde.

4. Die perſönlichen Fürwörter: ja, té, mói, wói, mó, wó vertreten alle
Geſchlechter. Z. B. ja ſém bów ich bin geweſen (männlich); ja ſém bówa
(weiblich); ja ſém bówo (ſächlich).

5. Das bezügliche Fürwort kotréż, kotraż, kotreż richtet ſich im
Geſchlecht und in der Zahl nach dem Hauptworte des vorhergehenden
Satzes, im Caſus aber nach dem in ſeinem Satze folgenden Zeitworte. Z.
B. to jo ta Żona, kotruż ſém tżora widżaw das iſt die Frau, welche ich
geſtern geſehen habe.

<pb n="255"/>

6. Das Zeitwort richtet ſich nach der Perſon, nach der Zahl und nach dem
Geſchlechte ſeines Selbſtandes. Z. B. Kral jo pżikazaw der König hat
befohlen; woboi bėſchtai zprawnei pżed Bohom beide waren gerecht vor
Gott; tzjo Mużoẇe ſu pżiſchli drei Männer ſind gekommen.

7. Wenn ein Hauptwort der Selbſtand, ein anderes die Ausſage deſſelben
Satzes iſt, ſo richtet ſich das Zeitwort rückſichtlich des Geſchlechts
und der Zahl nach dem Selbſtande. Z. B. moje Ẇeſelo ſu tżorne Koṅe meine
Freude ſind ſchwarze Pferde; Scżėṅ jo te Scheṙeṅo bówo Schatten iſt das
Geſpenſt geweſen.

8. Zwei Hauptwörter, welche im Singular ſtehen und belebte Weſen
bezeichnen, haben das Zeitwort im Dual bei ſich. Z. B. Nan ha Sén ſtai
wuiſchwoi Vater und Sohn ſind ausgegangen; Macż ha Dżówka ſtei doma
Mutter und Tochter ſind zu Hauſe; Wowcza ha Koza ſtei wużitnei Schaf und
Ziege ſind nützlich.

9. Zwei Hauptwörter hingegen, welche im Singular ſtehen und unbelebte
Dinge bezeichnen, haben das Zeitwort entweder im Dual oder im Singular
bei ſich. Z. B. Khudoba ha Zrudoba ſo zetkuẇetei Armuth und Trauer
begegnen ſich; dżeż Luboſcz ha Zprawnoſcz kṅeżi, tam jo Zbóżnoſcz wo
Liebe und Gerechtigkeit herrſcht, dort iſt Seligkeit.

10. Drei oder mehrere Hauptwörter, welche im Singular ſtehen, haben das
Zeitwort im Plural bei ſich. Z. B. Pobóżnoſcz, Poniżnoſcz, Wobſtainoſcz
ha Podwolnoſcz ſwuſcheja k bohuzpodobnom’ Modleṅu Andacht, Demuth,
Beſtändigkeit und Ergebung gehören zu einem gottgefälligen Gebete.

11. Zwei oder mehrere Hauptwörter, welche im Dual ſtehen, haben das
Zeitwort ebenfalls im Dual bei ſich. Z. B. Ruczé ha Nozé ſtei jomu
wotrubanei Hände und Füße ſind ihm abgehauen; Wotżi ha Wuſchi ſtei tupei
Augen und Ohren ſind ſtumpf.

12. Zwei Hauptwörter verſchiedenen Geſchlechtes, welche im Singular
ſtehen, haben entweder das Zeitwort im Dual bei ſich, z. B. Wóz ha Wojo
ſtei zwamanei Wagen und Deichſel ſind zerbrochen — oder das Zeitwort, je
nachdem es voran oder nachſteht, richtet ſich nach einem der beiden
Hauptwörter, z. B. <pb n="256"/>zwamané jo Wóz ha Wojo, oder: Wóz ha
Wojo jo zwamane.

13. Sind in einem Satze verſchiedene Perſonen vorhanden, ſo hat die
erſte vor der zweiten und dritten, die zweite vor der dritten, und das
männliche Geſchlecht vor dem weiblichen den Vorzug. Z. B. ja ha tón
Wótcz ſmói jene ich und der Vater (wir) ſind eines; té ha wón ſtai joho
widżewoi du und er habt ihn geſehen; Nan ha Macż ſtai to prajiwoi Vater
und Mutter haben das geſagt; Sénoẇe ha Dżówki ſu na Kwas proſcheni Söhne
und Töchter ſind zur Hochzeit geladen; Nan, Macż ha Sotra ſu ſtrowi
Vater, Mutter und Schweſter ſind geſund.

Anm. Was in dem vorſtehenden Paragraphe von Nr. 6 bis 13 vom Zeitworte
geſagt worden iſt, gilt auch vom Eigenſchaftsworte und Mittelworte.
Beide, Eigenſchaftswort und Mittelwort, müſſen mit dem Zeitworte
rückſichtlich des Geſchlecht’s und der Zahl übereinſtimmen.

14. Wenn nach to, żtó, żto ein Hauptwort im Plural folgt, ſo ſteht das
Zeitwort ebenfalls im Plural. Z. B. to ſu cżeżke Lėta das ſind ſchwere
Jahre; to ſu Delané das iſt das Niederland.

15. Die Grundzahlen von 5 bis 99 und von 105 bis 199 u. ſ. w., ferner
die Halbirungszahlen, ſowie die Zahladverbien: doſcz, ẇele, tóiżto,
khėtro, kaiko, taiko, mnoho, jaczé, naijaczé, mawo, trochu, ṁeṅe,
naiṁeṅe, und: nėżto, żto, nitżo nehmen das Zeitwort im Singular
ſächlichen Geſchlechtes zu ſich. Z. B. ẇele jo jich tam bówo wie viele
ſind ihrer dageweſen? wſchėch romadże jo bówo ṗecż ha ṗecżdżeſat alle
zuſammen ſind geweſen fünfundfünfzig; pów Kórcza jo pżedate ein halber
Scheffel iſt verkauft. Vergl. §. 49, 11; §. 54; §. 55, 2—5.

16. Hingegen wird mit einigen Zahladverbien — ẇele, mawo, doſcz, jaczé
u. ſ. w. — das Zeitwort häufig auch im Plural verbunden. Z. B. jich ẇele
ſu tam bóli ihrer viele ſind dort geweſen; mawo Ludżi ſu to zhonili
wenig Leute haben das erfahren. Vergl. §. 55, 2—5.

17. Das deutſche Fürwort „es” als Selbſtand wird im Wendiſchen entweder
durch wone ausgedrückt, oder ganz weggelaſſen, indem das Zeitwort in die
dritte Perſon Singularis und in das ſächliche Geſchlecht geſetzt wird.
Z. B. wone rima

<pb n="257"/>

oder rima (rimocze) es donnert; wone ſo bwóſka oder bwóſka ſo es blitzt;
mi jo Zéma bówo es iſt mir kalt geweſen. Vergl. §. 86, 1—2.

18. Die deutſchen Redensarten: „es giebt, es gab” u. ſ. w. werden im
Wendiſchen durch jo, ſu, bėſche u. ſ. w. überſetzt. Z. B. bėſche nėdé
Kral es war einmal ein König. Vergl. §. 86, Anm. 2.

19. Bisweilen wird das perſönliche Fürwort wón zur Bezeichnung des
deutſchen „es” in folgender Weiſe gebraucht: wón ma kóżdé ſwói Rozom es
hat jeder ſeinen Verſtand; woni ſu to wupi Ludżo hiżon wėſchcżili es
haben das dumme Leute ſchon vorhergeſagt; woni ſu wſchitczé tak pojedali
es haben alle ſo erzählt; wón ſo nichtó ſwojeje Ṅeprawdé ṅekhwali es
rühmt ſich niemand ſeiner Ungerechtigkeit.

20. Das deutſche „es”, wo es als Object oder Prädicat ſteht, wird im
Wendiſchen durch „je” ausgedrückt. Z. B. ja je wėm ich weiß es; ja je
ſém ha budu je woſtacż ich bin es und werde es bleiben; wón je jo er iſt
es.

21. Das deutſche „Sie” in der Anrede wird im Wendiſchen durch die zweite
Perſon Pluralis des Zeitwortes ausgedrückt; mit dem Zeitworte wird das
Eigenſchaftswort oder Mittelwort im Plural des männlichen Geſchlechtes
verbunden. Z. B. lubé Nano, bódżcże tak dobri lieber Vater, ſeien Sie ſo
gut; Macżi, wó ſcże ṁe wowali Mutter, Sie haben mich gerufen; wó ſcże ſo
mólili, moja luba Sie haben ſich geirrt, meine Liebe.

Dritter Abſchnitt.

§. 101. Vom Gebrauche der Caſus.

1. Vom Nominativ.

1. Der Nominativ ſteht auf die Frage wer? oder was? und bezeichnet den
Selbſtand oder das Subject im Satze. Z. B. żtó tam dżo? Nan wer geht
dort? der Vater; żto to jo? to ſu Knihe was iſt das? das iſt ein Buch.

2. Das Hilfszeitwort bócż verlangt zwei Nominative, den Subjects- und
Prädicatsnominativ. Z. B. Cżwojek jo ſṁertné der Menſch iſt ſterblich;
Kréſtus jo bożi Sén Chriſtus iſt der Sohn Gottes.

<pb n="258"/>

3. Jſt beim Hilfszeitworte bócż der zweite (Prädicats-) Nominativ ein
Hauptwort, ſo wird letzteres bisweilen durch die Präpoſition z und den
Sociativ ausgedrückt. Z. B. wón jo z Kṅezom er iſt Herr; wona jo z
Wudowu ſie iſt Wittwe. Vergl. §. 90, 20. Anm. 6.

4. Außer dem Hilfszeitworte bócż verlangen noch folgende Zeitwörter zwei
Nominative:

1. rėkacż heißen, woſtacż bleiben, naſtacż entſtehen, ſo zdacż ſcheinen,
ſo ṁenuwacż genannt werden, ſo narodżicż geboren werden, ſo podjecż
empfangen werden. Z. B. ja rėkam Worſcha ha moja Sotra Hana ich heiße
Urſula und meine Schweſter Anna; wón jo ha woſtaṅe khudé er iſt und
bleibt arm; to ſo mi dobre zda das ſcheint mir gut.[59]⁾

2. alle Participia Perfecti Paſſivi, wenn ſie mit bócż zuſammengeſetzt
werden, als: poſtajené, ṁenuwané, wuzwolené, rodżené, ztwoṙené bócż. Z.
B. té budżeſch nam Sudnik wot Boha poſtajené du wirſt uns als Richter
von Gott beſtimmt werden; wona dérƀeſche wumṙecż, dokelż bė Cżwojek
narodżena ſie mußte ſterben, weil ſie als Menſch geboren war.

3. die rückbezüglichen Zeitwörter, wenn das rückbezügliche ſo als Object
des Verbi ſteht. Z. B. wopokaż ſo Muż zeige dich als Mann; dżerż ſo
hotowé halte dich fertig; wón ſo khudé twari er baut ſich arm; wón ſo
wuznawa winwaté er bekennt ſich ſchuldig; Bwazeṅ ſo wilki tżini ein Narr
macht ſich groß.

5. Bei den unter 4 aufgeführten Zeitwörtern bleibt der zweite
(Prädicats-) Nominativ auch dann noch ſtehen, wenn die Zeitwörter in der
Jnfinitivform gebraucht werden. Z. B. wona czo ſo mwoda zdacż, ṙana
rėkacż ha tżeſcżena bócż ſie will jung ſcheinen, ſchön heißen und geehrt
ſein; dérbiſch ſo Muż wopokazacż du mußt dich als Mann zeigen.

<pb n="259"/>

2. Vom Genitiv.

1. Der Genitiv ſteht auf die Frage weſſen? Z. B. Polo naſchoho Suſoda
das Feld unſers Nachbars; Macżeṙ toho Zbóżnika Mutter des Heilandes;
Swowo toho Kṅeza Wort des Herrn.

2. Wenn zwei Hauptwörter zuſammen kommen, von welchen das eine das
andere näher beſtimmt: ſo ſteht das näher beſtimmende Hauptwort im
Genitiv. Z. B. Kórcz Żita ein Scheffel Korn; Kopa Jeji ein Schock Eier;
Punt Mjaſa ein Pfund Fleiſch; Hórncz Mlóka ein Topf Milch; Karan Wodé
ein Krug Waſſer; Wokleṗ Swómó eine Schütte Stroh; Por Tżriji ein Paar
Schuhe; Tżas Żiẇeṅa zeitlebens.

3. Der Genitiv ſteht, wenn die Eigenſchaft, Geſtalt, Menge, Größe, der
Stand oder Werth eines Dinges bezeichnet wird. Jm Deutſchen gebraucht
man in dieſem Falle gewöhnlich die Präpoſition „von”. Z. B. Cżwojek
pėknoho Waſchṅa ein Menſch von hübſchem Betragen; Żona wilkeje Rjanoſcże
eine Frau von großer Schönheit.

4. Das Verhältniß der Abkunft oder des Beſitzes wird gewöhnlich nicht
durch den Genitiv, ſondern durch ein Eigenſchaftswort (♣Adjectivum
possessivum♠) auf owȯ, iné, éné, aczé, i ausgedrückt. Z. B. Jėzuſowa
Wutżba die Lehre Jeſu; bożi Sén der Sohn Gottes; ṅeẇeſcżiné Nan der
Vater der Braut; dżówczéné Schórczuch die Schürze der Magd; nanowo
Rubiſchko das Tuch des Vaters. Vergl. §. 38, 3. 4. Bisweilen geht ſogar
dem Eigenſchaftsworte ein Genitw, als Appoſition, voran. Z. B. naſchoho
Kṅeza Jėzuſowo Sczeṅo unſers Herrn Jeſu Evangelium; Krala Dawitowo ṙane
Swowo des Königs David ſchönes Wort.

5. Der Genitiv wird vornehmlich gebraucht, um den Theil irgend eines
Ganzen zu bezeichnen (♣Genitivus partitivus♠). Z. B. nalij Piwa, Wina;
wotkrai Khlėba ha Twarożka gieße Bier, Wein ein; ſchneide Brot und Käſe
ab.

6. Der Genitiv wird ferner gebraucht, um eine unbeſtimmte Menge
anzuzeigen. Hier kann öfters ẇele, nėżto, mawo u. ſ. w. hinzugedacht
werden. Z. B. was dérbi bócż każ Pėſka na Moṙu eurer ſollen (ſo viele)
ſein als Sandes am Meere; tam bė Ludżi każ na Hermanku dort waren
Menſchen wie auf dem Jahrmarkte. Vergl. Nr. 11.

<pb n="260"/>

7. Der Genitiv ſteht auf die Frage wann? bei Póṅdżele Montags und Wutoré
Dinstags.[60]⁾ Z. B. Póṅdżele jo tón Liſt piſané Montags iſt dieſer
Brief geſchrieben; Wutoré budże Nan pżiṅcż Dinstags wird der Vater
kommen. Doch ſagen die Budiſſiner auch Póṅdżelu, Wutoru. (§. 101, 4, 2.)

8. Der Genitiv ſteht bei Bezeichnung der Feſttage der Heiligen. Dieſer
Genitiv erklärt ſich durch das ausgelaſſene Wort Dżeṅ (Tag). Z. B. mó
mamó dżencza ſẇateje Madlené, ſẇatoho Jakuba, ſẇatoho Michawa wir haben
heute Magdalena, Jakobi, Michaelis; witze zmėjemó ſẇatoho Jana morgen
werden wir Johannis haben.

9. Den Genitiv regieren die Grundzahlen von 5—99, wenn ſie im Nominativ
oder Accuſativ ſtehen. Z. B. ṗecż Porſtow fünf Finger; ſédém Żonow
ſieben Frauen; ṅejo was dżeſacż wuſchwarṅenéch bówo ſind eurer nicht
zehn gereinigt worden? Vergl. §. 49, 11.

10. Den Genitiv regieren die Halbirungszahlen, wenn dieſe im Nominativ
oder Accuſativ ſtehen. Z. B. pów Toleṙa ein halber Thaler; pówpjata
Kórcza Żita fünftehalb Scheffel Getreide. Vergl. §. 54, 3. 4.

11. Den Genitiv regieren folgende Zahladverbien, wenn ſie im Nominativ
oder Accuſativ ſtehen:

doſcz genug mnoho viel

ẇele viel jaczé (wjaczé) mehr

tóiżto ziemlich viel naijaczé am meiſten

khėtro ziemlich viel mawo wenig

keiko wie viel trochu ein wenig

teiko ſo viel ṁeṅe weniger

naiṁeṅe am wenigſten

Z. B. kak ẇele Kṙeje ṅejo rozlateje wie viel Blut iſt nicht vergoſſen?
ẇele dobroho ſchönen Gruß! Tżaſa doſcz Zeit genug! Vergl. §. 55, 2. 3.

12. Wie Zahladverbien mit darauf folgendem Genitiv werden gebraucht
nėżto, żto, żtoż, nitżo, wenn ſie im Nominativ oder Accuſativ ſtehen. Z.
B. nėżto Serbow einige Serben; pożcż mi, żtoż Ṗeṅez maſch borge mir, ſo
viel Geld du haſt. Vergl. §. 55, 5.

<pb n="261"/>

13. Den Genitiv regieren alle Eigenſchaftswörter, welche ein Begehren,
ein Kundig-, Würdig-, Voll-, Bedürftig-, Theilhaftig-, Mächtig-Sein oder
das Gegentheil ausdrücken, als:

doſtoiné würdig ſété ſatt

hódni (hódné) werth ſwobodné frei

kopaté gehäuft ſwėdomó kundig

latżné durſtig tėlmėjaczé theilhaftig

móczné mächtig trėbné nöthig

nuzné nöthig żadné rar

pożadliwó begehrlich znajomné kundig

powné voll u. ſ. w.

