♣BIBLIOTHECA REGIA MONACENSIS.♠

Grammatik

der

wendiſch-ſerbiſchen Sprache

in der Oberlauſitz

Im Syſteme Dobrowsky’s abgefaßt

von

J. P. Jordan

Prag

in Commiſſion bei Friedrich Ehrlich

1841

Gebruckt in der Fürſterzbiſchöflichen Buchdruckerei bei W. Špinka.

Seiner Königlichen Hoheit

dem

Durchlauchtigſten Fürſten und Herrn

Johann,

Herzoge zu Sachſen

♣etc. etc. etc.♠

in tiefſter Unterthänigkeit gewidmet

von

dem Verfaſſer.

<pb n="1"/>

Vorwort.

Sprachſtudien waren von jeher eine meiner Lieblingsbeſchäftigungen.
Nachdem ich die ältern und einige der neueren Sprachen erlernt, wandte
ich mich vor einigen ſieben Jahren zu den Slawinen. Zur Grundlage nahm
ich die Sprache meines Volkes, der Serben in der Lauſitz; ihr Studium
blieb mit Hauptbeſchäftigung, während jene, die ich, durch meine
Mutterſprache unterſtützt, leichter erlernte, nur Hilsfmittel waren in
das Syſtem dieſer Rundung und Vollſtändigkeit zu bringen. Nachdem ich
mir aus dem Studium meiner eigenen, und der Vergleichung der anderen
ſlawiſchen Sprachen eine neue Orthographie gebildet; begann ich meine
Unterſuchungen über die ſerbiſche Grammatik, wobei mich die Vorarbeiten
Seilers und Matthäi’s in vielen Punkten unterſtützten. Daß ich mir
Dobrowsky’s Syſtem zum Leitfaden wählte, hatte einen doppelten Grund:
einestheils iſt dieſes Syſtem als das beſte ſchon längſt anerkannt, weil
es den Geiſt der ſloweniſchen Sprache am durchgreifendſten auffaßt;
anderntheils hoffte ich auf dieſe Weiſe auch einen Eckſtein beizutragen
zu dem Gebäude einer vergleichenden panſloweniſchen Grammatik — dem
Gegenſtande ſo vieler Wünſche unter den ſlawiſchen Philologen. —
Letzteres hat mich auch veranlaßt, in manchen Fällen ſelbſt gegen meine
Überzeugung mich ſtreng an die vorliegende Ordnung Dobrowsky’s in der
Darſtellung der einzelnen Gegenſtände zu halten.

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In dem erſten Theile, der Formation, war ich ganz auf mich ſelbſt
beſchränkt, denn darüber hatten meine Vorgänger nichts, oder doch nur
äußerſt wenig, und zwar hie und da zerſtreut, geſprochen; dagegen hatten
ſie den zweiten Theil, die Flexion, deſto weitläufiger behandelt. Ich
habe ihre Angaben benutzt, ohne mich jedoch ganz nach ihnen zu richten.
So habe ich die Declinationen nach einem ganz andern Geſichtspunkte
eingetheilt, die Comparation auf andere Regeln zurückgeführt, die neun
Conjugationen Seiler’s in ſieben zuſammengezogen, und überhaupt an
vielen Orten das Alte abgeändert und Neues hinzugeſetzt.

Der dritte Theil, die Syntax, bot mir die meiſten Schwierigkeiten. Die
Wortfügung im Serbiſchen iſt durch den Einfluß des Deutſchen an ſich ſo
unbeſtimmt und ſchwankend, daß es in vielen Punkten faſt unmöglich wird,
das Ureigenthümliche von dem Fremden zu unterſcheiden; dazu kommt noch,
daß man in den übrigen Slawinen wenig Hilfsmittel findet, da auch in
ihnen die Syntax bisher noch am wenigſten vollſtändig bearbeitet iſt.
Doch habe ich auch hierin keine Mühe geſcheut, um den Geiſt unſerer
Sprache ſo klar als möglich wiederzugeben.

Schließlich kann ich nicht umhin, dem Herrn Wenceslaw Hanka,
Bibliothekar am böhmiſchen Nationalmuſeum, öffentlich meinen
herzlichſten Dank mit dem Bekenntniſſe abzuſtatten, daß er mich bei
dieſer, ſo wie bei allen meinen ſlawiſchen Arbeiten mit mehr als
Freundeshand unterſtützt hat.

Prag im Januar 1841.

J. P. Jordan.

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Einleitung.

§. 1.

Das Serbiſche als Dialect der ſloweniſchen Sprache.

Die lauſitzer Wenden, auch Sorben genannt, nennen ſich ſelbſt Serben
(♣Serb́a, Serbojo, Serboẃe♠ und ♣Serske, Sarske♠ mit ausgelaſſenem ♣b♠),
und ſind ein Zweig des großen Slavenſtammes, welcher um das Jahr 550. n.
Chr. bereits von der Mündung der Donau bis zur Weichſel und Elbe und vom
baltiſchen Meere bis zu den Karpathen und gegen die Donau hin ſich
ausgebreitet hatte. Nach Šafařik geſchah es ſchon zwiſchen 200 — 400,
daß, als die Gegenden am Geſtade der Oſtſee und der niedern Oder von den
deutſchen Stämmen, den Gothen, Wandalen, Burgundern, Herulern, Gepiden
und andern verlaſſen, und durch die Spalen, Hunnen, Sabiren, Avaren,
Bulgaren und andere finniſchen Horden den volkreichen Slowenen an der
Weichſel und Dwina der Weg zur Ausbreitung nach Oſten verſperrt war,
ſich die letztern mit gewaffneter Hand des verlaſſenen Gebietes
bemächtigten, und die geringen Überreſte der Germanen theils
vernichteten, theils ſo in ſich verſchmolzen, daß auch keine Spur mehr
von ihnen übrig blieb. Dieſe kräftige Beſitznahme wird insgemein den
Luticen oder Weleten zugeſchrieben, einem kriegeriſchen, mächtigen und
ſtarken Volksſtamme, welcher dieſer ſeiner Eigenſchaften wegen den
Beinamen ♣Welki,♠ Wölfe, führte. Allein kaum hatten dieſe Luticen die
neuen Länder eingenommen, als ſie dieſelben auch ſchon zu ihren
beſtändigen Wohnſitzen machten. Sie trieben Ackerbau, Viehzucht, Handel
und Gewerbe; und ſo wurden aus den grimmigen Wölfen (♣Welki lute♠) gar
bald friedliche Coloniſten. Um das ♣IX.♠ Jahrhundert waren ſie bereits
ſo ruheliebend, daß ſie lieber das Joch der Deutſchen ertrugen, als daß
ſie noch ein Mal ihrer früheren Thaten ſich erinnert hät<pb n="4"/>ten.
Seit der Zeit verminderten ſie ſich immer mehr und mehr, und ſind jetzt
bis auf die ſpärlichen Überreſte der 150,000 Lauſitzer (in der Ober- und
Niederlauſitz) zuſammen geſchmolzen. Dieſe haben zwar die väterliche
Sprache, und manche uralte Sitte beibehalten, wodurch ſie zeigen, wie
innig ſie das Slawenthum lieben; aber auch bei ihnen macht ſich das
geiſtige und phyſiſche Übergewicht der Deutſchen von Tag zu Tage mehr
geltend. — Dieſer Abſtammung gemäß bilden auch die lauſitzer Serben mit
den Polen und Čechen (zu denen die Slowaken in Ungarn gehören) zuſammen
den zweiten oder nordweſtlichen Slowenenſtamm, während die Ruſſen und
Ruſſinen, die Altſlowenen, die illyriſchen Serben, die Kroaten und
Winden in Krain, Kärnthen und Steiermark zu dem erſten oder öſtlichen
Stamme gehören. Die Sprachdialecte dieſer beiden Stämme unterſcheiden
ſich weſentlich von einander. Man kann die Verſchiedenheit in folgende
Hauptpunkte zuſammen faſſen:

♣I. Stamm. II. Stamm.♠

1. ♣raz: razum, roz: rozum (rozom),♠

2. ♣iz: izdati, wy: wydati (wudati),♠

3. ♣l: zemlja, —: zeḿa, zeḿe,♠

♣postawlen, postaẃen, postawen,♠

4. ♣salo, prawilo, moliti sia, d: sadlo, prawidɫo, modliti sia,♠

5. ♣peč, moč, noč, ṕec, móc, nóc,♠

6. ♣zwiezda, hwėzda (hwězda), gwiazda,♠

7. ♣t, toj, ten (tón),♠

8. ♣Gen. — ago, ego, eho, (oho),♠

♣Dat. — omu, emu (omu),♠

9. ♣ptica. ptak.♠

Daher verſtehen auch die Völker Eines Hauptſtammes einander viel beſſer,
als die von verſchiedenen Hauptſtämmen; ſo der Lauſitzer den Polen viel
beſſer als den Illyrier; und der Ruſſe den Illyrier wieder beſſer als
den Čechen, und ſo weiter. Hierin liegt auch ein Hauptwiderſpruch gegen
die Annahme, daß die Serben unter der Donau Abkömmlinge der lauſitzer
Serben ſein ſollten; dieß iſt rein unmöglich, denn die Donauſerben
gehören zum erſten, die Lauſitzer dagegen zum zweiten Hauptſtamme. Eben
ſo wenig können die lauſitzer »Wenden«, wie ♣Popowič♠ meint, die
nächſten Stammverwandten der Winden in Kärnthen, Krain und Steiermark
ſein, da letztere gleichfalls zum erſten Stamme gehören. Der Name
Wenden, Winden und ähnliche iſt nämlich der alte, einſt bei allen andern
nicht ſloweniſchen Völkern gebräuchliche Name für die Slowenen
überhaupt, ſo wie Serben der alte allgemeine einheimiſche Name war.

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§. 2.

Dialecte der ſerbiſchen Sprache.

Die lauſitzer Slowenen zerfielen von jeher nicht nur in ſprachlicher,
ſondern auch in politiſcher Hinſicht in zwei Haupttheile, die
Oberlauſitzer oder Milzen (♣Milčany♠), und die Nieder- oder eigentlichen
Lauſitzer (♣Łužičany♠). Der Oberlauſitzer nennt noch bis auf den
heutigen Tag die Niederlauſitzer ♣Łužiske, Łuz̀e♠; daß aber dieſer Name
bei den Niederlauſitzern für die Oberlauſitzer gebraucht würde, habe ich
noch nie gehört. (♣Deleńo, delany♠ ſind nur die gegen Norden hinab
wohnenden Oberlauſitzer, während die ſüdlichen am lauſitzer Gebirge
♣hoŕeńo, hoŕany♠ heißen; von den Bewohnern der mitten darin liegenden
Ebene ſagen die ♣deleńo: »poleńo, polany, w polach, do polow.«♠)

Die Dialecte dieſer beiden Völkerſchaften ſtehen in ſolchem Verhältniſſe
zu einander, daß ſie wohl für Mundarten eines und desſelben ſloweniſchen
Sprachdialectes (des lauſitziſch-ſerbiſchen) anerkannt werden müſſen;
daß man aber dennoch mit Sicherheit behaupten kann, die
Verſchiedenheiten ſeien nicht etwa das Product einer örtlichen Trennung
durch ein — oder zwei Tauſend Jahre (denn die beiden Mundarten haben
ſich wenigſtens in dieſem Jahrtauſend wenig verändert), ſondern vielmehr
durch die Verſchiedenheit in Hinſicht der nächſten Abſtammung der ſie
ſprechenden Völkerſchaften ſelbſt bedingt. Eine wichtige Rolle ſpielen
in dem nordweſtlichen Hauptdialecte der ſloweniſchen Sprache die
Conſonanten ♣g♠ und ♣h, ɫ♠ und ♣l,♠ das iſt allen Sprachforſchern
hinlänglich bekannt. Nun hat der polniſche Dialect: ♣g♠ und ♣ɫ,♠ und der
c˜echiſche ♣h♠ und ♣l♠[1]⁾ als charakteriſches Kennzeichen; der
oberlauſitziſche aber hat ♣h♠ und ♣ɫ♠ (welches man, was auch in Polen
bei dem gemeinen Manne gar häufig der Fall ſein ſoll, wie ♣w♠
ausſpricht) und der niederlauſitziſche ♣g♠ und ♣l.♠ Dieſes nun
zuſammengehalten mit der Wahrheit, daß ſich die lauſitzer Dialecte durch
ſo viele Jahrhunderte faſt gar nicht weiter entwickelt und ausgebildet
haben, und noch manche andere hiſtoriſche Gründe, deren
Auseinanderſetzung hierorts zu weitläufig wäre, führen mich zu der
Annahme, daß die ober- und niederlauſitziſche Sprache die urſprüngliche
Mundart der Slowenen an der Weichſel und Dwina geweſen, und daß die nach
dem Auszuge der Lauſitzer hinterbliebenen Völkerſchaften ſich einander
mehr genähert und unter einander ſich vermiſcht, und ſo die beiden
andern <pb n="6"/>Sprachen, die polniſche und die čechiſche, ſich nach
und nach ausgebildet haben, ohne daß die Lauſitzer von dieſer Miſchung
etwas erfahren.

Von den beiden Dialecten ſcheint der niederlauſitziſche noch weniger
ſich entwickelt zu haben, als der oberlauſitzer; ſo findet man in ihm
noch die bei uns längſt verſchwundenen Formen auf ♣oju♠ und ♣oj♠ im Dat.
Sing. Maſc., dann ♣a♠ und ♣oma♠ im Nom. und Dat. Dual. anſtatt ♣aj♠ und
♣omaj;♠ eben ſo ♣owu♠ in Genit. Dual. wo wir nur ♣ow♠ haben.

Auch eine leiſe Andeutung des polniſchen ♣rz (ŕ)♠ findet ſich in
♣kšeb́et♠ Rücken; ♣pokšiš♠ bedecken, ♣pokryc̀; wetšik, wetsik,♠ Wind;
♣bratšik,♠ Brüderchen, ♣bratsik.♠

Andere Unterſchiede ſind durch träges Ausſprecheń einzelner Conſonanten
entſtanden; ſo ſagt der Niederlauſitzer anſtatt ♣dž♠ durchgehendes ♣ž;
bužoš (budžeš) eris; žerž (žerdž),♠ Stange; ♣plože (pɫodže),♠ o Frucht;
♣žeń (džeń),♠ Tag. Beſonders bei ♣c̀: wėkš (wėkć, wėchć),♠ Wiſch; ♣nogš
(nóhc̀),♠ Nagel; ♣huchac (wuchač),♠ Ohrwurm; ♣kljuc (kluč),♠ Schlüſſel;
♣žerw (čerẃ),♠ Made. Anſtatt ♣c̀♠ ſteht ♣š♠ in allen Infinitiven, und
auch ſonſt: ♣mažaš,♠ ſchmieren, ♣mazac̀; puš (puc̀),♠ Weg; ♣lokš (ɫókc̀,
ɫóchc̀),♠ Ellenbogen.

In der Conjugation haben ſie die Form auf ♣m,♠ wo wir ſtets ♣u♠ haben:
♣pšosym♠ und ♣pšošu (prošu),♠ ich bitte; ♣lowim (ɫoẃu),♠ ich fange;
♣bijom (biju),♠ ich ſchlage; ♣mažom♠ und ♣mažu (mažu),♠ ich ſchmiere;
♣rėzom♠ und ♣rėžu (rėžu),♠ ich ſchneide. In der 2. und 3. Sing. und 2.
Plur. und noch ſonſt oft in der Conjugation ſteht ♣o,♠ wo wir ♣e♠ haben,
♣bužoš, budžeš, eris; bužo, budže, erit; bužešo, budžeće, eritis♠ und ſo
weiter.

Dieſe ſchwachen Andeutungen mögen in Hinſicht des Niederlauſitziſchen
genügen. Wir ſetzen nur noch hinzu, daß die Sprache an reinſloweniſchen
Wörtern ſo verarmt iſt, daß die größere Hälfte der Ausdrücke aus dem
Deutſchen verſtümmelt wird.

Wir werden uns jetzt nur ausſchließlich mit dem Oberlauſitziſchen
beſchäftigen, das wir denn auch gewöhnlich kurzweg ſerbiſch nennen
werden.

Auch das Oberlauſitziſch - Serbiſche hat Unter - Mundarten, von denen
beſonders drei zu berückſichtigen ſind: 1) die evangeliſche, welche,
weil vorzüglich um Budiſſin geſprochen, auch die Budiſſiniſche heißt; 2)
die katholiſche, voller und gröber, bei den Katholiken um Kamenz und in
dem nordweſtlichen Theile der Lauſitz; 3) endlich die nordöſtliche,
welche ſich von der erſten durch faſt gar nichts unterſcheidet, als daß
ſie das geſtrichene ♣ɫ♠ wie ein hartes, grobes ♣ɫ,♠ beinahe wie die
Polen, nicht aber nach Art der übrigen Serben wie ♣w♠ ausſpricht. Wir
werden keine von dieſen Mundarten unberückſichtigt laſſen; wo uns jedoch
unter mehreren Formen<pb n="7"/>die Wahl frei ſteht, werden wir uns
ſtets für diejenige erklären, welche von den anderen Slawinen am
wenigſten abweicht.

§. 3.

Verhältniß des Serbiſchen zum Polniſchen und Čechiſchen.

Nicht unintereſſant dürfte es für die Sprachforſcher ſein, wenn wir in
Kurzem die wichtigſten Anhaltspunkte durchgehen, in welchen ſich der
ſerbiſche Dialect von ſeinen zwei nächſten Stammverwandten, dem
polniſchen und c˜echiſchen, unterſcheidet.

♣A)♠ In Hinſicht auf die Buchſtaben.

Der Pole hat die meiſten, der Čeche die wenigſten Zeichen.

♣e: bede, gotuje, debina, rybe, trzóde, kule; u: budu, hotuju, dubina,
rybu, čródu, kulu; u: budu, hotuji, dubina, rybu, kuli;♠

♣a: beda, gotuja, piekacy, — szyja, baśnia, toba, soba; u: budu (budža),
hotuju(ja), ṕekacy (ṕečacy), šiju, basńu, tobu, sobu; ou: budou, hotují,
pekoucí, šijí, básní, tebou, sebou;♠

♣ó: stóɫ, dwór, gɫód, gnój, pokój; ó: stół, dwór, hɫód, hnój, pokoj; ů:
stůl, dwůr, hlad, hnůj, pokoj;♠

♣ɫ: chɫód, koɫo, daɫ; ɫ: chɫód, koɫo, daɫ; l: chlad, kolo, dal;♠

♣rz: piekarz, kurz, kurze, przy, przaśc̀; ŕ: ṕekaŕ, kuŕ, kuŕu, pši,
pšasc̀; ř: pekař, kouř, kouřím, při, přásti;♠

♣ź: źmija, wiezień, bojaźliwy, maź; z: zmija, ẃazany, bojazliwy, maz; z:
zmije, wězeň, bázliwý, maz;♠

♣ś: świadek, ślad, ściana, ściernisko, wieś; s: swėdk, slėd, sc̀ėna,
šc̀ernišc̀o, ẃes; s: swědek, sled, stěna, strniště, wes;♠

♣tr, trz: troj, e, a; trzy; kmotrzy, strzelac̀; ts: tsoji, e, a; tsjo,
tsi; kmótsja; tsylec̀; tr, tř: trůj, e, tři, kmotře; stříleti;♠

♣dsz, tsz: mlódszy, sɫódszy, krótszy, bogatszy; ds, ts: mɫódsi, sɫódsi,
krótsi, bohatsi; dš, tš: mladší, sladší, kratší, bohatší;♠

♣c̀: ciaɫo, c̀: c̀ėɫo, t: tělo,♠

♣dz: ſidze, pɫudze, brzedze, pieniadz: dz: fidzy, pɫuzy, brozy, ṕeńez;
z: — pluze, břehu, peníz;♠

♣dź: piedź, kadź, czeladź, dzwon; dž: ṕėdž, kadž, čeledž, zwón; ď: píď,
káď, čeleď, zwon;♠

♣g: góra, twarog, brzeg. h: hora, twaroh, (twarow) bróh. h: hora,
twaroh, břeh.♠

Anmerkung. Das grobe ɫ haben die Čechen nicht mehr, nur bei den
Gebirgseinwohnern iſt es noch ein wenig zu unterſcheiden. <pb n="8"/>Die
Serben ſprechen es wie ♣w♠ aus, nur der nordöſtliche Theil wie ein
grobes ♣ɫ.♠ Die Polen haben einen eigenthümlich nuancirten Laut daraus
gemacht. Doch dient es uns und den Polen zur Vermeidung von manchen
Zweideutigkeiten, z. B.

♣laska, lėska, líska,♠ Ruthe, aber ♣ɫaska,♠ (fehlt) ♣láska,♠ Liebe,

♣ludzie, ludži, lidé,♠ Leute, aber ♣ɫudzi, ɫudži, laudí,♠ lockt.

Das polniſche ♣rz, ř,♠ welches die Čechen im Laufe der Zeit angenommen
haben (die Königinhofer Handſchrift, etwa 1300 geſchrieben, hat ♣rs;♠
ältere Denkmähler [Siehe: Älteſte Denkmähler der čech. Spr. v. Šafařik
und Palacky] haben es nicht), wird bei uns ſo wie bei den Slowaken ſtets
durch ♣ŕ♠ oder ♣r♠ ausgedrückt; nur in einigen wenigen Fällen durch ♣š,♠
z. B. ♣pši♠ bei, ♣při; pšahac̀♠ einſpannen, ♣přahati; pšasc̀♠ ſpinnen,
♣přast’.♠ Anſtatt des bei den Čechen, Mährern, Slowaken und Serben
(oberlauſitzer Antheils) gebräuchlichen ♣h♠ ſetzt der Pole und mit ihm
der niederlauſitzer Serbe in allen Fällen ♣g.♠ Nur in einigen wenigen
Worten, die er von den Ruſſinen übernommen zu haben ſcheint, hat der
Pole noch ♣h♠ behalten; als:

♣hańba, hańba, hanba,♠ Schande;

♣haniebny, hańbny, hanebný,♠ ſchändlich;

♣hubka, hubka, hubka,♠ kleiner Mund; obgleich ♣ganić,♠ ſtatt ♣hanić,♠
und neben ♣hubka♠ auch zugleich ♣gebka♠ ſehr im Gebrauche ſind. Auch
♣hulac̀♠ ſchwelgen und ♣rozhowor♠ Unterredung ſtehen neben ♣gulac̀♠ und
♣rozgowor.♠

Wenn ein Wort mit ♣sr♠ anfängt, ſo ſchiebt der Čeche ein ihm
euphoniſches ♣t♠ ein,[2]⁾ welches nur er, der Mährer und der Slowake
hat:

♣srebro, slėbro, stříbro,♠ Silber; ♣średni, srėdni, střední,♠ mitlere;
♣środa, sŕeda, středa,♠ Mittwoch; ♣srogi,♠ (fehlt), ♣strohý,♠ grauſam;
♣sroka, sróka, straka,♠ Elſter.

Unſer ♣ė♠ kommt dem polniſchen accentuirten ♣é♠ oder ♣ié♠ gleich, z. B.
in ♣rozumiész,♠ du verſtehſt, ♣piérze,♠ Federn u. dergl.

♣Ch♠ wird bei uns im Anfange eines Wortes viel gepreßter als gewöhnlich
geſprochen, ſo daß es einem ſcharf gehauchten ♣k,♠ etwa ♣kh♠ (wie es
auch die Katholiken bisher bezeichnet haben), gleichkommt.

Der Laut ♣Č♠ iſt eines Theils einfach und bei allen andern Slaven zu
ſinden; andern Theils dient er zur Bezeichnung gewiſſer Contractionen,
die nur uns eigenthümlich ſind; z. B. jenes in: ♣čert♠ Teufel, ♣čorny♠
ſchwarz, dieſes in: ♣žoɫči,♠ gelber, anſtatt ♣žoɫc̀iši,♠ gleichſam
♣žoɫtši♠ (oder ♣žolc̀ši♠), wie man es auch wohl beſſer ſchreibt.

<pb n="9"/>

Der Laut, welchen wir mit ♣ds♠ und ♣ts♠ bezeichnen, und der einem
ſcharfgehauchten ♣c,♠ dem Deutſchen tz gleichkommt, iſt kein reiner,
ſondern ein aus Contractionen entſtandener. ♣Ds♠ ſteht nämlich für ♣dš:♠
z. B. ♣mɫódsi,♠ jünger, ſtatt ♣mɫódši♠ von ♣mɫody; sɫódsi,♠ ſüßer, ſtatt
♣sɫódši (sɫódčiši)♠ von ♣sɫódki. Ts♠ ſteht für ♣tš;♠ z. B. ♣bohatsi,♠
reicher, für ♣bohatši (bohac̀ši)♠ von ♣bohatý; krótsi,♠ kürzer, für
♣krótši (krótčiši)♠ von ♣krótki;♠ oder anſtatt ♣tr♠ in: ♣troji,♠ oder
♣tsoji,♠ dreifach; oder anſtatt ♣tŕ♠ in ♣kmótsja,♠ Gevattern, von
♣kmótr;♠ und in ♣tsjo♠ und ♣tsi,♠ drei, für ♣tŕo, tŕi;♠ oder endlich
anſtatt ♣str, strz; tsylec̀,♠ ſchießen, ♣střelit’, strzelic̀; wotsic̀,♠
ſchärfen, ♣ostřit, ostrzyc̀;♠ endlich ♣tsjec̀,♠ ſtatt ♣tčec̀♠ von ♣tku,♠
ſtecken, haften. — Zu dem vorletzen Falle muß jedoch bemerkt werden, daß
der Serbe das ♣s♠ gewöhnlich wegwirft, wenn das Wort im Slawiſchen mit
♣stŕ♠ oder ♣str♠ anfängt: ♣truna,♠ Saite, ſtatt ♣struna: trojic̀,♠
putzen, ſtatt ♣strojic̀; trašliwy,♠ ſchrecklich, ſtatt ♣strašliwý; truk,♠
Schote, ſtatt ♣struk; sotra,♠ Schweſter, ♣sestra.♠

Die Laute ♣w, h, j,♠ werden ſehr häufig im Anfange ſolcher Wörter
geſetzt, die in anderen Slawinen mit einem Vokal anfangen, ſo daß dieſes
bei uns nie der Fall iſt (♣a♠ und, ♣anic♠ und nicht, ♣ale♠ aber, etwa
ausgenommen). Und zwar ſteht ♣w♠ immer vor ♣o♠ und ♣u, h♠ vor ♣a,♠ und
ſeltener vor ♣e♠ oder ♣ė♠ (dort ausgenommen: ♣jandžel,♠ Engel,
♣jaɫmožna,♠ Almoſen); ♣j♠ endlich vor den meiſten ♣e♠ und ♣ė,♠ und faſt
vor allen ♣i,♠ (Ausnahme: ♣hišc̀e,♠ noch, ♣Hilžbeta,♠ Eliſabeth und
and.). Dieſe drei Conſonanten entſprechen bei uns dem, was das äoliſche
Tbei den Griechen war; bei den meiſten Slawen finden ſich (in den
vielfachen Redeweiſen des gemeinen Mannes) noch Spuren von dieſen bei
uns rein und deutlich ausgeſprochenen Vorſchlagslauten.

♣B♠) Grammatikaliſche Verſchiedenheiten.

Im Serbiſchen hat der Nom. Plur. der Maſc. zwei Formen, von denen eine
das Weſen als lebendig und vernunftbegabt darſtellt, die andere, auf
dieſe beiden Eigenſchaften keine Rückſicht nehmend, ſie mehr als Sachen
behandelt; z. B. ♣mužojo, mužoẃe♠ und ♣muže,♠ Männer; ♣šewcojo♠ und
♣šewcy,♠ Schuſter; ♣pachoɫojo♠ und ♣pachoɫy,♠ Burſchen; ♣zeḿeńo♠ und
♣zeḿany,♠ Edelleute; ♣deleńo,♠ Menſchen, welche unten wohnen, ♣delany,♠
(mehr die Gegend bezeichnend); ♣Češa, Čechojo, Čechoẃe,♠ die Čechen,
♣Čechi,♠ das Land Böhmen; (z. B. ♣to bėchu deleńo, Češa, to bėchu
delany, Čechi;♠ das waren Niederländer, Čechen; das war das Niederland,
Böhmen). Die Čechen und Polen unterſcheiden dieſes nicht ſo genau.

Die Subſtant. Gen. neutr. haben bei unſern Katholiken ſtets den Ausgang
♣o♠ im Nom. Sing.; bei unſeren Evangeliſchen dagegen ♣e,♠ ſobald der
Endconſ. weich iſt; das letztere findet auch bei den <pb n="10"/>Čechen
und Polen Statt, nur haben die Čechen (der Abkürzung wegen) noch den
Ausgang ♣í♠ in ſolchen Wörtern, wo man hätte ♣ie♠ ſchreiben müſſen; z.
B.

♣sɫowo, koɫo, pole, sɫowo, koɫo, polo (e), slowo, kolo, pole,♠

♣brzemie, kazanie, brėḿo, kazańo (e), břímě, kázaní,♠

Den Genit. Plur. kürzen die Čechen in ů ab, während wir ihn mit den
Polen auf ♣ow♠ haben. Der ohne Zuwachsſylbe gebildete Genit. iſt bei uns
ſelten, bei weicher Charakterſtik bisweilen auf ♣i♠ anſtatt ♣ow.♠

♣sani, koni, sani, koni, saní, koní,♠

♣dubów, sɫów, dubow, sɫowow, dubů, slow.♠

Unſere Adjective und Participien haben immer die volle Form auf ♣y, o
(e), a,♠ oder ♣i, e, a;♠ niemals gehn ſie auf einen Conſ. aus; wohl aber
bei den Polen und Čechen.

♣dobry, e, a; wielki, e, a; dobry, e, a; wilki, e, a; dobrý, é, á;
weliký, é, á;♠

♣božy, e, a; cielecy, e, a; boži, e, a; c̀elacy, e, a; boží, í, í;
telecí, í, í;♠

♣przedni, ie, ia; trzeci, ie, ia; prėdni, ’e, ’a; tsec̀i, e, a; přední,
í, í; třetí, í, í;♠

♣zdrów, o, a; poruczon, o, a; strowy, o, a; poručeny, e, a; zdráw, o, a;
poručen, o, a;♠

In der Conjugation haben wir das alte Imperfect auf — ♣ch♠ (§. 57.) noch
erhalten, während es die Polen und Böhmen längſt ſchon verloren; z. B.
♣pijach♠ und (♣do—) pich,♠ ich trank (aus); ♣ẃezech♠ und ♣ẃezych,♠ ich
fuhr.

Den Transgreſſiv Perfecti haben wir mit den Polen gleichförmig, doch hat
es bei uns die Bedeutung des Präſens und des Perfects zugleich; auch
haben wir außerdem eine kürzere Form auf ♣jo♠ in derſelben Bedeutung, z.
B. ♣sypajo, sypawši,♠ beim Schütten, ♣pijo♠ und ♣piwši,♠ beim Trinken.

Den Transgreſſiv Präſentis hat bei uns zwar die Form des polniſchen (nur
mit angehängten ♣y, e, a),♠ aber es wird als ein reines Participium
gebraucht, ſiehe §. 60.; ♣pijacy,♠ auch ♣pijaty, e, a;♠ trinkend, poln.
♣pijac; mazacy, zaty, e, a,♠ ſchmierend (z. B. ♣mazaca šc̀ėc̀,♠
Schmierbürſte), poln. ♣mažac.♠

Das Particip. Perf. auf ɫ wird bei den Polen und Čechen auch als Perf.
Indicat. für die dritte Perſon gebraucht; aber bei uns muß es immer das
Hilfszeitwort bei ſich haben; z. B. ♣ojciec piɫ, otec pil,♠ der Vater
hat getrunken; bei uns aber: ♣wotc jo (je) piɫ, nan jo (je) daɫ♠
(gegeben).

Der Pole hat ein doppeltes Futurum; ♣pic̀ bede♠ (Infinit. voraus) und
♣bede piɫ,♠ ich werde trinken. Der Čeche und Serbe ſagt <pb n="11"/>nur
einfach ♣budu pic̀ (píti)♠ oder ♣pic̀ (píti) budu.♠ Die Form ♣bede pił♠
entſtand nämlich aus dem Optativ Futuri, indem man denſelben auch
indicative gebrauchte; ſo haben wir dieſelbe Form: ♣bydžich piɫ,♠ oder
♣budžich piɫ,♠ ich würde trinken. Übrigens endet ſich die erſte Perſ.
Plural. im Serbiſchen ſo wie im Polniſchen auf ♣my (émy, imy, amy);♠ die
Čechen, bei denen dieß ehemals eben ſo war, haben jetzt nur ♣me.♠ Iſt
nicht drückt der Čeche durch ♣není,♠ ſtatt ♣nenie♠ (aus ♣ne je♠ d. i.
♣ne jest♠ entſtanden), der Serbe durch ♣ńejo, ńeje,♠ der Pole aber durch
♣nie jest♠ aus.

♣C)♠ Verſchiedenheiten in der Wortbildung.

Hier müſſen wir vor allem auf die wichtige Regel aufmerkſam machen, „daß
der Serbe in allen Fällen, wo ♣a♠ zwiſchen zwei weiche Conſonanten zu
ſtehen kommt, dasſelbe in ein helles ♣e♠ verwandelt”; dieſes wird bei
den Polen und Čechen nicht ſo genau eingehalten: ♣jaszczurka, ješc̀erca,♠
Eidechſe; ♣žal, žel, žal,♠ Leid.

Anmerkung. In der Declination und Conjugation jedoch beobachtet der Pole
und der alte Čeche häufig dieſe Regel; ♣miaɫ, mieli,♠ (ſerb. ♣meli♠)
gehabt; altčechiſch, ♣žaɫ, o, a; želi,♠ geſichelt.[3]⁾

Wir haben wie die Polen die breiteren Vocale in den Stammſylben, wo die
Čechen die engen haben:

♣suknia, dusza, samica, daj, woɫaj; sukńa, duša, saḿca, daj, woɫaj;
sukně, duše, samice, dey, woley;♠

♣jutro, jucha, luby, lud; jutry (Oſtern), jucha, luby, lud, jítro,
jícha, libý, lid.♠

Den Laut ♣ia,♠ den der Pole in gewiſſen Stämmen ganz eigenthümlich hat,
drücken wir gewöhnlich durch ♣ė♠ (nach ♣c, s, z♠ durch ♣y♠), der Čeche
aber durch ♣ie, ě,♠ und ♣í (j)♠ aus.

♣w: wianek, wiara, wiadom, wiatr, zwiastuje, świat, kwiat, gwiazda,
wėnc, wėra, wėdomy, wėtr, wėšću, swėt, kwėtk, hwėzda, wěnec, wěra,
wědom, wítr, zwěstuji, swět, kwět, hwězda,♠

♣b: biaɫy, biada, bėły, bėda; bílý, bída,♠

♣p: piana, piasek, piasta, piastun, pėnic̀, pėsk, pėsta, pėston, pěna,
písek, písta, pěstaun,♠

♣m: miaɫ, mianuje, miara, miazga, miasto, śmiaɫy, mėɫ, ḿenuju, méra,
ḿeza, mėsto, smėlny, měl, jměnuji, měra, míza, město, smėlý,♠

<pb n="12"/>

♣n: śniadam, snėdam, snídám,♠

♣l: latam, lato, las, laze, blady, ślad, klatka, lėtam, lėto, lės, lėzu,
blėdy, slėd, klėtka, lítám, léto, les, lezu, bledý, sled, klec,♠

♣rz: rzaz, rzadki, strzaɫa, rėz, rėdki, tsylba, řez, řídký, střela,♠

♣dz: dziatki, džiaɫać, džètki, džėc̀atka, džėɫać, dítky, dělati,♠

♣c̀: ciaɫo, ciasny, ciasto; cěɫo, cėsny, cèsto; tělo, těsný, těsto;♠

♣ź: ziarno, zorno, zrno,♠

♣ž: žal, žart, žel, žort; žel, žert,♠

♣ś: siano, sérowatka, siadam, siatka, syno, syrwatka, sydam, sytka,
seno, syrowátka, sedám, sétka,♠

♣sz: szary, šěry, šerý,♠

♣c: caɫy. cyɫy, ceɫy, celý,♠

♣cz: czapka, czarny, czart. čėpc, čorny, čert. čepec, černý, čert.♠

Nach ♣ł♠ und ♣r♠ hat der Pole und Serbe das tiefere und harte ♣o♠ oder
♣ó,♠ wo der Čeche ♣a♠ ſpricht:

♣ɫ: žɫob, pɫowy, dɫoń, sɫód, gɫód, kɫoda, kɫóć, pɫoz, wɫos, gɫowa,
sɫoma, bɫoto, pɫotno, wɫoczyć; žɫob, pɫowy, dɫóń, sɫód, hɫód, kɫóda,
kɫóć, —, włosa, hłowa, słóma, błóto, płat, włóčić; žlab, plawý, dlaň,
slad, hlad, kláda, kláti, plaz, wlas, hlawa, sláma, bláto, plátno,
wláčiti;♠

♣r: zdrów, promień, wrona, gród, mroz, stróž, próg, proch, groch, krówa,
strona, broda, brozda, próžny, wrota. strowý, próḿo (eńa), wróna, hród,
mróz, stróž♠ (davon ♣strožišćo♠ Dorf), ♣próh, próch, hróch, krówa
(kruwa), strona, broda, brózda, prózny, wrota. zdráw, pramen, wrána,
hrad, mráz, stráž, práh, prach, hrách, kráwa, strana, brada, brázda,
prázdný, wrata.♠

Dagegen hat der Pole häufig das weiche ♣io,♠ wo der Serbe und Čeche ♣e
(ė)♠ hat.

♣jodla, wiode, wiotchi, wioze, wioska, biore, biodro, piołun, piore,
piosnka, Piotr, miole, miod, miece, miotam, niose, lód, lot, jědla,
ẃedu, ẃetki, ẃezu, ẃeska, b́eru, b́edro, połon, ṕeru, pėsnička, Pėtr,
ḿelu, měd, ḿece, ḿetam, ńesu, lód, lėt, (wob) jedle, wedu, wetchý, wezu,
weska, beru, bedro, peluň, peru, písnička, Petr, melu, med, meci, metám,
nesu, led, let,♠

♣wloke, plote, rzodkiew, wrzos, brzoza, wleku, pletu, ŕedkeẃ, wŕós,
brėza, wleku, pletu, ředkew, wřes, bříza,♠

♣przodek, źrzodla, śrzoda, prėdk, žórło, sŕeda, předek, zřídlo, středa,♠

<pb n="13"/>

♣dzionek, ciolek, ciotka, dženk, ćėle, ćetka, denek, telec, tetka,♠

♣cios, ciokam, ziołko, ćěsla, ćěkam, zelko, tesař, teku, zelko,♠

♣ziomek, žona, siodło, zeḿan, žona, sedło, zemek, žena, sedlo,♠

♣siódmy, siostra, szósty, sedmy, sotra, šėsty, sedmý, sestra, šestý,♠

♣czop, czoło, pszczoła. čop, čoło, wčoła. čep, čelo, wčela.♠

Die čechiſchen Halbvokale ♣l♠ und ♣r♠ mildert der Serbe und Pole durch
Einſchiebung von mancherlei Vokalen.

Bei ♣l♠ iſt es:

♣wilk, milcze, wełna, pełny, chełm, žołty, žołé, žołzy, czółn, dług,
tłust, tłuke, słup. welk, melču, wołma, połny, Chołm, žołty, zołé,
žałzy, čołm, dołh, tołsty, tołku, stołp. wlk, mlčím, wlna, plný, chlum,
žlutý, žluč, žlázy, člun, dluh, tlustý, tluku, slaup.♠

Die polniſche Analogie ſcheint daher ♣i♠ und ♣e,♠ auch ♣o♠ vor ♣ł,♠
ſerbiſch ♣e♠ und ♣o♠ vor ♣ł,♠ čechiſch aber ♣u♠ nach ♣l♠ zu ſein; die
Ruſſen haben faſt ſtets ♣o♠ vor ♣ł♠ in dieſen Fällen.

Noch größere Verſchiedenheit herrſcht unter den Vokalen, die vor ♣r♠
geſetzt werden.

Wo der Pole ♣a♠ hat, gebraucht der Serbe bald ♣o,♠ bald ♣e:♠

♣w: warczę, warsta, twardy, wartałka, czwarty, wórču, worsta, tẃerdy,
ẃertałka, štwórty, wrčím, wrstwa, twrdý, wrtadlo, čtwrtý,♠

♣b: barłog, bardzo, barszcz, borło, bórzy, Boršć, brloh, brzy, Bršť,♠

♣p: parskam, (parst), porskam, porst, prskám, prst,♠

♣m: martwy, marzne, marchew, markotać, śmardž, smark, mordwy, ḿerznu,
morcheẃ, morkotaċ, smorža, smork, mrtwý, mrznu, mrkew, mrkotati, smrž,
smrk,♠

♣d: darn, dorn, drn,♠

♣t: tarty, targ, tarnka, targać, tarlica, tarn, trėty, torhošćo, torhać,
tornčałka, ćerlica, ćerń, třený, trh, trhati, trnka, trlice, trn,♠

♣ź: ziarno, zorno, zrno,♠

♣ž: ziart, žort, žert,♠

♣s: sarna, sorna, srna,♠

♣cz: czarny, czart, čorny, čert, černý, čert,♠

♣c: . . . . . . cyrču, crčím,♠

♣g (h): garb, garnek, gardło, gardze, garść, hardy, horb, hornyk,
hordło, hordžu, horšć, hordy, hrb, hrnek, hrdlo, hrdím, hrsť, hrdý,♠

♣ch: chart, charczeć, chort, chorčeć, chrt, chrčeti,♠

<pb n="14"/>

♣k: karb, karm, karczma, kark. karb, korm, korčma, kyrk. krb, krm,
krčma, krk.♠

Durchgängig rein iſt ♣e♠ in

♣serb, serce. serb,♠ — fehlt, ♣srb, srdce.♠

Wo der Pole ♣ie♠ ſetzt, haben wir ſtets ebenfalls ♣ė♠ oder ♣e.♠

♣w: wierzba, wierzch, świerzbić, świercz, ẃerba, ẃerch, sẃerbić, šẃerč,
wrba, wrch, swrbiti, swrček,♠

♣p: pierdzę, pierdziel, piersze, pierścień, pierzcham, ṕerdz̀u, ṕerdžel,
ṕeršu, ṕeršćeń, ṕercham, prdím, prdel, pršim, prsten, prchám,♠

♣m: mierze, miérzne, mierzwa, mierzch, śmierć, śmierdze, ḿerzam so,
zḿerznu, ḿerwa, smėrk, sḿerć, sḿerdžu, mrzím, mrznu, mrwa, mrk, smrt,
smrdím,♠

♣dž: dzierzeć, džeržeć, drz̀eti,♠

♣ć: cierpię, sćierb, sćiernisko, cierpnę, ćerṕu, sćerb, sćernišćo,
sćerbizna, trpím, štěrb, strnisko, štěrbím se,♠

♣s: sierp, sierść. serp, seršć. srp, srsť.♠

Nur in den Wörtern: ♣dyrkotam♠ ich zittere (vor Froſt), und ♣sylza,♠
Thräne, findet ſich auch bei uns der Laut der e˜echiſchen Halbvokale.

Die rein ſlawiſche Formationsſylbe auf ♣el♠ hatten die Serben zwar noch
vor ein paar Jahrhunderten im Gebrauche; aber jetzt hört man an ihrer
Stelle faſt immer ♣eŕ,♠ z. B. ♣stworzyciel, stworićel♠ alt, ♣stworićeŕ,♠
Schöpfer; (die lutheriſchen Schriften halten an ♣el♠ feſt). Faſſen wir
nun alles Geſagte zuſammen, ſo können wir mit gutem Recht behaupten, daß
die ſerbiſche Sprache der polniſchen bedeutend näher ſteht, als der
čechiſchen. Beſonders iſt dieß in Hinſicht der Conſonanten erſichtlich.
Wir haben eine ganze Reihe von weichen Conſ. mit den Polen gemein, von
welchen der Böhme oft nicht einmal eine Spur hat; daher ſind denn auch
unſere beiden Sprachen viel ſanfter und weicher, als die čechiſche. Wir
führen nur einige Beiſpiele an:

♣wiode, ẃedu, wedu,♠ ich führe, ♣wiadro, ẃedro, wedro,♠ Wetter, ♣biore,
b́eru, beru,♠ ich nehme, ♣biesada, b́esada, beseda,♠ Geſellſchaft,
♣biodro, b́edro, bedro,♠ Hüfte, ♣pioro, ṕero, péro,♠ Feder, ♣piekę, ṕeku,
peku,♠ ich backe, ♣mięso, ḿaso, maso,♠ Fleiſch, ♣miesiac, mėsac, měsic,♠
Mond, ♣nie-, ńe-, ne-,♠ nicht, un-, ♣niebiosa, ńeb́esa, nebesa,♠ Himmel,
♣niesę, ńesu, nesu,♠ ich trage, ♣dzień, džeń, den,♠ Tag, ♣dziewięć,
džeẃeć, dewět,♠ neun, ♣ciotka, ćetka, tetka,♠ Tante, ♣cieśla, ćėsla,
tesař,♠ Zimmermann.

Die ſibilirten ♣ź, ś, dź♠ hat der Pole einzig und allein.[4]⁾

<pb n="15"/>

§. 4. Geſchichtlicher Überblick der ſerbiſchen Orthographie.

Das erſte von allen mir bekannten Werken, in dem ſich etwas mehr als
eine bloße Andeutung auf die ſerbiſche Sprache findet, iſt das
♣Parochiale Misnense♠ vom Jahre 1512. Ihm folgt wahrſcheinlich das auf
der k. Bibliothek in Berlin befindliche Manuſcript einer Überſetzung der
Evangelien, etwa um 1550; dann ♣Frankii Hortus Lusatiae♠ mit ſerbiſchen
Pflanzennamen 1594; dann Luthers kleiner Catechismus nebſt Tauf- und
Traubüchlein von Waurich, Pfarr. in Göde, Bud. 1597. u. ſ. w. Die
Orthographie in dieſen Schriften iſt ſo unbeſtimmt und ſchwankend, daß
nicht nur jeder Schriftſteller ſeine eigene ſich ſchuf, ſondern ſie
ſebſt nicht einmal in einem und demſelben Buche unverändert beibehielt.
Nach und nach erhob ſich der allgemeine Wunſch nach einer größeren
Feſtigkeit und Beſtimmtheit. Da bemühte ſich Mich. Frenzel in ſeinem „A-
B- C- und Buchſtabirbuche" 1671. und Jak. ♣Ticinus♠ in ſ. ♣Principia
Linguae Wendicae, Pragae♠ 1679, dieſem Wunſche zu genügen. Aber ſchon
dieſe beiden Männer gingen von verſchiedenen Grundſätzen aus; Frenzel,
ein Lutheraner, wollte die ſerbiſche Sprache auf die deutſche ſtützen,
♣Ticinus,♠ ein Jeſuit, ſie der čechiſchen (katholiſchen) näher bringen,
und ſo gaben ſie den erſten Anſtoß zu der noch bis dieſen Tag
beſtehenden Trennung der Evangeliſchen und der Katholiſchen. Einige
Jahre darauf ſuchte Zacharias Bierling in ſ. ♣Didascalia seu
orthographia Vandalica Bud.♠ 1689. die Orthographie auch dem
Sprachidiome der Budiſſiner mehr anzupaſſen. Aber immer noch wurde ſein
Vorſchlag nicht allgemein anerkannt; bis endlich auf Verordnung der
oberlauſitzer Herrn Stände von Land und Städten mehrere evangeliſche
Paſtoren in der Lauſitz zuſammenkamen, und eine Schreibart feſt ſetzten,
die für alle Evangeliſchen Geltung erhielt, und in ihren Grundzügen bis
auf den heutigen Tag beobachtet wird. Daß ſie aber nicht vollkommen dem
Genius der Sprache angemeſſen war, beweiſet uns beſonders der Umſtand,
daß ſie gar bald einer allmälichen Abänderung unterlag; ſo wurde ♣»s:
ch«♠ z. B. ♣s: chowacž (zchować)♠ bergen, gar bald in ♣sch♠
zuſammengezogen, und lieber Zweideutigkeit, als ſo eine neue Art von
Trennung zugelaſſen.

Das ♣l,♠ welches ſowohl für das weiche, als das grobe ♣ł♠ galt, ♣ležu♠
ich liege, und ♣lažu♠ ich krieche, wurde nur für das weiche verwendet,
das harte wie ♣w♠ klingende aber dem Polniſchen nach mit ♣ł♠ bezeichnet.
Die ♣Lineola Hyphen♠ zwiſchen der Präpoſition und ihrem Subſtantiv, z.
B. ♣k — tebi♠ (ja nicht etwa ♣ktebi♠ oder ♣k tebi♠) auf welche ſich Herr
Matthäi (in ſeiner Grammatik 1721, welche uns das beſte Licht über die
gedachten orthographiſchen Un<pb n="16"/>terſuchungen gibt) ſo viel zu
Gute thut, fiel in Kurzem wieder in Ungnade. Noch größere Änderungen hat
Herr Seiler in der neueſten Zeit in ſeiner Grammatik 1830. gemacht,
indem er das doppellautige ♣cź♠ in ♣cž♠ und ♣c̀ž♠ trennte, und auch ein
dumpfes ♣ó♠ unterſchied. — Mit der gedachten Grammatik Mathäi’s erſchien
zu gleicher Zeit von katholiſcher Seite ein nicht unwichtiges Werkchen
von Swotlik: ♣Vocabularium latino - serbicum, Bud.♠ 1721., worin er der
Orthographie des Ticinus faſt ganz treu blieb. Dieſes war zugleich mit
♣Abrah. Frencelii: De criginibus linguae sorabicae, Bud. et Sittav.♠
1693—1696 (einem etymologiſchen Wörterbuche in 3 Theilen) bisher das
einzige Wortverzeichniß für die oberlauſitziſchſerbiſche Sprache (denn
das Regiſter bei Mathäi iſt doch zu unbedeutend). Erſt zu Ende des
vorigen Jahres erſchien in Grimma ein: Wendiſch - deutſches
Handwörterbuch nach dem oberlauſitzer Dialecte, herausgegeben von Curt
Boſe. Das Ganze ſind Vorarbeiten zu einem etymologiſchen Lexikon, nach
ihrer Form zu ſchließen wahrſcheinlich vom ſeligen Paſtor Schmalz, von
deſſen Handſchrift unglücklicher Weiſe dem Herrn Herausgeber eine
unvollſtändige Abſchrift in die Hände gefallen zu ſein ſcheint. Davon
wenigſtens ſind wir feſt überzeugt, daß der Herausgeber nicht ſelbſt der
Verfaſſer iſt (ein Verfaſſer iſt nirgends genannt); ja wir möchten ſogar
mit einiger Gewißheit behaupten, Herr Curt Boſe verſtehe das Serbiſche
gar nicht. Die von ♣Ticinus♠ angenommene Orthographie behielt nur mit
geringen Abänderungen auch Kilian in ſeiner ♣Serbske katholske A B C
kńischki Bud.♠ 1780. bei. Später haben ihr Mich. Walda und Tecelin
Mieth, der letzte katholiſche Schriftſteller, der etwas drucken ließ,
viel Gewicht verſchafft.

Unter dieſen Umſtänden haben ſich unter den Serben (ich rede nur von den
Oberlauſitzern) zwei Partheien gebildet, welche einander fremd gegenüber
ſtehen. Die Evangeliſchen, die ſich auch Budiſſiner nennen, ſind zwar
der größere Theil des Völkchens; aber auch ihre Anzahl iſt viel zu
gering, als daß ſich ihre Literatur mit Glück und Gedeihen entwickeln
könnte; die Katholiken aber, eben ſo halsſtarrig als jene, wollen das
einmal Errungene auch nicht fahren laſſen. Und ſo geſchieht das
Lächerlichſte von der Welt, daß ein ſo kleines unbedeutendes Völkchen,
deſſen Mundarten ſo gleichlautend ſind, daß der gemeinſte Mann den
andern vollkommen verſteht, als ſeien ſie aus einem und demſelben Dorfe;
dennoch in der Schreibart ſich trennt und ſo das Verſtehen der Bücher,
welche übrigens von beiden in ſehr geringer Anzahl producirt werden,
erſchwert, und ſo faſt allen Vortheil und Nutzen, den ſchriftliche Werke
einer Nation bringen können, mit Füßen von ſich ſtößt.

Der Geiſt unſerer Zeit, welcher überall nur auf Concentrirung der Kräfte
dringt, die Wünſche und Erwartungen unſer Slawenbrüder, unſer eigener
Vortheil und die Bildung unſer Nation for<pb n="17"/>dern es, daß die
Scheidewand, die einſt Religionshaß gründete, niedergeriſſen, und ein
neues Gebäude aufgeführt werde, welches nicht nur unſerem Idiom ſelbſt
zur bequemen und lichten Wohnung diene, ſondern auch den anderen Slawen
leichten Eingang verſchaffe in die Vorrathskammern des Geiſtes unſerer
Sprache, welche nicht nur eine der älteſten und unverdorbenſten (das iſt
durch ſelbſtiſche Entwickelung der ſlawiſchen Urſprache nicht
entfremdeten) Dialecte iſt, ſondern auch viele Wurzelwörter enthält,
welche bei den andern Völkerſchaften ſchon längſt in Vergeſſenheit
geriethen.

§. 5. Meine Neuerungen in der ſerbiſchen Orthographie.

Nur die eben angedeuteten Gründe, und der Zweifel, in welcher von beiden
Orthographien ich dieſen meinen unbedeutenden Beitrag zur ſlawiſchen
Linguiſtik ſollte abdrucken laſſen, bewogen mich aus den beiden
beſtehenden Schreibarten eine neue zu bilden, und ich hoffe, man werde
es anerkennen müſſen, daß ſie nicht nur die Nuancirungen unſeres
Dialectes genau bezeichnet, ſondern uns auch den übrigen Slawen,
beſonders den Polen, Čechen und Illyriern um ein Großes näher bringt.
Meine Kenntniß der ſlawiſchen Sprachen, und der heiße Wunſch meinem
Volke zu nützen, von welchem abzuſtammen ich mir für eine Ehre halte,
waren mir bei dieſer Arbeit Hilfe und Aufmunterung. Mögen es mir jene
Männer vergeben, die unſerer Sprache gründlichere Kenner ſind, wenn ich
ihrem Geiſte vorgreife; denn die Jugend ſetzt ſich leichtſinnig und keck
genug über ſolche Bedenklichkeiten hinweg. — Ich werde alſo in dieſer
meiner Arbeit

1) Die lateiniſchen Schriftzeichen gebrauchen, nicht nur, weil ſie
ſchöner und angenehmer für das Auge ſind, als die ſchwabacher oder
andere deutſche Lettern, ſondern auch, weil faſt alle Slawen mit dieſen
ihre Werke ſchreiben; und beſonders deßhalb, weil ſich die verſchiedenen
Zeichen, die wir nöthig haben, viel paſſender über die lateiniſchen
Buchſtaben machen laſſen. Übrigens wird unſerem Volke dadurch keine neue
Schwierigkeit geſchaffen, da ja ſchon längſt alle Kinder, ſelbſt in den
Dorfſchulen, lateiniſch leſen lernen.

2) Werde ich die Subſtantive nach dem Beiſpiele unſerer ſerbiſchen
Vorfahren und dem aller Nationen (die deutſche ausgenommen) nie groß
ſchreiben, denn wir haben gar keinen Grund dazu.

3) Da nun aber die einfachen lateiniſchen Lettern nicht hinreichen, alle
nothwendig unterſchiedenen Laute der ſerbiſchen Zunge auszudrücken; ſo
mußte ich mich zur genaueren Beſtimmung derſel<pb n="18"/>ben nach
andern Mitteln umthun. Bei der Wahl derſelben richtete ich mich vor
Allem nach dem Gebrauche in den bei uns beſtehenden Orthographien; dann
nach der polniſchen und čechiſchen. Hieraus entſtand die folgende Reihe
der Buchſtaben. Zur Vergleichung ſtehe noch das Seiler’ſche und
Teceliniſche Alphabet (als das der Repräſentanten der evangeliſchen und
katholiſchen Orthographie) daneben.

♣Tecelin Seiler♠

♣j j j♠

♣i i i♠

♣ė ė je♠

♣e e e♠

♣é y y♠

♣a a a♠

♣o o o♠

♣ó ó ó♠

♣u u u♠

♣w w w♠

♣ẃ ẃ w, wj♠

♣v, f v, f f.♠

♣b b b♠

♣b b́ b, bj,♠

♣p p p♠

♣ṕ ṕ p, pj♠

♣m m m♠

♣ṁ ḿ m, mj♠

♣n n n♠

♣ṅ ń n, nj♠

♣l l l♠

♣ɫ l, ľ l, lj♠

♣w ɫ ɫ♠

♣r r r♠

♣ṙ ŕ r, rj♠

♣d d d♠

♣dz dz ds♠

♣dž dž dž♠

♣t t t♠

♣z z s♠

♣ž ž ž♠

♣s s (s) ss♠

♣sch š sch♠

♣cž c̀ cż♠

♣cz c z♠

♣tz ts, ds, ts, ds,♠

♣tž č cž, tsch♠

♣h h h♠

♣ch ch ch♠

♣kh ch ch, k♠

♣g g g♠

♣k k k♠

Obwohl nun die Zweckmäßigkeit meines Alphabetes, wenigſtens für mich,
nicht zweifelhaft iſt, ſo muß ich doch noch die Gründe angeben, warum
ich den einen oder den andern Buchſtaben verworfen habe.

♣ė:♠ Herrn Seiler’s Regel (§. 3.), daß ♣je♠ wie unſer ♣ė♠ ausgeſprochen
wird, „wenn es mit dem vor ihm ſtehenden Conſonanten auch der Etymologie
nach eine Sylbe bildet," iſt unzureichend, um vor Zweideutigkeiten zu
ſchützen; ſo ſchreibt er z. B. S. 89. ♣spjecž♠ ſpannen (♣sṕeć♠); aber
wie ſchreibt er dann ♣spėć,♠ entſteigen (♣bože spȯćo♠ Himmelfahrt)?
Übrigens iſt ♣ė♠ ein einzelner Buchſtabe, und verſinnlicht durch den
oben ſtehenden Punkt recht anſchaulich den aus einer Verſchmelzung des
♣e♠ mit ♣i♠ entſtandenen Laut. Bei den Katholiſchen iſt es ſchon im
Gebrauche.

♣y:♠ ziehe ich dem ♣é♠ der Katholiken vor, weil ſchon zwei ♣e♠ vorhanden
ſind und ♣y♠ noch gar keine Function hat; auch haben die anderen Slawen
in ſolchen Wörtern faſt immer ♣y,♠ in äußerſt wenigen Fällen ♣e,♠ wo man
daher auch leicht das ♣e♠ beibehalten könnte.

♣ẃ, b́, ṕ, ḿ, ń, ŕ:♠ hier ziehe ich die Bezeichnung mit dem Striche vor;
der Punkt, wie ihn die Katholiken haben, wird leicht überſehen, und kann
beim ♣b♠ ſo leicht nicht geſetzt werden. Neben jene harten Buchſtaben
das erweichende ♣j♠ zu ſetzen, ſchien mir unzweckmäßig, weil dann zwei
Zeichen einen Laut bezeichnen. Und da endlich in ♣c̀♠ die Weichheit mit
dem Striche bezeichnet werden ſoll, ſo iſt dieſes nur analog. Auch die
Polen haben jene weichen Buchſtaben. <pb n="19"/>♣z, s c:♠ dieſe drei
Buchſtaben ſind der eigentliche Stein des Anſtoßes; aber ich mußte mich
hier nach den Katholiken richten, weil mir das Beiſpiel aller anderen
Slawen, der Polen, Čechen, Illyrier (und ſelbſt Ruſſen) zu wichtig war,
um hintangeſetzt zu werden. Übrigens ſpricht auch die Analogie für mich.
Oder iſt ♣z♠ als Zedlaut etwa analog mit ♣ž?♠ oder als ſolches mit ♣ć?♠
Oder ♣s♠ als ſchwacher Sauſelaut mit dem ſcharfen ♣sch♠ oder ♣š?♠ Ich
glaube nicht! — Übrigens iſt Mathäi’s Grund (ſiehe ſ. Gramm. S. 1. und
2.) „als würde es gar ſchwer fallen, der (an die deutſche Orthographie
gewöhnten) ſerbiſchen Jugend zu imprimiren, daß ♣z♠ für das deutſche
♣s"♠ und ſo fort ſtehe, gar nicht gültig. Denn jedes Kind, das nur
einige Fertigkeit im Leſen hat, wird Etwas in ſeiner Mutterſprache
Geſchriebenes, und ſei es in Gott weiß was für einer babyloniſchen
Orthographie abgefaßt, nach einem Verſuche von einer kleinen Stunde
ohnfehlbar von ſelbſt zu leſen und zu verſtehen im Stande ſein; um wie
viel mehr, wenn man ihm einige Fingerzeige gibt. Mit ſerbiſchen Kindern
wenigſtens habe ich es verſucht. — Daß ich das katholiſche ♣cz♠ in ♣c♠
abkürzte, wird man mir nicht verargen.

♣š:♠ die Čechen und Illyrier haben an die Stelle des dreibuchſtabigen
♣sch♠ bereits dieſe Abkürzung angenommen; übrigens fällt dadurch die
ſchon von Mathäi gerügte Zweideutigkeit in ♣schow (šow)♠ die Naht, und
♣schow (schow)♠ das Aufbewahrniß, von ♣schować, zchować♠ und dergleichen
von ſelbſt weg.

♣ć:♠ nach dem Polniſchen; das dreitheilige ♣cz̀♠ war mir zu großartig.

♣ds, ts♠ haben einen gleichen Laut, welcher allen andern Slawinen fehlt,
und, wie §. 3. ♣sub. A.♠ S. 9. geſagt wurde, durch Verſchmelzung (♣ds♠)
aus ♣dš, (ts)♠ aus ♣tš♠ und ♣tŕ♠ entſteht. Da er nicht gar zu häufig
vorkommt, ſo iſt es unnöthig, ein eigenes Zeichen für ihn einzuführen;
auch müßte man ſich dann von der Etymologie ganz entfernen.

♣č:♠ das ♣tž♠ der Katholiken ſieht immer aus wie zweṙ Buchſtaben und
gibt dadurch Anlaß zu Zweideutigkeiten, wie z. B. ♣wotžach♠ in den
Augen, von ♣woko♠; und ♣wot-žach♠ ich ſichelte ab, von ♣wot-žeć.♠ — Herr
Seiler führte vor zehn Jahren unter den Budiſſinern zuerſt ſein ♣cž♠
ein; aber auch das ſchien mir nicht bequem genug. Ich ſchob den Haken um
eine Linie zurück und erhielt glücklicherweiſe das bei den Čechen und
Illyrern in eben dieſem Amte fungirende ♣č.♠

<pb n="20"/>

§. 6. Regeln der ſerbiſchen Orthographie.

Wir haben zwar die Grundzüge unſerer Rechtſchreibung ſchon im vorigen §.
angedeutet, aber dennoch ſehen wir uns genöthigt, gewiſſe Regeln über
dieſen Gegenſtand ihrer Wichtigkeit wegen noch beſonders hervorzuheben.

♣a♠) Mit großen Anfangs-Buchſtaben werden geſchrieben.

1) Das Anfangswort eines jeden Satzes; alſo am Anfange eines
ſchriftlichen Aufſatzes ſowohl, als nach einem Punkte; dann nach dem
Frage- und Ausrufungszeichen, wenn dieſe den Satz abſchließen; und nach
einem Doppelpunkte (:), wenn die Worte Jemandes angeführt werden:

♣Laj! da kńez wza choroẃ z mócnej ruku:

»Zamnu, zamnu! chróble na Polakow,

»Na Polakow, ńepšećelow našej’ zeḿe!«♠

Sieh! da faßt der Fürſt mit mächtiger Hand die Fahne:

„Mir nach, mir nach! muthig auf die Polen,

„Auf die Polen, Feinde unſres Landes!"

♣»Štó tu?« z rodu słowa.

»»Ja sym hońtwaŕ błudny!««♠ —

„Wer da?" ruft’s vom Schloſſe.

„„Bin ein irrer Waidmann!"" — (Könighofer Handſchrift.)

2) Alle Eigennamen von Göttern, Engeln, Menſchen, auch Ländern, Seen,
Flüſſen, und die von ihnen abgeleiteten Adjective (auch ♣Bóh♠ Gott, im
Singul.).

♣Leći sekera, roskoči skit,

Za skitom so roskočištej Ludžekowej nadŕe.♠

Fleugt die Axt, der Schild zerberſtet,

Hinterm Schilde Ludwig’s Bruſt zerberſtet. (Königh. Handſchr.)

3) Alle Titel-, Anrede- und dann die Für-Wörter, wenn letztere ſich in
Briefen und dergleichen auf die angeredete Perſon beziehen, z B. ♣Waša
Dostojnosć ńebudže za zło mėć, zo ja Waš♠ ... Euer Hochwürden werden
verzeihen, daß ich Ihr, Dero ...

4) Auch dürfte es, um das Verſtändniß zu erleichtern, nicht unzweckmäßig
ſein, die aus fremden Sprachen aufgenommenen, aber noch nicht
eingebürgerten Wörter mit großen Buchſtaben anzufangen; z. B. ♣štyŕo tam
na Billardže hrajachu,♠ vier ſpielten dort Billard. Aber jedes Hauptwort
mit einem großen Anfangsbuchſtaben zu verſehen, finde ich eben ſo
überflüſſig, als beſchwerlich; denn unſere Subſt. unterſcheiden ſich
ſchon durch ihre Endung und Bil<pb n="21"/>dung genugſam von den übrigen
Redetheilen; wozu alſo etwas nachahmen, das man nicht nöthig hat? Es
gibt ja nur eine einzige Sprache, die deutſche, welche dieſes thut, und
nach dem Geſtändniſſe ihrer eigenen Sprachforſcher, ebenfalls ohne
hinreichenden Grund.

♣b♠) Vokale.