Z. B. Tżeſcże doſtoiné ehrwürdig; Żiẇeṅa ſété lebensſatt; Pomoczé trėbné
hilfsbedürftig; Khlėba wódné nach Brot hungrig; Pucżow ſwėdomó der Wege
kundig; Piſma wutżené ſchriftgelehrt.

14. Der Genitiv ſteht bei bócż, wenn eine beſtimmte Beſchaffenheit oder
Eigenheit ausgedrückt wird. Z. B. dobreje Móſle bócż gutes Muthes ſein;
dobreje Nadżije bócż guter Hoffnung ſein; ſwojeje Wowó bócż ſeinen
eigenen Kopf haben, eigenſinnig ſein.

15. Der Genitiv ſteht ferner in folgenden Redensarten mit bócż: tṙeba jo
es iſt nöthig, żel jo es iſt leid, Żkoda jo es iſt Schade, Haṅba jo es
iſt Schande. Z. B. twojeje Pomoczé mi tṙeba ṅejo deine Hilfe brauche ich
nicht; mojich Rėchow jo mi wutrobṅe żel meine Sünden thun mir herzlich
leid; taikoho Waſchṅa bó ṁe Haṅba bówo eines ſolchen Betragens würde ich
mich ſchämen[61]⁾.

16. Den Genitiv regieren folgende Zeitwörter:

ſo bojecż ſich fürchten ladacż einer Sache nachhängen

ſo dopownicż ſich erinnern ſo ladacż ſich in Acht nehmen

ſo doſahnécż ergreifen ſo zladacż ſich behüten vor etwas

ſo dótknécż, dótkacż anrühren ſo móczuwacż in ſeinen Beſitz ziehen

ſo dżerżecż ſich halten

ſo zdżerżecż ſich enthalten ſo zmóczuwacż ſich bemächtigen

ſo hrawuwacż ſich ekeln ſo nadżecż hoffen

ſo haṅbuwacż ſich ſchämen ſo nadżėwacż ſich ſatt arbeiten

ſo jimacż haften, ſich halten ſo namėcż zur Genüge haben, ſatt haben

ſo kacż bereuen

ſo khwalicż ſich rühmen ſo nażracż ſich ſatt freſſen

<pb n="262"/>

ſo paſcz ſich hüten ſo wobżlokacż ſich beſaufen

ſo praſchecż fragen ſo wojicż ſich fangen

ſo puſchcżicż ſich loslaſſen ſo wotṙeknécż entſagen

ſo popanécż fangen ſo woſtajicż unterlaſſen, meiden

ſo pżijecż, ſo pżimnécż, ſo pżimacż ſich anfaſſen ſo wużiwacż genießen

ſo wuznacż bekennen

ſo ſtrachuwacż Scheu haben ſo zdaluwacż ſich entfernen

ſo ſtróżicż erſchrecken vor etwas ſo zpojedacż beichten

ſo naſtróżecż in Schrecken geſetzt werden vor etwas ſo zraduwacż ſich
freuen

ſo zẇeſelicż ſich erfreuen

ſo wobjėſcz ſich übereſſen mi ſo czo ich habe Appetit

ſo wopicż ſich betrinken mi ſo ṅecha ich habe keinen Appetit

Z. B. bói ſo Boha fürchte Gott; dopowṅ ſo twojeje Mwodoſcże erinnere
dich deiner Jugend; wona ſo mojeje Ruki dżerżi ſie hält ſich an meiner
Hand; ṅewopij ſo Wina betrinke dich nicht am Weine; ladai ſo Wopiwſtwa
hüte dich vor Trunkenheit; wón Wopiwſtwa lada er geht dem Trunke nach;
Zwoho ſo woſtajicż das Böſe meiden; ſwojich Rėchow ſowuznawacż, ſo
zpojedacż ſeine Sünden bekennen, beichten; ſwojich Rėchow ſo kacż ſeine
Sünden bereuen; ſo Khoroſcże namėcż die Krankheit ſatt haben; mi ſo
Rébow czo ich habe Appetit auf Fiſche.

17. Den Genitiv regieren ferner jene Zeitwörter, welche ein Begehren,
Verlangen oder Mangelhaben bezeichnen. Z. B. Khlėba pożadacż Brot
begehren; Picża tradacż Durſt leiden.

18. Der Genitiv wird häufig in verneinenden Sätzen gebraucht, beſonders
in Verbindung mit żadén. Z. B. wón żaneje Haṅbé nima er hat keine
Schande; ja anicz Żtomika ṅewidżu ich ſehe auch nicht ein Bäumchen; na
czéwoi Wuczé Stwelcza Trawó ṅejo auf der ganzen Wieſe iſt kein Hälmchen
Gras; ṅetżiṅ nikomu Kżiwdé thue niemandem Unrecht!

19. Den Genitiv oder Accuſativ regieren folgende Zeitwörter:

nabócż gewinnen, bekommen

wotbócż verlieren

ſchonuwacż ſchonen

tṙebacż brauchen

tżakacż warten

dotżakacż erwarten

zmólicż verfehlen

<pb n="263"/>

3. Vom Dativ.

1. Der Dativ ſteht auf die Frage wem? Z. B. komu to ſwuſcha? Bratrei wem
gehört das? dem Bruder; Khudomu dai Jawmóżné dem Armen gieb Almoſen.

2. Den Dativ regieren alle Eigenſchaftswörter, welche eine Nähe oder
Ferne, eine Annehmlichkeit oder Widerwärtigkeit, eine Möglichkeit,
Zweckmäßigkeit, ein Gelegen-, Paſſend-, Behilflich-Sein, eine
Willfährigkeit, Aehnlichkeit, Gleichheit, Nützlichkeit, Treulichkeit,
Gewohnheit oder das Gegentheil bezeichnen, als:

blizki nahe pomoczné behilflich

lubé lieb ſwėrné treu

móżné möglich ſwużowné dienlich

podané untergeben zpodobné gefällig

podomné ähnlich (auch mit der Präpoſ. na und dem Accuſ.) zpomóżné
heilſam u. ſ. w.

poſuſchné gehorſam

3. Den Dativ regieren folgende Zeitwörter:

cżeknécż, cżėkacż entfliehen

dacż laſſen, zugeben, geſtatten

ſo dowėricż vertrauen

ſo dżiwacż ſich wundern

ſo modlicż anbeten (mit k)

porokuwacż tadeln, vorwerfen

ſo ſṁecż lachen

ſo wuſṁecż auslachen

zadżėwacz verhindern, hinderlich ſein (nėkoho zadżėwacż jemanden ſtören)

zawidżecż beneiden

whacż lügen, belügen[62]⁾

Z. B. dai jomu hicż laß ihn gehen; dai mi Ruku wokoſchecż laß mich deine
Hand küſſen; wón da ſebi Zub wutorhnécż er ließ ſich einen Zahn
ausnehmen; ṅedai ſo Ṅepżecżelam popanécż laß dich nicht von Feinden
fangen; dowėṙ ſo Bohu vertrau’ auf Gott; k Bohu ſo modlicż Gott anbeten;
tomu ſo dżiwam darüber wundere ich mich; woni ſu ſo jomu wuſṁeli ha
potom zawidżeli ſie haben ihn ausgelacht und alsdann beneidet; té neiſé
Cżwojekam, hale Bohu ſé whaw du haſt nicht Menſchen, ſondern Gott
belogen; żtó wot was móże mi Rėcha dla porokuwacż? Joh. 8, 45.

<pb n="264"/>

4. Bei den Zeitwörtern bócż, woſtacż, naſtacż und ſo narodżicż ſteht das
Prädicat, vermöge einer Satzverkürzung, häufig im Dativ. Z. B. Bóh jo ſo
nam ſtrowóm narodżicż daw Gott hat uns geſund geboren werden laſſen;
ṅedai jomu zrudnomu bócż laß ihn nicht traurig ſein; Cżwojekei ṅejo
dobre ſamomu bócż dem Menſchen iſt es nicht gut, allein zu ſein; jomu ſo
lubi ſwobodnomu woſtacż es gefällt ihm, frei zu bleiben.

4. Vom Accuſativ.

1. Der Accuſativ ſteht auf die Frage wen? oder was? Z. B. Bóh jo ſwojoho
Séna na Swėt póſwaw Gott hat ſeinen Sohn auf die Welt geſendet; ſẇ.
Pawow jo Liſt k Rómſkim piſaw der heil. Paulus hat einen Brief an die
Römer geſchrieben.

2. Der Accuſativ ſteht bei Zeitbeſtimmungen auf die Fragen: wann? wie
lange? wie alt? u. ſ. w[63]⁾. Z. B. Sṙedu jo Nan pżiſchow Mittwochs iſt
der Vater angekommen; wón jo czéwu Nócz dżėwaw er hat die ganze Nacht
gearbeitet; Ṅedżelu, Sṙedu, Żtwórtk, Pjatk, Sobotu Sonntags, Mittwochs,
Donnerstags, Freitags, Sonnabends (§. 101, 2, 7); zaṅdżené Tédżeṅ,
zaṅdżene Lėto, zaṅdżenu Póṅdżelu vergangene Woche, vergangenes Jahr,
vergangenen Montag; moja Sotra jo tzi Mėſaczé w Kaṁeṅczu bówa meine
Schweſter iſt drei Monate in Kamenz geweſen; wona jo dwė Lėcże ſtarſcha
hacż ja ſie iſt zwei Jahre älter als ich.

3. Der Accuſativ ſteht bei Beſtimmungen des Raumes und Maaßes auf die
Fragen: wie weit? wie hoch? wie lang? wie breit? wie tief? u. ſ. w. Z. B
Żtundu daloko eine Stunde weit; tzi Mile bliże drei Meilen näher; ta
Stwa jo żtérnacże Wóchcżi (Wóchcżow) dowhja, dwanacże Wóchcżi wóſoka ha
żtéri Wóchcże ſchėroka dieſe Stube iſt vierzehn Ellen lang, zwölf Ellen
hoch und vier Ellen breit; tzi Muże huboki drei Mann tief; kheiżuwóſoko
haushoch.

<pb n="265"/>

4. Der Accuſativ ſteht bei Beſtimmungen des Gewichtes auf die Fragen:
wie ſchwer? wie leicht? u. ſ. w. Z. B. tzi Czeṅtnaṙe, ṗecż Puntow ważicż
drei Centner, fünf Pfund wiegen.

5. Der Accuſativ ſteht bei Beſtimmungen des Preiſes und Werthes auf die
Fragen: wie theuer? um wie viel theurer, wohlfeiler, beſſer? wie viel
koſtet es? u. ſ. w. Z. B. to pwacżi Toleṙ das koſtet einen Thaler; Punt
Czokora pwacżi (koſchtuẇe) żtéri Slėborne ha ṗecż Nowóch ein Pfund
Zucker koſtet vier Groſchen und fünf Pfennige; tón Kóṅ jo tzi Zwote
dróſchi, tuṅſchi dieſes Pferd iſt drei Dukaten theurer, wohlfeiler.

6. Den Accuſativ’ regieren folgende Zeitwörter:

bolicż ſchmerzen

ṁerſacż ärgern

rozwutżicż unterrichten

ſczėhuwacż folgen, nachfolgen

ſẇerbicż grimmen, jucken

ſlecz, ſlekacż auskleiden

wuſlecz, wuſlekacż auskleiden, ausziehen

woblecz, woblekacż ankleiden

wobucż, wobuwacż anziehen (Fußbekleidung)

zucż, zuwacż, wuzucż, wuzuwacż ausziehen (Fußbekleidung)

wopraſchuwacż befragen

wozébacż frieren

wutżicż lehren

Z. B. ṁe Wowa boli mir thut der Kopf weh; ṁe Porſt ſẇerbi mich grimmt
der Finger; ṁe Ruka wozéba (wozéƀe) mich friert die Hand; to ṁe ṁerza
(ṁerzé) das ärgert mich; Jėzus wutżeſche ſwojich Wutżownikow ſẇaté
Wótcze-naſch Jeſus lehrte ſeine Jünger das h. Vater unſer; wón ſo
wobleka bėwu Draſtu er zieht ein weißes Kleid an; wón ſo Trije wobu ha
wuzu er zog die Schuhe an und aus; ſczėhui ṁe folge mir nach!

7. Manche Zeitwörter verlangen einen doppelten Accuſativ, einen Objects-
und Prädicatsaccuſativ. Z. B. bojaznéch tżini Nuza khróbwóch Furchtſame
macht die Noth kühn; twoja Rétż tebe znatoho tżini deine Sprache macht
dich bekannt; tebe mam Pżecżela dich habe ich zum Freunde.

8. Der zweite Prädicatsaccuſativ wird oft durch die Präpoſitionen za und
k umſchrieben. Z. B. woni wuzwolichu <pb n="266"/>joho za Bamża, za
Kheiżora ſie wählten ihn zum Papſt, zum Kaiſer; Bóh jo Kréſtuſa poſtajiw
k Sudnikei Żiwóch ha Morwóch Gott hat Chriſtum beſtellt zum Richter der
Lebendigen und Todten.

Vierter Abſchnitt.

§. 102. Vom Gebrauch des Zeitwortes.

1. Die Zeiten oder Tempora.

1. Wir unterſcheiden beim Zeitworte drei Hauptzeiten:

1. die gegenwärtige Zeit oder das Präſens;

2. die vergangene Zeit oder das Perfectum;

3. die zukünftige Zeit oder das Futurum, und drei Nebenzeiten:

1. die halbvergangene Zeit oder das, Jmperfectum;

2. die längſtvergangene Zeit oder das Plusquamperfectum;

3. die als vergangen gedachte zukünftige Zeit oder das Futurum exactum.

Vergl. §. 57, 3.

2. Die gegenwärtige Zeit oder das Präſens bezeichnet eine noch
unvollendete oder noch fortdauernde Thätigkeit der Gegenwart. Z. B.
piſam ich ſchreibe; tżitam ich leſe.

3. Die halbvergangene Zeit oder das Jmperfectum bezeichnet eine
unvollendete oder noch fortdauernde Thätigkeit der Vergangenheit. Z. B.
piſach ich ſchrieb; tżitach ich las.

4. Die vergangene Zeit oder das Perfectum bezeichnet eine wirklich
vollendete Thätigkeit der Vergangenheit. Z. B. ſém piſaw ich habe
geſchrieben; ſém tżitaw ich habe geleſen.

5. Die längſtvergangene Zeit oder das Plusquamperfectum bezeichnet eine
Thätigkeit, welche ſchon vergangen war, als eine andere erfolgte. Z. B.
bėch piſaw ich hatte geſchrieben; bėch tżitaw ich hatte geleſen.

6. Die zukünftige Zeit oder das Futurum bezeichnet eine zukünftige
Thätigkeit. Z. B. budu piſacż ich werde ſchreiben; budu tżitacż ich
werde leſen.

7. Die als vergangen gedachte zukünftige Zeit oder das Futurum exactum
bezeichnet eine Thätigkeit, welche zwar noch nicht geſchehen iſt, aber
ſo gedacht wird, als ob ſie ſchon geſchehen wäre. Dieſe Zeit kommt im
Wendiſchen nur im <pb n="267"/>Subjunctiv vor. Z. B. budżech (bėch)
piſaw ich würde geſchrieben haben.

8. Die gegenwärtige Zeit wird in der lebhaften Erzählung oft anſtatt der
vergangenen oder halbvergangenen Zeit gebraucht. Z. B. ja pżiṅdu,
poladnu woko ſo ha żto bė ich komme, blicke um mich und was war’s?

9. Die halbvergangene Zeit oder das Jmperfectum wird im Wendiſchen
ausſchließlich zur Erzählung und hiſtoriſchen Darſtellung gebraucht. Z.
B. wo tém Tżaſu, déż Herodes na Żidowſkei kraluwaſche, bėſche Mėſchnik,
z Ṁenom Czacharijas; joho Mandżelſka pak rėkaſche Hilzbeta. Woboi
bėſchtai zprawnei pżed Bohom ha dżerżeſchtai wſchitke Kazṅe.

2. Die Form des Zeitwortes.

1. Jn welcher Form ein Zeitwort gebraucht werden ſoll, ob ein ♣Verbum
momentaneum, durativum, iterativum, frequentativum, inchoativum,
factitivum♠ oder ♣diminutivum,♠ hängt von der Bedeutung des Zeitwortes
und vom ſtyliſtiſchen Sinne ab. Vergl. §. 56, 8—15.

2. Ueber das Paſſivum vergl. §. 57, 1.

3. Die Ausſageweiſen oder Modi.

1. Die wendiſche Sprache hat ſechs Ausſageweiſen oder Modi (§. 57, 2.).
Dieſe ſind:

1. die unbeſtimmte Ausſageweiſe oder der Jnfinitiv (das Grundwort);

2. die beſtimmte Ausſageweiſe oder der Jndicativ;

3. die ungewiſſe und wünſchende Ausſageweiſe oder der Subjunctiv;

4. die bedingende Ausſageweiſe oder der Conditional;

5. die zugebende Ausſageweiſe oder der Conceſſiv;

6. die befehlende Ausſageweiſe oder der Jmperativ.

2. Der Jnfinitiv drückt das Zeitwort ganz allgemein aus, ohne alle
Beſtimmung der Zeit und Perſon. Z. B. piſacż ſchreiben.

3. Hängt ein Zeitwort von einem andern ab, ſo wird das abhängige in den
Jnfinitiv geſetzt. Z. B. ja du ſpacż ich gehe ſchlafen; móże bócż es
kann ſein; czeſch tżakacż willſt du warten?

<pb n="268"/>

4. Der Jnfinitiv ſteht im Wendiſchen allein, wenn im Deutſchen der
Jnfinitiv mit „zu” geſetzt wird, vornehmlich:

1. nach Zeitwörtern, welche ein Anfangen, Aufhören, Gebieten, Verbieten,
Fürchten, Bitten, Verſprechen, Eilen, Rathen, Erlauben, Ermahnen,
Antreiben u. ſ. w. ausdrücken. Hier kann ſtatt des Jnfinitiv’s auch zo
(daß) mit dem Jndicativ oder Subjunctiv gebraucht werden. Z. B. pżeſtaṅ
bacż höre auf zu plappern; Bóh nam zakazuẇe rėſchicż Gott verbietet uns
zu ſündigen; Kréſtus jo ſlubiw, tém te wėcżne Żiẇeṅo dacż, kiż joho
Kazṅe dżerża (= Kréſtus jo ſlubiw, zo budże wón tém te wėcżne Żiẇeṅo
dacż, kiż ...) Chriſtus hat verſprochen, denjenigen das ewige Leben zu
geben, welche ſeine Gebote halten; ſẇ. Japożtow Pawow napomina nas, toho
Rėcha ſo woſtajicż (= zo bóchmó toho Rėcha ſo woſtajili) der heil.
Apoſtel Paulus ermahnt uns, die Sünde zu meiden.

2. nach einigen Eigenſchaftswörtern. Z. B. bódż tak dobré jomu prajicż
ſei ſo gut ihm zu ſagen; té ſé winoité to zapwacżicż du biſt ſchuldig,
das zu bezahlen; Cżerṗeṅa tutoho Tżaſa neiſu hódne ſo pżirunacż z tei
pżichodnei Kraſnoſcżu Röm. 8, 18.

3. nach einigen Hauptwörtern. Z. B. Nan nima Khwile dżencza k wam pżincż
der Vater hat nicht Zeit, heute zu euch zu kommen; ja mėjach te Zbożo
Krala widżecż ich hatte das Glück den König zu ſehen.

4. nach dem Zeitworte bócż, wenn es unperſönlich ſteht. Z. B. podarmo jo
joho proſécż es iſt vergeblich ihn zu bitten; cżeżko budże to dżerżecż
es wird ſchwer ſein, das zu halten.

5. nach dem Hilfszeitworte bócż, wenn es perſönlich und in Verbindung
mit den Jnfinitiven: widżecż ſehen, ſwóſchecż hören, tżucż fühlen,
ſteht. Hier bezeichnet bócż eine Möglichkeit. Z. B. tón Cżwojek jo
widżecż der Menſch iſt zu ſehen; cżi Ludżo neiſu ſwóſchecż dieſe Leute
ſind nicht zu hören.

Anm. 1. Jn dem unter 5 genannten Falle kann auch nach bócż das
Verbalhauptwort mit der Präpoſition k <pb n="269"/>gebraucht werden. Z.
B. tón Cżwojek ṅejo k ſwóſcheṅu ha k widżeṅu bów dieſer Menſch iſt nicht
zu hören und zu ſehen geweſen.

Anm. 2. Das Verbalhauptwort mit k muß jedesmal gebraucht werden, wenn
nach bócż andere Zeitwörter, als die unter 5 aufgeführten, folgen. Z. B.
to ṅejo jacz k wutracżu das iſt nicht mehr auszuhalten; taiki Muż ṅejo k
namakaṅu bów ein ſolcher Mann iſt nicht zu finden geweſen.

5. Anſtatt des Jnfinitiv’s wird nach den Zeitwörtern woſtacż bleiben,
und woſtajicż laſſen, der kurze Transgreſſiv auf o gebraucht. Z. B.
woſtaṅ ſeidżo bleibe ſitzen; wón wſcho ſtojo ha leiżo woſtaji er ließ
alles ſtehen und liegen.

6. Der Jnfinitiv kann als Subject eines Satzes ſtehen. Jn dieſem Falle
hangen von dem Jnfinitiv oft noch mehrere Wörter ab. Z. B. pżiladuwacż
jo lóżſcho hacż dżėwacż zuſehen iſt leichter als arbeiten; lėṗe jo
dotżakacż hacż pokwatacż beſſer etwas weilen als ſich übereilen; ſwojim
Ṅepżecżelam wodawacż ha jim dobre tżinicż jo pėkne ſeinen Feinden
verzeihen und ihnen wohlthun iſt ſchön.

7. Ebenſo kann der Jnfinitiv als Object eines Satzes ſtehen. Z. B.
Kṅeże, wutż ṁe twoju Wolu doṗelnicż Herr, lehre mich deinen Willen
erfüllen; Kréſtus wutżeſche ſwojich Wutżownikow Pacżeṙe ſpėwacż Chriſtus
lehrte ſeine Jünger beten.

4. Satzverkürzung durch Participial-Conſtruction.

1. Sammſätze, welche ein gemeinſchaftliches Subject haben, können durch
Zuſammenziehung verkürzt werden, indem man das Bindewort wegläßt und das
Zeitwort in die Participial – oder Transgreſſiv-Form bringt.

2. Es kommen hierbei folgende Formen des Zeitwortes in Anwendung:

1. das thätige Mittelwort der Gegenwart oder das Participium Präſentis
Activi;

2. das leidende Mittelwort der Vergangenheit oder das Participium
Perfecti Paſſivi;

3. die überſchreitende Ausſageweiſe oder der Transgreſſiv.

3. Die Satzverkürzung mittels des Participium’s Präſentis Activi iſt im
Wendiſchen ſehr ſelten. Z. B. Jėzus, ſeidżaczé <pb n="270"/>na Prawiczé
bożei, budże pżiṅcż ſudżicż Żiwóch ha Morwóch Jeſus, ſitzend zur Rechten
Gottes, wird kommen zu richten die Lebendigen und Todten.

4. Statt des Particip’s Präſentis Activi wird zur Satzverkürzung faſt
immer der Transgreſſiv gebraucht.

5. Wir unterſcheiden den kurzen und langen Transgreſſiv. Der kurze
Transgreſſiv auf o (oder auf aiczé, uiczé, iczé, eiczé, néczé, jiczé,
éczé) bezeichnet eine dauernde Thätigkeit, z. B. ſpėwajo ſingend, im
Singen, während des Singens; der lange Transgreſſiv auf wſchi hingegen
bezeichnet eine bereits vorübergegangene Thätigkeit, z. B. ſpėwawſchi
geſungen habend. Doch wird dieſer Unterſchied nicht immer ſtreng
beobachtet. Vergl. §. 57, 2, 11. 12.

6. Der Transgreſſiv iſt keiner Biegung, Zahl oder Geſchlechtsbezeichnung
fähig, ſondern bleibt ſtets unverändert.

7. Der Transgreſſiv bezieht ſich allemal auf das Subject im Satze. Z. B.
woni ſpėwajo ha juſkajo domoi dżėchu ſie gingen ſingend und jauchzend
heim; Marija zdéchné k Ṅebju hoṙeladajo Maria ſeufzte zum Himmel
aufblickend; Jėzus wotmoji prajiczé Jeſus antwortete ſprechend; mrėjo
woda Jėzus ſwojim Ṅepżecżelam ſterbend vergab Jeſus ſeinen Feinden; wona
nas duczé wopóta ſie beſuchte uns unterwegs (beim Vorbeigehen); na
wſchėch Stawach tżepotaiczé wowaſche wón na Pomocz an allen Gliedern
zitternd rief er zu Hilfe;

Tón Ṙegiṁeṅt ſo ſtaji,

Tam pżi nim żarujo,

Ha Marſchal zcżicha praji:

„Tak zbóżṅe wumṙe ſo!”

Scżepan, na Kolena poklaknéwſchi, zawowa: Kṅeże, ṅepoſtai jim to k
Rėchei! ha to wuprajiwſchi wuſné wón Stephanus, auf die Knie fallend
(gefallen ſeiend), rief: Herr, rechne ihnen das nicht zur Sünde! und das
ſprechend (geſprochen habend) entſchlief er; Barnabas, tam pżiṅdżiwſchi
ha widżiwſchi tu Nadu bożu, jara ſo zẇeſeli Barnabas, dorthin kommend
und die Gnade Gottes ſehend, freuete ſich ſehr; Pėtér, ſo zkhiliwſchi,
wulada te poṙebne Rubé Petrus, ſich neigend, erblickte die Grabtücher.

8. Bezieht ſich eine Satzverkürzung nicht auf das Subject, ſo darf der
Transgreſſiv nicht gebraucht werden. Z. B. Jėzus <pb n="271"/>namaka
ſwojich Wutżownikow ſpjaczéch (nicht: ſpiczé!) Jeſus fand ſeine Jünger
ſchlafend; Jėzus, widżiwſchi ſwoju Macż ha pżi nei ſtojaczoho (nicht:
ſtojo!) toho Wutżownika, kotrohoż wón lubuwaſche, ṙekné Jeſus, ſehend
ſeine Mutter und bei ihr ſtehend den Jünger, welchen er liebte, ſprach;
tónlei Jėzus budże na ſudné Dżeṅ tak zaſé pżiṅcż, każ ſcże joho nėt
widżeli do Ṅeƀes zpėjaczoho (oder: zpėcż) dieſer Jeſus wird am Tage des
Gerichts ebenſo wieder kommen, wie ihr ihn jetzt habt in den Himmel
auffahren geſehen.

9. Die Dichter erlauben ſich von dieſer Regel bisweilen eine Ausnahme.
Z. B.

Da kcżėi, da kcżėi, té Serbow ṙeṅſchi Krajo,

Kcżėi w Strowu, Zbożu, Moczé ṅezẇadwei,

Pod Hodleṙom na tebi zeirawajo,

Ha pod tei Krónu mwódnei, rucżanei!

10. Die Satzverkürzung mittels des Participii Perfecti Paſſivi
geſchieht, indem man das bezügliche Fürwort und das Hilfszeitwort
wegläßt, und das Participium mit dem dazu gehörigen Hauptworte in
gleichen Caſus, Numerus und Genus bringt. Z. B. Handrij Lubeṅſki,
rodżené w Rachloẇe ha zemrėté w Buduſchṅe, bėſche horliwó Serb;
ſchelake, wot ṅoho wudate ſerſke Knihe budża joho Wopomṅeṅo dowho wo
Tżeſczi zdżerżecż Andreas Lubenſki, geboren zu Rachlau und geſtorben zu
Budiſſin, war ein eifriger Wende; verſchiedene, von ihm herausgegebene
Bücher werden ſein Andenken lange in Ehren erhalten; Jėva, wo Sẇatoſczi
ztwoṙena, wot Djabowa zaẇedżena ha z Paradiza wuhnata, bó Wina naſcheje
Sṁercże Eva, in Heiligkeit erſchaffen, vom Teufel verführt und aus dem
Paradieſe getrieben, wurde die Urſache unſeres Todes; z Mariju, z tei
ſebi zwėruwanei Mandżelſkei, dżėſche Jozev do Bethlehema mit Maria,
ſeinem angetrauten Eheweibe, ging Joſeph nach Bethlehem; wó budżecże
namakacż Dżėcżo, z Ṗeluſchkami powite, wo Żwobju leiżacze ihr werdet
finden ein Kind, in Windeln eingewickelt, in einer Krippe liegend.

5. Das Verbalhauptwort.

1. Das Verbalhauptwort iſt das vom Zeitworte abgeleitete Hauptwort. Es
endigt auf ṅo oder cżo und iſt immer ſächlichen <pb
n="272"/>Geſchlechts. Z. B. Dżakuwaṅo das Danken; Racżo das Spielen.
Vergl. §. 57, 2. 13 und §. 58, ♣A.♠ 4.

2. Das Verbalhauptwort drückt insgemein eine Handlung, eine Thätigkeit
aus. Z. B. Kcżeṅo das Taufen, die Taufhandlung, der Taufact; Kcżeṅcza
die Taufe (als Sacrament).

3. Das Verbalhauptwort wird wie ein eigentliches Hauptwort gebraucht
nach Hauptwörtern, Eigenſchaftswörtern und Präpoſitionen oder als
Selbſtand, und vertritt häufig den deutſchen Jnfinitiv mit „zu.” Z. B.
Modleṅo, Póſcżeṅo ha Jawmóżné=Dawaṅo jo lėpſche hacż Schoczé Zwotoho
romadżicż Beten, Faſten und Almoſen-Geben iſt beſſer als Schätze Goldes
ſammeln (Tob. 12, 8.); tedom budże na Ṅebju k widżeṅu Czeich toho Séna
bożoho alsdann wird am Himmel zu ſehen ſein das Zeichen des Sohnes
Gottes; Waſchṅo toho Modleṅa Art zu beten; Tżas k Woƀeduwaṅu Zeit zu
eſſen; lóchko k wėṙeṅu leicht zu glauben. Vergl. §. 102, 3. Anm. 1. und
2.

6. Verneinung im Satze.

1. Die Verneinung wird gebildet, indem man die verneinende Partikel ṅe
dem Zeitworte vorſetzt. Z. B. ṅedam ich gebe nicht; ṅedai gieb nicht;
wón ṅepżiṅdże er kommt nicht; wone ſo ṅehodżi es ziemt ſich nicht.

2. Jn denjenigen Temporibus und Modis, welche des Hilfszeitwortes bócż
bedürfen, wird die verneinende Partikel ṅe mit dem Hilfszeitworte
verbunden. Z. B. neiſém daw ich habe nicht gegeben; ṅebudu dacż ich
werde nicht geben; ṅebóch daw ich möchte nicht geben.

3. Jn ſeltenen Fällen wird die verneinende Partikel ṅe mit dem
Participium des Zeitwortes verbunden. Z. B. żto ſcże wó wſchitko ṅewumó
ſlili was habt ihr nicht alles ausgedacht? wón jo do Swojoho pżiſchow ha
cżi Swoji ſu joho hoṙe ṅewzali Joh. 1, 11.

4. Beim Subjunctiv und nach zo (♣utinam♠) ſchwankt der Sprachgebrauch,
indem die verneinende Partikel ṅe bald mit bóch, bėch, bald mit dem
Participium verbunden wird. Z. B. Kṅeże, dé bė té tudé bów, mói Bratr
ṅebė wumṙew, oder: mói Bratr bė ṅewumṙew Herr, wenn du hier geweſen
wäreſt, mein Bruder wäre nicht geſtorben; zo bó té tola ṅeṁeltżaw daß du
doch nicht geſchwiegen hätteſt!

<pb n="273"/>

5. Nach dé mit dem Subjunctiv wird die verneinende Partikel ṅe immer mit
dem Participium verbunden. Z. B. ja bėch nitżo wot Pożadaṅa ṅeẇedżaw, dé
bė Zakoṅ ṅeprajiw: ṅepożadai ſebi! Röm. 7, 7.; dé bėch ja ṅepżiſchow ha
k nim ṅerétżaw, da bóchu woni żanoho Rėcha ṅemėli Joh. 15, 22.; dé bė
Hadam ṅerėſchiw, bėchmó mó téż po Cżėle ṅeſṁertni woſtali wenn Adam
nicht geſündigt hätte, würden wir auch dem Leibe nach unſterblich
geblieben ſein. Vergl. §. 61, 17.

6. Wird ein ganzer Satz verneint, ſo ſteht die verneinende Partikel ṅe
nicht vor dem Jnfinitiv, ſondern vor dem beſtimmten Zeitworte. Z. B. té
ṅedérbiſch kranécż du ſollſt nicht ſtehlen; Boha ṅemóżemó z Wotżomai
widżecż Gott können wir nicht mit Augen ſehen.

7. Die verneinende Partikel ṅe wird mit dem Jnfinitiv verbunden, wenn
dieſer verneinende Jnfinitiv beſonders hervorgehoben werden ſoll. Z. B.
wón jo jomu rozéw ṅepomhacż er hat ihm gedroht nicht zu helfen; wón jo
ſlubiw ṅedacż er hat verſprochen nicht zu geben.

8. Ebenſo wird die verneinende Partikel ṅe mit dem Jnfinitiv verbunden,
wenn zwei Sätze, ein bejahender und ein verneinender, zuſammenſtehen und
das beſtimmte Zeitwort nicht wiederholt wird. Z. B. mó móżemó boże Kazṅe
dżerżecż habó ṅedżerżecż wir können die Gebote Gottes halten oder nicht
halten; wón ṅewė, hacż dérbi prajicż habó ṅeprajicż er weiß nicht, ob er
ſoll ſagen oder nicht ſagen.

9. Jm Wendiſchen können außer dem verneinenden Zeitworte noch andere
Verneinungen vorkommen; der Satz wird durch dergleichen gehäufte
Verneinungen nicht bejahend. Z. B. nichtó tam ṅejo niemand iſt dort;
nichtó tam nidé ṅejo niemand iſt dort je; ja ṅebóch nidé nikomu nitżo
wzaw ich möchte nie jemandem etwas nehmen; żeni nichtó niemand jemals.

10. Die durch das vorgeſetzte ṅe verneinenden Hauptwörter,
Eigenſchaftswörter, Umſtandswörter und Participien geben mit einem
verneinenden Zeitworte eine indirecte Bejahung. Z. B. to ṅemóżno ṅejo
das iſt nicht unmöglich; nichtó ṅebė ṅehnuté niemand war ungerührt; té
ṅedérbiſch boże Ṁeno ṅewużitṅe ẇeſcz du ſollſt den Namen Gottes nicht
unnützlich führen.