Von den Vokalen gilt die Regel: „Man wähle immer denjenigen Vokal,
welcher zur Bezeichnung des gegenwärtigen (gehörten) Lautes dient, ohne
gar zu ängſtlich nach den Geſetzen der Etymologie oder der
Verwandtſchaft mit anderen (ſlawiſchen) Sprachen ſich zu richten." Man
ſchreibt alſo ♣na dwoŕe♠ auf dem Hofe von ♣dwór; ṕedž♠ Spanne (čech.
♣píď,♠ poln. ♣spiedz); ceły♠ ganz (čech. ♣celý,♠ poln. ♣cały♠). Der
Vokal ♣e♠ hat zwar, wie §. 9. erwähnt wird, einen zweifachen Laut, den
hellen, wie in ♣ńeŕedžić♠ Unrath machen, und den breiten, wie in
♣ḿeceẃe♠ wir beide, Weiber oder Sachen, werfen. Weil aber dieſer
Unterſchied geringfügig iſt, und keine Zweideutigkeiten veranlaßt; weil
beide Laute häufig in einander übergehen, und demnach die Gefahr
entſtehen würde, daß man das eine Wort, mit zwei verſchiedenen Zeichen
geſchrieben, für zwei verſchiedene Wörter hielte: ſo wird es am
gerathenſten ſein, beide Laute durch ein und dasſelbe Zeichen
auszudrücken. Aber ſorgfältig muß ♣ė♠ und ♣y♠ unterſchieden werden,
jenes iſt weich, dieſes hart, z. B. ♣tsėcha♠ Dach ♣(střecha), tsylba♠
das Geſchoß ♣(střelba).♠

Dyphthongen haben wir nur mit ♣j♠ (§. 10.); ob man aber in fremden
Wörtern die in ihnen vorkommenden Dyphthongen gebrauchen ſoll: ♣adhuc
sub judice (usu) lis est;♠ ich ſchreibe dieſe Wörter ſo, wie man ſie
ausſpricht.

Die deutſche Sylbe ♣au,♠ wird ſtets durch ♣aw♠ gegeben auch in
Eigennamen, z. B. ♣Hawštyn♠ Auguſtin, ♣Hawɫ♠ (Genit. ♣Hawła,♠ čech.
♣Hawel, Hawla)♠ Gallus.

♣c♠) Conſonanten.

Auch bei den Conſonanten gilt die Regel: „Man ſchreibe ſie genau, wie
man ſie ausſpricht"; alſo ♣suwaé♠ ſchieben, und nicht ♣zuwać♠
(ausziehen). Dieſe Regel gilt bei einfachen Conſonanten durchaus. Kommen
jedoch zwei oder mehrere Conſonanten zuſammen zu ſtehen, ſo iſt die
Ausſprache des erſteren durch den folgenden bedingt, wie das der §. 8.
weiter aus einander ſetzt. Dadurch entſteht freilich das Mangelhafte
unſerer, ſo wie jeder anderen Sprache, daß durch eine ſo modificirte
Ausſprache die etymologiſche Abſtammung des Wortes verwiſcht wird. Aber
dieſes Mangelhafte liegt in unſeren Organen, dafür können wir alſo
nichts. — Etwas anderes iſt es um die Frage, ob man die Regeln der
Etymologie auch hier <pb n="22"/>noch befolgen, ob man das
Zuſammengeſetzte ſo ſchreiben ſoll, wie man die einzelnen Theile
ſchreibt, aus denen es beſteht? Unſere Schweſterſprachen ſagen bald ja,
bald nein! — Die Geſetze der Etymologie ſind gewiß zu wichtig, als daß
ſie hier überſehen werden dürften. Aber wie ſchwer wird es oft dem
Gebildeten, ſelbſt dem Sprachgebildeten, die Theile eines Wortes genau
anzugeben, ja ſelbſt nur zu b weiſen, ob es zuſammengeſetzt iſt oder
nicht. Wie könnte man nun erſt dem weniger Gebildeten zumuthen, er ſolle
dieſes wiſſen. — Wenn die Geſetze der Flexion es nöthig machen, daß man
einen Conſonanten anders ausſpricht, als in einer ganz nahen Form
deſſelben Wortes; ſo tragen wir kein Bedenken, den Conſonanten zu
verwandeln (§. 11.); ♣rėka♠ heißt der Fluß, und ♣rėcy♠ dem Fluße. Ich
glaube daher, es ſei nicht nöthig, ſich in dieſer Hinſicht ſtreng nach
den Regeln der Etymologie zu richten; und ſchreibe alſo ♣spėw♠ der
Geſang, von ♣z-pėju; roskočić♠ zerſpringen ſtatt ♣rozskočic̀♠ u. ſ. w.
Stehen aber die Conſonanten in getrennten Wörtern, ſelbſt auch bei der
innigen Verbindung, die eine Präpoſition mit ihrem Subſtantive eingeht,
ſo ſchreibe man jedes Wort, wie es einzeln ausgeſprochen wird: alſo ♣z
ćésta♠ (ſpr. ♣s ćėsta♠) aus Teig; ♣k džėdej♠ (ſpr. ♣g džėdej♠) zum
Großvater.

Am Ende klingen die breiten und engen Conſonanten gleich; iſt man daher
zweifelhaft, ſo ſuche man eine Form des Wortes, in der auf den
ungewiſſen Conſonanten ein Vokal folgt, z. B. ♣wóz♠ Wagen, weil ♣wozy;
muž♠ Mann, weil ♣muža.♠

Die Conſonanten ♣ẃ, b́, ṕ, ḿ, ń, ŕ♠ ſchreibe man nur da, aber auch
überall da, wo ſie einen weichen Jod-klang haben; alſo ♣ŕada♠ der
Balken; ♣ḿaso♠ das Fleiſch (wenn gleich čechiſch ♣maso♠). Vor ♣e♠ ſtehen
dieſelben nur, wenn dieſes ♣a)♠ ein ſchweres ♣e♠ iſt, ♣ṕero♠ Feder; ♣b♠)
wenn das ♣e♠ zwar ein helles, aber aus dem weichen ♣’a♠ nach §. 11.
entſtanden iſt, ♣ŕany♠ ſchön ♣(ŕadny), ŕeńši; c)♠ wenn das helle ♣e♠ aus
einem ſchweren dadurch entſtanden, daß ein weicher Conſonant darauf zu
folgen kam; ♣ńė♠ nicht; ♣ńeŕad♠ Unordnung; aber ♣ńebudu♠ werde nicht
ſein.

Kein Conſonant wird verdoppelt, weder im Sprechen, noch im Schreiben.
Nur in Zuſammenſetzungen kommen, wenn das eine Wort mit demſelben Laute
ſchließt, von dem das andere anfängt, zwei gleichlautende, oder
gleichgeſchriebene Zeichen zuſammen; z. B. ♣wob- pasać♠ (ſpr.
♣woppasać♠) umgürten; ♣woddychnyć (wot- dychnyć)♠ Athem ſchöpfen;
♣nadtorhać♠ eine (große) Menge abreißen (ſpr. ♣nattorhać); wobbojeć so♠
ſcheu werden; ♣wottočić♠ abzapfen. Doch ſollte hiebei der Endconſonant
des erſten Wortes nicht weggelaſſen werden, alſo nicht ♣wotorhnyć♠
abreißen.

Endlich muß ſich unſere Sprache, als ein Dialect der ſlawiſchen
Hauptſprache, auch dieſen Sprachen anzunähern trachten, be<pb
n="23"/>ſonders aber den ihr zunächſt verwandten, der polniſchen und
böhmiſchen (čechiſchen). Hierauf nun gründe ich folgende Regeln:

1) Man ſchreibe den Jodlaut mit ♣ẃ,♠ wenn in den andern ſlawiſchen
Sprachen ein ♣w♠ herrſcht, alſo ♣prawić♠ ſagen, nicht ♣prajić,♠ wie man
es ausſpricht; denn polniſch ♣prawić,♠ čechiſch ♣prawiti.♠

2) Man ſchreibe in allen jenen Wörtern, wo die Slawen ein ♣ł♠ (čech.
[ruſſ.] illyr. ♣l♠) nach einem Conſon. haben, wir aber dasſelbe gar
nicht hören laſſen (jene ausgenommen, die ♣ł♠ als ♣l♠ oder wie die Polen
ausſprechen); den hier ausgelaſſenen ♣w♠ - Laut eben deßhalb
ausdrücklich, und zwar mit ♣ł,♠ z. B. ♣kłós, kłosa♠ Ähre (♣klas, kłós),♠
dagegen ♣kós♠ die Amſel ♣(kos), kosa♠ Senſe ♣(kosa).♠ Dabei kommen auch
zwei ♣w♠- Laute zuſammen, z. B. ♣włós, włosa♠ das Haar ♣(wlas, włos);♠
aber ♣wosa♠ (čech. ♣wosa♠) Weſpe, und ♣hłós♠ (čech. ♣hlas,♠ poln.
♣głós♠) Stimme.

3) Weil wir, nach Art des Hauches des ſog. äoliſchen Digamma an die bei
andern Slawen mit einem Vocal anfangenden Wörter (im Sprechen und
Schreiben) ein ♣w, h,♠ oder ♣j♠ voranſetzen, ſo entſtehen daraus Wörter,
gleichlautend mit denen, welchen die Conſ. ♣w, h, j♠ urſprünglich
zukommen; z. B. ♣Włóska,♠ das Härchen, ♣wóska♠ die Achſe, ♣wóska♠ des
Wachſes, ♣hɫóska♠ der zarten Stimme; ♣Włóska♠ Italien (♣wýska♠ er
jauchzet). Und umgekehrt ſprechen wir das ♣w, h, j,♠ ſo oft es vor einem
Conſ. ſteht, gar nicht aus, ſo z. B. ſagen wir ♣nać♠ treiben, anſtatt
♣hnati, gnać; zać♠ nehmen, ſtatt ♣wzać, wzíti; smy♠ wir ſind, anſtatt
♣jsmy, jesteśmy.♠ In Zuſammenſetzungen kommen dieſe Conſonanten wieder
zum Vorſchein; ♣rozehnać♠ zertreiben, ♣wotewzac̀♠ wegnehmen, ♣nje-jsmy♠
wir ſind nicht. — Daher iſt es der Deutlichkeit wegen beinahe
nothwendig, dieſe Conſonanten immer vorzuſetzen; nur bei ♣sym♠ u. ſ. f.
dürfte es der häufige Gebrauch entſchuldigen.

♣d)♠ Theilung der Wörter.

Die Theilung der Wörter in Sylben iſt die gewöhnliche, wie z. B. im
Deutſchen; ♣ḿe-tać♠ werfen, ♣sy-pa-ja♠ ſie ſchütten; kommen jedoch zwei
Conſonanten zuſammen, und gehört der eine zur Wurzel des Wortes, während
der andere nur eine Bildungsſylbe ausmacht, ſo möchte ich ſie lieber
trennen, alſo ♣mok-ry♠ naß, und nicht ♣mo-kry,♠ denn ♣moknu, mokɫa♠ ich
werde, bin naß geworden. In zuſammengeſetzten Wörtern trennt man die
einzelnen Theile; z. B. ♣wot-tradać♠ abdarben, ♣wob-ra-žu♠ ich
umſchlage, ♣po-brać♠ ein wenig nehmen.

§. 7. Buchſtaben.

In der Aneinanderreihung der Töne einer Sprache unterſcheidet man eine
durch die Natur unſerer Organe gegebene, und eine <pb n="24"/>von dem
Sprachgenius bedingte und durch die Sprachforſchung beſtimmte Folge von
Lauten. Dieſe ſind entweder Vocale (Selbſtlauter) oder Conſonanten
(Mitlauter).

Die Vocale ſind ♣a, o, u, y, e, i.♠ aus Verſchmelzung des ♣a♠ mit ♣o♠
entſteht ♣ò♠ (z. B. ♣Bòžò♠); des ♣o♠ mit ♣u♠ aber ♣ó (Bóh);♠ des ♣e♠ mit
♣i♠ endlich ♣ė (bėh).♠ An ♣i♠ ſchließt ſich der Halbconſonant ♣j♠ (an
♣e♠ dagegen ♣h,♠ an ♣a, o, u♠ aber ♣w,♠ wenn ſie den Hauch des äoliſchen
Digamma bilden) an.

Die Conſonanten werden eingetheilt ♣l♠) in Lippenlaute: ♣w, f, v, b, p,
m;♠ 2) in Gaum- und Zungenlaute: ♣n, l, r;♠ 3) in Zahnlaute: ♣d, t, ć;♠
4) in Sauſelaute: ♣z, ž; s, s̀; c, č;♠ 5) in Gurgellaute: ♣h, ch, (g),
k.♠

Alle dieſe Conſonanten werden nun der Natur ihrer Laute zufolge in
breite und enge eingetheilt, je nachdem ſie geſchärft oder ſanft
ausgeſprochen werden. Es ſind daher:

Breit: ♣w, ẃ, b, b́, z, ž, d, dz, dž, h, g.♠

Eng: ♣f, v, p, ṕ, s, š, t, c, ć, č, ds, ts, ch, k.♠

Zwiſchen ihnen ſtehen neun mittlere: ♣m, ḿ, n, ń, l’ l, ɫ, r, ŕ.♠ Unſer
Alphabet beſteht alſo im Ganzen aus 40 Buchſtaben, nämlich 8 Vocalen: ♣a
(ò), o, ó, u, y, e, ė, i;♠ und 32 Conſonanten: ♣j, w, ẃ (f, v,), b, b́,
p, ṕ, m, ḿ, n, ń, ɫ, l, (l’), r, ŕ, z, ž, s, š, d, dz, dž, ds, t, c, c̀,
č, ts, h, ch, g, k.♠

Zur Bildung eines Wortes werden Sylben erfordert; dieſe haben einen
Vokal, an den ſich oft ein oder mehrere Conſonanten anſchließen. Bei
dieſer Verbindung der Conſonanten mit den Vocalen unterſcheidet man
harte, weiche und indifferente.

Es gilt nämlich die Regel, daß bei allen grammatiſchen Verrichtungen,
der Bildung, Ableitung, Declination, Comparation, und Conjugation „nie
♣y♠ nach einem weichen, und nie ♣i♠ oder ♣ė♠ nach einem harten
Conſonante geſetzt werden darf, daß dagegen die indifferenten ſowohl ♣y♠
als ♣i♠ nach ſich dulden." Nach dieſem Geſetze ſind:

Weich: ♣j, ẃ, v, b́, ṕ, ḿ, ń, l, ŕ, ž, š, ć, dž, č.♠

Hart: ♣ł, r, z, s, d, dz, t, c (h, ch, g, k).♠

Indifferent: ♣w, f, b, p, m, n, ds, ts.♠

Dieſes Verzeichniß zeigt, daß bei uns nicht alle Conſonanten hart oder
weich gebraucht werden, wenn ſie es auch in den andern Slawinen ſind.
Aber in dieſem Punkte muß die Geſammtſprache dem Idiom weichen. ♣H, ch,
g, k♠ haben zwar nie ♣y♠ bei ſich, ſondern ſtets ♣i♠ und ♣ė,♠ als:
♣dołhi♠ lang, ♣suchi♠ dürr, ♣figi♠ Feigen, ♣suki♠ Knoten, ♣wilki
(wulki)♠ groß, ♣chėtŕe♠ ſchnell, ♣hėtka♠ Hütte; aber dennoch ſind ſie in
den Formen hart und erleiden die Conſonanten-Verwandlung (ſiehe §. 11.);
daher wir ſie ſtets unter die harten zählen werden. Schließlich ſei noch
bemerkt, daß die in fremden Sprachen üblichen Laute ♣qu♠ und ♣x♠ in den
Worten, die wir aus ihnen entnehmen, ſo wie in allen Fällen, wo jene
Laute vorkom<pb n="25"/>men, ſtets durch ♣kw♠ und ♣ks♠ ausgedrückt
werden, als: ♣kwadrat, Aleksander, kwas♠ Hochzeit.

Eben ſo kommt ♣g♠ nur in fremden, ♣v♠ und ♣f♠ nur in wenigen
einheimiſchen Worten vor; die letzteren beiden möchte ich gern ſo
unterſchieden wiſſen, daß ♣v♠ jenen unſerer ♣f♠-Laute bezeichne, die dem
bei den andern Slawen üblichen ſcharf gehauchten ♣w (hw)♠ entſprechen;
z. B. ♣vizdac̀♠ pfeifen, ♣hwizdati, gwizdac̀♠ (wenn man anders nicht
ebenfalls lieber ♣hwizdac̀♠ ſchreiben will); ♣f♠ dagegen alle anderen
♣f♠-Laute behalte, z. B. ♣ſala♠ (Fell) Schürze.

§. 8. Ausſprache der Conſonanten.

Im Serbiſchen hat jeder Buchſtabe einen beſtimmten, ihm ſtets bleibenden
Laut, welcher aber immer rein und deutlich ausgeſprochen werden muß.

Die Zeichen ♣ẃ, b́, ṕ, ḿ, ń♠ und ♣ŕ♠ unterſcheiden ſich von den ohne
Strich geſchriebenen durch den weichen Charakter, welcher aber vor ♣e♠
(hell), ♣ė♠ und ♣i♠ ohnehin nothwendig iſt, daher auch weiter nicht
bezeichnet wird, obwohl ihn die ſerbiſche Zunge vor dieſen Vocalen nie
vernachläſſigt.

♣ɫ:♠ ſpricht man wie ♣w,♠ nur bei den nordöſtlich Wohnenden wie ein
grobes ♣l; čoło♠ Stirn.

♣dz:♠ wie ♣ds♠ im deutſchen, aber als ein Laut, z. B. ♣na fidzy♠ an der
Feige.

♣dž:♠ wie das italieniſche ♣g♠ vor ♣e♠ und ♣i,♠ dſch; ♣džėra♠ Loch,
♣nadžija♠ Hoffnung.

♣z:♠ iſt ein ſanfter Ziſchlaut, das deutſche ſ; z. B. ♣zuby♠ Zähne.

♣ž:♠ wie das franzöſ. ♣j,♠ ganz ſanfter ſch-Laut; ♣žołty♠ gelb.

♣š:♠ wie ſch: ♣šaty♠ Wäſche, ♣šėry♠ grau.

♣c:♠ wie das deutſche einfache z: ♣cybać♠ raufen.

♣ć:♠ gequetſchter als das polniſche ♣ć;♠ etwa das italieniſche ♣c♠ vor
♣e♠ und ♣i; ćerń♠ Dorn.

♣č:♠ der ſchärfſte, weiche Ziſchlaut, dem deutſchen tſch gleich: ♣čorny♠
ſchwarz.

♣ds, ts:♠ der ſchärfſte harte Zed-Laut, deutſch tz: ♣tsihać♠ ſcheren,
♣mɫódsi♠ jünger.

♣ch:♠ wird häufig, beſonders im Anfange der Wörter, wie ein gehauchtes
♣k♠ geſprochen, ähnlich dem deutſchen Laute ♣k,♠ wenn er am Anfange vor
einem Vocal ſteht, z. B. »kundig, kommen,« als: ♣chory♠ krank. Auch im
Serbiſchen findet dieſes gewöhnlich nur am Anfange der Wörter ſtatt.

Alle übrigen Conſonanten werden ausgeſprochen wie im Deutſchen. Wenn
jedoch zwei, oder mehrere zuſammenkommen, ſo ge<pb n="26"/>ſchieht es
zuweilen, daß die Ausſprache des erſteren dadurch etwas modificirt wird.
Dieſe Modification iſt durch folgende Regel bedingt: »Im flüſſigen
Sprechen können die mittleren Conſonanten (§. 7.) mit den breiten
ſowohl, als mit den engen verbunden werden; niemals aber finden ſich
breite mit engen, oder enge mit breiten zuſammengeſtellt. Übrigens
lautet jeder breite Conſonant, wenn er am Ende eines Wortes ſteht, wie
der ihm entſprechende enge.« Beſonders erſichtlich wird dieß bei den
Präpoſitionen auf ♣z♠ und ♣d♠ (breit), und ♣t♠ und ♣k♠ (eng), daher hier
einige Beiſpiele:

♣z.♠

Seinen natürlichen Laut behält ♣z♠ in: ♣z jėdže, z wody, z Boha, z moŕa,
z nocy, z lėtami, z ɫawki, z rėki, z z̀ołdka♠ oder ♣ze žołdka, z domu, z
džėry, z hory, z grós̀om.♠ Dagegen ſpricht man: ♣z fary, z počatka, z
teb́e,♠ wie: ♣sfary, spočatka, steb́e; z ceła, z ćėsta, z čėpca,♠ wie:
♣sceła, s ćėsta, s čėpca; z tsėchi, z chowanki, z kozy,♠ wie: ♣stsėchi,
schowanki, skozy.♠

♣d.♠

Seinen eigenthümlichen Laut behält ♣d♠ in: ♣nadb́erać, pod wodu, pod
žołdžami, pod horu;♠ dagegen: ♣pod ṕecakom, podsukni, nad tebi,♠ wie:
♣potṕecakom, potsukni, nattebi; — pod cybli, pod tsėše, pod kožu,♠ wie
♣potcybli, pottsėše, potkcžu.♠

♣t.♠

Umgekehrt wird der enge vor dem breiten auch breit; ſo lautet ♣t♠ wie
gewöhnlich in: ♣wotpić, wotsadz̀ić, wotc̀ahnyc̀, wotchromić;♠ aber in
♣wotbėlić, wotžołtnić,♠ wie ♣wodbėlic̀, wodžołtnić;♠ in ♣wotdžėłać,
wotdac̀,♠ wie ♣woddžėɫać, woddać.♠ In ♣wothonić♠ und ♣wotgronić♠
(antworten, niederlauſitziſch) jedoch kommt das ♣t♠ dem engen ſehr nahe,
und zwar wegen des Hauches (ϑ).

♣k.♠

♣K♠ behält ſeinen Laut in: ♣k pazoŕe, k s̀iji, k towaršam, k tsėše;♠
dagegen lauten: ♣k b́esadže, k zywańu, k žiwotcj,♠ wie ♣gb́esadže,
gzywańu, gžiwotej; k darej, k džėsću, k honam,♠ wie ♣gdarej, gdžėsću,
khonam.♠

♣b.♠

Seinen natürlichen Laut behält ♣b♠ in: ♣wobbėlić, wobzamknyć, wobdać,
wobhańeć;♠ dagegen lautet es in: ♣wobýizdać, wobsabnyć, wobšerić,♠ wie
♣wopvizdać, wopsahnyc̀, wopšeric̀; wobtorhac̀, wobćežić, wobčornić,♠ wie
♣woptorhać, wopćežić, wopčornić; wobtsyleć, wobchudžić, wobkopać♠ wie
♣woptsyleć, wopchudžić, wopkopać.♠

Nun mögen noch einige Beiſpiele folgen, wo der erſte von <pb
n="27"/>zwei der Etymologie nach neben einander ſtehenden Conſonanten
anders ausgeſprochen wird:

♣b: hubka,♠ von ♣huba,♠ Lippe, wie ♣hupka.♠

♣d: hɫadki♠ glatt, wie ♣hłatki.♠

♣z: mrózki♠ kleine Fröſte, von ♣mróz,♠ wie ♣mróski.♠

♣ž: nóžki♠ kleine Füße, von ♣noha,♠ wie ♣nóški.♠

♣h: nóhće♠ Nägel (ſlawiſch ♣nogot, nehet♠), wie ♣nóchće.♠ Ebenfalls ſo
umgekehrt enge wie breite;

♣t: wotboleć♠ aufhören zu ſchmerzen, wie ♣wodboleć.♠ Ferner die
doppelten Conſonanten:

♣ds: ludski,♠ v. ♣lud,♠ Volks- wie ♣lucki; ludstwo♠ Menſchheit wie
♣luctwo.♠

♣dš: mɫódši♠ jünger, verwandelt in ♣młódsi; podšić♠ vorſchuhen, beinahe
wie ♣počić.♠

♣ts: knotski♠ Maulwurfs- wie ♣knocki: čertski♠ teufliſch, wie ♣čercki♠
(beſſer und gewöhnlicher iſt ♣čertowski♠).

♣tš: ẃetši♠ größer, ♣ẃeči; krótši♠ kürzer aber ♣krótsi.♠

♣cs: ńėmcski♠ deutſch, ♣ńėmski; tkalski♠ Weber-, von ♣tkalc.♠

♣k: rybakstwo,♠ Fiſcherei, ♣rybastwo.♠

§. 9. Ausſprache der Vocale.

Im Serbiſchen wird kein Vocal geſchärft oder gedehnt, wie das im
Čechiſchen geſchieht; ſie haben ſtets einen vollen, aber gleich lang
ausgehaltenen Laut; das einzige ♣ó♠ ausgenommen, welches hörbar gedehnt
iſt. Auch ſcheint eine Dehnung in ſolchen Wörtern zu liegen, welche der
Etymologie wegen ein ♣h♠ haben, das aber nicht ausgeſprochen wird; z. B.
♣ćahnyć♠ ziehen, ♣ćehńeš♠ ziehſt. Keinesfalls aber darf man ♣ė♠ als
gedehnt anſehen. (Vergleiche die Dyphthongen §. 10.)

♣a, i, u♠ werden ſtets klar und rein ausgeſprochen.

♣e,♠ hat einen doppelten Laut:

α) Das hohe, helle ♣e,♠ wie z. B. in ſehr, Jemand; dieſes ſteht:

1) Immer zwiſchen zwei weichen Conſonanten; beſonders häufig iſt der
Umlaut ♣e,♠ der durch Verwandlung aus ♣a♠ entſteht, z. B. ♣poŕedžach♠
verbeſſerte, ♣poŕedžeše; zeḿan♠ Edelmann, ♣zeḿeńo;♠ daher auch alle
Infinitive auf ♣eć♠ mit geſchloſſener Stammſylbe, weil ſie eigentlich
auf ♣ać♠ enden ſollen (ſiehe §. 50.) z. B. ♣mėšeć,♠ miſchen (ſtatt
♣mėšać♠).

2) Beinahe immer vor den weichen Conſonanten (ſiehe §. 7.); beſonders
vor: ♣dž, j, l, ń, š, ž; kedžba♠ Achtung, ♣kukel♠ Lade, ♣kucheń♠ Küche,
♣riheń♠ Pferdemähne, ♣konopej♠ Hanf, ♣dešćik♠ Regen, ♣tež♠ (oder ♣teš♠)
auch, ♣medžwež♠ Bär.

ß) Das breite, ſchwere und kurze ♣e,♠ wie in »letzterer, Weber«; dieſes
ſtehet:

<pb n="28"/>

1) Am Ende der Wörter: ♣wone♠ jenes, ♣kije♠ Stöcke.

2) Nach den weichen Conſonanten faſt überall, beſonders aber nach ♣b́, ḿ,
ń, ṕ, ŕ, ẃ♠ (ſiehe §. 7.).

3) Endlich im Maſc. und Neutr. des Genit. und Dat. Sing. der Adjective,
Pronomine, und Participe: ♣eho♠ und ♣emu,♠ wie es im hohen Style bei den
Proteſtanten üblich iſt (die Katholiken ſagen ♣oho, omu); dobreho♠ des
guten, ♣jeho♠ ſein, ♣temu♠ dieſem, ♣wońacemu,♠ dem riechenden.

4) Endlich wird ♣e♠ nach ♣c, z, s♠ häufig auch wie ♣y♠ geſprochen, als:
♣ceɫy♠ ganz, ♣sedać♠ ſitzen.

♣o:♠ Hat einen doppelten Laut:

α) Den hellen, langen wie in »ohne, Ohr,« und zwar:

1) Vor ♣b, ch, f, g, k, ł, m, p, ṕ, v, w, ẃ,♠ z. B. ♣woɫać♠ rufen,
♣woko♠ Auge, ♣poẃazk♠ Band; deßhalb verändern die Präpoſ. ♣do, po, wo♠
ihren urſprünglich kurzen und breiten ♣o-♠ Laut in den hellen, wenn ſie
bei Zuſammenſetzungen vor dieſe Conſonanten treten; wenn aber die
genannten Präpoſ. mit einem Nomen (Subſt. Adject. Pronom. Zahlworte)
zuſammen kommen, ſo erhalten ſie dieſen hellen Laut nur dann, wenn der
Ton auf der Präpoſ. liegt, das heißt, wenn ſie mit dem Nomen ein Wort
bilden; ſo ſpricht man: ♣poẃedŕe♠ und ♣po ẃedŕe♠ nach dem Wetter,
gewöhnlich wohl unterſcheidbar; jedoch hört man auch im letztern Falle
den hellen Laut.

2) Oft auch vor dem Conſonanten ♣h,♠ beſonders aber, und zwar immer im
Maſc. und Neutr. Gen. des Genit. und Dat. Sing. der Adjective,
Pronomina, Participien und der Zahlwörter, nach der Form der
Katholiſchen auf ♣oho♠ und ♣omu,♠ z. B. ♣tsećoho♠ des dritten, ♣jomu♠
ihm.

ß) Den kurzen, breiten, wie in »Gott, fort«; und zwar:

1) Vor allen übrigen Conſonanten, vor denen es nicht hell iſt, z. B.
♣sotsje♠ der Schweſter, ♣sɫodžić♠ wohlſchmecken, ♣dońesć♠ hintragen.

2) Am Ende der Wörter (vielleicht immer); z. B. ♣skoro♠ bald, ♣žwańo♠
das Kauen.

♣ó♠ iſt dumpf, dem ♣u♠ verwandt (polniſch ♣ó,♠ čechiſch ♣ů♠), wie ♣u♠ in
»murren, Fuhrmann«; z. B. ♣štó♠ wer, (ſlaw. ♣kto), dwór♠ Hof, (ſlaw.
♣dwór, dwůr♠).

♣ė♠ wie ♣i♠ in »mir,« oder ♣ie♠ in »frieren«, z. B. ♣jėž♠ Igel, ♣wėra♠
Glaube. ♣y♠ dunkel, wie ♣i♠ in »irgend, irden, wirren«, z. B. ♣zyma♠
Kälte, ♣cybać♠ raufen.

§. 10. Dyphthongen.

Die Dyphthongen werden im Serbiſchen etwas länger gelautet, als die
gewöhnlichen Vocale, das heißt, ſie werden ein wenig <pb
n="29"/>gedehnt. Sie ſind alle durch Zuſammenſetzung der einfachen
Vocale mit ♣j♠ gebildet.

♣aj: kraj, tajny, haj, raj, daj, wołaj.♠

♣ój: hnój, mój, stój, dójće♠ (melket).

♣uj: wuj, pluj, kupuj, darujće.♠

♣ej: dejće♠ (melket), ♣heja♠ Schlägel, ♣popšej.♠

♣ėj: smėj so, hrėj.♠

♣yj: myj, kryj, ryjće.♠

♣ij: pij, kij, wolij, klij.♠

1. Anmerkung. In ♣jdu (idu)♠ ich gehe, wird ♣j♠ ſtets in ♣ń♠ verwandelt,
ſobald eine Präpoſition vor daſſelbe kommt: ♣nańdu♠ ich finde, ♣dóńdu♠
ich gehe bis hin, ♣wuńdu♠ ich gehe aus, ♣nadeńdu♠ ich ſtoße auf etwas,
♣zeńdže so♠ es geht an.

2. Anmerkung. Eine unregelmäßige Art von Dyphthongen entſteht durch die
Gewohnheit der Serben, daß sie in Wörtern, wo ♣i♠ auf ♣w♠ folgt, dieſes
wie ♣j♠ ausſprechen; z. B. ♣prawic̀,♠ ſpr. ♣prajic̀,♠ daher ♣praẃće♠ ſpr.
♣prajće,♠ ſaget; ♣ɫowic̀♠ ſpr. ♣wojic̀,♠ daher ♣ɫóẃach♠ ſpr. ♣wójach♠ (wie
es der ſelige Tecelin ſtets ſchrieb); ♣wotmɫowic̀♠ (Seiler ♣wotmoɫwic̀♠)
ſpr. ♣wotmojić,♠ daher ♣wotmɫoẃec̀♠ öfters antworten und ♣wotmłoẃich,
wotmłoẃach,♠ ſpr. ♣wotmojec̀, wotmojich, wotmojach♠ (vom altſlaw.
♣mlwiti,♠ ruſ. ♣molwiť,♠ čech. ♣mluwiti,♠ poln. ♣mówic̀♠ ſtatt ♣mɫówic̀)♠.

§. 11. Buchſtaben-Verwandelung.

So ſehr auch unſere ſerbiſche Sprache in Hinſicht ihrer Ausbildung und
Vervollkommnung den anderen Slawinen nachſteht, ſo wird ihr doch
Niemand, der ſie genauer kennen lernt, den Ruhm ſtreitig machen wollen,
daß ſie in Wohlklang und Zartheit allen andern gleich geſtellt werden
muß. Ihr Genius buldet keine Härte, ja er ſieht für Härte an, was andere
Slowenen ſehr leicht ausſprechen (ſiehe ♣ts♠ und ♣ds♠ in §. 3. ♣A).♠
Daher wird im Serbiſchen oft ein Buchſtabe mit einem andern (ähnlichen)
vertauſcht, das heißt, in einen homogenen verwandelt. Zwei durchaus
geltende Regeln ſind:

1) Der Vocal ♣a♠ geht immer in den Umlaut (das helle) ♣e♠ über, ſo bald
er zwiſchen zwei weichen Conſonanten (§. 9.) zu ſtehen kommt.[5]⁾

2) Vor ♣i♠ und ♣ė♠ gehen die harten Conſonanten in weiche (gewiſſe auch
in ♣z, dz, c♠) über.

Dieſes Alles wird aus folgenden Beiſpielen klarer werden. Es geht über:

<pb n="30"/>

♣a♠ in ♣e,♠ z. B. ♣c̀ahnu, ćehńeš♠ du zicheſt; ♣ŕany, ŕeńši♠ ſchöner.

♣e♠ in ♣ė,♠ z. B. ♣ŕec♠ ſagen, ♣ŕėkam♠ ich heiße.

♣ó♠ in ♣o,♠ z. B. ♣dwór♠ Hof, ♣dwora♠ Genit.

♣o♠ in ♣ó,♠ z. B. ♣pósɫać♠ ſchicken, von ♣po; dóstac̀♠ erhalten, von
♣do.♠

♣o♠ in ♣e,♠ z. B. ♣skoro♠ bald, ♣skeŕe.♠

Conſonanten. 1) Hart in hart.

♣d♠ in ♣ds; mɫody♠ jung, ♣mɫódsi,♠ Compar.

♣dk♠ in ♣ds; sɫódki♠ ſüß, ♣sɫódsiši,♠ Compar.

♣t♠ in ♣c; pluskotam♠ ich plätſchere, ♣pluskoceš,♠ du.

♣tr♠ in ♣ts; bratr♠ Bruder, ♣bratse,♠ Vocat.

♣t♠ in ♣ts; bohaty♠ reich, ♣bohatsi♠ anſtatt ♣bohatši.♠

♣tk♠ in ♣ts; krótki♠ kurz; ♣krótsi,♠ Comp. ♣pokrótsic̀; nėtsiši♠ jetzig.

♣h♠ in ♣z; smuha♠ Streifen, ♣dwė smuzy.♠

♣g♠ in ♣dz; figa♠ Feige, ♣fidzy,♠ Dat.

♣k♠ in ♣c; muka♠ Mehl, ♣mucy; ṕeku♠ ich backe, ♣ṕec♠ Infinitiv.

2) Hart in weich.

♣w♠ in ♣ẃ; sɫowo♠ Wort, ♣na sɫoẃe.♠

♣b♠ in ♣b́; swojba♠ Geſchlecht, ♣swojb́e.♠

♣p♠ in ♣ṕ; stop♠ Fußſtapfe, ♣na stoṕe.♠

♣m♠ in ♣ḿ; zyma♠ Winter, ♣w zyḿe.♠

♣n♠ in ♣ń; syno♠ Heu, ♣w syńe.♠

♣ɫ♠ in ♣l; kotoɫ♠ Keſſel, ♣w kótle,♠ Loc.

♣r♠ in ♣ŕ; dwór♠ Hof, ♣dwoŕe,♠ Local Sing.

♣z♠ in ♣ž; kńez♠ Herr, ♣kńeže!♠ o Herr!

♣s♠ in ♣š; nosyć♠ tragen, ♣nošu♠ ich trage.

♣d♠ in ♣dž; bród♠ Fuhrt, ♣w bródže; huzda♠ Zaum, ♣huzdže.♠

♣t♠ in ♣c̀; wrota♠ das Thor; ♣wo wroc̀och♠ unter dem Thore.

♣t♠ in ♣č; žoɫty♠ gelb, ♣žoɫči♠ gelber.

♣c♠ in ♣c̀; swėca♠ Licht, ♣swėc̀ic̀♠ leuchten.

♣c♠ in ♣č; krawc♠ Schneider, ♣krawče!♠ Vocat.

♣h♠ in ♣ž; wuha (wɫóha) liquor♠ Feuchtigkeit, ♣wužny♠ näßlich.

♣ch♠ in ♣š; paduch♠ Dieb, ♣paduší.♠

♣k♠ in ♣c; laku so♠ ich bekomme Ähren, ♣lečeš so♠ du.

§. 12. Accent.

An die Ausſprache der Buchſtaben ſchließt ſich unmittelbar die Betonung
an; das iſt, jene Art, die Worte auszuſprechen, wo eine oder mehrere
Sylben, durch eine ſchärfere Accentuirung aus den anderen herausgehoben
werden. Dieſes geſchieht im Lauſitziſch- ſerbiſchen immer in der erſten
Sylbe; die erſte Sylbe hat daher <pb n="31"/>immer den Ton; z. B.
♣wo̅ɫac̀♠ rufen, ♣po̅woɫańo,♠ Berufung, ♣ro̅zpowoɫanymi♠ denen in
verſchiedene Richtungen berufenen, ♣ńe̅dać♠ nicht geben. Aus dieſen
Beiſpielen iſt ſchon erſichtlich, daß die Zuſammenſetzung mit Präpoſ.
(auch mit dem Wörtchen ♣ńe♠) der erſten Sylbe den Ton nicht raubt, und
ſollte dabei die Hauptſylbe im Stammworte auch an die dritte Stelle
kommen. Wenn dagegen ein anderes Wort (keine Präpoſ. und nicht ♣ńe♠) mit
noch einem ſolchen zuſammentritt, ſo verliert keines ſeine urſprüngliche
Betonung; aber mit dem Unterſchiede, daß, wenn das voranſtehende Wort
ein einſylbiges iſt, daſſelbe den Überton erhält; iſt aber daſſelbe ein
zwei- oder mehrſylbiges, ſo behalten ſie beinahe eine gleiche
Accentuation; z. B. ♣zn͞ak - pa̅ńeńo♠ das Fallen auf den Rücken,
♣won͞hońeńo,♠ Hinaustreiben; dagegen ♣de̅ŕe - zda̅c̀o♠ Wohlgefallen,
♣wy̅soko - ladańo♠ das Hochhinaufſehen. Hievon ſind nur die fremden
Wörter ausgenommen, denn ſie behalten ihren Accent; daher ♣komandėrwac̀,
buštabėrwac̀, regėrwac̀; haptýka♠ Apotheke.

Wenn ein Subſtantiv mit einer Präpoſition ſo verbunden wird, daß auf
jenem kein Nachdruck liegt, ſo bilden beide zuſammen nur ein Wort
(gleichſam ein Adverb.), und der Ton liegt in der Regel auf der erſten
Sylbe. Daher ein großer Unterſchied zwiſchen ♣po dwoŕe,♠ auf dem Hofraum
her, und ♣podwoŕe,♠ z. B. ♣won podwoŕe wokoɫo chodži,♠ er geht auf dem
Hofe herum; aber ♣won po dwoŕe chodži, ha nic po polu,♠ er geht auf dem
Hofe, und nicht auf dem Felde hin und her.

Stehen mehrere einſylbige Wörter einzeln neben einander, ſo hat
dasjenige den Ton, welches den wichtigeren Begriff enthält; z. B. ♣mój
kńez;♠ mein Herr, ♣ja chcu jėsć♠ ich will eſſen, ♣wón sam♠ er ſelbſt.
Doch ſetzt man, ſo oft es thunlich, das wichtigere Wort voran; daher der
große Unterſchied zwiſchen ♣dži tam♠ und ♣tam dži♠ gehe hin.

Die perſönlichen Fürwörter ♣c̀i, će, sej, so, jom, mu, ho,♠ haben keinen
Accent; ſonſt muß man die volleren Formen ♣tebi, teb́e, sebi, seb́e, jomu
(jemu), joho (jeho)♠ ſctzen.

Die einſylbigen Binde- und andere Wörter haben, wenn ſie neben
accentuirten Wörtern ſtehen, ſelbſt keinen Accent; z. B. ♣ladaj, zo
kupiš,♠ ſiehe, daß du kaufſt; ♣prošeŕo sće byli, ha budžec̀e wostac̀,♠
Bettler ſeid ihr geweſen, und werdet es bleiben.

Gewöhnlich iſt die Sylbe, welche den Ton hat, zugleich auch lang; ſonſt
aber herrſcht in der Poeſie eine außerordentliche Willkühr, beſonders in
den Volksliedern.

<pb n="32"/>

Bildung der Wörter.

§. 13.

Urlaute.

Die ſerbiſche Sprache hat, wie jede andere, urſprüngliche Laute, aus
denen ſie Sylben und Wörter bildet. Dieſe Urlaute ſind theils Vocale,
und in dieſem Falle muß der Vocal als Grundſtoff des Wortes angeſehen
werden; theils Conſonanten, mit welchen die Vocale als Hilfslaute eine
innige Verbindung wirklich eingehen, oder wenigſtens eingehen können.
Solche einfache Vocale und Conſonanten bilden im Sloweniſchen manchmal
ſchon wirkliche Wörter, als: ♣a (ha), i, o (wo); — z♠ und ♣s♠ (♣z♠ mit),
♣k♠ zu. Gewöhnlich aber wird ein Conſonant und ein Vocal, oder zwei,
drei, vier, höchſtens fünf Conſonanten mit einem oder mehreren Vocalen
erfordert, um ein urſprüngliches oder Stammwort zu bilden. Beiſpiele:

1) ♣ja♠ ich, ♣wė-ju♠ werfe, ♣ka-ju so♠ bereue, ♣da-c̀♠ geben.

2) ♣jėd♠ Gift, ♣wėk♠ Jahrhundert, ♣ɫoẃu♠ fange, ♣ruči♠ ſchnell, ♣žur♠
Sauer, ♣šip♠ Pfeil.

3) ♣wuhlo♠ Kohle, ♣wėsty♠ gewiß, ♣bɫóto♠ Koth, ♣bruk♠ Käfer, ♣pšah-ac̀♠
einſpannen, ♣smaha♠ Brach-Feld, ♣žerdž♠ Stange, ♣dŕewo♠ Holz, ♣trub-ic̀♠
blaſen, ♣kroč-el♠ Schritt, ♣kšik♠ Geſchrei.

4) ♣woršta♠ Gebanſe (in der Scheuer), ♣porsk-ać♠ nieſen, ♣dornk-a♠
Schlehe, ♣škrėč-eć♠ ſchreien, ♣sc̀erb♠ Luder, ♣čerstwy♠ friſch, ♣klėchće,
klėšće♠ Zange.

5) ♣šmrók♠ Fichte, ♣škowron (-čk)♠ Lerche.

§. 14.

Bildungsſylben.

Viele von dieſen einfachen Sylben ſind zwar ſchon an ſich vollſtändige
Wörter, wie wir das ſo eben geſehen haben; bei weitem die meiſten aber
bedürfen noch gewiſſer Ausgänge, um wirkliche Redetheile zu werden oder
gewiſſe Verhältniſſe (die der Declination und Conjugation) genau
auszudrücken. (Übrigens ſind faſt alle Urſylben fähig, durch Anwendung
dieſer überaus zahlreichen Bildungsſylben eine große Menge von Begriffen
zu umfaſſen. Am reichſten ſind in dieſer Hinſicht die offenen, d. h. auf
einen Vocal ausgehenden Stammſylben).

Jene nennt man Bildungs-, dieſe Flexions-Sylben. Zu den letzteren
verwendet unſere Sprache häufiger die Vocale, ſeltener die Conſonanten,
wie z. B. bei der Declination und Comparation. Dagegen <pb
n="33"/>finden ſich die Vocale viel ſeltener als Bildungsſylben, da ſie
als ſolche meiſtentheils nur in Verbindung mit Conſonanten vorkommen.
Die Conſonanten aber ſind die eigentlichen bezeichnenden Bildungsſylben;
und zwar ſind alle Conſonanten fähig, als Bildungsſylben verwendet zu
werden. In der Regel nehmen ſie dann einen von den Vocalen zu Hilfe,
jedoch iſt dieſes nicht unumgänglich nothwendig; auch ein einziger
Conſonant kann zu einer Stammſylbe hinzugefügt, einen Redetheil bilden,
z. B. ♣du-ch♠ Geiſt, von ♣du-ju♠ ich blaſe. Oft geſchieht es auch, daß
zwei oder mehrere Conſonanten mit oder ohne Vocal zu einer Stammſylbe
hinzugefügt werden, nur ein Wort, z. B. ♣ba-sńa♠ Gedicht, Fabel, von
♣baju♠ erzähle; ♣kral-estwo♠ Königreich, von ♣kral, kralowna♠ Königin.

§. 15.

Unterſcheidung des Geſchlechtes.

Die Geſchlechter werden in den Redetheilen, welche declinirt und
conjugirt werden können, ſtets genau bezeichnet; und zwar durch:

Männlich. Sächlich. Weibl. oder Männl. Sächlich. Weiblich.

(Conſ.)♣y;♠ ♣o (e),♠ ♣a.♠ ♣i,♠ ♣e,♠ ♣a.♠

♣wón,♠ ♣wono (ne),♠ ♣wona.♠ ♣wšicki[6]⁾,♠ ♣wšicke,♠ ♣wšicka.♠

♣tón,♠ ♣to (te),♠ ♣ta.♠ ♣ćichi,♠ ♣ćiche,♠ ♣ćicha.♠

♣sam,♠ ♣samo (me),♠ ♣sama.♠ ♣nahi,♠ ♣nahe,♠ ♣naha.♠

♣jedyn,♠ ♣jedne (jene),♠ ♣jedna (jena).♠ (♣-gi,♠ ♣-ge,♠ ♣-ga.♠)

♣wół,♠ ♣hoẃadwo,♠ ♣kruwa.♠ ♣naš,♠ ♣naše,♠ ♣naša.♠

♣džeń,♠ ♣dno,♠ ♣studńa.♠ ♣nóž,♠ ♣łožo,♠ ♣stróža[7]^(*)).♠

♣rad,♠ ♣rade,♠ ♣rada.♠ ♣welči,♠ ♣welče,♠ ♣welča.♠

♣strowy,♠ ♣strowo (we),♠ ♣strowa.♠ ♣kukel,♠ ♣polo,♠ ♣kula.♠

♣daɫ,♠ ♣dało,♠ ♣dała.♠ ♣krótsi,♠ ♣krótse,♠ ♣krótsja.♠

♣dany,♠ ♣dane,♠ ♣dana.♠ ♣bėdžeŕ,♠ ♣kuŕo,♠ ♣skora.♠

♣laty,♠ ♣late,♠ ♣lata.♠ ♣dešć,♠ ♣lisćo,♠ ♣horšć.♠

Im Dual.

Männlich. Sächl. Weibl. Männlich. Sächl. Weibl.

♣-aj,♠ ♣-ė, ’e (i), y, ej,♠ ♣-aj,♠ ♣-ė, ’e (i), y, ej.♠

♣dwaj,♠ ♣dwė.♠ ♣mužaj,♠ ♣koži.♠

♣wobaj,♠ ♣wobej, wobi.♠ ♣wowsaj[8]^(**))♠ ♣wsy.♠

♣snopaj,♠ ♣koṕe (kopi).♠ ♣nėmcaj,♠ ♣dwė sći, scė.♠

♣daɫaj,♠ ♣daɫej, dali.♠ ♣taj,♠ ♣tej, c̀i.♠

♣zahnataj, zahnatej, hnac̀i.♠

<pb n="34"/>

Im Plural.

Männlich rat. Sächlich. Weibl. Männl. irrat.

♣i, ojo, oẃe,♠ ♣o, e, a,♠ ♣e, ’e, i.♠

♣sami,♠ ♣samo, e,♠ ♣samo, e.♠

♣strowi,♠ ♣strowo, e,♠ ♣strowo, e.♠

♣dali,♠ ♣dało, e,♠ ♣daɫo, e.♠

♣woni,♠ ♣wone,♠ ♣wone.♠

♣c̀i,♠ ♣te,♠ ♣te.♠

♣wšicy,♠ ♣wšitke,♠ ♣wšitke.♠

♣radži,♠ ♣rade,♠ ♣rade.♠

♣dani,♠ ♣dane,♠ ♣dane.♠

♣leći,♠ ♣late,♠ ♣late.♠

♣mužojo, žoẃe,♠ ♣dna,♠ ♣studńe, dny.♠

♣čɫoẃekojo, oẃe,♠ ♣hoẃadwa,♠ ♣kruwy, woɫy.♠

♣bėdžeŕo,♠ ♣lisc̀a,♠ ♣bėdžeŕe.♠

♣wojacy,♠ ♣kuŕata,♠ ♣wojaki, woŕechi.♠

Bildung der Subſtantive.

§. 16.

Stammſylben als Subſtantive.

Viele Urſylben ſind ſchon an ſich Wörter männlichen Geſchlechts, als z.
B. ♣muž♠ Mann, ♣woŕech♠ Nuß, ♣porst♠ Finger. Auch gibt es reine
Stammſylben, welche für ſich allein Abſtracta darſtellen, obgleich ſie
von Zeitwörtern abgeleitet zu ſein ſcheinen:

♣pšahać: pšah♠ Geſpann; ♣mazać: maz♠ Salbe,

♣padać: pad♠ Fall; ♣pɫakać: płač♠ Weinen.

Einige verwandeln den letzten Conſ. in einen harten:

♣sudžić: sud♠ Gericht. ♣poćic̀: pót♠ Schweiß.

♣kšičeć: kšik♠ Geſchrei. ♣hrėšić: hrėch♠ Sünde.

Einige nehmen vor dem letzten Conſonanten einen Vocal an:

♣mru: mór♠ Sterben, Seuche. ♣pletu: pɫót♠ Zaun.

♣wusnu: son♠ Schlaf, Traum. ♣ḿerznu: mróz♠ Froſt.

Unter den Subſtantiven weiblichen Geſchlechtes gibt es nur ſehr wenige,
welche reine Stammſylben (ohne Bildungsvocal) ſind: ♣kreẃ♠ Blut; ♣kósć♠
Bein; ♣myš♠ Maus; ♣horšć♠ Handvoll, ♣dłóń♠ Handfläche. Sind ſie
Stammſylben zu Zeitwörtern, ſo haben ſie den veränderten Endconſonanten:

♣ryč♠ v. ♣ŕeknu♠ ſage; ♣kup♠ v. ♣kuṕu♠ kaufe.

Auch verändern ſie den Vocal bisweilen:

♣sypam: seṕ♠ Haufe; ♣kłapam (klepam), wo-kleṕ♠ Schütte Stroh.

<pb n="35"/>

§. 17.

Subſtantive mit Vocalen gebildet.

Eine reiche Anzahl von Subſtantiven wird dadurch gebildet, daß man an
die Stammſylbe einen Vocal anhängt. Sehr wenige von ihnen ſind männlich,
z. B. ♣nałožeńa♠ Bräutigam. Bei weitem die meiſten ſind weiblich auf
♣a,♠ und zwar faſt auf alle Conſonanten, hart und weich:

♣šija♠ Hals, ♣skaɫa♠ Fels, ♣kradža♠ Heimlichkeit.

♣trawa♠ Gras, ♣kula♠ Kugel, ♣ṕata♠ Ferſe.

♣huba♠ Lippe, ♣hra♠ Spiel, ♣swėca♠ Licht.

♣kopa♠ Schock, ♣zeŕa♠ Morgen-Abendroth, ♣šwalča♠ Nähterin.

♣konoṕa♠ Hanf, ♣brėza♠ Birke, ♣dróha♠ Straße.

♣tlama♠ Rachen, ♣koža♠ Leder, ♣mucha♠ Fliege.

♣zeḿa♠ Erde, ♣kosa♠ Senſe, ♣figa♠ Feige.

♣wróna♠ Krähe, ♣wólša♠ Erle, ♣sróka♠ Elſter.

♣studńa♠ Brunnen, ♣broda♠ Bart,

Einige verwandeln hiebei den Endconſonanten ihres Stammes vor dem
weichen ♣’a.♠ Es geht über:

♣ɫ♠ in ♣l: ńedzėla♠ Sonntag, v. ♣ńe-džėłać.♠

♣d♠ in ♣z: pšaza♠ Geſpinn, v. ♣pšadu.♠

♣t♠ in ♣c: swėca♠ Licht, v. ♣swėt♠ (in ♣swėt-ły♠).

♣h♠ in ♣ž: ɫuža♠ v. ♣ɫuh♠ Aue (Dorfnaṁe).

♣ch♠ in ♣š: duša♠ Seele, v. ♣duch.♠

♣k♠ in ♣č: šwalča♠ Nähterinn (v. ♣šwalek♠).

Nur zwei gehen auf ♣i♠ aus: ♣kńeni♠ Herrin, ♣pani♠ Frau (letzteres nur
in Volsliedern gebräuchlich); denn die übrigen haben jetzt den Vocal
verloren, und endigen ſich nur auf einen Conſonanten, z. B. ♣mać♠
Mutter, ſtatt ♣maći,♠ wie noch der Vocativ heißt; ♣móc♠ Macht ♣(moci),
ṕėc♠ Backofen ♣(ṕeci)♠ ſind eigentlich Infinitive von ♣ṕeku, ṕec; móz̀u,
móc.♠

Aber auch der Vocal ♣a♠ iſt häufig verloren gegangen, ſobald er weich
war, oder nach ♣z, s♠ und ♣c♠ ſtand. Man hört ihn aber nicht nur in
manchen Gegenden noch unter dem Volke, ſondern in einigen Subſtantiven,
beſonders denen auf ♣ẃ,♠ hat er ſich noch allgemein und auch in der
Schrift erhalten; ſo ſagt man: ♣choroẃa♠ und ♣choroẃ♠ Fahne, ♣ćumpela♠
und ♣c̀umpel♠ Schaukel, ♣bróžńa♠ und ♣bróžeń♠ Scheuer, ♣konoṕa♠ und
♣konoṕ♠ Hanf, ♣hejduša♠ und ♣hejduš♠ Grütze, ♣ródža♠ und ♣ródż♠ Stall
und andere.

Die ſächlichen Hauptwörter endigen ſich alle auf ♣o♠ (budiſſiniſch die
weichen auf ♣e♠).

♣prawo♠ Recht, ♣ṕero♠ Feder, ♣zelezo♠ Eiſen.

♣ńeb́o♠ Himmel, ♣moŕo♠ Meer, ♣ɫožo♠ Bett.

♣zorno♠ Korn, ♣wuhlado♠ Dachfenſter, ♣proso♠ Ferkel.

<pb n="36"/>

♣jėdžeńo♠ Eſſen, ♣lėto♠ Jahr, ♣lico♠ Wange.

♣koło♠ Rad, ♣lėćo♠ Sommer, ♣wucho♠ Ohr.

♣polo♠ Feld, ♣pićo♠ Trinken, ♣woko♠ Auge.

Hier müſſen noch beſonders gewiſſe Subſtantive auf ein weiches ♣’o (’e)♠
herausgehoben werden, weil ſie eine conſtante Bedeutung haben. Sie ſind:

1) Die Namen der Jungen der Thiere, ♣zrėb́♠ Fohlen, ♣ćelo♠ Kalb, ♣jehńo♠
Lamm, ♣džėćo♠ Kind, ♣proso♠ Ferkel, ♣hólčo♠ Knäblein.

2) Die Verbalſubſtantive, als: ♣pic̀o♠ Trinken, ♣wo-rcńo♠ Ackern.

3) Die Collective, bei uns ſelten, z. B. ♣lisc̀o♠ Laub.

§. 18.

Bildung des Subſtantivums durch Bildungsſylben.

Im §. 14. wurde geſagt, daß die Conſonanten auf die mannichfaltigſte Art
angewendet werden um Hauptwörter zu bilden; die Bedeutung, die ſolche
Bildungsbuchſtaben mit ſich führen, kann man nur aus den Beiſpielen
näher erkennen.

♣α) j, aj, ej, ij,♠ männl. ♣ja, eja,♠ weibl.

♣j: napoj♠ Trank v. ♣pić; pokoj♠ Ruhe v. ♣počiju, wotpočnu; wuj♠ Vetter;
♣hnój♠ Dünger v. ♣hniju.♠

♣aj: rataj.♠ Ackersmann (niederlauſ.) v. ♣(wo)-rać.♠

♣ej: kročej (kročel)♠ Schritt v. ♣kroc̀ić; koɫodžej♠ Knöll, Rademacher v.
♣koɫo-dz̀eju.♠

♣ij: wolij♠ Ohl; ♣kolij♠ Knöll.

♣ja: pomyje♠ Spielicht, ♣šija♠ Hals, ♣zmija♠ Otter.

♣eja: nadžeja♠ Hoffnung v. ♣nadžeć so; koleja♠ Gleis v. ♣koɫo♠ (auch
♣nadžija♠ und ♣kolija♠); ♣heja♠ Keule.

♣β) w, aw, ow♠ männl.; ♣wa, awa, owa, oẃ, eẃ, iwa,♠ weibl.; ♣wo, iwo♠
ſächl.

♣w: staw♠ Glied v. ♣stać; wodžew♠ Anzug v. ♣wodžec̀; kryw♠ Dach v.
♣kryju; syw♠ Saat v. ♣syju; hnėw♠ Zorn v. ♣hnu.♠

♣aw: rukaw♠ Ärmel v. ♣ruka.♠

♣ow: šow♠ Nath v. ♣šiju; rów♠ Grab v. ♣ryju.♠

♣wa: bitwa♠ Schlacht v. ♣bić; pastwa♠ Huthung v. ♣pasć; modlitwa♠ Gebet
v. ♣modlic̀ so; hońtwa♠ Jagd v. ♣honic̀; próstwa♠ Bitte v. ♣prosyc̀.♠

♣awa: krokawa♠ Kröte (von dem Naturlaute ♣krok♠); ♣porchawa♠
Staubſchwamm; ♣kuŕawa♠ Nebel v. ♣kuŕu.♠

♣owa: šewcowa♠ Schuſterin v. ♣šewc; kowaŕowa♠ Schmiedin v. ♣kowaŕ♠
(ſiehe Motion der Subſt. §. 21. S. 48.)

♣oẃ: choroẃ♠ Fahne; ♣ponoẃ♠ Pfanne.

♣eẃ: cyrkeẃ♠ Kirche; ♣morcheẃ♠ Mohrrübe; ♣ḿatkeẃ♠ Hausmauke (eine
Mehlſpeiſe); ♣redkeẃ♠ Rettig.

♣iwa: kopšiwa♠ Neſſel.

<pb n="37"/>

♣wo: słowo♠ Wort (v. ♣sɫuju♠); ♣piwo♠ Bier v. ♣piju.♠

♣iwo: ṕečiwo♠ Gebäcke v. ♣ṕeku; zelezwo♠ (ſtatt ♣zelez-y-wo)♠ Eiſen.

♣γ) ab, ob♠ männl.; ♣ba, oba,♠ weibl. abſtract.

♣ab: jeŕab♠ Habicht.

♣ob: kadob♠ Mantel im Kamin v. ♣kadžić; žɫob♠ Spalte.

♣ba: sɫużba♠ Dienſt v. ♣słužic̀; tsylba♠ Schießwerkzeug, beſ. Armbruſt v.
♣tsylic̀; hańba♠ Schande v. ♣hanic̀.♠

♣oba: chudoba♠ Armuth v. ♣chudy; zrudoba♠ Trauer v. ♣rudžic̀ so; wutroba♠
Herz; ♣cyroba♠ Zehrung.

δ) ♣m♠ männl.; ♣ma, yma♠ weibl.; ♣mo, ḿo♠ ſächl.

♣m: kosm♠ Härchen (nur in Caſtv. obliqu.).

♣ma: kosma♠ Haar v. ♣kosa; sɫóma♠ Stroh; ♣korčma♠ Schenke.

♣yma: zyma♠ Kälte.

♣mo: pismo♠ Schrift v. ♣pisac̀; pasmo♠ Gebind von ♣pas; wudmo♠
Schimpfname.

♣ḿo: syḿo♠ Saame v. ♣syc̀; brėḿo♠ Laſt, Malter v. ♣b́eru; wuḿo♠ Euter;
♣znaḿo♠ Zeichen.

♣ε) ńa, an, ’an, on, oń, en, ’eń, yn♠ männl.; ♣na, ’anka, owna, aŕna, ń,
ńa, ni, oń, ona, eń, ena, ińa, ina, yna, una♠ weibl.; ♣no, ańo, ńo,
’eno, ’eńo♠ ſächl.

♣ńa: naɫožeńa♠ Bräutigam.

♣an: boran♠ Stär.

♣’an: mėščan♠ Städter v. ♣mėsto; hoŕan♠ Bergbewohner; ♣dolan♠ Bewohner
von unten; ♣polan♠ Bewohner im Flachland.

♣on: pėston♠ Pfleger; ♣poɫon♠ Wermuth; ♣hawron♠ Rabenkrähe.

♣oń: Liboń♠ Dorfname; ♣baćoń♠ Storch.

♣en: bɫazen♠ Narr; ♣stoṕen♠ Fußſtapfe.

♣’eń: kaḿeń♠ Stein; ♣ječḿeń♠ Gerſte; ♣jeleń♠ Hirſch; ♣koŕeń♠ Wurzel;
♣pšasleń♠ Spinnwirbel.

♣yn: mɫyn♠ Mühle v. ♣mlėju.♠

♣na: kńežna♠ Jungfrau v. ♣kńez; nóžna♠ Scheide v. ♣nóž.♠

♣’ana♠ mit ♣ka: kružanka♠ gedünſtetes Obſt v. ♣kružić; bluwanka♠ das
Ausgeſpiene v. ♣bluwac̀; chowanka,♠ Schlupfwinkel v. ♣chowac̀.♠

♣na♠ mit ♣ow, aŕ♠ (weich ♣’eŕ) kralowna♠ Königin v. ♣kral; Ryćeŕna
(Ryćerina)♠ die Frau des ♣Ryćeŕ♠ (Adject. ſ. §. 21.)

♣ń: dań♠ Zins v. ♣dac̀; pšedań♠ Verkauf v. ♣dać.♠

♣ńa: studńa♠ Brunnen v. ♣studžic̀; sukńa♠ Rock (v. veralt. ♣sukno.♠)

♣ńa♠ mit ♣ow, aŕ, ’eŕ: fikowńa♠ Feigenbaum v. ♣figa, fika; słodžowńa♠
Malzdörre v. ♣sɫód; kowaŕńa♠ Schmiede v. ♣kować; kruwaŕńa♠ Kuhſtall v.
♣kruwa; wowčeŕńa♠ Schafſtall v. ♣wowca; lėṕeŕṅa♠ Ort zum Kleben von
♣lėpiċ.♠

♣ni: kńeni♠ Frau Herrin; ♣pańi♠ daſſ. (in Volkslied.).

♣oń: jabɫoń♠ Apfelbaum.

♣ona♠ mit ♣ka: ḿedonka♠ Honigbirne.

♣ona♠ mit ♣ča: pėstonča♠ Wärterin ♣(pėstońča).♠

<pb n="38"/>

♣eń: tšėšeń♠ Kirſchbaum; ♣studžeń♠ Brunnen; ♣móšeń♠ Beutel; ♣baseń♠
Erzählung v. ♣bać.♠

♣ena: malena♠ Himbeere.

♣ińa: kuchińa♠ Küche.

♣ina: nowina♠ Neuigkeit, Zeitung v. ♣nowy; chudžina♠ armer Menſch v.
♣chudy; zwėŕina♠ Wild v. ♣zwėŕo; ptačina♠ Gevögel v. ♣ptak; bručina♠ das
Gekäfer, Geſammtheit der Käfer v. ♣bruk; woŕešina♠ Haſelnußſtrauch,
Haſelnußgebüſche v. ♣woŕech; hɫubina♠ Tiefe v. ♣hłub-oki; mydliny (na)♠
Seiflacke v. ♣mydɫo; bohina♠ Göttin v. ♣Bóh; židžina♠ Jüdin v. ♣žid;
Šoɫćina♠ Frau Schulzin v. ♣Šołta♠ (Adjectiv. ſ. §. 21.).

♣ina♠ mit ♣owa: šmrókowina♠ Fichtenbuſch v. ♣šmrók.♠

♣yna: Mrózyna♠ Frau Mroſens v. ♣Mróz;♠ (ſiehe §. 21.).

♣una♠ mit ♣ka: marunka♠ die Marunke.

♣no: wokno♠ Fenſter v. ♣woko; huno♠ (ſtatt ♣humno♠) Dreſchtenne; ♣sukno♠
Tuch (alt) v. ♣sukać; Stoɫpno♠ Stolpen, Stadt v. ♣stoɫp♠ Säule.

♣ańo: sykańo♠ Hecker v. ♣sykać♠ eig. Verbale.

♣ńo: rańo♠ Morgen.

♣’eno: wrećeno♠ Spindel v. ♣ẃerćić; koleno♠ Knie v. ♣koɫo.♠

♣’eńo: raḿeńo♠ Achſel, oder ♣raḿo;♠ und alle auf ♣’o,♠ die den Zuwachs
♣’eń♠ (§. 87.) haben; ♣haćeńo♠ (gew. Plur.) Damm v. ♣hat♠ Teich.

♣ζ) ł, la, aɫ, oɫ, el, yl♠ männl.; ♣l, la, ɫa, aɫa, ola, ula, el, iɫa♠
weibl.; ♣ło, lo, adɫo, edɫo, idło, ydɫo♠ ſächl.

♣ɫ: stóɫ♠ Stuhl v. ♣stoju.♠

♣la: ćėsla♠ Zimmermann v. ♣ćesać.♠

♣aɫ: šibaɫ♠ Schelm.

♣oɫ: kozoł♠ Ziegenbock v. ♣koza; wuzoɫ♠ Zummel für kleine Kinder (v.
♣ẃazać); topoɫ♠ Papel; ♣wosoɫ♠ Eſel.

♣el: wuzel♠ ſ. v. als ♣wuzoɫ; stworićel♠ Schöpfer, jetzt ♣stworićeŕ♠
(ſiehe ♣eŕ♠); ♣pšećel♠ Freund v. ♣pšeju; kašel♠ Huſten; ♣džeržel♠ Stange
am Dreſchflegel v. ♣džeržeć.♠

♣yl: mozyl♠ Schwiele.

♣l: mysl♠ Gedanke.

♣la: jėdla♠ Tanne; ♣husla♠ Geige; ♣jasla♠ Krippe.

♣ła: johła♠ Nadel; ♣kobɫa♠ Stutte; ♣mhła♠ Nebel.

♣aɫa: šćerkała♠ Klirrding v. ♣šćerkać; pukała♠ Knallbüchſe v. ♣pukać;
škrėkała♠ Vogel.

♣ola: rola♠ Acker.