11. Nach dóiż ſteht beim Zeitworte häufig die Verneinung ṅe überflüſſig.
Z. B. woſtaṅ tu, dóiż Deſchcżik ṅepże<pb n="274"/>ſtaṅe bleibe hier, bis
der Regen (nicht) aufhört; Pata ſama nitżo ṅejė, dóiż wſchitke jeje
mwode naſécżene neiſu die Gluckhenne ißt ſelber nicht, bis (nicht) alle
ihre Jungen geſättiget ſind. Vergl. §. 93, dóiż.

12. Steht eine Verneinung ohne Zeitwort, ſo wird ſie im Wendiſchen durch
nicz ausgedrückt. Z. B. ja nicz ha té téż nicz ich nicht und du auch
nicht; hacż dotal ha nicz dale bis hierher und nicht weiter; ja czu
Miwoſcz ha nicz Wopór ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer.

13. Den verneinenden Redetheilen, welche kein Zeitwort bei ſich haben,
wird nicz zur Verſtärkung nachgeſetzt. Z. B. nidé nicz nimmer; nidé ha
nidé nicz nun und nimmermehr; żeni nicz niemals.

14. Die Verneinung „auch nicht” beim Zeitworte wird durch anicz (ani)
ausgedrückt, mit darauf folgender oder weggelaſſener Verneinungspartikel
ṅe. Z. B. ṅerudż ſo, anicz morkotai (oder: anicz ṅemorkotai) betrübe
dich nicht, murre auch nicht; wón ṅemóże jėſcz anicz picż er kann nicht
eſſen, auch nicht trinken.

15. Soll im Satze ein Wort durch die Verneinung anicz beſonders
hervorgehoben werden, ſo darf beim Zeitworte die verneinende Partikel ṅe
nicht wegbleiben. Z. B. anicz ſwóſchecż wón ṅechaſche auch nicht einmal
hören wollte er; anicz Swowtżka jomu ṅeprai auch nicht ein Wörtchen ſage
ihm.

16. Das doppelte anicz anicz heißt „weder, noch;” hier iſt die
Verneinungspartikel ṅe beim Zeitworte überflüſſig. Z. B. ja anicz wėm,
anicz zrozeṁu, żto czeſch ich weiß weder, noch verſtehe ich, was du
willſt. Vergl. §. 93, 1.

17. Steht die Verneinung „auch nicht” ohne Zeitwort, ſo wird ſie durch
téż nicz ausgedrückt. Z. B. nichtó czéle ƀez Rėcha ṅejo, téż nicz tón
Zprawné niemand iſt ganz ohne Sünde, auch nicht der Gerechte; wot
tohoſamoho Dṅa nichtó ṅewė, téż Jandżelo wo Ṅeƀeſach nicz, hale jenoi
tón Wótcz Matth. 24, 36.

Fünfter Abſchnitt.

§. 103. Von der Ellipſe oder Auslaſſung eines Satztheiles.

1. Die Ellipſe iſt diejenige Redefigur, nach welcher minder wichtige
Begriffe in einem Satze ausgelaſſen werden, um ſchneller <pb
n="275"/>zum Hauptbegriffe zu gelangen. Es werden demnach Wörter, welche
der Natur nach daſtehen ſollten, ganz weggelaſſen, oder aber Wörter,
welche ſchon einmal da waren, nicht wiederholt.

2. Die dritte Perſon Singularis oder Pluralis Präſentis des
Hilfszeitwortes (jo, ſu) fehlt im Wendiſchen nur ſelten. Z. B. zbóżni
(ſu) cżi Khudżi po Duchu, dokelż téchſamóch jo te Kraleſtwo téch Ṅeƀes
ſelig (ſind) die Armen im Geiſte, weil ihrer iſt das Reich des Himmels;
deṙe tom’ Cżwojekei, kiż ṅekhodżi po Radże téch Bezbóżnéch Pſ. 1, 1.

3. Bei den Zeitwörtern czécż wollen, nóczécż nicht wollen, ṅechacż nicht
wollen, mócz können, ṅemócz nicht können, wird im Subjunctiv das
Hilfszeitwort bóch, budżech (bėch) gewöhnlich nicht geſetzt, ſondern das
Fürwort wird ſogleich mit dem Participium verbunden. Z. B. Bożo, té czéw
nam nadné bócż o Gott, du wolleſt uns gnädig ſein; ja nóczéw ṙecz ich
möchte nicht ſagen; toho ſo wó ṅechali bojecż das wollet nicht fürchten;
to mów kóżdé prajicż das könnte jeder ſagen; na tżim mów ja to widżecż
woran könnte ich das ſehen? żtó ṅemów Boha z téch ztwoṙenéch Wėczow
zpóznacż wer vermöchte nicht Gott aus den erſchaffenen Dingen zu
erkennen?

4. Die Auslaſſung des ẇele, tak ẇele und anderer eine unbeſtimmte Menge
bezeichnenden Wörtchen iſt ſehr gewöhnlich. Z. B. wón ma (tak ẇele)
ṗeṅez, zo ṅewė, dże z nimi er hat Geld, daß er nicht weiß, wohin damit;
tu jo tak Muchow, zo wſcho bórtżi hier ſind (ſo viel) Fliegen, daß alles
brummt.

5. Die Steigerungspartikeln tżim tżim werden oft weggelaſſen; in der
Regel ſteht alsdann vor dem zweiten Comparativ ha. Z. B. bóle kwataſch
ha ṁeṅe móżeſch je mehr du eilſt, je weniger du kannſt (Eile mit Weile);
lóżo maſch, lóżo daſch je leichter man es hat, deſto leichter giebt man
es weg (wie gewonnen ſo zerronnen). Vergl. §. 40, 10.

6. Das bedingende dé und li wird im Subjunctiv und Conditional häufig
weggelaſſen; desgleichen da im Nachſatze. Z. B. bóch ja to tżiniw,
(anſtatt: dé bóch ja to tżiniw, oder: bóchli to tżiniw) würde ich das
thun; czeſchli k Żiẇeṅu nutzhicż, da dżerż te Kazṅe (oder: czeſch k
Żiẇeṅu nutzhicż, dżerż te Każne) willſt du zum Leben eingehen, ſo halte
die Gebote; bóſchcże wó wot toho Swėta bóli, bó tón Swėt te Swoje
lubuwaw Joh. 15, 19.

<pb n="276"/>

7. Hauptwörter, Eigenſchaftswörter und Zeitwörter, welche im Vorderſatze
da waren, werden im Nachſatze nicht immer wiederholt. Z. B. tebi to
Ẇeſelo tżini, mi nicz dir macht das Freude, mir nicht; Marija bė na tón
Kwas pżeproſchena, téż Jėzus ha joho Wutżownikoẇe Maria war zur Hochzeit
geladen, auch Jeſus und ſeine Jünger.

8. Die Beifügung zu mehreren, im Geſchlecht oder in der Zahl
verſchiedenen Hauptwörtern, wird oft nur mit einem Hauptworte, in
Geſchlecht und Zahl übereinſtimmend, verbunden. Z. B. wo naiſẇacżiſchim
Sakraṁeṅcże toho Wowtaṙa jo Jėzuſowo wėrne Cżėwo ha Krei im allerheil.
Altarsſakramente iſt Jeſu wahrer Leib und (wahres) Blut.

9. Wenn mehrere Zeitwörter an einander angereiht werden, ſo wird das
dazu gehörige Hilfszeitwort nur einmal geſetzt. Z. B. ja wėṙu do Jėzuſa,
kotréż jo podjaté ze ſẇ. Ducha, narodżené wot Marije teje Kṅeżné,
cżerṗew pod Pónczijuſom Pilatuſom, kżiżuwané, wumṙew ha poṙebané.

10. Auch bei an einander gereiheten rückbezüglichen Zeitwörtern wird das
rückbezügliche „ſo” nur einmal geſetzt. Z. B. mó ſmó ſo praſcheli,
dżiwali ha ſṁeli wir haben gefragt, uns gewundert und gelacht.

11. Werden jedoch die rückbezüglichen Zeitwörter durch andere Redetheile
unterbrochen, ſo muß das rückbezügliche „ſo” wiederholt werden. Z. B. mó
ſmó ſo praſcheli ha żawoſṅe ẇele ſo ſṁeli wir haben gefragt und
entſetzlich viel gelacht.

Sechster Abſchnitt.

§. 104. Von der Wortfolge.

1. Die Ordnung, in welcher die einzelnen Wörter im Satze nach einander
zu ſtehen kommen, heißt Wortfolge.

2. Die Wortfolge iſt entweder 1. gerade Wortfolge, oder 2. verſetzte
Wortfolge (Jnverſion).

3. Die gerade Wortfolge im Satze iſt dieſe:

1. der Selbſtand mit alle dem, was dazu gehört;

2. die Ausſage;

3. die Umſtände der Zeit, des Ortes, des Grundes, der Weiſe;

4. die Perſon- oder Sachergänzung;

<pb n="277"/>

oder:

1. der Selbſtand mit alle dem, was dazu gehört;

2. das Satzband;

3. die Umſtände;

4. die Perſon- oder Sachergänzung;

5. die Ausſage.

4. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die Wörter eines Satzes nur ſelten
in der geraden Wortfolge ſtehen; denn der größere Nachdruck, den man auf
ein beſonderes Wort legen will, ſowie Wohlklang und Deutlichkeit
erfordern mancherlei Umſtellungen der Wörter, d. h. machen die verſetzte
Wortfolge nothwendig.

5. Die Beifügungen, als: Eigenſchaftswörter, Mittelwörter, Zahlwörter,
Fürwörter, ſtehen immer vor dem dazu gehörigen Hauptworte. Z. B. naſcha
luba Macż unſere liebe Mutter; naſch ṅebo (= ṅebohi) Dżėd unſer ſeliger
Großvater.

6. Die Beifügung ſteht bisweilen auch nach dem dazu gehörigen
Hauptworte, vornehmlich in Gedichten. Z. B. Wótcze naſch Vater unſer;
Duch ſẇaté der heilige Geiſt; móczné Muż ha bohaté mächtiger und reicher
Mann;

Marija pod Kżiżom téſchniẇe

Sélzé jo roniwa bwóchcżate,

Z kóżdeje Różitżka lubozna

Pod jeje Nohu jo zakcżėwa;

Prėṅe te Różitżki bėwo

Dla Ṅewiné Séna ſu kcżėwo.

7. Der von einem Hauptworte regierte Genitiv ſteht gewöhnlich nach. Z.
B. Kuſk Khlėba ein Biſſen Brot; Karan Piwa ein Krug Bier. Der regierte
Genitiv, Dativ oder Accuſativ ſteht bisweilen auch vorn. Z. B. Cżwojekow
Móſle der Menſchen Gedanken; Swėta Wumóżnik Welterlöſer; Bohabojaznoſcz
Gottesfurcht; Kralecz Dwór Krale’s Hof; Tżeſcże hódne ehrenwerth;
bohuzpodobné gottgefällig; Knihicżiſchcżeṙ Buchdrucker.

8. Das Hilfszeitwort folgt meiſtentheils unmittelbar auf den Selbſtand.
Z. B. jedén jo dobré, Bóh einer iſt gut, Gott; Kréſtus jo prajiw: żtóż
wėri ha kcżené jo, budże zbóżné Chriſtus hat geſagt: wer glaubt und
getauft iſt, wird ſelig werden.

<pb n="278"/>

9. Iſt mit dem Hilfszeitwort noch das Participium verbunden, ſo ſteht
dieſes zuletzt. Z. B. ſẇaté Pėtér jo w Roṁe bów der heil. Petrus iſt in
Rom geweſen.

10. Die Bindewörter (außer ha, hale, pżetoż) und das bezügliche Fürwort
haben das Hilfszeitwort meiſt unmittelbar hinter ſich, oft noch vor dem
Selbſtande. Z. B. mó ſmó Sṁercżi podcżiſṅeni, dokelż jo prėni Cżwojek
Hadam Bohu ṅepoſuſchné bów wir ſind dem Tode unterworfen, weil der erſte
Menſch Adam Gott ungehorſam geweſen iſt; Jėva, kotraż bėſche Hadamowa
Żona Eva, welche des Adams Weib war.

11. Das Zeitwort ſteht entweder gleich nach dem Selbſtande oder zuletzt.
Z. B. Nan lubuẇe Séna, oder: Nan Séna lubuẇe der Vater liebt den Sohn;
Jėzus woſta żtérczecżi Dṅów wo Puſcziṅe, oder: Jėzus żtérczecżi Dṅów wo
Puſcziṅe woſta Jeſus blieb vierzig Tage in der Wüſte.

12. Das rückbezügliche „ſo” ſteht immer vor ſeinem Zeitworte, bisweilen
durch ein oder mehrere Wörter von demſelben getrennt. Z. B. ja ſo
dżakuẇu ich danke; ja ſo wam lubozṅe dżakuẇu ich danke euch ſchön; to ſo
ſamo wot ſo zrozemi das verſteht ſich von ſelbſt; Bóh jo Duch, ha kiż ſo
k ṅomu modla, dérbja ſo k ṅomu modlicż wo Duchu ha wo Wėrnoſczi Joh. 4,
14.

13. Das rückbezügliche „ſo” ſteht meiſt unmittelbar nach dem Selbſtande
oder nach den Bindewörtern. Z. B. żtóż ſo k Bohu dowėri, kruté Dom ſei
natwari wer auf Gott vertraut, ſich ein feſtes Haus erbaut; déż ſo tón
Tżas pżibliżuwaſche, zo ſo Kréſtus narodżicż czéſche als ſich die Zeit
näherte, daß Chriſtus geboren werden wollte.

14. Nach Bindewörtern mit dem Subjunctiv darf das rückbezügliche „ſo”
nicht vor bóch, budżech (bėch) ſtehen. Z. B. dé bóchmó ſo na to
zpuſchcżecż móli wenn wir uns darauf verlaſſen könnten.

15. Zu Anfang eines Satzes kann das rückbezügliche „ſo” nicht geſetzt
werden; hier ſteht es nach ſeinem Zeitworte. Z. B. ladaicże ſo
valſchnéch Provetow hütet euch vor den falſchen Propheten; ṅebóicże ſo
téch, kiż te Cżėwo moṙa, Duſchu pak moricż ṅemóża; hale bóicże ſo ẇele
jaczé toho, kiż móże Cżėwo ha Duſchu do Hele zaſtortżicż Matth. 10, 28.

<pb n="279"/>

16. Die accentloſen zuſammengezogenen Formen der perſönlichen Fürwörter
(cże, cżi, ſei) dürfen niemals zu Anfang eines Satzes gebraucht werden.
Z. B. tebe (nicht: cże!) Bożo khwalimó dich Gott loben wir. Vergl. §.
42, 7.

17. Der Infinitiv kann bald vor, bald nach ſeinem regierenden Zeitworte
ſtehen. Z. B. ja ṅebudu pżeſtacż ſo próczuwacż ich werde nicht aufhören
mich zu bemühen; pṙedé hacż Kréſtus wumṙecż czéſche bevor Chriſtus
ſterben wollte.

18. Bei der (ohne hacż gebildeten) Frage ſteht das Zeitwort voran. Z. B.
ſé té Kréſtus Sén bożi biſt du Chriſtus, der Sohn Gottes? Sémaṅe,
lubuẇeſch té ṁe jaczé hacż cżi druzé Simon, liebſt du mich mehr als
dieſe andern?

19. Das Zeitwort mit der angehängten Bedingungspartikel li ſteht als
erſtes Wort im Satze. Z. B. ſéli bożi Sén, zlėz z Kżiża dele biſt du
Gottes Sohn, ſo ſteige vom Kreuze herab; té bó żaneje Moczé na mni
ṅemėw, ṅebėli cżi z Ṅeƀes data bówa du hätteſt keine Gewalt an mir, wäre
ſie dir nicht vom Himmel gegeben worden.

20. Die mit ruṅe zuſammengeſetzten Bindewörter (hacż ruṅe, bó ruṅe, déż
ruṅe, heizo ruṅe) können durch ein Fürwort und durch die einfachen
Formen des Hilfszeitwortes (Präſens, Imperfectum und Subjunctiv)
getrennt werden. Z. B. hacż ſém ja ruṅe khudé obgleich ich arm bin; bó
wón ruṅe ṅepżiſchow wenn er gleich nicht käme; déż bėch ruṅe khoré wenn
ich gleich krank war; heizo bóch ja ruṅe tżakaw wenn ich auch warten
möchte.

21. Bei dé in Verbindung mit ruṅe muß ruṅe immer nach dem Subjunctiv des
Hilfszeitwortes (bóch, budżech, bėch) ſtehen. Z. B. dé bóch ja ruṅe moje
Żiẇeṅo pżiſadżicż dérbjaw wenn ich gleich mein Leben zuſetzen müßte.

22. Das Wort, welches beſonders betont und hervorgehoben werden ſoll,
ſteht an der Spitze des Satzes. Z. B. ſwojoho jednorodżenoho Séna jo Bóh
podaw ſeinen eingeborenen Sohn hat Gott dargegeben; z nitżoho jo Bóh
Ṅeƀeſa ha Zeṁu ztworiw aus Nichts hat Gott Himmel und Erde erſchaffen.

23. Sammſätze, in welchen die Satzglieder im Verhältniß der Unterordnung
oder Beiordnung vorkommen, heißen Satzgefüge. Kunſtreiche Satzgefüge
heißen Perioden oder Satzgebilde.

<pb n="280"/>

24. Die Satzgefüge müſſen ſo beſchaffen ſein, daß ſie mit Wohlgefallen
gehört und leicht verſtanden werden können. Demzufolge müſſen die Sätze,
welche zu einem ſchönen Ganzen ſich verbinden ſollen, in der Weiſe
aneinander gereihet werden, daß von zwei Gliedern immer das längere auf
das kürzere folge; daß jene Sätze vorausgehen, welche nach der logiſchen
Ordnung der Gedanken früher gedacht werden; daß unter den eingeſchobenen
Sätzen ein wohlgefälliger Wechſel in Rückſicht auf Kürze und Länge
obwalte.

In der Satz- und Periodenbildung muß nicht nur ein richtiges und ſchönes
Ebenmaß feſtgehalten werden, ſondern der Schriftſteller muß vornehmlich
auch dahin ſtreben, zu bewirken, daß der Geiſt des Leſers mit
Leichtigkeit von einem Gedanken zum andern übergehen, daß er am Ende des
Redeſatzes ſie alle ohne Mühe überblicken und ſo zum Hauptgedanken, den
ſie unterſtützen ſollen, vereinigen könne. Z. B.

„Kṅeże, kak wilke ſu twoje Skutki ha kak ẇele jich jo; té ſé je wſchitke
mudṙe wuſtajiw ha Zeṁa jo powna twojoho Bohaſtwa!” — tak dérbi tżucżiwó
Cżwojek ze Spėwaṙom ſtaroho, dawno zaṅdżenoho Tżaſa wuwowacż, déż jenoi
tróſchku woko ſo lada: pżetoż hiſchcże teſame kraſne Skutki boże ſtoja
nam pżed Wotżomai, kotreż junu Dawita k Dżakei ha k Khwalƀe hnujachu.
Schudżim, dżeż poladamó, pokazuẇe ſo nam boża wilka Mócz ha Kraſnoſcz.
Horé ha Dowó, Runiné, Haje, Lėſé ha Skawó; mawe ſchwórtżate Żurleſchka,
wilke ha ſchėroke, móczṅe ſchuṁate Rėki, kiż ſélṅe bobotajo z wóſokich
Skawow do Dowow padaja ha ſo napoſledku do Moṙa wuliwaja, dawaja nam tak
ẇele k móſleṅu ha pżepótuwaṅu, zo jenoho Cżwojeka Żiẇeṅo k wuſlėdżeṅu
wſchitkeje bożeje Mudroſcże ha Kraſnoſcże ṅedoſaha. Tawzént Ludżi dżeja
nimo tutéch wilkich ha kraſnéch Ztwoṙeṅow, hale jich Wutroba woſtawa
ṅehnuta, ha ze żaném Zdéchṅeṅom ṅepomóſla na toho, kotréż wſchitke tute
Wėczé ztworiw jo. Nėchtóżkuli widżi kóżde Raṅo kraſne Swóntżko
zkhadżecż, kak wone Żohnuwaṅo ſczele na Zeṁu ha jeje Pwódnoſcz powóſcha;
wón widżi, zo ſo wone na Ẇetżor zadé Horow zhubja ha Tżmu zawoſtaja:
hale wón ſo hiſchcże ṅejo praſchaw, żtó jo jomu tu kraſnu Swėczu
zaſwėcżiw, ha kak bó jaczé Póznacża tuteje wilkeje Lampé dóſtaw. Druhi
ſtoji na ṙaném jaſném Ẇetżoru pżed ſwojim Domom; wón widżi na módrém
Ṅebju zébolate Wėżki, widżi, kak ſo jena pżeczo ṙeṅſcho bwóſkota, hacż
<pb n="281"/>druhja: hale wón praẇe ṅewė ha téż ſo ṅepraſcha, żto ſu ha
żto czedża. (Boża Kraſnoſcz wot J. B. Mutżiṅka).

§. 105. Wendiſche Benennung der einzelnen Redetheile.

Buchſtabe Piſmik — Helllaut Samozénk — Stilllaut Sobuzénk — Doppellaut
Divtong — Theilung Dżėleṅo — Verdoppelung Podwojeṅo — Dehnung
Rozcżehṅeṅo — Jotirung Jotiruwaṅo — Erweichung Zṁechcżeṅo (Woṁakṅeṅo) —
Umwandlung Pżewobrócżeṅo (Pżemėṅeṅo).

Hauptwort Wėczownik — Eigenname ſwóiſke Ṁeno — Declination Zkwonuwaṅo —
Geſchlecht Ród — männlich muſki — weiblich żónſki — ſächlich ſṙedżné —
Zahl Litżba — Einzahl Jenota — Zweizahl Dwojota — Mehrzahl Mnohota —
Fall Pad — Nominativ Ṁenuwak — Genitiv Rodżak — Dativ Dawak — Accuſativ
Żadak — Vocativ Wowak — Sociativ Pżewodżak — Locativ Mėſcżak —
♣rationale♠ rozo mite — ♣non rationale♠ ṅerozomite ♣animatum♠ ṅeżiwo —
Artikel Ródnik.

Eigenſchaftswort Pżidawnik — Poſitiv Stajak — Comparativ Poẇetſchak —
Superlativ Pżewuzbėhuwak.

Fürwort Namėſtnik — perſönliches Fürwort woſobité Namėſtnik —
hinweiſendes F. pokazuwawó N. — fragendes F. praſchawó N. — bezügliches
F. pocżahuwawó N. — unbeſtimmtes und allgemeines F. zromadné N. —
beſitzanzeigendes F. wobſédné Namėſtnik.

Zahlwort Litżbnik — Grundzahlwort zakwadné L. — Ordnungszahlwort
rjadomniſki L. — Vertheilungszahlwort rozdżėluwawó L. —
Verſchiedenheitszahlwort rozeznawawó L. — Vervielfältigungszahlwort
pomnożawó L. — Halbirungszahlwort napówdżėluwawó L. — unbeſtimmtes und
allgemeines Zahlwort zromadné L. — Bruchzahl Wamank (Zleṁk).

Zeitwort Swowjeſo — bezügliches Zeitw. Swowjeſo pżekhadżawo —
unbezügliches Z. Sw. ṅepżekhadżawo — rückbezügliches Z. Sw. wrócżawo —
unperſönliches Z. Sw. ṅewoſobite — ♣Verbum momentaneum♠ Sw. pokhwilne —
♣V. durativum♠ Sw. trajaczawo — ♣V. iterativum♠ Sw. woſṗetuwawo — ♣V.
frequentativum♠ Sw. huſcżawo — ♣V. inchoativum♠ Sw. zapotżawo — ♣V. <pb
n="282"/>factitivum♠ Sw. tżiṅacze — Conjugation Tżaſuwaṅo — ♣Verbum
activum♠ Swowjeſo tżinite — ♣V. passivum♠ Sw. cżeṙpne — Ausſageweiſe
Waſchṅo Wuprajeṅa — Infinitiv Ṅewobṁeznik — Indicativ Wopojedak —
Subjunctiv Podẇazuwak — Conditional Wumėṅak — Conceſſiv Dowolak —
Imperativ Kazak — Participium Präſentis Activi Podżėlnik Pżitomnoſcże
tżiniteje — Participium Perfecti Activi Podżėlnik Minéwoſcże tżiniteje —
Participium Perfecti Paſſivi Podżėlnik Minéwoſcże cżeṙpṅeje —
Transgreſſiv der Gegenwart Pżekhódnik Pżitomnoſcże (oder: prėni) —
Transgreſſiv der Vergangenheit Pżekhódnik Minéwoſcże (oder: druhi) —
Verbalhauptwort Wėczownik ſwowjeſowó — Zeit Tżas — Präſens Pżitomnoſcz —
Imperfectum Pówminéwoſcz (Pówzaiſchwoſcz) — Perfectum Minéwoſcz
(Zaiſchwoſcz) — Plusquamperfectum Pżedminéwoſcz (Pżedzaiſchwoſcz) —
Futurum Pżichód — Futurum eractum Subjunctivi Pżichód zaṅdżené (oder:
Podẇazuwak druhi) — Perſon Woſoba — Hilfszeitwort Swowjeſo pomoczne —
regelmäßiges Zeitwort Sw. prawidne — unregelmäßiges Z. Sw. ṅeprawidne —
mangelhaftes Z. Sw. ṅedozpowne.

Umſtandswort Pżiſwowjeſnik — Präpoſition Pżedwożka — Bindewort Wjazawa —
Partikel Tżaſcżicza — Ausruf Zawowak (Zatżucżnik).

Satz Sada — nackter Satz nahja Sada — Sammſatz zeſtajena Sada — Periode
Róntżko — Subject Pżedṁet — Prädicat Zaṁeṅak — Object Podṁet — Bejahung
Potẇerdżawa — Verneinung Zaprėwawa — Grammatik Rétżnicza.

<pb n="283"/>

Anhang.

§. 106. Schreibweiſe der proteſtantiſchen Wenden der Oberlauſitz.

1. Helllaute.

i u e o a je y[64]⁾ ȯ

i u e o a ė é ó

2. Stilllaute.

j n ṅ, nj m mj r ṙ, rj v, f w, ł[65]^(*)) wj d

j n ṅ m ṁ r ṙ v w ẇ d

t l lj h ch k kh b bj p pj ſ—s ß ſch ż

t l ł h ch k kh b ƀ p ṗ s ſ ſch ż

z tſ dż cż cž kſch pſch f g

cz tz dż cż tż kż pż f g

3. Doppellaute.

ij ej jej yj oj ȯj uj aj iw, ił ew, eł jew, jeł

ij ei ėi éi oi ói ui ai iw ew ėw

yw, ył ow, oł òw, ȯł uw, uł aw, ał

éw ow ów uw aw

Anm. 1. Die jotirten Buchſtaben werden von den Proteſtanten durchweg
unjotirt geſchrieben, mit einziger Ausnahme des ṅ mit Nachklang (S. 21,
§. 2, 34. Anm. 3.) und bisweilen des ṙ vor einem Conſonanten. Z. B. Kóṅ
Pferd, Koreṅ Wurzel, Kameṅ Stein, Weṙch Fürſt.

<pb n="284"/>

Anm. 2. Wenn bei einem Conſonanten das Jota kräftig hervortritt, wird es
durch ein angehängtes j ausgedrückt. Z. B. Kſcheſzijenjo Chriſten,
mjenja ſie meinen, Horjan Bergbewohner, Wukaſnja Gebot.

Anm. 3. Anſtatt ß wird vor k, t und z nur ſ geſetzt. Z. B. Błyſk Blitz,
wjeſze wiſſet.

Anm. 4. Die Bindewörter ha, hale, habó werden a, ale, aby geſchrieben
und geſprochen.

§. 107. Leſeübung.

(Budiſſiner Dialect.)

Naſtacżje Klóſchtyra „Marineje Hwjeſdy” pola Kamenza.

Jako bjeſche njemſki Khjeżor Hjendrich tón Schtwórty Sserbow ſbił, jich
Mjeſta a Hrodżiſchcża dobył ha jim jich ſtaru Sswobodnoſz ſ Rukow
wutorhnył, da wón we Ljecżi 1068 tón Kraj wokoło Kamenza Schwabachſkemu
Kneſej, ſ Menom Ernſt ſ Grejfenſtejna, ſo by wón tudy na Sserbow
kedżbował a wſchitkón Nemjer bes nimi ſ Cžaßom podłócžił. Tón ßamy
natwari ßebi ſ Pomozu ßerbſkich Robocżanow Hród pola Kamenza, kiż tedom
hiſchcżen mały wot Sserbow wobydleny Blecžk bjeſche. Wot tuteho Cžaßa
ſem wotpołożi Grejfenſtejn ßwoje ſtare Meno a menowaſche ßo wot ßwojeho
noweho Hroda „Grofa ſ Kamenza.” Po Ssmercżi ſawoſta wón tón Hród a to
Knejſtwo we Wokolnoſzi Ssynam a Ssynow Ssynam, kotrychż Mena nam dale
ſnate nejßu. We Ljecżi 1213 namakamy tam ſaßo jeneho Grofu Bjarnarda ſ
Kamenza, kotryż pſchi ßwojej Ssmercżi wjeſtu Maniliju ſ Wudowu
ſawoſtaji. Taßama bjeſche jemu tſjóch Ssynow płodżiła, Witega, Burkarda
a Bjarnarda, a bjeſche tychßamych też, dokelż ßama wulku Luboſz k Bohu a
jeho Kaſnjam mjejeſche, we wſchei Bohabojaſnoſzi wocżahnyła. Tehodla
natwari wona też ſ jich Pomozu we Ljecżi 1249 Klóſchtyr ſa ſchjeßnacże
Kneżnow bliſko pola Mjeſta Kamenza, a poſtaji ſa prjenju Abatyſnu ßwoju
Dżówku Amabilis. Tutón Klóſchtyr bu pak we Ljecżi 1295 do Schpitalnjow
ſa Khorych pſchewobrócżeny, dokelż bjechu jón hiżom dżewecż Ljet predy
jeho Wobydlerki wopuſchcżiłe a ßo do noweho we Ljecżi 1284 natwareneho
Klóſchtyra „Marineje Hwjeſdy” podałe.

<pb n="285"/>

Sałożk k tutemu nowemu Klóſchtyrei bjeſche pak jara dżiwny.

Bjarnard, tón najmłódßi Ssyn Manilije, bjeſche ßo menujzy njehdy na
Hoṅtwi ſabłudżił. Se ßwojim Schipom bjeſche wón dżiwe Sswinjo natſylił a
cżjereſche ßo tehodla na ßwojim Konju pſches Doły a Ljeßy ſa nim. Sa
jeho krawnym Ssljedom hladajo nepytny wón, ſo bje ßo hiżom dawno wot
ßwojich Towarſchow ſhubił a hłuboko we cżmowym Ljeßu ſabłudżił. Na jene
Dobo bjeſche wón do Bahniſchcża ſarajtował, jeho Kóṅ ßo pſchepany a
nemóżeſche ſ Blaka. Njetk hakhlej dohlada ßo wón, ſo bje praweho Pucża
ſmólił a ßo ſabłudżił. Smolom wołaſche wón ſe ßwojim Różkom ßwojich
Ssłużomnikow, ale nichtón ßo jemu newotwoła, hacž ljeßowy Wothłóß. Hiżom
padachu Ssmjerki na Semju, Nóz ßo pſchibliżi, Semja ßo pſchikry ſ Cżmu a
jeho Kóṅ ſapadże pſchezo hłubje. Nihdże żana Pomoz, żane Wumóżenje ſ
teho roſneho Tymeſchcża k widżenju nebje; żałoßna Ssmercż hrożeſche temu
Neſbożomnemu, dokelż bje daloko wot wſcheje cžlowecžeje Pomozy we
cżjemnym Ljeßu. Jako wón njetk widżeſche, ſo je wot wſchitkeje
cžlowecžeje Pomozy wopuſchcżeny, wobrócżi ßo wón we ßwojim ßmertnym
Straſchi ſ nutnej Próſtwu na ßwjatu Kneżnu Marju a ßlubi, ſo chcze,
hejſo budże jeho Bóh ſ tuteho Bahniſchcża wumóhz, na tym ßamym Blaku,
dżeż je ſapanył, Klóſchtyr natwaricż a jón ßwjatei Mari poßwecżicż. A
hlai, ljedom bjeſche wón tu Próſtwu a to Sslubenje wuprajił, dha
rostorhnychu ßo na Nebeßach te cžorne Mrócželje, a raṅſcha Hwjeſda
pokaſa ßo we jaßnych Pruhach jeho Wocžomaj. We tym ßamym Wokomiknenju
namaka też jeho Kóṅ ſaßo twerdu Semju a wuljeſy ſ nim ſ teho Bahna.
Wſchón Strach bje nimo, wſcha Nuſa bje ſajſchwa. A hdyż wón njetko ſ
dżakomnej Wutrobu domoj khwata a Boha ßwojeho Wumóżnika ſe Ssmercże a
ßwjatu Kneżnu Marju khwali, dha pokaſa ßo jemu pola raṅſcheje Sernicžki
we lecżazych Mrócželach to luboſne Woblecžo ßwjateje Marje. Jeho
Sslubenje ſtupi jemu pſches to ſaßo pſched Wocži, a wón dżerżeſche potom
też ßwjeru, ſchtoż bjeſche we ßwojej ßmertnej Nuſy ßlubił. Bórſy ſapocža
wón tam, dżeż bjeſche jeho Kóṅ ßo ſapanył, Klóſchtyr twaricż, ßwecżeſche
tón ßamy ßwjatej Mari a menowaſche jón „Marinu Hwjeſdu”, dokelż bjeſche
ßo jemu nedaloko raṅſcheje Hwjeſdy to Snamjo ßwjateje Marje ſjewiło a
jemu jeho Wumóżenje pſchipowedało. We Ljecżi 1284 bje tón Klóſchtyr tak
daloko hotowy, ſo móżachu Ziſterzijenſke Kneżny ſ dotalneho Klóſchtyra
pola Kamenza do Marineje Hwjeſdy pſchicżahnycż.

<pb n="286"/>

Bjarnard, kiż ſebi duchomne Żiwenje wuſwolił a Miſchnonſke Biſkopſtwo
dóſtał bjeſche, wumre najſkerſcho we Ljecżi 1299 a bu we tym wot neho
ſałożenym Klóſchtyri porebany, na tym ßamym Blaku, na kotrymż bjeſche
njehdy ßmertny Strach wuſtał a pſches ßwjateje Marje Pomoz Wumóżenje
dóſtał. Kraßny Wopomnik, kotryż jemu we Ljecżi 1629 Abatyſna Schubertowa
ſtajicż da, pyſchi jeho Rów we klóſchtyrſkej Zyrkwi a pokaſuje
Zuſomnikam tón Blak, na kotrymż jeho Koſzje wotpocžuja.