♣ula: pocpula♠ Wachtel; ♣kokula♠ Kukuk; ♣košula♠ Hemd; ♣čapula♠ Reiger.

♣el: kudžel♠ Rocken; ♣kupel♠ Bad v. ♣kupać; kwičel♠ Krametsvogel;
♣kročel♠ Schritt v. ♣kročić; mróčel♠ Wolke v. ♣mrók; tačel♠ Scheibe im
Butterfaſſe; ♣ḿetel♠ Schmetterling, Wiſch v. ♣ḿetu.♠

♣ila: chwila♠ Weile.

<pb n="39"/>

♣ɫo: džėło♠ Werk; ♣sedło♠ Sattel v. ♣sedžeć; mydɫo♠ Seife; ♣ŕebło♠ Rippe
v. ♣ŕab.♠

♣lo: maslo♠ Fett; ♣sadlo♠ Schweinefett.

♣adło: škrėčadło,♠ etwas Schreiendes z. B. Kind v. ♣škrėčeć.♠

♣edɫo: motedło♠ Weife v. ♣motać.♠

♣idɫo: wónidɫo♠ Glied bei der Kette; ♣kadžidɫo♠ Rauchfaß; ♣čornidɫo♠
Wachs mit Ruß zum Schwärzen des Fadens beim Nähen von ♣čorny.♠

♣ydɫo: nosydɫa♠ Trage von ♣nosyc̀; wisydlo♠ der unter dem Dache hängende
Korb zum Trocknen der Käſe und dergl. v. ♣wisac̀; kosydlo♠ Schlinge,
Falle v. ♣kosa.♠

♣η) r, ar, aŕ, or, oŕ, er, eŕ, yr♠ männl.; ♣ra, ora, eŕ, era♠ weibl.;
♣ro, oro♠ ſächl.

♣r: dar♠ Gabe v. ♣dac̀; wėtr♠ Wind v. ♣wėc̀.♠

♣ar: war♠ Gebräue v. ♣waric̀.♠

♣aŕ: ṕekaŕ♠ Bäcker v. ♣ṕeku; kowaŕ♠ Schmied v. ♣kować; žónkaŕ♠
Weiberfreund v. ♣żona; ɫhaŕ♠ Lügner; ♣knihaŕ♠ Buchhändler.

♣or: sochor♠ Hebebaum; ♣kocor♠ Kater v. ♣koc; pazor♠ Kralle; ♣wichor♠
Windſturm; ♣kačor♠ Enterich v. ♣kača, kačka; jėzor♠ See; ♣ganzor♠
Gänſerich, poln. ♣gesior.♠

♣oŕ: piskoŕ♠ Peiſker (Fiſch) v. ♣piskać; twóŕ♠ Iltis (♣tchor♠ v. ♣tchu,
tchnu); Radwoŕ♠ Radibor, Dorf mit Kirche.

♣er: meister♠ Meiſter; ♣Wuher♠ Ungar.

♣’eŕ: bėdžeŕ♠ Kämpfer v. ♣bėdžić; stworićeŕ♠[9]⁾ Schöpfer v. ♣stworić;
hornčeŕ♠ Töpfer v. ♣hornc; mečeŕ♠ Schwertfeger v. ♣meč; zwońeŕ♠ Läuter
v. ♣zwón; pucheŕ♠ Blaſe; ♣pazdžeŕ♠ die Hacheln vom Flachſe; ♣pac̀eŕ♠
Koralle.

♣yr: pastyr♠ Hirt v. ♣pasć.♠

♣ra: sotra♠ Schweſter; ♣s̀kra♠ Funke.

♣ora: sykora (orka)♠ Meiſe; ♣kuntwora♠ Mücke.

♣’eŕ: mac̀eŕ♠ Mutter v. ♣mać; kudžeŕ♠ Locke; ♣ẃečeŕ♠ Abendeſſen.

♣era: sekera♠ Beil v. ♣sekać, sykać.♠

♣ro: jadro♠ Kern; ♣ẃedro♠ Wetter; ♣b́edro♠ Lende; ♣slėbro♠ Silber;
♣jatro♠ Leber.

♣oro: toporo♠ Axtſtiel.

♣θ) d♠ männl.; ♣da, ada, oda, dž, ’edž♠ weibl.; ♣do♠ ſächl.

♣d: zad (zadk)♠ Hintertheil v. ♣za.♠

♣da: kšiwda♠ Unbill; ♣prawda♠ Gerechtigkeit v. ♣prawy; wostuda♠
Langweiligkeit; ♣dudy, dudki♠ Sackpfeife v. ♣duju; kłóda♠ Gefängniß;
♣čróda♠ Herde; ♣brózda♠ Furche; ♣huzda♠ Zaum.

♣ada: hromada♠ Haufe; ♣b́esada♠ Geſellſchaft.

<pb n="40"/>

♣oda: łahoda♠ Schlankheit; ♣zahroda♠ Garten; ♣jahoda♠ Beere; ♣swoboda♠
Freiheit.

♣dž: ṕedž♠ Spanne v. ♣ṕeć; žerdž♠ Stange; ♣jėdž♠ Speiſe v. ♣jėm.♠

♣edž: čeledž♠ Geſinde; ♣poḿedž♠ Mehlthau.

♣do: hnėzdo♠ Neſt.

♣ι) t, ’at, ot, et♠ männl.; ♣ta, ota,♠ weibl.; ♣to, yto♠ ſächl.

♣t: šept♠ Geziſchel; ♣čert♠ Teufel v. ♣čorny (černy).♠

♣’at: poḿatk♠ Gedächtniß (mit ♣k♠).

♣ot: žiwot♠ Leben v. ♣žiwy; klepot♠ Geklapper von ♣klepaé; hrimot♠
Donnern v. ♣hrimac̀; rokot♠ Saalweide; ♣tšepot♠ das Zittern.

♣’et: krib́et♠ Rücken.

♣ta: pokuta♠ Buße; ♣ɫopata♠ Schaufel; ♣ńeẃesta♠ Braut.

♣ota: čistota♠ Reinheit v. ♣čisty; nahota♠ Blöße v. ♣nahi; robota♠
Robott v. ♣robic̀♠ arbeiten, ungebr; ♣syrota♠ Waiſe.

♣to: žito♠ Getreide (v. ♣žiju♠ ſlaw. leben); ♣ćėsto♠ Teig.

♣yto: kopyto♠ Leiſten; ♣(koryto) korto♠ Trog.

♣ϰ) c̀♠ männl.; ♣ć, ći, ać, ’eć, uc̀, yc̀♠ weibl.; ♣ćo, ećo♠ ſächl.

♣ć: wėchć♠ Wiſch; ♣ɫóhé♠ Ellenbogen; ♣nóhc̀♠ Nagel.

♣ć: nać♠ Kräutig bei Wurzelgewächſen; ♣nić♠ Faden; ♣kić♠ Traube; ♣sḿerć♠
Tod v. ♣mru; poẃesć♠ Erzählung v. ♣poẃedžic̀; šėsć♠ ſechs.

♣ći: mac̀i♠ Mutter.

♣ać: džesac̀♠ zehn.

♣’ec̀: sńec̀♠ Brand im Getreide; ♣džeẃeć♠ neun.

♣uć: puć♠ Weg.

♣yć: syć♠ Netz.

♣ćo: byćo♠ Weſen v. ♣być; čućo♠ Gefühl v. ♣čuju; syćo♠ Säen,
Herbſtfutter v. ♣syć.♠

♣ećo:♠ (liegt bei dem Zuwachs im Genitiv [♣V.♠ Decl.] zum Grunde) ♣ŕešo♠
Sieb ♣rešec̀a; c̀elo♠ Kalb ♣ćeleća; sẃećo♠ Heiligenbild.

♣oćina: suchoćina♠ Dürre v. ♣suchi.♠

♣λ) az, óz, ’az, ’ez♠ männl.; ♣uza, zń, izna♠ weibl.

♣az: mosaz♠ Meſſing.

♣óz: bóz♠ Flieder.

♣’az: wic̀az♠ Sieger; ♣rećaz♠ Kette; ♣drób́az♠ Kleinigkeiten.

♣’ez: kńez♠ Herr v. ♣kóń; peńez♠ Geldſtück v. ♣pen.♠

♣uza: haɫuza♠ Aſt.

♣zń: kazń♠ Gebot.

♣izna: podobizna♠ Ähnlichkeit; ♣bėlizna♠ Rinde, Schale v. ♣bėlié;
nadobizna♠ Überfluß v. ♣nadob; mydlizny♠ Seifenlacke v. ♣mydɫo.♠

♣μ) ož♠ weiblich.

♣ož: rož, rže♠ Roggen.

♣ν) s, as, os♠ männl.; ♣seń, sńa♠ weibl.

♣s: kłós♠ Ahre v. ♣kɫóć; čas♠ Zeit; ♣wɫós♠ Haar.

♣as: móras♠ Schwarzer; ♣Húntas♠ Eigenname; ♣karas♠ Fiſch, Karauſche;
♣čórbas♠ Waſſerbüttich.

<pb n="41"/>

♣os: kondros♠ Hackſch, der Eber.

♣seń: baseń♠ Gedicht v. ♣bać; pėsń♠ Lied v. ♣pėju.♠

♣sńa: pėsńa♠ Lied ♣(pėsnic̀ka)♠ v. (alt) ♣pėju.♠

♣ξ) sć, šć♠ männl.; ♣isć, osć, šć♠ weibl.; ♣stwo♠ ſächl.

♣sć: Husć♠ Dorfname.

♣šć: des̀ć♠ Regen.

♣isć: zawisć♠ Neid.

♣osć: žadosć♠ Begierde v. ♣žadać; česnosć♠ Ehrbarkeit von ♣česny;
bolosć♠ Schmerz v. ♣boleć; radosć♠ Freude v. ♣rady.♠

♣šć: Boršć♠ Dorfname.

♣stwo: ptačstwo♠ die Vögel; ♣duchownstwo♠ Geiſtlichkeit; ♣kšesćijanstwo♠
Chriſtenthum, als Lehre und als Gemeinde; ♣wopiɫstwo♠ Trunkenheit;
♣wobžraɫstwo♠ Fraß.

♣ο) sko, isko, ysko; išćo, yšćo, šćo; ’ešćo♠ ſächl.

♣sko: wojsko♠ Heer v. alt. ♣woj♠ (Adject. auf ♣ski♠).

♣isko, ysko:♠ (Amplificat. Indignat.) ♣kruwisko♠ ſchlechte Kuh v.
♣kruwa; z̀onisko♠ großes, plumpes Weib v. ♣žona; wozysko♠ plumper Wagen
v. ♣wóz.♠

♣išćo: pastwišc̀o♠ Weide v. ♣pasć; wóhnišćo♠ Feuerherd v. ♣woheń;
matwišćo♠ kleines Äſtchen, woran die Früchte hängen; ♣šćernišćo♠
Stoppelfeld; ♣ječnišćo♠ (ſtatt ♣ječmenišćo♠) Gerſtenfeld von ♣ječmeń;
hnójišćo♠ Gedünge v. ♣hnój;♠ (Amplificat. Indignat.) ♣mużišćo♠ plumper
Mann v. ♣muž; žonišćo♠ plumpes Weib v. ♣žona; zelišćo♠ (Erdbirn-)
Kräutig v. ♣zelo.♠

♣šc̀o:♠ verkürzt anſtatt ♣išćo: toporšćo♠ großer Axtſtiel v. ♣toporo;
torhošćo♠ Marktplatz (v. ♣torh♠ ungebr.); ♣hróchońšćo♠ Erbſenfeld v.
♣hróch.♠

♣ešcȯ: poslešćo♠ (Feder-) Bett v. ♣sɫać.♠

♣π) uš, iš♠ mänl.; ♣yš, oš, ša, uš, uša, uška♠ weibl.

♣uš: papruš♠ Farrenkraut.

♣iš: towariš♠ kurz, ♣towarš♠ Genoſſe.

♣yš: łopyš♠ Schweif.

♣oš: kokoš♠ Henne.

♣ša: płowša♠ Kuhname, Falbe.

♣uš: hejduš♠ Haidekorn.

♣uša: mitruša♠ Kuhname, Rothſtrime ♣(pitruše).♠

♣uška: hejduška♠ Haidekorn; ♣Maruška♠ Mariechen v. ♣Maŕa;♠ ſ. Dimin.

♣ϱ) c, ac♠ männl.; ♣ca, ica, enica♠ weibl.; ♣co♠ ſächl.

♣c: wótc♠ oder ♣wócc♠ Vater: ♣wudowc♠ Wittwer v. ♣wudowy; samc♠ oder
♣sanc♠ Männchen bei Vögeln v. ♣sam; tkalc♠ Weber; ♣šewc♠ Schuſter v.
♣šow (šew); Kaḿeńc♠ Kamenz, Stadt, v. ♣kaḿeń; młodženc♠ Jüngling v.
♣mɫody♠ mit ♣en;♠ eben ſo ♣końenc♠ Pferdſtall von ♣kóń; palenc♠
Branntwein von ♣palic̀.♠

♣ac: zajac♠ Haaſe; ♣mėsac♠ Mond.

♣ca: wowca♠ Schaaf; ♣ranca♠ Mutterſchwein; ♣próca♠ Mühe.

<pb n="42"/>

♣ica: bɫaznica♠ Närrin v. ♣bɫazen; trojica♠ Dreiheit, heil.
Dreieinigkeit v. ♣troji; młynica♠ der Theil der Mühlgebäude, wo die
Gänge ſind, v. ♣mɫyn; humenica♠ Tennenwand von ♣humno; prawica♠ die
Rechte v. ♣prawy; sɫužobnica♠ Dienerin v. ♣słužobny.♠

♣enica♠ aus ♣en♠ und ♣ica: hoŕenica♠ das herrſchaftliche Mädchen,
Stubenmädchen, die oben, d. i. im herrſchaftlichen Schloße dient;
dagegen ♣delenica♠ das untere Zimmer im Wirthſchaftsgebäude, wo das
Hofgeſinde wohnt; ♣pinca♠ anſtatt ♣piwnica♠ (Bier-) Keller v. ♣piwo.♠

♣co: sɫónco♠ Sonne.

Auch Diminutive werden vermittelſt dieſes Ausganges gebildet.

♣c: stół♠ großer Armſtuhl, Thron, dergl. ♣stólc♠ kleiner Stuhl.

♣ica: Kubica♠ Eigenname v. ♣Kuba♠ Jakob; ♣stwica♠ das Nebenzimmer für
den Bauer allein, wohin das Geſinde nicht kommt, v. ♣stwa.♠

Anmerkung. Bei weitem häufiger jedoch werden die Verkleinerungsformen
auf: ♣c, ica, co♠ nur in Verbindung mit ♣k, ka, ko♠ gebraucht; ſ. dieſes
♣sub χ.♠

♣σ) č, ač, oč, ič,♠ männl.; ♣ča, čina♠ weibl.

♣č: kółč♠ Bienenſtock.

♣ač: drač♠ Schinder v. ♣drėju, dru; rypač♠ Handinſtrument zum Ausgraben
v. ♣rypać; ɫopač♠ Schaufel; ♣kołač♠ Kuchen, alt, ein Brod zum
Verſchenken, Waizenbrod; ♣srač♠ Abtritt v. ♣seru.♠

♣óč: papróč♠ Farrenkraut.

♣ič: bič♠ Schlägel v. ♣biju; wič♠ Gicht v. ♣wiju; pič-k♠ Trinker v.
♣piju.♠

♣ča: cyhelńča♠ (oder ♣-ca♠) Ziegelhütte; ♣šwalča♠ Nähterinn.

♣čina: ńedželčina♠ Wöchnerinn; ♣pawčina♠ Spinnenwebe.

♣τ) h, oh, uh,♠ männl.; ♣uha♠ weibl.

♣h: bróh♠ Ufer.

♣oh: twaroh♠ Quark v. ♣twar, twor.♠

♣uh: płuh♠ Pflug; ♣ɫuh♠ Lauge, Aue.

♣uha: wotruha♠ Sporn v. ♣wótry.♠

♣υ) ch, óch, uch♠ männl.; ♣ėcha, ocha, ucha♠ weibl.

♣ch: duch♠ Geiſt v. ♣duju; smėch♠ Lachen v. ♣smėju; čuch♠ Geruch v.
♣čuju.♠

♣óch: pospóch♠ Eile (♣pospochi♠ hintereinander); ♣móch♠ Moos.

♣uch: kuluch♠ Walze v. ♣kuleć; kožuch♠ Pelz v. ♣koža.♠

♣ėcha: tsėcha♠ Dach v. ♣strėju, stru.♠

♣ocha: macocha♠ Stiefmutter (v. ♣mat♠).

♣ucha: pelucha♠ Windel.

♣φ) k, ka, ak, ok, yk, ’ek, ik, ’enik, onk, ušk♠ männl.; ♣ka, yka♠
weibl.; ♣ko♠ ſächl.

♣k: swėdk♠ Zeuge v. ♣swėd; prėdk♠ Vordertheil v. ♣pŕedy; štwórtk♠
Donnerſtag v. ♣štwórty; ṕatk♠ Freitag v. ♣ṕaty; sak♠ Netz.

<pb n="43"/>

♣ka: bražka♠ Hochzeitceremonier; ♣Chėžka♠ Hausbeſitzer, Eigenname v.
♣chėža; šweraka♠ Schelm (♣čtwerák♠ čech).

♣ak: wojak♠ Soldat v. ♣woj; ptak♠ Vogel (vergl. πτᾶῶ); ♣tsećak♠
Drittler, dritter Knecht v. ♣tseći; kozak♠ Steinpilz v. ♣koza; hɫowak♠
Kopfpolſter v. ♣hłowa; wołak♠ Schreihals v. ♣wołać; Polak♠ Pole v.
♣polo; wukɫadwak♠ Ausleger v. ♣wukładwać; worak♠ Ackersmann v. ♣worać;
palak♠ Brenner v. ♣palić; bodžak♠ der gern mit den Hörnern, mit dem
Kopfe ſtößt v. ♣bodu.♠

♣ok: sẃatok♠ Feierabend v. ♣sẃaty.♠

♣yk: jazyk♠ Zunge.

♣’ek: čłoẃek♠ Menſch.

♣ik: syłobik♠ Nachtigall ſtatt ♣słowik; rėznik♠ Fleiſcher v. ♣rėzać;
rólnik♠ Ackersmann v. ♣rola; pomnik♠ Denkmal v. ♣pomńu; słužobnik♠
Diener v. ♣słužu.♠

♣’enik♠ aus ♣eny♠ und ♣ik: hoŕenik♠ der Obere, Ober bei der deutſchen
Karte; ♣delenik♠ der Unter darin.

♣onk: sẃatonk♠ (ſt. ♣sẃatok♠) Feierabend; ♣zdonk♠ Dickdarm.

♣ušk: małušk♠ kleiner Finger v. ♣mały; bėɫušk♠ weißer Beinknopf v.
♣bėły.♠

♣ka: džowka♠ Tochter, Magd; ♣spinka♠ Häftelchen v. ♣spinac̀; wotežka♠
Leitſeil; ♣zeḿanka♠ Edelfrau v. ♣zeḿan♠ (ſiehe Motion §. 21.).

♣yka: motyka♠ Hacke.

♣ko: jabłuko♠ Apfel; ♣bócko♠ Meiſel.

Diminuirte Wörter.

♣χ) k, ak, čk, čik, čičk, ačk, ačičk, ečk, ik, ičk; yk, yčk, yčičk;
’ešk, ušk♠ männl.; ♣ka, čka, ika, ička, ičička; yka, yčka, yčička; inka,
ynka; uška♠ weibl.; ♣ko, čko; iko, ičko; yko, yčko; ačko, ško, ’eško,
’atko♠ ſächlich.

♣k: synk♠ Söhnlein v. ♣syn; pupk♠ kleiner Nabel, Knoſpe v. ♣pup; kusk♠
Bißchen v. ♣kus; džėdk♠ Großväterchen v. ♣džėd.♠

♣ak: posak♠ Hündchen v. ♣pos.♠

♣čk: α) ptačk♠ Vögelein v. ♣ptak; hólčk♠ Knäblein v. ♣hólc; sučk♠
Knötchen von ♣suk. β)♠ als mehr verkleinernd: ♣pupčk♠ kleines Knöſpchen;
♣stawčk♠ kleines Gliedchen v. ♣staw; wėnčk♠ Kränzchen v. ♣wėnc.♠

♣čik, čičk: pupčik, pupčičk; kusčik, kusčičk.♠

♣ačk: synačk♠ Söhnlein; ♣posačk♠ Hündchen; ♣kusačk♠ Bißchen.

♣ačičk♠ aus dem vorigen noch mehr verkleinernd: ♣synačičk, posačičk,
kusačičk.♠

♣ečk: džėdečk♠ Großväterchen v. ♣džėd.♠

♣ik, ičk: hólčik, hólčičk♠ Knäblein v. ♣hólc; kralik, kraličk♠ Königlein
v. ♣kral; konik, koničk♠ Pferdchen v. ♣kóń; nóžik, nóžičk♠ kleines
Meſſer, Federmeſſer v. ♣nóž.♠

Anmerkung. Auch hört man im Scherze ſogar ♣ičičk, kraličičk, koničičk,
nóžičičk.♠

<pb n="44"/>

♣yk, yčk, yčičk: wozyčk, wozyčičk♠ kleiner Wagen v. ♣wóz; mazyčk,
mazyčičk♠ feine Salbe v. ♣maz.♠

♣’ešk: kaḿešk♠ Steinchen v. ♣kaḿ-eń; reḿešk♠ Riemchen v. ♣reḿ-eń;
kiješk♠ Stöckchen v. ♣kij.♠

♣ušk: korušk♠ Wurzelchen v. ♣koreń;♠ auch ♣kamušk, remušk♠ (hart).

♣ka: ručka♠ Händchen v. ♣ruka; kóstka♠ Knöchelchen v. ♣kósć; žabka♠
kleiner Froſch v. ♣žaba; džowka♠ Magd, Tochter (v. alt. ♣dziewa♠).

♣čka: choroẃčka♠ Fähnlein v. ♣choroẃ; pónoẃčka♠ kleine Pfanne v. ♣pónoẃ;
mutelčka♠ kleiner Quirl v. ♣mutel.♠

♣ika, ička, ičička; yka, yčka, yčička: ručička♠ Händchen v. ♣ruka;
kosćička♠ Knöchelchen v. ♣kósć; suknička, sukničička♠ Röckchen v.
♣sukńa; kólnička, kólničička♠ kleiner Schoppen v. ♣kólńa; dušička,
dušičička♠ Seelchen v. ♣duša; kozyčka, kozyčička♠ Zieglein v. ♣koza.♠

♣inka (ynka): studžinka♠ Brünnelein v. ♣studńa; kmótsinka♠ Gevatterin
von ♣kmótra; Katyržinka (zdelnej hórki)♠ Katharinchen (mit ♣ř♠!);
♣dušinka♠ Seelchen.

♣uška: hwėzduška♠ Sternlein v. ♣hwėzda; jamuška♠ kleine Grube v. ♣jama;
Maruška♠ Mariechen von ♣Maŕa.♠

♣ko: wóčko♠ Äuglein v. ♣woko; wuško♠ Ohr von ♣wucho; dŕewko♠ Holz v.
♣dŕewo; łóžko♠ Bettchen v. ♣łožo; krosynko♠ Flügel beim Spinnrocken
(poln. alt Webſtuhl) v. ♣krosno.♠

♣čko: twaŕeńčko♠ Gebäudchen v. ♣twaŕeńo; próḿeńčko♠ Glied beim Flechten
v. ♣próḿo (ḿeńa).♠

♣(iko) ičko; (yko) yčko: pismičko♠ kleine Schrift v. ♣pismo; zeličko♠
Kraut v. ♣zelo, dŕewičko♠ Hölzchen (auch Gartengrün) v. ♣dŕewo.♠

♣ačko: mėstačko♠ Städtchen v. ♣mėsto (mėško).♠

♣ško: nėško♠ Neſtchen v. ♣nėzdo.♠

♣’eško: jadŕeško♠ Körnchen v. ♣jadro; wokńeško♠ Fenſterlein von ♣wokno;
sadleško♠ Fett v. ♣sadlo; syḿeško♠ kleinkörniger Same von ♣syḿo;
ŕebleško♠ Rippe von ♣ŕebło; posleško♠ kleines Bett v. ♣pósɫać,
poslešćo.♠

♣’atko: α)♠ als eigentl. Dimin. ♣mužatko♠ Männchen v. ♣muž; žońatko♠
Weibchen von ♣žona; ṕeŕatko♠ kl. Feder v. ♣ṕero. β)♠ Das Junge von
Thieren bezeichnend: ♣holčatko♠ Mägdlein v. ♣holčo, holca; hólčatko♠
Knäblein v. ♣hólčo, hólc; swińatko♠ kleines (oder) junges Schwein v.
♣swińo. γ)♠ Analogiſch dieſen: ♣ŕešatko♠ kl. Sieb v. ♣ŕešo; sẃećatko♠
Heiligenbild v. ♣sẃećo.♠

§. 19.

Zuſammengeſetzte Subſtantive.

Dieſe ſind ſehr ſelten. Mit Für- und Zahlwörtern ſind zuſammengeſetzt:
♣tydžeń♠ Woche v. ♣ty, tyž♠ dieſer ſlaw. und <pb n="45"/>♣džeń♠ Tag;
♣sobuwučownik♠ Mitjünger; ♣šėsćińedželniča♠ Sechswöchnerin; ♣tsinohi♠
Dreifuß; ♣wšohomócnosć, wšohowėdomosć,♠ Allmacht, Allwiſſenheit und
ähnliche mit ♣wšoho.♠

Mit Beiwörtern: ♣sẃatẃečor♠ Feierabend; ♣dobročińeŕ♠ (beſſer ♣dobroćeŕ♠)
Wohlthäter.

Mit andern Subſtantiven, auch Zeitwörtern: ♣medẃedž♠ Bär, ♣kołmaz♠
Wagenſchmiere; ♣koɫwrot♠ Spinnrad (♣koɫo, wrot♠ v. ♣ẃerćić, wroćić),
kołodžej♠ Rademacher, auch Knöll (weil er radförmig ſich zerwächſt),
♣piwowar♠ Gebräude Bier, ♣półdńo♠ Mittag; ♣północy♠ Mitternacht (nur in
den ♣Cas. obliqu.), kozymór♠ Kraut, Ziegentod, ♣babyduška♠ Quendel,
♣bohabojosć♠ Gottesfurcht, und ähnliche mit ♣boha, ćumpy-łopyška♠
Bachſtelze v. ♣ćumpać♠ ſchaukeln, ♣hudybaba♠ blinde Kuh (Spiel) v.
♣hudać, wudać♠ errathen.

Mit Partikeln; beſonders häufig iſt ♣ńe♠ (deutſch un, nicht): ♣ńečesć♠
Unehre; ♣ńedžela♠ Sonntag von ♣ńe♠ und ♣džėłac̀, póńdžela♠ (contrah.
ſtatt ♣pońedžela♠) Montag, ♣ńedžak♠ Undank, ♣ńekedžbnosć♠ Unachtſamkeit,
♣arcbiskop♠ Erzbiſchof, ♣kołobant♠ Kopfband.

Mit Präpoſ. (ſiehe Bildung der Präpoſ. §. 66.). Die deutſchen
zuſammengeſetzten Hauptwörter drückt der Serbe aus:

♣a)♠ Durch einfache Wörter:

Ziegelhütte ♣cyhelńča,♠ Morgenſtern ♣dženica.♠

Goldſchmied ♣złotnik,♠ Zimmermann ♣ćėsla.♠

Kaufmann ♣kupc,♠ Thiergarten ♣zwėrnica.♠

Handſchuh ♣rukaẃca,♠ Salzfaß ♣sɫónka.♠

Windmühle ♣wėtnik,♠ Taufſtein ♣dupa.♠

Blaukehlchen ♣modračk,♠ Goldammer ♣knadž.♠

Nachtigall ♣syłobik,♠ Grasmücke ♣šėračk.♠

Tiſchtuch ♣rub,♠ Handtuch ♣tŕeńo, ručnica.♠

Bienenhaus ♣čoɫnica,♠ Weingarten ♣winica.♠

♣b)♠ Durch Verwandlung des beſtimmenden Hauptwortes in ein Beiwort:

Hauptſtadt ♣hɫowne mėsto,♠ Blutsfreund ♣kreẃny pšećel.♠

Eckhaus ♣róžkowna chėža,♠ Neuſtadt ♣nowo mėsto.♠

Waſſermühle ♣wódny młyn,♠ Meerwaſſer ♣mórska woda.♠

Sonnenuhr ♣sɫónčny zegeŕ,♠ Gerſtenmehl ♣ječna muka.♠

Weizenbrod ♣pšeńčny chlėb,♠ Rindfleiſch ♣hoẃaze ḿaso.♠

Biereſſig ♣piwne kisało,♠ Nachthemd ♣nócna košula.♠

Fuchsſchwanz ♣lišča łopyš,♠ Hühnerauge ♣kuŕace woko.♠

Oſtwind ♣rańši wėtsik,♠ Kreuzweg ♣kšižowy puć.♠

Zugbrücke ♣zbėhawy móst,♠ Frohnleichnahm ♣bože ćėło.♠

♣c)♠ Endlich durch Umſchreibung mit Präpoſ. und dergl.

Haarpuder ♣próch na włosy,♠ Halstuch ♣rubiško wokoɫo šije.♠

Landes-Herr ♣kraja kńez,♠ Kartenſpiel ♣hra z kartami.♠

<pb n="46"/>

§. 20.

Geſchlecht der Subſtantive.

Der Bedeutung nach ſind männlich alle Subſtantive, welche eine männliche
Perſon, weiblich, welche eine weibliche Perſon bezeichnen, als: ♣muž♠
Mann, ♣ćėsla♠ Zimmermann, ♣šoɫta♠ Schultheiß, ♣syn♠ Sohn; dagegen:
♣žona♠ Weib, ♣mać♠ Mutter, ♣džowka♠ Mädchen (Tochter). Nur die
Augmentativa und Granditiva auf ♣sko, šćo♠ u. ſ. w. (§. 88.) ſind
ſächlichen Geſchlechts, ſie mögen welche Bedeutung immer haben.
Ebenfalls ſächlich ſind auch noch die Subſtantive auf ♣’o, ’e,♠ welche
die Jungen von Menſchen oder Thieren bezeichnen; als: ♣džėćo♠ Kind,
♣pacholo♠ Knäblein, ♣holčo♠ Mägdlein, ♣ćelo♠ Kalb, ♣kózlo♠ Zicklein,
♣zrėb́o♠ Fohlen. Communia ſind: ♣pań♠ Herr und Frau, ♣kołmaz♠
Wagenſchmier, ♣bėl♠ Splint, ♣paćeŕ♠ Koralle, ♣sńec̀♠ Brand im Getreide,
♣zawisć♠ Neid, ♣papruš♠ und ♣papróc̀♠ Farren, dann ♣wic̀♠ Gicht.

Die übrigen Subſtantive laſſen ihr Geſchlecht an dem Ausgange erkennen.
So ſind:

♣a)♠ Männlich faſt auf alle Conſonanten; nämlich auf: ♣j, w (f), b, b́,
p, m, ḿ, n, ł, r, d, t, z, ž, s, c, h, ch, k. Kolij♠ Knöll, ♣kryw♠ Dach,
♣zub♠ Zahn, ♣žłob♠ Spalte, ♣snop♠ Garbe, ♣dom♠ Haus, ♣len♠ Flachs,
♣stół♠ Stuhl, ♣dwór♠ Hof, ♣prut♠ Reis, ♣wóz♠ Wagen, ♣jėž♠ Igel, ♣kłós♠
Ähre, ♣plac♠ Klatſche, ♣róh♠ Horn, ♣móch♠ Moos, ♣suk♠ Knoten.

Ausgenommen ſind hier: auf ♣j: rej♠ der Tanz; auf ♣ž: rož, rže♠ Roggen;
auf ♣s: ẃes♠ Dorf; auf ♣z: kołmaz♠ (männl. u. weibl.) Wagenſchmier; auf
♣c: wėc♠ Sache, ♣pėc♠ Backofen, ♣móc♠ Macht (und Comp.), ♣nóc♠ Nacht.

♣b)♠ Weiblich ſind alle auf ♣a♠ und ♣i,♠ als: ♣trawa♠ Gras, ♣próca♠
Mühe, ♣kńeni♠ Frau, Herrinn, ♣pani♠ (in Volksliedern) daſſelbe.

♣c)♠ Sächlich ſind alle auf ♣o♠ und (weich) ♣e: myto♠ Lohn, ♣sadlo♠
Schmeer, ♣polo (e)♠ Feld, ♣póznac̀o (će)♠ Erkenntniß.

Schwerer iſt das Geſchlecht bei den übrigen Ausgängen zu beſtimmen:

♣ẃ♠ iſt gewöhnlich weibl., als: ♣kreẃ♠ Blut, ♣cyrkeẃ♠ Kirche, ♣ponoẃ♠
Pfanne, ♣choroẃ♠ Fahne, ♣morcheẃ♠ Möhre.

♣ṕ♠ iſt ebenfalls weibl.: ♣konoṕ♠ Hanf, ♣kuṕ♠ Kauf, ♣seṕ♠ Haufe,
♣wokleṕ♠ Strohſchütte.

♣ń♠ iſt faſt durchgehends weibl.: ♣broń♠ Waffe, ♣róžeń (róžan)♠
Bratſpieß. Männl. ſind: ♣kóń♠ Pferd, ♣džeń♠ Tag, ♣woheń♠ Feuer, ♣šeršeń♠
Horniſſe, ♣ječmeń♠ Gerſte, ♣kaḿeń♠ Stein, ♣jeleń♠ Hirſch, ♣koŕeń♠
Wurzel, ♣ćerń♠ Dorn, ♣stupeń♠ Schuh (bei Budiſſin), ♣woń♠ Geruch. ♣Pań♠
Herr und Frau iſt ♣commune.♠

♣l♠ iſt mehr männl. als weibl.; männlich ſind faſt alle auf ♣el: <pb
n="47"/>popel (popeł)♠ Aſche, ♣worcel♠ Stahl, ♣džeržel♠ Handhabe (beim
Dreſchflegel), ♣pšećel♠ Freund und dergl. Weibl. ſind: ♣kukel♠ Treſpe,
♣pruskel♠ Schwiele, ♣ṕerdžel (podex); ḿatkel♠ Speiſe aus Mehl und Waſſer
mit Butter. ♣Bėl♠ Splint iſt Maſc. und Femin.

♣ŕ♠ iſt Maſcul. z. B. ♣bėdžeŕ♠ Kämpfer. Ausgenommen ſind: ♣ẃečeŕ♠
Abendmahl, ♣maćeŕ♠ Mutter, ♣šėŕ♠ Breite, ♣ćėŕ♠ Spur, ♣kudžeŕ♠ Locke.
♣Paćeŕ♠ kenne ich nur Maſc. (Herr Seiler nur Fem.).

♣dž♠ iſt durchgehends weibl.; ♣ṕedž♠ Spanne, ♣ródž♠ Stall; nur ♣ḿedẃedž♠
Bär iſt männl.

♣ć♠ iſt gewöhnlich Femin, ♣mać♠ Mutter, ♣nić♠ Faden, ♣kić♠ Traube. —
Maſc. ſind: ♣wėchć♠ Wiſch, ♣łóchć♠ Ellenbogen, ♣nóhć♠ Nagel. ♣Pué♠ Weg,
und ♣sńec̀♠ Brand im Getreide ſind Maſc. und Fem.

♣sc̀♠ iſt gewöhnlich Fem. ♣kósć♠ Knochen, ♣zɫósć♠ Bosheit, ♣žadosć♠
Begierde, ♣bolosć♠ Schmerz, ♣časc̀ (ḿasa)♠ Stück, ♣česc̀♠ Ehre, ♣lesć♠
Liſt, ♣miłosć♠ Liebe, Güte und ſ. w. Männl. ſind: ♣hósć♠ Gaſt, und
♣Husć♠ Lauſke (Dorfname); ♣zawisć♠ Neid, wird weibl. und männlich
gebraucht.

♣šć♠ iſt durchgehends männl.: ♣dešć♠ Regen; ausgenommen die auf ♣ršc̀♠
(weil auſtatt ♣rsć♠ vergl. ♣hrsť♠) als: ♣horšć♠ Handvoll, ♣ṕeršć♠
lockere Erde. Doch ♣Boršć♠ Forſte (Dorf) bleibt Fem.

♣st♠ iſt faſt durchgehends männl.: ♣móst♠ Brücke, ♣póst♠ Faſte, ♣róst♠
Wuchs, ♣list♠ Brief (Blatt), ♣porst♠ Finger.

♣š♠ iſt weibl.: ♣woš♠ Laus, ♣myš♠ Maus, ♣kokoš♠ Henne. ♣Papruš♠ iſt
männl. und weiblich.

♣č♠ iſt meiſtentheils weibl.: ♣tyč♠ Hopfenſtange, ♣ryč♠ Sprache; männl.
ſind: ♣meč♠ Schwerdt, ♣bič♠ Schlägel, ♣kluč♠ Schlüſſel, ♣płač♠ Weinen,
♣moč♠ Urin, ♣póɫč♠ Speckſeite, und alle mit der Sylbe ♣ač♠ gebildeten,
wie: ♣kołač♠ Kuchen, ♣srač♠ Abtritt. ♣Wič♠ Gicht und ♣papróč♠
Farrenkraut ſind Communia.

§. 21.

Motion der Subſtantive.

Bei den lebendigen Weſen werden zwei Geſchlechter unterſchieden, das
männliche und weibliche. Die Sprache, welche den in der Natur
beſtehenden Dingen Namen gibt, muß daher in den Subſtantiven auch einen
ſolchen Unterſchied machen. Oft bezeichnet ſie denſelben durch zwei
verſchiedene Worte, z. B. ♣muž♠ Mann, ♣žona♠ Weib; ♣wół♠ Ochs, ♣kruwa♠
Kuh. Dieſes iſt faſt in allen Sprachen der Fall; nicht ſo, daß ein und
dasſelbe Wort beide Geſchlechter bezeichnet, wo man dann aus den übrigen
Worten oder dem Sinne der Stelle beſtimmen muß, ob das Männchen oder das
Weibchen gemeint iſt, z. B. ♣pius sacerdos, pia sacerdos,♠ der fromme
Prieſter, die fromme Prieſterinn. Dieſes iſt zum Beiſpiel dem Geiſte <pb
n="48"/>der ſlawiſchen Sprache zuwider. Bei letzteren iſt es dagegen
faſt allgemein, daß ſie zur Bezeichnung des Männchens ein gewiſſes Wort
haben, welches nur eine kleine Veränderung erleidet um das Weibchen zu
bezeichnen; jedoch ſo, daß man ſchon aus der Ähnlichkeit des Namens auf
die Ähnlichkeit des bezeichneten Weſens ſelbſt zuverſichtlich ſchließen
kann. Da das Männchen auch in der Sprache ſeinen Vorzug gegen das
Weibchen behauptet, in ſo fern der Name des Männchens der Stammname für
die Benennung des Weibchens iſt, ſo ſagt man: der Name des Weibchens
werde von dem des Männchens abgeleitet; oder durch Motion des männlichen
Namens entſtehe der weibliche. In der ſerbiſch- ſloweniſchen Sprache
geſchieht dieſes durch Anhängung einer von den Bildungsſylben, ♣owa,
ina, yna, na (scyna), ka♠ auf folgende Weiſe:

♣owa: kołodžej-owa♠ Stellmacherin; ♣Šip-owa♠ Frau Schip (Pfeil);
♣Wróbl-owa♠ Sperlingin (v. ♣Wróbel♠); ♣ṕekaŕ-owa♠ Bäckerin (aber auch
♣ṕekaŕka), Mróz-owa♠ Frau des Mros; ♣Šewc-owa♠ Schuſterin; ♣Rynč-owa♠
Frau des Rentſch; ♣Mudroch-owa♠ Frau des Mudroch. So heißt ♣Kral-owa♠
die Frau des Kral (Königs); aber ♣Kral-owna♠ die Königin.

♣ina: Psowina♠ Frau Pſow; ♣woslina♠ Eſelin v. ♣wosoł; pšećel-ina♠
Freundin; ♣Hagerna♠ Frau des Hager; ♣Ryćeŕna♠ Frau des ♣Ryćeŕa♠ (Held);
♣Sandž-ina♠ Frau des Schanda; ♣Šoɫćina♠ Frau des ♣Šolta♠ (Schulze);
♣Racyna♠ Frau des ♣Raca; Butsina♠ Frau des ♣Butra; Mušina♠ Frau des
♣Mucha♠ (Fliege); ♣Petašcyna♠ Frau des Petaſchk.

♣scyna:♠ Die männlichen Namen auf ♣ski♠ werden in ♣scyna♠ umgeändert,
ſeltener findet man im Serbiſchen den (eigentlich regelmäßigen) Ausgang
♣ska;♠ z. B. ♣Huščanscyna (ska)♠ von ♣Huščanski; Lub́enscyna♠ v.
♣Lub́enski.♠

♣ka: Hejdanka♠ Frau des Heidan; ♣zeḿanka♠ Edelfrau v. ♣zeḿan; Wuheŕka♠
Ungarin von ♣Wuheŕ; korčmaŕka♠ Schenkerin von ♣korčmaŕ; pastyŕka♠ Hirtin
von ♣pastyŕ; towarška♠ Geſpielin v. ♣towarš; Čėška♠ Čechin v. ♣Čech.♠

Anmerkung. Alle dieſe movirten Wörter ſind ihrer Declination nach
Adjective und richten ſich nach ♣dobra♠ (§. 97.); nur die auf ♣ka♠ ſind
weibliche Subſtantive nach der ♣VI.♠ Declination.

§. 22.

Bildung der Familien- und Ortsnamen.

Von den Eigennamen männlicher Perſonen werden auch noch die
Familien-Namen abgeleitet; ſie endigen ſich auf ♣ecy, icy♠ (ſehr ſelten
♣ocy♠). Iſt nämlich die Charakteriſtik des männlichen Perſonennamens ♣j,
n, r, s, ž, š, c, ts, h, ch, g, k,♠ ſo wird ♣ecy;♠ iſt ſie <pb
n="49"/>einer von den andern Conſonanten, ſo gewöhnlich ♣icy♠ angehängt.
Vor letzterem werden die harten Conſonanten in weiche verwandelt.

♣ecy: Hajecy♠ die Haj’s; ♣Hagerecy♠ die Hager’s; ♣Mrózecy♠ die Mroſe’s;
♣Bɫažecy♠ die ♣Błažeś; Huntasecy♠ die Huntaßes; ♣Mudrochecy♠ die
Mudroch’s; ♣Kowaŕkecy♠ die Kowarke’s (Schmiedel’s.)

♣icy: Brunowicy♠ die Brunow’s; ♣Zopicy♠ die Sope’s; ♣Rolicy♠ die Role’s;
♣Kalicy♠ die ♣Kał’s♠ (Kraut’s); ♣Šandžicy♠ die Schande’s; ♣Šoɫéicy♠ die
Schulzen’s; ♣Bančicy♠ die Bantſche’s. Doch hört man auch bei dieſen
Conſonanten häufig ♣ecy:♠ z. B. ♣Wróblecy♠ Sperlings v. ♣Wróbel;
Rynčecy♠ Rentſche’s; ♣Petašecy♠ Petaſche’s und dergleichen, ſo daß in
der Regel ♣ecy,♠ in ſelteneren Fällen ♣icy,♠ und faſt nie ♣ocy♠ (welches
Seiler anführt) ſteht.

Was von den Familiennamen geſagt wurde, gilt auch von den Ortsnamen auf
♣ecy, icy (ocy).♠ Ich halte dafür, daß die Ortsnamen dadurch entſtanden
ſind, daß man den Namen der Familie auf die von ihr beſeſſene Ortſchaft
übertrug, wie ja ſolche Geſchlechter noch bis auf den heutigen Tag
gleichbenannte Ortſchaften beſitzen. So die Herren von Noſtitz (und
Jänkendorf), welche ſerbiſcher Abſtammuug einſt ♣Nosačicy♠ (nicht von
♣nós♠ Naſe, ſondern von ♣nose,♠ weil ſie zwei Hauen im Wappen führen)
heißen, ſo wie das Dorf ♣Nosačicy♠ von den Deutſchen noch jetzt
♣Nostitz♠ genannt wird. Eben ſo die Herrn von Malſchwitz anſtatt
Malſchitz von ♣Malešecy♠ (Dorf).

Dieſe Namen werden nur durch das Geſchlecht unterſchieden; ſo muß man
ſagen: ♣Naši Nosačicy su bohaći♠ unſere Noſtitze ſind reich, alſo Maſc.
♣ration.;♠ aber: ♣naše Nosačicy su bohate♠ unſer Dorf (die Gemeinde)
Noſtitz iſt reich, alſo Maſc. ♣irration.♠

Bildung der Adjective.

§. 23.

Urſprüngliche Adjective.

Die Adjective haben im Serbiſchen, ſie mögen reine Wurzeln oder
abgeleitet ſein, zwei Reihen von Ausgängen; und zwar:

♣a)♠ Nach harten Conſonanten männl. ♣y,♠ ſächl. ♣o♠ o. ♣e,♠ weibl. ♣a:
strowy, strowo, e, strowa♠ geſund; ♣žiwy, žiwo, e, z̀iwa♠ lebend; ♣wažny,
wažne, wažna♠ gewichtig; ♣chromy, chromo, e, chroma♠ lahm.

♣b)♠ Nach weichen aber männl. ♣i,♠ ſächlich ♣e,♠ weiblich ♣a. boži,
bože, boža♠ göttlich; ♣prėni, pŕėńe, prėńa♠ erſte; ♣nahi, nahe, naha♠
nackt; ♣suchi, suche, sucha♠ trocken.

1) Reine Wurzeln auf harte Conſonanten:

<pb n="50"/>

♣w: nowy♠ neu, ♣lėwy♠ links, ♣pɫówy♠ falb, ♣prawy♠ recht, ♣kšiwy♠ krumm,
♣hewy♠ dieſſeitig.

♣b: luby♠ lieb, ♣sɫaby♠ ſchwach.

♣p: tupy♠ ſtumpf, ♣slepy♠ blind, ♣hłupy♠ dumm.

♣m: nėmy♠ ſtumm, ♣sam♠ ſelbſt, ♣chromy♠ lahm.

♣n: poɫny♠ voll, ♣čorny♠ ſchwarz.

♣ɫ: bėły♠ weiß, ♣miɫy♠ lieb, ♣maɫy♠ klein, ♣zły♠ böſe, ♣ceɫy♠ ganz,
♣c̀iɫy incolumis.♠

♣r: syry♠ roh, ♣šėry♠ grau, ♣chory♠ krank, ♣spory♠ ausgiebig, ♣stary♠
alt.

♣d: rad, rady♠ gern, ♣chudy♠ arm, ♣blėdy♠ blaß, ♣mɫody♠ jung, ♣tẃerdy♠
hart, ♣hordy♠ ſtolz.

♣t: luty♠ rein, lauter, ♣žoɫty♠ gelb, ♣sẃaty♠ heilig, ♣kruty♠ feſt,
♣syty♠ ſatt.

♣z: cuzy♠ fremd, ♣ryzy♠ fuchs.

♣s: bosy♠ barfuß.

♣st: wėsty♠ gewiß, ♣pusty♠ öde, ♣čisty♠ rein, ♣husty♠ dicht, ♣prosty♠
ſteif, ſtarr, ♣tołsty♠ dick.

2) Reine Wurzeln auf weiche Conſonanten.

♣ẃ: džiẃi♠ wild.

♣n: lėni♠ träg, ♣tuni♠ billig.

♣š: kuši♠ kurz, ♣lońši♠ vorjährig.

♣h: nahi♠ nackt, ♣mnohi♠ viel, ♣dołhi♠ lang, ♣drohi♠ theuer, ♣druhi♠
anderer.

♣ch: c̀ichi♠ ſtill, ♣suchi♠ dürr, ♣hɫuchi♠ taub.

♣k: eńki♠ dünn.

§. 24.

Ableitung der Adjective.

Die meiſten Adjective ſind abgeleitet, und zwar ſind folgende Arten zu
unterſcheiden.

♣a)♠ Die Participe Perf. Paſſ. werden auch zugleich als Adjective
gebraucht; dem Partic. Perf. Act. aber wird ♣y♠ angehängt, damit es
Adjectiv werde:

♣wučeny♠ gelehrt, ♣dobyty♠ gewonnen, ♣zańdženy♠ vergangen, ♣wudaty♠
verheirathet, ♣zaspany♠ verſchlafen, ſchläfrig. ♣Zkónčiɫ♠ beendet
habend, ♣zkónčiɫy♠ der gerne beendet; ♣zrostɫ♠ gewachſen, ♣zrostɫy♠
(ſchön, ſchlank) gewachſen; ♣sadžal♠ geſetzt habend, ♣sadžały♠ der gerne
ſetzt.

♣b)♠ Die Participe Präſentis ſind häufig auch zugleich als Adjective
gebräuchlich, mit der Andeutung, das Subject thue dieſes gern:

♣woɫacy♠ o. ♣ty♠ rufend, gern rufend, Schreihals; ♣kuŕacy♠ o. ♣ty♠
rauchend, gern, oft rauchend (z. B. Ofen); ♣bijacy♠ o. ♣ty♠ ſchlagend,
gern ſchlagend; ♣bijacy zegeŕ♠ Schlaguhr; ♣tšesacy♠ o. ♣ty♠ Feuer
anſchlagend (mit Stahl und Stein), ♣tšesacy kameń♠ Feuerſtein; ♣tšesace
zeležko♠ Feuerſtahl.

<pb n="51"/>

♣c)♠ Zuſammenſetzungen aus Hauptwörtern ſind als Adjective im Gebrauch:

♣ńeboh♠ weiland v. ♣Bóh♠ Gott, ♣wšėdny♠ alltäglich v. ♣wšė dny.♠ Ebenſo
♣zɫoty, e, a♠ golden, obgleich ♣złoto♠ das Gold der Declinat. nach
Adject.

♣d)♠ Adjective, welche die Stelle des Beſchaffenheits-Genitivs oder der
deutſchen zuſammengeſetzten Subſtantive vertreten, bildet man bei
lebendigen Weſen auf ♣i, ’a, ’e;♠ (nur nach ♣c, z♠ und ♣s♠ ſteht ♣y♠):

♣Boži rów♠ Göttliches Grab, ♣čɫoẃeči rozom♠ Menſchenverſtand, ♣pėši
wojak♠ Fußſoldat, ♣hadži koreń♠ Schlangenwurzel, ♣hoẃaze ḿaso♠
Rindfleiſch, ♣zaječa koža♠ Haſenbalg, ♣lišča ɫopyš♠ Fuchsſchweif, ♣psyča
paca♠ Hundspfote, ♣ptače hnėzdo♠ Vogelneſt.

Bei Subſtantiven, welche im Genitiv das Augment ♣’eć♠ bekommen, wird
dieſes in ♣’acy♠ verwandelt:

♣c̀elo♠ Kalb, ♣ćelace ḿaso♠ Kalbfleiſch; ♣swińo♠ Schwein, ♣swińeća;
swińaca ṕečeń♠ Schweinbraten; ♣kózlo♠ Zicklein, ♣kózleća; kózlaca nóžka♠
Fuß des Zickleins; ♣zwėŕo♠ Thier, ♣zwėŕeća; zwėŕaca džiẃosć♠ thieriſche
Wildheit.

♣e)♠ Von den Subſtantiven auf ♣c♠ werden ſolche Adjective gebildet, wenn
man ♣c♠ in ♣či♠ verwandelt:

♣krawc♠ Schneider, ♣krawči; šewc♠ Schuſter, ♣šewči; koćka♠ (eig. ♣koc,♠
ſ. in ♣kocor♠) Katze ♣koči; wowca♠ Schaf, ♣wowči; słónco♠ Sonne,
♣słónči.♠

♣f)♠ Von den Fürwörtern werden beſitzanzeigende Adjective gebildet
vermittelſt ♣j, ja, je♠ o. ♣ji, je ja.♠

♣mój, je, ja♠ mein, ♣twój, je, ja♠ dein, ♣swój, je, ja♠ ſein, ♣naš, še,
ša♠ unſer, ♣waš, še, ša♠ euer, ♣čeji, je, ja♠ weſſen, und die
darausgebildeten.

Eben ſo werden von ♣dwaj♠ zwei, und ♣tsjo, tsi♠ drei, Adjective
gebildet:

♣dwoji, je, ja♠ zweifach; ♣troji, tsoji, je, ja♠ dreifach.

Auch ♣woboji, je, ja♠ beiderlei, gehört hieher.

♣g)♠ Aber bei weitem die größte Anzahl von Adjectiven wird vermittelſt
der Conſonanten ♣w, m, n, ń, ɫ, r, t, sk, š, c, ck, k♠ gebildet.

♣a) w, aw, ow, iw.♠

♣w: žiwy♠ lebendig v. ♣žiju; morwy♠ todt v. ♣mru; čerstwy incolumis;
strózwy♠ nüchtern, nicht betrunken.

♣aw: krwawy♠ blutig v. ♣kreẃ; wońawy♠ riechend v. ♣wóń; stonawy♠
ſtöhnend v. ♣stonać; bėlawy♠ weißlich v. ♣bėɫy; sḿerdžawy♠ ſtinkend v.
♣sḿerdžeć; pihawy♠ ſommerſproſſig v. ♣piha; bodžawy♠ gern ſtoßend mit
den Hörnern; ♣wozowy♠ Wagen- v. ♣wóz; džėrawy♠ löcherig v. ♣džėra.♠

♣ow: ćmowy♠ finſter von ♣ćma; bukowy♠ buchen von ♣buk; wóskowy♠ wächſern
v. ♣wósk; dubowy♠ eichen v. ♣dub; sydyrowy♠ Quark-Käſe- von ♣sydyr;
dŕewowy♠ Holz- v. ♣dŕewo; skopowy♠ des <pb n="52"/>Schöpſes v. ♣skop;
kozoɫowy♠ des Ziegenbockes v. ♣kozoɫ; kowaŕowy♠ des Schmiedes v. ♣kowaŕ;
kupcowy♠ des: Kaufmanns v. ♣kupc; nanowy♠ des Vaters v. ♣nan; swińowy♠
des Schweines v. ♣swińo.♠

Anmerkung. Beſonders wichtig iſt dieſe Formation in der letzten
Bedeutung, als poſſeſſiviſch. Durch Anhängung der Sylbe ♣ow♠ an den Nom.
Sing. der Namen männlicher Perſonen wird der Name ihrer Frauen gebildet,
z. B. ♣Wićaz♠ Lehmann, ♣Wićazowa♠ (§. 21.).

♣iw: wóhniwy♠ feurig v. ♣woheń; dobroćiwy♠ gütig v. ♣dobrota; lėniwy♠
etwas träg v. ♣lėni; miłosćiwy♠ barmherzig von ♣miłosć; strašiwý♠
ſchrecklich v. ♣strach; ryčiwy♠ redſelig von ♣ryču; módriwy♠ bläulich v.
♣módry; paliwy♠ brennbar v. ♣palić; bojazliwy♠ furchtſam v. ♣boju so;
łoskoćiwy♠ kitzelig v. ♣łoskotać.♠ Die zuſammengeſetzten Formen auf:
♣owny, owni, owaty, owity, owski♠ ſiehe unter ♣ny, ni, aty, ity, ski.♠

♣b) m, om, omn.♠

♣om: znajomy♠ bekannt v. ♣znaju; wėdomy♠ bewußt v. ♣wėm (ẃedžał);
widžomy♠ ſichtlich v. ♣widžu.♠

♣om♠ mit ♣ny: duchomny♠ Geiſtlicher; ♣widžomny♠ ſichtbar; ♣wėdomny♠
bekannt.

♣c) n, ni, own, ’an, ’en, in, obn, azn, ozn.♠

♣n: pšitomny♠ gegenwärtig v. ♣pši-tom; pšichodny♠ künftig von ♣pšichod;
hodny♠ würdig; ♣sylny♠ kräftig von ♣syła; prózny♠ ſtatt ♣prózdny♠ leer;
♣mócny♠ mächtig v. ♣móc; krasny♠ ſchön v. ♣krasa; ćėlny♠ leiblich v.
♣ćėło; słužobny♠ dienſtbar v. ♣słužba; ludny♠ volkreich v. ♣lud;
hwėzdny♠ ſternen- von ♣hwėzda; wėčny♠ ewig v. ♣wėk; ḿasny♠ fleiſchig v.
♣ḿaso; žitny♠ Korn- v. ♣žito; tamny♠ dortig v. ♣tam; wózny♠ Wagen- v.
♣wóz,♠ z. B. ♣wózne koło.♠

♣ni: posledni, ńe, ńa♠ letzte v. ♣posled; prėdni♠ o. ♣prėni♠ erſte von
♣prėd; zadni♠ hintere v. ♣zad; srėni (srėdni)♠ mittlere v. ♣srėd.♠

♣own: duchowny♠ geiſtlich v. ♣duch; bėdžowny♠ kriegeriſch v. ♣bėdżić;
lubowny♠ lieblich v. ♣lubic̀♠ gefallen; ♣žortowny♠ ſcherzhaft v. ♣žort;
nutskowny♠ innerlich v. ♣nutsk; wonkowny♠ äußerlich von ♣wonk.♠

♣’an: škleńčany♠ gläſern v. ♣škleńca; kruṕany♠ Graupen- v. ♣krupa;
kožany♠ ledern v. ♣koža; dŕeẃany♠ hölzern v. ♣dŕewo; wołḿany♠ wollen v.
♣wołma; słóḿany♠ ſtrohen, v. ♣słóma; lińany♠ lehmig v. ♣lina; kosćany♠
knöchern v. ♣kósć.♠

♣’en: čerẃeny♠ roth; ♣zeleny♠ grün.

♣in, iny: ńeẃesćiny♠ der Braut v. ♣ńeẃesta; sotsiny♠ der Schweſter v.
♣sotra; paćiny♠ der Guckhenne v. ♣pata; sorniny♠ des Rehes v. ♣sorna;
chėžiny♠ des Hauſes von ♣chėža; matcyny♠ der Bienenmutter v. ♣matka;
holcyny♠ des Mädchens v. ♣holca; džowcyny♠ der Magd v. ♣džowka.♠

<pb n="53"/>

Anmerkung. Hieher gehören die durch Motion entſtandenen Frauennamen,
wie: ♣Šandžina♠ v. ♣Šanda; Racyna♠ v. ♣Raca♠ (§. 21.)

♣obn:♠ aus ♣ob♠ und ♣ny: chwalobny♠ löblich v. ♣chwała.♠

♣azn: bojazny,♠ furchtſam v. ♣boju so.♠

♣ozn: lubozny♠ lieblich v. ♣lub́u so♠ gefalle; ♣hordozny♠ prächtig von
♣hordy.♠

♣d) ł, ał, ił.♠

♣ł: swėtły♠ hell v. ♣swėt♠ Licht; ♣čopły♠ warm v. ♣tepić; šćipły♠
lüſtern.

♣ał: kisały♠ ſauer v. ♣kisac̀.♠

♣iły: zmużiły♠ mannhaft v. ♣muž.♠ (Vergl. dieſ. §. ♣a♠).

♣e) r.♠

♣r: dobry♠ (zeitgemäß) gut v. ♣doba, dob; mokry♠ naß v. ♣mok-ac̀; wótry
(wostry♠ mit verlornem ♣s)♠ ſcharf v. ♣wóst; chėtry♠ ſchnell, heftig (v.
♣chėćic̀,♠ ſlaw. ♣chytiti♠ fangen.)

♣f) t: at, it, owat, (owit), ojt, nat, nit.♠

♣at: hłowaty♠ köpfig; ♣wokaty♠ großäugig; ♣bŕuchaty♠ bäuchig; ♣włosaty♠
haarig; ♣kulaty♠ kugelig; ♣poṕelaty♠ beaſcht; ♣bohaty♠ reich v. ♣Bóh;
stojaty♠ ſtehend; ♣ležaty♠ liegend, und ſo alle Participe Präſ. Act. auf
♣aty; ḿerzaty♠ verdrießlich von ♣ḿerzać so; wisaty♠ hängend, und ſ. w.

♣it: kaḿenity♠ ſteinig v. ♣kaḿeń; próḿenity♠ faſerig v. ♣próḿo;
pšileżity♠ gelegen v. ♣pši♠ und ♣ležec̀; škleńčity♠ glaſig v. ♣škleńca;
ranity♠ eckig (v. ♣hrana♠).

♣owat♠ aus ♣ow♠ und ♣aty: jėdowaty♠ giftig, giftartig, v. ♣jėd♠ (gem.
nur im Scherz); ♣winowaty♠ ſchuldig v. ♣wina; kulowoty♠ rundlich v.
♣kula♠ Kugel.

(♣owit:♠ an deſſen Stelle ſteht im Serbiſchen:)

♣ojt: winojty♠ werth v. ♣wina; róžkojty♠ eckig von ♣róh; łužojty♠ voll
Pfützen v. ♣łuža; skáłojty♠ felſig v. ♣skała; ḿasojty♠ fleiſchig v.
♣ḿaso; róžojty♠ roſig v. ♣róža; počornojty♠ ſchwärzlich von ♣po♠ und
♣čorny; zelenojty♠ grünlich v. ♣zeleny; libojty♠ fleiſchig ohne Fett von
♣lib.♠

♣nat♠ aus ♣ny♠ und ♣at: mučnaty♠ mehlich von ♣muka.♠

♣nit♠ aus ♣ny♠ und ♣it: wutrobnity♠ herzhaft; ♣zelenity♠ grünlich.

♣g) ski, ’anski, inski, owski.♠

♣ski: ńeb́eski♠ himmliſch v. ♣ńeb́o; bojski♠ (ſtatt ♣božski♠) göttlich von
♣bóh; kńejski♠ herrſchaftlich v. ♣kńez; žónski♠ Weiber- v. ♣žona;
wojeŕski♠ ſoldatiſch v. ♣wojeŕ; dwórski♠ höfiſch v. ♣dwór; móŕski♠ Meer-
v. ♣moŕo; kowaŕski♠[10]⁾ Schmiede- v. ♣kowaŕ; włóski♠ ſtatt ♣wɫóšski♠
wäliſch v. ♣Wɫoch; čėski♠ (ſtatt ♣čėšski♠) čechiſch <pb n="54"/>v.
♣Čech; Mišonški♠ meißniſch v. ♣Mišno; Sakski♠ ſächſiſch von ♣Saks.♠

♣’anski:♠ faſt bei allen Eigennamen: ♣Pražanski♠ Prager von ♣Praha;
Husčanski♠ v. ♣Husč,♠ Dorfname; ♣Krónc̀anski♠ v. ♣Krónica,♠ Krinitz;
♣Ćėščanski,♠ auch ♣Ćėškečanski♠ von ♣Ćėškecy; Budyšińanski♠ von
♣Budyšin♠ Bautzen, auch ♣mėščanski♠ von ♣mėsto♠ aus der Stadt;
♣sŕedžanski♠ der mittlere v. ♣sŕed, sŕedž.♠

♣inski♠ aus ♣iny♠ und ♣ski: sotsinski♠ ſchweſterlich v. ♣sotra;
hosćinski♠ Gaſt- von ♣hósc̀.♠

♣owski♠ aus ♣owy♠ und ♣ski: kralowski♠ königlich von ♣kral; židowski♠
jüdiſch v. ♣Žid; bratrowski♠ Bruder- v. ♣brat; sotrowski♠ Schweſter- v.
♣sotra.♠

♣h) ši, jši, wši♠ (eig. Formations-Sylbe des Comparat.)

♣ši: džentsiši♠ heutig v. ♣džentsa; jutsiši♠ morgend von ♣jutse; lėtuši♠
heurig v. ♣lėto; klėtuši♠ künftig-jährig v. ♣klėtu; lońši♠ vorjährig v.
♣loni; tedomši, teduši♠ damalig v. ♣tedy, tedom.♠

♣jši: tudyjši♠ hieſig v. ♣tudy; tamniši♠ dortig v. ♣tamny; ńėtkojši♠
jetzig v. ♣ńėtko; ńėdyjši♠ einſtig v. ♣ńėdy; hinajši♠ anderer (von
♣hiny♠ ungebr.).

♣wši: wčerawši♠ geſtrig v. ♣wčera; wóndawši♠ v. ♣wóndy♠ neulich.

♣i) c: ’acy.♠

♣’acy: doḿacy♠ Haus- v. ♣dom; końacy♠[11]⁾ Pferd- von ♣kóń; kruẃacy♠
Kuh- v. ♣kruwa; jehńacy♠ Lamm- v. ♣jehńo; wóslacy♠ Eſels- v. ♣wosoł;
swińacy♠ Schwein- von ♣swińo; poṕacy♠ Pfaffen- von ♣pop; maćeŕacy♠
mütterlich v. ♣mac̀eŕ; ḿerzacy♠ ärgerlich von ♣ḿerzać so; wisacy♠ hängend
v. ♣wisać; sḿerdžacy♠ ſtinkend v. ♣sḿerdžeć; wońacy♠ duftend v. ♣wońeć.♠

Anmerkung. Letzere vier ſind eig. Part. Präſ. Act., deren Bedeutung aber
rein adjectiviſch geworden iſt. (vergl. dieſ. §. ♣b.♠).

♣k) ch: chi.♠

♣chi: ẃetchi♠ (ſpr. ♣ẃetki♠) alt, abgenützt; beſonders von Tuch, und
dergleichen.

♣l) k: ki, oki, ajki.♠

♣ki: ćeńki♠ dünn; ♣hórki♠ bitter; ♣hɫadki♠ glatt; ♣rėdki♠ ſchütter;
♣krótki♠ kurz; ♣nizki♠ niedrig; ♣pelzki♠ ſchlüpfrig; ♣c̀ežki♠ ſchwer;
♣lohki♠ leicht; ♣ḿechki♠ weich; ♣wilki♠ oder ♣wulki♠ groß.

♣oki: daloki♠ fern; ♣hɫuboki♠ tief; ♣šėroki♠ breit; ♣wysoki♠ hoch.

♣ajki: wonajki♠ ſo-dings-da (wenn man ſich nicht ſchnell auf den rechten
Ausdruck beſinnen kann) v. ♣wono; nikajki♠ nichts würdig von ♣nichtó.♠

<pb n="55"/>

§. 25.

Diminutive Adjectiva.

♣a)♠ Diminuirte Adjective werden abgeleitet: erſtens von Wörtern, welche
ſchon an ſich diminutiv ſind: ♣rowčkowy♠ des kleinen Grabes v. ♣rowčk;
rubučkacy,♠ zu, mit, an, von kleinen Tiſchtüchern v. ♣rubučk; ɫopyškaty♠
mit kleinen Schwänzchen v. ♣lopuška; štomikowy♠ des kleinen Baumes v.
♣štom; bróničkawy♠ mit kleinen Eggennägeln von ♣brónička; skałkaty♠ mit
kleinen Felſen von ♣skałka; brudžičkowy♠ voll feinen Schmutzes v.
♣brudžička; kózcyny♠ der kleinen Ziege v. ♣kózka; kóžkojty♠ nach Art
kleiner Felle von ♣kóžka; nóžkaty♠ kleinfüßig v. ♣nóžka; mučkojty♠
feinmehlig, feinſtäubig v. ♣mučka.♠

♣b)♠ Die andere Art, die Adjectiv-Diminutive, werden von andern
Adjectiven gebildet, und zwar durch Anhängung der Sylben:

♣ki: małki♠ klein v. ♣mały; ćeńc̀ki♠ dünn v. ♣ćeńki.♠

♣čki♠ oder ♣ički: ćeńčički♠ dünn; ♣mólički♠ klein von ♣mały♠ oder
♣mólčički; bėlički♠ weiß v. ♣bėły; wusčički♠ ſchmal v. ♣wuski; lohčički♠
leicht v. ♣lohki.♠

♣uški: małuški♠ klein v. ♣maɫy; młoduški♠ jung v. ♣mɫody; bėɫuški♠ weiß
von ♣bėły; staruški♠ ältlich von ♣stary; chuduški♠ arm v. ♣chudy;
nahuški♠ nackt v. ♣nahi; žołtuški♠ gelb von ♣žołty; čornuški♠ ſchwarz
von ♣čorny.♠

Auch hört man die Formen ♣mólitački, mólitanki♠ und dergleichen.
Überhaupt iſt in dieſen Formen die ſerbiſche, ſo wie jede ſlawiſche
Sprache faſt unerſchöpflich.

§. 26.

Zuſammengeſetzte Adjective.

Viele von den zuſammengeſetzten Adjectiven ſind von zuſammengeſetzten
Subſtantiven abgeleitet: ♣zachódny♠ weſtlich v. ♣zachód; wuchodny♠ vom
Aufgange v. ♣wuchod; półdńowy♠ v. ♣półdńo♠ Mittag; ♣półnócny♠ v.
♣póɫnóc♠ Mitternacht; ♣ńetoporowy♠ von ♣ńetopor♠ Fledermaus; ♣ńedžėlny♠
v. ♣ńedžėla♠ Sonntag; ♣póńdželny♠ von ♣póńdžela♠ Montag; ♣zadžėwkowy♠
hinderlich v. ♣zadžėwk.♠

♣b)♠ Auch verſchiedene andere Redetheile geben Stoff für Zuſammenſetzung
der Adjective: ♣wšėdny♠ täglich v. ♣wšė, džeń; sedomlėtny♠ ſiebenjährig
v. ♣sedym♠ und ♣lėto; jednomysny♠ eines Sinnes v. ♣jedyn♠ und ♣mys;
dobrowolny♠ freiwillig v. ♣dobra wola; lohkomysleny♠ leichtſinnig v.
♣lohki♠ und ♣mysl; wótroryčny♠ ſcharfredend, mit ſtarker Stimme v.
♣wótra ryč; načwutrobny♠ nüchtern ♣jejunus♠ v. ♣na č wutroba;
starowėriwy♠ altgläubig v. ♣stary wėriwy; staromėstny♠ <pb
n="56"/>altſtädtiſch v. ♣stare mėsto; pićastradny♠ durſtleidend v. ♣pića
stradać; čornomódry♠ ſchwarzblau v. ♣čorny mödry; štyrohranity♠
viereckig v. ♣štyri♠ und ♣hrana; zastarski♠ von alters her v. ♣starv.♠
Jedoch ſind: ♣bohabojazny♠ gottesfürchtig, ♣česćehódny♠ ehrwürdig,
♣wysoko dostojny♠ hochwürdig, ♣wėryhódny♠ glaubwürdig, ♣wšohowėdomy♠
allwiſſend, ♣wulcyčińacy♠ großthueriſch, und dergleichen, nur
Zuſammenziehungen, wie die meiſten Deutſchen, nicht eigentliche
Zuſammenſetzungen, da ſolche Worttheile auch getrennt geſchrieben werden
könnten; als: ♣česće hódny, wšoho wėdomy, boha bojazny.♠ — Daſſelbe gilt
von denen mit ♣pół♠ halb zuſammengeſetzten, z. B. ♣póɫ nahi♠ halbnackt.

Beſonders häufig ſind die Zuſammenſetzungen mit ♣ńe♠ un-: ♣ńemudry♠
unklug; ♣ńesḿertny♠ unſterblich; ♣ńewidžomny♠ unſichtbar; ♣ńedobytny♠
unerreichbar; ♣ńenasyc̀iły♠ unerſättlich; ♣ńepšemóžiły♠ unbeſiegbar;
♣ńedódnity♠ unergründlich; ♣ńedótknity♠ unnahbar; ♣ńewustatny♠
unausſtehlich; ♣ńezatrašny♠ unerſchütterlich. Andere Zuſammanſetzungen
finden mit Präpoſitionen ſtatt (ſ. §. 67.).

§. 27.

Comparations-Bildung.

Eine ganz eigenthümliche Bildung bei den Adjectiven iſt die der
Comparation oder Vergleichung. Sie iſt doppelt:

♣A)♠ Der Comparativ.

Der Comparativ der Adjective wird gebildet, indem man an den
Endconſonanten des Poſitiv’s die Sylbe ♣iši♠ anhängt: ♣džiẃi♠ wild,
♣džiẃiši; cuzy♠ fremd, ♣cuzyši.♠ Dabei muß der Endconſonant des
Poſitiv’s weich werden (ausgenommen ♣c, s, z♠); wenn er es noch nicht
iſt. Es findet daher oft eine Conſonantenverwandelung (§. 11.) ſtatt;
♣tẃerdy♠ hart, ♣tẃerdžiši; suchi♠ trocken, ♣sušiši; ẃesoły♠ fröhlich,
♣ẃeselis̀i; z̀oɫty♠ gelb, ♣žoɫćis̀i.♠

Dabei ſucht man der Kürze wegen das erſte ♣i♠ in der Sylbe ♣iši♠
wegzuwerfen. Dieſes iſt aber ohne Härte nur bei denen möglich, welche
vor ♣y♠ oder ♣i♠ im Poſitiv einen einzigen Conſonanten haben. Daraus
entſtehen dann ſcheinbare Unregelmäßigkeiten, welche wir in folgende
Hauptpunkte zuſammen faſſen.

♣a)♠ Ganz regelmäßig, aber ohne ♣i,♠ jedoch mit weichem Endconſonanten
vor ♣ši:♠

♣čmowy♠ finſter, ♣čmoẃši;♠ ♣bėły♠ weiß, ♣bėls̀i.♠

♣ẃesoły♠ fröhlich, ♣ẃeselši:♠ ♣nowy♠ neu, ♣noẃši.♠

♣kšiwy♠ krumm, ♣kšiẃši;♠ ♣luby♠ lieb, ♣lubši.♠

♣słaby♠ ſchwach, ♣słabši;♠ ♣prėni♠ erſterer, ♣prėńši,♠

<pb n="57"/>

♣stary♠ alt, ♣starši;♠ ♣spory♠ ausgiebig, ♣sporši.♠

♣drohi♠ theuer, ♣dróžši:♠ ♣ŕany♠ ſchön, ♣ŕeńši.♠

Anmerkung. ♣Šėry♠ grau hat ♣šėriši,♠ zur Unterſcheidung von ♣šėrši,♠
Comparativ von ♣šėroki♠ breit.

♣b)♠ Die meiſten Adjective auf ♣ki♠ mit vorhergehendem Conſonanten
(ausgenommen die auf ♣dki♠ nnd ♣tki♠) ſo wie die auf ♣oki♠ ſetzen an die
Stelle dieſer Sylbe ♣ki♠ oder ♣oki♠ ſogleich ♣ši♠ an den Stamm:

♣ćeńki♠ dünn, ♣ćeńši;♠ ♣ćežki♠ ſchwer, ♣ćežši.♠

♣blizki♠ nahe, ♣bližši;♠ ♣nizki♠ niedrig, ♣nižši;♠

♣wuzki♠ ſchmal, ♣wužši;♠ ♣lohki♠ leicht, ♣lóžši.♠

Anmerkung. Ich glaube nicht, daß man in denen auf ♣zki♠ im Comparativ
die Sylbe ♣žši♠ in ♣ži♠ zuſammenziehen dürfe, obwohl dieſes im
Comparativ des Adverbiums (§. 35.) geſchieht, ♣bližo, nižo, lóžo,♠ und
zwar hier mit Recht, da im Adverbium der Comparativ häufig durch
Anhängung des ♣’o, ’e♠ gebildet wird.

♣daloki♠ entfernt, ♣dalši; hłóboki♠ tief, ♣hłóbs̀i.♠

♣šėroki♠ breit, ♣šėrši; wysoki♠ hoch, ♣wyšši, wyši.♠

♣wonajki♠ ſo-dings-da (von ♣wono♠ es), ♣wonajši.♠

♣c)♠ Die auf ♣dy, ty, try♠ ſetzen an die Stelle des ♣y♠ nur ♣ši;♠ dann
aber geht ♣dši♠ in ♣dsi, tši♠ und ♣tŕši♠ in ♣tsi♠ über.

♣chudy♠ arm, ♣chudsi;♠ ♣rad, rady♠ gern, ♣radsi,♠

♣młody♠ jung, ♣młódsi;♠ ♣bohaty♠ reich, ♣bohatsi.♠

♣žołty♠ gelb, ♣žoɫtsi;♠ ♣chėtry♠ ſchnell, ♣chėtsi.♠

♣d)♠ Analog den unter ♣b♠ und ♣c♠ angeführten, werfen die auf ♣dki♠ und
♣tki♠ die Sylbe ♣ki♠ weg, ſetzen ♣ši♠ an, und verwandeln ♣dši♠ in ♣dsi,
tši♠ in ♣tsi:♠

♣hładki♠ glatt, ♣hładsi;♠ ♣rėdki♠ ſelten, rar, ♣rėdsi.♠

♣słódki♠ ſüß, ♣słódsi;♠ ♣krótki♠ kurz, ♣krótsi.♠

♣e)♠ Andern endlich verſetzen Buchſtaben, wie ♣dołhi♠ lang, ♣dlėši;♠
oder ſie verwandeln, wenn vor dem weich zu machenden Endconſonanten ♣’a♠
ſteht, dieſes ♣a♠ in den Umlaut ♣e;♠ wie ♣ŕany♠ ſchön, ♣ŕeńši; sẃaty♠
heilig, ♣sẃećiši.♠

Anmerkung. Es gibt auch Adjective, die ihrer Bedeutung wegen keiner
Comparationsbildung fähig ſind; z. B. die ganze ungeheuere Reihe der
Adjectiva poſſeſſiva; die meiſten Adjective auf ♣’acy, či, ski;♠ z. B.
♣nanowy♠ des Vaters; ♣końacy♠ Pferde-, ♣wolacy♠ Ochſen- (z. B. Junge);
♣ẃelči♠ Wolfs-; ♣pohanski♠ heidniſch; ♣Libońanski♠ aus Liebon.

§. 28.

Unregelmäßiger Comparativ.

Es gibt auch im Serbiſchen Adjective, die ihren Comparativ von ganz
andern Wurzeln ableiten; ſie ſind:

<pb n="58"/>

♣dobry♠ gut, ♣lėpši;♠ ♣zɫy♠ ſchlecht, ♣hórši.♠

♣mały♠ klein, ♣ḿeńši;♠ ♣wulki, wilki♠ groß, ♣ẃetši, ẃeči.♠

Eine andere Unregelmäßigkeit beſteht darin, daß man den Comparativ nur
durch ♣bóle♠ mehr anzeigt, welches vor den Poſitiv geſetzt wird; z. B.
♣twoja snkńa-je bóle žołta, dyžli moja♠ dein Rock iſt mehr ♣(magis)♠
weiß, als meiner. Auch ♣ẃacy♠ mehr ♣plus♠ ſtehn in ähnlicher Bedeutung.

§. 29.

♣B)♠ Bildung des Superlativ’s.

Der Superlativ eines jeden Adjectivs wird aus ſeinem Comparativ
gebildet, indem man letzterem, ſei er nun regelmäßig oder nicht, die
Sylbe ♣naj♠ vorſetzt; z. B. ♣pėkny pius,♠ Comp. ♣pėkniši,♠ Sup.
♣najpėkniši; tẃerdy♠ hart, Com. ♣tẃerdžiši,♠ Sup. ♣najtẃerdžiši; słaby,
sɫabši, najsɫabši; ćeńki, ceńši, najćeńši; šėroki, šėrši, najšėrši;
chudy, chudsi, najchudsi; krótki, krótsi, najkrótsi.♠ Das iſt nun der
abſolute Superlativ; den relativen dagegen drückt man durch ♣jara,
ẃele,♠ und dergleichen aus.

Um den Superlativ zu verſtärken, ſetzt man auch noch ♣na-♠ vor; ja im
höchſten Grade ſogar ♣hač na-;♠ z. B. ♣ŕany♠ ſchön, Comp. ♣ŕeńši♠
ſchöner, Sup. ♣najŕeńši♠ der ſchönſte, ♣nanajŕeńši♠ der allerſchönſte.
Eben ſo geſchieht es mit ♣bóle♠ und ♣ẃac; naibóle♠ am meiſten,
♣nanajbóle, hačnanajbóle; najẃacy♠ am meiſten, ♣nanajẃacy,
hačnanajẃacy.♠

Anmerkung. Die Adjectiva, welche keinen Comparativ haben, haben
natürlich auch keinen Superlativ.

Bildung der Adverbien.

§. 30.

Wurzeladverbien.

Reine Wurzeln ſind folgende Adverbia:

1) ♣ni-, nė-, nė♠ nein; ♣ńe-♠ nicht; ♣tu♠ hier.

2) ♣haj♠ ja, ♣hač♠ ob, als, ♣dŕe♠ wohl, ♣jow, hew,♠ her, ♣won♠ hinaus,
(♣pak,♠ Conj.) ♣nėtk♠ jetzt.

3) ♣preč♠ weg, ♣snadž♠ vielleicht, ♣skoro♠ bald, ♣króć♠ mal, ♣prėz♠
früher.

Bejahend ſind: ♣haj♠ ja; und ♣nė-♠ ſo oft es in Zuſammenſetzungen <pb
n="59"/>vorkommt: ♣nėdy♠ irgend wann; ♣nėkotry♠ mancher, ♣nėchtó♠
Jemand, ♣nėkak♠ auf irgend eine Weiſe, doch noch ſo halb.

Verneinend dagegen iſt: ♣nė, ni♠ und ♣ńe; ani♠ aus ♣a♠ und ♣ni, neque♠
nicht; ♣nic♠ nicht (auch ♣hanic♠ und ♣anić:♠ ſo viel als ♣ani); ničo♠
nichts; ♣nichtó♠ Niemand; ♣nikak♠ auf nichts nützige Art; ♣nikajki♠
nichts tauglich; ♣nė♠ iſt nur als verneinende Antwort bei Fragen im
Gebrauche; ♣sy ty wčera w cyrkẃi byɫ? — Nė!♠ — Biſt du geſtern in der
Kirche geweſen? — Nein! — In anderen Fällen wird die Verneinung durch
♣ńe♠ ausgedrückt; ♣ńedobry♠ nicht gut; ♣ńewidžu♠ ich ſehe nicht (nur
♣nimam♠ habe nicht, ausgenommen, weil aus ♣ńe- imam♠ zuſammengezogen).

Mit Vocalen am Ende ſind gebildet:

♣y: bórzy♠ bald, ♣ẃacy♠ mehr, ♣pŕedy♠ früher.

♣e: hiṡće♠ noch, ♣dele♠ hinunter, ♣hoŕe♠ hinauf, und die Comparative:
♣skeŕe♠ eher, ♣lėṕe♠ beſſer, ♣hóŕe♠ ſchlechter, ♣ḿeńe♠ weniger, ♣ẃele♠
viel.

♣oj: nėtkoj♠ jetzt; ♣jenoj♠ nur.

♣ym: lėdym♠ kaum, ♣nydym (hned)♠ ſogleich.

♣o: skoro♠ bald, ♣hižo♠ ſchon. Analogiſch mit dieſen wird auch die Form
der Adjectiva auf ♣o♠ adverbiell gebraucht; als: ♣maɫo♠ wenig; ♣mnoho♠
viel; ♣droho♠ theuer, ♣sporo♠ ausgiebig.

♣Dy (hdy)♠ wann; ♣tudy♠ hier; ♣tedym, tedom♠ damals; ♣lėdym, lėdom♠
kaum; ♣nydym♠ ſogleich; ♣dže (hdže)♠ wo; ſind vermittelſt der Sylben
♣dy, dym♠ oder ♣dom♠ und ♣dže♠ gebildet. ♣Dyž♠ als, ♣džež♠ wo (bei),
♣tcž♠ auch, ſind vermittelſt ♣ž♠ aus den früheren und aus ♣tón, to, ta♠
entſtanden. ♣Hižo♠ ſchon, ♣zasy♠ wieder, ♣pozdže♠ ſpät, ♣zahe♠ früh,
♣dosć♠ genug, ♣pšecy♠ dennoch, ſind zuſammengezogen, ebenſo ♣pšetož♠
denn; ♣tola♠ doch, jedoch, iſt anſtatt ♣tohodla♠ deſſentwegen,
deſſenungeachtet.

Selbſt die Sylbe ♣kuli (cumque),♠ die an viele Für- und Nebenwörter
angehängt wird, z. B. ♣štóžkuli♠ wer immer ♣quicumque, džežkuli
ubicumque♠ wo immer, iſt nicht rein urſprünglich.

§. 31.

Adverbien mittelſt Bildungsſylben.

♣mo: nimo♠ vorbei, ſtatt ♣mimo♠ v. ♣minu♠ ſo; ♣darmo♠ umſonſt v. ♣dar;
sym, sem♠ hieher, ♣tam♠ dort, dorthin, anſtatt, ♣symo tamo.♠

♣no: hižno♠ ſchon.

♣dy, dže, udže, udžom♠ ſind Bildungsſylben, die nur bei den Fürwörtern
♣h, s, t, won, nė♠ zur Bezeichnung des Umſtandes der Zeit, des Ortes und
dergleichen dienen: ♣hdy♠ wenn, ♣tudy♠ hier, ♣wondy,♠ einſt; ♣hdže♠ wo,
♣tudže♠ (ſeltner) hier; ♣nėdy olim, nėdže♠ irgendwo. Auch mit ♣druhi♠
ander, ♣wši♠ all, und ♣za♠ hinter, als: ♣wšudže, <pb n="60"/>wšudžom♠
überall; ♣drudže, drudžom♠ anderswo; ♣druhdy♠ manchmal (ſtatt andermal,
ſonſt), ♣zady,♠ hinter (v. ♣zad♠).

♣ak, ko, ka: kak♠ wie, ♣tak♠ ſo, ♣hinak♠ anders, ♣heẃak♠ ſonſt, im
entgegengeſetzten Fall, im Uebrigen, ♣jenak, jednak♠ einerlei; ♣wšelko,
wšelako♠ verſchieden, mancherlei, ♣hako, jako♠ wie, als, ♣teɫko, tejko♠
ſo viel; ♣wonka♠ außen; ♣nutska♠ innen; ♣delka♠ unten, ♣horka♠ oben.

♣či♠ (anſtatt ♣ki), čo♠ (anſtatt ♣ko): ruči♠ ſchnell; ♣melčo♠ heimlich.

§. 32.

Zuſammengeſetzte Adverbien.

Mit ♣ni: nidže♠ nirgends, ♣nihdy♠ niemals; ♣nikak♠ nichts nutz, auf
keine Art; ♣nimale♠ beinahe, faſt.

Mit ♣ńe (negativ) ńedaloko♠ unfern; ♣ńeradńe♠ ungerathen, ♣ńesmėšńe♠
nicht lächerlich.

Mit ♣nė (affirmativ): nėhdže♠ irgendwo, ♣nėhdy♠ irgend ein Mal, einſt,
♣nėkak♠ auf irgend eine Weiſe.

Mit dem verſtärkenden ♣ž: hižo♠ ſchon, ♣tež♠ auch. In ♣džež, dyž♠ iſt
♣ž♠ beziehend.

Mit ♣da, džė, džėn: hdžeda♠ wo denn; ♣tamdžė, tamdžėn♠ ei nun dort;
♣nėdžedžė♠ irgendwo doch; ♣nihdžedžėn♠ i nu nirgends; ♣wšudžomdžė♠
freilich überall.

Mit der Sylbe ♣kuli♠ und (beziehend) ♣kuliž: hdyžkuli♠ wann immer,
♣hdyžkuliž; nėhdžežkuli♠ an mancherlei Orten; ♣nėhdyžkuli, nėhdyžkuliž♠
mancherlei Mal.

Mit ♣sa: lėtsa♠ dieſes Jahr, heuer v. ♣lėto; džentsa♠ heut v. ♣džeń.♠

Mit dem verſtärkendem ♣to: tamto♠ dort gerade, ♣hdžeto♠ wo das?
♣hdžežto♠ wo (nämlich), da.

Mit ♣lej: tulej♠ hier da; ♣tamlej♠ dort da; ♣jowley♠ hierher; ♣tejkolej♠
ſo viel; ♣takle, taklej♠ ſieh ſo.

Mit ♣by: bysnadž, bysnadno♠ wahrſcheinlich. Hieher gehören auch die
Numeralia Adverbia mit ♣króć,♠ ſ. §. 37.

§. 33.

Adverbien mittelſt Präpoſitionen.

Adverbien werden auch mit Präpoſitionen gebildet, indem man dieſe: 1)
mit Subſtantiven verbindet: ♣zmėrom♠ ruhig, ♣zpokojom,♠ zufrieden;
hieher gehören beſonders viele Adverbia des Ortes: ♣zdaloka♠ von der
Ferne; ♣zwonka♠ von außen, ♣wwonka♠ außerhalb, ♣znutska♠ im Innern,
♣wnutsi♠ (čech. ♣wnitř,♠) innerhalb, ♣sredža♠ mitten, <pb
n="61"/>♣zesredž, zesredža♠ aus der Mitte, ♣wosredža♠ in der Mitte, ♣do
sredža♠ in die Mitte hinein; von den Subſtantiven ♣dalok♠ die Ferne,
♣wonk♠ das Aeußere, ♣nutsk♠ das Innere, ♣sŕed, sŕedž♠ die Mitte. Eben ſo
♣skradžu♠ verſtohlener Weiſe, heimlich, ♣zẃercha♠ oberhalb, ♣zboka,
wboku,♠ ſeitwärts, ♣zkónca♠ endlich, ♣wokoɫo♠ rings und dergleichen von
♣ẃerch, bok, kónc, koło.♠

2. Indem man die Präpoſition ♣po♠ mit dem Accuſ. Sing. Gen. Fem. des
Adjectivs verbindet: ♣pomału, pomółčku♠ langſam, allmählich, ♣postarsku♠
nach alter Sitte; ♣po Polsku♠ auf polniſch.

3) Werden endlich Präpoſitionen auch mit anderen Redetheilen, beſonders
Adverbien zuſammengeſetzt, um wieder Adverbien zu bilden. Solche
Präpoſitionen ſind:

♣wo: wokoɫo♠ rings, ♣woprawdže♠ in der That, ♣wosobńe♠ beſonders.

♣w: wstronu♠ auf die Seite, ♣wprėki♠ in die Quere, ♣whoŕe♠ hinauf.

♣po: podno, porno, pódla♠ daneben, ♣pojutsišim♠ übermorgen, ♣potom,
potym♠ hierauf, ♣póćme♠ im Finſtern, ♣pozady♠ etwas hinten, ♣pódu♠ zu
zweien, ♣posledy♠ zuletzt.

♣na: napšec̀o♠ entgegen, ♣naprėdk♠ voraus, ♣naposledk♠ am Ende, ♣nahruby♠
auf der verkehrten, der Rückſeite, ♣nawopak♠ verkehrt, ♣naprėki♠ in die
Quere. Bei Adjectiven mit ♣na♠ wird der Endvokal weggelaſſen: ♣nažołt♠
gelblich, ♣načerẃen♠ röthlich, ♣načorn,♠ ſchwärzlich.

♣do: dozady♠ nach hinten, ♣dotaklej♠ bis daher, ♣dotam♠ bis dort hin,
♣dotudy♠ bis hieher, ♣dosé♠ genug (♣do-syć, syty♠ ſatt), ♣donaha,
doćelnaha, (ćelo♠ Kalb) bis auf bloßen Leib, ♣do-čista♠ rein (z. B. die
Wäſche waſchen zum letztenmal, etwas ins Reine abſchreiben), (♣dokeliž♠
weil).

♣z: ztam♠ von dort, ♣znak♠ rücklings, ♣spody♠ unten, ♣zespody♠ von unten
her, ♣zezady♠ hinten. Die Beiwörter endigen ſich hier auf ♣a: zńenahɫa♠
allmählig, ♣zrėdka, zrėdkahdy♠ ſelten ein Mal, ♣zceɫa♠ aus dem Ganzen,
♣zpoɫna♠ völlig, ♣zćežka♠ ſchwerlich, kaum; ♣zhusta♠ oft, ♣znowa♠ vom
Neuen.

♣za: zas, zasy♠ wieder (von ♣za♠ und ♣s), zatym♠ darauf, ♣zawėsće♠
gewißlich, ♣zasobu♠ hintereinander.

♣wot: wotjow♠ von hier, ♣wottam♠ von dort, ♣wottaklej♠ von da her,
♣zwotkel♠ von wo her? (mit ♣z), wot hoŕeka♠ von oben herab, ♣wot deleka♠
von unten herauf.

♣bez: bezdžak♠ ohne Dank, ♣invitus, 2. non invitatus, qui venit,♠ ungern
geſehen; ♣beztym♠ während deß, ♣beztoho♠ ohnedieß.

♣pši: pšitym♠ dabei.

♣pše: pšečo♠ warum, ♣pšeto♠ darum (♣pšetož,♠ Conj. denn).

♣pšed: pšedtym♠ vordem, ♣pšecy♠ dennoch, ♣pšed-wčorawšim♠ vorgeſtern.

♣pšez: pšezto♠ dadurch, ♣pšezceɫo♠ durchaus, ♣pšezedny♠ einen Tag um den
andern.

♣na: nato♠ darauf, ♣natym♠ darauf.

<pb n="62"/>

♣k: klétu♠ übers Jahr, ♣knajmeńšom♠ wenigſtens.

♣Doma♠ zu Hauſe, ♣wčera♠ geſtern, ſind Genit. Sing. von ♣dom♠ Haus,
♣wečor♠ Abend; ♣domoj♠ nach Hauſe, iſt der alte Dativ von ♣dom♠ anſtatt
♣domowi; dom♠ nach Hauſe, ſteht für ♣wdom,♠ wie bei ♣stronu; hoŕe♠
hinauf iſt Dativ von ♣hora♠ Berg; ♣dele♠ hinunter, ebenſo von ♣doɫ♠
Thal; ♣trochu, tróšku, tróšičku♠ ein wenig, ſind Accuſ. Sing. von
♣trocha, tróška, tróšička.♠

Manchmal ſteht auch ♣štož♠ anſtatt ♣jako: bėɫy štož snéh♠ weiß wie
Schnee; ♣čorny štož wuhlo♠ ſchwarz wie Kohle. Daß auch die Gerundia, und
verſchiedene Wortverbindungen, ja ſelbſt ganze Sätze, die Stelle von
Adverbien vertreten können, verſteht ſich von ſelbſt: z. B. ♣klečo ja
joho wohladach♠ ich ſah ihn knieend (als ich kniete), ♣z dobreje wole♠
freiwillig; ♣dali Bóh♠ gib’s Gott.

§. 34.

Ableitung der Adverbien von Adjectiven.

Die gewöhnlichſte Art, Adverbien von Adjectiven abzuleiten, beſteht
darin:

1) daß man das ♣y♠ oder ♣i♠ im Nominativ Singularis des Adjectivs in
♣’e♠ oder ♣y♠ verwandelt: ♣žiwy♠ lebendig, ♣žiẃe; hłupy♠ dumm, ♣hłuṕe;
sylny♠ ſtark, ♣sylńe; mudry♠ klug, ♣mudŕe; wulki♠ groß, ♣wulcy.♠ Dabei
werden gewöhnlich die Conſonanten verwandelt, ♣ɫy♠ geht in ♣le, chi♠ in
♣še, hi♠ in ♣zy, ki♠ in ♣cy, dy♠ in ♣dže, try♠ in ♣tsje, ty♠ in ♣će,♠ u.
ſ. w. über. Z B. ♣zły♠ böſe, ♣zlė; ćichi♠ ſtill, ♣ćiše; nahi♠ nackt,
♣nazy; tuhi♠ leiſe, ſanft, ♣tuzy; ḿechki♠ weich, ♣ḿechcy; tẃerdy♠ feſt,
♣tẃerdže; wótry♠ ſcharf, ♣wótsje; bohaty♠ reich, ♣bohaće; kruty♠ feſt,
♣kruće.♠

2) Eine andere Form iſt die auf ♣o,♠ indem man anſtatt ♣y♠ oder ♣i♠ im
Nominativ des Adjectivs ♣o♠ ſetzt. Gewöhnlich geſchieht dieſes bei denen
mit hartem Endconſonant und denen auf ♣chi;♠ Z. B. ♣toɫsto pomazana
pomazka,♠ eine dick (mit Butter) belegte Schnitte; ♣ćicho♠ ſtill und
♣ćiše;♠ z. B. ♣wšitko ćiše spaše,♠ Alles ſchlief ruhig (Volkslied);
♣chėtry♠ ziemlich groß, ♣chėtro♠ ziemlich und ♣chėtŕe; chėcy♠ (ſtatt
♣chėtsy)♠ und ♣chėtsje♠ geſchwind, ſchnell. Viele Adverbien haben ♣o♠
und ♣’e♠ (oder ♣y♠ zugleich: dann iſt ♣o♠ gewöhnlich mehr Adjectiv, ♣’e♠
mehr Adverb.; ♣džentsa je ćicho♠ heute iſt es windſtill, nie aber
♣ćiše.♠ So haben wir ſchon erinnert, daß in ♣kak, tak, hinak♠ das ♣o♠
verloren gegangen iſt; ſo wie es ſich in ♣jako♠ und ♣wšelako♠ noch
erhalten hat.

1. Anmerkung. Dieſe Form ſcheint mir nur dazu gebraucht zu werden, um
Zweideutigkeiten oder Mißtönen zu entgehen. So klingt ♣horcje♠ von
♣horcy♠ heiß, ſchlecht, und müßte auch der Regel §. 11. nach in ♣horće♠
verwandelt werden, wo es dann mit ♣w horće♠ <pb n="63"/>im Munde
zuſammenfiele. Von ♣suchi♠ dürr ginge ♣suchje♠ in ♣suše♠ über, was nicht
ſehr gut klingt.

2. Anmerkung. Auch von Diminutiv-Adjectiven werden Adverbien abgeleitet,
und dieſe ſind dann ebenfalls diminutiv; ♣móličko♠ von ♣mólički♠ klein;
♣chuduško♠ von ♣chuduški♠ ärmlich; ♣maɫko♠ wenig von ♣mały.♠

3) die von Perſonen- und Eigen-Namen abgeleiteten Adjective auf ♣ski♠
werden zugleich auch als Adverbia gebraucht, und endigen ſich als ſolche
auf ♣ski♠ und ♣scy♠ zugleich. ♣Pólski♠ und ♣Pólscy♠ polniſch; ♣Łaćonski♠
und ♣Łaćonscy♠ lateiniſch. Dieſes ahmen auch viele Gattungsnamen nach;
z. B. ♣jandželski♠ und ♣jandželscy♠ engliſch; ♣pohanski♠ und ♣pohanscy♠
heidniſch; ♣podjanski♠ und ♣podjanscy♠ katholiſch; ♣žónski♠ und ♣žónscy♠
weibiſch u. ſ. w.

§. 35.

Comparation der Adverbien.

Einer Comparation ſind nur jene Nebenwörter fähig, die auf die Frage wie
ſtehen und gewöhnlich Beſchaffenheitswörter heißen. Sie ſind meiſtens
von Adjectiven gedildet. Dieſe leiten den Comparativ des Adverbiums vom
Comparativ des Adjectivums ab, indem ſie ♣ši♠ in ♣šo♠ verwandeln:
♣ẃeselši♠ fröhlicher, ♣ẃeselšo; žoɫćiši♠ gelber, ♣zoɫćišo;♠ die den
Comparativ im Adjectiv auf ♣tsi♠ haben, enden das Adverbium auf ♣tsjo♠
oder ♣tsje; bohatsi♠ reicher, ♣bohatsjo♠ oder ♣bohatsje;♠ eben ſo die
auf ♣dsi; chudsi♠ ärmer, ♣chudsjo♠ und ♣chudsje♠ (§. 27.).

Der eigentliche, ächt ſlawiſche Ausgang des Comparativ’s beim Adverb iſt
aber ♣’o♠ oder ♣’e.♠ Dieſen haben die Adverbien mit dem Endconſonanten
♣h,♠ wie ♣zažo♠ oder ♣zaže♠ v. ♣zahe♠ früh; ♣tužo♠ v. ♣tuho, tuhi♠
ſanft; (aber ♣dróžšo♠ v. ♣dróžši♠ theuer). Eben ſo haben ♣’e♠ oder ♣’o♠
alle unregelmäßig geſteigerten Adverbien, (ſiehe unten 2. ſo wie viele
andere, beſonders aber jene, deren Adjective einen unregelmäßigen
Comparativ haben. So haben die von den Adjectiven der Form ♣žki♠ oder
♣zki♠ im Poſitiv abgeleiteten Adverbien im Comparativ ♣žo♠ oder ♣že:
ćežo, ćeže♠ v. ♣ćežki♠ ſchwer; ♣bližo, bliže♠ v. ♣blizki♠ nahe, ♣nižo,
niže♠ v. ♣nizki♠ niedrig. Bei denen auf ♣oki♠ im Poſitiv tritt ♣’o♠ oder
♣’e♠ an die Stelle von ♣oki: hɫub́e♠ tiefer v. ♣hłuboki; wyše, wyšo♠ v.
♣wysoki♠ hoch; ♣dale♠ v. ♣daloki♠ fern, (♣šėroki♠ hat ♣šėršo♠ v.
♣šėrši♠).

2) Von ganz andern Wurzeln bilden den Comparativ: ♣deŕe♠ gut, ♣lėpe;
zlė♠ ſchlecht, ♣hóŕe; maɫo♠ wenig, ♣ḿeńe; ẃele♠ viel, ♣ẃacy; jara, jary♠
ſehr, ♣bóle; (doɫho♠ länger, ♣dlėhe; skoro♠ bald, ♣skeŕe♠ haben den
Umlaut).

3) Der Superlativ der Adverbien wird, wie bei den Adjectiven, <pb
n="64"/>aus dem Comparativ des Adverbiums gebildet, indem man demſelben
die Sylbe ♣naj, nanaj, hačnanaj♠ vorſetzt; ♣najžoɫćišo, nanajbliže,
hačnanajbohatsjo; najdale, nanajbóle, hačnanajskeŕe.♠

Bildung der Numeralien.

§. 36.

Grund- und Ordnungszahlen.

1) Einfach ſind:

♣I.♠ ♣II.♠

1. ♣jeden, dne, na. prėni, ńe, ńa.♠

2. ♣dwaj, dwė.♠ ♣druhi, e, a.♠

3. ♣tsjo, tsi.♠ ♣tsec̀i, e, a.♠

4. ♣štyŕo, ri.♠ ♣štwórty, e, a.♠

5. ♣ṕec̀o, ṕec̀.♠ ♣ṕaty, e, a.♠

6. ♣s̀ėsćo, s̀ėsć.♠ ♣šėsty, e, a.♠

7. ♣sedyḿo, dym.♠ ♣sedymy, e, a.♠

8. ♣wosyḿo, sym.♠ ♣wosymy, e, a.♠

9. ♣dz̀eẃec̀o, eć.♠ ♣džeẃaty, e, a.♠

10. ♣džesaćo, ać.♠ ♣džeśaty, e, a.♠

100. ♣sto.♠ ♣stoty, e, a.♠

1000. ♣tawzynt.♠ ♣tawzyntsty, e, a.♠

♣Jeden, dne, dna♠ iſt vermittelſt ♣en♠ gebildet; in der Umgangsſprache
ſagt man ſogar immer: ♣jeden, jene, jena. Dwaj♠ iſt Maſculin. ♣dwė♠
Femin. und Neutrum. ♣Tsjo♠ bis ♣džesaćo♠ ſind Maſculina Rationalia;
♣tsi♠ und ♣štyri♠ Maſculina Irrationalia, Neutra und Feminina; ♣ṕec̀♠ iſt
anſtatt ♣ṕac̀.♠ Von ♣ṕeć♠ an ſind alle Zahlwörter Subſtantiva
(ausgenommen die auf ♣ćo). Sto♠ iſt auch Subſtantiv. Gen. Neutr. (mit
dem Genitiv. conſtruirt). ♣Tawzynt♠ iſt Subſtantivum Gen. Maſc. Ob wir
♣c̀isyćo, ćisyć♠ ſlaw. Tauſend je gehabt, war mir bisher unmöglich
auszuforſchen. Beim unbenannten Zählen gebraucht man die Form des Maſc.
Irrat. ♣jeden, dwaj, tsi, štyri, ṕeć, šėsć, sedym♠ u. ſ. w.

Die Ordnungszahlen ſind reine Adjective: ♣préni, ńe, ńa♠ (anſtatt
♣pŕedni♠ [von ♣pŕed, prėdk, pŕedy♠]) der vorderſte mit Hilfe von ♣ni;
tseći♠ anſtatt ♣tŕeći (tsjo♠ anſtatt ♣tŕo♠) iſt mit Hilfe von ♣ći,
s̀tworty♠ mit ♣ty,♠ die übrigen werden alle mittelſt ♣y, e, a♠ gebildet,
dem ein harter Conſonant vorangehen muß; nur ♣tawzyntsty♠ hat ♣sty,♠ und
♣sto♠ hat ♣ty (stoty).♠

2) Mit ♣na♠ zuſammengeſetzt ſind:

11. ♣jėdnaćo, će, jėdnaty, e, a,♠ 12. ♣dwanaćo, će, dwanaty, e, a.♠

13. ♣tsinaćo, će, tsinaty, e, a,♠ 14. ♣štyrnac̀o, će, s̀tyrnaty, e, a.♠

15. ♣ṕatnaćo, će, ṕatnaty, e, a♠ 16. ♣šėstnaćo, c̀e, šėstnaty, e, a.♠

17. ♣sedymnaćo, će, sedymnaty, e, a,♠ 18. ♣wosymnaćo, će, wosymnaty, e,
a.♠

19. ♣džeẃatnaćo, će, džeẃatnaty, e, a.♠

Der Ausgang ♣naćo, će♠ iſt eigentlich zuſammengezogen aus ♣na <pb
n="65"/>džesać♠ (über zehn), mit dem Geſchlechtsausgange ♣o, e.♠ Beim
ungenannten Zählen gilt zwar auch hier das unter ♣I.♠ Geſagte, doch
kürzt man dieſe mit ♣na♠ oft auch nur ſo ab: ♣jėdna, dwana, tsina♠ u. ſ.
w. Bei den Ordnungszahlen wird ♣ćo♠ in ♣ty♠ verwandelt.

3) Ohne ♣na♠ mit ♣džesać♠ gebildet ſind:

20. ♣dwacyc̀o, ći.♠ ♣dwacyty, e, a.♠

30. ♣tsicyćo, ći.♠ ♣tsicyty, e, a.♠

40. ♣s̀tyrcyćo, c̀i.♠ ♣štyrcyty, e, a.♠

50. ♣ṕećdžesac̀o, sat, sać.♠ ♣ṕećdžesaty, e, a.♠

60. ♣s̀ėstdžesaćo, sat, sac̀.♠ ♣s̀ėstdžesaty, e, a.♠

70. ♣sedymdžesac̀o, sat, sac̀.♠ ♣sedymdžesaty e, a.♠

80. ♣wosymdžesaćo, sat, sać.♠ ♣wosymdžesaty, e, a.♠

90. ♣džeẃećdžesaćo, sat, sać.♠ ♣džeẃec̀džesaty, e, a.♠

Die Form ♣dwacyc̀o♠ iſt entſtanden aus ♣dwaj džesaćo,♠ eben ſo die
andern. Zwiſchen ♣ċo♠ und ♣ći, sat, sac̀♠ waltet derſelbe Unterſchied ob,
wie zwiſchen ♣ćo♠ und ♣će♠ bei den vorigen. Die Einer über zwanzig
werden mit ♣ha♠ angeſetzt oder vorausgeſchickt; ♣jedna ha dwacyćo
muz̀ojo♠ 21 Männer, ♣jedna ha dwacyći žonow♠ 21 Frauen; oder ♣dwacyćo ha
jeden muž; dwacyći ha jedna (jedne); dwaj ha dwacyći, tsi ha tsicyći,
ćo, štyri ha ṕec̀džesat♠ u. ſ. w. Eben ſo mit den Ordnungszahlen: ♣jedna
ha dwacyty; dwaj ha dwacyte; tsi ha dwacyta; štyri ha štyrcytej; ṕeć ha
ṕećdžesaty♠ u. ſ. w. Mit hundert: ♣sto ha jena ha dwacyćo, ći, 121, sto
ha jena ha dwacyty,♠ der 121 ſte (Von ♣dwaj♠ an das Maſc. Irrat.).

4) Mit hundert wird zuſammengeſetzt:

200. ♣dwė sćė (sći). dwėstoty, e, a.♠ ♣300. tsi sta. tsistoty, e, a.♠

400. ♣štyri sta. štyristoty, e, a.♠ ♣500. ṕeć stów. ṕećstoty.♠

♣dwaj tawzyntaj. dwajtawzyntsty.♠ ♣tsi tawzynty. tsi tawzyntsty.♠

♣štyritawzynty. štyrytawzyntsty.♠ ♣ṕeć tawzynt. ṕećtawzyntsty.♠

Auf dieſe Art lauten auch die aus einem Zahlworte und einem Subſtantiv
gebildeten Adjective, z. B.

♣dwaj mėsacny♠ zweimondig. ♣sedymlėtny♠ ſiebenjährig.

♣tsi mėsacny♠ dreimondig. ♣wosymróz̀kojty♠ achteckig.

♣ṕec̀lėtny♠ fünfjährig. ♣stopuntowy♠ hundertpfündig.

♣Jeden♠ und ♣dwaj♠ richtet ſich in der Zuſammenſetzung nach dem
Geſchlechte des Stammhauptwortes, daher: ♣jeden mėsacny♠ einmonatlich;
♣jenelėtny♠ einjährig.

§. 37.

Gattungs- und Multiplications-Zahlen.

Die Gattungszahlen ſind entweder Adjective, und haben dann als ſolche
die gewöhnlichen drei Endungen:

♣dwoji, e, a,♠ zweierlei; ♣troji♠ oder ♣tsoji, e, a,♠ dreierlei.

<pb n="66"/>

Von da an werden ſie mit der Sylbe ♣er♠ oder ♣or♠ gebildet:

♣štwory, e, a,♠ viererlei. ♣džesaćory♠ zehnerlei.

♣ṕećory♠ fünferlei. ♣džeẃećdžesaćory♠ neunzigerlei.

♣sedymory, mery♠ ſiebenerlei. ♣stotery♠ hunderterlei.

♣džeẃećory♠ neunerlei. ♣tawzyntory♠ tauſenderlei.

Vermittelſt ♣aki♠ werden gebildet: ♣jednajki♠ einerlei, ♣dwojaki♠
zweierlei, ♣trojaki♠ dreierlei, ♣štworaki♠ viererlei u. ſ. w.

2) Oder ſie ſind Adverbien und werden dann aus den genannten Adjectiven
ſo gebildet, daß man dem Neutr. Sing. ♣na♠ vorſetzt:

♣na jene♠ auf eines. ♣na džesaćore♠ zehnfach.

♣na dwoje♠ zweifach. ♣na wosym ha štyrcyćore♠ 48fach.

♣na tsoje♠ dreifach. ♣na stotere♠ hundertfach.

♣na štwore♠ vierfach. ♣na tawzyntore♠ tauſendfach.

Auch hier wird die kleinere Zahl als Grundzahl vorausgeſetzt. Die
Multiplicationszahlen zeigen an, wie viel Mal etwas zu denken ſei.
Wenige ſind einfach, faſt alle werden mit ♣króć♠ (Mal) gebildet; und
zwar, indem man das Maſc. Irrat. der Grundzahlen mit ♣króć♠
zuſammenſetzt:

♣junu, junkróć, jedynkróć♠ ein Mal; ♣dwójcy, dwajkróć♠ zwei Mal; ♣tsi
króć♠ dreimal, ♣štyrikróć♠ viermal, ♣ṕec̀ króć♠ fünfmal, ♣šėsćkróć♠
ſechsmal; ♣džesać króć♠ zehnmal; ♣dwacyći króć♠ zwanzigmal; ♣sto króć♠
hundertmal, ♣tawzynt króć♠ rauſendmal; ♣štyri ha tsicyći króć♠ 34mal;
♣džeẃeć ha wosymdžesat króć,♠ neun und achtzigmal.

Anmerkung. Anſtatt ♣króć♠ hört man auch ♣raz: won so tsi razy zahańes̀e,
pŕedy hač štom padže,♠ er holte dreimal aus, ehe der Baum fiel. Das
gewöhnlichſte iſt ♣mól,♠ deutſch Mal, ♣molej♠ Dual, ♣mole♠ Plural.

Anmerkung. ♣Junu♠ iſt der alte Inſtrumental vom Femin. von ♣jeden♠
(vergl. c̃ech. ♣jednou,♠ ruſſ. poln. ♣raz.♠)

Von dieſen Multiplicationszahlen wird auch noch ein Adjectiv
hergeleitet, indem man an ♣króć♠ die Sylbe ♣ny, e, a♠ anhängt:

♣junkróćny, e, a,♠ einmalig, ♣dwajkróćny,♠ zweimalig,

♣tsikróc̀ny♠ dreimalig, ♣štyrikróc̀ny♠ viermalig,

♣stokróćny♠ hundertmalig, ♣štyri ha tsicyćikróćny♠ 34malig.

§. 38.

Vertheilungs- und Halbirungszahlen.

Die Vertheilungszahlen bildet man, indem man dem Local der Grundzahl die
Präpoſition ♣po♠ vorſetzt:

♣po jenym, po jenej♠ zu einem, ♣pódwėmaj, pódu♠ zu zweien, ♣po tsjóch♠
zu dreien, ♣póštyŕoch♠ zu vieren, ♣poṕec̀och, ći♠ zu fünfen, ♣po šėsćoch,
ći♠ zu ſechs, ♣po sedyḿoch, mi♠ zu ſieben, ♣po wosyḿoch, mi♠ zu acht,
♣po tsi ha dwacyc̀och, c̀i♠ zu 23, ♣po džeẃeć <pb n="67"/>ha
džeẃećdžesaćoch, ći♠ zu 99. Außerdem haben 50, 60, 70, 80, 90 auch die
Formen: ♣po ṕec̀džesatach, po šėsćdžesatach, po sedymdžesatach, po
wosymdz̀esatach, po džeẃećdžesatach;♠ aber nur wenn ſie ohne ein anderes
Zahlwort ſtehen. Von hundert ſagt man: ♣po sćė♠ oder ♣po sći,♠ dann: ♣po
dwėmaj stomaj♠ oder ♣pódu sc̀e♠ zu zwei hundert, ♣po tsjóch stach♠ zu
drei hundert, ♣po štyŕoch stach♠ zu vier hundert, ♣po ṕeći stach♠ oder
♣po ṕec̀ich stach♠ zu fünf hundert, und ſo weiter in dieſer Doppelform.
Mit kleineren Zahlen geht ♣sto♠ unverändert voraus, und nur die kleinern
Zahlen folgen in der Vertheilungsform nach, z. B. ♣po sto ha jenym,
jenej♠ zu 101, ♣po sto ha dwėmaj♠ zu 102, ♣po sto ha tsjóch♠ zu 103 ...
♣po sto ha tsi ha dwacyćoch♠ oder — ♣cyći♠ zu 123, ♣po dwė sćė ha štyri
ha štyrcyćoch♠ zu 244, ♣po tsi sta ha wosym ha wosymdžesaćoch♠ zu 388,
♣po šėsc̀ stow ha dz̀eẃeć ha džewećdžesaćoch♠ zu 699.

Die halbirenden Zahlen werden gebildet, indem man dem Nominativ
Singularis Gen. Femin. des Ordnungszahlwortes das Wort ♣pöł♠ (halb)
vorſetzt; eigentlich aber iſt dieſe Endung ♣a♠ der alte Genitiv Singul.
Maſc. von dem ausgangsloſen Subſtantiv-Adjective ♣tsec̀, štwórt, ṕat♠ u.
ſ. w., von denen die Subſtantiva ♣štwórt-k♠ Donnerſtag, ♣ṕatk♠ Freitag
abgeleitet ſind:

1½ ♣póɫdra♠ (ſt. ♣poɫtora, poɫwtora, póɫdruha), 2½ póɫtsec̀a, 3½
póɫs̀twórta, 4½ półṕata, 9½ półdžesata, 10½ póɫjėdnata, 19½ póɫdwacyta,
20½ pół jedna ha dwacyta, 21½ pół dwaj ha dwacyta, 98½ póɫ džeẃec̀ ha
džeẃec̀džesata, 99½ pòl stota♠ (nicht ♣połsta♠=50), 100½ ♣sto ha pół,
101½ sto ha ṕołdra, 150 ṕołdra sta, 250 póɫ tseća sta, 998½ džeẃeć stow
ha półdžeweć ha džeẃec̀džesata, 999½ pół tawzyntstć,♠ (nicht ♣poɫ
tawzynta=500), 1000½ ♣tawzynt ha pół, 1001½ tawzynt ha półdra, 1826½
tawzynt wosym stow ha połsedymhadwacyta.♠

§. 39.

Subſtantive Numeralien.

Sie haben vier Formen:

1) Die Form auf ♣ica: jednica♠ Einheit, ♣dwojica♠ Zweiheit ♣(Dualismus),
trojica♠ Dreiheit ♣(trinitas), štworica♠ Vierheit, ♣ṕec̀ica♠ Fünfheit,
♣šėsc̀ica♠ Sechsheit, ♣sedymica♠ Siebenheit u. ſ. w. Von ♣ṕeć♠ an werden
ſie gebildet, indem man an die irrationale Form der Grundzahl die Endung
♣ica♠ anhängt.

Auch ♣połoẃca♠ die Hälfte v. ♣poł,♠ gehört hieher.

2) Die Form auf ♣ka:♠ Dieſe Zahlwörter ſind beſonders beim Spielen und
dergleichen gebraucht: ♣jenka♠ Einer (ein Auge); ♣dwójka, dwėnka♠
Zweier; ♣tsinka, trojka♠ Dreier; ♣štwórtka♠ Vierer; ♣ṕetka♠ <pb
n="68"/>Fünfer, ♣šėstka♠ (auch ♣šėstawka♠) Sechſer; ♣sedymka♠ Siebener;
♣wosymka♠ Achter u. ſ. w. ♣Jena ha dwacytka♠ Einundzwanziger; ♣stotka♠
Hunderter u. ſ. w. Sie werden von 5 anfangend, aus der Ordnungszahl
gebildet, indem man ♣y♠ am Ende in ♣ka♠ verwandelt. Auch ♣Półka♠ Hälfte,
beſonders von Dingen gebraucht, die in die Hälfte geſchnitten werden;
auch heißt ♣półka♠ die untere Hälfte des Hemdes, ohne Ärmel, beſonders
bei Frauenhemden.

3) Auf ♣k♠ (männlich) ſind beſonders folgende im Gebrauche: ♣šėstak♠
Sechſer, ♣sedmak♠ Siebener, ♣wosymak♠ Achter, anſtatt ♣šėstka, sedymka,
wosymka.♠

♣Tsec̀ak♠ Drittler, dritter Knecht; ♣šėsnak♠ ein Gulden ſtatt ♣šėstnak♠
von ♣šėsnaće,♠ weil 16 Groſchen; ♣džesatnik♠ Zehner; ♣dwacytnik♠
Zwanziger; ♣štwórtk♠ Donnerſtag von ♣štwórty♠ der vierte Tag in der
Woche; ♣ṕatk♠ Freitag von ♣ṕaty♠ der fünfte; ♣džesatk♠ Zehnte; ♣dwacytk♠
das Zwanzigſtel, zwanzigſte Theil.

4) Auf ♣ina;♠ mit der Bedeutung der Geſammtheit eines gewiſſen Theiles
von einem Ganzen; ♣ina♠ wird an die Stelle des ♣y♠ oder ♣i♠ im
Ordnungszahlworte angehängt: dabei muß ♣t♠ in ♣c̀♠ übergehen:

♣Tsećina♠ Drittheil, ♣štwórćina♠ Viertheil, ♣ṕećina♠ Fünftheil,

♣s̀ėsc̀ina♠ Sechstheil, ♣džeẃećina♠ Neuntel, ♣dwacyc̀ina♠ Zwanzigſttheil,

♣stoc̀ina♠ Hunderttheil, ♣tawzync̀ina♠ Tauſendtheil,

♣sto ha tsi ha dwacyćina♠ der 123ſte Theil.

§. 40.

Sammelzahlwörter.

♣Kopa♠ Schock; ♣por♠ Paar, zwei Stück; ♣tucynt♠ Dutzend; ♣mandel, dla♠
Mandel. ♣Nórt♠ ſechs Groſchen. ♣Runk♠ (von ♣runy♠ gerade) gerade Zahl,
♣ńerunk♠ ungerade Zahl (die Knaben haben ein Spiel, wobei ſie kleine
Dinge, als Bohnen, Knöpfe, Geldſtücke und dergl. in die geſchloſſene
Hand nehmen, und den Gegner rathen laſſen, ob ♣runk♠ oder ♣ńerunk;♠
böhm. ♣suda, lich.) Mnoho, ẃele♠ viel, ♣trochu♠ ziemlich, ♣mało♠ wenig,
♣wšitko♠ alles, ♣kóždy♠ jeder, ♣nėkotry♠ mancher (einige), ♣žaden, žane,
žana♠ (ſtatt ♣žadny, dne, dna)♠ keiner, ♣wšelki♠ allerlei, ♣wšitki,
wšicki, e, a♠ aller, ganz, auch ♣wšón.♠

Bildung der Fürwörter.

§. 41.

Die Fürwörter gehören zum Theil zu den urſprünglichen Sylben, als: ♣ja♠
ich, ♣ty♠ du, ♣wón♠ er; ♣my♠ wir, ♣wy♠ ihr; ♣sam♠ ſelbſt, ♣čo♠ (in
♣pšečo♠ und dergl.) was; ♣ki♠ wer, (alt, aber noch in ♣kiž♠). Oder <pb
n="69"/>ſie ſind vermittelſt der Sylben ♣oj, on, ry♠ und ♣ajki♠ von
andern gebildet:

♣mój♠ wir beide von ♣m; wój♠ ihr beide von ♣w.♠

♣mój, je, ja♠ mein von ♣m; tón, te, ta♠ dieſer von ♣t.♠

♣kotry, e, a♠ welcher von ♣kto; kajki, e, a qualis♠ von ♣k.♠

♣hinajki, e, a♠ ander (von ♣hiny); tajki, e, a, talis♠ von ♣t.♠

Oder ſie ſind zuſammengeſetzt, und zwar mit ♣-to♠ und ♣kuli:♠

♣Štó♠ wer, ♣što♠ was; ſtatt ♣čtó, čto♠ aus ♣k (ch)♠ und ♣to.♠

♣Štóžkuli, štožkuli♠ wer, was immer, aus ♣s̀tó-ž-kuli.♠

♣kotryžkuli♠ welcher immer, aus ♣kotry-ž-kuli.♠

♣kajkižkuli♠ wie immer, aus ♣kajki-ž-kuli.♠

Das hier vorkommende ♣ž♠ iſt das Zeichen der Beziehung; vermittelſt
deſſelben werden nämlich aus den fragenden Fürwörtern die Beziehenden
gemacht; ♣štó♠ wer ♣quis; štóž♠ welcher-der, ♣qui -is.♠

♣Tón♠ wird auch mit ♣tu♠ und ♣lej♠ (anſtatt ♣hlej♠ ſiehe da!)
zuſammengeſetzt: ♣tutón, tute, tuta♠ derſelbe; ♣tónlej, tolej, talej♠
dieſer hier. Eben ſo werden die Fürwörter mit ♣nė♠ und ♣ni♠
zuſammengeſetzt.

♣nė-♠ iſt bejahend, ♣ni-♠ verneinend:

♣nėchtó♠ Jemand, ♣nėšto♠ Etwas. ♣nichtó♠ Niemand, ♣ničo♠ Nichts.

♣nėkotry, e, a♠ mancher. ♣nic♠ nicht, Nichts (anſt. ♣nico♠),

♣nėkajki, e, a♠ irgend wie, einer. ♣nikajki, e, a♠ nichtsnutz.

♣z̀aden, žadne (z̀ane), žadna (z̀ana)♠ keiner, iſt aus ♣nižadny, nižaden♠
zuſammengezogen. ♣Koždy♠ jeder, aus ♣ki (kiž)♠ und ♣ždo, što. Jeden
kóždy♠ ein jeder, ſind zwei verſchiedene Wörter.

§. 42.

Eintheilung der Fürwörter.

Die Fürwörter werden ihrer Bedeutung nach in ſechs Claſſen eingetheilt:

1) Perſönliche Fürwörter.

Sie ſind in der Satzverbindung zugleich auch anzeigend. ♣Ja, mój♠ und
♣my♠ in der erſten, ♣ty, wój♠ und ♣wy♠ in der zweiten Perſon, gelten für
alle Geſchlechter.

Maſc. ♣ja sam,♠ Neutr. ♣ja samo,♠ Fem. ♣ja sama.♠

♣ty sam,♠ ♣ty samo,♠ ♣ty sama.♠

♣my sami (mo),♠ ♣my samo (e),♠ ♣my samo (e).♠

♣wy sami (mo),♠ ♣wy samo (e),♠ ♣wy samo (e).♠

♣mój samaj,♠ ♣mój samej, mi,♠ ♣mój samej, mi.♠

♣wój samaj,♠ ♣wój samej, mi,♠ ♣wój samej, mi.♠

Bei der dritten Perſon wird das Geſchlecht durch —, ♣e (o), a♠
bezeichnet: ♣wón, wono (ne), wona♠ er, es, ſie; auch im Dual und Plural.
Oder auch mit ♣y, e, a; kóždy, de, da♠ jeder.

<pb n="70"/>

Das reciproke ♣so, sej,♠ beziehet ſich nicht nur auf das Subject in der
dritten, ſondern auch in der zweiten und erſten Perſon aller Zahlen.

1. ♣boju so,♠ 2. ♣bojiš so,♠ 3. ♣boji so.♠

♣bojimoj so,♠ ♣bojitaj, tej so,♠ ♣bojitaj, ej so.♠

♣bojimy so,♠ ♣bojic̀e so,♠ ♣boja so.♠

♣Ja sam wot seb́e,♠ ♣ty sam wot seb́e,♠ ♣wón sam wot seb́e.♠

♣mój samoj wot seb́e,♠ ♣wój samoj wot seb́e,♠ ♣wonaj samaj wot seb́e.♠

♣my sami (o) wot seb́e,♠ ♣wy sami (e) wotseb́e,♠ ♣woni sami wot seb́e.♠

2) Anzeigende Fürwörter.

♣Sen, sij,♠ dieſer, ♣tón samy, to samo, ta sama.♠

♣tón, to, te, ta, tutón, tuto, tuta,♠ ♣tajki, tajke, tajka.♠

♣wón, wono, e, wona.♠ ♣hinajki, hinajke, hinajka.♠

Das veraltete ♣sen, sij♠ (welches die Ruſſen noch haben) hat ſich bei
uns nur in ♣džentsa♠ aus ♣dżeń, dńa sja,♠ Genit. dieſes Tages, heute;
und ♣lėtsa,♠ aus ♣lėta sja♠ dieſes Jahres, d. i. heuer erhalten.

3) Die fragenden Fürwörter.

♣Kajki, e, a♠ was für ein. ♣kotry, e, a♠ welcher.

♣štó♠ wer, ♣što♠ was. ♣čeji, e, a♠ weſſen.

Anſtatt ♣što♠ ſteht in Zuſammenſetzungen ſtets ♣čo♠ (weil nach elidirtem
♣t♠ das ♣k♠ in ♣č♠ übergeht); als ♣pšečo♠ warum; ♣načo♠ worauf.

4) Die beziehenden Fürwörter.

Einfache Relative gibt es im Serbiſch-Slawiſchen keine; denn ſelbſt
♣kiž♠ iſt aus ♣ki♠ und ♣ž♠ entſtanden. Sie werden alle aus den fragenden
Fürwörtern und zwar dadurch gebildet, daß man an jeden Caſus derſelben
♣ž♠ anhängt.

♣Kajkiž, kež, kaž qualis, Kotryž, trež, traž♠ welcher.

♣Štóž♠ derjenige, welcher; ♣štož♠ dasjenige, was.

♣Čejiž, jež, jaž♠ weſſen. ♣Kiž,♠ dem deutſchen »ſo« entſprechend.

Auch hier muß ♣čož♠ aus ♣čo-z̀♠ nach Präpoſitionen ſtehen.

Anmerkung. Aber nur aus den fragenden Fürwörtern werden durch Anhängung
des ♣ž♠ beziehende; auf keinen Fall aber aus den anzeigenden, wie dieſes
in den anderen Slawinen der Fall iſt.

5) Die allgemeinen Fürwörter.

Auch dieſe werden aus den Fragenden gebildet; man ſetzt dieſen nämlich
♣nė♠ und ♣ni♠ vor; ♣nė♠ iſt poſitiv, ♣ni♠ negativ.

♣nėkajki, ke, ka♠ irgendwie.♠ ♣nėkotry, e, a♠ mancher.

♣nėchtó♠ Jemand, ♣nėšto♠ etwas. ♣nėčeji, je, ja♠ Jemandes.

An dieſe wird oft, um ihre Bedeutung noch mehr zu verallgemeinern, die
Sylbe ♣kuli (cumque)♠ mit ♣ž♠ angeſetzt; als:

♣nėkajkižkuli, kežkuli, kažkuli♠ irgend wie immer.

♣nėkotryžkuli, trežkuli, traz̀kuli♠ manch einer, der und jener.

<pb n="71"/>

♣nėchtóžkuli, nėštožkuli,♠ irgend Jemand, irgend Etwas.

♣nėčejižkuli, ježkuli, jažkuli♠ manch eines, irgend Jemandes.

Ja ſogar noch ein ♣ž♠ wird angehängt: ♣nėkajkiz̀kuliž, nėkotryžkuliž,
nėchtóžkuliž, nėčejižkuliž.♠

♣Nikajki, e, a♠ zu nichts. — —

♣nichtó♠ Niemand, ♣ničo♠ Nichts. ♣ničeji, je, ja♠ Niemandes.

♣Nėšto♠ hat oft die Bedeutung: »ein wenig, einiges, einige von —«; dann
iſt es ein unbeſtimmtes Zahlwort; in Hinſicht der Rection §. 149.

6) Die poſſeſſiven Fürwörter.

Das Beſitzthum der bisher angeführten Fürwörter wird bald durch den
Genitiv derſelben, bald wieder durch ein eigenes, von dem Fürworte
ſelbſt abgeleitetes Pronomen bezeichnet.

♣mój, moje, moja♠ mein von ♣m; twój, twoje, twoja♠ dein, von ♣t. naš,
naše, naša♠ unſer von ♣nas; waš, waše, waša♠ euer von ♣was. swój, swoje,
swoja♠ ſein (mein, dein, unſer, euer, ihr) von ♣so.♠

Von ♣mój, wój♠ im Dual wird der Genitiv poſſeſſiviſch gebraucht: ♣naju,
naj,♠ unſer beiden; ♣waju, waj♠ euer beiden. Eben ſo die Genitive von
♣koždy♠ und ♣wón.♠

♣Swój,♠ als von ♣so♠ abgeleitet, bezieht ſich nicht nur auf die dritte,
ſondern auch auf die zweite und erſte Perſon, und zwar in jedem Numerus.
Daher iſt es ♣meus, tuus, suus, noster, vester,♠ und auch ♣nostri
utriusque, vestri utriusque;♠ ſobald ſich dieſe Wörter nur auf das
Subject im Satze beziehen. Zu ♣joho (jeho); jeje; jeju; jich,♠ verhält
es ſich gerade ſo wie ♣suus♠ zu ♣ejus, eorum♠ (ſiehe §. 133.).

Von den übrigen Fürwörtern beſtehen in einer eigenen Form nur folgende
Pronomina poſſeſſiva:

♣čeji, je, ja♠ weſſen von ♣s̀tó, što; ćejiž, jež, jaž♠ deſſen von ♣štóž,
štož; nėčeji, je, ja♠ Jemandes v. ♣nėchtó; ničeji, je, ja♠ Niemandes v.
♣nichtó.♠

Bildung der Zeitwörter.

Die Zeitwörter ſind in unſerer Sprache nicht nur der wichtigſte, ſondern
in ſeiner Behandlung auch der ſchwierigſte von allen Redetheilen.

§. 43.

Formen der Zeitwörter.

Die Grundformen eines jeden ſlawiſchen Zeitwortes ſind der Infinitiv und
die erſte Perſon des Präſens im Singular. Von dieſen <pb n="72"/>werden
die übrigen Formen gebildet und abgeleitet. Da aber die beiden
Participien des Perfects mancherlei Eigenthümlichkeiten haben, ſo werden
wir, um eine Menge von ſonſt nöthigen Anmerkungen, Ausnahmen und
beſonderen Regeln zu erſparen, auch dieſe beiden bei den verſchiedenen
Zeitwörtern ſtets angeben. — Mit Berückſichtigung Alles dieſes laſſen
ſich von unſeren Verben ſechs verſchiedene Hauptformen unterſcheiden:

♣I. A) ńes-u, ńes-ć♠ tragen. Die Stammſylbe ♣ńes-♠ nimmt im Präſens
♣-u,♠ im Infinitiv ♣ć♠ an.

♣B) pi-ju, pi-ć.♠ Die offene Stammſylbe ♣pi♠ bekommt im Präſens ♣-ju♠
(weil man ♣pi-u♠ nach einander nicht anders als mit einem dazwiſchen zu
hörenden ♣j♠ ſprechen kann), im Infinitiv ♣-ć.♠

♣II. A) wuk-nu, wuk-nyé♠ lernen.