§. 108. Neue oder analoge (d. h. übereinſtimmende) Schreibweiſe.

(Nach Schmaler und Pfubl).

1. Helllaute.

♣i u e o a ě y ó♠

i u e o a ė é ó

2. Stilllaute.

♣j n nj, ń m mj, ḿ r rj, ŕ ř v, f w, ł wj, ẃ♠

j n ṅ m ṁ r ṙ (rſch) ſch, ſ v w ẇ

♣d t l lj h ch k kh (ch) b bj, b́ p pj, ṕ z♠

d t l ł h, ch ch k kh b ƀ p ṗ z

♣s š ž c dź ć č kř(kš) př(pš) tř(tš) f g♠

ſ ſch ż cz dż cż tż kż pż tz f g

3. Doppellaute.

♣ij ej ěj yj oj ój uj aj iw, ił ew, eł ěw, ėł♠

ij ei ėi éi oi ói ui ai iw ew ėw

♣yw, ył ow, oł ów, ół uw, uł aw, ał♠

éw ow ów uw aw

§. 109. Bemerkungen.

1. Alle Buchſtaben zerfallen in harte (unjotirte) und weiche (jotirte).

2. Das Zeichen der Weichheit bei Helllauten iſt: ♣j;♠ bei Stilllauten: ,
̌, j[66]⁾.

3. Weich wird der Buchſtabe genannt, mit welchem ſich beim Ausſprechen
ein j verbindet, es mag dieſes j in der Schrift zu ſehen ſein oder
nicht.

<pb n="287"/>

4. Hart (unjotirt) ſind: ♣u, e, o, a, y, ó, n, m, r, v, w, ł, d, t, h,
ch, k, kh, b, p, z, s, c, f, g.♠

5. Weich (jotirt) ſind: ♣i, ě, ju, je, jo, ja, jó, j, ń, ḿ, ŕ, ř, ẃ, l,
b́, ṕ, š, ž, dź, ć, č.♠

6. Harte Helllaute verbinden ſich mit harten Stilllauten; weiche
Helllaute mit weichen Stilllauten. Z. B. ♣skomda, skomdźić; hdy, hdźje.♠

7. Vor ♣u, o, ó, a♠ ſind ♣g, h, ch, k♠ ſtets hart; vor den übrigen
Helllauten ſind ſie weich. Z. B. ♣wulka, wulkje; sucha, suchje; druha,
druhje♠[67]⁾.

8. Die weichen Stilllaute ♣ń, ḿ, ŕ, ẃ, b́, ṕ♠ werfen vor weichen
Helllauten ihr Weichheitszeichen ab. Z. B. ♣nić♠ faulen (nicht ♣ńić♠);
♣mje♠ mich (nicht ♣ḿje♠); ♣ćeŕń♠ Dorn, ♣ćeŕnje♠ (nicht ♣ćeŕńje♠).

9. Die weichen Stilllaute ♣j, l, ř, š, ž, dź, ć, č♠ machen den
nachfolgenden Helllaut ebenfalls weich; man ſchreibt aber vor dieſen
Helllauten nicht erſt das Zeichen der Weichheit (♣j♠). Z. B. ♣čas♠ Zeit
(nicht ♣čjas♠); ♣žaba♠ Froſch (nicht ♣žjaba♠). — Jedoch iſt in der
Endung der Haupt-, Umſtands- und Bindewörter ſtatt ♣e♠ immer ♣je♠ zu
ſetzen. Z. B. ♣daćje, lubosćje, swěćje, twjerdźje, bratřje, dalje,
hdźje♠ (Vergl. unter 10.). — Auch iſt das Weichheitszeichen ♣j♠ im
Nominativ Pluralis vor ♣o♠ und ♣a♠ zu ſchreiben. Z. B. ♣třjo♠ drei;
♣pjećjo♠ fünf; ♣knježja♠ Herren; ♣bratřja♠ Brüder.

10. Die Ausgangsſylbe ♣je♠ wird verſchieden geſprochen:

1. wie ♣i♠ in der Löbauer Gegend. Z. B. ♣runje♠ gerade; ♣konje♠ Pferde.

2. in den Nominativen und Accuſativen Singularis und Pluralis, ſowie im
Genitiv Singularis wie ♣ě♠ in der Budiſſiner Gegend und wie ♣je♠ in der
Haide. Z. B. ♣zbožje♠ Glück; ♣daćje♠ das Geben; ♣róžje♠ Roſen.

3. Im Genitiv Singularis und im Nominativ und Accuſativ Pluralis wie
♣je♠ in der Wittichenauer Gegend. Z. B. ♣róžje♠ der Roſe, Roſen; ♣konje♠
Pferde.

4. im Nominativ, Accuſativ und Vocativ Singularis der ſächlichen
Hauptwörter wie ♣o♠ in der Wittichenauer Gegend. Z. B. ♣zbožje = zbožo♠
Glück; ♣daćje = daćo♠ das Geben.

<pb n="288"/>

5. im Locativ Singularis und im Ṗoſitiv der von Eigenſchaftswörtern
abgeleiteten Umſtandswörter wie ♣i♠ in der Budiſſiner, und wie ♣je♠ in
der Wittichenauer Gegend. Z. B. ♣we swěćje♠ in der Welt; ♣na lodźje♠ auf
dem Eiſe; ♣krasnje♠ herrlich; ♣mudrje♠ weiſe.

6. im Vocativ Singularis, in den Umſtandswörtern des Ortes und des
Comparativ’s, ſowie in den Bindewörtern wie ♣e.♠ Z. B. ♣knježje♠ o Herr;
♣hólčje♠ o Knabe; ♣wšudźje♠ überall; ♣bólje♠ mehr; ♣bližje♠ näher;
♣alje♠ aber; ♣hdźje♠ wo.

11. ♣ř♠ wird nach ♣k♠ und ♣p♠ wie ♣š♠ geſprochen; nach ♣t♠ aber häufig
wie ♣s.♠ Z. B. ♣křiwy = kšiwy♠ krumm; ♣při = pši♠ bei; ♣předać = pšedać♠
verkaufen; ♣tři = tsi♠ drei; ♣bratřja = bratsja♠ Brüder.

12. ♣š♠ wird nach ♣d♠ und ♣t♠ in der Budiſſiner und Wittichenauer Gegend
wie ♣s♠ geſprochen. Z. B. ♣młódši = młódsi♠ jünger; ♣krótša = krótsa♠
die kürzere. §. 40, 1, 5.

13. ♣č♠ wird nach ♣d♠ und ♣r♠ wie ♣c♠ oder ♣s♠ geſprochen. Z. B.
♣swědčić = swědcić♠ zeugen; ♣wótčje = wótcje♠ laut.

14. ♣h♠ in der Mitte der Wörter wird vor ♣k, ł, t♠ und ♣ć♠ wie ♣ch♠
geſprochen. Z. B. ♣lóhki = lóchki♠ leicht; ♣mjehki = mjechki♠ weich;
♣nóhć = nóchć♠ Fingernagel; ♣łóhć = łóchć♠ Elle.

15. Vor Stilllauten, beſonders vor ♣k, p, t, ć, č♠ wird der ſ-Laut durch
♣s♠ (nicht durch ♣z♠) ausgedrückt, wenn er in der Ausſprache ſcharf
klingt. Z. B. ♣skomdźić♠ verſäumen; ♣sprawny♠ gerecht; ♣spěwać♠ ſingen;
♣dospołny♠ vollkommen; ♣skónčić♠ endigen; ♣skakać♠ ſpringen; ♣spowjedź♠
Beichte; ♣składnosć♠ Gelegenheit; ♣skhorjeć♠ erkranken; ♣skazyć♠
verderben; ♣skoržba♠ Klage; ♣spočeć♠ anfangen; ♣spokojić♠ befriedigen;
♣skoro♠ bald; ♣spóznać♠ erkennen; ♣spomnić♠ erinnern; ♣spodobać♠
gefallen; ♣sčinić♠ thun; ♣spalić♠ verbrennen; ♣skradźu♠ heimlich;
♣skhować♠ verwahren; ♣spodźiwać♠ verwundern; ♣sćahnyć♠ ziehen[68]⁾.
Dagegen: ♣so zdać♠ ſcheinen; ♣zmjehčić♠ erweichen; ♣znutžkomny♠
innerlich; ♣zjenoćić♠ vereinigen; ♣změšeć♠ vermiſchen; ♣zhonić♠
erfahren; ♣zhudać♠ errathen; ♣zdychować♠ ſeufzen; ♣zhrabnyć♠ erfaſſen;
♣wuzwolić♠ auswählen; ♣zhromadźić♠ verſammeln; ♣zbytk♠ Ueberbleibſel;
♣zrozymić♠ verſtehen; ♣zbić♠ erſchlagen; ♣zběhnyć♠ erheben; ♣zmahować♠
wogen, flattern; ♣zwjazać♠ verbinden.

<pb n="289"/>

16. Vor Stilllauten, beſonders vor ♣k, p, t, ć, č♠ wird der ſch-Laut
durch ♣š♠ (nicht durch ♣ž♠) ausgedrückt. Z. B. ♣škla♠ Schüſſel; ♣štom♠
Baum; ♣škleńca♠ Glas; ♣škoda♠ Schade; ♣fěršta♠ Fürſt; ♣škrabać♠ kratzen;
♣škórnje♠[69]⁾. Ausgenommen, wenn im Wurzelworte ein ♣z♠ oder ♣h♠
vorkommt; denn ♣z♠ und ♣h♠ gehen alsdann in ♣ž♠ über (§. 5.). Z. B.
♣hwěžka♠ Sternchen ♣(hwězda); hněžko♠ Neſtchen ♣(hnězdo); žežka♠ Zunder
♣(žaha); twaróžk♠ Käſe ♣(twaroh).♠

17. Nach der analogen Schreibweiſe werden alle Hauptwörter klein
geſchrieben (§. 3. 1, Anm.) und ♣h♠ und ♣w,♠ auch wenn ſie nicht
ausgeſprochen werden, niemals weggelaſſen (S. 15. §. 2. 2, w, Anm. 1 und
3; S. 17, §. 2. 2, h, Anm. 1.). Desgleichen wird der Unterſchied
zwiſchen ♣w♠ und ♣ł♠ ſtreng beobachtet (S. 21, §. 2. 2, 34, Anm. 4.).

§. 110. Leſeübung.

♣Powjesć wo serbskich kralach.♠

♣Stawizny Słowjanow a wosebje tych samych, kiž něhdy z tuteho boka Wódry
a Bobra hač k brjoham rěki Salje a Łóbja přez cyły nětčiši półnócny
němski kraj bydlachu, su hišćen předco mało přepytane a teho dla tu a
tam hišćen z wulkjej ćěmnosću přikryte a najmjenje znate. W najnowišim
času je sebi drje słowjanski stawiznaŕ Šafařik w tutej naležnosći wulku
zasłužbu zasłužił a njenadźujcy swětłu pruhu do tuteje ćěmnosćje
přinjesł; alje wjelje wostanje hišćje přepytować, wjelje hišćje
wuslědźić a nawuknyć. Słowjanskje stawizny poskićuja spisowarjam hišćen
wulkje a płódne polo k wobdźěłanju, alje mało jich je, kiž so tym
wšelakim wobćežnosćam zwólniwje podćisnjeja, kotrež tajkje přepytowanje
sobu njese. Wosebje ćežkje a wobćežne pak je přepytowanje stawiznow tych
Słowjanow, kiž něhdy swoje bydła w nětčišim němskim kraju mějachu a k
kotrymž tež my Serbjo słušamy. Śafařik mjenuje tutych Słowjanow
zhromadnje „połóbskich Sło wjanow“, to rěka Słowjanow, kiž po Łóbju
bydla, a dźěli jich do třóch hłownych ludow, do <pb n="290"/>Lutycow aby
Wjeletow, do Bodrycow a do Serbow. Wšitkje tute słowjanskje ludy, kiž
běchu něhdy tak mócne, so před nimi cyła němčina třepotaše, su so po
času zhubili a do Němcow přewobroćili, jeno mały zbytk je wostał, a tón
smy my Serbjo w hornych a delnych Łužicach.♠

♣Husto je so to prašenje postajiło, kajku statowu wustawu su tute
słowjanskje ludy zastarsku měli, jako běchu hišćen swobodne wot
němskjeho spřaha. Mało je so hač dotal na tuto prašenje wotmolwiło, a
hdyž je so wotwolwiło, dha husto dosć wopačnje. Napismo tuteho nastawka
ryči wo serbskich kralach; z tym pak hišćje prajene njeje, zo su naši
stari wótcojo něhdy sami bjez sobu runje tak wudospołnjene kralestwa
měli, kaž je nětko w našich časach wšudźom wokoło nas widźimy. Serbjo
bydlachu něhdy, hižom wot kónca pjateho lětstotetka sem, přez wšitkje
nětko nimalje cylje přeněmčene krajiny wot Bóbra hač do Salje a k
fichtelskim horam, hłuboko nutř do derinskjeho lěsa, na wobimaj
stronomaj Łóbja, k północy wot rudnych horow. K tutym krajinam słušeja:
wulki dźěl Šlezynskjeje, cyłe horne a delne Łužicy, cyła něhduscha
Sakska nimalje hač k Harcej, a tež nětčiše wójwodstwa Starohródska,
Wajmarska a z dźělom tež Majningska, dalje reuskje wjeŕchowstwo
Rudolstadt. Tudy wšudźom knježachu něhdy serbskje ludy, kiž so do třóch
hłownych splahow dźělachu. Tute tři splahi běchu:♠

1. ♣Łužičenjo, wobydlerjo delnych Łužicow a bližšich krajinow k północy
hač do Barlina delje a k ranju hač k Wódrje.♠

2. ♣Milčenjo, wobydlerjo cyłeho kraja bjez delnymi Łužicami, rěki Kwisy,
čěskich horow a Łóbja, to rěka cyłeje horneje Łužicy a wulkjeho dźěla
Mišonskjeje.♠

3. ♣Serbjo, wobydlerjo cyłeho kraja na lěwej stronje Łóbja a při
brjohach rěki Salje, wokoło Lipska, Starohroda a Zyca. K kóždemu tutych
třóch hłownych splahow serbskjeho luda słušeše wjacy mjeńšich rodow, kiž
běchu bjez sobu přez wosebite mjeno, mjenje přez wosebitu naryč,
najhusćišo pak přez wosebitu wustawu <pb n="291"/>rozdźělene. Tak liči
Šaſařik pola Łužičanow sydom mjeńšich rodow. Pola Milčanow njedadźa so
žane wosebite rody wuslědźić, alje jeno wosebite župy, kiž su najskjerje
hakhlej po přewinjenju Serbow přez Němcow nastałe. Tež pola Serbow na
lěwej stronje Łóbja rozdźěluje Šafařik wokoło jidnaće župow a mjeńšich
rodow, bjez kotrymiž su wosebje Glomačenjo (Daleminci) k wuzběhnjenju.
Tute wjetše a mjeńše splahi słowjanskjeho luda běchu něhdy mócne a
state, jako hišćje z Němcami wo swoju swobodnosć a narodnosć wojowachu,
a lětstotetki dyrbjachu so minyć, prjedy hač woni přez Němcow surowosć a
šibałosć do wotročkowstwa přińdźechu, swoju staru swobodnosć a ryč a
narodnosć zhubichu a Němcow za swojich knjezow spóznachu.♠

♣Alje kajku wustawu mějachu woni, prjedy hač so tute přeměnjenje sta? Ći
sami, kiž prěja, zo su serbskje ludy hdy swojich wosebitych kralow měli,
powołaja so při tym na to, štož někotři stari stawiznarjo wo Słowjanach
z cyła praja, zo so Słowjanow narody wot jeneho krala njewobknježa. Tute
słowa su pak tak k zrozymjenju: słowjankje narody maja nic jeneho, alje
jich wjelje kralow, tak wjelje, hač do kak wjelje splahow a rodow so
dźěla. A to je cylje prawje. Přetož nihdźen njenamakamy žanu powjesć wo
tym, zo by žadyn kral tym słowjanskim ludam wšitkim zhromadnje
rozkazował. Kóždy splah, husto dosć kóždy rod měješe swojeho wosebiteho
krala aby wjeŕcha. Runje tak bě tež pola Serbow. Haj Serbjo mějachu tež
swojich wosebnych, kiž běchu sebi přez khróbłosć a ryćerskje skutki bjez
swojim ludom wěstu móc dobyli, a kotrymž běchu so teho dla druzy
přizanknyli a so jich nawjedowanju podćisnyli. Teho dla powjeda tež
stawiznaŕ Helmold husto wo serbskich wosebnych a zemjanach.♠