♣B) wi-nu, wi-nyé♠ wenden. Die Stammſylbe nimmt im Präſens ♣-nu,♠ im
Infinitiv ♣-nyć♠ an.

♣III. lež-u, lež-eć♠ liegen. An den Stamm wird im Präſens ♣-u,♠ im
Infinitiv ♣-eć♠ angehängt.

♣IV. Sɫuž-u, sɫuz̀-ić♠ dienen. Die Stammſylbe bekommt im Präſens ♣-u,♠ im
Infinitiv ♣-ić.♠

♣V. A) syp-am, syp-ać♠ ſchütten.

♣B) hań-am, hań-eć (hańeć)♠ jagen; der Stamm bekommt im Präſens den
Zuwachs ♣-am,♠ in Infinitiv ♣-ać.♠

♣VI. kup-uju, kup-ować♠ kaufen. Die Stammſylbe bekommt im Präſens
♣-uju,♠ im Inſinitiv ♣-ować.♠

§. 44.

Ablcitung der einfachen Formen.

Von dieſem Präſens und Infinitiv werden alle einfachen Formen abgeleitet
(die Zuſammengeſetzten ſiehe §. 111.). Und zwar:

♣a)♠ Vom Infinitiv.

1) Das Particip Perfecti Activi, indem ♣ć♠ in ♣ɫ, ło, ɫa♠ verwandelt
wird; ♣ńes-ć, ńesł, sɫo, sɫa; pi-ć, piɫ; wuk-ny-ć, wuknyɫ; winy-ć,
winyɫ; sɫuz̀i-ć, sɫuz̀iɫ; sypa-ć, sypaɫ, hańa-ć, hańaɫ; kupowa-ć,
kupował;♠ nur bei der ♣III.♠ Hauptform: ♣lež-eć, lež-aɫ.♠ Die
Zuſammengezogenen auf ♣c♠ (♣I.♠ Form) machen es eben ſo: ♣lac♠ das iſt
♣lak-ć, lakł; ṕec,♠ d. i. ♣ṕek-ć, ṕekɫ; móc♠ d. i. ♣moh-ć, mohł.♠

1) Das lange Gerundium, indem man ♣ł♠ in ♣wši♠ (bei der ♣III. ał♠ in
♣iwši♠) verwandelt; ſteht aber vor ♣ɫ♠ im Particip ein Conſonant, ſo
wird die Härte durch ein eingeſchobenes ♣i♠ mit vorangehender weichen
(nach ♣c, s, z♠ aber ♣y♠) gemildert; ♣ẃedł, ẃedžiwši; pił, piwši;
wuknyɫ, wuknywši; prosyɫ, prosywši; chowaɫ, chowawši.♠

3) Das Particip Perfecti Paſſivi: indem man ♣ó♠ ſammt dem <pb
n="73"/>unmittelbar vorangehenden Vocal (wenn einer da iſt) in der ♣I.
A,♠ der ♣II.♠ und ♣IV.♠ in ♣’eny♠ verwandelt: ♣ńes-ć, ńeseny; wukn-yé,
wukńeny; słu-žić, słuz̀eny;♠ in der ♣III.♠ wird ♣eć♠ in ♣any: lež-eć,
ležany;♠ in der ♣V.♠ und ♣VI.♠ aber ♣ać (’eć)♠ in ♣any: syp-ać, sypany;
mėš-eć, mėšany; lubow-ac̀, lubowany;♠ bei der ♣I. B.♠ endlich ♣c♠ in ♣ty♠
verwandelt; ♣pi-ć, pity.♠

4) Von dem Part. Perf. Paſſ. wird das Verbal-Subſtantiv abgeleitet,
indem man ♣ny♠ in ♣ńo (ńe),♠ und ♣ty♠ in ♣ćo (će)♠ verändert: ♣paseny,
paseńo; pity, pic̀o; tsihńeny, tsihńeńo♠ Ein Schnitt; ♣wučeny, wučeńo♠
Lehren; ♣zańdženy, zańdžeńo♠ Vergehen; ♣byty, byc̀o♠ das Sein.

5) Endlich wird auch das Particip Präſentis Activi der ♣VI.♠ Hauptform
von dem Infinitiv abgeleitet; an die Stelle des — ♣ć♠ kommt ♣cy:
kupowa-ć♠ kaufen, ♣kupowacy; wojowa-ć♠ kriegen, ♣wo-jowacy.♠

6) Und von derſelben ♣VI.♠ Hauptform das Imperfectum; aus ♣ć♠ wird ♣ch:
lubowa-ć♠ lieben, ♣lubowach; dz̀akowa-ć♠ danken, ♣džakowach.♠

♣b♠) Vom Präſens wird abgeleitet:

1) Der Imperativ; man läßt ♣u♠ am Ende weg, und macht den Endconſonanten
weich:

♣ẃedu♠ führe, ♣ẃedž; ńesu♠ trage, ♣ńes; piju♠ trinke, ♣pij.♠

♣wuknu♠ lerne, ♣wukń; bėžu♠ laufe, ♣bėž; džakuju♠ danke, ♣džakuj.♠

In der ♣V.♠ wird aus ♣am♠ entweder ♣aj♠ oder ♣’ej: sypam♠ ſchütte,
♣sypaj;♠ ♣mėšam♠ miſche, ♣mėšej.♠

2) Vom Imperativ das kurze Gerundium auf ♣’o,♠ welches man an jenen
anhängt; ♣ẃedž, ẃedžo; wukń, wukńo; noš, nošo; lubuj, lubujo.♠

3) Das Imperfectum; indem man an die Stelle des ♣u♠ oder ♣am♠ im Präſens
♣ech, ’ech, ich, ych, ach♠ oder ♣’ach♠ ſetzt (♣VI.♠ ausgenommen); ♣ẃedu,
ẃedžech, ẃedžich; ẃezu, ẃezech, ẃezych; tsylu, tsylich; tsylam, tsylach;
sypam, sypach.♠

4) Das Particip Präſentis Activi, indem man ♣u♠ der erſten vier Formen
in ♣’acy♠ oder ♣’aty; am♠ der ♣V.♠ in ♣aty, acy♠ verwandelt (nur nach
♣c, s, z♠ ſteht manchmal ♣ecy,♠ oder ♣ycy): pletu♠ flechte, ♣plec̀acy;
laku♠ lege Schlingen, ♣lečacy; haju♠ hege, ♣hajacy; sypam, sypacy♠
(♣VI.♠ Form ſiehe vorher.).

§. 45.

♣I.♠ Hauptform.

Sie zerfällt in zwei Abtheilungen:

♣A) ńes-u, ńes-ć♠ tragen. Die characteriſtiſchen Modi haben die
Ausgänge:

<pb n="74"/>

Präſens ♣-u,♠ Part. Perf. Act. ♣-ɫ.♠

Infinit. ♣-ć,♠ Part. Perf. Paſſ. ♣-’eny.♠

1) Characteriſtik: ♣d, t, st, s, z;♠ Inf ♣sć.♠

♣ẃedu, ẃedɫ, ẃedženy, ẃesć♠ führen.

♣pšadu, pšadɫ, pšedženy, pšasć♠ ſpinnen.

♣jėm, jėdɫ, jėdženy, jėsć♠ eſſen.

♣ḿetu, ḿetɫ, ḿećeny, ḿesć♠ kehren.

♣ḿatu, ḿatɫ, ḿećeny, ḿasć♠ kneten.

♣rostu, rostł, rosćeny, rosć♠ wachſen.

♣tšasu, tšasł, tšaseny, tšasć♠ ſchütteln.

♣ńesu, ńesł, ńeseny, ńesć♠ tragen.

♣ẃezu, ẃezɫ, ẃezeny, ẃesć♠ führen.

♣Jėm♠ anſtatt ♣jėdm♠ ſteht zum Unterſchied von ♣jėdu, jėɫ, jėty, jėć♠
fahren.

2) Characteriſtik: ♣h (ž), k (č);♠ Inf. ♣c.♠

♣móhu (móžu) móhł, móženy, móc♠ können.

♣tołku, toɫkł, tołčeny, toɫc♠ ſtampfen.

♣laku, lakɫ, lec̀eny, lac♠ (Schlingen) legen.

♣ṕeku, ṕekł, ṕečeny, ṕec♠ backen.

♣(ŕeku), ŕekł, (ŕekńeny), ŕec♠ ſagen.

♣(ćeku, c̀ekl, ćečeny, ćec♠ träufeln.)

Anmerkung. Vor ♣’eny♠ muß ♣d♠ in ♣dž, t♠ in ♣ć, st in sć, h♠ in ♣ž, k♠
in ♣č♠ übergehen. Steht aber vor einem dieſer Conſonanten ein weiches
♣a,♠ ſo muß auch dieſes in den Umlaut ♣e♠ übergehen: ♣laku, lečeny. S♠
und ♣z♠ aber bleiben unverändert. In ♣móc♠ iſt ♣c♠ aus ♣hć,♠ in ♣ṕec♠
und den übrigen aus ♣kć♠ zuſammengeſchmolzen.

Analogiſch mit dieſen ſind die Verba von der Form:

♣-u, -ał, ’any, -ać.♠

♣(ščwu, ščuju), ščwał, ščwany, ščwać♠ hetzen.

♣(žwu, žuju), žwaɫ, žwany, žwać♠ kauen.

— ♣hnał, (hnaty), hnać♠ treiben.

♣sćełu, sɫał, słany, słać♠ ſchicken.

♣b́eru, brał, brany, brać♠ nehmen.

♣ṕeru, prał, prany, prać♠ ſchlagen.

♣seru, sraɫ, srany, srać cacare.♠

♣žeru, žrał, žrany, žrać♠ freſſen.

♣łžu, łhał, łhany, łhać♠ lügen.

Die Formen ♣žwu♠ und ♣ščwu♠ ſind ſelbſt in Compoſitis ſelten im
Gebrauch; man ſetzt dafür die längeren Formen. Bei ♣hnać♠ gebraucht man
im Präſens ♣ćėŕu♠ ich treibe; eben ſo im Imperfect: ♣ćėŕach,♠ im Futur
♣poc̀ėŕu. Próć, poru♠ ich trenne, und ♣kłóć, kolu♠ ich ſteche, haben im
Part. Perf. Paſſ. ♣próty♠ und ♣kɫóty,♠ daher ſtehen ſie beſſer bei ♣B.♠
3. (ſiehe dieſen folgenden Abſatz.)

♣B) pi-ju, pi-ć♠ trinken. Die characteriſtiſchen Modi haben die
Ausgänge:

<pb n="75"/>

1) ♣-ju, -ł, -ty, -ć.♠

♣wiju, wił, wity, wić♠ winden.

♣biju, biɫ, bity, bić♠ ſchlagen.

♣piju, pił, pity, pić♠ trinken.

♣sḿėju so, sḿał so, sḿaty, sḿeć so♠ lachen.

♣(smėm), smėł, smėty, smėć♠ dürfen.

♣lėju (leju), lał, laty, leć♠ gießen.

♣klėju, klėɫ, klaɫ, klaty, kleć♠ fluchen.

♣hrėju, hrėɫ, hrėty, hrėć♠ wärmen.

♣kryju, krył, kryty, kryć♠ bergen.

♣saju, saɫ, saty, sać♠ ſieben.

♣pšeju, pšał, pšaty, pšeć♠ gönnen.

♣wu-žiju, žił, žity, žić♠ genießen.

♣wo-džeju, džeł, džety, džeć♠ decken.

♣duju, duł, duty, duć♠ blaſen.

♣taju, taɫ, taty, tać♠ thauen.

♣kaju, kaɫ, katy, kać so♠ bereuen.

♣Smėm♠ iſt unregelmäßig ſtatt ♣smėju —; stał, staty, stać♠ ſtehen, hat
im Präſens ♣steju♠ oder ♣stoju;♠ und in Compoſitis ſtets ♣stanu;
wustanu.♠ Abweichend, mit ♣du,♠ im Präſens werden gebildet:

♣jdu (du), — (dženy), jić (hić)♠ gehen.

♣jėdu, jėł, (jėty), jėć♠ fahren.

♣budu, bydu, byɫ, byty, być♠ ſein.

♣(šedu), šoɫ, (šety),♠ — gehen.

♣Dženy♠ iſt nur in Compoſitis gebräuchlich; eben ſo ♣bydu♠ und ♣byty;
budu♠ iſt Futurum, das Präſens iſt von der Form ♣jes: jsym.♠

Andere ſind mittelſt ♣mu♠ oder ♣nu♠ gebildet:

♣(jem), jał, jaty, jeć♠ fangen.

♣najmu, najaɫ, najaty, najeć♠ miethen.

♣wozmu, wzaɫ, wzaty, wzać♠ nehmen.

♣(pnu), ṕał, ṕaty, ṕeć♠ ſpannen.

♣na-čnu, čaɫ, čaty, čeć♠ hauen.

♣žnu, žaɫ, žaty, žeć♠ ſicheln.

2) ♣ju, -ł, -ny, -ć.♠

♣nadžeju, nadžał, nadžany, nadžeć♠ hoffen.

♣(bleju), blaɫ. blany, bleć♠ ſpeien.

♣(pleju), plał, plany, pleć♠ ſpucken.

♣kraju, krał, krany, krać♠ ſchneiden.

♣prėju, prėł, pŕeny, prėć♠ ſtemmen.

♣tkaju, tkał, tkany, tkać♠ weben.

Die Formen ♣bleju♠ und ♣pleju♠ ſind nicht mehr im Gebrauche; man ſagt
dafür ♣bluju, pluju,♠ als ob von ♣blować, plować♠ nach der ♣VI.♠ Form;
da doch ♣bluwam♠ und ♣pluwam♠ zur ♣V.♠ gehört.

Bei denen auf ♣ać♠ hat man das Präſens aus ♣aju♠ gewöhnlich in ♣am♠
abgekürzt: ♣dam, dał, dany, dać♠ geben, (ſiehe ♣V.♠ Form.)

<pb n="76"/>

3) Viele Zeitwörter dieſer Form haben neben der offenen auch noch eine
zweite Form mit geſchloſſener Endſylbe, nach Art von ♣A:♠

♣sknyju, sknyɫ, skńeny, sknyc̀♠ dorren: ♣sknu.♠

♣žnyju, žnyɫ, žnyty, žnyć♠ ſicheln: ♣žnu.♠

♣kɫoju kɫóɫ, kɫóty, kɫóć♠ ſtechen: ♣kolu, kɫu.♠

♣mlėju, mlėɫ, mleny, mlėć♠ mahlen: ♣meɫu.♠

♣mrėju, mrėɫ, mŕeny, mrėć♠ ſterben: ♣zemru.♠

♣trėju, trėł, tŕeny, trėć♠ reiben: ♣zetru.♠

♣načrėju, črėł, čŕeny, črėć♠ ſchöpfen: ♣načru.♠

♣próju, próɫ, próty, próć♠ trennen: ♣poru, pru.♠

♣kćiju, kćiɫ, kćeny, kćėć♠ blühen: ♣kću, ktu.♠

♣chc̀ėju, chćėł, chc̀eny, chćić♠ taufen: ♣chću.♠

♣(chcyju), chcyɫ, cheyty, chcyć♠ wollen: ♣chcu.♠

Die Form ♣chcyju♠ iſt ganz ungebräuchlich; ♣ktu♠ kommt noch in
Volksliedern vor.

§. 46.

♣II.♠ Hauptform.

♣Wi-nu, wi-nyć♠ wenden. ♣wuk-nu, wuk-nyć,♠ lernen. Dieſe beiden Formen
unterſcheiden ſich nur dadurch von einander, daß die letztere ein
kürzeres Imperfect, ein ſolches Participium Perfecti Activi und einen
ſolchen Imperativ hat. Dieſe Abkürzung iſt nämlich bei denen Zeitwörtern
möglich, welche vor ♣nyć♠ einen Conſonanten, und ♣nyć♠ nur als
Bildungsſybe haben.

Die characteriſtiſchen Modi haben die Form:

1) ♣nu, nyɫ, ńeny, nyć.♠

♣winu, winył, wińeny, winyć♠ wenden.

♣zapinu, pinył, pińeny, pinyć♠ zuknöpfen.

♣minu, minył, mińeny, minyć♠ verſchwinden.

♣kinu, kinył, kińeny, kinyć♠ beugen.

♣padnu, padnyɫ, padńeny, padnyć♠ fallen.

♣lahnu, lahnył, lehńeny, lahnyć parere.♠

♣dosahnu, sahnył, sahńeny, sahnyć♠ erreichen.

♣tsihnu, tsihnył, tsihńeny, tsihnyć♠ einen Schnitt machen.

Anmerkung. ♣H♠ wird hier nicht als Buchſtabe behandelt; daher in
♣lehńeny♠ der Umlaut; eben ſo in ♣pšehńeny, ćehńeny.♠

2) ♣-nu, -ł♠ oder ♣nył, ńeny, nyć.♠

♣pšimnu, mła, mnył, mńeny, mnyć♠ angreifen.

♣sydnu, sydła, sydnył, sydńeny, sydnyć so♠ ſetzen ſich.

♣ẃaznu, ẃazła, ẃaznył, ẃazńeny, ẃaznyć♠ ſtecken bleiben.

♣hasnu, hasła, hasnył, hasńeny, hasnyć♠ auslöſchen.

♣wotpočnu, počła, počnył, počńeny, počnyć♠ ausruhen.

<pb n="77"/>

♣torhnu, torhła, torhnył, torhńeny, torhnyć♠ reißen.

♣porchnu, porchła, porchnył, porchńeny, porchnyć♠ platzen.

♣zamknu, mkła, mknył, mkńeny, mknyć♠ ſchließen.

♣ćisnu, ćisła, ćisnył, ćisńeny, ćisnyć♠ werfen.

Anmerkung. Letzteres ſteht anſtatt ♣ćisknu,♠ von der primären Form
♣c̀išću (ćisku)♠ ich drucke, drücke; eben ſo ♣prasnu♠ für ♣prasknu♠ von
♣praskam.♠

Die Sylbe ♣nu♠ bezeichnet bei den Zeitwörtern die momentane Handlung,
während die Form auf ♣am (V.)♠ die durative anzeigt; ♣lehnu so♠ ich lege
mich ein Mal nieder; ♣lėham so♠ ich lege mich (langſam und umſtändlich,
ſeltener: wiederholt.) Zweitens iſt ♣nu♠ aber auch die Form der
inchoativen Zeitwörter.

♣blėdnu, blėdł, blėdnył, blėdńeny, blėdnyć♠ blaß werden.

♣słódnu, słódɫ, słódnył, słódńeny, sɫódnyć♠ ſüß werden.

Wird aber das ♣n♠ weich (♣ń♠), ſo gehen ſie in die ♣IV.♠ Form über, und
bekommen eine tranſitive Bedeutung:

♣blėdńu, blėdnił, blėdńeny, blėdnić♠ blaß machen.

♣słódńu, słódnił, słódńeny, sɫódnić♠ malzen.

Wegen der momentanen Bedeutung bezeichnet dieſe Form bisweilen auch das
Futurum (§. 56.).

§. 47.

♣III.♠ Hauptform.

♣Lež-u, lež-eć♠ liegen. Dieſe Zeitwörter bedeuten gewöhnlich einen
dauernden Zuſtand, oder ſind ♣onomato-poëtica.♠ Die characteriſtiſchen
Modi haben die Form:

♣’u, ’ał, ’any, ’eny, ’eć.♠

♣sẃerb́u, sẃerb́ał, sẃerb́eny, sẃerb́eć♠ jucken.

♣béžu, bėžał, bėžany (ženy) bėžeć♠ laufen.

♣łz̀u, łžał, łžany, łžeć♠ lügen ♣(łhać).♠

♣ržu, ržał, ržany, ržeć♠ beben.

♣słyšu, słyšał, słyšany, šeny, słyšeć♠ hören.

♣widžu, widžał, widžany, widžeć♠ ſehen.

♣słodžu, słodz̀ał, słodženy, słodžeć♠ ſchmecken.

♣pišću, pišćał, pišćany, pišćeć♠ pfeifen.

♣leću, lećał, lećany, lećeć♠ fliegen.

♣tsju, tsjał, tsjany, tsjeć♠ haften.

♣kšiču, kšičał, kšičany, kšičeć♠ kreiſchen.

♣s̀ču, ščał, ščany, ščeć♠ piſſen.

♣Wėm♠ iſt unregelmäßig anſtatt ♣ẃedžu;♠ auch ♣smėm, smėć♠ dürfen, gehört
eigentlich hieher; aber die Formen ♣smėdžał, smėdžany♠ ſind veraltet,
und nur ſehr ſelten noch zu hören; da man ſie lieber nach Form ♣I. B.♠
bildet; aber das Imperfectum ♣sḿedžach, sḿedžich♠ <pb n="78"/>deutet auf
die frühere Form hin. Auch ♣sṕu, spał, spany,♠ gehört dieſen Zeiten nach
hieher, aber ♣spać♠ iſt ohne weiche Characteriſtik. ♣Widžeć♠ hat neben
den Ausgängen der ♣III.♠ Form auch noch manche der ♣IV.,♠ wie ♣widz̀ich,
widženy, widžic̀.♠

§. 48.

♣IV.♠ Hauptform.

♣Słuž-u, słuž-ić♠ dienen. Nach ♣c, z, s♠ geht ♣i♠ in ♣y♠ über: ♣proš-u,
pros-yć♠ bitten. Vor ♣’u♠ geht ♣s♠ in ♣š, z♠ in ♣ž♠ über. Die
characteriſtiſchen Modi haben die Form:

♣’u, ił, ’eny, ić.♠

♣haju, hajił, hajeny, hajić♠ hegen.

♣łoẃu, łoẃił, łoẃeny, łoẃić♠ fangen.

♣wab́u, wabił, wab́eny, wabić♠ locken.

♣teṕu, tepił, teṕeny, tepić♠ heizen.

♣ćḿu, ćmił, (ćmity), ćmić♠ finſter werden.

♣dńu, dnił, (dnity) dńeny, dnic̀♠ tagen.

♣mėńu, mėnił, mėńeny, mėnić♠ meinen.

♣walu, walił, waleny, walić♠ wälzen.

♣wėŕu, wěrił, wėŕeny, wėrić♠ glauben.

♣łudžu, łudžił, łudženy, łudžić♠ angeln.

♣byzdžu, byzdžił, byzdženy, byzdžić pedere.♠

♣droždžu, droždžił, droždženy, droždžić,♠ hefen.

♣leću, lećił, lećeny, lećić♠ fliegen.

♣pušću, pušćił, pušćeny, pušćić♠ laſſen.

♣hrožu, hrozył, hroženy, hrozyć♠ drohen.

♣prošu, prosył, prošeny, prosyć♠ bitten.

♣hrėšu, hrėšił, hrėšeny, hrėšić♠ ſündigen.

♣skoču, skočił, skočeny, skoc̀ić♠ ſpringen.

Dieſe Zeitwörter ſind alle primitiv, und bezeichnen faſt immer ein
einfaches, einzelnes Handeln (oder einen ſolchen Zuſtand.) Zu dieſer
Form gehören aber auch abgeleitete Zeitwörter, und dieſe haben dann, je
nach ihrem Stammworte verſchiedene Bedeutungen:

1) Eine iterative Bedeutung haben die von den tranſitiven Verben der
♣I.♠ Form abgeleiteten:

♣hońu, honić♠ jagen v. ♣hnać. chodžu, džić♠ gehen v. ♣šedu (hić).♠

♣wožu, wozyć♠ führen v. ♣ẃezu. jėzdžu, džic̀♠ fahren v. ♣jėdu.♠

♣wodžu, džić♠ führen v. ♣ẃedu. nošu, nosyć♠ tragen v. ♣ńesu.♠

2) Die von den neutralen Verben der ♣I.♠ Form abgeleiteten bekommen eine
tranſitive Bedeutung:

♣napoju, jić♠ tränken v. ♣piju. hnoju, jić♠ düngen v. ♣hniju.♠

♣staẃu, wić♠ ſtellen v. ♣stoju. žiẃu, wić♠ nähren v. ♣žiju.♠

♣wozab́u, bic̀♠ erfrören v. ♣wozeb́e. waŕu, rić♠ kochen v. ♣wru.♠

<pb n="79"/>

♣moŕu, ric̀,♠ tödten v. ♣mru. palu, lić♠ brennen v. ♣(plać).♠

Doch, meint Dobrowſky, ſeien ♣napoju, hnoju, staẃu, žiẃu,♠ eher von
♣napoj, hnój, staw, z̀iwy♠ abzuleiten; daſſelbe könnte man wohl auch bei
♣palic̀♠ (von ♣pal♠), ♣waric̀♠ (von ♣war♠), ♣morić♠ (von ♣mór♠) ſagen.

3) Ebenfalls eine tranſitive Bedeutung bekommen die von den Inchoativen
der ♣II.♠ Form abgeleiteten; wie:

♣blédńu, nić♠ blaß machen v. ♣blėdnu, dnyc̀; słódńu, słódńić♠ ſüß machen,
malzen v. ♣słódnu, dnyć.♠ Da es aber nur ſehr wenige Inchoative von der
♣II.♠ Form gibt, und man die davon abgeleiteten Tranſitive der ♣IV.♠
Form, eben ſo gut von den in jenen Inchoativen verborgenen Adjectiven
(♣blėdy♠ blaß in ♣blėdnu, słódki♠ ſüß in ♣słódnu♠) ableiten kann; und
weil gar außerordentlich viele Tranſitive der ♣IV.♠ Form in der That von
Adjectiven abgeleitet ſind: ſo wollen auch wir mehrere ſolche Verba
unter ♣No.♠ 6. dieſes §. anführen.

4) Auch von den Verben der ♣III.♠ Form werden Tranſitive der ♣IV.♠
gebildet:

♣sadz̀u, dz̀ić♠ ſetzen von ♣sedžeć♠ ſitzen; ♣na-sḿerdžu, džić♠ v.
♣sḿerdžeć♠ ſtinken; ♣sẃerb́u, bić♠ grimmen von ♣sẃerb́ec♠ jucken;
♣do-wo-lu, lic̀♠ einwilligen v. ♣(wel’u. welec̀); łožu, žić♠ legen v.
♣ležu, ležeć♠ liegen. Letztere beide leitet Dobrowſky wieder von ♣wola♠
Wille und ♣łožo♠ Bett ab. Auch ♣budz̀u, džić♠ wecken (von ♣bdžeć♠) gehört
unter dieſe Art.

5) Verba, die von den Namen der Perſonen bei gewiſſen Ständen, Ämtern
und Verrichtungen abgeleitet ſind, haben die factitive Bedeutung:

♣babic̀♠ von ♣baba♠ Hebamme; ♣hospodarić,♠ v. ♣hospodaŕ♠ Wirthſchafter;
♣hospozyc̀♠ v. ♣hospoza♠ Wirthin; ♣kmótsić♠ v. ♣kmótr♠ Gevatter; ♣kńežic♠
v. ♣kńez♠ Herr; ♣swaćić♠ v. ♣swat♠ Brautführer; ♣družčić♠ v. ♣družka♠
Brautjungfer; ♣bras̀čić♠ von ♣braška,♠ der Hochzeitsführer (vergl. die
auf ♣ować♠ §. 51.)

6) Die von Appellativen abgeleiteten haben gewöhnlich eine tranſitive
Bedeutung; auch die von Adjectiven abſtammenden:

♣z̀enić so♠ heirathen v. ♣žona; wohańbić♠ ſchänden v. ♣hańba; zmužić so♠
ſich ermannen von ♣muž; trubić♠ blaſen von ♣truba; bubnić♠ anſchwellen
v. ♣bubon; česćić♠ ehren von ♣česć; chćić♠ taufen, anſtatt ♣chšćić♠ (vom
ſlaw. ♣chřest, chřesć); slepić♠ blenden v. ♣slepy; bėlić♠ weißen v.
♣bėły.♠

Dabei geht ♣h♠ in ♣ž, ch♠ in ♣š, k♠ in ♣č, tr, tk♠ in ♣ts, dk♠ in ♣ds,
t♠ in ♣ć, d♠ in ♣dž♠ über; wie in:

♣waz̀ić♠ wägen von ♣waha; słužić♠ dienen (v. ♣słuha♠); ♣mnóžić♠ mehren v.
♣mnoho; drožić so♠ ſtolz thun von ♣drohi; stras̀ić♠ ſchrecken von
♣strach; pyšić so♠ ſich ſtolz kleiden v. ♣pycha; sus̀ić♠ dörren von
♣suchi; pohłušić♠ betäuben v. ♣hɫuchi; wučić♠ lehren (v. ♣wuka♠);
♣poručić♠ handhaben v. ♣ruka; močić♠ anfeuchten von ♣mok-ry; swačić♠
veſpern <pb n="80"/>v. ♣sẃatok; wótsić♠ wetzen v. ♣wótry; swėdsić♠
zeugen v. ♣swėdk; čisćić♠ reinigen v. ♣čisty; młodžić so♠ lüſtern ſein
v. ♣młody.♠

7) Viele von Adjectiven abgeleitete haben aber auch eine inchoative
Bedeutung:

♣młódnić♠ jung werden v. ♣młody; starič♠ altern v. ♣stary; šedžiwič♠
grau werden v. ♣šedžiwy; módrić♠ blau werden v. ♣módry.♠

Beſonders mit der Präpoſition ♣wo:♠

♣wonėmić♠ erſtummen v. ♣nėmy; wochromić♠ erlahmen v. ♣chromy.♠

§. 49.

♣V.♠ Hauptform.

♣Syp-am, syp-ać♠ ſchütten.

♣Mėšám, mėšeć♠ miſchen. Dieſe Zeitwörter bedeuten größtentheils eine,
durch eine gewiſſe Zeit hin dauernde Handlung. — Die primitiven Verba
dieſer Form haben im Präſens neben ♣am, as̀,♠ auch noch ♣(’u) ’eš,♠ u. ſ.
w. (♣I.♠ Form) i z. B. ♣sypam, sypaš♠ und ♣syṕeš;♠ doch iſt bei uns die
erſte Perſon von dieſer kurzen Form nie gebräuchlich; höchſtens nur in
einigen Compoſitis.

Die characteriſtiſchen Modi haben die Form:

♣A. am, ał, any, ać.♠

♣chowam, chował, chowany, chować♠ bergen.

♣skłubam, skłubał, skłubany, skłubać♠ rupfen.

♣drapam, drapał, drapany, drapać♠ kratzen.

♣drėmam, drėmał, drėmany, drėmać♠ ſchlummern.

♣stonam, stonał, stonany, stonać♠ ſtöhnen.

♣wołam, wołał, wołany, wołać♠ rufen.

♣woram, worał, worany, worać♠ ackern.

♣hłodam, hłodał, hłodany, hłodac̀♠ zuſammenſchaben.

♣ḿetam, ḿetał, ḿetany, ḿetać♠ werfen.

♣laptam, laptał, laptany, laptać♠ lecken.

♣ẃazam, ẃazał, ẃazany, ẃazać♠ binden.

♣kusam, kusał, kusany, kusać♠ beißen.

♣placam, placał, placany, placać♠ Ohrfeige geben.

♣torham, torhał, torhany, torhać♠ reißen.

♣macham, machał, machany, machać♠ ſchwenken.

♣płakam, płakał, płakany, płakać♠ weinen.

Die meiſten Verba dieſer Form ſind aber nicht primitiv, ſondern von
einer der erſten vier Formen abgeleitet. Durch dieſe weitere Ausbildung
verändern jene Zeitwörter auch ihre Bedeutung; ſo bekommen die von der
♣I.♠ Form abgeleiteten den Begriff einer lange währenden (durativen)
oder den einer ſich wiederholenden (iterativen) Handlung. Dabei geht das
vor dem Endconſonanten ſtehende ♣e♠ häuſig in ♣ė,♠ und ♣o♠ in ♣a♠ über.

<pb n="81"/>

♣kaɫam♠ ſteche oft v. ♣kolu; zbėram♠ ſammele v. ♣b́eru.♠

♣rozdžėram♠ aufſperre v. ♣drėju, dru; pɫatam♠ flicke v. ♣pletu.♠

♣pomham♠ (ſt. ♣pomaham♠) helfe v. ♣móhu; ẃergam♠ rüttele v. ♣ẃergu.♠

♣toɫkam♠ ſtampfe oft v. ♣toɫku; ćėkam♠ fliehe v. ♣ćeku.♠

Analogiſch dieſen werden auch von denen der ♣II., III.♠ und ♣IV.♠ Form
iterative Verba gebildet.

♣hrimam♠ donnere v. ♣hriḿu. pšimam♠ faſſe an v. ♣ps̀imnu.♠

♣mokam♠ wäſſere v. ♣moknu. dótkam so♠ berühre v. ♣dótknu.♠

♣sedam so♠ ſetze mich oft v. ♣sedžu. bėham♠ laufe v. ♣bėhu, bėžu.♠

♣lėham so♠ lege mich oft v. ♣ležu. posɫucham♠ gehorche v. ♣sɫyšu.♠

♣rubam♠ haue v. ♣rub́u. stupam♠ trete v. ♣stuṕu.♠

♣ɫamam♠ breche oft v. ♣łoḿu. pokuŕam♠ beräuchere v. ♣kuŕu.♠

♣zasḿerdžam♠ verſtänkere v. ♣sḿerdžeć. lėtam♠ fliege v. ♣leću.♠

♣kusam♠ beiße oft v. ♣kus̀u. bucham♠ ſchlage wiederholt v. ♣bušu.♠

♣storkam♠ ſtoße oft v. ♣storču. skakam♠ hüpfe v. ♣skoču.♠

Steht vor dem Endconſonanten des Stammes kein Vocal, ſo wird ♣ė♠
eingeſchoben:

♣rėkam♠ heiße v. ♣ŕku. zawėram♠ riegle zu v. ♣zawru.♠

♣podpėram♠ unterſtemme v. ♣podepru. pšėsćėram♠ breite aus v. ♣pšėstru.♠

Ein ♣i♠ dagegen ſchieben andere ein, die ♣nu♠ in ♣nam♠ verwandeln:
♣spinam♠ ſpanne an v. ♣spnu. žimam♠ winde aus v. ♣žmu.♠

♣mėńam♠ wechſeln v. ♣mnu. zpominam♠ gedenke oft v. ♣zpomńu.♠

♣linam♠ verliere Haare v. ♣linu. načinam♠ ſchneide an v. ♣načnu.♠

Andere ſetzen anſtatt ♣nu♠ gleich ♣am,♠ auch ſchieben ſie ♣y♠ ein:
♣zetykam, zetkam♠ begegne v. ♣tknu. zamkam♠ ſchlicße zu v. ♣zamknu.♠

Andere auf ♣ju♠ und ♣nu♠ ſetzen an deſſen Statt ♣wam:♠

♣nabywam♠ nehme zu v. ♣być. wobuwam♠ ziehe an v. ♣wobuju.♠

♣spėwam♠ ſinge v. ♣pėju. wotmywam♠ waſche ab v. ♣myju.♠

♣wusmėwam so♠ lächle v. ♣smėju so. naliwam♠ gieße ein v. ♣liju.♠

♣pluwam♠ ſpucke v. ♣pluju. wukrawam♠ ſchneide aus v. ♣kraju.♠

♣wurywam♠ grabe aus v. ♣ryju. wohŕewam♠ erwärme v. ♣hrėju.♠

♣wokšeẃam♠ erquicke v. ♣wokšeju. dawam♠ gebe v. ♣daju, dam.♠

♣naduwam♠ blaſe an v. ♣duju. wodžewam♠ bedecke v. ♣wodžeju.♠

♣zuwam♠ ziehe aus v. ♣zuju. wužiwam♠ genieße v. ♣žiju,♠

♣rozsywam♠ ſäe aus v. ♣syju. wušiwam♠ ſticke v. ♣s̀iju.♠

♣zakliwam♠ verkeile v. ♣klinu. pɫywam♠ ſchwimme v. ♣pɫynu.♠

♣stawam♠ ſtehe auf v. ♣stanu. wotpočiwam♠ ruhe aus v. ♣wotpočnu.♠

Anmerkung. Zu der ♣V.♠ Form gehören auch noch die Verba Diminutiva auf
♣kam, kał, kany, kać,♠ die nur in der Kinderſprache und im Scherze
vorkommend, dem Verbo die Nebenbedeutung von etwas Feinem, Niedlichem,
Kleinem geben, wie: ♣bolkać♠ von ♣bolić,♠ ein ganz klein wenig oder ſehr
fein ſchmerzen; ♣bėžkaé♠ von ♣bėžeć,♠ niedlich, hübſch, in kleinen
Schritten laufen; ♣spėwkać♠ von ♣spėwać,♠ in feinem, dünnen Tone, wie
Kinder, ſingen; ♣spinkać♠ v. ♣spać♠ ſchlafen; ♣smėwkać so,♠ v. ♣so
sḿeć,♠ lächeln.

<pb n="82"/>

§. 50.

Die iterativen Zeitwörter auf ♣’eć♠ ſtatt ♣’ać.♠

Dieſe Zeitwörter unterſcheiden ſich in ihrer Form einzig und allein
dadurch von den übrigen, daß ſie nach §. 11. ♣’ać♠ in ♣’eć♠ verwandeln,
ſo oft ♣a♠ zwiſchen zwei weichen ſteht. Daher iſt die Characteriſtik
aller dieſer Zeitwörter weich. Daß aber hier eine Vocalumwandlung ſtatt
gefunden, beweiſen uns nicht nur andere ſlawiſche Dialecte, ſondern auch
zunächſt der uns benachbarte niederlauſitziſche; er ſagt: ♣ps̀ašaš♠
anſtatt ♣prašeć, hańaš♠ anſtatt ♣hańeć.♠

Dieſe Zeitwörter ſind äußerſt ſelten primitiv, wie z. B. ♣wońam, ńec̀♠
riechen; ♣ẃečeŕam, ŕeć♠ zu Abend eſſen. Faſt durchgängig findet man ſie
mit Präpoſitionen zuſammengeſetzt und von Verben abgeleitet.

1) Von denen der ♣I.♠ Form ♣B.,♠ indem man ♣ju♠ im Präſens in ♣jam♠
verwandelt:

♣rozwijeć♠ zerwinden v. ♣wiju. zabijeć♠ todtſchlagen v. ♣biju.♠

♣pšipijec̀♠ zutrinken v. ♣piju. roztajeć♠ (Eis) zerſchmelzen v. ♣taju.♠

♣rozkajec̀ so♠ zerknirrſcht ſein v. ♣kaju so. zawłóčeć♠ zueggen v.
♣włóču.♠

2) Von den Verben der ♣IV.♠ Form, indem ♣ić♠ in ♣’ec̀♠ verwandelt wird:

♣napojeć♠ tränken v. ♣napojić. wuhajeć♠ aushegen v. ♣hajić.♠

♣staẃec̀♠ aufſtellen v. ♣staẃić. nawab́eć♠ anlocken v. ♣wabić.♠

♣zateṕeć♠ einheizen v. ♣tepić. hańeć♠ jagen v. ♣honić.♠

♣wońeć♠ riechen, duften. ♣tsyleć♠ ſchießen v. ♣tsylić.♠

♣pšispoŕeć♠ vermehren v. ♣pšisporić. nawótseć♠ anſchärfen v. ♣wótsić.♠

♣sadžeć♠ ſetzen v. ♣sadžić. wróćeć♠ umkehren v. ♣wróćić.♠

♣rozpušćeć♠ auseinander laſſen v. ♣pus̀ćić. wuwožeć♠ ausführen v.
♣wozyć.♠

♣sɫušeć♠ gehören. ♣prašeć♠ fragen v. ♣prosyć.♠

♣wėšeć♠ henken v. ♣wėsyć. mačeć♠ wäſſern v. ♣močić.♠

Doch haben bei uns viele Zeitwörter ſchon die Form ♣ować♠ angenommen,
wenn ſie gleich in den andern Slawinen nur ♣eć♠ haben; z. B. ♣zpušćować♠
nachlaſſen; ♣zapasować so♠ ſich umgürten; ♣znošować so♠ ſich erheben;
♣wuhašować♠ ausblaſen. (Siehe ♣VI.♠ Hauptform.).

§. 51.

♣VI.♠ Hauptform.

♣Kup-uju, kup-ować,♠ kaufen. Faſt alle Zeitwörter dieſer Form haben eine
iterative Bedeutung, und ſind von andern, ausgebildeten Redetheilen
abgeleitet.

Anmerkung. Man kürzt auch ab: ♣kup-wać;♠ und ſehr häufig <pb n="83"/>iſt
die Form ♣kup-uwać.♠ Die characteriſtiſchen Modi haben die Form: ♣uju,
ował, owany, ować.♠

1) Von Haupt-, Bei- und Nebenwörtern abgeleitet:

♣woj: wojować♠ kriegen. ♣pokuta: pokutować♠ büßen.

♣luby: lubować♠ lieben. ♣ḿeza: ḿezować♠ gränzen.

♣huba: hubować♠ küſſen. ♣kšiž: kšižować♠ kreuzigen.

♣šum: šumować♠ brauſen. ♣kwas: kwasować♠ Hochzeit halten.

♣bubon: bubnować♠ trommeln. ♣próca: prócować so♠ ſich bemühen.

♣kameń: kameńować♠ ſteinigen. ♣nóz̀ka: nóz̀kować♠ eilen.

♣dar: darować♠ geben. ♣strach: strachować so♠ ſich fürchten.

♣wob́ed: wob́edować♠ ſpeiſen. ♣džak: džakować so♠ danken.

♣rad: radować so,♠ ſich freuen. ♣zbytk: wuzbytkować♠ erſparen.

2) Von Zeitwörtern abgeleitet, und zwar: ♣a♠) von der ♣I.♠ Form ♣A.
nakładować♠ auflegen v. ♣kładu. rozpletować♠ zerflechten v. ♣pletu.
wurostować♠ auswachſen v. ♣rostu. napasować♠ ſatt weiden v. ♣pasu.
pšiṕekować♠ anbacken v. ♣ṕeku. zasykować♠ anhauen v. ♣syku.♠

♣b♠) von der ♣II.♠ Form:

♣zapinować♠ zuknöpfen v. ♣zapinu. pšesydować so♠ ſich umſetzen v.
♣sydnu. ćahować♠ ziehen v. ♣ćahnu. dótkować so♠ berühren v. ♣dótknu.♠

♣c♠) Von der ♣III.♠ Form ſelten; etwa:

♣wuležować so♠ ſich auslagern v. ♣ležeć. wusl’yšwać♠ erhören v.
♣sɫyšeć.♠

♣d♠) Von der ♣IV.♠ Form: Der Conſonant vor ♣ować♠ iſt weich, ſo oft es
der Wohlklang erlaubt: Daher ♣dž♠ ſtatt ♣d, ć♠ ſtatt ♣t, ž♠ ſtatt ♣z, š♠
ſtatt ♣s, č♠ ſtatt ♣k.♠

♣wuhajować♠ aushegen v. ♣hajić. kupować♠ kaufen v. ♣kupić.♠

♣ps̀emėńować♠ verwechſeln v. ♣pšemėnić. zapalować♠ anzünden v. ♣zapalić.♠

♣darować♠ ſchenken v. ♣darić. wuwodžować♠ ausführen v. ♣wuwodžić.♠

♣pošćować♠ borgen v. ♣pošćić, poražować♠ niederſchlagen v. ♣porazyć.♠

♣znošowac̀♠ erheben v. ♣nosyć. zamelěować♠ verſchweigen v. ♣zamelčić.♠

♣e♠) Von der ♣V.♠ Form:

♣pospėwować♠ ſingen v. ♣spėwać.♠ ♣zhibować♠ bewegen v. ♣hibać.♠

♣postupować♠ auftreten v. ♣stupać.♠ ♣naɫamować♠ anbrechen v. ♣ɫamac̀.♠

♣postonować♠ ſeufzen v. ♣stonać.♠ ♣starować so♠ ſorgen v. ♣starać.♠

♣wuhɫodować♠ auskratzen v. ♣hłodać.♠ ♣nasadžować♠ einſetzen v. ♣sadžeć.♠

♣polėtować♠ flattern v. ♣lėtać.♠ ♣naẃazować♠ anbinden v. ♣ẃazać.♠

♣pšikusować♠ zubeißen v. ♣kusać.♠ ♣namačować♠ einwäſſern v. ♣mačeć.♠

♣pšetorhować♠ durchreißen v. ♣torhać.♠ ♣zdychować♠ ſeufzen v. ♣dychać.♠

♣poskakować♠ hüpfen v. ♣skakać.♠ ♣postorkować♠ umſtoßen v. ♣storkać.♠

Anmerkung. Dieſe und die ♣V.♠ Form dienen bei den mit Präpoſitionen
zuſammengeſetzten Zeitwörtern dazu, um das Präſens zu bilden, wenn bei
denſelben die eigentliche Form die Bedeutung des Futurums hat: ♣pobėhnu♠
ich werde laufen, daher ♣pobėham, pobėhuju.♠

<pb n="84"/>

§. 52.

Reciproke Zeitwörter.

In allen Formen gibt es Zeitwörter, welche das Fürwort ♣so♠ bei ſich
haben. Bei einigen zeigt es ein wechſelſeitiges Verhältniß an (das
deutſche: einander): ♣so bic̀♠ ſich (einander) ſchlagen, ♣zetkać so♠
einander begegnen, ♣so hadruwać♠ ſich zanken, ♣so zwadžić♠ uneins
werden. Dieſelbe Bedeutung haben einige mit ♣z, ze♠ (mit)
zuſammengeſetzte: ♣so zeńdž♠ zuſammenkommen (♣to so zeńdže♠ das geht an,
das paßt zuſammen), ♣zchodžować so♠ häufig zuſammenkommen, ♣zlėtowac̀ so♠
zuſammenfliegen, ♣zestupać so♠ zuſammentreten (in einen Kreis und
dergl.), ♣zhladować so♠ einander abwarten. Bei andern bezieht ſich die
Handlung auf die handelnde Perſon allein zurück: ♣so myć♠ ſich waſchen,
♣so rėznyć♠ ſich ſchneiden. Doch kann auch bei ſolchen die Handlung
gegenſeitig gedacht werden, wenn das Subject im Dual oder Plural ſteht:
♣wonaj staj so zrėzałaj♠ heißt: ſie haben ſich (jeder ſich ſelbſt)
geſchnitten, oder: ſie haben einander geſchnitten. ♣Rubali su so,
kałali♠ ſie haben ſich (einander) gehauen und geſtochen (Lied).

Andere ſind neutrale Zeitwörter, bei denen ♣so♠ unzertrennlich ſteht:
♣bojeć so♠ ſich fürchten, ♣hańbować so♠ ſich ſchämen, ♣hnėwać so♠ ſich
ärgern, ♣radować so♠ ſich freuen, ♣dz̀iwać so♠ ſich wundern.

Viele tranſitive gehen durch ♣so♠ in neutrale über: ♣zɫobić so♠ ſich
ärgern, ♣tepić so♠ ertrinken, ♣warić so♠ kochen, ♣kurić so♠ rauchen,
♣wróćić so♠ umkehren, ♣ẃesć so vehor, tšasć so♠ wackeln, ♣płóšić so♠
ſcheu werden, ♣torhać so♠ reißen (das Seil reißt). Ähnlich iſt: ♣dowėrić
so♠ vertrauen, ♣hodžić so♠ anſtändig, paſſend ſein.

Eigenthümlich ſind auch die mit ♣na♠ und ♣do♠ (auch ♣wot♠)
zuſammengeſetzten: ♣najėsć so♠ ſich ſatt eſſen, ♣napić so♠ ſich ſatt
trinken, oder einen Trunk thun, ♣nažrać so♠ ſich ſatt freſſen, ♣nahladać
so♠ ſich ſatt ſehen, ♣dowoɫać so♠ und ♣wotwołać so,♠ wenn man gerufen
iſt, irgend einen Laut zur Antwort geben.

Folgende haben ♣so,♠ ohne daß ſie im Deutſchen reciprok ſind: ♣nadžeć
so♠ hoffen, ♣lubic̀ so, spodobać so♠ gefallen, ♣začerẃenić so♠ erröthen,
♣sḿeć so♠ lachen, ♣modlić so♠ beten, ♣woćelić so♠ kalben, ♣chóćić so♠
rindern, ♣prašeć so♠ fragen, ♣starać so♠ ſorgen, ♣stać so♠ geſchehen,
♣wustać so (do nėčeho)♠ verſtehen, ♣wuspać so♠ ausſchlafen, ♣poćić so♠
ſchwitzen, ♣błyskać so♠ blitzen, ♣błys̀c̀ić so♠ glänzen, ♣posćić so♠
faſten, ♣mróčić so♠ umwölken, ♣hodz̀ić so♠ paſſen, ♣dótkać so♠ berühren,
♣styskaė so♠ Heimweh haben, ♣zeńdž so♠ angehen, ♣džakować so♠ danken,
♣zabėhować so♠ ausholen, Anlauf nehmen. Überhaupt werden in gewiſſen
Gegenden, beſonders um die Haide, faſt alle neutralen Zeitwörter mit
♣so♠ conſtruirt; man hört da alle Augenblicke Redensarten, wie: ♣wone so
wilki dešćik džo,♠ es geht ſich ein <pb n="85"/>großer Regen; ſelbſt mit
tranſitiven: ♣ja sym so tam ẃele ludz̀i widžał♠ ich habe (ſich) dort
viele Leute geſehen.

Pleonaſtiſch iſt das ♣so♠ in ♣sednu so♠ ſetze mich, ♣lehnu so♠ lege
mich.

§. 53.

Imperſonale Zeitwörter.

Alle jene Verba aufzuzählen, welche als Imperſonalia gebraucht werden,
iſt im Serbiſchen faſt unmöglich, denn es gibt ganze Reihen von activen
und neutralen Verben, die mit oder ohne ♣so♠ zu Imperſonalen werden; z.
B. ♣kaž so poẃeda♠ wie man erzählt, ♣wono rėka♠ es heißt, man ſagt. ♣Što
was ḿerzy♠ was ärgert Euch? ♣Tu so tebi hubeńe kleči♠ hier knieſt du
ſchlecht.

Reine Imperſonalia aber ſind: ♣so chcyc̀♠ Luſt, Drang, Appetit haben: ♣ḿi
chce so pić♠ ich habe Durſt; ♣so ńechać♠ Luſt, Drang, Appetit nicht
haben: ♣mi so ńecha spać♠ ich mag nicht ſchlafen. ♣So styskać♠ Heimweh
haben: ♣w cuzb́e so mi styska♠ in der Fremde habe ich Heimweh. ♣So hić♠
gehen: ♣mi so deŕe dže♠ mir geht es gut. Auch ſcheinen mir
Imperſonalien: ♣so džeć♠ einen Traum haben: ♣mi so džije zo,♠ mir
träumt, daß ... ♣so stać accidere♠ geſchehen: ♣tebi so praẃe stańe♠ Dir
geſchieht recht.

§. 54.

Bildung des Präſens.

Die Formen des Präſens ſind eigentlich in den §§. 45 — 51, vollſtändig
angegeben worden. Jedoch haben dieſe Formen bei einigen Zeitwörtern die
Bedeutung des Futurums, wie: ♣budu ero,♠ deſſen Präſens ♣jsym.♠
Beſonders ſind dieſes die Zeitwörter der kürzeren Formen (der ♣I. II.
III. IV.♠), wenn ſie mit Präpoſitionen zuſammengeſetzt ſind. Sie
bedienen ſich alsdann der iterativen und durativen Formen (♣V. VI.♠), um
die Handlung als gegenwärtig darzuſtellen. Anſtatt: ♣nakładu♠ lege auf,
♣wodžeju so♠ bedecke mich, ♣roztsihnu♠ zerſchneide, ♣zatsylu♠ ſchieße
todt, ♣pósćelu♠ ſende, ♣zabėžu so♠ hole aus, ſagt man: ♣nakładuju,
wodžewam so, roztsiham, zatsylam, pósc̀ełam, zabėham so.♠

Von der zweiten Form haben einige die Bedeutung des Präſens, andere die
des Futurums: ♣ćahnu♠ ich ziehe jetzt, ♣dosahnu♠ ich reiche hin,
♣zapšahnu♠ ich werde anſpannen, ♣kusnu♠ ich werde beißen, ♣torhnu♠ ich
werde reißen; im Präſens dagegen: ♣kusam, pšaham, zapšaham, torham.♠
Eben ſo ♣wotpočnu♠ ich werde ausruhen, ♣wotpočuju♠ ruhe aus.

<pb n="86"/>

♣Pušću, skoču♠ und andere bei der vierten Form ſind ebenfalls Futura,
die ihr Präſens von der ♣V.♠ Form nehmen: ♣pušćam♠ ich laſſe los,
♣skakam♠ ich ſpringe. ♣Kuṕu♠ ich werde kaufen aber, und faſt alle
zuſammengeſetzten nehmen ſie von der ♣VI.♠ Form: ♣kupuju♠ ich kaufe ein,
♣wuwožuju♠ ich führe aus.

Die zuſammengeſetzten der ♣III.♠ Form nehmen das Präſens gewöhnlich von
denen der ♣VI.♠ Form: ♣poleću, polėtuju♠ ich fliege hin und her. Andere
wieder die ♣V.♠ Form: ♣ps̀isłušu, pšisłušam♠ ich gehöre an.

Die Zeitwörter der ♣V.♠ Form haben, wenn ihre Präſensform durch die
Zuſammenſetzung mit Präpoſitionen die Bedeutung des Futurums bekommt,
das Präſens zuweilen nach der ♣VI.: wotčakam, wotčakuju♠ ich warte ab;
♣zapłakam, zapłakuju♠ ich fange an abgebrochen zu weinen. Andere nehmen
das Präſens von andern Wurzeln: ♣budu♠ werde ſein, hat ♣jsym; wozmu♠ hat
♣b́eru♠ ich nehme; ♣dyŕu♠ hat ♣ćepu♠ ich ſchlage; ♣hnać (ženu)♠ hat
♣ćėŕu♠ ich treibe; ♣połožu♠ werde legen, hat ♣kładu; wułožu♠ werde
auslegen: ♣wukładuju; nal’ožu, pšełožu, złoz̀u♠ ich werde auf- über-
an-ſetzen, haben ♣nałoz̀uju, pšeɫožuju, złožuju.♠

§. 55.

Bildung des Futurums.

Das durative Futurum wird durch ♣budu♠ und den Infinitiv umſchrieben:
♣budu jěsć♠ werde eſſen, ♣budu spać♠ werde ſchlafen. Das kurze,
momentane Futurum dagegen iſt von der einfachen Form des Präſens nicht
unterſchieden: ♣wumru♠ ich werde ſterben, ♣zawru♠ ich werde ſchließen,
♣pońesu♠ ich werde tragen, ♣polėzu♠ ich werde kriechen, ♣poẃem♠ ich
werde ſagen, ♣zechcu♠ ich werde wollen; hier wird die Haudlung durch die
Präpoſition in dem Zeitworte näher beſtimmt. Das reine, keine Dauer der
Zeit berückſichtigende Futurum iſt nur bei der ♣II.♠ Form mit der Sylbe
♣nu♠ vorhanden: ♣padnu♠ ich werde fallen, ♣stanu♠ ich werde aufſtehen.

Die Zeitwörter, deren Handlung nicht auf ein Mal abgethan iſt, ſondern
eine gewiſſe Zeit hindurch fortdauert (durativ), haben gewöhnlich nur
die Form mit ♣budu:♠

♣sṕu♠ ſchlafe: ♣budu spać. jėm♠ eſſe: ♣budu jėsć.♠

♣móžu♠ kann: ♣budu móc. łžu♠ lüge: ♣budu łhać.♠

♣łóẃu♠ fange: ♣budu łóẃić. wozeb́e♠ friert: ♣budže wozebać.♠

Die einfachen Zeitwörter der erſten Form: ♣jdu,♠ gehe, ♣jėdu♠ fahre,
♣c̀ėŕu (hnać)♠ treibe, ♣ẃedu♠ führe, ♣ẃezu veho, ńesu♠ trage, bilden das
Futurum mit der Präpoſition ♣po,♠ und nur ihre iterative Form (♣IV.♠
Hauptform) hat ein duratives Futurum:

♣hić: póńdu: budu chodžić. jėć: pojėdu: budu jėzdžić.♠

♣ćėŕu: poc̀ėŕu: budu honić. ẃesć: poẃedu: budu wodzić.♠

<pb n="87"/>

♣ẃezć: poẃezu: budu wozyó. ńesc̀: pońesu: budu nosyé.♠

Eben ſo ♣polėzu♠ ich werde kriechen, ♣polaku♠ werde Schlingen legen.
♣Košilu ja pońesu k s̀walči ha potom budu ceły džeń wodu nosyć;♠ das Hemd
werde ich zur Nätherin tragen, und dann werde ich den ganzen Tag Waſſer
tragen.

Die kurze Form vertritt auch, beſonders mit den Präpoſitionen ♣po, do,
ze♠ und ♣wu,♠ die Stelle des Futurum Exactum in anderen Sprachen: ♣když
wumŕe, když kruwy zežeru, když pojėmy, když ječmeń posyčemy, dosyčemy,♠
wenn er geſtorben ſein wird, wenn die Kühe werden aufgefreſſen haben,
wenn wir werden gegeſſen haben, wenn wir die Gerſte werden nieder (oder)
vollends gehauen haben. Dagegen bezeichnet: ♣když jec̀meń syc budžemy,♠
wenn wir die Gerſte hauen werden — vielmehr eine Dauer in der Zukunft
mit Rückſicht auf das Gegenwärtige; beiläufig: ♣quum secabimus —
erimus.♠

Anmerkung. Anſtatt ♣budu♠ ſagt man im gewöhnlichen Sprechen faſt immer
♣du, džes̀, dže; džemój, džeẃe, džetaj, džetej; džemy, džeće, džeja
(dža).♠

§. 56.

Futura auf ♣nu♠ (♣II.♠ Hauptform.)

Nehmen die Zeitwörter der ♣I., III.♠ und ♣V.♠ Form die Bildung der ♣II.♠
Form an, ſo bekommen ſie die Bedeutung einer einfachen, einzelnen,
augenblicklich aufhörenden Handlung, welche als ohne alle Dauer, nicht
gegenwärtig gedacht werden kann; ſondern ſtets als künftig erſcheinen
muß. ♣Stanu♠ ich ſtehe auf (augenblicklich, von ♣stać♠ ſtehen
(bleibend); ♣tsihnu♠ ich mache Einen Schnitt von ♣tsihać; ŕeknu♠ ſage
Ein Mal von ♣ŕec♠ (alſo eigentlich ♣ŕku♠); ♣rėznu♠ thue einen Schnitt
von ♣rėzać.♠

Auf dieſe Art ſind auch die Futura: ♣pobėhnu♠ werde laufen, ♣padnu♠
werde fallen, ♣lehnu (so)♠ werde liegen, ♣sydnu (so)♠ werde ſitzen, ♣do-
sahnu♠ werde reichen, ♣zapšahnu♠ werde einſpannen, ♣wotsyknu♠ werde
abhauen, von den veralteten Formen: ♣bėhu, padu, lėhu, sydžu, sahu,
pšahu,♠ und der noch gebräuchlichen ♣syku♠ (von ♣syc♠) abgeleitet.

♣Pokradnu, wotsihnu, wuworhnu, narėznu, pobodnu♠ v. ♣pokradnyć♠
zuſammenſtehlen, ♣wotsihać♠ abſchneiden, ♣wuworhwać♠ ausdrehen,
♣narėzać♠ anſchneiden, ♣pobosć♠ umſtoßen mit den Hörnern, ſind daher
Futura einerſeits, weil ſie zuſammengeſetzt, anderſeits, weil ſie mit
♣nu♠ gebildet ſind. Eben ſo ♣poćahnu♠ ich werde ziehen.

Viele Zeitwörter der ♣II.♠ Form ſind an ſich noch nicht Futura; dieſe
werden es durch Vorſetzung von Präpoſitionen:

♣hinu♠ verweſe: ♣zahinu. minu♠ verſchwinde: ♣pominu.♠

<pb n="88"/>

♣kinu♠ wende: ♣wukinu. ćahnu♠ ziehe: ♣poćahnu.♠

♣wuknu♠ lerne: ♣nawuknu. moknu♠ werde naß: ♣zmoknu.♠

Manche Zeitwörter haben auch beide Formen, je nachdem ihre Handlung als
momentan oder als dauernd bezeichnet werden ſoll:

♣ḿerznu♠ friere: ♣budu ḿerznyć: zḿerznu.♠

♣ẃadnu♠ welke: ♣budu ẃadnyć: zẃadnu.♠

♣ćisnu♠ werfe: ♣budu ćisnyć: zćisnu.♠

Die meiſten aber nehmen, um den Unterſchied zwiſchen einer momentanen
und durativen Handlung im Futuro zu bezeichnen, die ♣V.♠ Form zu Hilfe:

♣ćahnu♠ ziehe: ♣poćahnu: budu ćahać.♠

♣hnuju♠ bewege: ♣hibnu: budu hibać.♠

♣ẃazam♠ binde: ♣zẃaznu: budu ẃazać.♠

Beſonders ſind es jene, bei denen die reine ♣II.♠ Form (ohne
Präpoſition) ſchon eine Futural-Bedeutung hat:

♣kopnu♠ ſtoße mit dem Fuße: ♣budu kopać. ṕerdnu pedo: budu ṕerdžeć.
klepnu♠ klopfe: ♣budu klepać. padnu♠ falle: ♣budu padać.♠

Im Allgemeinen muß man bemerken, daß die kürzeren Formen immer mehr
verſchwinden, wozu die nachbarlich deutſche Form mit „werde“ nicht wenig
beitragen mag; ſo daß ſie bei uns ſchon viel ſeltener ſind, als bei den
andern Slawen.

§. 57.

Futura der ♣III.♠ und ♣IV.♠ Form.

Die einfachen Zeitwörter der ♣III.♠ Form haben gewöhnlich das lange
Futurum:

♣widžu♠ ſehe: ♣budu widžeć. sedžu♠ ſitze: ♣budu sedžeć.♠

♣słyšu♠ höre: ♣budu słyšeć. ležu♠ liege: ♣budu ležeć.♠

♣melču♠ ſchweige: ♣budu melčeć.♠

Nur die zuſammengeſetzten haben oft die kürzere Form: ♣wusłyšu♠ ich
werde hören, ♣podžeržu♠ ich werde (eine Zeit lang) halten. Andere haben
das kurze Futurum von der ♣III.♠ und ♣IV.♠ Form, wie ♣poleću♠ werde
fliegen von ♣lećic̀♠ und ♣poběhnu♠ von ♣bėžeć.♠ Um die Dauer im Futuro zu
bezeichnen, ſagt man: ♣budu lėtac̀♠ (nicht ♣lećec̀♠) und ♣budu bėhać♠
(nicht ♣bėžec̀♠).

Die Iterative der ♣IV.♠ Form: ♣honic̀, jėzdz̀ic̀, wodžić, chodžić, wozyć,
nosyć♠ verlangen das umſchriebene Futurum: ♣budu honić♠ werde jagen u.
ſ. w. Die kurzen aber nehmen ſie von der erſten Form: ♣poẃedu, pojėdu,
póńdu, poẃezu, pońesu (poćėŕu.)♠

Die primären Zeitwörter, deren Handlung an ſich ſchon, oder durch
einzelne, aber ſchnell aufeinander folgende Momente — als dauernd
erſcheint, haben die lange Form:

♣zwońu♠ läute: ♣budu zwonić. žeńu so♠ heirathe: ♣budu so ženić. <pb
n="89"/>lub́u so♠ gefalle: ♣budu so lubić. chwalu♠ lobe: ♣budu chwalić.♠

♣pros̀u♠ bitte: ♣budu prosyć. česću♠ ehre: ♣budu česćić.♠

Bezeichnen ſie aber nur eine Handlung, oder nimmt man mehr auf das
Beendet-ſein, als die Dauer derſelben Rückſicht; ſo wird die einfache
Form vermittelſt der Präpoſitionen ♣wo, wu, po, z, za,♠ und anderer
angewendet:

♣dóju♠ melke: ♣nadóju. lub́u so♠ gefalle: ♣polub́u.♠

♣ɫóẃu♠ fange: ♣nałóẃu. teṕu♠ heize: ♣zateṕu.♠

♣žeńu so♠ heirathe: ♣wožeńu so. modlu so♠ bete: ♣pomodlu so.♠

♣waŕu♠ koche: ♣zwaŕu. mėŕu♠ meſſe: ♣pomėŕu.♠

♣rodžu♠ gebähre: ♣porodžu. leću♠ fliege: ♣poleću.♠

♣mnoz̀u♠ mehre: ♣rozmnožu. ćėšu♠ ſäuge: ♣poćėšu.♠

Andere Compoſita, wie ♣napoju♠ tränke, nehmen ihrer Bedeutung nach das
durative Futurum von ihrer ♣V.♠ oder ♣VI.♠ Form: ♣budu napojeć♠ werde
tränken.

Einige Zeitwörter der ♣IV.♠ Form haben im Präſens die momentane
Bedeutung, und ihr duratives Präſens und Futurum iſt nur nach der ♣V.♠
oder ♣VI.♠ Form vorhanden:

♣staẃu♠ ſtelle: ♣staẃam: budu staẃec̀; stuṕu♠ trete: ♣stupam: budu
stupać; tsylu♠ ſchieße: ♣tsylam: budu tsyleć; sadžu♠ ſetze: ♣sadžam:
budu sadžeć; wróću♠ kehre um: ♣wróćam: budu wróćeć; pušću♠ laſſe los:
♣pušćam: budu pušćeć; storěu♠ ſtoße: ♣storkam: budu storkać; kuṕu♠
kaufe: ♣kupuju: budu kupować; kroc̀u♠ ſchreite: ♣kročuju: budu kročować.♠

§. 58.

Futura der ♣V.♠ und ♣VI.♠ Form.

Die primären (nicht von andern Zeitwörtern gebildeten) Zeitwörter der
♣V.♠ Form haben nur mit Präpoſitionen die kurze, momentane Futur-Form,
während ſie als einfache nur des durativen Futurums fähig ſind:

♣džiwam so♠ wundere mich: ♣budu so džiwać: zpodžiwam so; wołam♠ rufe:
♣budu wołać: zawołam; z̀adam♠ wünſche: ♣budu žadać: požadam; ŕechtam♠
quacke: ♣budu ŕechtać: zaŕechtam; čakam♠ warte: ♣budu čakać: počakam;
(z̀aham)♠ brenne: ♣budu požahać: zpožaham; mėšam♠ miſche: ♣budu mėšeć:
zamėšam; ẃuskam♠ jauchze: ♣budu ẃuskać: zaẃuskam.♠

Auch ſelbſt von dieſen hört man oft einfache Formen, als: ♣wotčaknu♠
werde abwarten, oder ♣počaknu;♠ auch ♣zamėšu♠ werde einmengen; obwohl
letzteres auch von ♣zamėsyc̀♠ abgeleitet werden kann. Gibt es aber noch
eine einfache Form von demſelben Stamme, ſo wird, um eine momentane
Handlung zu bezeichnen, auch im Futurum jedes Mal nur dieſe (mit
Präpoſition) angewendet. Der Fall <pb n="90"/>iſt ausgenommen, wo von
einer an ſich dauernden Handlung nur das Vorüberſein bezeichnet wird,
als hörten ihre ſchnell nach einander folgenden Momente ſehr bald auf;
dann haben auch dieſe Zeitwörter (ſie ſind ſtets mit Präpoſitionen
zuſammengeſetzt) ein einfaches Futurum nach der ♣V.♠ Form: ♣potorham♠
ich werde ein Paar Mal reißen, ♣roztorham♠ ich werde es (ſchnell nach
einander) zerreißen, ♣budu torhać♠ ich werde (lange Zeit hindurch)
reißen; — dagegen ♣potorhnu♠ ich werde (ein wenig) reißen, ♣roztorhnu♠
ich werde (mit Einem Riß) zerreißen; ♣torhnu♠ ich reiße (werde reißen).
Eben ſo ♣rėzać♠ ſchneiden: ♣rozrėzam, wurėzam, budu rėzać; — rozrėznu,
wurėznu, rėznu.♠ Die Zeitwörter der ♣VI.♠ Form, welche nicht von Verben,
ſondern gerade von andern Redetheilen abgeleitet ſind, bilden ihr
Futurum mittelſt ♣budu;♠ nur ſelten nehmen ſie in Zuſammenſetzungen die
einfachere Form an:

♣wojuju♠ kriege: ♣budu wojować; potŕebuju♠ gebrauche: ♣budu potŕebować:
wupotŕebuju; ḿenuju♠ nenne: ♣budu ḿenować: zḿenuju; lubuju♠ liebe: ♣budu
lubować: polubuju; kašeluju♠ huſte: ♣budu kašelować: raduju so♠ freue
mich: ♣budu so radować: zraduju so: prócuju so♠ arbeite: ♣budu so
prócować; džakuju so♠ danke: ♣budu so džakować: podz̀akuju so.♠

Jedoch haben ſelbſt dieſe nur höchſt ſelten eine Futur-Bedeutung.
Andere, bei denen die Bedeutung kein kurzes Futurum möglich macht, haben
auch mit Präpoſitionen ſtets die Bedeutung des Präſens in der Form mit
♣uju;♠ z. B. von ♣naslėdowac̀♠ iſt ♣naslėduju♠ ich folge nach; ♣darowac̀♠
ſchenken, ♣zdaruju,♠ iſt bald Präſens bald Futurum.

Die Jterativen und Frequentativen der ♣V.♠ und ♣VI.♠ Form haben nur das
lange Futurum, wenn die primären dieſelbe Bedeutung haben; und das kurze
Futurum wird durch die kürzern Formen (♣I., II., III., IV.♠)
ausgedrückt:

♣dobywam♠ gewinne: ♣budu dobywać: dobydu. naliwam♠ gieße ein: ♣budu
naliwać: naliju. zawėram♠ ſchließe: ♣budu zawėrać: zawru. dosłyšam so♠
höre: ♣budu so dosłyšeć: dosłys̀u so; skakam♠ ſpringe: ♣budu skakać:
skoču.♠

♣-’eć.♠

♣rozwijam♠ entwickele; ♣budu rozwijeć: rozwiju. tsylam♠ ſchieße: ♣budu
tsyleć: za- tsylu. pušćam♠ laſſe los: ♣budu pušćeć: z- pušću.♠

Von ♣spėwam♠ ſinge, ♣płowam♠ ſchwimme, ♣kowam♠ ſchmiede; ſind die
Futura: ♣zazpėwam, pšepłowam, wokowam.♠

Die Frequentative auf ♣uju, ować♠ nehmen das einfache Futurum von ihrer
primären Form:

♣kupuju♠ kaufe: ♣budu kupować: pokuṕu: podpaluju♠ brenne: ♣budu
podpalować: podpalu; zapisuju♠ ſchreibe ein: ♣budu zapisowac̀: zapišu;
pošćuju♠ borge: ♣budu pošćowaċ: pošću.♠

<pb n="91"/>

♣Poskakuju♠ hüpfe, ♣wuskakuju♠ ſpringe heraus u. ſ. f. haben zwar zur
primären Form: ♣skakam;♠ aber ſie leiten ihr kurzes Futurum von der
früheren Form: ♣skoču♠ (aus der ♣skakam♠ ſelbſt erſt gebildet iſt) her:
♣poskoču, wuskoču.♠ Eben ſo ♣zćahuju so♠ ziehe aus (der früheren Wohnung
in eine andere), ♣budu so zćahować,♠ oder kurz: ♣zćahnu so.♠

♣Snėdać♠ frühſtücken (anſtatt ♣z-jėdać♠), hat im Futurum die lange Form
♣budu snėdać;♠ aber man ſagt: ♣posnėdam, dosnėdam♠ ich werde
frühſtücken, obwohl dieſes die iterative (♣V.♠) Form iſt.

Selbſt bei ſolchen von kürzeren Formen abgeleiteten Wörtern, in denen
die iterative Bedeutung nicht verloren geht, wenn ſie auch mit
Präpoſitionen zuſammengeſetzt werden: dient dieſe fünfte Form dazu, um
(wegen der Präpoſition) ein kurzes Futurum zu bilden: ♣łamać♠ brechen:
♣łamam: połamam. lėtać♠ fliegen: ♣lėtam: nalėtam. tsyleć♠ ſchießen:
♣tsylam: wutsylam. sadz̀eć♠ ſetzen: ♣sadz̀am: wusadz̀am. storkać♠ ſtoßen:
♣storkam: nastorkam.♠

Bei dieſen Formen denkt man mehr an die einzelnen, ſchnell auf einander
folgenden Momente der Handlung, welche dieſelbe als dauernd erſcheinen
laſſen: ♣Ty budz̀es̀ tak doɫho tsyleć, hač wšitke kulki wutsyleš♠ du wirſt
ſo lange ſchießen, bis du alle Kugeln verſchießen wirſt. Dagegen aber:
♣ja hišc̀e tulej kulku wutsylu, ha potym♠ ... ich will nur noch dieſe
Kugel ſchießen, und dann ... Eben ſo ein Unterſchied beſteht zwiſchen:
♣rozćaham♠ und ♣rozćahnu, wutorham♠ und ♣wutorhnu.♠

§. 59.

Bildung des Imperativ’s.

Der Imperativ wird von der zweiten Perſon Singularis Präſentis gebildet,
indem man von ihr ♣š♠ ſammt dem vor demſelben ſtehenden Vocal wegläßt;
nur bei der ♣V.♠ Form wird ♣aš♠ oder ♣eš♠ in ♣aj♠ oder ♣ej♠ verwandelt:

♣A) ẃedu♠ führe: ♣wedž. pletu♠ flechte: ♣pleć. rostu♠ wachſe: ♣rosć.
ńesu♠ trage: ♣ńes. možu♠ kann: ♣wu- moz̀. ṕeku♠ backe: ♣ṕeč. b́eru♠ nehme:
♣b́er. sćełu♠ ſende: ♣sćel. kolu♠ ſteche: ♣kol.♠

♣Jėm♠ (anſtatt ♣jėdu♠) eſſe, hat ♣jėz; jėdu♠ fahre, dagegen regelmäßig
♣jėdz̀; łžu♠ lüge hat ♣łži; šću♠ ſchlage Waſſer: ♣šc̀i; sṕu♠ ſchlafe:
♣spi.♠

♣B) wiju♠ winde: ♣wij, myju♠ waſche: ♣myj. pšeju♠ gönne: ♣pšej.♠

♣ruju♠ brülle: ♣ruj. wodžeju♠ bedecke: ♣wodžej. tkaju♠ webe: ♣tkaj.♠

♣kɫóju♠ ſteche: ♣kłój. mlėju♠ mahle: ♣mlėj. mrėju♠ ſterbe: ♣mrėj.
chćiju♠ taufe: ♣chćij.♠

♣Smėm♠ ich darf, hat auch ♣smėj,♠ weil es ♣smėju♠ in der erſten Perſon
Präſentis haben ſollte. ♣Stoju♠ oder ♣steju♠ (von ♣stać♠ ſtehen) <pb
n="92"/>hat ♣stój♠ und ♣stej. Du♠ gehe, hat ♣dži; jėdu♠ fahre, ♣jėdž;
budu♠ werde ſein, ♣bydž♠ ſt. ♣budž; jeć♠ fangen, ♣jej♠ (♣zajej, najej♠
dinge); ♣wozmu♠ nehme, ♣woz, wozmój, woztaj,♠ u. ſ. w.; ♣pnu♠ ſpanne,
♣ṕej♠ oder ♣pnyj; načnu♠ ſchneide an, ♣načnyj♠ oder ♣načej,♠ auch
♣načiń; žnu♠ ſichele, ♣žnyj♠ oder ♣žej.♠

♣II) wuknu♠ lerne: ♣wukń. ẃaznu♠ ſtecke: ♣ẃazń. padnu♠ falle: ♣padń.
ćahnu♠ ziehe: ♣ćéhń. klesnu♠ klatſche: ♣klesń. torhnu♠ reiße: ♣torhń.♠

♣III) bėžu♠ laufe: ♣bėž. sɫyšu♠ höre: ♣słyš. sedžu♠ ſitze: ♣sedž. pišc̀u♠
pfeife: ♣pis̀ć. lec̀u♠ fliege: ♣leć. b́eču♠ blöcke: ♣b́eč.♠

♣IV) dóju♠ melke: ♣dój. ɫoẃu♠ fange: ♣ɫóẃ. trub́u♠ blaſe: ♣trub́.♠

♣teṕu♠ heize: ♣teṕ. tsylu♠ ſchieße: ♣tsyl. hońu♠ jage: ♣hoń.♠

♣staŕu♠ altere: ♣staŕ. sadžu♠ ſetze: ♣sadż. wisyš♠ du hängſt: ♣wis.♠

♣nošu♠ trage: ♣noš. kńežu♠ herrſche: ♣kńez̀. brašču♠ kupple: ♣brašč.♠

Von ♣tsju♠ hafte, iſt der Imperativ ♣tsij;♠ von ♣šču♠ urinire, ♣s̀čij.♠
Von ♣wėm, wėdžeć♠ wiſſen, ♣widžu, widžeć♠ ſehen (und ♣smėm, smėé♠
dürfen) iſt kein Imperativ gebräuchlich.

♣V) chowam♠ berge: ♣chowaj. naliwam♠ gieße ein: ♣naliwaj.♠

♣spinam♠ ſpanne: ♣spinaj. hańam♠ jage: ♣hańej.♠

♣zbėram♠ ſammle: ♣zbėraj. kusam♠ beiße: ♣kusaj.♠

♣lėtam♠ fliege: ♣lėtaj. sadz̀am♠ ſetze: ♣sadžej.♠

♣tsiham♠ ſchere: ♣tsihaj.♠

♣VI) lubuju♠ liebe: ♣lubuj. kupuju♠ kaufe: ♣kupuj.♠

♣wusłyšuju♠ erhöre: ♣wusɫyšuj. daruju♠ ſchenke: ♣daruj.♠

♣rozḿetuju♠ zerwerfe: ♣rozḿetuj. nasadžuju♠ ſetze ein: ♣nasadžuj.♠

♣ḿezuju♠ gränze: ♣ḿezuj. pozbėhuju♠ erhebe: ♣pozbėhuj.♠

♣zdychuju♠ ſeufze: ♣zdychuj. polakuju♠ ſtelle auf: ♣polakuj.♠

§. 60.

Bildung der Präterita.

Unter allen Slaven hat ſich noch bei uns die alte aoriſtiſche
Perfectform auf ♣ch♠ (Imperfectum) am vollſtändigſten erhalten. Jedes
Zeitwort hat ſie ganz, ja viele ſogar doppelt. Sie wird folgender Maßen
gebildet:

1) Die Zeitwörter der ♣I.♠ Form ♣A.♠ ſetzen an die Stammſylbe die Endung
♣’ech♠ (weich) oder ♣ich♠ (♣ych♠ nach ♣c, s, z♠) an; davor gehen die
Conſonanten über §. 11. Selten iſt ♣ach:♠

♣ẃedu♠ führe: ♣ẃedžech, ẃedžich.♠ ♣pletu♠ flechte: ♣plećech, plec̀ich.♠

♣ńesu♠ trage: ♣ńesech, ńesych.♠ ♣ẃezu♠ führe: ♣ẃezech, ẃezych.♠

♣móžu♠ kann: ♣móžach, ich♠ (Comp.) ♣ṕeku♠ backe: ♣ṕečech, ṕečich.♠

♣sćełu♠ ſende: ♣sćelech, sćelich.♠ ♣b́eru♠ nehme: ♣b́eŕech, ich, -brach.
łžu♠ lüge: ♣łžach, łžech.♠

Eben ſo die mit ♣du♠ im Präſens:

♣jdu♠ gehe: ♣jdžėch: wuńdz̀ich, ech; budu ero: budžich.♠

<pb n="93"/>

Auch die mit der doppelten Form auf ♣ėju♠ und ♣u,♠ wo jede ein eigenes
Imperfect hat:

♣zawrėju♠ ſchließe: ♣zawrėjach. zawru: zawŕech, zawrich.♠

♣mrėju♠ ſterbe: ♣mrėjach. mru: wumŕech, wumrich.♠

♣kłóju♠ ſteche: ♣kłójach. kłu♠ o. ♣kolu: kɫòch, kolech, kolich.♠

♣žnyju♠ ſichele: ♣žnyjach. z̀nu: žnych, žnich, žńech, žńach.♠

2) Die Zeitwörter der ♣I.♠ Form ♣B.♠ dagegen ſetzen an den Stamm immer
♣’ach,♠ in Zuſammengeſetzten ♣-ch:♠

♣wiju♠ winde: ♣wijach, wuwich. biju♠ ſchlage: ♣bijach, nabich.♠

♣klėju♠ fluche: ♣klejach, zaklech, zaklach.♠

♣smėju so♠ lache: ♣smėjach so, wusḿech so, wusḿach so.♠

♣hrėju♠ wärme: ♣hrėjach, wohrėch. syju♠ ſäe: ♣syjach, wosych.♠

3) Die Zeitwörter der ♣II.♠ Form verwandeln die Sylbe ♣yć♠ in ♣ych:♠

♣winu♠ wende: ♣winych. zapinu♠ knöpfe zu: ♣zapinych.♠

♣pšimnu♠ faße an: ♣pšimnych. padnu♠ falle: ♣padnych.♠

♣ćisnu♠ werfe: ♣ćisnych. ẃaznu♠ ſinke: ♣ẃaznych.♠

♣lahnu pario: lahnych. wuknu♠ lerne: ♣wuknych.♠

4) Die Zeitwörter der ♣III.♠ Form haben durchgängig ♣’ach:♠

♣swerb́u♠ jucke: ♣swerb́ach. leću♠ fliege: ♣lećach.♠

♣widžu♠ ſehe: ♣widžach. słyšu♠ höre: ♣sɫyšach.♠

♣bėžu♠ laufe: ♣bėz̀ach. beču♠ blöcke: ♣bečach.♠

♣wėm♠ weiß: ♣ẃedz̀ach. smėm♠ darf: ♣smėdžach.♠

Nur die beiden letzten haben auch (obwohl ſelten), wenn man etwas
Augenblickliches bezeichnen will: ♣ẃedžich♠ und ♣smėdžich;♠ vielleicht,
weil man wohl auch bisweilen ♣ẃedžić♠ wiſſen, ſagt (und dann ♣smėć♠
analogiſch). ♣Mėć♠ haben, hat ♣mėjach♠ und ♣mėch♠ (einen Augenblick)
als: ♣ja joh mėch,♠ da hab ich ihn.

5) Die Zeitwörter der ♣IV.♠ Form ſetzen anſtatt ♣u♠ in der erſten Perſon
Singularis Präſentis ♣ach,♠ ſobald ſie eine länger dauernde Handlung
bezeichnen; ♣ich♠ aber, ſobald ſie etwas Momentanes bedeuten. Doch
gehört die Form ♣ach♠ eigentlich den Zeitwörtern der ♣III.♠ und ♣V.♠
Form ♣’ec̀♠ (anſtatt ♣’ać♠ wegen des vorangehenden weichen Conſonants)
an, aber viele Zeitwörter auf ♣ić♠ haben jene Form auf ♣eć♠ verloren,
und ſo muß man ♣ach♠ hieher rechnen:

♣haju♠ hege: ♣hajach, wuhajach. łóẃu♠ fange: ♣łóẃach, ɫóẃich.♠

♣wab́u♠ locke: ♣wab́ach, nawab́ich. teṕu♠ heize: ♣tepich.♠*

♣tsylu♠ ſchieße: ♣tsylich.* wėŕu♠ glaube: ♣wėŕach, dowėrich.♠

♣muc̀u♠ trübe: ♣zmućich, mućach. leću♠ fliege: ♣lećich.♠*

♣ɫažu♠ krieche: ♣łažach, łazych. prošu♠ bitte: ♣prošach, wuprosych.♠

♣skoču♠ ſpringe: ♣skočich.* hrėšu♠ ſündige: ♣hrėšach, zhrės̀ich.♠

Eben ſo die abgeleiteten:

♣staẃu♠ ſtelle: ♣staẃich.* palu♠ brenne: ♣palich.♠*

♣dowolu♠ erlaube: ♣dowolich.* sadžu♠ ſetze: ♣sadzich.♠*

♣wodžu♠ führe: ♣wodžich.* wožu♠ führe: ♣wozych, wožach.♠

<pb n="94"/>

♣bab́u♠ bin Hebamme: ♣bab́ach, nababich so. bražću♠ kupple: ♣bražćach,
wubražćich. žeńu so♠ heirathe: ♣žeńach so, woz̀enich so. sleṕu♠ blende:
♣sleṕach, woslepich. wažu♠ wäge: ♣wažich, powažichsłužu♠ diene:
♣słužach, posɫužich. wótsju♠ wetze: ♣wótsjach, nawótsich. młodžu so♠ bin
lüſtern: ♣młodz̀ach so, młodžich so. wochroḿu♠ werde lahm: ♣wochromich♠
(nicht ♣wochroḿach,♠ weil es nur ſchnell, ein Mal geſchieht). ♣šedžiẃu♠
werde grau: ♣šedžiẃach, wošedžiwich.♠

Anmerkung. Die mit * bezeichneten Verba haben deßhalb kein Imperfect auf
♣ach,♠ weil dasſelbe zu der Form auf ♣’ec̀♠ gehört (wie oben.)

6) Die Verba der ♣V.♠ und ♣VI.♠ Hauptform leiten das Imperfect vom
Infinitiv ab, indem ſie ♣ać♠ in ♣ach, ’eć♠ in ♣’ach♠ (weich) verwandeln:

♣V.♠ Form.

♣chować♠ bergen: ♣chowach. drapać♠ kratzen: ♣drapach.♠

♣stonać♠ ſtöhnen: ♣stonach. wońeć♠ riechen: ♣wońach.♠

♣wołać♠ rufen: ♣wołach. tsyleć♠ ſchießen: ♣tsylach.♠

♣worać♠ ackern: ♣worach. ḿetać♠ werfen: ♣ḿetach.♠

♣ẃazać♠ binden: ♣ẃazach. torhać♠ reißen: ♣torhach.♠

♣zbėrać♠ ſammeln: ♣zbėrach. tsihać♠ ſcheren: ♣tsihach.♠

♣ps̀imać♠ anfaſſen: ♣pžimach. lėtać♠ fliegen: ♣lėtach.♠

♣zawėrać♠ zuſchließen: ♣zawėrach. spinać♠ ſpannen: ♣spinach.♠

♣zamkać♠ ſchließen: ♣zamkach. zetykać♠ begegnen: ♣zetykach.♠

♣nabywać♠ zunehmen: ♣nabywach. zuwać♠ ausziehen: ♣zuwach.♠

♣dawać♠ geben: ♣dawach. stawać♠ aufſtehen: ♣stawach.♠

♣zabijeć♠ todtſchlagen: ♣zabijach. roztajeć♠ ſchmelzen: ♣roztajach.♠

♣napojeć♠ tränken: ♣napojach. nawab́eć♠ anlocken: ♣nawab́ach.♠

♣hańeć♠ jagen: ♣hańach. mèšeć♠ miſchen: ♣mėšach.♠

♣VI.♠ Form.

♣lubować♠ lieben: ♣lubowach. džakować so♠ danken: ♣-owach so.♠

♣pšipšadować♠ zuſpinnen: ♣-owach. napasować♠ ſatt weiden: ♣-owach.♠

♣naćahować♠ dehnen: ♣naćahowach. dótkować so♠ berühren: ♣-owach so.♠

♣kupować♠ kaufen: ♣kupowach. darować♠ ſchenken: ♣darowach.♠

♣wuležować♠ auslagern: ♣-owach. pohibować♠ bewegen: ♣-owach.♠

♣zdychować♠ ſeufzen: ♣zdychowach. poskakować♠ hüpfen: ♣-owach.♠

Über das kurze und das lange Imperfect ſiehe §. 107.

Endlich werden noch zwei Perfectformen durch das Participium Perfecti
Activi und die Formen des (uns einzigen) Hilfszeitwortes ♣jsym, być♠
gebildet. Setzt man zu dem Particip Perfecti Activi ♣jsym♠ u. ſ. w., ſo
hat man das Perfectum Indicativi: ♣sym, sy, jo pisał, ło, ła; smój,
staj, stej pisałoj, pisali; smy, sće, su pisali, pisaɫo.♠ Mit ♣bėch♠ das
Plusquamperfectum: ♣bėch, bėše,♠ oder <pb n="95"/>♣bė pisaɫ, ło, ɫa;
bėchmój, bėštaj, bėštej pisałoj, pisali; bėchmy, bės̀će, bėchu pisali,
pisaɫo.♠ In Hinſicht des Paſſivums vergleiche §. 64.

§. 61.

Bildung des Optatives.

Der Optativ (den Conjunctiv haben die Slawen nicht) wird mit ♣bych♠ u.
ſ. w. oder ♣budžich♠ u. ſ. w. und dem Particip Perf. Act. gebildet; wie
folgt:

♣bych pisał, ło, ła, scriberem. bychmój, chẃe pisałoj, li.♠

♣by pisał, ło, ɫa, scriberes. bys̀taj, tej pisaɫoj, li.♠

♣by pisaɫ, ło, ła, scriberet. bys̀taj, tej, pisaɫoj, li.♠

♣bychmy pisali, ło, scriberemus.♠

♣byšće pisali, ło, scriberetis.♠

♣bychu pisali, ło, scriberent.♠

Oder:

♣budžich pisał, scripsissem. budžichmój, chẃe pisałoj.♠

♣hudz̀iše pisaɫ, scripsisses. budžištaj, tej pisaɫoj.♠

♣budz̀iše pisaɫ, scripsisset. budžištaj, tej pisałoj.♠

♣budz̀ichmy pisali, ɫo, scripsissemus.♠

♣budz̀išće pisali, ło, scripsissetis.♠

♣budz̀ichu pisali, ło, scripsissent.♠

Auch hört man bisweilen Formen, wie: ♣budžich jomu dawno pisał był,♠ ich
hätte ihm längſt geſchrieben; ♣budžis̀će dawno wus̀li byli, jam dudum
egressi fuissetis.♠

Um dieſe Form als abhängig zu bezeichnen, wird ihr ♣zo (ut)♠ vorgeſetzt;
♣zo by so zapisaɫ, ut te inscriberes; praẃachu zo budz̀ichu swoje ḿena
zapisali, dyby ..., dicebant, nomina sua se inscripturos fuisse, si♠ ...

§. 62.

Bildung des Gerundiums.

Das Gerundium hat bei uns zwei Formen, welche als gleichzeitig angeſehen
werden, weil ſie eben den Begriff der Zeit faſt ausſcheiden. Die erſte
auf ♣’o♠ muß immer einen weichen Conſonant oder einen Vocal vor ſich
haben; daher findet ſie bei Zeitwörtern, deren Characteriſtik ♣z, s, c♠
iſt, keine Anwendung. Die andere auf ♣wši,♠ vor welchem ſtets ein Vocal
♣a, e, i, y, ė♠ ſteht, haben faſt alle Zeitwörter. Die erſte auf ♣’o♠
wird von dem Imperativ abgeleitet, indem man ♣’o♠ an denſelben anhängt;
die andere auf ♣wši♠ aber, indem man ♣ł♠ im Particip Perf. Act. in ♣wši♠
verwandelt. Nur bei <pb n="96"/>der Hauptform ♣I. A.♠ wird ♣iwši♠
anſtatt ♣ł♠ angehängt, vor welchem die Conſonanten weich ſein müſſen
(nach ♣s, z, c♠ ſteht ♣yws̀i.♠). Eben ſo wird bei der ♣III.♠ Hauptform
♣aɫ♠ in ♣iwši♠ verwandelt.

♣I. A. ẃedu♠ führe: ♣ẃedžo, ẃedžiwši. ḿetu♠ fege: ♣ḿećo, ḿećiwši. tšasu♠
ſchüttle: ♣tšasywši. lėzu♠ krieche: ♣lėzywši. móžu♠ kann: ♣móžo,
wumóžiwši. laku♠ lege Schlingen: ♣lečo, lečiwsi. b́eru♠ nehme: ♣b́eriwši
(b́eŕo). sćelu♠ ſtreue: ♣sćeliwši.♠

♣I. B. wiju♠ winde: ♣wijo, wiwši. piju♠ trinke: ♣pijo, piwši. smėju so♠
lache: ♣smėjo, smėwši so. žnyju♠ ſichele: ♣žnyjo, žnywši. ryju♠ grabe:
♣ryjo, rywši. kaju so♠ bereue: ♣kajo so, kawši so.♠

♣II. kinu♠ gieße: ♣kińo, kinywši. prasnu♠ ſchlage: ♣prašńo, prasnywši.
sydnu so♠ ſetze mich: ♣sydńo so, sydnywši so. blėdnu♠ werde blaß;
♣blėdńo, blėdnywši. torhnu♠ reiße: ♣torhńo, torhnyws̀i. wuknu♠ lerne:
♣wukńo, wuknywši.♠

♣III. sedžu♠ ſitze: ♣sedžo, sedžiwši. bėžu♠ laufe: ♣bėžo, (bėžiwši).
leču♠ fliege: ♣lećo, lec̀iwši. beču♠ blöcke: ♣bečo, bečiwši.♠

♣IV. haju♠ hege: ♣hajo, hajiwši. wab́u♠ locke: ♣wab́o, wab́iwši. waŕu♠
koche: ♣waŕo, wariwši. wótsju♠ wetze: ♣wótsjo, wótsiwši. walu♠ wälze:
♣(wal’o), waliwši. wodžu♠ führe: ♣wodžiwši. łažu♠ krieche: ♣łažo,
łazywši. prošu♠ bitte: ♣prošo, prosywši.♠

♣V. chowam♠ berge: ♣chowajo, chowaws̀i. drapam♠ kratze: ♣drapajo,
drapawši. wołam♠ rufe: ♣woɫajo, woławši. ḿetam♠ werfe: ♣ḿetajo, ḿetawši.
torham♠ reiße: ♣torhajo, torhawši. zbėram♠ ſammele: ♣zbėrajo, zbėrawši.
smykam♠ ſtoße: ♣smykajo, smykawši. bucham♠ ſchlage: ♣buchajo, buchawši.
načinam♠ ſchneide an: ♣načinajo, načinaws̀i. zpėwam♠ ſinge: ♣zpėwajo,
zpėwawši. zabijam♠ ſchlage todt: ♣zabijejo, zabijawši. mėšam♠ miſche:
♣mėšajo, mėšaws̀i.♠

♣VI. wojuju♠ kriege: ♣wojujo, wojuwawši. lubuju♠ liebe: ♣lubujo,
lubowaws̀i. ḿezuju♠ gränze: ♣ḿezujo, ḿezowawši. džakuju so♠ danke:
♣dz̀akujo so, dz̀akowaws̀i so.♠

§. 63.

Bildung der Verbalien.

Jedes Verbum läßt aus ſich ♣I.♠ ein Verbal-Adjectiv, das bei uns
zugleich Particip Präſ. Act. iſt, bilden. Es endet ſich immer auf
(weich) ♣’acy, e, a♠ oder ♣’aty, e, a;♠ nur wenn ♣z, s♠ oder ♣c♠
unmittelbar vorherſteht, wird ♣yty♠ und ♣ety♠ daraus. Die ♣V.♠ und ♣VI.♠
Form hat hart ♣acy, aty.♠ Demnach wird es von der zweiten Perſon Sing.
Präſ. ſo gebildet:

♣I. A. ẃedžeš♠ führſt: ♣ẃedžacy, ẃedžaty. plećeš,♠ flichtſt, ♣plećacy,
plećaty. paseš♠ weideſt: ♣pasecy, pasety. ẃezeš,♠ fährſt, ♣ẃezecy,
ẃezety. móžeš♠ kannſt, ♣móžacy, móžaty. lečeš♠ legſt <pb
n="97"/>Schlingen: ♣lečacy, lečaty. b́eŕeš♠ nimmſt: ♣b́eŕacy, b́eŕaty.
spiš♠ ſchläſſt: ♣spicy, (spity).♠

♣I. B. piješ♠ trinkſt: ♣pijacy, pijaty. jdu♠ gehe: ♣ducy♠ (iſt
Ausnahme). ♣z̀ńes̀♠ ſichelſt: ♣z̀ńacy, z̀ńaty. nadžėjes̀ so♠ hoffſt:
♣nadžėjacy, nadžėjaty. drėješ♠ reißeſt: ♣drėjacy, drėjaty. próješ♠
trenneſt: ♣prójacy, prójaty.♠

♣II. wukńeš♠ lernſt: ♣wukńacy, wukńaty♠ (iſt nur ſehr ſelten).

♣III. sẃerbiš♠ jucke: ♣sẃerb́acy, sẃerb́aty. lećiš♠ fliegſt: ♣lećacy,
lećaty. ležiš♠ liegſt: ♣ležacy: ležaty. bečiš♠ blöckſt: ♣bečacy,
bečaty.♠

♣IV. hajiš♠ hegeſt: ♣hajacy, hajaty. slepiš♠ blendeſt: ♣sleṕacy,
sleṕaty. wališ♠ wälzeſt: ♣walacy, walaty. honiš♠ jagſt: ♣hońacy, hońaty.
wėris̀♠ glaubſt: ♣wėŕacy, wėŕaty. kmótsiš♠ biſt Gevatter: ♣kmótsjacy,
kmótsjaty. sadžis̀♠ ſetzeſt: ♣sadžacy, sadžaty. łazyš♠ kriecheſt:
♣łažacy, łazycy, ty. sušiš♠ dörreſt: ♣sušacy, sušaty. wučiš♠ lehrſt:
♣wučacy, wučaty.♠

♣V. drapaš♠ kratzeſt: ♣drapacy, drapaty. stonaš♠ ſtöhnſt: ♣stonacy,
stonaty. kusaš♠ beißeſt: ♣kusacy, kusaty. pɫakaš♠ weinſt: ♣płakacy,
płakaty. zabijes̀♠ ſchlägſt todt: ♣zabijacy, zabijaty. tsyles̀♠ ſchießeſt:
♣tsylacy, tsylaty.♠

♣VI. wojować♠ kriegen: ♣wojowacy, wojowaty. darować♠ ſchenken:
♣darowacy, darowaty. ḿezować♠ gränzen: ♣ḿezowacy, ḿezowaty. prócowac̀♠
bemühen: ♣prócowacy, prócowaty. starować♠ altern: ♣starowacy, starowaty.
zhibować♠ bewegen: ♣zhibowaty.♠

2. Dann wird von jedem Zeitworte auch ein Verbal-Subſtantiv gebildet;
und zwar ſtets von dem Particip Perf. Paſſ., indem ♣ty♠ in ♣će, ćo,♠ und
♣ny♠ in ♣ńo, ńe♠ verwandelt wird:

♣I. paseny: paseńo♠ Weiden. ♣pity: pic̀o♠ Trinken.

♣II. tsihńeny: tsihńeńo♠ ein einziger Schnitt.

♣III. sedženy, sedžany: sedžeńo♠ Sitzen.

♣VI. wučeny: wučeńo♠ Lehren.

♣V. wołany: woɫańo♠ Rufen.

♣VI. kupowany: kupowańo♠ Kaufen.

Steht hiebei vor ♣ty♠ oder ♣ny♠ ein ♣a♠ mit vorhergehendem weichen
Conſonanten, ſo geht es in den Umlaut ♣e♠ über:

♣zajaty: zajećo♠ Erfaſſen. ♣počaty: počećo♠ Anfangen.

♣žńaty: žńećo♠ Abmähen. ♣kšičany: ks̀ičeńo♠ Schreien.

♣ležany: ležeńo♠ Liegen. ♣wońany: wońeńo♠ Riechen.

Anmerkung. Viele Zeitwörter haben neben der Form auf ♣ćo♠ auch die auf
♣ńo,♠ z. B. ♣rućo, rujeńo♠ das Brüllen; ♣polećo♠ das Gießen und
♣polijeno;♠ beſonders, wenn die Form auf ♣ćo♠ eine appellative Bedeutung
hat, wie ♣polećo♠ das mit (warmem) Waſſer begoſſene Futter für die Kühe;
♣žwaćo♠ das Käuen und ♣žwańo; tkaćo♠ Weben und ♣tkańo♠ (bisweilen das
Product des Webens).

<pb n="98"/>

§. 64.

Bildung des Paſſivums.

Ein eigentliches Paſſivum hat die ſerbiſche Sprache nicht aufzuweiſen;
aber ſie weiß ſich auf verſchiedene Arten zu helfen. Man gebraucht das
Reciprocum ♣so;♠ z. B. ♣wone so praša♠ es wird gefragt; ♣dobry muž so
česći♠ der brave Mann wird geehrt. Oder die dritte Perſon Pluralis, die
Leute, u. ſ. w. ♣woni budža će pytać♠ du wirſt geſucht werden. Oder auch
♣nėchtó♠ Jemand: ♣joli zo c̀e nėchtó widži♠ wenn du geſehen wirſt. Auch
durch ♣dam♠ und den Infinitiv: ♣ńedachu woheń hasnyć♠ ſie ließen das
Feuer nicht auslöſchen; ♣damy joh poŕebac̀ curamus eum sepeliri.♠ Oder
auf andere dergleichen Arten.

Eine Art das Paſſivum auszudrücken iſt auch die durch das Participium
Perf. Paſſ. und ♣sym: sym pytany, e, a: bėch pytany, e, a♠ ich werde,
wurde geſucht; aber es heißt doch eigentlich: ich bin, ich war ein
Geſuchter; ♣ja bych pytany,♠ nähert ſich noch am meiſten der paſſiven
Bedeutung.

In der neueſten Zeit fängt man auch an, das aus dem Deutſchen genommene
Zeitwort ♣wordować♠ werden, häufig zu gebrauchen; es wird ganz
regelmäßig nach der ♣VII.♠ Conjugation abgewandelt; z. B. ♣mi worduwa
hłowa wotrubana♠ mir ward der Kopf abgehauen.

Eben ſo muß das deutſche Fürwort „man“ auf mancherlei Weiſe gegeben
werden; am öfterſten geſchieht es mit ♣so♠ oder der dritten Pluralis
„die Leute“: ♣to so wė♠ das weiß man.

Bildung der Präpoſitionen.

§. 65.

Die reinen Präpoſitionen ſind meiſtentheils einfache Wurzeln und
einſylbig:

1., ♣wo-♠ um, ♣na♠ auf. 2., ♣wob, wobe♠ um, ♣pod, podo, pode♠ unter.

♣wu-♠ aus, ♣do♠ in. ♣wot, wote♠ von, ♣nad, nado♠ über.

♣w, wo, we♠ in, ♣z, zo, ze♠ aus, ♣bez, beze♠ ohne, ♣roz-, roze-♠ zer-.

♣pa♠ bei, ♣za♠ für. ♣pši♠ bei, ♣dla♠ wegen.

♣po♠ nach, ♣k, ke♠ zu. ♣pše♠ über, ♣z-♠ (anſtatt ♣wz-♠) hinauf.

3., ♣pšed, pšedo♠ vor; ♣pšez, pšeze♠ über; ♣pola♠ (ſtatt ♣pódla♠) neben.

Die Partikeln ♣wu-♠ und ♣roz-♠ ſind unzertrennlich d. i. werden nur in
Zuſammenſetzungen gebraucht. Anſtatt des hieher gehörigen ſlawiſchen
♣wz♠ (hinauf) ſagen wir ſtets nur ♣z.♠

<pb n="99"/>

Abgeleitet iſt: ♣nimo♠ (anſtatt ♣mimo♠) vorbei, von ♣minu so♠
verſchwinde. ♣Ps̀ćiwo♠ wider, von ♣na-pšećo.♠ Anſtatt des ſlawiſchen
♣ḿez♠ (abgeleitet von ♣ḿeza♠ Gränze) ſagen wir jetzt ♣bez.♠
Zuſammengeſetzt iſt ♣pšemóc♠ um die Wette, und ♣mėsto♠ (anſtatt ♣w
mėsto♠) anſtatt.

Außerdem werden auch eine Menge anderer Adverbien und adverbialiſchen
Ausdrücke (z. B. Subſtantive mit Präpoſitionen) als Präpoſitionen
gebraucht; da ſie aber ohne Subſtantive für ſich allein ſtehen können,
ſo ſind ſie im § 143 zuſammengeſtellt.

§. 66.

Subſtantive mit Präpoſitionen gebildet.

♣wo: wokołnosć♠ Umgegend v. ♣koło; wosobnosć♠ v. ♣wosobny♠ (dieſes v.
♣wosoba♠ bei uns ungebräuchlich Perſon) vornehm.

♣wob: wobličo♠ Angeſicht v. ♣lico; wobłuk♠ Biegel am Bogen v. ♣łuk.♠

♣wot: wotpoẃedž♠ Antwort v. ♣poẃedž.♠

♣wu: wućek♠ Zuflucht v. ♣ćeknu; wukład♠ Auslage v. ♣kɫadu; wupisk♠
Auszug v. ♣pisam.♠

♣z♠ anſtatt ♣wz: zróst♠ Wuchs v. ♣rostu.♠

♣bez: bezpuće♠ Zwiſchenwege v. ♣puc̀♠ (anſt. ♣ḿezpuće♠); ♣bezdžak♠ ohne
Dank.

♣pa: patoki♠ Dünnbier (was nach fließt, v. ♣teku, ćeku, ćec♠).

♣po: pokoj♠ Ruhe v. ♣koju (počinu); pobėrki♠ Nachlaß v. ♣brać; poḿatk♠
Gedächtniß v. ♣mńu; powóz♠ Stange über Heufuder v. ♣wóz; pomyje♠
Spielicht v. ♣myju.♠

♣pod: pódnož♠ Fußgeſtell v. ♣noha; pódkow♠ Hufeiſen v. ♣kować. pódṕera♠
Stütze v. ♣ṕeru (zeṕeru); pód-eš♠ Sohle v. ♣šiju.♠

♣pše: pšestupk♠ Uebertritt, Fehltritt v. ♣stup; pšedań♠ Verkauf v.
♣dać.♠

♣pšed: pšedchėža♠ Vorhaus v. ♣chėža.♠

♣ps̀i: ps̀ilobk♠ kleiner Neben-Kaſten in Laden und Wäſchkaſten; ♣pšiprawa♠
Maſchine, Zurüſtung; ♣pšisaha♠ Schwur (v. ♣sahać♠); ♣pšikład♠ Beiſpiel
v. ♣kładu; pšistup♠ Beitritt v. ♣stup-ić.♠

♣pšećiwo: pšećiwnik♠ Gegner.

♣na: napis♠ Aufſchrift v. ♣pisam; nalećo♠ Frühjahr v. ♣lėto; nazyḿo♠
Herbſt v. ♣zyma; najstwa♠ das Zimmer ober der Hauptſtube v. ♣jstwa.♠

♣nad: naddoba♠ Menge, Ueberfluß v. ♣doba.♠

♣roz: rozom♠ (ſtatt ♣rozum♠) Verſtand v. ♣um; rozdžėl♠ Unterſchied v.
♣džėl; rozkaz♠ Befehl v. ♣kazam; rozsoch♠ zwei aus einander gehende
Äſte; ♣rozpuće♠ Scheideweg v. ♣puć.♠

♣do: dowoleńo♠ Erlaubniß v. ♣wolić; dowėrnosć♠ Vertrauen v. ♣wėra.♠

♣z: zbytk♠ Ueberbleibſel, Erſparniß v. ♣być; zuwak♠ Stiefelauszieher v.
♣z-uwać; zbėrka♠ Sammlung v. ♣b́eru.♠

<pb n="100"/>

♣za: zamysł♠ Entſchluß v. ♣mysł; zakɫad♠ Grundlage v. ♣kɫadu; zapad♠
Verfall v. ♣pad: zahon♠ Flur v. ♣hon-o; zakoń♠ Geſetz v. ♣kónc; zabėh♠
Anlauf v. ♣bėh; zapłata♠ Flickfleck v. ♣pɫatać.♠

♣s: sḿetana♠ Rahm von ♣s♠ (ſlawiſch ſtatt ♣z♠ mit) und ♣ḿetam.♠

♣su: susod♠ Nachbar v. ♣sydnu; sumėrk♠ Dämmerung (v. ♣mrak, mėrk♠
Wolke).

§. 67.

Adjectiva mit Präpoſitionen zuſammengeſetzt.

Viele Adjectiva werden gebildet, wenn man den Subſtantiven eine
Präpoſition vorſetzt:

♣b́ezbóžny♠ gottlos v. ♣bez-bóh. naruby♠ umgekehrt v. ♣ruby. b́ezdžakny♠
danklos v. ♣bez-džak. načorny♠ ſchwärzlich v. ♣čorny. b́ezporstowy♠
zwiſchen den Fingern v. ♣bez-porst. nachėžny♠ auf dem Hauſe v. ♣chėža.
pobožny♠ andächtig v. ♣po-bóh. pšespolny♠ jenſeits der Felder v. ♣polo.
pobočny♠ Seiten- v. ♣po-bok. suprošny♠ trächtig v. ♣s♠ mit und ♣proso.
popóɫdni, ńe, ńa♠ Nachmittags- v. ♣po-póɫdńo. sućelny♠ trächtig v. ♣s♠
mit und ♣ćelo. podjanski♠ katholiſch. ♣zrėbny♠ trächtig anſtatt
♣szrėbny♠ v. ♣s♠ und ♣zrėb́o. wosobny♠ vornehm v. ♣sobu♠ ſich.

Werden Präpoſitionen mit Adjectiven verbunden, ſo modificiren ſie ſtets
die Bedeutung derſelben. ♣Wob, po, na♠ vermindern gewöhnlich die
Bedeutung des Adjectivs:

♣wysoki: powyšny♠ etwas hoch. ♣dołhi: podoɫhi (-hojty)♠ länglich.

♣dróbny: podróbny♠ haarklein. ♣stary: postarski♠ altväteriſch.

♣žoɫty: požołty♠ gelblich. ♣čorny: počorny♠ ſchwärzlich.

♣kisały: nakisały♠ ſäuerlich. ♣šėry: našėry♠ graulich.

♣stary: wobstarny♠ ältlich. ♣połny: napołny♠ faſt voll.

♣Pše♠ hat die Bedeutung des deutſchen „über“:

♣drohi; pšedrohi♠ übertheuer. ♣pyšny: pšepyšny♠ überaus ſtolz.

Andere Bedeutungen geben z. B. folgende: ♣ćežki: wobćežny♠ läſtig;
♣wysoki: zwyša♠ höher; ♣stary: zastarski♠ alt; ♣zprawny: dozprawny♠
vollkommen rechtſchaffen; ♣połny: dozpołny♠ vollkommen.

§. 68.

Zeitwörter mit Präpoſitionen.

Bei weitem am öfterſten aber werden die Zeitwörter mit Präpoſitionen
zuſammengeſetzt; und ſie ſind es, durch welche der Slave ſeine Rede ſo
zu nüanciren weiß, daß man die feinen Wendungen oft unmöglich mit eben
der Präciſion, noch vielweniger mit eben derſelben Kürze wiederzugeben
vermag.

<pb n="101"/>

♣wo-poẃedžić♠ erzählen; ♣wo-džec̀♠ bedecken; ♣wopušćić♠ verlaſſen;
♣woslepić♠ blind werden; ♣wochromić♠ lahm werden; ♣woćelić so♠ kalben;
♣wohladać♠ erblicken nur ein Mal, mit ♣so,♠ ſich umſehen; ♣woženić so♠
ſich beweiben; ♣wobėlić♠ 1. beweißen 2. anſtatt ♣wotbėlić♠ abweißen,
abſchälen.

♣wu-♠

♣wudyrić♠ ausſchlagen; ♣wuhladać♠ (erblicken auf ein Mal, plötzlich,
wenn man es dann auch längere Zeit ſieht); ♣wutepić♠ ausheizen
(aufhörend); ♣wuŕec♠ ausſprechen; ♣wudać♠ ausgeben; 2. ♣so wudac̀,♠ ſich
ausgeben: ♣a.♠ ſo daß man nichts behält, ♣b.♠ ſich verheirathen, aber
nur vom Weibe, ♣c. wudma wudać, wudawać♠ Räthſel auflöſen; ♣wupasć♠ z.
B. ♣łuku,♠ das Gras einer Wieſe abweiden; ♣wuspac̀ so♠ ausſchlafen;
♣wurosć♠ auswachſen (anſtatt ♣wzrosc̀♠); ♣wumóc, wumóžić♠ erlöſen;
♣wuɫamać♠ ausbrechen; ♣wurazyć♠ ausſchlagen; ♣wuńć♠ ausgehen; ♣wusadžec̀♠
ausſetzen, z. B. einen Weg mit Bäumen.

♣po-♠

♣poẃesć♠ (ſchnell) ſagen: ♣poc̀eć♠ anfangen; ♣pobić♠ niederhauen, auch
beſchlagen z. B. der Böttcher; ♣pósłać♠ ſchicken; ♣podać♠ übergeben,
reichen; ♣powoɫać♠ berufen, ein wenig rufen, — Jemanden beſchreien (wenn
man ihn zu ſehr lobt, ♣malum omen♠) — herrufen; ♣pomasać♠ hingreifen;
♣pomazać♠ beſchmieren (d. i. überziehen mit Etwas), ♣b.♠ ein wenig
beſchmieren; ♣pops̀estawać♠ hin und wiederaufhören, und dazwiſchen immer
wieder anfangen.

♣na-♠

♣naćeć, načeć♠ anhauen; ♣naselić♠ einſalzen; ♣nadrebić♠ einbrocken;
♣nasadžeć♠ (das Fehlende wieder) einſetzen, z. B. Bäume; ♣nawróćić♠ ein
wenig auf die eine Seite wenden; ♣nałamać♠ anbrechen, ein wenig (aber
nicht ganz zer-) brechen; ♣natsylić♠ anſchießen (nicht ♣zatsylić♠ todt
ſchießen). Mit ♣so♠ bekommt letztere Art die Bedeutung des zur Genüge:
♣so natsyleć♠ ſich ſatt ſchießen; ♣so naɫamać♠ ſich ſatt brechen; bis
zur Genüge brechen; ♣so napić♠ ſich ſatt trinken; ♣so najėsć♠ ſich ſatt
eſſen; ♣naŕeć♠ den Beinamen — geben; ♣narosć♠ heranwachſen; ♣nas̀ić♠
hinzunähen (anſetzen), (ſo und ſo viel in einer Zeit) fertig nähen;
♣nacydz̀ić♠ einlaufen laſſen.

♣do-♠

♣dóńć♠ bis wohin gehen, ♣nėkoho♠ Jemanden einholen; ♣dokońeć♠ vollenden;
♣dodać♠ zu Ende geben, das letzte geben (das letzte Mal die Karte
geben); ♣dowolić♠ bewilligen; ♣dóstać♠ erhalten; ♣dosahnyć♠ erreichen,
hinreichen, erwiſchen; ♣dowėrić so♠ vertrauen; ♣donošować♠ bis irgendwo
hin tragen, 2. ohrenblaſen.

♣z-♠ (ſlawiſch ♣iz-♠).

♣zuwać♠ ausziehen. Anſtatt ♣wz: złožić♠ anlehnen; ♣zpómnić♠ gedenken;
♣zpėwać♠ ſingen; ♣zehnać♠ aufjagen. Anſtatt ♣ze: a.♠ hinab: ♣zlėsć♠
hinabkriechen; ♣zpušćić♠ ablaſſen; ♣zemać♠ abheben (beim Spiele die <pb
n="102"/>Karte); ♣zesłać♠ herabſenden; ♣zḿetać♠ herabwerfen; ♣zehnać♠
wegjagen; ♣b. se♠ zuſammen: ♣zesɫać♠ zuſammenſenden; ♣zehnać♠
zuſammenjagen; ♣zẃazać♠ binden; ♣zebrać♠ zuſammennehmen; ♣zeńć♠
zuſammenkommen; ♣zhromadžić♠ verſammeln; ♣zńesć♠ zuſammentragen
(ertragen, erdulden); ♣zwėrić so♠ ſich erkühnen; ♣zdać so♠ ſcheinen;
♣zduć♠ zuſammenblaſen (auch herabblaſen); ♣slubić♠ geloben (anſtatt
♣z-lubić♠ aus der alten Form ♣s;♠ denn ♣lubić♠ heißt „wiederholt
verſprechen“); ♣zlėhać so♠ ſich anlehnen, ohne ♣so,♠ beſchwängern.

♣za-♠

♣zatykać♠ zuſtopfen; ♣zašić♠ zunähen; ♣zawrėć♠ zuſchließen; ♣zahowić♠
zuheilen; — ♣zatepić♠ einheizen; ♣zaẃesć♠ verführen; ♣zalėsć♠
hineinkriechen (beide anſtatt ♣wzẃesć♠ und ♣wzlėsć♠); ♣zawidžeć♠
beneiden; ♣zabyć♠ vergeſſen; ♣zapoẃšeć♠ (mit Tüchern und dergl.)
verhängen; ♣zarazyć♠ todt ſchlagen; ♣zatsylić♠ todt ſchießen; ♣zawoɫać♠
ein Mal aufſchreien; ♣zawdawać♠ (mit Gift) vergeben, 2. anfangen zu
geben; ♣zasyc♠ das Hauen beginnen; ♣zarejić♠ Ein Mal aufbrüllen,
anfangen zu brüllen.

Anmerkung. Auf dieſe Art iſt ♣za♠ mit ♣do♠ bald gleichbedeutend, bald
entgegengeſetzt: ♣dorazyć, zarazyć♠ todtſchlagen; ♣dodawać♠ aufhören,
♣zawdawać♠ anfangen zu geben.

♣wob- wobe-♠

♣wobjimać♠ umfaſſen, ♣wobjeć; wobwinyć♠ umwinden; ♣wobuć♠ anziehen
(Schuhe und Strümpfe); ♣wobstupić♠ (einen Ort) umtreten, anders treten;
♣wobosɫać♠ rings umſenden; ♣wobdarić♠ beſchenken; ♣wobchodžić♠ rings
umher gehen; ♣wobrėzać♠ beſchneiden (Juden); ♣wobškodžić♠ beſchädigen;
♣wobrosć♠ bewachſen, umwachſen (z. B. Geſicht); ♣wobełhać♠ belügen;
♣wobswėdcić♠ bezeugen.

Nach ♣wob♠ läßt man ♣w♠ gern weg:

♣woblec♠ anziehen ſtatt ♣wobwlec, wobalic̀♠ einhüllen ſtatt ♣wobwalić;
wobroćić♠ umdrehen ſtatt ♣wobwroćić; wob́esyć♠ hängen ſtatt ♣wobẃesyć♠
(man ſpricht gar ♣wojb́esyć♠).

♣wot- wote-♠

♣woteńć♠ weggehen; ♣wotstupić♠ abtreten; ♣wotstaẃić♠ ſprich: ♣wostaẃić♠
laſſen (eigentlich ſtehen laſſen); ♣wotpoẃedžić♠ abſagen; ♣wotdžėlić♠
abtheilen; ♣wod-dać♠ vergeben ſtatt ♣wotdać; wotewdac̀♠ abgeben;
♣wotewrėć♠ öffnen; ♣wotewzać♠ abnehmen; ♣wothladać♠ (von Jemandem etwas)
abſehen (lernen); ♣wotchromić♠ aufhören lahm zu ſein; ♣wotboleć♠
aufhören zu ſchmerzen; ♣wotŕec♠ entſagen, es kurz weg ſagen; ♣wotmowić♠
(weil polniſch ♣odmówić♠) antworten, oder ♣wotmɫowić♠ v. ♣odmluwiti,
moɫwl’u.♠

♣wz-♠

♣wzać, wozmu♠ nehme von ♣jmu; wzechcyć♠ wollen von ♣chcyć.♠

♣pod- pode-♠

♣podlėzć♠ unterkriechen (heimlich); ♣podkopać♠ untergraben; ♣podšić
(pošić)♠ unternähen, unterſetzen; ♣poddać♠ untergeben; ♣podrazyċ♠
unterſchlagen; ♣podeprėć♠ unterſtemmen; ♣podstaẃić♠ unter Etwas ſtellen;
<pb n="103"/>♣podẃesć♠ unter etwas führen; ♣podŕec so♠ ſich verſprechen;
♣pod-jec̀♠ empfangen.

♣pši-♠

♣pšińć♠ kommen; ♣pšińesc̀♠ herzubringen; ♣pšiwzać♠ hinzunehmen; ♣ps̀iwrėć♠
ein wenig, halb zuſchließen; ♣ps̀ihrėć♠ ein wenig, zuwärmen; ♣pšistupić♠
herzutreten; ♣ps̀iručić♠ anbefehlen; ♣ps̀irazyć♠ anſchlagen ein Stück von
Etwas abſchlagen; ♣pširubać♠ zuhacken, zurecht hacken, etwas kürzer
hacken.

♣pše-♠

♣pšeńć♠ übergehen, durchgehen; ♣pšelećić♠ überfliegen; ♣pšećahować so♠
überziehen aus einem Quartiere in das andere; ♣pšehladać♠ überſehen,
durchſehen, ♣so pšehladac̀♠ ſich verſehen; ♣pšerazyć♠ durchſchlagen,
krumm oder lahm ſchlagen; ♣pšemėšeć♠ durch einander miſchen, anders
miſchen (ummiſchen); ♣pšewoblec so♠ Kleidung wechſeln; ♣pšemóc,
pšemóz̀ić♠ überwinden; ♣pšeswėdcić♠ überzeugen, des Gegentheils
überführen; ♣pšedac̀♠ verkaufen; ♣ps̀el łóć♠ durchſtechen; ♣pšestupić♠
übertreten. Bei Zeitwörtern, welche mit einem doppelten Conſonant
anfangen, wird ♣ps̀e♠ in ♣pšė♠ verwandelt: ♣pšėwdać♠ über den Werth
geben, ♣so ps̀ėwdać♠ (auch ♣so ps̀edać♠) falſch geben, über den Werth
geben; ♣pšėhrać♠ verſpielen.

♣pšed- pšede-♠

♣ps̀edeńć♠ Jemanden überholen, zuvorkommen.

♣nad- nade-♠

♣nadeńć♠ auf etwas ſtoßen; ♣nadpadnyć♠ überfallen, einfallen; ♣naddać♠
hinzugeben, reichlich geben; ♣nadŕec♠ den Beinamen geben; ♣nadpisać♠
Aufſchrift machen.

♣roz- roze-♠

♣rózeńć♠ aus einander gehen (auch mit ♣so♠ ſich trennen); ♣rozbėhnyè♠
aus einander laufen; ♣rozkładować♠ aus einander legen, auslegen (zum
Verkauf); ♣rozpuknyć♠ berſten; ♣roztorhnyć♠ zerreißen; ♣rozpraẃeć♠ alles
einzeln ſagen (wie etwas ſei oder zu machen ſei); ♣rozḿesć♠ aus einander
kehren; ♣rozžołćić so♠ allmählig überall gelb werden; ♣roztać♠
ſchmelzen.

Werden die adverbiellen Präpoſitionen (§. 43.) zu einem Zeitworte
geſetzt, ſo bilden ſie nie ein Wort mit demſelben, ſondern ſind ſtets
trennbar. Mit den andern Redetheilen müſſen ſie als ein Wort betrachtet
werden, z. B. ♣pŕedy-ryč♠ Vorrede; ♣dale-widžomny♠ weiter ſichtbar; aber
♣zẃercha ležacy♠ oben liegend; ♣zpody sedžeć♠ unten ſitzen; ♣nimo hić♠
vorbeigehen; ♣wyše stupić♠ höher ſteigen; ♣hoŕe ńesć♠ hinauftragen,
♣wokoło hladać♠ ſich umſehen u. ſ. w. ſind immer zwei Worte. Überflüſſig
und dem Geiſte der ſlawiſchen Sprache zuwider iſt ♣hoŕe♠ in den ſo
häufig vorkommenden Zuſammenſetzungen, wie: ♣hoŕe stanyć♠ aufſtehen;
ſtatt ♣wzstanyć, stanyć,♠ das ſchon an ſich aufſtehen bedeutet.

<pb n="104"/>

Bildung der Conjunctionen.

§. 69.

Urſprüngliche Conjunctionen ſind:

1) ♣ha, bó, by, (-le), li, zo.♠ 2) ♣hač, pak.♠ Hieher gehört auch das
anhängliche ♣ž.♠

♣ha♠ und ♣et.♠

♣W meńe Boha wócca ha syna ha ducha sẃatoho♠ im Namen Gottes, des
Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geiſtes; ♣ćėło ha kreẃ♠ Leib und
Blut. ♣Hani, hanic neque♠ und nicht, weder — noch: ♣hani nan hani mać♠
weder der Vater noch die Mutter. ♣Habó♠ oder: ♣nan habó mać♠ Vater oder
Mutter. ♣Habó — habó♠ entweder — oder: ♣habó syn habó džówka♠ entweder
Sohn oder Tochter. Auch bei Doppelfragen: ♣dašli, habó ńedaš♠ gibſt du
oder nicht? ♣Hale♠ aber, jedoch: ♣wėm dŕe, hale ja ći ńepoẃem♠ ich weiß
es wohl, aber ich ſage Dir es nicht.

♣by♠ daß ♣ut.♠

Nie allein gebraucht: ♣zoby♠ damit: ♣dži, zoby joh wohladał♠ geh’ damit
du ihn ſäheſt. ♣Kdyby; wón by móhł płaćić, kdyby jenoj chcyɫ♠ er könnte
zahlen, wenn er nur wollte. ♣Byrńe♠ d. i. ♣by ruńe♠ (wäre gleich):
♣byŕńe by će widžał♠ — wenn er Dich auch ſähe. In ♣by-li♠ iſt es
Zeitwort und bildet den Optativ. (Siehe §. 117.)

♣-li♠ wenn ♣si♠ angehängt:

♣Jo-li domoj, tak dži k ńomu♠ iſt er nach Hauſe gekommen, ſo gehe zu
ihm. Die interrogative Bedeutung hat es nur in der Doppelfrage:
♣budžeš-li doma habó nic?♠ Wirſt du zu Hauſe ſein oder nicht? Sonſt wird
die Frage nur durch den Ton angedeutet (in anderen Slawinen durch ♣li.♠)
♣Jo-lizo♠ geſetzt daß, wird auch in ♣hejzo♠ zuſammengezogen: ♣Jolizo♠
oder ♣hejzo wy joho wohladaće, est. ce que vous le voyez,♠ geſetzt, daß
ihr ihn ſehet, wenn ihr ihn etwa ſehet. Auch ♣doke-liž♠ weil ♣quia♠ iſt
mit ♣li♠ gebildet.

♣zo♠ daß ♣quod.♠

♣R’ek, zo ńemóžeš♠ ſage, daß du nicht kannſt. Es wird häufig
zuſammengeſetzt (Siehe ♣zoby, jolizo♠).

♣hač♠ als ♣quam.♠

Beim Comparativ: ♣ja sym ẃetši hač ty♠ ich bin größer als du; nach
♣druhi: nichtó druhi hač ty♠ niemand Anderer als du; ♣nichtó tam nebė
hač jena stara žónska♠ Niemand (anderer) war da als ein altes Weibchen;
♣ẃacy hač dz̀esać muži♠ mehr als zehn Mann. Hier ſteht auch ♣štož♠ an
deſſen Stelle: ♣woni su z̀ołćiši, štož zɫote♠ ſie ſind gelber, als Gold;
♣wšitko ćiše spaše, štož w tym hrodže bėše, štož jenoj te pacholo, kiž
końe nasyćwaše;♠ Alles ſchlief ruhig, <pb n="105"/>was im Schloße war,
als nur der Burſche, der die Pferde fütterte (altes Lied). Beim
Superlativ verſtärkend: ♣hač nanajŕeńši♠ am allerſchönſten. Bei
Steigerungen ♣ut: to je pycha, hač so wšitko zyboli♠ das iſt eine
Pracht, daß Alles glänzt. In der Bedeutung als ♣quum: hač wón joho
wuhlada, padže wón na kolena♠ als, wie er ihn erblickte, fiel er auf
ſeine Knie. In der Bedeutung bis ♣usque: čakaj, hač ja ps̀ińdu♠ warte,
bis ich komme. Mit ♣hač♠ wird eine Reihe von zuſammengeſetzten
Conjunctionen gebildet, welche in andern Sprachen einfach ſind: ♣tak
dołho hač♠ ſo lange als ♣dum; potymhač♠ nachdem ♣postquam; tak chėtsje
hač quam primum♠ ſobald; ♣hačruńe♠ obgleich ♣quamquam.♠

♣pak♠ aber ♣autem:♠

♣Jėzus pak ha joho wučownicy bychu tež na kwas prošeni♠ Jeſus aber und
ſeine Jünger wurden auch zur Hochzeit geladen. Manchmal iſt es
Conjunction und Adverbium zugleich, in der Bedeutung „aber wieder ein
Mal“: ♣wón pak k nam dže♠ er geht aber wieder ein Mal zu uns. — ♣Tola
pak♠ aber doch.

♣-ž,♠ relativ.

Durch Anhängung des ♣ž♠ werden adverbielle Fragewörter oft in
Bindewörter umgewandelt. ♣Dy♠ wann? ♣dyž♠ wann ...; ♣dyž ty k ńomu
pšińdžeš, ŕek♠ ... wenn du zu ihm kommſt, ſo ſage ... Endlich werden
auch viele Adverbien als Conjunctionen gebraucht: ♣čim wyše stupis̀, ćim
dale widžiš♠ je höher du dich ſtellſt, deſto weiter ſiehſt du. ♣Tež♠
auch; ♣jako♠ wie ♣ut; tola♠ (anſtatt ♣tohodla♠) dennoch; ♣potom♠ dann,
zuſammengezogen ♣pon; kaž♠ wie; ♣chiba zo♠ es ſei denn, daß; ♣chiba dyž♠
außer wenn; ♣ńech♠ mag; ♣pšetož♠ denn; ♣duž♠ da denn; ♣wón nimo džėše,
ha duž jo ḿe widžał♠ er ging vorbei, und da hat er mich denn geſehen;
♣potajkim♠ demnach, bei ſolchen Umſtänden. Überhaupt haben die
ſlawiſchen Sprachen nicht eine ſo reichhaltige Sammlung von
urſprünglichen Conjunctionen, als z. B. die griechiſche oder
lateiniſche, und können daher vermittelſt dieſer nicht ſo ſchöne
Perioden bilden, wie die genannten. Aber man wußte, wie wir gezeigt
haben, dieſem Umſtande einerſeits dadurch abzuhelfen, daß man eine
Anzahl neuer Conjunctionen nach dem Lateiniſchen oder beſonders dem
Deutſchen nachbildete; anderſeits gibt eine ſorgfältige Benutzung des
ſchönen Schatzes der bildſamen ſlawiſchen Participien und Gerundien
häufig genug Gelegenheit, Maſſen von Gedanken in zweckmäßiger,
gedrängter Ordnung durch einen Satz auszudrücken. (Siehe: Safar̃ik’s
„Slawiſche Altherthümer“ auf jeder Seite).

<pb n="106"/>

Bildung der Interjectionen.

§. 70.

Außer den unartikulirten Lauten, die der Menſch bei ſeiner Empfindung
auszuſtoßen pflegt, und die Jedermann verſteht, gibt es im Serbiſchen
eine Menge der verſchiedenartigſten Zuſammenſetzungen und
Zuſammenziehungen von Worten und Lauten, durch die man ſein Gefühl
ausdrückt. Wir führen davon die abweichendſten an: ♣Owje♠ (ſtatt ♣ow
Jėzuso♠ Jeſus) ach Herr Jeſus; ♣pš; pst; awjaw, awjawjaw♠ o weh! ♣hola,
hejda, hejsa, hejsasa, hopsa, hopsasa! trala, juchhej; jujujujuju♠ (den
letzten Ton ſehr lang gedehnt.) Ferner:

♣Ale, ale♠ ei! ei! Man ſetzt als Witz noch hinzu: ♣ale, ale, husy su
wkale♠ ei, ei! die Gänſe ſind im Kraute. ♣Bėda♠ wehe!

♣Bohuskorženo, budže bohuskorženo;♠ Gott ſei es geklagt. ♣Psejskorženo!
budže psejskorženo!♠ potz Blitz; eigentlich: dem Hunde ſei es geklagt!
♣Bohuskobano, skobanecy! psejskobano, psejskobanecy!♠ potz Velten! der
Geier! eigentlich Gott, dem Hunde ſei gerupft. ♣Pšisah-bohu♠ Gott
geſchworen! bei Gott! ♣Zwarnuj Bóh♠ bewahre Gott! ♣To by čepel♠ das wäre
der Geier! ♣To by djaboɫ♠ das wäre der Teufel! ♣To by dunder♠ ei der
Donner! ♣Čwóda♠ wahrlich! ♣Dušu♠ meiner Seele! ♣Le, lej, laj♠ (anſtatt
♣hle♠ ...) ſiehe da! ♣Na♠ da haſt du; ♣nataj, natej; naće♠ da habt ihr!
♣Nó♠ nun! ♣Nó šak♠ ei doch! ♣nó šak tola dži♠ ei ſo geh’ denn doch! ♣Nó
ša nó (šak)♠ Oho! Gemach! ♣Ńebožatko! žatko♠ daß Gott erbarme!
♣Rostejće♠ zeter Mord! ♣Rauso ty♠ du Schelm! du Schalk!