♣Tola praša so nětko, što měješe pola Serbow kralowskje dostojnstwo na
sebi, po kajkich prawidłach měješe so kral we wójnje aby w času měra
zadźeržeć cyłemu ludej aby jeho wosebnym mužam napřećiwo, a na <pb
n="292"/>kajkje wašnje je knježeŕstwo po wotemrjeću jeneho serbskjeho
krala na druhjeho přišło? Wěste je, zo pola Serbow w času měra kral
wjelje njepłaćeše; kóždy činješe, štož so jemu spodobaše, a kral sam w
swojim hrodźje aby w swojim hrodźišću sedźiše a so wo nikoho jara
njestaraše. Alje hdyž wójna nasta, dha bě kral wodźeŕ swojeho luda, kiž
so ze swojimi wosebnymi wokoło njeho zhromadźowaše. Tedom rozkazowaše
wón z njewobmjezowanej mocu, cyły lud staji na njeho swoje dowěrjenje a
běše jemu podćisnjeny. Kral steješe za lud, a lud za krala. Stawizny
powjedaja, zo kral w času wójny swój lud zhromadźi, aby zo so njekotři
kralojo zeńdźechu a sebi wuradźichu, kak bychu swoje wójska hromadu
storčili a njepřećelow najlěpje zbili. Tak powjeda so wo Lubinu, wulkjej
horje njedaloko Budyšina, zo su junu na tej samej sedmjo serbscy kralojo
hromadu přišli, zo bychu jow radu składowali, kak bychu Němcow ćežki
spřah wot so wotćisnyć móhli. Wšitcy radźachu k wójnje a jako mějachu
bórzy po tym wótru bitwu z Němcami njedaloko Lubina, panychu tamni
sedmjo kralojo wšitcy w bitwje, wot njepřećelow zabići. Jich serbscy
bratřja pohrjebachu jich na to na Lubinu, kóždeho ze swojej złotej
krónu, pod jedyn wulki kamjeń.♠

♣Běše pak měr, dha zastupowaše kral swój lud zwonkomnym a znutřkomnym
njepřećelam napřećiwo. Tola njemóžeše wón wažne, cyły narod nastupace
wěcy sam bjez ludoweje wolje wobzanknyć.♠

♣Wažna je powjesć, kotruž je nam stary stawiznaŕ (Wittekind) zawostajił.
Wón ryči wo jenym serbskim kralu a praji: Běše wěsty Słowjan wot krala
Hjendricha zawostajeny, kiž dyrbješe jich knjez być po ludowym prawje,
mjenujcy tak, zo syn po nanje přińdźe. Tudy widźimy zjawnje, zo je pola
Serbow tak mjenowany „jus haereditarium“ płaćił, to rěka, zo je po nanje
jeho syn kralestwo dostał. Husto pak su so po smjerći jeneho krala jeho
zawostajeni synojo wo kralestwo zwadźili. Přetož pola Serbow knježstwo
<pb n="293"/>po smjerći nana na jeho synow w runych dźělach rozpany,
tola pak tak, zo jedyn, a to nic runje najstarši, alje kiž so ludej
bólje spodobaše, wyššu móc dosta. Po tajkim je wěste, zo mějachu Serbjo
swoje kralowskje swójby, z kotrychž swojich kralow a wójwodow
dostawachu.♠

♣Kóždy serbski splah pak měješe swojich samitnych kralow. W času wójny
podćisny so kóždy zwólniwje jich nawjedowanju a rozkazowanju, w času
měra pak so lud dalje wo nich njestaraše. Teho dla so dźiwać
njetrjebamy, hdyž čitamy, zo pola Serbow w změrnych časach kralojo
druhdy cylje ničo płaćili njejsu. W lěćje 826 namakamy serbskjeho krala
Tungla na ingelhejmskim sejmje pola němskeho krala Ludwiga, kiž dyrbješe
jeho zaso ze Serbami zjednać, z kotrymiž bě do překory přišoł. W lěćje
859 postanychu Serbjo přećiwo Němcam a zarazychu swojeho krala
Čistobora, dokjelž bě němscy zmysleny. Bodrycojo wuhnachu w lěćje 983
swojeho stareho krala Mestywoja z kraja, dokjelž so jim wjacy
njespodobaše.♠

♣W času měra słušeše hońtwa w ćěmnych lěsach, kiž tedom hišćje Łužicy a
cyły serbski kraj přikrywachu, k najwosebnišej dźěławosći starych
serbskich kralow a ryćerjow. Zo bě ta sama jara bohata, móžeš lóhcy
spóznać, hdyž wopomniš, zo za starsku nic jeno jelenje, sorny a wjelki w
našim wótcnym kraju přebywachu, alje zo tež risy, mjedwjedźje a dźiwje
woły w lěsach wokoło błudźachu. Zo su sebi serbscy kralojo w času měra
tež hosćiny hotowali a so k zabawnym bjesadam zhromadźowali, hodźi so
přez stawizny dopokazać, teho runja tež, zo su woni při přibójskich
woporach a swjedźenjach wěste prawa měli, zo su najprjedy swoje wopory
składowali, najprjedy za so přibohow prašeć dali, a zo su sobu nutř do
templow a swjećenych hajow hić směli, do kotrychž hjewak při smjerći
nichtón hač měšnicy stupić njesmjedźiše. Tola pak wužiwaše wyšši měšnik
pola serbskich ludow hišćje wjetšu česć, hač kral, a měješe wjetšu móc w
swojimaj rukomaj. Štož sud nastupa, dha móžemy jeuož ze stawiznow
druhich połóbskich Słowja<pb n="294"/>now naslědować, zo je wulki dźěl
teho sameho tež pola Serbow w rucy krala był. Tak powjeda Helmold, zo je
pola Stargarda lěs nadejšoł, w kotrymž su bjez mnohimi jara starymi
štomami tež někotre swjate duby stali, kiž su přibohej Prowej swjećene
było. W tutym lěsu je kóždej dwě njedźeli cyły lud ze swojim měšnikom a
ze swojim kralom hromadu přišoł dla sudźenja a rozsudźenja wschelakich
wěcow. Zo je so najskjerje tež pola Serbow sud w runej měrje stał, je
jara k wěrje podobne, hdyž wopomnjamy, kajka podobnosć so we wašnjach a
počińkach słowjanskich splahow namaka. Prašamy so naposledku hišćje,
hdźje su serbscy kralojo bydlili, dha ma so wotmolwić, zo su kralojo
wjetšich splahow serbskjeho ludu swoje hłowne města, kralojo mjeńšich
splahow aby małych rodow pak jenož hrody aby hrodźišća měli, wokoło
kotrychž drje twarjenja słužomneho luda stejachu. Znate je přez
stawizny, zo běchu Orekunda (Arkona), Ranograd, Wolin, Branibor, Raćibor
kralowskje města połóbskich Słowjanow a sydła serbskich kralow. Tež pola
nas we wobimaj Łužicomaj a na wobimaj stronomaj Łóbja namakaš hišćje
města aby městnosćje, wot kotrychž pak stawizny wobswědčuja, zo su tam
hrody serbskich kralow stałe, pak ludźjo powjedaja, zo su tam něhdy
serbscy kralojo swoje sydło měli. Spómnić trjebam jeno na twerdźiznu
Gronu (Grana, Gana) w kraju serbskjeho naroda Glomačenjow, kotruž w
lěćje 927 němski khěžor Hjendrich I. za dwaceći dnjów doby a rozłama.
Dalje powjedaja stawizny, zo je tež na hrodźišku pola Židowa w starych
časach hród serbskich kralow stał, kiž je najskjerje w lěćje 806 wot
Frankow pod nawjedowanjom jich wójwody Korlje, młódšeho syna Korlje
Wulkjeho, wutupjeny. Teho runja je tež wěste, zo su něhdy na Limasowej
horje pola Königshajna, na Landskrónje pola Zholeŕca, na hrodźišću pola
Bórkowow w delnych Łužicach so hrody serbskich kralow pozběhałe.
Přiwozmjemy k temu hišćje, štož lud tu a tam wot zapanjenych aby k zemi
zrunanych hrodow powjeda, dha móžemy hišćje na <pb n="295"/>mnohich
druhich městach bydła serbskich kralow aby wosebnych ryćerjow wuslědźić.
Tak powjeda so bjez ludom wo Lubinu pola Budestec, zo je tam něhdy hród
serbskjeho krala stał; teho runja tež wo šćežcy, kiž wot Kulowa do
Dubrjeńka wjedźe, zo je tam stary serbski hród so něhdy do zemje
přepadnył dla złosćje a bjezbóžnosćje swojich wobsedźerjow. Njedaloko
Žemrja w delnych Łužicach namakaš na Bawdachskich polach bahnojte
městno, hdźež nimalje přez cyłe lěto woda steji. Wot tuteho městna so
powjeda, zo je tam něhdy krasny hród stał, kiž je do zemje zapanył.♠

♣Po dwanatym stotetku njesłyšimy w stawiznach ničo wjacy wo serbskich
kralach, ani pola Serbow, ani pola druhich załóbskich Słowjanow. Posleni
narodny kral połóbskich Słowjanow běše Přibisław, kiž wot lěta 1131 sem
nad Bodrycami knježeše. Wón dyrbješe so po horcych bitwach němskjemu
khěžorej podćisnyć, křesćijanstwo přijeć a swoje kralestwo němskjemu
mócnarstwu přizanknyć. Jeho potomnicy knježa hižćje dźensniši dźeń, hač
runje wjelje stów lět hižom přeněmčeni, jako wjelwójwody w
Meklenburgskjej a su po tajkim jeničcy a najstarši knježerjo
słowjanskjeho rodu w cyłej Europje.♠

(♣J. A. Jenč.♠)

♣Traćje serbowstwa.♠

♣Trać dyrbi serbstwo, zawostać♠

♣A serbska khoroj zmahować,♠

♣Kaž dołho z drjewom zelene♠

♣Te hory steja łužiskje.♠

♣Dójž kamjeń tam na kamjenju♠

♣So zběha k njebju módrjemu,♠

♣A Šprjeje žórło slěborne♠

♣Do Serbow žołmy ponjese.♠

♣Trać dyrbi serbstwo, zawostać,♠

♣A jeho kćěw mi přibjerać,♠

♣Dójž bože słónčko wobswěći♠

♣A měsačk tón kraj łužiski.♠

<pb n="296"/>

♣Tak dołho hač tam deščik dźe,♠

♣Zo boža stopa tučna je,♠

♣A bróžk so žadyn zeleni,♠

♣A žana kwětka zyboli.♠

♣Trać dyrbi serbstwo, zawostać,♠

♣A wótcny duch je pozběhać,♠

♣Kaž dołho ruta zelena♠

♣Za česne rosće holiča.♠

♣Trać dyrbi wašnje wótcowskje,♠

♣A kóžde prawo khwalobne,♠

♣Dójž žadyn zwón we kraju žri,♠

♣A witaja so wotemši.♠

♣Trać dyrbi serbstwo, zawostać,♠

♣Dójž budźe ćěšić žana mać♠

♣Sej łužičanskje dźěćatko,♠

♣A kolebać je spěwajo.♠

♣Kaž dołho mocy, myslenja♠

♣Duch łužičanski žadyn ma,♠

♣A žadyn jazyk hiba so,♠

♣Trać dyrbi naše serbowstwo!♠

(♣H. Sejleŕ.)♠

<pb n="297"/>

Inhaltsverzeichniß.

Seite.

Vorwort 3

Erſter Cheil. Lautlehre.

§. 1. Buchſtaben 13

§. 2. Ausſprache der Buchſtaben:

1. Ausſprache der Bocale 14

2. Ausſprache der Conſonanten 15

3. Ausſprache der Diphthongen 24

§. 3. Schreibweiſe 25

1. Anwendung der großen Buchſtaben 25

2. Theilung der Wörter 26

3. Verdoppelung der Conſonanten 26

4. Dehnungszeichen 26

5. Gegenſeitige Vertretung einiger Conſonanten 27

§. 4. Betonung der Wörter 27

§. 5. Umwandlung oder Erweichung der Buchſtaben 27

§. 6. Tabelle der Buchſtabenumwandlung 30

Bweiter Cheil. Wortlehre.

§. 7. Die Redetheile 31

§. 8. Das Subftantivum oder Hauptwort, ſein Geſchlecht und ſeine
Declination 31

§. 9. Tabelle der drei Declinationen 34

§. 10. Erſte Declination 35

§. 11. Bemerkungen zur 1. Declination 36

§. 12. Beiſpiele zur Uebung 43

§. 13. Unregelmäßige Declination 44

§. 14. Zweite Declination 44

§. 15. Rückblick auf die Beiſpiele 46

§. 16. Bemerkungen zur 2. Declination 47

§. 17. Beiſpiele zur Uebung 49

§. 18. Ausnahmen 49

1. ♣Subst. ſemin.♠ mit männlicher Endung 49

2. ♣Subst. masc.♠ mit weiblicher Endung 52

§. 19. Unregelmäßige Declination 53

<pb n="298"/>

§. 20. Dritte Declination 54

§. 21. Bemerkungen zur 3. Declination 56

§. 22. Beiſpiele zur Uebung 58

§. 23. Unregelmäßige Declination 58

§. 24. Augment (Zuwachs) in der dritten Declination 59

§. 25. Subſtantiva, die nur im Plural gebräuchlich ſind (♣Pluralia
tantum♠) 61

§. 26. Subſtantiva, die im Sing. und Plural eine verſchiedene Bedeutung
haben 63

§. 27. Die Verkleinerungswörter (♣Diminutiva♠) 63

§. 28. ♣Nomina indignativa♠ 68

§. 29. Declination der Orts- und Eigennamen 69

1. Die Ortsnamen 69

2. Die Eigennamen 70

§. 30. Bedeutung der Endungen an den Subſtantiven 75

§. 31. Zuſammengeſetzte Subſtantiva 77

§. 32. Der Artikel oder das Geſchlechtswort 78

§. 33. Das Adjectivum oder Eigenſchaftswort 80

§. 34. Declinationstabelle der Adjectiva 80

§. 35. Bemerkungen über die Declination der Adjectiva 84

§. 36. Declination adjectiviſcher Eigennamen 87

§. 37. Beiſpiele zur Uebung 89

§. 38. Bedeutung der Endungen an den Adjectiven 90

§. 39. Zuſammengeſetzte Adjectiva 92

§. 40. Die Vergleichungsſtufen der Adjectiva oder die Comparation 92

1. Der Comparativ 93

2. Der Superlativ 96

§. 41. Das Pronomen oder Fürwort 97

§. 42. 1. Die perſönlichen Fürwörter 97

§. 43. 2. Die hinweiſenden Fürwörter 102

§. 44. 3. Die fragenden Fürwörter 103

§. 45. 4. Die bezüglichen Fürwörter 104

§. 46. 5. Die unbeſtimmten und allgemeinen Fürwörter 105

§. 47. 6. Die beſitzanzeigenden Fürwörter 106

§. 48. Das Numerale oder Zahlwort 106

§. 49. 1. Beſtimmte Zahlwörter 107

1. Haupt- oder Grundzahlen 107

2. Ordnungszahlen 107

§. 50. 3. Vertheilungszahlen 114

§. 51. 4. Verſchiedenheits- oder Gattungszahlen 116

§. 52. 5. Vervielfältigungszahlen 116

§. 53. 6. Wiederholungszahlen 116

§. 54. 7. Halbirungs- und Bruchzahlen 117

§. 55. II. Allgemeine und unbeſtimmte Zahlwörter 118

§. 56. Das Verbum oder Zeitwort 120

§. 57. Die Conjugation oder Abänderung der Zeitwörter 123

<pb n="299"/>

§. 58. Bildung der Zeiten und Ausſageweiſen 129

Futurum mit po 132

Futurum mit andern Präpoſttionen 132

Futurum auf nu 133

§. 59. Conjugationstabelle 135

§. 60. Das Hilfszeitwort bócż 137

§. 61. Bemerkungen zu dem Hilfszeitworte 142

§. 62. Erſte Conjugation 146

§. 63. Bemerkungen zur erſten Conjugation 155

§. 64. Beiſpiele zur Uebung 158

§. 65. Zweite Conjugation 158

§. 66. Bemerkungen zur zweiten Conjugation 160

§. 67. Beiſpiele zur Uebung 161

§. 68. Dritte Conjugation 161

§. 69. Bemerkungen zur dritten Conjugation 164

§. 70. Beiſpiele zur Uebung 165

§. 71. Vierte Conjugation 165

§. 72. Bemerkungen zur vierten Conjugation 168

§. 73. Beiſpiele zur Uebung 169

§. 74. Fünfte Conjugation 169

§. 75. Bemerkungen zur fünften Conjugation 171

§. 76. Beiſpiele zur Uebung 172

§. 77. Sechste Conjugation 172

§. 78. Bemerkungen zur ſechsten Conjugation 175

§. 79. Beiſpiele zur Uebung 178

§. 80. Siebente Conjugation 179

§. 81. Bemerkungen zur ſiebenten Conjugation 183

§. 82. Achte Conjugation 187

I. Infinitiv auf ſcz (ſcż) 188

II. Infinitiv auf cz (ſcz, ſcż) 193

§. 83. Neunte Conjugation 194

§. 84. Unregelmäßige Zeitwörter 196

§. 85. Mangelhafte Zeitwörter 209

§. 86. Unperſönliche Zeitwörter 214

§. 87. Das Adverbium oder Umſtandswort 215

§. 88. Die Steigerung der Adverbien 219

1. Der Comparativ 219

2. Der Superlativ 220

§. 89. Die Präpoſition oder das Verhältnißwort 220

§. 90. 1. Präpoſitionen, welche mit Haupt- oder Fürwörtern verbunden
werden 221

§. 91. 2. Präpoſttionen welche mit Zeitwörtern verbunden werden 230

§. 92. 3. Zuſammengeſetzte Präpoſttionen und Adverbien als Präpoſitionen
232

§. 93. Die Conjunction oder das Bindewort 235

§. 94. Die Anhängepartikeln 245

<pb n="300"/>

§. 95. Die Interjection oder der Ausruf 246

§. 96. Eintheilung der Ausrufe 246

§. 97. Bemerkungen 247

Dritter Cheil. Syntar oder Wortfügung.

§. 98. Erklärung 249

Erſter Abſchnitt.

§. 99. Vom Satze 249

Zweiter Abſchnitt.

§. 100. Von der Verbindung der Wörter 254

Dritter Abſchnitt.

§. 101. Vom Gebrauche der Caſus 257

1. Vom Nominativ 257

2. Vom Genitiv 259

3. Vom Dativ 263

4. Vom Accuſativ 264

Vierter Abſchnitt.

§. 102. Vom Gebrauche des Zeitworts 266

1. Die Zeiten oder Tempora 266

2. Die Form des Zeitworts 267

3. Die Ausſageweiſen oder Modi 267

4. Satzverkürzung durch Participial-Conſtruction 269

5. Das Verbalhauptwort 271

6. Verneinung im Satze 272

Fünfter Abſchnitt.

§. 103. Von der Ellipſe oder Auslaſſung eines Satztheiles 274

Sechster Abſchnitt.

§. 104. Von der Wortfolge 276

§. 105. Wendiſche Benennung der einzelnen Redetheile 281

Anhang.

§. 106. Schreibweiſe der proteſtantiſchen Wenden der Oberlauſitz 283

§. 107. Leſeübung 284

§. 108. Neue oder analoge (d. h. übereinſtimmende) Schreibweiſe 286

§. 109. Bemerkungen zur neuen Schreibweiſe 286

§. 110. Leſeübung 289

Berichtigungen und Nachträge 301

<pb n="301"/>

Berichtigungen und Nachträge.

Seite: Zeile: für: verbeſſere:

8 13 v. u. = = ♣mor♠ = = ♣mór♠ Peſt

10 2 v. o. = = ♣pósoł♠ = = ♣posoł♠ Bote

17 22 in Tka und Tkalcz tönt das t mit.

23 17 pwuwacż iſt veraltet; jetzt: plowacż, plėwacż ſchwimmen.

23 30 Żwob und Żwobjo Krippe; daher: Żwóbik und Żwóbitżko.

33 6 v. u. Die ♣animata non rationalia♠ haben im Dual den Accuſativ
gleich dem Genitiv oder Nominativ.

37 13 v. o. = = Rėbel = = Ṙebel Leiter

63 16 desgleichen.

65 16 = = Swėcżka = = Swėtżka Licht

78 11 = Hozpoza (Wirthin) = Hozpoda Herberge

90 3 ſtrózbé oder trózbé nüchtern, nicht betrunken.

90 3 tżopwó warm, richtiger: cżopwó, weil von tepicż, heizen.

90 7 wėcżné ewig, richtiger: wėtżné, weil von Wėki Jahrhundert.

108 13 v. u. für ſtoté (hundertſte) ſagt man auch ſtoteré.

122 2 v. o. = ſo lehacż = ſo lėhacż ſich legen

182 17 zpėcż ſteigen; leitet man jedoch dieſes Zeitwort von ſtupicż,
ſtupacż ab, ſo muß man ſchreiben: ſtpėcż ſpėcż.

212 5 = = rėk = = ṙek

215 13 = ſo zécznécż = = ſo zecznécż ohnmächtig werden

225 24 wozaƀene oder wozébane (von wozabicż oder wozébacż, erfrieren).

265 9 v. u. = = Trije = = Tżrije Schuhe

[1] ⁾ ♣Sława♠ und ♣słowo♠ ſind gebildet aus ♣słyšeć♠ (hören). Die
Wurzelſylbe heißt ♣slu,♠ im Sanskritaniſchen ♣sru.♠

[2] ⁾ Skythika von G. Liebuſch, Camenz 1833, S. 118.

[3] ^(*)) ♣Quia Vandalis successerant, Vandali quoque — Wendi, Windi —
vocati sunt. Cromerus Varmiens. episc. in hist. Polon. c. 1.♠

[4] ⁾ ♣Nomen♠ „Wenden“, ♣quod se ad occasum verterint, cum germanicum
vocabulum♠ „wenden“ ♣vertere significet. Andr. Cellarius in descript.
regni Polon. Amstelod. 1659, p.♠ 302.

[5] ⁾ ♣J. A. Jenča powjesć wo serbskich kralach (we časopisu towaŕstwa
maćicy serbskjeje, II. a III. lětnik, zešiwk I., str.♠ 22—24).

[6] ^(*)) Triglaw iſt zuſammengeſetzt aus ♣tři♠ (drei) und ♣hłowa♠
(Kopf), alſo: Dreikopf.

[7] ⁾ Brama, Wiſchnu und Schiwa bilden bekanntlich die alte indiſche
Trimurti oder Götterdreiheit.

[8] ^(*)) Buddha heißt „der Seiende“, griechiſch: <foreign
xml:lang="grc">τò ὄν</foreign>, hebräiſch: ♣Jehova.♠ Buddhaismus iſt
demnach die Lehre oder Religion des Seienden, des Ewigen.

[9] ^(**)) Daher Himalaya = Kältegebirge. Nach der Vorſtellung der
Indier thront auf dem Himalaya der ♣Schiwa hara,♠ d. h. wendiſch: ♣žiwa
hora,♠ der lebendige Berg, Berggott. In Dhawalagiri (höchſte Spitze des
Himalayagebirges) iſt ♣giri = hora, gora♠ Berg. Dhawalagiri heißt in der
Sanskritſprache der weiße Berg. Vergl. Alex. v. Humboldt’s Kosmos,
Stuttg. und Tüb. 1845, S. 41.

[10] ^(***)) Daher der Name Sirius.

[11] ⁾ Skythika, S. 66.

[12] ⁾ Sie entflohen i. J. 1453 aus Bosnien und Albanien nach Italien,
wohnen jetzt in 39 Dörfern in Baſtlicata und Calabrien im Königreich
Neapel und haben noch ihre nationale Sprache u. Kleidung.

[13] ⁾ Im Budiſſiner Dialecte wird é faſt wie i in dem Worte „irgend“
oder wie ü in „Fürſt“ ausgeſprochen und durch y bezeichnet. Z. B. ty =
té du; Dych = Déch Athem.

[14] ⁾ Gewöhnlich werden nur folgende Wörter mit vorangeſetztem w
geſchrieben: wrėcż, wrócżicż, Wſé, wſchitkón, Wſchi, wzacż, Wżicza, und
zwar wegen des in der 4. Anmerk. angegebenen Grundes.

[15] ⁾ Von kathol. Schriftſtellern werden gewöhnlich nur hnacż und hnucż
mit vorangeſetztem h geſchrieben.

[16] ⁾ Bisweilen wird h in der Mitte wie g oder ch ausgeſprochen; Z. B.
nahle (= nagle) jäh; Wóhṅa (= Wóchṅa) des Feuers.

[17] ⁾ Im Niederwendiſchen und in andern Slawinen geht kh in ch über; z.
B. ♣chory chudy, chowam.♠

[18] ⁾ Der weiche Nachklang des Jota bei den jotirten Endbuchſtaben kann
nicht beſchrieben, ſondern muß aus dem Munde eines Wenden erlernt
werden.

[19] ⁾ Um Wittichenau wird ſcz wie ſcż ausgeſprochen.

[20] ⁾ Ein alter ♣Locat. Singul.♠ von Dżeṅ — Dṅo — hat fich noch in dem
Worte wodṅo (am Tage) erhalten. Das aus Dżeṅ gebildete Wort Tédżeṅ Woche
geht ganz regelmäßig:

Singul. Dual. Plural.

♣N. A.♠ Tédżeṅ Woche ♣N. A.♠ Tédżenei ♣N. A.♠ Tédżeṅe

♣G.♠ Tédżeṅa ♣G.♠ Tédżeṅow ♣G.♠ Tédżeṅow

♣D.♠ Tédżenei ♣D. S. L.♠ Tédżeṅomai ♣D.♠ Tédżeṅam

♣S.♠ Tédżeṅom ♣S.♠ Tédżeṅemi

♣L.♠ Tédżeṅu ♣L.♠ Tédżeṅach

Tédżeṅ wird nur gebraucht, wenn von Einer Woche die Rede iſt; z. B. tón
Tédżeṅ dieſe Woche; dżencza za Tédżeṅ heute über acht Tage; dżencza
Tédżeṅ heute vor acht Tagen. Will man mehrere Wochen bezeichnen, ſo muß
man Ṅedżela nehmen; z. B. tzi Ṅedżele drei Wochen, za dwė Ṅedżeli in
vierzehn Tagen (innerhalb zwei Wochen).

[21] ⁾ Adverbialiter wird gebraucht: domoi, dom heim. §. 87.

[22] ⁾ Die Vocativformen Krawtże, Schewtże werden mit dem Nebenbegriff
der Geringſchätzung oder Verachtung gebraucht.

[23] ^(*)) Eigenthümlich iſt der Gebrauch des Kṅez, wenn es als
Titulatur mit einem Namen im Genitiv, Dativ, Accuſativ, Sociativ oder
Locativ verbunden wird. In allen dieſen Fällen wird nämlich nur der
Genitiv Kṅeza gebraucht, auch wenn der damit verbundene Name in einem
andern Caſus ſteht. Z. B. Kṅeza Varaṙa des Herrn Pfarrers; Kṅeza Vararei
dem Herrn Pfarrer; z Kṅeza Varaṙom mit dem Herrn Pfarrer.

[24] ⁾ Budiſſiniſch: Jandżeljo.

[25] ⁾ Auch die polniſche Sprache hat bei den ♣Substant. mascul.
rational.♠ der erſten Declination im Nominativ Pluralis eine weibliche
Endung auf ♣e, y♠ und ♣i.♠ Dieſe Endung nehmen die Perſonen dann an,
wenn ſie gleichſam als Sachen betrachtet oder mit dem Nebenbegriff eines
untergeordneten Zuſtandes und der Geringſchätzung gebraucht werden. Z.
B. ♣królowie♠ und ♣króle♠ Könige, ♣wujowie♠ und ♣wuje♠ Ontel, ♣olbrzymi♠
und ♣olbrzymy♠ Rieſen.

[26] ⁾ Ludże iſt die weibliche Form; vergl. §. 11, 6. 11. — Ludé =
Völker.

[27] ⁾ Die Endungen ſcz und ſczi werden auch ſcż, ſcżi geſchrieben und
geſprochen.

[28] ⁾ Eigentlich gehören die Subſtantiva auf ei zu jenen, welche im
Genitiv das e wegwerfen (§ 18, 1. 2.), indem nicht ei, ſondern eẇ
geſchrieben werden ſollte. Z. B. Czérkei = Czérkeẇ. ♣G.♠ Czérkẇe.

[29] ^(*)) Das im Genit. und in den übrigen Caſus hinzutretende w wird
zuweilen auch ſchon im Nominat. geſchrieben; z. B. Czérkwei = Czérkei;
Britwei = Britei u. ſ. w.

[30] ⁾ Stwa hieß urſprünglich Jſtwa. Daher dó Jſtwé (— wó) in die Stube,
oder adverbialiter: dóiſtwé in die Stube, wòiſtwė in der Stube, pòiſtwė
der Stube entlang, zeiſtwé aus der Stube.

[31] ⁾ Eigentlich Ira; daher: na Iru oder nairu zum Spielenz zeiracż ein
Spiel machen.

[32] ⁾ Die hier angeführten Subſtantiva haben einen doppelten Accuſ.
Sing., jenachdem ſte ſich im Nominat. auf eṅ, el oder auf ṅa, na, la
endigen. Z. B. Bróżeṅ Scheune, Acc. Bróżeṅ und Bróżṅu; Mòſcheṅ Beutel,
Acc. Móſcheṅ und Mòſchṅu.

[33] ⁾ Ṗeṙo (Collectivwort) Federn; Ṗero Feder.

[34] ⁾ Wėki kommt nur noch vor in der kirchlichen Formel: Wėki na Wėki
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

[35] ⁾ Im Budiſſiner Dialecte verwandeln die Adjectiva auf chi im No
minativ Plural. der Rationalen chi in ſchi; z. B. wuſchi, ſuſchi.

[36] ⁾ Die Formen wȯſchſchi, cżeżſchi, lóżſchi, bliżſchi, niżſchi,
wuſchſchi ſind zuſammengezogen aus wóſchiſchi, cżeżiſchi, lóżiſchi u. ſ.
w.

[37] ^(*)) Im Budiſſiner Dialecte: ſi, ſja, ſe.

[38] ⁾ jen’ iſt das abgekürzte jedén.

[39] ⁾ Zur Bezeichnung der Zeit mit „halb“ wird um Wittichenau
ausſchließlich nur der Locativ gebraucht. Man ſpricht: napów jenei,
napów dwėmai, napów tzjóch, napów żtéṙoch, napów ṗecżich, ſcheſcżich u.
ſ. w.

[40] ⁾ Das Wort „pflegen“ kommt in den ſlawiſchen Sprachen nicht vor.

[41] ⁾ Im Deutſchen giebt es drei Haupthilfszeitwörter: ſein, haben,
werden, und folgende Nebenhilfszeitwörter: dürfen, können, mögen,
müſſen, ſollen, wollen, laſſen.

[42] ⁾ Budiſſiniſch: bówai (byłaj).

[43] ^(*)) Budiſſiniſch: bówei (byłej).

[44] ⁾ Im Budiſſiner Dialecte: budżich był.

[45] ⁾ Budiſſiniſch: pótawai (pytałaj).

[46] ^(*)) Budiſſiniſch: pótawei (pytałej).

[47] ⁾ Von dérƀecż iſt zu bemerken, daß es im gemeinen Sprachgebrauche
gewöhnlich zuſammengezogen wird. Man ſagt: déjecż müſſen, ja déju ich
muß, déjach ich mußte, ſém déjaw ich habe gemuß.

[48] ⁾ Von der verlängerten Form ſo nadżijecż; Transgreſſiv: nadżiczé,
nadżiwſchi.

[49] ⁾ Man ſchreibt und ſpricht auch (beſonders um Wittichenau) ſcż,
zcż; z. B. kwaſcż, lėzcż, ṗeſcż. Die Formen auf ſcz, zcz und cz ſind
budiſſiniſch.

[50] ⁾ Man ſpricht und ſchreibt auch: ſcżelu, ſcżeleſch, ſcżele u. ſ. w.

[51] ⁾ Budiſſiniſch: wżu, wżeſch, wże u. ſ. w. Das w wird wie f
ausgeſprochen.

[52] ⁾ Gewöhnlicher: pżemóczuwacż, wumóżicż, zamȯżicż.

[53] ⁾ Contrahirt: naimu, naiṁeſch, naiṁe u. ſ. w.

[54] ^(*)) Das Präſens pżimnu wird von dem Infinitiv pżimnécż
abgeleiter: pżimacż (anfafſen, angreifen ♣iterat.♠) geht regelmäßig nach
der erſten Conjugation.

[55] ⁾ Von pżimnécż, ♣moment.♠

[56] ⁾ Das Frequentativum potżinacż, zapotżinacż geht regelmäßig nach
der erſten Conjugation.

[57] ⁾ Vergl. die herrlichen Stawizné nowoho Zakońa (von dem
Ciſterzienſer P. Tezelin Mieth), w Buduſchṅe 1814.

[58] ⁾ Nach Comparativen, ſowie nach nichtó, druhi, wſchitko, jaczé
ſteht für hacż bisweilen auch żtoż. Z. B.

Wſchitko cżiſche ſpaſche,

Żtoż w tém Rodże bėſche,

Żtoż jenoi te Pacholo,

Kiż Koṅe naſécż’waſche (Wend. Volksl.)

[59] ⁾ Anm. Bei den Zeitwörtern rėkacż heißen und naṙecz, naṙeknécż
Namen geben, ſteht der Name auch im Nominativ, der zu benennende
Gegenſtand aber im Dativ. Z. B. mi rėkaja Pawow mich heißen ſie Paul;
Hadam naṙekné ſwojei Żoṅe Jėva Adam gab ſeiner Frau den Namen Eva.

[60] ⁾ Im Cżechiſchen ſteht auf die Frage: wann? zu welcher Zeit? immer
der Genitiv. Z. B. ♣kterého c3asu? kterého měsice? kterého dne?♠
Desgleichen auch im Polniſchen; z. B. ♣dnia drugiego listopada♠ den
zweiten November.

[61] ⁾ Bei Haṅba jo ſteht die Perſon im Accuſativ; z. B. toho ṁe Haṅba
jo das iſt mir eine Schande.

[62] ⁾ wobowhacż belügen, mit dem Accuſativ.

[63] ⁾ Im Polniſchen ſteht auf die Frage: wann? zu welcher Zeit? der
Genitiv; z. B. ♣którego czasu? którego miesiaea? którego dnia?♠ Die
Wochentage hingegen ſtehen im Accuſativ mit der Präpoſition w; z. B. ♣w
niedzielę, w poniedziałek, we wtorek, w piatek. w sobotę.♠

[64] ⁾ Vergl. S. 14, §. 2, 1. 4. é.

[65] ^(*)) Vergl. S. 21, §. 2, 34. Anm. 4.

[66] ⁾ Das Weichheitszeichen ’ wird nur vor Stilllauten oder am Ende
gebraucht; z. B. ♣najrjeńši kóń♠ das ſchönſte Pferd.

[67] ⁾ Um Wittichenau wird geſprochen ♣druha♠ und ♣druhja, druhoho♠ und
♣druhjoho, druhu♠ und ♣druhju.♠ Vergl. §. 34, drohi. Die polniſchen
Adjectiva auf ♣gi♠ behalten ebenfalls das Jota; z. B. ♣drogi, G.
drogiego.♠

[68] ⁾ Die Katholiken ſchreiben (wegen der vorangeſetzten Präpoſition
♣z♠): zkhomdżicż, zprawné, zkazécż u. ſ. w.

[69] ⁾ Die Katholiken ſchreiben: Żkla, Żtom, Żkleṅcza u. ſ. w. (S. 20,
§. 2, 2, 26.)