Hieher gehören auch die Redensarten: ♣Bóh daj, daj to Bóh♠ geb’s Gott!
♣da-li Bóh♠ will’s Gott! ♣pomhaj Bóh♠ helf Gott! ♣zapłać Bóh tón kńez♠
bezahl’s der liebe Herr Gott! ♣Bohu bydž džak ha chwalba♠ Gott ſei Lob
und Dank! ♣wele zboža♠ viel Glück!

Dann folgende: ♣poskaj, poskajtaj, poskajće♠ höre! hört! ♣pac♠ beim
Knall; ♣plauc♠ beim Fall; ♣buc♠ beim Stoß mit dem Kopfe; ♣fuk♠ und ♣huš♠
bei ſchneller Bewegung; ♣kac♠ auf Katzen; ♣put put♠ auf Hühner; ♣such
such, haw haw, kuš♠ auf Hunde; ♣huž, huz̀e huz̀e, liba liba♠ auf Gänſe;
♣kur kur♠ auf Hühner; ♣hončo hončo♠ auf Schweine; ♣byzgelele čelćkelele♠
auf Kühe; ♣šip šip♠ auf Schafe; ♣hot, hi, jė, pr♠ auf Pferde.

<pb n="107"/>

Flexion der veränderlichen Redetheile.

§. 71.

Vorerinnerung.

Es iſt die erſte Pflicht des Grammatikers, ſeine Regeln ſo allgemein als
möglich zu faſſen; dabei muß er ſich jedoch auch vor gar zu vielen
Ausnahmen hüten. Dieſen zwei Grundſätzen folgend ſtellte ich die
Declination und Conjugation anders auf als meine beiden Vorgänger. Der
Unterſchied der Declination gründet ſich bei den Maſculinen und Neutren
nicht allein auf das Geſchlecht, ſondern auch auf die Härte oder Weicho
des characteriſtiſchen Endconſonanten. Bei der Conjugation führte mich
meine §. 11. aufgeſtellte Regel ebenfalls auf andere Verhältniſſe; durch
deren Darlegung der außerordentliche Reichthum an verſchiedenen Formen
in unſeren Verben eine größere Überſichtlichkeit gewann.

§. 72.

Declination der Subſtantive.

Bei der Declination werden theils die Endvocale der Subſtantive
verändert, theils neue hinzugeſetzt. Eben ſo werden auch die Conſonanten
bald verändert, bald treten neue hinzu. Zu letzterem ſind die
Conſonanten ♣m♠ und ♣ch,♠ dann die Sylben ♣ow, ew, ’et♠ oder ♣’at♠ (auch
♣eŕ, es♠ in ♣maė, eŕe, kolo kol-esa,♠) verwendet. Jede
Conſonantenveränderung findet nach dem Muſter des §. 11. an dem letzten
Conſonanten des Wortes ſtatt, daher man dieſen Endconſonanten auch die
Characteriſtik nennen könnte.

Der Local ſteht auch auf die Frage wo? mit Präpoſitionen: und der
Inſtrumental mit der Präpoſition ♣z♠ mit, er mag nun eine
Geſellſchaftlichkeit (♣cum♠) oder ein Werkzeug bedeuten; ♣z nožom♠ mit
dem Meſſer ♣cultro; z nanom♠ mit dem Vater ♣cum patre.♠

Der Numerus iſt dreifach, weil bei uns der Dual noch beſteht, während
ſich in den übrigen ſlawiſchen Dialecten nur noch ſeltene Spuren davon
vorfinden, z. B. ♣woči♠ Augen.

<pb n="108"/>

Bei der Vertheilung der Subſtantive in die verſchiedenen Declinationen
muß man auf das Geſchlecht und den Ausgang zugleich Rückſicht nehmen.
Subſtantive männlichen Geſchlechts ohne Selbſtlaut am Ende:

♣I. II.♠

Nom. — ♣had♠ Schlange. — ♣kóń♠ Pferd.

Gen. ♣a hada. ’a końa.♠

Dat. ♣ej hadej. ’ej końej.♠

Da aber die Maſcul. Ration. im Nom. Plur. die lange Endung ♣ojo♠ oder
♣jo♠ und ♣ẃe♠ haben, ſo zerfallen beide Claſſen in zwei
Unterabtheilungen:

α β α β

Sing. Nom. ♣nan♠ Vater, ♣dub♠ Eiche. ♣muž♠ Mann, ♣ćerń♠ Dorn.

Plur. ♣nanojo, duby. mužojo, ćerńe.♠

Die Sächlichen auf ♣o, e (’o)♠ und ♣o♠ mit dem Augument ♣eć:♠

♣III. IV. V.♠

Stirn. Schlange, Feld, Vieh,

Nom. ♣o: čoɫo ’e: biće, ćo, pole, lo, ’o: skoćo,♠

Gen. ♣a: čoła. ’a: bića, pola, ’ec̀a: skoćeća.♠

Dat. ♣u: čołu. ’u: biću, polu, ’eću: skoćeću.♠

Plur. ♣a: čoɫa. ’a: bića. pola. ’ata: skoc̀ata.♠

Die weiblichen auf ♣a♠ oder ohne Vocal am Ende.

♣VI. VII.♠

Nom. ♣smuha♠ Streifen. Nom. ♣lesć♠ Liſt.

Da aber in der ♣VI.♠ ſowohl als in der ♣VII.♠ der letzte Conſonant (bei
der ♣VI.♠ vor ♣a♠ ſtehend) bald hart, bald weich iſt, ſo entſtehen die
Unterabtheilungen:

α β α β

Nom. ♣a: ryba♠ Fiſch, ♣’a: zeḿa♠ Erde, — ♣ẃes♠ Dorf, ♣’:kósć♠ Knochen,

Gen. ♣y: ryby, ’e: zeḿe, y: wsy, ’e: kosće.♠

Dat. ♣’e: ryb́e, ’i: zeḿi, y: wsy, ’i: kosći.♠

Plur. ♣y: ryby, ’e: zeḿe. y: wsy, ’e: kosće.♠

Da nun aber die ſächlichen Subſtantive ſich nur im Nom. und Accuſ. Sing.
und Plur. von den männlichen unterſcheiden, ſo könnte man leicht die
Anzahl der Declinationen vermindern, wo dann von den hier
zuſammengeſtellten die ♣I.♠ α. und β. ſammt der ♣III.♠ die erſte; die
♣II. α♠ und ♣β♠ ſammt der ♣IV.♠ (und ♣V.♠) die zweite; die ♣VI.♠ α und
die ♣VII.♠ α die dritte, und die ♣VI.♠ β endlich und ♣VII.♠ β die vierte
Declination bilden könnten. Der größern Genauigkeit zu Gefallen jedoch
laſſen wir es für dieſes Mal noch bei der gegebenen Eintheilung
bewenden.

§. 73.

Schema der Declinationen.

Zur Vergleichung der Declinationen ſtehe folgende Überſicht:

<pb n="109"/>

Maſculina. Neutra. Feminina.

♣I. II. III. IV. V. VI. VII.♠

♣a b a b a b a b♠

Singular.

Nom. — — ’— ’— ♣-o -’e (’o) -’o -a — -’a —’♠

Accuſ. ♣-a — -’a ’— -o -’e (’o) -’o -u — -’u —’♠

Genit. ♣-a -u, -a -’a -’a -a ,’a -’eća -y -y -’e -’e♠

Dativ. ♣-ej -u, -ej -’ej -’ej, -’u -u -’u -’eću -’e -y -’i -’i♠

Local. ♣-’e -’e -’u -’u -’e -’e -’ec̀u -’e -y -’i -’i♠

Sociat. ♣-om -om -’om -’om -om -’om -’ećom -u -u -’u -’u♠

Vocat. ♣-o, ’e -o, -’e -’o -’o -o -’o -’o -a — -’a —’♠

Dual.

Nom. ♣-aj -aj -’ej -’ej -’e -’i -’eći -’e -y -’i -’i♠

Accuſ. ♣-ow -aj -’ow -’ej -’e -’i -’eċi -’e -y -’i -’i♠

Genit. ♣-ow -ow -’ow -’ow -’ow -’ow -’atow -’ow -ow -’ow -’ow, -’i♠

D. L. S. ♣-omaj -omaj -’omaj -’omaj -’omaj -’omaj -’ećomaj -’omaj -omaj
-omaj -omaj.♠

Plural.

Nom. ♣-ojo, -ẃe -y ’ojo, -ẃe -’e -a -’a -’ata -y -y -’e -’e♠

Accuſat. ♣-ow -y -’ow -’e -a -’a -’ata -y -y -’e -’e♠

Genitiv. ♣-ow -ow -’ow -’ow -ow -’ow -’atow -ow -ow -’ow -’i♠

Dativ. ♣-am -am -’am -’am -am -’am -’atam -am -am -’am -’am♠

Local. ♣-ach -ch -’ach -’ach -ach -’ach -’atach -ach -ach -’ach -’ach♠

Soc. ♣-ami -ami -’emi -’emi -ami -’emi -’atami -ami -ami -’emi -’emi.♠

<pb n="110"/>

§. 74.

Zuwachs in der Declination.

Den Zuwachs ♣’eć♠ und ♣’ata♠ bekommen die ſächlichen Namen der Jungen
von Thieren auf ♣’o♠ nur vor den Flexionsvocalen, z. B. ♣proso♠ Ferkel,
♣proseća; hólčo♠ Knäblein, ♣hólčeća.♠

Die Neutra auf ♣ḿo (ḿe)♠ nehmen den Zuwachs ♣eń♠ an, als: ♣brėḿo♠ Laſt,
♣brėḿeńa; syḿo♠ Saamen, ♣syḿeńa.♠ Der Zuwachs ♣eŕ♠ iſt nur noch in dem
Worte ♣mać♠ Mutter vorhanden, ♣mac̀eŕe♠ Gen. Doch ſagt man auch im Nom.
♣maćeŕ,♠ obgleich dieſes eigentlich der Accuſ. iſt. Eben ſo ♣’es♠ nur in
♣koło♠ Rad, ♣kolesa♠ Gen.

Das Augument ♣ow♠ findet man: ♣a♠) im Nom. Plur. der Rationalien
männlichen Geſchlechtes, als: ♣synoẃe, synojo♠ Söhne für ♣syny; b♠) in
den alten Büchern ſteht im Dat. Sing. ♣owi♠ ſtatt ♣u♠ oder ♣ej, nanowi♠
dem Vater anſtatt ♣nanej; c)♠ im Genitiv des Plurals und des Duals aller
Declinationen; ♣nanow♠ der Väter; ♣kosćow♠ der Knochen.

§. 75.

Allgemeine Bemerkungen.

Der Vocativ iſt im Dual und Plural nicht verſchieden vom Nom.; im Sing.
haben nur die Maſculina eine eigene Form für denſelben; die Feminina
haben die bei andern Slawen gebräuchliche Form auf ♣o♠ (♣rybo♠ Fiſch,
♣ženo♠ Weib) bei uns entweder nie gehabt, oder längſt ſchon verloren, da
ſich auch in den älteſten Büchern keine Spur davon vorfinden läßt.

Alle Neutra, ſo wie auch die Maſcul., die ein lebloſes Ding bezeichnen
(♣dub, duby, dubaj♠ Acc. und Nom.), und die Feminina, die keinen Vocal
am Ende haben, (♣kósć, kosći, kosc̀e♠ Nom. und Acc.) haben in allen drei
Zahlen den Acc. gleich dem Nom. Die Feminina auf ♣a♠ haben den Acc.
Sing. ſtets in ♣u.♠ Die Maſcul- aber, welche belebte, jedoch nicht
vernunftbegabte Weſen bezeichnen, haben im Sing. und Dual den Accuſ.
gleich dem Genitiv, und erſt im Plural den Accuſ. gleich dem Nominativ.
Die Namen von vernunftbegabten Weſen (Rationalien) aber haben in jeder
Zahl den Accuſ. gleich dem Genitiv. Dieſe genaue Unterſcheidung des
Lebloſen, Irrationalen und Rationalen bei den Maſculinen iſt ſo in den
Geiſt der Sprache eingedrungen, daß wenn man einem bloß belebten oder
ſelbſt unbelebten Gegenſtande die Würde oder das Anſehen eines
Rationalen geben will, man ſogar auch bei dieſen den Accus. gleich dem
Genitiv macht (z. B. in Fabeln und bei anderen Perſonificationen).

<pb n="111"/>

Damit hängt der doppelte Nom. Plur. bei den Rationalen zuſammen. Alle
Namen vernunftbegabter Weſen haben nämlich einen doppelten Nom. Plural,
einen auf ♣ojo, jo♠ oder ♣oẃe,♠ welcher auf das Vernünftige, Männliche
in ihnen hinzeigt; und einen andern auf ♣’e, e, (i), y,♠ welcher ſie
mehr als Sachen, abgeſehen von ihrer rationellen Beſchaffenheit, anſehen
heißt. (In dieſem Falle iſt dann auch der Nom. wieder dem Accuſativ
gleich). Die Polen haben dieſen Unterſchied auch; Bandtke (§. 66.) nennt
dieſen Caſus die feminine Endung, z. B. ♣muz̀ojo, mužoẃe, muže♠ Männer;
Accuſ. ♣mužow, muži,♠ oder ♣muz̀e. Kmótsja, ludžo♠ und ♣kńeža♠ bleiben
Maſcul. Rational, obgleich ihr Ausgang nicht hiemit übereinſtimmt. Der
Genit. Plural. endigt ſich in allen Declinationen auf ♣ow,♠ z. B.
♣nanow♠ der Väter, von ♣nan; mečow♠ der Schwerdter von ♣meč; sɫowow♠ der
Wörter von ♣sɫowo; zeḿow♠ der Länder, von ♣zeḿa♠ u. ſ. f. Nur bei
wenigen Subſtantiven (beſonders Neutren) wird die Sylbe ♣ow♠
weggelaſſen, wie ♣słow, hór♠ der Berge v. ♣hora♠ u. dergl. Aber dabei
gilt ſtreng die Regel: daß, ſobald durch Auslaſſung des ♣ow♠ eine Härte
entſtünde, dieſes jedenfalls ſtehen bleiben müſſe, z. B. ♣bratr♠ Bruder,
♣bratrow,♠ nicht ♣bratr,♠ weil ſich ♣tr♠ am Ende ſchlecht ausſpricht (im
Nom. hört man es nicht); ♣pos♠ Hund, nicht ♣ps♠ ſondern ♣psow; róbel♠
Sperling, nicht ♣róbl♠ ſondern ♣róblow (wróblow).♠

Die Maſculina auf ♣a,♠ wie ♣šołta♠ Scholze, ♣ćėsla♠ Zimmermann,
(beſonders Eigennamen, wie ♣Ćibańa, Matka♠ und dergl.) werden bei uns im
Singular ganz wie die Feminina auf ♣a♠ und ♣’a♠ declinirt, ſelbſt der
Accuſ. iſt bei ihnen nicht dem Genit. gleich, ſondern auf ♣u; Ćibańu.♠
Im Dual und Plural gehen ſie aber wie Maſculina.

Die Feminina haben den Local Sing. ſtets dem Dativ gleich; eben ſo viele
Maſcul. und Neutra, wenn dieſe den Dativ auf ♣u♠ anſtatt ♣ej♠ haben;
obgleich die Neutra den Local in der Regel auf ♣’e♠ haben. Im Sociat.
Singul. haben nur die Maſcul. und Neutra ♣om;♠ die Feminina durchaus ♣u
(’u).♠ Im Dual iſt er durchaus ♣omaj♠ und im Plural. ♣ami;♠ ſehr ſelten
iſt ♣imi.♠ Aus ♣’ami♠ muß aber ♣emi♠ werden (♣II, IV, VII.♠
Declination.)

Im Dual iſt der Accuſ. ſtets gleich dem Nom.; nur bei den Namen belebter
Weſen (ob Rational oder nicht, iſt gleich) kommt er mit dem Genit.
überein. Dieſer Genit. Dual. iſt ſtets dem Genit. Plural. gleich. Der
Dat., Local und Sociativ im Dual haben in allen Declinationen dieſelbe
Form, nämlich immer ♣omaj♠ oder ♣’omaj.♠

<pb n="112"/>

§. 76. Declination der Maſculina ohne Endvocal.

♣I.♠ Singular. ♣II.♠

♣a b a b♠

Nom. ♣pop, dub, muž, meč.♠

Acc. ♣popa, dub, muža, meč.♠

Gen. ♣popa, duba, muža, meča.♠

Dat. ♣popej, dubej, mužej, mečej.♠

Loc. ♣popu, ṕe, dub́e, mužu, meču.♠

Soc. ♣popom, dubom, mužom, mečom.♠

Voc. ♣poṕe (po), dub́e. mužo. mečo.♠

Dual.

Nom. ♣popaj, dubaj, mužaj, mečaj.♠

Acc. ♣popow, dubaj, mužow, mečaj.♠

Gen. ♣popow, dubow, mužow, mečow.♠

D. S. L. ♣popomaj. dubomaj. mužomaj. mečomaj.♠

Plural.

Nom. ♣popojo, oẃe, py, duby, mužojo, že, meče.♠

Acc. ♣popow, py, duby, mužow, že, meče.♠

Gen. ♣popow, dubow, mužow, ži, mečow, či.♠

Dat. ♣popam, dubam, mužam, mečam.♠

Loc. ♣popach, dubach, mužach, mečach.♠

Soc. ♣popami, dubami, mužemi, mečemi.♠

§. 77. Bemerkungen zur ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination.

Nach der erſten Declination gehen alle Maſculine mit einem harten
Endconſonanten, alſo die auf: ♣w, b, p, m, n, ł, r, d, t, c, z, s, h,
ch, k.♠ Nach der zweiten aber die auf ein weiches: ♣j, ẃ, b, ṕ, l, ŕ, ḿ,
ń, dž, ž, š, č, é, šć.♠

Nominativ. Genitiv. Dativ. Nominativ. Genitiv. Dativ.

♣kral♠ König, ♣krala, kralej. chmel♠ Hopfen, ♣chmela, lu, chmelej.♠

♣muž♠ Mann, ♣muža, mužej. nóž♠ Meſſer, ♣noža, nožu, ej,♠

♣šewc♠ Schuſter, ♣šewća, šewcej. plac♠ Schall, ♣placa, placej.♠

♣twóŕ♠ Iltis, ♣twóŕa, twóŕej. wołoẃ♠ Blei, ♣wołoẃa, woɫoẃu.♠

♣hołb́♠ Taube, ♣hołb́a, hoɫb́ej. drób́♠ Kleines, ♣drob́a, drob́ej.♠

♣kóń♠ Pferd, ♣końa, końej. ŕeḿeń♠ Riemen, ♣ŕeḿeńa, ŕeḿeńej.♠

♣honač♠ Hahn, ♣honača, honačej. płač♠ Weinen, ♣płača, płaču.♠

♣knadž♠ Ammer, ♣knadža, knadžej. nóhć♠ Nagel, ♣nóhća, nóhćej.♠

♣kraj♠ Land, ♣kraja, krajej. hòzdž♠ Nagel, ♣hozdža, hozdžej.♠

Auch einige auf ♣z♠ haben im Genitiv ♣a,♠ obgleich dieſes ehemals <pb
n="113"/>♣'a♠ war: wie ♣kńez♠ Herr, ♣kńeza; peńez♠ Geldſtück, ♣peńeza;
wićaz♠ Held (nur noch als Eigenname) ♣wićaza.♠

Diejenigen Subſtantive, welche im Nom. vor dem Endconſonanten, er ſei
hart oder weich, ein ♣ó♠ haben, verwandeln dieſes ♣ó♠ in allen übrigen
Endungen in ♣o:rów♠ Grab, ♣rowa; wół♠ Ochs, ♣woɫa; lód♠ Eis, ♣lodu;
naród♠ Geburt, ♣narodu; wóz♠ Wagen, ♣woza; Bóh♠ Gott, ♣Boha; bróh♠ Ufer,
♣broha; łój♠ Inſelt ♣łoja; rój♠ Schwarm, ♣roja; drób́♠ Kleines, ♣drob́a;
nóž♠ Meſſer ♣noža.♠ Unverändert behalten ♣ó♠ bei: ♣mróz♠ Reif, ♣mróza;
šrót♠ Schrot, ♣šrótu; wóst♠ Diſtel, ♣wósta; twóŕ♠ Iltis, ♣twóŕa.♠ u. a.

♣Džeń♠ Tag, hat ſeinen Endconſonanten bald hart, bald weich; Singular:
Nom. Acc. ♣džeń,♠ Gen. ♣dńa,♠ Dat. ♣dńej,♠ Loc. ♣dńu,♠ Soc. ♣dńom;♠ Dual
♣dnaj, dnow, dńomaj, dńomaj, dńomaj;♠ Plural ♣dny, dnów, dnam, dnach,
dnami.♠ Im Local hat es die Form ♣dńo♠ nur in der Redensart: ♣wo-dńo♠ am
Tage.

Das zuſammengeſetzte ♣tydžeń♠ Woche, wird ganz regelmäßig nach der ♣II.♠
declinirt: ♣tydžeńa, tydžeńej, tydžeńu, tydžeńom;♠ Dual ♣tydžeńej,
tydžeńow, tydžeńomaj;♠ Plural ♣tydžeńe, tydžeńow, tydžeńam, tydžeńach,
tydžeńemi.♠

Viele Subſtantive, welche im Nominativ vor der Characteriſtik einen
Vocal haben, werfen denſelben in den übrigen Caſus weg, als: ♣džeń♠ Tag,
♣dńa; rėbel♠ Leiter, ♣rėbla: wróbel♠ Sperling, ♣wróbla; kotoł♠ Keſſel,
♣kótła; pos♠ Hund, ♣psa; woheń♠ Feuer, ♣wóhńa; (cyhel♠ Ziegel,
♣cyhla♠?).

♣Ludžo♠ Leute, ♣hosćo♠ Gäſte, ♣kńeža, kńežo♠ Herrſchaft ſind Collectiva,
aber nur im Plural; und haben eine abweichende Declination (♣kńcžo♠ iſt
aus ♣kńezj-ojo, kńezjo♠ entſtanden):

Nom. ♣ludžo, hosćo, kńežo, ža.♠ Dat. ♣ludžom, hosćom, kńežim.♠

Accuſ. ♣ludži, hosći, kńežich.♠ Loc. ♣ludžoch, hosćoch, kńežich.♠

Gen. ♣ludži, hosėi, kńežich.♠ Soc. ♣ludžimi, hosćimi, kńežimi.♠

Anmerkung. Der Genit. ♣kńežich♠ ſtatt ♣kńeži♠ bildet den Übergang in den
Local wie es bei den Adjectiven der Fall iſt.

♣Lud♠ Volk, hat im Dual ♣ludaj,♠ im Plural ♣ludy♠ (zwei und mehrere)
Völker, Nationen, ganz nach der Regel. ♣Kńez♠ Herr, Dual ♣kńezaj♠ zwei
Herrn, und Plural ♣kńezojo,♠ obwohl ſehr ſelten; da man in der Regel
♣tsjo kńeža♠ drei (einzelne) Herrn, ſagt. Dagegen hat es in den andern
Caſus bei dieſer Bedeutung die regelmäßige Form: Acc. ♣kńezow,♠ Gen.
♣kńezow,♠ Dat. ♣kńezam,♠ Loc. ♣kńezach,♠ Soc. ♣kńezami.♠ Auch hört man
den (femininen) Nominativ Pluralis ♣kńezy♠ Herrn ♣domini.♠ Wird Jemand
mit ♣kńez♠ titulirt, ſo ſteht dieſes Wort mit dem Namen deſſelben im
Nominativ in gleicher Endung, z. B. ♣kńez kowaŕ♠ der Herr Schmidt; in
den andern Caſus aber ſetzt man von ♣kńez♠ nur den Genitiv, z. B. Acc.
und Genit. ♣kńeza kowaŕa;♠ Dat. ♣kńeza kowarej;♠ Loc. ♣kńeza kowaŕu;♠
Soc. ♣kńeza kowaŕom.♠ Im Vocativ aber ſagt man ♣kńeže kowa<pb
n="114"/>ŕo;♠ ſeltener ♣kńez kowaŕo.♠ Bei ♣Bóh♠ immer ♣kńeže Božo♠ Herr
Gott; unveränderlich iſt: ♣Bóh tón kńez, Boha toho kńeza, Bohu tom
kńezej♠ und ſ. w.

Im Genitiv Pluralis werfen eigentlich alle, jetzt aber nur noch eine
beſtimmte Anzahl von Subſtantiven die Endunng ♣ow♠ weg. Dahin gehören:
alle Eigennamen von Ländern (wenn die Benennung des Volkes für das Land
geſetzt wird), Orten, Flüſſen, Perſonen u. dergl., ſo wie einige wenige
Gattungsnamen; z. B. ♣do Čech♠ nach Böhmen; ♣Wic̀azec wóz♠ Lehmann’s
Wagen; ♣peńez dla♠ des Geldes wegen; ſtatt: ♣Čechow, Wićazecow,
peńezow.♠ Die meiſten mit einer weichen Characteriſtik thun das auch;
aber ſie laſſen an des ♣ow♠ Stelle deutlich ein ♣i♠ hören; z. B. ♣do
końi♠ in die Pferde. Jedoch nehmen alle dieſe Subſtantiva die Endung
♣ow♠ ſogleich wieder an, ſobald man einen Nachdruck in ſie legt. Anſtatt
des Ausgangs ♣ami♠ hört man im Sociativ Pluralis nach weichen
Conſonanten in der Regel ♣emi♠ und ♣imi,♠ und im Local neben und anſtatt
♣ach♠ oft wieder ♣och♠ und ♣ich,♠ z. B. ♣kóńimi, końemi♠ und ♣końach,
końoch, końich♠ mit und in den Pferden.

§. 78. Genitive der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination.

Alle Namen belebter Weſen haben ♣a♠ im Genitiv. Aber auch viele Namen
lebloſer Dinge haben ♣a,♠ obgleich ſie ♣u♠ annehmen ſollten. Solche
ſind:

1) Alle Namen ſloweniſcher Städte; als: ♣Budyšin♠ Budiſſin, ♣do
Budyšina; Kaḿeńc♠ Kamenz, ♣do Kaḿeńca.♠

2) Die Diminutiva auf ♣k♠ und ♣ik;♠ als: ♣hajk♠ kleiner Hain, ♣do hajka;
domik♠ Häuschen, ♣do domika; wózyčk♠ kleiner Wagen, ♣wózyčka; mósćik♠
Brückchen, ♣mósćika.♠

3) Viele andere Wörter, wie: ♣chlėw♠ Stall, ♣do chlėwa; twarow♠ Quark,
♣twarowa; chlėb♠ Brod, ♣pa chlėba; rub♠ (Tiſch-) tuch, ♣ruba; stółp♠
Säule, ♣stołpa; młyn♠ Mühle, ♣z młyna; kotoł♠ Keſſel, ♣do kótła; wuzoł♠
Zummel (für Kinder), ♣wuzoła; sydyr♠ Quark, ♣sydra; ẃečor♠ Abend,
♣wokoło ẃečora; pazor♠ Kralle, ♣pazora; kut♠ Winkel, ♣kuta; prut♠ Ruthe,
♣pruta; keluch♠ Kelch, ♣kelucha; žiwot♠ Leib, ♣žiwota; knot♠ Maulwurf,
♣knota; kołrot♠ Spinnrad, ♣kołrota; swėt♠ Welt, ♣do swėta; kus♠ Biſſen,
♣kusa; wows♠ Hafer, ♣wowsa; čórbas♠ Waſſerbottich, ♣čórbasa; brus♠
Wetzſtein, ♣brusa,♠ und viele andere.

4) Auch haben ♣a♠ alle jene, welche den Vocal vor der Characteriſtik des
Nom. in den andern Caſus wegwerfen; z. B. ♣rėbel♠ Leiter, ♣rėbla; woheń♠
Feuer, ♣wóhńa. Dom♠ Haus hat ♣domu,♠ wenn von einem Hauſe überhaupt
geſprochen wird, ♣do domu♠ in das Haus <pb n="115"/>hinein; ♣wokoło
mojeho domu♠ um mein Haus; ♣doma♠ aber heißt: zu Hauſe ♣domi.♠ Überhaupt
haben die meiſten einſylbigen Subſtantive im Genitiv ♣u♠ neben ♣a,♠
beſonders bei Präpoſitionen; z. B. ♣do bozu♠ in den Holunder; aber
♣lėtsa mamy wele boza♠ (auch ♣bozu♠) dieſes Jahr haben wir viel
Holunder.

§. 79. Dativ der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination.

Die jetzt gebräuchliche Endung ♣ej♠ iſt aus ♣ewi, eẃ♠ entſtanden, welche
Formen man noch in alten Büchern findet. Von der rein ſloweniſchen Form
auf ♣owi♠ oder ♣oẃ♠ iſt nur in ♣domoj,♠ anſtatt ♣k domowi,♠ nach Hauſe,
noch eine Spur.

Viele einſylbige Wörter haben im Dativ ♣u♠ neben ♣ej,♠ oft auch bloß
♣u;♠ letzteres aber faſt immer nur dann, wenn ſie im Genitiv nicht ♣u,♠
ſondern ♣a♠ hatten; ſo ♣lud♠ Volk, ♣ludu♠ und ♣ludej; duch♠ Geiſt,
♣duchu♠ und ♣duchej; čert♠ Teufel, ♣čertu♠ und ♣čertej; Bóh♠ Gott,
♣Bohu,♠ aber nicht ♣Bohej,♠ wohl aber ♣bohej♠ (Götzen.)

§. 80. Vocativ der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination.

Der Vocativ der ♣II.♠ Declination iſt immer ♣o.♠ Bei der ♣I.♠ haben ein
♣o♠ in der Regel nur die mit der Characteriſtik ♣h, ch, k♠ und (den
unveränderlichen) ♣c, s♠ und ♣z.♠ Ausgenommen ♣kńez♠ Herr, welches
♣kńeže♠ hat; und die durch ♣c♠ gebildeten, wie ♣šewc♠ Schuſter, ♣šewco♠
und auch ♣šewče,♠ aber mit einer kleinen Nebenbedeutung des
Lächerlichen; ♣krawc♠ Schneider, ♣krawco♠ und auch ♣krawče♠ und
ähnliche. Ferner ♣Bóh♠ Gott, ♣Bożo♠ und ♣čɫoẃėk♠ Menſch, ♣čɫoẃeko♠ oder
♣čłoẃko♠ und ♣čłoẃeče♠ oder ♣čłoẃče.♠

Die übrigen haben ♣e,♠ doch werden vor dieſem ♣e♠ allemal die
Conſonanten verwandelt; als:

Nominativ. Genitiv. Vocativ. Nominativ. Genitiv. Vocativ.

♣paw♠ Pfau, ♣pawa, paẃe. połon♠ Wermuth, ♣połona, połońe.♠

♣zub♠ Zahn, ♣zuba, zub́e. sydyr♠ Quark, ♣sydyra, sydyŕe.♠

♣snop♠ Garbe, ♣snopa, snoṕe, bratr♠ Bruder, ♣bratra, bratse.♠

♣wóɫ♠ Ochs, ♣woɫa, wole, lód♠ Eis, ♣lodu, lodže.♠

♣štom♠ Baum, ♣štoma, štoḿe. wóst♠ Diſtel, ♣wósta, wósće.♠

Doch gibt es auch hier noch Ausnahmen; beſonders gern gibt man ♣o♠ im
Vocativ den Namen belebter Weſen, ſeien es Menſchen oder Thiere; z. B.
♣nano♠ Vater; ♣syno♠ Sohn; ♣ludo♠ Volk. Daher kö nmt es auch, daß ſolche
Subſtantive häufig ♣o♠ und ♣e♠ zugleich haben. So: ♣bur♠ Bauer, ♣buro♠
und ♣buŕe; hołb́♠ Taube, ♣hołb́o♠ und <pb n="116"/>♣hoɫb́e; paduch♠ Dieb,
♣paducho,♠ und ♣paduše; susod♠ Nachbar, ♣susodo♠ und ♣susodže♠ u. ſ. f.

♣Krystus♠ hat ♣Krystuso;♠ mit ♣Jėzus♠ aber hat es entweder ♣Jėzuso
Krystuso,♠ oder ♣Jėzu Krysće.♠

§. 81. Local der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination.

Die Subſtantiva der ♣II.♠ Declination haben faſt alle ♣'u♠ im Local
Singularis.

Bei der ♣I.♠ Declination dürfte es vielleicht Regel ſeyn, daß die
Animata ♣u,♠ die Inanimata ♣’e♠ haben, als: ♣wo Bohu♠ in Gottt, ♣w
čłoẃeku♠ im Menſchen, ♣na kńezu♠ auf dem Herrn, ♣po końu♠ über das Pferd
hin, ♣w rukaẃe♠ im Ärmel, ♣na dub́e♠ auf der Eiche, ♣w młyńe♠ in der
Mühle, ♣po kótle♠ über den Keſſel, ♣na pazoŕe♠ auf der Kralle, ♣w sadže♠
im Obſte, ♣na krib́eće♠ auf dem Rücken. Doch haben die auf ♣c, z, s♠
immer ♣u,♠ als: ♣na cycu♠ auf der Zitze, ♣wo wowsu♠ im Hafer, ♣we wozu♠
im Wagen. Die auf ♣h♠ haben ♣’e,♠ welches aber nach (dem aus ♣h♠ wegen
des weichen ♣’e♠ entſtandenen) ♣z♠ in ♣y♠ verwandelt wird: ♣w snėzy♠ im
Schnee, ♣na płuzy♠ auf dem Pfluge von ♣płuh, bėh♠ der Lauf, hat ♣w
bėhu.♠ Die auf ♣ch♠ haben ♣u♠ und ♣’e♠ zugleich, ſeltener die auf ♣k,♠
welche nur ♣u♠ haben; ♣bŕuch♠ Bauch, ♣w bŕuchu,♠ und ♣w bruše (bŕuši);
próch♠ Staub, ♣w próchu♠ und ♣w próše; — počatk♠ Anfang, ♣pši počatku;
kłobuk♠ Hut, ♣w kłobuku♠ und ♣kłobucy; kunk♠ (Köcher, ♣brusacy kunk♠
Wetzkitze) ♣w kunku; suk♠ Knoten; ♣w suku.♠ Die Diminutive haben alle
♣u: w domiku♠ im Häuschen, ♣na pućiku♠ auf dem Wege. Eben ſo ♣duch♠
Geiſt, nur ♣duchu.♠

Diejenigen, welche im Genitiv ♣u♠ haben, nehmen im Local gewöhnlich ♣’e:
lodu♠ des Eiſes, ♣ua lodže; do domu♠ ins Haus, ♣wo doḿe♠ im Hauſe.

Natürlich werden vor ♣’e♠ im Local die Conſonanten verändert:

Nominativ. Genitiv. Local. Nominativ. Genitiv. Local.

♣chlėw♠ Stall, ♣chlėwa, chlėẃe. kmótr♠ Gevatter, ♣kmótra, kmótsje.♠

♣zub♠ Zahn, ♣zuba, zub́e. hród♠ Schloß, ♣hrodu, hrodže.♠

♣stołp♠ Säule, ♣stołpa, stołṕe. pót♠ Schweiß, ♣potu, poće.♠

♣kał♠ Kraut, ♣kaɫu, kale. móst♠ Brücke, ♣mosta, mosće.♠

♣dom♠ Haus, ♣domu, doḿe. próh♠ Schwelle, ♣proha, prozy.♠

♣boran♠ Stär, ♣borana, borańe. hróch♠ Erbſen, ♣hróchu, hróše.♠

♣sydyr♠ Quark, ♣sydyra, sydyŕe. kłobuk♠ Hut, ♣kłobuka, kłobucy.♠

<pb n="117"/>

§. 82. Nominativ Pluralis auf ♣ojo, jo, oẃe, i, y, e.♠

Wir verweiſen hier auf den Unterſchied der Rationalen und Irrationalen,
den wir §. 75. angeführt haben. Die Subſtantiva Rationalia nehmen immer
die Endung ♣ojo♠ oder ♣oẃe♠ im Nominativ Pluralis, ſei es in der ♣I.♠
oder ♣II.♠ Declination: ♣nanojo, nanoẃe♠ Väter, von ♣nan; jandželojo,
jandželoẃe♠ Engel von ♣jandžel; tkalcojo, tkalcoẃe♠ Weber, von ♣tkale.♠

Dieſes ♣ojo♠ wird aber häuſig in ♣jo♠ verkürzt; beſonders bei den
Subſtantiven auf ♣aŕ♠ und ♣ŕ,♠ eben ſo bei denen auf ♣’an;♠ z. B.
♣kózɫaŕ♠ Zauberer, ♣kózɫaŕo; stworićeŕ♠ Schöpfer, ♣stworićeŕo; dobroćeŕ♠
Wohlthäter, ♣dobroćeŕo; — holan♠ Haidebewohner, ♣holeńo; zeḿan♠
Edelmann, ♣zeḿeno.♠

Dieſelbe Abkürzung haben viele einſylbigen Rationalien, wie ♣hósć♠ Gaſt,
♣hosćo; Serb♠ Serbe ♣Serbojo, Serboẃe,♠ und ♣Serb́o,♠ auch ♣Serb́a; bur♠
Bauer, ♣buŕo♠ und ♣buŕa; kmótr♠ Gevatter, ♣kmótsjo♠ und ♣kmótsja; pop♠
Prieſter, ♣poṕo♠ und ♣poṕa; bratr♠ Bruder, ♣bratsja.♠

Die Rationalen auf ♣k♠ haben neben der Endung ♣koẃe♠ oder ♣kojo♠ auch
die Endung ♣cy;♠ ihre irrationale Endung aber iſt ♣ki;♠ z. B. ♣rėznik♠
Fleiſcher, ♣rėznikoẃe, rėznikojo,♠ und ♣rėznicy♠ rational, ♣rėzniki,♠
nicht rational; ♣hrėšnik♠ Sünder, ♣hrėšnikojo, hrėšnicy —, hrėšniki;
wojak♠ Soldat ♣wojakojo♠ und ♣wojacy —, wojaki; čłoẃek♠ Menſch,
♣čłoẃekojo♠ (nicht ♣čłoẃecy) —, čloẃeki.♠

Vor der Endung ♣jo♠ werden auch die Conſonanten verwandelt, wie wir
geſehen haben; ♣kmótr♠ Gevatter, ♣kmótsjo; delan♠ Bewohner der
Niederungen, ♣deleńo.♠ Nie aber vor ♣ojo♠ oder ♣oẃe,♠ z. B. ♣nan♠ Vater,
♣nanojo, nanoẃe.♠

Die nichtrationalen Subſtantiva der ♣I.♠ Declination, belebt und
unbelebt, und die rationalen, wenn ſie eine nicht rationale Endung
haben, nehmen im Nominativ Pluralis ♣y: šow♠ Nath, ♣šowy; zub♠ Zahn,
♣zuby; čop♠ Zapfen, ♣čopy; wół♠ Ochs, ♣woły; kał♠ Kraut, ♣kały♠
Krautfelder; ♣štom♠ Baum, ♣štomy; hawron♠ Kohlrabe, ♣hawrony; pad♠ Fall,
♣pady; knot♠ Maulwurf, ♣knoty; porst♠ Finger, ♣porsty.♠ Dann: ♣posoł♠
Bothe, ♣pósłojo♠ Bothen, ♣posły♠ Geſandte, Nachrichten; ♣djaboł♠ Teufel,
♣djabołojo♠ und ♣djaboły; pachoł♠ Burſche, ♣pachołojo♠ und ♣pachoły.♠

Anſtatt ♣y♠ muß bei denen auf ♣h, ch♠ und ♣k♠ natürlich (§. 7.) ♣i♠
ſtehen; vor dieſem ♣i♠ werden aber die Conſonanten nicht verändert:
♣róh♠ Horn, ♣rohi; duch♠ Geiſt, ♣duchi; woŕech♠ Nuß, ♣woŕechi; rėzak♠
Schneidemaſchine, ♣rėzaki;♠ aber ♣paduch♠ Dieb hat ♣paduši.♠
Unregelmäßig (nämlich nach Art der zweiten Declination) haben ♣čert♠ <pb
n="118"/>Teufel, ♣čerći♠ (ſtatt ♣čertojo♠) und ♣čerty; žid♠ Jude,
♣židži, židža♠ (ſtatt ♣židojo♠) und ♣židy.♠

Die nicht-rationalen der ♣II.♠ Declination, belebt oder unbelebt, eben
ſo die rationalen, wenn ſie eine nicht-rationale Endung haben, nehmen im
Nominativ Pluralis ♣’e: kraj♠ Land, ♣kraje; čerẃ♠ Made, ♣čerẃe; hołb́♠
Taube, ♣hołb́e; wróbel♠ Sperling, ♣wróble; jandžel♠ Engel, ♣jandžele,♠
(nicht-rational): ♣hózdž♠ Nagel, ♣hozdže; nóhć♠ Nagel, ♣nóhće; čisć♠
Reinigungsort, ♣čisće; meč♠ Schwerdt, ♣meče; ćerń♠ Dorn, ♣c̀erńe.♠

§ 83. Genitiv Pluralis auf ♣ow,♠ ohne ♣ow,♠ auf ♣i.♠

Über den Genitiv Pluralis haben wir ſchon §. 75. geſprochen. Er iſt
ſtets mit dem Genitiv Dualis gleich, oder eigentlich vertritt er
zugleich auch die Stelle des Genitivs Dualis (denn dieſer muß einſt ♣u♠
geweſen ſein.) Die Endung ♣i♠ anſtatt ♣ow♠ haben nur die Subſtantiva der
♣II.♠ Declination; als: ♣wosym muži♠ acht Mann; ♣džeẃeć meči♠ neun
Schwerdter; ♣jėdnaće łochći♠ eilf Ellen.

§. 84. Dativ, Local, Sociativ Pluralis.

Der Dativ iſt durchgehends ♣am;♠ z. B. ♣synam♠ den Söhnen, ♣wołam♠ den
Ochſen, ♣mužam♠ den Männern, ♣mečam♠ den Schwerdtern.

Der Local auf ♣ach;♠ als: ♣židach♠ den Juden, ♣kołach♠ den Rädern,
♣slubach♠ Verlöbniſſen, ♣dubach♠ Eichen. Dieſe beiden, eigentlich
femininen Ausgänge haben die Serben für alle drei Geſchlechter in allen
Declinationen gebraucht; und nur in wenigen Wörtern findet man noch das
alte ♣och; w kuroch♠ Hühnern (wo gerade ♣ach♠ ſein ſollte), ♣końoch♠
Pferden, ♣ludžoch♠ Leuten. Auch die Form des Sociativ auf ♣ami♠ iſt
eigentlich feminin, obwohl ſie jetzt für alle drei Geſchlechter gilt;
♣zubami♠ Zähnen, ♣słowami♠ Worten, ♣nocami♠ Nächten, ♣žonami♠ Weibern; —
(♣a♠ in ♣e♠): ♣mužemi♠ Männern, ♣reḿeńemi,♠ Riemen, ♣róžemi♠ Roſen.

Anmerkung. Die ſloweniſche Endung auf ♣y♠ iſt bei uns bis auf die letzte
Spur verloren gegangen.

§. 85. Declination der Eigennamen.

Die Eigennamen männlicher Perſonen werden im Singular je nach ihrem
Ausgange auch nach den betreffenden Declinationen ab<pb
n="119"/>geändert. So geht ♣Mróz♠ nach ♣póp, Banč♠ nach ♣muž, Chėžka♠
nach ♣rėka, Ćibańa♠ nach ♣ćėsla, Mėto♠ nach ♣słowo, Rešo♠ nach ♣polo.♠
Natürlicher Weiſe iſt der Accuſativ bei allen gleich dem Genitiv (§.
75.) ♣pšez Mėta; pšez R'eša.♠ Im Dual und Plural aber gehen ſie alle als
Maſculina Rat. nach ♣póp♠ und ♣muž; Mrózaj, Mrózojo; Bančaj, Bančojo;
Chėžkaj, Chėžkojo; Ćibańej, Ćibańojo; Mėtaj, Mėtojo; R'ešaj, R'ešojo.♠

Anmerkung. Die aus fremden Sprachen herkommenden Eigennamen auf ♣o,♠ wie
♣Plato, Farao,♠ welche in jener Sprache die Endung ♣on♠ annehmen, haben
ſie im Serbiſchen auch; z. B. ♣Plato, Platona, Platonej, Platońe,
Platonom.♠

♣Jėzus♠ und ♣Krystus♠ haben, wenn ſie einzeln ſtehen, ♣Jėzusa, Jėzusej,
Jėzusu♠ u. ſ. w. ♣Krystusa, Krystusej♠ u. ſ. w. Stehen ſie beiſammen, ſo
haben ſie entweder beide die lange Form: ♣Jėzusa Krystusa, Jėzusey
Krystusej♠ u. ſ. w. oder es wird nur ♣Kryst♠ declinirt, und ♣Jėzom♠
vorausgeſetzt, als: Nom. ♣Jėzom Kryst;♠ Gen. und Accuſ. ♣Jėzom Krysta; ♠
Dat. ♣Jėzom Krystej;♠ Loc. ♣Jėzom Kryšće;♠ Soc. ♣Jėzom Krystom.♠

Die von dieſen Mannsnamen durch Anhängung der Sylbe ♣owa,♠ oder ♣ina,
yna♠ gebildeten Namen ihrer Frauen (§. 21.) aber werden als Adjectiva
behandelt. Eben ſo ♣erna, yrna,♠ von ♣er, yr.♠ Bei den Subſtantiven auf
♣aŕ, eŕ, yŕ♠ und auf ♣an♠ dagegen wird in der Motion ♣ka♠ angehängt, und
dieſe Feminina werden dann als Subſtantive nach ♣rėka♠ declinirt.

Die Eigennamen auf ♣ski♠ endlich (♣anski, 'anski, enski, onski, inski,
ynski♠ u. ſ. w.) ſo wie die davon abgeleiteten weiblichen auf ♣scyna,♠
ſeltener ♣ska♠ oder ♣skowa♠ werden, da ſie eigentliche Adjectiva ſind,
auch als ſolche declinirt.

Anmerkung. Der Dual der männlichen Eigennamen auf ♣ski♠ hat oft die
Bedeutung „der Mann und die Frau mit einander“; z. B. ♣Huščanskaj♠ die
beiden Huſčanſki’s, er und ſie.

Von den männlichen Perſonennamen werden auch die Familien- und
Orts-Namen gebildet; wie wir dieſes §. 22. ausgeführt haben. Die
Declination derſelben iſt daher gleich.

Pluralis.

N. V. ♣Wojerecy♠ Hoyerswerda, ♣Mrózecy,♠ Mroſen’s,

Accuſ. ♣Wojerecy, Mrózecow,♠

Genit. ♣Wojerec, — cow, Mrózec, — cow,♠

Dativ. ♣Wojerecam, com, Mrózecam, com,♠

Sociat. ♣Wojerecami, comi, Mrózecami, comi.♠

Local. ♣Wojerecy (cach, coch). Mrózecy, cach, coch.♠

Pluralis.

♣Zyndžicy♠ Sinden’s. ♣Zyndžicam, com,♠

♣Zyndžicow, Zyndžicami, comi,♠

♣Zyndžic, -cow, Zyndžicy, cach, coch.♠

<pb n="120"/>

Die übrigen Ortsnamen, die ſich alle auf einen Conſonanten oder Vocal
(♣a♠) endigen, richten ſich in Geſchlecht und Flexion ganz nach den
gewöhnlichen Regeln; daher z. B. ♣Liboń,♠ Libon, Accuſ. ♣Liboń,♠ Gen.
♣Libońa,♠ Dat. ♣Libońej,♠ Soc. ♣Libońom,♠ Loc. ♣Libońu,♠ Maſc.; — aber
♣Praha♠ Prag, (ein Dorf in der Lauſitz) Accuſ. ♣Prahu,♠ Genit. ♣Prahi,♠
Dat. ♣Prazy,♠ Soc. ♣Prahu,♠ Loc. ♣Prazy,♠ Fem. u. ſ. w.

Die Namen der Länder werden gebildet, indem man dem Endconſonanten im
Namen der Einwohner die Sylbe ♣ska♠ anhängt (wobei ♣zeḿa♠ Land, zu
ſuppliren); z. B. ♣Wuheŕ♠ der Unger. ♣Wuheŕska♠ Ungarn; ♣Francoza♠ der
Franzoſe, ♣Francozska (Francoska)♠ Frankreich; ♣Čech♠ der Böhme,
♣Čėšska, Čėska♠ Böhmen. Dabei werden manche Conſonanten wegen der
leichtern Ausſprache weggeworfen.

N. Voc. ♣Wuherska♠ Ungarn, ♣Włóska♠ Wälſchland.

Accuſat. ♣Wuhersku, Włósku,♠

Genitiv. ♣Wuherskeje, skej, Włóskeje,♠

D. L. S. ♣Wuherskej. Włóskej.♠

Anmerkung. Man nennt die wälſche Nuß: ♣wóski♠ oder ♣wɫóski woŕech,♠
daher muß Wälſchland ♣włoska zeḿa♠ heißen (vergl. ♣Wlach, Włóch♠).

Doch wird auch oft der Name der Bewohner anſtatt des Landes ſelbſt
geſetzt; z. B. ♣do Nėmcow♠ nach Deutſchland; ♣w Čechach♠ in Böhmen; ♣do
Delan♠ in die (lauſitzer) Niederlande, d. i. die Niederlauſitz.

§. 86. Dritte und vierte Declination.

Als Muſter ſind die Wörter: ♣słowo♠ Wort, ♣wėko♠ Deckel; ♣kazańo♠
Befehlen, Befehl, ♣polo♠ Feld.

Singular.

♣III. IV.♠

α β α β

Nom. ♣sɫowo, wėko, kazańo, ńe, polo (le),♠

Accuſ. ♣słowo wėko, kazańo, ńe, polo (le),♠

Gen. ♣słowa, wėka, kazańa, pola,♠

Dat. ♣słowu, wej, wėku, kej, kazańu, polu,♠

Loc. ♣słoẃe, wėku, kazańú (ńi), polu (li),♠

Soc. ♣słowom. wėkom. kazańom. polom.♠

Dual.

Nom. Acc. ♣słoẃe, wėcy, kazani, poli,♠

Genitiv. ♣słowow, wėkow, kazańow, polow,♠

D. S. L. ♣sɫowomaj. wėkomaj. kazańomaj. polomaj.♠

<pb n="121"/>

Plural.

N. Acc. ♣słowa wėka, kazańa, pola,♠

Genit. ♣słowow, słow, wėkow, kazańow, ni, polow (pól),♠

Dativ. ♣słowam, wėkam, kazańam, polam,♠

Local. ♣słowach, wėkach, kazańach, polach,♠

Sociat. ♣sɫowami. wėkami. kazańemi. polemi.♠

Die Declination der Neutra kömmt ganz der der Maſc. gleich; nur iſt der
Nominativ, Accuſativ, Vocativ im Singular auf ♣o,♠ im Dual auf ♣’e♠ oder
♣i (y),♠ im Plural auf ♣a;♠ der Genitiv Pluralis aber bisweilen ohne die
Endſylbe ♣ow.♠

In den andern Slawinen gibt es auch Adjective, welche eine der
Declination der neutralen Subſtantiva ähnliche, daher ſubſtantiviſch
genannte Flexion haben; aber dieſe iſt bei uns ſchon längſt verloren
gegangen; die wenigen Spuren, die ſich vorfinden, ſind etwa z. B. in ♣z
bliska♠ von der Nähe; ♣wonku♠ oder ♣wo wonku♠ draußen; ♣z ceła♠ aus dem
Ganzen, ♣z mnoha♠ viel; ♣zrėdka♠ oder ♣porėdko, porėdku♠ ſelten, und
dergl.

§. 87. Bemerkungen zur ♣III.♠ und ♣IV.♠ Declination.

Im Dativ haben die Subſtantive der ♣III.♠ Declination ♣u♠ und ♣ej;♠ nur
wenige bloß ♣ej;♠ die der ♣IV.♠ Declination ſtets ♣u.♠ Die
Conſonantenverwandlung geſchieht in der ♣III.♠ Declination nach §. 11.
im Local Sing. und im Nominativ, Accuſativ, Vocativ Dualis; da dieſe
beiden Endungen gleichförmig auf ♣’e (y)♠ ausgehen, z. B.

♣dŕewo♠ Holz: ♣dŕeẃe. žito♠ Korn: ♣žiće.♠

♣pismo♠ Schrift: ♣pisḿe. koło♠ Rad: ♣kole.♠

♣wokno♠ Fenſter: ♣wokńe. slėbro♠ Silber: ♣slėbŕe.♠

♣blido♠ Tiſch: ♣blidže. wucho♠ Ohr: ♣wuše.♠

♣zeležko♠ Feuerſtahl: ♣zeležcy.♠

Doch haben letztere beide auch ♣wuchu♠ und ♣zeležku♠ im Local. ♣woko♠
Auge, ♣wucho♠ Ohr, haben im Dual und Plural zwei Formen: Nom. und Accuſ.
♣woči, wuši;♠ Genit. ♣wočow, wušow:♠ Dat. ♣wočomaj, wušomaj:♠ Loc. und
Soc. eben ſo. Plural. Nom. Accuſ. ♣woči, wuši;♠ Genit. ♣wočow, wušow;♠
Dat. ♣wočam, wušam;♠ Loc. ♣wočach, wušach;♠ Soc. ♣wočemi, wušemi.♠
Dieſes ſind wirkliche, ſehende Augen.

Aber: Nom. Accuſ. ♣wocy, wuše;♠ Genit. ♣wokow, wuchow;♠ Dat. Loc. Soc.
♣wokomaj, wuchomaj;♠ Plural Nom. und Accuſat. ♣woka, wucha;♠ Genit.
♣wokow, wuchow;♠ Dat. ♣wokam, wucham;♠ Loc. ♣wokach, wuchach;♠ Soc.
♣wokami, wuchami,♠ ſind nicht ſehende Augen, ſondern z. B. Schlingen zum
Fangen der Vögel, auf der Suppe u. dergl. und Ohren d. i. Henkel an den
Töpfen, Nähna<pb n="122"/>deln und dergl. Im Nominativ Pluralis haben
außer ♣woči♠ und ♣wuši♠ alle Subſtantive die Endung ♣a.♠ Die alte Form
♣’esa♠ ſindet ſich bei uns nur noch in ♣koło♠ Rad, ♣koła♠ und ♣kolesa;
ńeb́o♠ Himmel, ♣ńeb́a♠ die Wohnungen der Seeligen, und ♣ńeb́esa♠ das
Firmament.

Der Genitiv Pluralis iſt eigentlich ohne ♣ow;♠ doch haben im Serbiſchen
bei weitem die meiſten Subſtantive dieſe Endung; nur wenige, als: ♣lėt♠
Jahre von ♣lėto; ńeb́es♠ ſtatt ♣ńeb́esow;♠ z. B. ♣wstpėł do ńeb́es,♠
aufgefahren in den Himmel.

Die Subſtantive der ♣IV.♠ haben anſtatt ♣ow♠ gewöhnlich ♣i,♠ z. B.
♣łožo♠ Bett, ♣ɫoži; jejo♠ Ei, ♣jeji.♠

Bei der ♣IV.♠ muß nach §. 11. aus ♣ami♠ immer ♣emi♠ gemacht werden; z.
B. ♣ɫožo♠ Bett, ♣ɫožemi; wojo♠ Deichſel, ♣wojemi.♠

Unter den Subſtantiven der ♣IV.♠ Declination müſſen wir diejenigen auf
♣ḿo♠ hervorheben, welche in den Nebenendungen des Singulars, ſo wie im
Dual und Plural das Augument ♣’eń♠ annehmen; als:

Singular. Dual. Plural.

Nom. Acc. Voc. ♣raḿo, raḿeni, raḿeńa,♠

Genitiv. ♣raḿeńa, raḿeńow, raḿeńow,♠

Dativ. ♣raḿeńu, raḿeńomaj, raḿeńam,♠

Sociativ. ♣raḿeńom, raḿeńomaj, raḿeńach,♠

Local. ♣raḿeńu. raḿeńomaj. raḿeńemi.♠

Wie ♣raḿo♠ Schulter, geht auch ♣brėḿo♠ Laſt, ♣płóḿo♠ Flamme u. ſ. w.
Doch ſollte man ſich nie angewöhnen, ♣brėḿeńo♠ ſtatt ♣brėḿo, raḿeńo♠
ſtatt ♣raḿo, syḿeno♠ ſtatt ♣syḿo♠ Saamen, zu ſagen. Denn dieſer Ausgang
♣ḿo♠ iſt ein großes Zeichen der Reinheit und Unverdorbenheit unſerer
Sprache.

§. 89. Heteroclita der ♣III.♠ und ♣IV.♠ Declination.

Die Subſtantiva Maſculina auf ♣a♠ und ♣o♠ bilden den Singular nach der
Form der Femininen auf ♣a♠ und Neutren auf ♣o,♠ nur daß letztere den
Accuſativ dem Genitiv gleich haben. Im Dual und Plural gehen dieſe
Subſtantive nach dem Beiſpiele der Maſculina; z. B. ♣ćėsla♠ Zimmermann,
Accuſ. ♣ćėslu,♠ Gen. ♣ćėsle,♠ Dativ. ♣ćėsli,♠ Soc. ♣ćėslu,♠ Loc.
♣ćėsli.♠ Dual ♣ćeslaj;♠ Plural ♣ćėsloẃe, lojo.♠

Die Nomina Amplificata Indignativa (ſiehe §. 18. ♣sub p♠) auf ♣isko♠ und
♣ysko♠ gehen nach der ♣III.♠ auf ♣išćo♠ und ♣yšćo♠ nach der ♣IV.♠
Declination; aber nur im Singular und Plural; im Dual gehen die von
Maſculinen abgeleiteten auf ♣ko♠ nach der ♣I. a,♠ auf ♣šćo♠ nach der
♣II. a;♠ die von Femininen auf ♣ko♠ nach ♣VI. b,♠ die auf ♣šćo♠ nach
♣VII. b;♠ die von Neutren gebildeten gehen nach der ♣III.♠ und ♣IV.♠
Declination.

<pb n="123"/>

Singular.

Nom. Acc. Voc. ♣mužisko, žonišćo, blidžisko,♠

Genitiv. ♣mužiska, žonišća, blidžiska,♠

Dativ. ♣mužisku, žonišću, blidžisku, kej,♠ u. ſ. w.

Dual.

Nom. Vocat. ♣mužiskaj, žonišći, blidžiscy,♠

Accuſ. ♣mužiskow, žonišći, blidžiscy,♠

Genit. ♣mužiskow, žonišćow, blidžiskow,♠

Dat. Soc. Loc. ♣mužiskomaj, žonišćomaj. blidžiskomaj.♠

Plural.

Nom. Acc. Voc. ♣mužiska, žonišća, blidžiska,♠

Genitiv. ♣mužiskow, žonišćow, blidžiskow♠ u. ſ. w.

Darnach richtet ſich auch das Geſchlecht; im Singular und Plural ſind
alle, ſelbſt die von Rationalen abgeleiteten, ſächlichen Geſchlechts; im
Dual aber hat jedes das Geſchlecht ſeines Stammwortes.

§. 89. ♣V.♠ Declination.

Die Hauptwörter auf ♣b́o, lo, ńo, ŕo, ćo, čo, džo, so, šo,♠ (budiſſiniſch
eben ſo); beſonders die Namen der Jungen von Thieren gehen nach der ♣V.♠
Declination, wenn ſie im Genit. das Augument ♣eć♠ annehmen (polniſch
♣e,♠ čechiſch ♣è♠):

Singular. Dual. Plural.

Nom. Acc. Voc. ♣ćelo,♠ Kalb, ♣ćeleći, ćelata,♠

Genitiv. ♣ćeleća, ćelatow, ćelatow,♠

Dativ. ♣ćeleću, ćej, ćelećomaj, ćelatam,♠

Sociativ. ♣ćelećom, ćelećomaj, ćelatami,♠

Local. ♣ćeleću. ćelećomaj. ćelatach.♠

Hievon iſt ausgenommen: ♣holčo♠ Mädchen, welches im Nominativ,
Accuſativ, Vocativ Singularis ♣holčo♠ hat, die anderen Caſus des
Singulars und Duals aber fehlen: im Plural iſt regelmäßig ♣holčata,
holčatow♠ u. ſ. w. ♣Wedžo♠ Kunſt, hat: Plural ♣wedžeća, ćow♠ u. ſ. w.
♣swińo♠ Schwein, und ♣džėćo♠ Kind, werden im Plural als Collectiva
Maſculina behandelt; ♣swińe♠ Schweine; ♣džėći♠ Kinder. Letzteres iſt
überhaupt unregelmäßig:

Singular. Dual. Plural.

Nom. Acc. V. ♣džėćo♠ Kind, ♣džėsći,♠ 2 Kinder, ♣džėći♠ Kinder,

Genitiv. ♣džėsća, džėsćow, džėći,♠

Dativ. ♣džėsću, -ćej, džėsćomaj, džėćom,♠

Local. ♣džėsću, džėsćomaj, džėćoch.♠

Sociativ. ♣džėsćom. džėsćomaj. džėćimi.♠

<pb n="124"/>

♣Swińe♠ hat: Genit. ♣swini (swińow),♠ Dat. ♣swińom.♠ Loc. ♣swińoch,♠
Soc. ♣swinimi, swińemi.♠

§. 90. ♣VI.♠ Declination.

Zu dieſer Declination gehören alle weiblichen Subſtantive, mit hartem
Endconſonanten, ſie mögen nun ♣a♠ am Ende haben, wie: ♣ryba♠ Fiſch,
♣rėka♠ Bach; oder bloß einen Conſonanten, wie ♣ẃes♠ Dorf.

Singular. Plural.

♣a b a b♠

N. V. ♣ryba, rėka, ẃes, ryby, rėki, wsy,♠

Accuſ. ♣rybu, rėku, ẃes, ryby, rėki, wsy,♠

Genit. ♣ryby, rėki, wsy, rybow, rėkow, wsow.♠

Dativ. ♣ryb́e, rėcy, wsy, rybam, rėkam, wsam,♠

Local. ♣ryb́e, rėcy, wsy, rybach, rėkach, wsach,♠

Soc. ♣rybu. rėku. wsu. rybami. rėkami. wsami.♠

Dual.

Nom. Acc. Voc. ♣ryb́e, rėcy, wsy,♠

Genitiv. ♣rybow, rėkow, wsow,♠

Dat. Soc. Loc. ♣rybomaj, rėkomaj, wsomaj.♠

Auch die männlichen Eigennamen und Appellative auf ♣a♠ gehen nach dieſer
Declination, aber nur im Singular: denn im Dual und Plural gehen ſie
nach der ♣I.♠ (ſ. §. 85.)

Nicht nach der ♣VI.♠ Declination, ſondern wie Adjective, werden
declinirt die im §. 21. angeführten Namen der Frauen, die von denen
ihrer Männer abgeleitet ſind; wie ♣šewcowa,♠ Schuſterinn; Accuſ.
♣šewcowu;♠ Gen. ♣šewcoweje;♠ Dat. ♣šewcowej;♠ Loc. ♣šewcowej;♠ Soc.
♣šewcowej.♠ u. ſ. w. Dagegen gehören die Frauennamen, welche nicht von
Männernamen abgeleitet ſind, wenn ſie gleich mit ♣owa♠ oder ♣na♠
gebildet ſind, dennoch zur ♣IV.;♠ z. B.

Nomin. ♣wudowa♠ Witwe, ♣kńežna♠ Jungfrau,

Accuſat. ♣wudowu, kńežnu,♠

Genitiv. ♣wudowy, kńežny,♠

Dat. Loc. ♣wudoẃe, kńežńe,♠

Sociativ. ♣wudowu. kńežnu.♠

Der Dativ und Local Singularis, und Nominativ, Accuſativ, Vocativ Dualis
ſind gleich, und zwar immer auf ♣’e,♠ vor welchem die Conſonanten
übergehen, als: ♣w♠ in ♣ẃ, b♠ in ♣b́, p♠ in ♣ṕ, ł♠ in ♣l, m♠ in ♣ḿ, n♠ in
♣ń, r♠ in ♣ŕ, d♠ in ♣dž, t♠ in ♣ć, tr♠ in ♣tsj,♠ z. B.

<pb n="125"/>

♣kruwa♠ Kuh: ♣kruẃe. rana♠ Wunde: ♣rańe.♠

♣harfa♠ Harfe: ♣harfe. skała♠ Felſen: ♣skale.♠

♣chiba♠ Mangel: ♣chib́e, para♠ Dunſt: ♣paŕe.♠

♣kopa♠ Schock: ♣koṕe, woda♠ Waſſer: ♣wodže.♠

♣słóma♠ Stroh: ♣słóḿe, pata♠ Gluckhenne: ♣paće.♠

♣kmótra♠ Gevatterin: ♣kmótsje. mucha♠ Fliege: ♣muše.♠

Oft muß dann auch noch in der vorletzten Sylbe ♣’a♠ in den Umlaut ♣’e♠
verwandelt werden; z. B. ♣ṕata♠ Ferſe: ♣ṕeće.♠

Nach ♣dz, c, s♠ und ♣z♠ wird anſtatt ♣’e♠ immer y geſprochen; wenn daher
in dieſem Caſus die Characteriſtik ♣h♠ in ♣z, g♠ in ♣dz, k♠ in ♣c♠ vor
♣’e♠ übergeht, oder wenn ſie ein (an ſich unveränderliches) ♣c, s♠ oder
♣z♠ iſt, ſo ſteht in demſelben ♣y,♠ z. B.

♣noha♠ Fuß: ♣nozy, łopyška♠ Schweifchen: ♣łopyšcy,♠

♣figa♠ Feige: ♣fidzy, ranca♠ Sau: ♣rancy,♠

♣ruka♠ Hand: ♣rucy, koza♠ Ziege: ♣kozy,♠

♣lėska♠ Ruthe: ♣lėscy, kosa♠ Senſe: ♣kosy.♠

Dieſelbe Endung gilt dann bei denen auf ♣s, z, c,♠ auch für den Genitiv
Singularis; und den Nominativ, Accuſativ, Vocativ, Pluralis, da in
dieſen an ſich ſchon ♣y♠ iſt.

Im Nominativ Pluralis haben die mit der Characteriſtik ♣h, g, ch,♠ und
♣k♠ immer ♣i;♠ als: ♣noha♠ Fuß, ♣nohi; figa♠ Feige, ♣figi; mucha♠
Fliege, ♣muchi; ruka♠ Hand, ♣ruki;♠ ohne Verwandlung, weil das ♣i♠ hier
hart ♣(y)♠ iſt, und nur wegen der Gaumenlaute weich ausgeſprochen wird.

Im Genitiv Dualis und Pluralis laſſen viele Subſtantive die Endung ♣ow♠
weg; beſonders wenn ſie collectiviſch gebraucht werden; z. B. ♣do hór♠
in das Gebirge, von ♣hora,♠ zum Unterſchiede von ♣do horow,♠ in die
(einzelnen) Berge (hinein); daher ich nicht ſagen kann; ♣do tsjóch hór,♠
ſondern ♣do tsjóch horow,♠ in drei Berge. Dann verwandeln ſolche, welche
vor der Characteriſtik ♣o♠ haben, dieſes ♣o♠ in ♣ó,♠ z. B. ♣hora, hór;
kopa♠ Schock, ♣kóp.♠

§. 91. ♣VII.♠ Declination.

Zu dieſer Declination gehören alle weiblichen Subſtantive mit weichem
Endconſonanten, mag dann nach demſelben ♣a♠ ſtehen oder nicht; wie
♣zeḿa♠ Erde, ♣kósć♠ Knochen; dann die Feminina auf ♣i,♠ wie: ♣kńeni♠
Herrin, ♣pani, pań♠ (Volkslieder) Frau; ferner die Pluralia ♣tantum,♠
wie: ♣pomyje,♠ Spielicht, ♣hrab́e♠ Rechen, ♣sańe♠ Schlitten u. ſ. w.; und
endlich der Singular der Namen von Männern oder männlichen Handwerkern
auf ♣a,♠ z. B. ♣ćěsla♠ Zimmermann; ♣Ćibańa,♠ eigener Name:

<pb n="126"/>

Singular. Plural.

N. B. ♣zeḿa, ćėsla, kósć, zeḿe, ćėslojo, sle, kosće,♠

Acc. ♣zeḿu, ćėslu, kósć, zeḿe, kosće,♠

Gen. ♣zeḿe, ćėsle, kosće, zeḿow, mi,♠ nach der ♣kosćow, sći,♠

Dat. ♣zemi, ćėsli, kosći, zeḿam, II. kosćam,♠

Local. ♣zemi, ćėsli, kosći, zeḿach, kosćach,♠

Soc. ♣zeḿu. ćėslu. kosću. zeḿemi. kosćemi.♠

Dual.

Nom. Voc. ♣zemi, ćėslej, kosći,♠

Accuſativ. ♣zemi, ćėslow, kosći,♠

Genitiv. ♣zeḿow, mi,♠ nach der ♣kosćow, sći,♠

Dat. L. S. ♣zeḿomaj. II. kosćomaj.♠

Der Vocativ iſt in dieſer Declination durchgängig gleich dem Nominativ.
Im Accuſativ hat ♣kńeni♠ Herrin, ♣kńeńu♠ und ♣kńeni; pani♠ Frau, ♣pańu♠
und ♣pani.♠ Der Genitiv Singularis iſt ſtets gleich dem Nominativ,
Accuſativ und Vocativ Pluralis, auf ♣’e;♠ z. B. ♣kula♠ Kugel, ♣kule.♠

Die männlichen Namen haben den Dual und Plural nach der ♣II.♠ auf ♣ojo,
oẃe♠ und ♣’e♠ (die ſogenannte feminine Endung.)

Einige dieſer Declination haben im Nominativ Pluralis ♣i;♠ wie: ♣woš♠
Laus, ♣wši.♠

Der Genitiv Pluralis iſt doppelt, mit ♣ow♠ und mit ♣i;♠ letzterer, wenn
das Wort gar keinen Nachdruck hat; ganz ohne Vocal iſt er ſelten, etwa
♣ńedžėla♠ Sonntag, Woche; ſo ♣šėsć ńedżėloẃ♠ ſechs Sonntage; ♣šėsć
ńedżėl♠ ſechs Wochen.

Im Local iſt durchgängig ♣emi; ami♠ iſt nicht ſprachgerecht. Einige
Subſtantiva auf ♣eń♠ haben eine doppelte Form, z. B. ♣studžeń♠ und
♣studńa♠ Brunnen; ♣móšeń♠ und ♣móšńa (móšna)♠ Beutel; ♣bróžeń♠ und
♣bróžńa♠ Scheune; dieſe bilden den Genitiv Singularis und die übrigen
Caſus von der zweiten Form; alſo ♣studńe, móšńe, bróžńe;♠ der Accuſativ
Singularis iſt doppelt: ♣studžeń♠ und ♣studńu♠ uſw. ♣Čėšeń♠
Sauerkirſche, ♣rož♠ Roggen, ♣woš♠ Laus, ♣rić♠ der Hintere, und ♣ẃes♠
Dorf werfen den Vocal vor der Characteriſtik weg; alſo ♣do čėšńe, rže,
wše, rće, wsy.♠ Auch die auf ♣eẃ, oẃ♠ und ♣el♠ oder ♣ej,♠ haben eine
ſolche Verkürzung; z. B. ♣cyrkeẃ♠ Kirche, Gen. ♣cyrkẃe: ponoẃ♠ Pfanne,
Gen. ♣ponẃe; mutel♠ od. ♣tej,♠ eigentlich ♣-teẃ♠ Quirl, Gen. ♣mutle;
morchel, chej♠ (eigentlich ♣-cheẃ♠) Mohrrübe, Gen. ♣morchẃe.♠

♣Sól♠ Salz, hat auch die Form ♣sel;♠ daher Gen. ♣sóle♠ und ♣sele;♠ Dat.
♣soli♠ und ♣seli♠ u. ſ. w.

<pb n="127"/>

§. 92. Unregelmäßige Declination.

Mit mancherlei Unregelmäßigkeiten werden declinirt die nur im Plural
gebräuchlichen ♣kury♠ Hühner (von ♣kura), husy♠ Gänſe (von ♣husa♠), und
der Plural von ♣kruwa♠ Kuh, wenn ſie collective Bedeutung haben.

Plural.

Nom. Accuſ. Voc. ♣kury,♠ Hühner, ♣husy♠ Gänſe, ♣kruwy♠ Kühe,

Genitiv. ♣kur, hus, husow, kruw, kruwow,♠

Dativ. ♣kurom, husom, kruwom,♠

Local. ♣kuroch husoch, kruwoch,♠

Sociativ. ♣kurymi. husymi. kruwymi.♠

♣Mac̀♠ oder ♣maćeŕ♠ Mutter, ſlaw. ♣máti,♠ Acc. ♣mateř,♠ iſt zwar
regelmäßig, hat aber mehrere Formen: Nom. ♣mać, maćer;♠ Gen. ♣maćeŕe;♠
Dat. ♣maćeri;♠ Accuſ. ♣mać♠ oder ♣maćeŕ;♠ Voc. ♣maćeŕ, maćė♠ (auch hört
man oft ♣maći!♠); Soc. ♣maćeŕu♠ u. ſ. f. durch den Dual und Plural nach
der Form ♣maćeŕ.♠

§. 93. Declination der fremden Wörter.

Du. ch die mancherlei widrigen Schickſale unſeres Volkes hat die
ſerbiſche Sprache von ihrem Wortreichthum ſo viel verloren, daß es jetzt
ſehr häuſig Noth thut (obwohl im Ganzen genommen die alberne Sucht nach
Fremdem bei vielen unſerer Landsleute über das wahre Bedürfniß weit
hinausgeht), fremde, nicht ſloweniſche Ausdrücke zur kürzeren
Bezeichnung der Gegenſtände zu nehmen. Und da wir rings von Deutſchen
umgeben ſind, und gegenwärtig faſt jeder Serbe, ſelbſt der gemeinſte,
neben ſeiner Mutterſprache zugleich auch deutſch verſteht oder gar
ſpricht: ſo ſind natürlich bei weitem die meiſten dieſer Ausdrücke aus
dem Deutſchen. Die Bibel und die andern religiöſen Bücher haben wohl
auch einige lateiniſche und ein oder das andere griechiſche Wort gang
und gäbe gemacht.

Als Regel kann ich hierüber Folgendes aufſtellen:

1) Endigt ſich das fremde Subſtantiv auf einen Conſonanten, ſo iſt es
Maſculin, und geht, wie jedes ſerbiſche, nach der ♣I.♠ oder ♣II.♠
Declination; z. B. ſagt man: ♣wón jo w prawym angsće♠ er iſt in rechter
Angſt; ♣to je ŕany byld,♠ das iſt ein ſchönes Bild; oder: ♣wšitko tu
widžiš w byldže♠ alles ſiehſt du hier im Bilde.

Eben ſo: ♣krasny ranunkel♠ herrliche Rannunkel, Gen. ♣krasneho
ranunkla,♠ Dat. ♣krasnemu ranunklu, klej♠ u. ſ. w. ♣Šit♠ Schiff, ♣šiſa,
šiſej.♠

<pb n="128"/>

2) Das ♣e♠ am Ende der deutſchen Wörter wird in der Regel in ♣a♠
verwandelt, und dann iſt das Subſtantiv Feminin, nach der ♣VI.♠ oder
♣VII.♠ Declination; z. B. Bude ♣buda,♠ Accuſ. ♣budu,♠ Gen. ♣budy,♠ Dat.
Loc. ♣budže♠ u. ſ. w. Raute ♣ruta,♠ Accuſ. ♣rutu,♠ Gen. ♣ruty,♠ Dat.
♣ruće♠ u. ſ. w. Hölle ♣hela,♠ Accuſ. ♣helu,♠ Gen. ♣hele,♠ Dat. ♣heli♠ u.
ſ. w.

3) Die griechiſchen Subſtantive auf ῶv und die lateiniſchen auf ♣ium♠
und ♣ceum♠ ſind zwar ſächlichen Geſchlechts, und werden im Singular nach
der ♣IV.♠ declinirt, im Dual und Plural aber gehen ſie nach der ♣VII.,♠
z. B. ♣evangelion evangelium♠ Evangelium iſt Nom. Acc. Voc.; dagegen
Gen. ♣evangelia,♠ Dat. ♣evangeliu, liej,♠ Loc. ♣evangeliu,♠ Soc.
♣evangeliom;♠ Dual Nom. Acc. Voc. ♣evangelii,♠ Gen. ♣evangeliow,♠ Dat.
Loc. Soc. ♣evangeliomaj;♠ Plural Nom. Acc. Voc. ♣evangelie,♠ Gen.
♣evangeliow,♠ Dat. ♣evangeliam,♠ Loc. ♣evangeliach,♠ Soc. ♣evangeliami.♠
Eben ſo: ♣Muze-um♠ Muſeum, ♣lice-um♠ Liceum. Weniger loben möchte ich
die faſt nur in Büchern befindliche Form: ♣tón evangelion♠ (Maſcul.),
Gen. ♣evangeliona,♠ Dat. ♣evangelionej,♠ u. ſ. w. nach der ♣I. b.♠

4) Die lateiniſchen Wörter auf ♣um,♠ welche dieſes ♣um♠ im Deutſchen
verlieren, verlieren es auch im Serbiſchen, und ſind dann Maſculina der
♣I.♠ (ſelten ♣II.♠) Declination; z. B. ♣sacramentum♠ Sakrament: Nom.
Acc. Voc. ♣zakrament,♠ Gen. ♣zakramenta,♠ Dat. ♣zakramentej,♠ Loc.
♣zakramenće,♠ Soc. ♣zakramentom;♠ Dual ♣zakramentaj,♠ u. ſ. w.

5. Die lateiniſchen Subſtantive auf ♣us♠ werfen dieſes im Genitiv und
den folgenden Caſus ab, und gehen nach der ♣I.♠ (ſelten ♣II.♠)
Declination; ♣tekstus, textus♠ Text, Gen. ♣teksta,♠ Dat. ♣tekstej,♠ Loc.
♣teksće,♠ Soc. ♣tekstom;♠ Dual Nom. Acc. Voc. ♣tekstaj♠ u. ſ. w. Nicht
conform ſcheint mir die Form: ♣tekstus,♠ Gen. ♣tekstusa,♠ Dat.
♣tekstusej♠ u. ſ. w. Auch die Eigennamen auf ♣us♠ und ♣ius♠ befolgen
dieſe Regel; wie: ♣Augustus,♠ Accuſ. Gen. ♣Augusta,♠ Dat. ♣Augustej,♠
Loc. ♣Augusće,♠ Soc. ♣Augustom. Flavius,♠ Accuſ u. Gen. ♣Flavia,♠ Dat.
♣Flaviej,♠ Loc. ♣Flaviu,♠ Soc. ♣Flaviom.♠ Von den auf ♣o♠ (Gen. ♣onis♠)
wurde ſchon § 85. geſprochen.

§. 94. Das bewegliche ♣e♠ und ♣o.♠

Schon im § 77. wurde die Bemerkung hingeſtellt, daß der Vocal vor dem
Endconſonanten in der Declination beweglich iſt, das heißt, daß er im
Genitiv und den folgenden Endungen weggelaſſen wird. Ehe ich nun die
einzelnen Fälle, wo dieſes vorkommt, weiter ausführe, ſey es für die
Kenner ſloweniſcher Sprachen vorausgeſagt, daß dieſe Abwerfung des
Vocals im Serbiſchen deßhalb <pb n="129"/>viel ſeltener ſtatt findet,
weil wir das ♣e♠ häuſig ſchon im Nominativ Singularis weggeworfen haben
(ſiehe §. 18. bei ♣c♠ und ♣k♠).

Die beiden ſloweniſchen Endſylben ♣ec♠ und ♣ek♠ (und gerade ſolche
Subſtantive ſind ſehr zahlreich) heißen bei uns ♣c♠ und ♣k;♠ z. B. ♣ec:
tkadlec♠ Weber: ♣tkalc♠ (ſtatt ♣tkadle); hruec♠ Topf: ♣hornc;
młodžienec♠ Jüngling: ♣młodženc: otec♠ Vater: ♣wótc; wdowec♠ Wittwer:
♣wudowc; samec♠ Männchen: ♣sanc; šwec, šewec♠ Schuſter: ♣šewc.♠

♣ek:♠ bei Diminutiven: ♣dworek♠ Höfchen: ♣dwórk; domek♠ Häuschen: ♣domk;
pupek♠ Knöſpchen: ♣pupk; kusek♠ Bißchen: ♣kusk.♠

♣ek:♠ nicht diminutiv: ♣swėdek♠ Zeuge: ♣swėdk; předek♠ Vorfahre:
♣prėdk.♠

♣eć — et: wiecheć♠ Wiſch: ♣wėchć; łokieć♠ Ellenbogen: ♣łókć; nehet♠
Nagel: ♣nóhć.♠

Uebrigens iſt bei uns dieſer bewegliche Buchſtabe nur dann ♣e,♠ wenn er
zwiſchen zwei weichen ſteht: iſt aber der letzte Conſonant hart, ſo
ſteht ♣o.♠

♣e♠ wird im Genitiv ausgeſtoßen:

1) bei den Femininen auf ♣ẃ: cyrkeẃ♠ Kirche, ♣cyrkẃe; morcheẃ♠ Möhre,
♣morchẃe.♠ Nur ♣redkeẃ♠ Rettig, ♣redkeẃe;♠ weil ♣redkẃe♠ ſchwer
auszuſprechen.

2) Bei denen auf ♣eń: džeń♠ Tag, ♣dńa; (žeń)♠ Erndte, ♣žńe.♠ Die
Femininen haben deßhalb auch gewöhnlich einen doppelten Nominativ, wie:
♣bróžeń♠ und ♣bróžńa♠ Scheune: ♣bróžńe; studžeń♠ und ♣studńa♠ Brunnen:
♣studńe; čėšeń♠ und ♣čėšńa♠ Kirſche: ♣čėšńe; wišeń♠ und ♣wišńa♠ Kirſche:
♣wišńe; móšeń♠ und ♣móšna (móšńa)♠ Beutel: ♣móšńe, móšny.♠

3) Vor ♣el: rėbel♠ Leiter, ♣rėbla; wróbel♠ Sperling, ♣wróbla.♠

4) In ♣ẃes♠ Dorf, ♣wsy.♠

♣o♠ wird ausgeſtoßen:

1) im Local vor ♣n♠ in ♣són♠ Traum, Schlaf; ♣wo sńe♠ im Schlafe; aber
♣sona, sonej♠ des, dem Traume u. ſ. w.

2) im Genitiv und in den übrigen Endungen vor ♣ẃ: pónoẃ♠ Pfanne,
♣pónẃe;♠ doch ♣choroẃ♠ Fahne, ♣choroẃe.♠

3) vor ♣ł: wosoł♠ Eſel: ♣wósła; kozoł♠ Ziegenbock: ♣kózła; kotoł♠
Keſſel: ♣kótła;♠ dann ſtark accentuirt (♣ó♠).

4) vor ♣t: rot♠ Mund, ♣we rće♠ im Munde; aber Plural ♣roty, rotow,
rotam,♠ u. ſ. w.; oder auch ♣hort.♠

5) vor ♣s♠ und ♣š: pos♠ Hund: ♣psa; woš♠ Laus, ♣wšė.♠ Auch ♣weš♠ jeder,
♣wšoho♠ gehört eigentlich hieher.

6) vor ♣ž♠ iſt ♣o♠ zwar unbeweglich; doch macht ♣rož♠ Roggen, ♣rže,♠
eine Ausnahme.

♣i♠ iſt in dem Worte ♣rić♠ beweglich, z. B. ♣do rće♠ in den Poder; doch
ſagt man ♣pa riće♠ bei, ♣w rići♠ in, ♣tsi riće♠ drei, uſw. ſtets mit
♣i.♠

<pb n="130"/>

§. 95. Das unbewegliche ♣e♠ oder ♣o.♠

Sobald aber durch die Ausſtoßung des ♣e♠ oder ♣o♠ die geringſte
Schwierigkeit in der Ausſprache entſtehen würde, ſo muß ♣o♠ und ♣e♠
bleiben. Dieſes geſchieht, ſobald in der vorletzten Sylbe unmittelbar
vor ♣e♠ oder ♣o♠ zwei oder mehrere Conſonanten ſtehen; daher hat
♣jandžel♠ Engel, ♣jandžela; šindžel♠ Schindel, ♣šindžela,♠ nicht
♣jandžla, šindžla;♠ noch weniger darf ♣e♠ in ♣chmel, chmela♠ Hopfen,
oder ♣o♠ in ♣kl'on, klonu♠ Ahorn weggelaſſen werden. Aber auch ſonſt
noch wird ♣e♠ und ♣o♠ nicht ausgeſtoßen; ſo vor:

♣r: paćeŕ♠ Koralle, ♣paćeŕa; gjanzor♠ Gänſerich, ♣gjanzora; ryćeŕ♠
Schirmer, ♣ryćeŕa; wichor♠ Sturm, ♣wichora.♠

♣d: lód♠ Eis, ♣lodu; mėd♠ Honig, ♣medu; susod♠ Nachbar, ♣susoda.♠

Auch ♣ḿ♠ wenn nach ♣e♠ oder ♣o♠ zwei Conſonanten ſtehen, dürfen ♣e♠ oder
♣o♠ nicht weggelaſſen werden, weil ebenfalls drei oder mehrere
Conſonanten zuſammen kämen; z. B. ♣čerẃ♠ Made, ♣čerẃa; bolosć♠ Schmerz,
♣bolosće; česć♠ Ehre, ♣česće; błysk♠ Blitz, ♣błyska; lėsć♠ Liſt,
♣lėsće.♠

§. 96. Das mildernde ♣e♠ und ♣o.♠

In unſerer Sprache bilden nie zwei oder mehrere Conſonanten eine Sylbe,
ohne daß ein Vocal in der Mitte ſtünde. Selbſt die bei den Čechen
üblichen Halbvocale ♣I♠ und ♣r♠ ſind bei uns reine Conſonanten, und
bedürfen eines Vocals, um ausgeſprochen zu werden. So ſagen wir ♣welk♠
Wolf, ſtatt ♣wlk,♠ und ♣kyrk♠ (Hals) Kehle, ſtatt ♣krk.♠ Auf dieſe Weiſe
kann ♣žeń♠ Ärndte von ♣žńu♠ nicht anders abgeleitet werden, als daß man
zwiſchen ♣ž—ń♠ ein milderndes ♣e♠ einſchiebt; eben ſo ♣son♠ von ♣sniti
(snić)♠ nicht anders, als daß man zwiſchen ♣s—n♠ ein milderndes ♣o♠
ſetzt.

Im Genitiv Pluralis iſt von Einſchiebung eines mildernden ♣e♠ oder ♣o♠
(wie in den andern Slawinen) keine Rede; da nach §. 75. nur dann die
Endung ♣ow♠ weggelaſſen wird, wenn dadurch keine Härte entſteht. Man
ſagt daher nicht ♣her,♠ ſondern ♣hrow♠ von ♣hra♠ Spiel; nicht ♣den,♠
ſondern ♣dnow♠ von ♣dno♠ Boden (des Gefäßes); nicht ♣set,♠ ſondern
♣stów♠ von ♣sto♠ Hundert; nicht ♣škel♠ ſondern ♣šklow,♠ von ♣škla♠
Schüſſel, u. ſ. w.

Eben ſo wenig bedürfen bei uns die Subſtantive auf ♣c♠ oder ♣k♠ eine
Milderung, da nach dem im §. 94. Geſagten die Worte ſchon im Nominativ
Singularis ausſprechbar ſeyn müſſen, und an dieſen <pb n="131"/>dann nur
Vocale angehängt werden, welche das Ausſprechen nicht nur nicht
erſchweren, ſondern vielmehr erleichtern, z. B. ♣końenc♠ Pferdeſtall,
♣końenca, końencej,♠ u. ſ. w.; ♣młodženc♠ Jüngling, ♣młodženca,
młodžencej,♠ u. ſ. w. Selbſt ♣šewc♠ Schuſter (ſloweniſch ♣šwec), šewca,
šewcej,♠ u. ſ. w. Eben ſo ♣pupičk♠ oder ♣pupčik♠ Knöſpchen, ♣pupička♠
oder ♣pupčika, pupičkej♠ oder ♣pupčikej,♠ u. ſ. w.

§. 97. Declination der Adjective.

Alle Adjective haben im Serbiſchen drei verſchiedene Endungen, eine für
das männliche, eine für das ſächliche, eine für das weibliche
Geſchlecht; und dieſe Endungen ſind in drei Formen:

1) ♣y, e♠ oder ♣o, a;♠ z. B. ♣dobry, e, a♠ gut; ♣prawy, o (e), a♠ recht.

2) ♣i, e, a;♠ z. B. ♣welči, e, a♠ Wolfs-.

3) endlich: — (Conſonant), ♣e♠ oder ♣o, a;♠ z. B. ♣sam, samo (same), a♠
ſelbſt: ♣rad, rade, rada♠ gern.

Anmerkung. Einige Adjectiva dreier Endungen laſſen, wenn ſie mit
Präpoſitionen §. 67. zuſammengeſetzt werden, den Endvocal weg; z. B.
♣sukńa jo nažołt♠ der Rock iſt gelblich. Dergleichen Formen bleiben dann
indeclinabel; z. B. ♣ja mam nažołt sukńu♠ ich habe einen gelblichen
Rock, ♣ty maš načorn ṕezel,♠ du haſt eine ſchwärzliche Jacke.

Davon haben alle mit harter Characteriſtik die Endung ♣y, e, a;♠ die mit
weicher, auch die auf ♣h, ch, k: i, e, a;♠ die auf —, ♣o, a,♠ ſind
gewöhnlich hart.

Singular.

N. V. ♣Prawy; prawo, e, prawa♠ recht. ♣boži; bože, boža♠ göttl.

Gen. ♣prawoho (eho) prawoje(eje). božoho(eho), božeje.♠

Dat. ♣prawomu (emu), prawoj (wej). božomu (emu), božej.♠

Soc. ♣prawym, prawoj (wej). božim, božeju, ej.♠

Loc. ♣prawym, prawoj (wej). božim, božej.♠

Dual.

N. Voc. ♣prawaj, prawoj, ej, i. božej, božej, ži.♠

Genit. ♣prawoju, weju, prawoju, eju. božeju, ej, božeju, ej.♠

D. L. S. ♣prawymaj, prawymaj. božimaj, božimaj.♠

Plural.

Nom. ♣prawi, prawo, we. boži, bože.♠

Gen. L. ♣prawych, prawych. božich, božich.♠

Dativ. ♣prawym, prawym. božim, božim.♠

Soc. ♣prawymi, prawymi. božimi, božimi.♠

Die auf einen Conſonanten im Maſculin ſich endigenden Adjective
(ausgenommen die aus Präpoſitionen zuſammengeſetzten indecli <pb
n="132"/>nabeln) richten ſich ganz nach den Beiſpielen ♣prawy,♠ wenn ſie
eine harte, und ♣boži,♠ wenn ſie eine weiche Characteriſtik haben. Nur
der Nominativ Singularis des Maſculinums und der Accuſativ bei
unbelebten Dingen behält die Form auf den Conſonanten; z. B. ♣sam, samo,
sama,♠ ſelbſt, allein; Gen. ♣samoho, samej;♠ Accuſ. ♣samoho♠ Maſculina,
♣sam♠ Maſculina Inanimata; ♣samo; samu.♠ Doch gibt es dieſer überhaupt
äußerſt wenige. ♣Rad, rade, rada,♠ gern, hat nur den Nominativ in den
drei Zahlen; Dual: ♣radaj, ej, radži;♠ Plural: ♣radži, rade.♠

§. 98. Allgemeine und beſondere Bemerkungen.

Der Accuſativ des Adjectivs im männlichen Geſchlecht richtet ſich nach
der §. 75. gegebenen Regel; iſt das Subſtantiv ein rationales, ſo iſt
der mit ihm übereinſtimmende Accuſativ des Adjectivums gleich dem
Genitiv; z. B. ♣dobroho muža♠ den guten Mann; iſt das Subſtantiv ein
irrationales; aber belebtes Weſen, ſo iſt der Accuſativ des Adjectivums
im Singular und Dual gleich dem Genitiv, im Plural aber gleich dem
Nominativ. Bedeutet dagegen das Subſtantiv nur ein naturbelebtes Weſen,
oder eine Eigenſchaft oder dergleichen, ſo iſt der Accuſativ des
Adjectivums in allen drei Zahlen gleich dem Nominativ; z. B. ♣tučnoh
woła♠ den fetten Ochſen; ♣pšez tučneju woɫow♠ durch die zwei fetten
Ochſen; ♣ja sym tam tučne woły widžaɫ♠ ich habe dort (mehrere) fette
Ochſen geſehen; ♣dobry dub kupich♠ ich kaufte eine gute Eiche.

Der weibliche Accuſativ im Singular iſt auf ♣u♠ von ♣a; prawu, božu
ruku♠ die rechte, die göttliche Hand. Sächlich iſt der Accuſativ immer
gleich dem Nominativ; ſo wie bei den weiblichen im Dual und Plural.

Ein gleiches gilt vom Nominativ im Plural. Haben die Subſtantive die
rationale Bedeutung, ſo endigt ſich das Adjectivum auf ♣i;♠ z. B. ♣dobri
čɫoẃekojo♠ gute Menſchen; ſieht man aber von dem Rationalen ab, ſo ſagt
man: ♣dobre čłoẃeki.♠ Der Vocativ des Adjectivums iſt in jeder Zahl
gleich dem Nominativ.

Der Sociativ und Local im Singular haben ſtets eine gleiche Form.

Die Conſonanten-Verwandlung findet hier vor der Endung ♣i♠ im Nominativ
des Duals weiblichen und ſächlichen Geſchlechtes, und vor ♣i♠ (oder ♣y♠
nach ♣c, s, z♠) im Nominativ des Plurals der Rationalen ſtatt, als:

♣ły♠ in ♣li: ẃesoɫy♠ luſtig, ♣ẃeseli; swėtły♠ hell, ♣swėtli.♠

♣dy♠ in ♣dži: młody♠ jung, ♣młodži; chudy♠ arm, ♣chudži.♠

♣ty♠ in ♣ći: sẃaty♠ heilig, ♣sẃeći; horbaty♠ bucklig, ♣horbaći.♠

<pb n="133"/>

♣hi♠ in ♣zy: drohi♠ theuer, ♣drozy; bohi♠ ärmlich, ♣bozy.♠

♣ki♠ in ♣cy: krótki♠ kurz, ♣krótcy; wysoki♠ hoch, ♣wysocy.♠

Eben ſo geht ♣ski♠ in ♣scy♠ über; als: ♣podjanski♠ katholiſch,
♣podjanscy; kralowski♠ königlich, ♣kralowscy.♠

Doch wird ♣chi♠ bei uns nur im Dual, und das höchſt ſelten, in ♣ši♠
verwandelt; wie in ♣suši žońe♠ zwei dürre Weiber; nie aber im Nominativ
des rationalen Plurals, wie bei den Polen und Čechen; wir ſagen: ♣suchi
kńeža♠ dürre Herrn; ♣ćichi hólcoẃe♠ ſtille Burſchen; nicht ♣suši, čiši,♠
weil dieſes gleichlautend mit dem Comparativ wäre (ſiehe §. 27).

Zu bemerken iſt noch der Umlaut bei gewiſſen Adjectiven in dieſer
Buchſtabenverwandlung; es muß nämlich ♣a♠ oft in ♣e♠ nach §. 11.
übergehen, weil es zwiſchen zwei weichen ſteht; ſo: ♣sẃaty♠ heilig,
♣sẃeći; jaty♠ gefangen, ♣jeći; ŕany♠ ſchön, ♣ŕeni;♠ welches anſtatt
♣ŕadny♠ ſtehend [niederlauſitziſch ♣ŕedna holca, ŕana holca♠] ſogar ♣d♠
unberückſichtigt läßt. Auch geht ♣o♠ in ♣e♠ über in ♣ẃesoły♠ luſtig,
♣ẃeseli.♠

§. 99. Declination der Numeralien.

Unter den Zahlwörtern werden die Ordnungs-Zahlen, dann die
adjectiviſchen Multiplications-Zahlen, und die der Art, weil ſie reine
Adjective ſind, auch ganz nach dem Muſter derſelben declinirt. Bei den
Zuſammengeſetzten unter dieſen Numeralien wird natürlich immer nur jene
Form declinirt, welche der jeweiligen Bedeutung des ganzen Zahlwortes
entſpricht. So wird bei den Ordnungszahlen nur die letzte declinirt; z.
B. ♣wo jena ha dwacytym lėće♠ im ein und zwanzigſten Jahre; ♣wo sto ha
štyri ha dwacytym mėsacu♠ im hundert vier und zwanzigſten Monate.

Alle übrigen Zahlformen ſind indeclinabel; nur die Grundzahlen
ausgenommen, welche von den Adjectiven etwas abweichen, und ſich mehr
den Fürwörtern nähern.

Singular. Plural.

Nom. Voc. ♣Jedyn, jene, jena. jeni♠ (Maſc. Rat.), ♣jene.♠

Genit. ♣jenoho (eho), jeneje. jenych, jenych.♠

Dat. ♣jenomu (emu), jenej. jenym, jenym.♠

Soc. ♣jenym, jenej. jenymi, jenymi.♠

Loc. ♣jenym (om), jenej. jenych, jenych.♠

Dual.

Nom. Voc. ♣jenaj, jenej, jeni. dwaj, dwė.♠

Genitiv. ♣jeneju, nej, jeneju, nej. dweju, dwej, dweju-ej.♠

Dat. Loc. S. ♣jenymaj, jenymaj. dwėmaj, dwėmaj.♠

<pb n="134"/>

Plural.

Nom. Voc. ♣tsjo♠ (m. rat.); ♣tsi; ṕećo♠ (m. rat.); ♣ṕeć.♠

Gen. Loc. ♣tsjóch; tsjóch; ṕećoch; ṕeći, ćich.♠

Dat. ♣tsjóm; tsjóm; ṕećom; ṕećim.♠

Sociat. ♣tsjómi; tsjómi. ṕećomi; ṕećimi.♠

Ueber den Accuſativ gilt die bei den Adjectiven §. 98. gegebene Regel
(nur weiblich Singular ♣jenu♠ die eine). Der Plural und Dual von ♣jedyn,
jene, jena♠ wird nur gebraucht von Dingen, die nur zu zweien vorhanden
ſind, oder bei einem Plurale tantum; z. B. ♣ja mam jenoj jenej woči,♠
oder ♣jene woči♠ ich habe nur ein Paar Augen; ♣ta chėjža ma jene duŕe♠
das Haus hat eine Thür.

Nach ♣dwaj, dwė♠ richtet ſich buchſtäblich ♣wobaj; wobej, bi; wobej, bi;
štyŕo, štyri♠ geht nach ♣tsjo, tsi;♠ alle folgenden gehen nach ♣ṕećo,
ṕeć.♠ Die Form auf ♣ćo♠ iſt von der Form auf ♣ć♠ darin verſchieden, daß
jene als Adjectiv mit ſeinem Subſtantive, welches aber immer ein
Maſculinum Rationale ſein muß, ganz übereingeſtimmt wird; dieſe dagegen
im Nominativ und Accuſativ immer als Subſtantiv mit dem Genitiv, in den
anderen Caſus aber als nicht rationales Adjectiv gebraucht wird; z. B.
♣na džeẃećoch mužach♠ an neun Männern; ♣džeẃeć muži♠ neun Mann; ♣z
ṕećimi žonami♠ mit fünf Frauen; ♣ja šėsć dubow wohladach♠ ich erblickte
ſechs Eichen. Von ♣ṕeć♠ an können die Zahlwörter zwar declinirt werden,
aber es iſt nicht unumgänglich nothwendig; man ſagt: ♣wo sedomich
mėstach♠ und ♣wo sedom mėstach♠ in ſieben Städten; doch hat erſteres
einigen Nachdruck.

♣Póɫ♠ iſt im Nominativ und Accuſativ ein indeclinables Subſtantiv,
welches das Subſtantiv im Genitiv bei ſich hat; z. B. ♣pół łóchća♠ halbe
Elle; ♣za pół lėta♠ in einem halben Jahre. In den übrigen Endungen iſt
es indeclinabel; z. B. ♣do póɫ šklė♠ in die halbe Schüſſel; ♣k pół
šėsnakej♠ zu einem halben Gulden; ♣na póɫ kórcu♠ auf einem haben
Scheffel; ♣na póɫ mascy♠ auf einem halben Mäßel; ♣po póɫ toleŕu♠ zu
einem halben Thaler; ♣pšed pół lėtom♠ vor einem halben Jahre; ♣pól kopy
jeji♠ ein halb Schock Eier. Eben ſo mit ♣półdra, póɫtseća, póɫštwórta,♠
anderthalb, dritthalb, vierthalb, u. ſ. w.; z. B. ♣póɫštwórta jabɫuka♠
vierthalb Aepfel; ♣półṕata štundy♠ fünfthalb Stunden; ♣do półštwórta
lėta♠ bis zum vierthalben Jahre; ♣pšed półdra lėtomaj♠ (mit dem Dual)
und ♣pšed półtseća lėtami♠ vor anderthalb, vor dritthalb Jahren; ♣z
półṕata tucentami♠ mit fünfthalb Dutzend.

Anmerkung. Ueber die Angabe der Tages- und Nachtsſtunden ſetze ich
folgende Beiſpiele her: ♣wone jo w jenej, w džeẃeći♠ es iſt ein, neun
Uhr; ♣wone jo jenu biɫo, ṕeć biło♠ es hat ein Uhr, fünf Uhr geſchlagen;
♣jenu jo preč♠ ein Uhr vorüber, ♣šėsć preč♠ ſechs vorüber; ♣napóɫ jenej♠
oder ♣k napół jenej♠ halb ein Uhr, <pb n="135"/>♣k napół tsjóm♠ halb
drei Uhr; aber von 5 bis 12 mit dem Genitiv auf ♣i,♠ als: ♣k napół
šėsći♠ halb ſechs; ♣napół jėdnaći♠ halb eilf Uhr. ♣Bėrtelk na jenu, na
tsi,♠ ¼ auf ein, auf drei Uhr, ♣tsi bėrtelki na džesać♠ ¾ auf zehn Uhr.

♣Sto♠ hundert und ♣tawzynt♠ ſind reine Subſtantive, und gehören als
ſolche zu den betreffenden Declinationen, wenn ſie allein ſtehen; haben
ſie aber ein Subſtantiv bei ſich, ſo ſind ſie nur im Nominativ und
Accuſativ Subſtantive (im Singular ſtehend); in denübrigen Endungen
ſtehen ſie unverändert vor ihrem Subſtantive, wie die übrigen
Zahlwörter. So heißt der Nominativ ♣sto lėt,♠ Accuſ. ♣za sto lėt,♠ Gen.
♣do sto lėt,♠ Dat. ♣ke sto lėtam,♠ Loc. ♣wo sto lėtach, po sto lėtach,♠
Soc. ♣ze sto, pšed sto lėtami♠ vor hundert Jahren. Der Dual iſt: Nom.
♣dwė sćė♠ oder ♣sći,♠ Gen. ♣dweju stów,♠ Dat. ♣dwėmaj stomaj.♠

♣Tawzynt♠ iſt das deutſche Tauſend, und wird wie ein gewöhnliches
Subſtantiv nach der ♣I.♠ Declination declinirt.

§. 100. Declination der unbeſtimmten Numeralien.

Die Numeralien ♣ẃele♠ viel, wie viel, ♣mnoho♠ viel, ♣nėšto♠ einige,
♣tejko♠ ſo viel, ♣kejko♠ wie viel, ♣maɫo♠ wenig, ſind im Nominativ und
Accuſativ (bei gleicher Form) wie Subſtantive des ſächlichen
Geſchlechtes, und haben das Subſtantiv im Genitiv bei ſich; in den
übrigen Caſus ſind ſie wie unveränderliche Adjective; z. B. ♣ẃele žonow♠
viel Weiber, ♣do ẃele žonow♠ in viele Weiber, ♣k ẃele žonam♠ zu vielen
Weibern, ♣z ẃele žonami♠ mit vielen Weibern, ♣na ẃele žonach♠ auf vielen
Weibern, ♣ẃele žonow widžach♠ ich ſah viele Weiber.

♣Nėšto♠ ſteht anſtatt des bei anderen Slawen gebräuchlichen ♣trochu,
trocha,♠ welches bei uns nur die Bedeutung: „in geringem Maße (nicht
Menge), lateiniſch ♣paululum♠“ hat.

♣Wšitki,♠ auch ♣wšitkón, ke, ka,♠ hat noch die weniger gebräuchliche
Nebenform ♣wšicki,♠ auch ♣wšickón, ke, ka;♠ außerdem noch faſt alle
Formen von dem aus dem alten ♣weš♠ gebildeten ♣wšón, wšo, wša♠ mit
Ausnahme des Nominativs im Plural der Maſculinen Rationalien.

Vom Accuſativ gilt das §. 98. Geſagte; von ♣wšitka♠ iſt er ♣wšitku,♠ von
♣wša♠ aber ♣wšu.♠

Einen Dual würde ♣wšitki♠ nur dann annehmen, wenn es Dualia tantum gäbe;
und dieſer Dual müßte dann eine mit dem Singular gleichartige Bedeutung,
nämlich die: »ganz ♣totus♠«; nicht aber: »♣omnes♠ alle«, wie der Plural,
haben.

<pb n="136"/>

Singular.

Nom. ♣wšitki (kón); ko, wšitka. wšón, wšo; wša.♠

Gen. ♣wšitkoho (eho), wšitkeje. wšoho (eho), wšeje.♠

Dat. ♣wšitkomu (emu), wšitkej. wšomu (emu), wšej.♠

Loc. ♣wšitkim, wšitkej. wšim, wšej.♠

Soc. ♣wšitkim, wšitkej. wšim, wšej.♠

Plural.

Nom. ♣wšicy, wšitke.♠ Maſc. Rat. ♣wšė.♠

G. L. ♣wšitkich, wšitkich. wšėch, wšėch.♠

Dat. ♣wšitkim, wšitkim. wšėm, wšėm.♠

Soc. ♣wsitkimi, wšitkimi. wšėmi, wšėmi.♠

Declination der Pronomina.

§ 101. Die perſönlichen Pronomina.

Die perſönlichen Pronomina, ♣ja♠ ich, ♣mój, my♠ wir; ♣ty♠ du, ♣wój, wy♠
ihr, und das reciproke ♣seb́e♠ ſich, haben eine ganz eigenthümliche
Declination.

Singular. Plural.

Nomin. ♣ja, ty, —, my, wy.♠

Acc. G. ♣ḿe, mńe, teb́e, će, seb́e, so, nas, was.♠

Dativ. ♣mi, mni, tebi, ći, sebi, sej, nam, wam.♠

Local. ♣mni, tebi, sebi, mami, wami.♠

Sociat. ♣mnu, tobu. sobu, nami, wami.♠

Dual.

Nomin. ♣mój, wój,♠

Acc. G. ♣naju, naj, waju, waj,♠

D. L. S. ♣namaj, wamaj.♠

Die kürzeren Formen ♣mi, ćc, ći, sej♠ ſtehen nur beim Zeitworte, und
zwar erſt dann, wenn kein Nachdruck darauf liegt; nie aber bei einem
Subſtantiv oder einer Präpoſition. In dieſem Falle müſſen die längeren
Formen mit ♣n♠ und ♣b♠ gebraucht werden. ♣Mńe, mni, mnu♠ ſtehen nur nach
Präpoſitionen. Im Fall, daß ſich dieſe auf einen Conſonanten endet, ſo
wird an dieſelbe ein ♣e♠ angehängt; ♣bezemńe♠ ohne mich; ♣nademńe♠ über
mich; ♣zemńe♠ aus mir. Nur vor ♣mnu♠ im Sociativ muß ♣o♠ an die
Präpoſition angehängt werden; ♣nadomnu♠ über mir; ♣pšedomnu♠ vor mir;
♣zomnu♠ mit mir. ♣M’e♠ und ♣so♠ ſind bei beiden Fügungen im Gebrauche.

Der Accuſativ iſt hier ſtets dem Genitiv gleich; ſelbſt die al<pb
n="137"/>ten Formen ♣ny♠ und ♣wy♠ euch (Accuſ.) ſind längſt ſchon von
dem Genitiv ♣nas♠ und ♣was♠ verdrängt.

Sonderbarer Weiſe iſt bei uns in der Umgangsſprache der Local im Plural
mit dem Sociativ gleich, während er in den anderen Slawinen mit dem
Genitiv übereinſtimmt; doch findet man in der Überſetzung des Neuen
Teſtamentes häufig auch ♣»wo was«.♠

♣Seb́e, sebi♠ u. ſ. w. beziehen ſich nicht nur auf den Singular, ſondern
auch auf den Dual und Plural, und zwar auf alle Perſonen (ſiehe §. 42.)

So wie ♣mńe♠ u. ſ. w. nicht von ♣ja♠ ich, ſondern von einem
verlorengegangenen Nominativ ♣m♠ gebildet iſt, eben ſo iſt ♣jeho♠ nicht
von ♣wón (on),♠ ſondern von dem veralteten ♣i♠ mit dem Increment ♣en:
jen (jón,♠ wie ♣tón, wšitkón♠), weiblich ♣ja,♠ ſächlich ♣je (jo).♠

Singular. Plural.

Nom. ♣wón; wono; wona. woni, wone.♠

Gen. ♣joho (jeho); jeje, jej. jich, jich.♠

Dat. ♣jomu (jemu); jej. jim, jim.♠

Loc. ♣nim, ńom; ńej. nich, nich.♠

Soc. ♣nim, ńom; ńej. nimi, nimi.♠

Dual.

Nom. ♣wonaj; wonej.♠ Genitiv. ♣jeju, jej; jeju, jej.♠

Accuſ. ♣jej; jej.♠ D. S. L. ♣nimaj; nimaj.♠

Nach einer Präpoſition wird ♣j♠ immer in ♣ń♠ verwandelt; als:

Acc. ♣za ńeho, za ńe; za ńu. po nich, pšez ńe.♠

Gen. ♣z ńeho; z ńej. wot nich, pa nich.♠

Dat. ♣k ńemu; k ńej. k nim, k nim.♠

Loc. ♣pši nim; pši ńej. pši nich, wo nich.♠

Soc. ♣znim; zńej. za nimi, pšed nimi.♠

Der Accuſativ im Singular iſt bei den Inanimaten noch dem alten
Nominativ gleich: ♣jón,♠ nach Präpoſitionen ♣ńón;♠ z. B. ♣ja sym jón
(tón dwór) kupił♠ ich habe ihn (den Hof) gekauft. ♣Što sy za ńón dał♠
was haſt du für ihn gegeben.

Von ♣joho, jom♠ werden die Abkürzungen ♣ho♠ und ♣jom♠ auch ♣mu♠ gemacht;
aber ſie können nur bei andern Redetheilen im Satze ſtehen, wenn ſie
tonlos ſind; z. B. ♣ja sym ho widžaɫ♠ ich habe ihn geſehen; ♣ja sym jom
daɫ♠ ich habe ihm gegeben.

§. 102. Die beſtimmten Pronomina.

♣Tón, to, ta♠ wird wie ♣jedyn♠ declinirt.

Bei Subſtantiven des ſächlichen Geſchlechtes ſetzt man ♣te♠ anſtatt
♣to;♠ z. B. ♣te blido♠ dieſer Tiſch.

<pb n="138"/>

Singular. Plural.

Nom. ♣tón, to, te, ta. ći, te.♠

Acc. ♣toho, tón, to, te, tu. tych, te.♠

Gen. ♣toho (teho), teje. tych, tych.♠

Dat. ♣tomu (temu), tej. tym, tym.♠

Local. ♣tym, tom, tej. tych, tych.♠

Soc. ♣tym, tej. tymi, tymi.♠

Dual.

Nom. ♣taj; tej, ći.♠ Genitiv. ♣teju, tej; teju, tej.♠

Accuſ. ♣teju, tej; tej, ći.♠ D. S. L. ♣tymaj; tymaj.♠

Dieſes Pronomen wird in der neueren Schrift- ſo wie in der Kanzelſprache
bei den Budiſſinern fälſchlicher Weiſe faſt ganz wie der (deutſche)
Artikel gebraucht; was dem Character und dem Geiſte der ſlawiſchen
Sprachen rein zuwider läuft. Keine von den Slawinen hat einen Artikel
oder ein ihn vertretendes Wort; auch der Serbe in der Lauſitz gebraucht
in der gewöhnlichen Umgangsſprache faſt nie einen ſolchen; daher man
jene Abnormität nur für eine grundloſe und widerſinnige Nachahmung des
deutſchen Idioms anſehen muß. Aber auch auf die Diction des gemeinen
Mannes hat der fremde Einfluß ſo viel gewirkt, daß man wohl öfters
ſelbſt bei dem Volke das ♣tón, te, ta♠ hört, wo es nie ſtehen ſollte.
Eine Regel darüber zu geben aber iſt faſt unmöglich; doch ſcheint der
Gebrauch in vieler Rückſicht dem des griechiſchen ὁ, ῆ, το in der
attiſchen Periode gleich zu kommen.

In den aus ♣tón♠ zuſammengeſetzten ♣tutón, tuto (tute), tuta♠ dieſer da;
und ♣tónlej, tolej (telej), talej♠ dieſer hier, wird nur ♣tón, to (te),
ta♠ abgeändert, und ♣tu♠ voran- oder ♣lej♠ (ſiehe ♣hlej♠!) nachgeſetzt.

In ♣tón samy, te samo, ta sama♠ werden beide Theile declinirt, und zwar
♣samy, samo, sama,♠ wie ♣prawy, we, wa.♠ Eben ſo wird ♣sam, samo, sama♠
abgeändert, nur daß der Nominativ Sing. Maſcul. ♣sam,♠ und eben ſo der
Accuſativ Sing. Maſcul. bei lebloſen Dingen iſt. ♣Tajki, ke, ka♠
ſolcher, wird wie ♣boži♠ declinirt; eben ſo ♣hinajki, ke, ka♠ anderer,
von dem ſlawiſchen ♣hiny, jiny.♠

Anmerkung. Von dem alten ♣s♠ dieſer, (ruſſiſch. ♣sij, sije, sija♠) iſt
nur noch der Genitiv ♣sa♠ in ♣džentsa♠ heute, ſtatt ♣džeńsa (sego-dnja)♠
und ♣lėtsa♠ heuer (dieſes Jahr) erhalten.

§. 103. Die fragenden Pronomina.

♣Štó♠ wer, ♣što♠ was, iſt aus dem ſlawiſchen: ♣kto, chto, kdo,♠
entſtanden, und wird declinirt:

<pb n="139"/>

Singular. Dual.

Nom. ♣štó; što.♠ Loc. Soc. ♣kimaj.♠

Acc. ♣koho; što (čo).♠ Plural.

Gen. ♣koho, keho; čoho (čeho).♠ Dativ. ♣kim.♠

Dat. ♣komu, kemu; čomu (čemu).♠ Loc. Soc. ♣kimi.♠

L. S. ♣kim; ěim.♠

Die übrigen Endungen ſind wie im Singular.

Das ♣čo♠ im Accuſativ (das ehemals auch im Nominativ war?) ſteht nur
nach Präpoſitionen, wo es dann mit dieſen immer ein Wort bildet; z. B.
♣pšečo♠ warum; ♣začo♠ wofür; nie aber ♣pšešto;♠ eben ſo wenig als: ♣čo
sy tam widžaɫ♠ was ♣(što)♠ haſt du dort geſehen?

♣Kotry, tre, tra♠ welcher; und ♣kajki, ke, ka♠ was für ein, werden ganz
nach ♣prawy♠ und ♣boži♠ declinirt. Die Conſonantenverwandlung tritt bei
♣kotry♠ im Dual und Plural ein, wo es im Nominativ ♣kotraj, kotsi;♠ und
♣kotsi♠ (Maſc. Rat.), ♣kotre♠ hat.

Zwiſchen ♣kotry♠ und ♣štó♠ iſt folgender Unterſchied: ♣štó♠ heißt wer,
wenn man überhaupt frägt, nach einem oder mehreren Perſonen oder Sachen,
ſobald dieſe unter einer unbeſtimmten Menge von Individuen zu ſuchen
ſind. ♣Kotry♠ aber heißt wer, wenn nur einer, im Dual ♣kotraj,♠ wenn
zwei, und im Plural ♣kotsi,♠ wenn mehrere geſucht werden, aber immer
unter einer bekannten Anzahl von Individuen, welche man überſieht.

§. 104. Die beziehenden Pronomina.

Da die Relativa aus den fragenden Fürwörtern durch Anhängung des ♣ž♠
gebildet ſind; ſo ſtimmen die einzelnen Endungen der Relativa ganz mit
denen der Interrogative überein; nur daß immer ♣ž♠ angehängt wird; z. B.
♣čohoždla♠ weßwegen; ♣zkimž♠ mit welchem; ♣načož so jara młodžiš, to
lochcy ńedóstańeš,♠ wornach du recht ſehr lüſtern biſt, das bekommſt du
leichtlich nicht; ♣kajkomuž so podaš, tajki ty sam budžeš,♠ was für
einem du dich ergiebſt, ſolch einer wirſt du ſelbſt werden.

♣Kiž,♠ aus ♣ki,♠ alt, wer? und ♣ž♠ zuſammengeſetzt, iſt ganz
unveränderlich. Ob es recht iſt, es in Verbindungen zu gebrauchen, wie:
♣tón muž, kiž sym ja z nim do mėsta šoł,♠ Jener Mann, mit welchem ich in
die Stadt gegangen bin, und ähnlichen: laſſe ich dahingeſtellt.

<pb n="140"/>

§. 105. Die unbeſtimmten Pronomina.

Auch dieſe ſind aus den Fragenden entſtanden, und zwar dadurch, daß man
dieſen die Sylbe ♣nė♠ oder ♣ni♠ vorſetzt; ♣nė♠ iſt bejahend, ♣ni♠
verneinend.

Von ♣štó♠ (alt, ♣kto, kdo,♠ in alten ſerbiſchen Büchern ♣hdo♠ und ♣hto):
nėchtó♠ Jemand, ♣nėšto♠ etwas; ♣nichtó♠ Niemand, und ♣ničo♠ Nichts. Von
♣kajki: nėkajki♠ irgend wie beſchaffen ♣quidam; nikajki♠ zu nichts
beſchaffen, nichts nütze. Von ♣kotry: nėkotry♠ mancher. An ♣nėchtó,
nėšto, nėkajki, nėkotry♠ wird, um den Begriff zu verallgemeinern, noch
♣kuli♠ mit ♣ž♠ angehängt; z. B. ♣nėchtóžkuli, nėkotryžkuli,♠ und des
Nachdruckes wegen noch ein ♣ž♠ hinzugefügt; als: ♣nėštožkuliž,
nėkajkižkuliž.♠

In allen dieſen Wörtern wird nur das Stammwort, ♣chtó, što, kajki,
kotry♠ declinirt, die Sylbe ♣nė♠ und ♣ni♠ wird den einzelnen Endungen
derſelben vorangeſetzt, und die Sylben ♣žkuli♠ und ♣žkuliž♠ hinten
angehängt; z. B. Nominativ ♣nėchtó, nėšto;♠ Accuſ. ♣nėkoho, nėšto,♠ nach
Präpoſitionen ♣nėčó;♠ Gen. ♣nėkohožkuliž, nėčohožkuliž;♠ Dat.
♣nėkomužkuliž, nėčomužkuliž,♠ u. ſ. w.

Über ♣nėšto♠ als unbeſtimmtes Zahlwort ſiehe §. 149.

§. 106. Die poſſeſſiven Pronomina.

♣Naš, naše, naša♠ unſer, und ♣waš, waše, waša♠ euer, werden ganz nach
♣boži♠ declinirt; nur der Nominativ Sing. und Accuſativ Sing. Maſc.
Inanim. hat ♣naš, waš.♠ Daſſelbe gilt von ♣mój, moje, moja♠ mein; ♣twój,
twoje, twoja♠ dein; ♣swój, swoje, swoja♠ ſein; der Nominativ und
Accuſativ Sing. bei Inanimaten bleibt hier auch ♣mój, twój, swój. Čeji,
ċeje, čeja♠ weſſen, ♣čejiž, čejež, čejaž♠ deſſen; ♣nėčeji, nėčeje,
nėčeja♠ Jemandes; ♣ničeji, ničeje, ničeja♠ Niemandes, richten ſich ganz
und gar nach ♣boži.♠

♣Jeje ejus,♠ iſt kein Adjectiv, ſondern der reine unveränderliche
Genitiv von dem weiblichen Fürworte ♣wona♠ (ſiehe ♣wón, wono, wona♠);
daher ♣jeje nan♠ ihr Vater, ♣jeje mać♠ ihre Mutter, ♣jeje džėći♠ ihre
Kinder; ♣ejus (mulieris) pater, mater, liberi; z jeje chėžami♠ mit ihren
Häuſern.

<pb n="141"/>

Conjugation der Verba.

§. 107. Bezeichnung der Perſonen im Präſens und Imperfectum.

Die einzelnen Perſonen in einer Zeit werden durch gewiſſe angehängte
Laute unterſchieden; dieſelben ſind aber nichts anderes, als alte
Pronomina, nur abgekürzt. Im Präſens ſind die Ausgänge:

Singular. Plural.

♣1. — m, 2. — sy, (3—t). 1. — my, 2. — će, 3. — u.♠

Dual.

1. — ♣mój, -ẃe;♠ 2 u. 3. ♣-taj, tej.♠

bei dem Zeitworte »♣być♠ ſein« gebräuchlich, das hier die Grundform
♣jes♠ hat:

♣jsy-m♠ ſtatt ♣jes-m, jsmy♠ ſtatt ♣jes-my,♠

♣j-sy — jes-sy, jsće — jes-ċe,♠

♣je, jo — jes-t.* jsu — jes-u.♠

*Eine im Polniſchen, Cechiſchen, Ruſſiſchen und Illyriſchen
gebräuchliche Form.

Der Dual.

1. M. Rat. ♣smój, cet. sẃe♠ ſtatt ♣jes-mój, jes-ẃe;♠

2 u. 3 — ♣staj, — stej — jes-taj, jes-tej.♠

Anmerkung. Wo wir ♣smój♠ ſtatt ♣jes-mój (mój♠ wir beide), ♣sẃe♠ ſtatt
♣jes-ẃe♠ haben, findet man bei den andern Slawen ♣s-wa♠ ſtatt ♣jes-wa.♠
Eben ſo ♣sta♠ anſtatt ♣jes-ta (jstaj).♠

Im Imperfectum gibt es zwei Formen:

S. 1. ♣ch,♠ 2. —, 3. —; Pl. 1. ♣chmy, 2. šće, 3. chu;♠

D. 1. ♣chmój, chẃe, 2. 3. štaj, štej.♠

Oder:

Sing. 1. ♣ch, 2. še, 3. še;♠ Plural und Dual wie früher.

Bei dem Verbo ♣być: bych, by, by; bychmy, byšće, bychu; bychmój, bychẃe,
byštaj, byštej;♠ und dann: ♣bėch, bėše, bėše♠ (auch ♣bė, bė♠ bei
kürzerer Dauer); ♣bėchmy, bėšće, bėchu; bėchmój, bėchẃe, bėštaj,
bėštej.♠ Alle dieſe Formen ſind bei uns vollkommen im Gebrauche, während
bei den andern Slawen nicht bloß alle Duale durchgehends, ſondern auch
das Imperfectum auf ♣ch♠ veraltet und nicht angewendet iſt. Wir haben
dieſes Imperfectum auf ♣ch♠ bei jedem Zeitworte, und zwar oft noch in
doppelter Form (ſiehe beſonders §. 113.)

Die Grundformen der andern Verba im Präſens ſind:

♣a b c♠

Singular. ♣u, ’u, ’u, am, ’am,♠

♣eš, is, yš, aš, ’eš,♠

♣e, i, y, a, ’a.♠

<pb n="142"/>

Dual. ♣emój, eẃe, imój, iẃe. ymój, yẃe. amój, aẃe. ’amój, eẃc. 2. 3.
etaj, tej, itaj, tej, ytaj, tej, ataj, tej, ’ataj, tej.♠

Plural. ♣emy, imy, ymy, amy, ’amy.♠

♣eće, iće, yće, aće, ’eće.♠

♣a♠ oder ♣u. ’a. ’a. aja, aju. ’eja.♠

Das ♣t♠ am Ende der dritten Perſon Sing. und Plur. iſt von allen
Slawinen nur der Ruſſiſchen noch verblieben; die übrigen haben es
verloren.

♣a)♠ Präſens.

♣a) budu, za-mknu, mažu, ze-tru, łžu.♠

♣budžeš, mkńeš, mažeš, tŕeš, łžeš.♠

♣budže. mkńe. maže. tŕe. łže.♠

D. ♣žemój, ẃe, ńemój, ẃe, žemój, ẃe, tŕemój, ẃe, łžemój, ẃe,♠

♣džetaj, tej, kńetaj, tej, žetaj, tej, tŕetaj, tej, ɫžetaj, tej,♠

Pl. ♣budžemy, mkńemy, mažemy, tŕemy, łžemy,♠

♣budžeće, mkńeće, mažeće, tŕeće, łžeće.♠

♣dža, budu, mknu. mažu, ža. tŕu. łža.♠

Imperfectum.

S. ♣budžich, za-mknych, mazych, ze-tŕech, ɫžech.♠

♣budžiše, mkny, mazy, tŕe, łže.♠

♣budžiše. mkny. mazy. tŕe. łže.♠

D. ♣žichmój, ẃe, nychmój, ẃe, zychmój, ẃe, ŕechmój, ẃe, žechmój, ẃe♠

♣žištaj, tej, nyštaj, tej, zyštaj, tej, tŕeštaj, tej, łžeštaj, štej.♠

P. ♣budžichmy, knychmy, mazychmy, tŕechmy, łžechmy.♠

♣budžišće, knyšće, mazyšće, tŕešće, łžešće.♠

♣budžichu, knychu. mazychu. tŕechu. ɫžechu.♠

Bei offener Stammſylbe, wie bei ♣bi, my♠ und dergl. kann ♣u♠ nur
mittelſt ♣j♠ angehängt werden, da man zwiſchen zweien Selbſtlauten immer
ein ♣j♠ hören läßt; ♣biju, bijach; myju, myjach.♠

♣b♠) Präſens.

S. ♣widžu, walu, hońu, wožu, nošu,♠

♣widžiš, wališ, honiš, wozyš, nosyš,♠

♣widži. wali. honi. wozy. nosy.♠

D. ♣žimój, ẃe, walimój, ẃe, nimój, ẃe, zymój, ẃe, symoj, ẃe.♠

♣džitaj, tej. walitaj, tej, honitaj, tej, wozytaj, tej, nosytaj, tej.♠

Pl. ♣widžimy, walimy, honimy, wozymy, nosymy.♠

♣widžiće, waliće, honiće, wozyće, nosyće.♠

♣widža. wala. hońa. woža. noša.♠

Imperfectum.

S. ♣widžich, walich, z-honich, wozych, nosych.♠

♣widži, wali, honi, wozy, nosy.♠

♣widži, wali, honi, wozy, nosy.♠

D. ♣ichmój, ẃe, lichmój, ẃe, ichmój, ẃe, ychmój, ẃe, sychmój, ẃe♠

♣džištaj, tej. lištaj, tej, ništaj, tej. zyštaj, tej. syštaj, tej.♠

<pb n="143"/>

Pl. ♣widžichmy, walichmy, honichmy, wozychmy, nosychmy.♠

♣widžišće, wališće, honišće, wozyšće, nosyšće.♠

♣widžichu. walichu. honichu. wozychu. nosychu.♠

♣c♠) Präſens.

S. ♣dam, chowam, kopam, hańam, tsylam.♠

♣daš, chowaš, kopaš, hańeš, tsyleš.♠

♣da. chowa. kopa. hańa. tsyla.♠

D. ♣damój, ẃe, owamój, ẃe, pamój, ẃe, ńamój, eẃe, lamój, eẃe.♠

♣dataj, tej. owataj, tej, pataj, tej, hańataj, tej, tsylataj, tej.♠

P. ♣damy, chowamy, kopamy, hańamy, tsylamy,♠

♣daće, chowaće, kopaće, hańeće, tsyleće.♠

♣daja, dadža. chowaja. kopaja. hańeja. tsyleja.♠

Der Ausgang ♣am♠ iſt aus ♣aju♠ entſtanden; daher es kömmt, daß einige
dieſer Verba in der einen Slawine ♣am,♠ in der andern ♣aju♠ haben; ſo
♣znaju,♠ ruſſiſch; ♣znam,♠ ſerbiſch, illyriſch, čechiſch, polniſch;
ähnlich iſt’s mit ♣dam♠ und ♣daju; gram♠ und ♣hraju; kam so♠ und ♣kaju
so; zram♠ und ♣zraju.♠

Imperfectum.

S. ♣dach, chowach, kopach, hańach, tsylach,♠

♣da, chowaše, kopaše, hańeše, tsyleše,♠

♣da. chowaše. kopaše. hańeše. tsyleše.♠

D. ♣chmój, ẃe, chmój, ẃe, chmój, ẃe, ńachmój, ẃe, lachmój, ẃe♠

♣daštaj, tej, waštaj, tej, aštaj, tej, hańeštaj, tej, leštaj, tej.♠

P. ♣dachmy, chowachmy, kopachmy, hańachmy, tsylachmy,♠

♣dašće, chowašće, kopašće, hańešće, tsylešće,♠

♣dachu. chowachu. kopachu. hańachu. tsylachu.♠

§. 108. Bezeichnung der Perſon im Imperativ.

Der Imperativ hat nur fünf der Form nach verſchiedene Perſonen; die
zweite im Singular, die erſte und zweite im Dual, und die erſte und
zweite im Plural; weil jede zweite zugleich auch für die dritte gilt.
Formen gibt es hievon vier:

1) ♣i: imój, itaj, itej. imy, iće,♠

2) ♣j: jmój, jtaj, jtej, jmy, jċe,♠

3) ♣’: ’mój, ’taj, ’tej, ’my, ’će,♠

4) ♣aj: ajmój, ajtaj, ajtej, ajmy, ajće.♠

Im erſten Falle wird aus ♣u♠ in der erſten Perſon im Präſens ♣i,♠ als:

♣łžu, łži; ɫžimój, łžitaj, łžitej; ɫžimy, ɫžiċe.♠

♣du, dži; džimój, džitaj, džitej; džimy, džiće.♠

Im zweiten Falle entſteht aus ♣ju♠ in der erſten im Präſens ♣j;♠ als:

<pb n="144"/>

♣a) pšeju, pšej; pšejmój, pšejtaj, pšejtej; pšejmy, pšejċe.

hrėju, hrėj; hrėjmój, hrėjtaj, hrėjtej; hrėjmy, hrėjće.

wėju, wėj; wėjmój, wėjtaj, wėjtej; wėjmy, wėjc̀e.

(mėju), mėj; mėjmój, mėjtaj, mėjtej; mėjmy, mėjće.♠

♣b) piju, pij; pijmój; pijtaj, pijtej; pijmy, pijće.

šiju, šij; šijmój, šijtaj, šijtej; šijmy, šijc̀e.

ryju, ryj; ryjmój, ryjtaj, ryjtej; ryjmy, ryjće.

myju, myj; myjmój, myjtaj, myjtej; myjmy, myjće.♠

♣c) hraju, hraj; hrajmój, hrajtaj, hrajtej; hrajmy, hrajće.

próju, prój; prójmój, prójtaj, prójtej; prójmy, prójc̀e.

duju, duj; dujmój, dujtaj, dujtej; dujmy, dujće.♠

♣d) daruju, daruj; darujmój, darujtaj, darujtej; darujmy, rujće.

džakuju so, džakuj; džakujmój, kujtaj, kujtej; kujmy, kujće. kupuju,
kupuj; kupujmój, kupujtaj, kupujtej; kupujmy, pujće.♠

Im dritten Falle wird ♣i,♠ welches eigentlich auch hier ſtehen ſollte,
abſorbirt, und der Endconſonant weich gemacht; als:

♣do-bydu, bydž; bydžmój, bydžtaj, bydžtej; bydžmy, džće.

ẃezu, ẃez; ẃezmój, ẃeztaj, ẃeztej; ẃezmy, ẃezće.

zamknu, zamkń; zamkńmój, mkńtaj, tej; zamkńmy, zamkńće.

mažu, maž; mažmój, mažtaj, mažtej; mažmy, mažće.

sćełu, sćel; sćelmój, sćeltaj, sćeltej; sćelmy, sćelc̀e.

napoju, napoj; napojmój, napojtaj, napojtej; napojmy, pojće.

teṕu, teṕ; teṕmój, teṕtaj, teṕtej; teṕmy, teṕće.

hońu, hoń; hońmój, hońtaj, hońtej; hońmy, hońće.

ẃedu, ẃedž; ẃedžmój, ẃedžtaj, ẃedžtej; ẃedžmy, ẃedžće.

syku, syč; syčmój, syčtaj, syčtej; syčmy, syčc̀e.

bėžu, bėž; bėžmój, bėžtaj, bėžtej; bėžmy, bėžće.

sedžu, sedž; sedžmój, sedžtaj, sedžtej; sedžmy, sedžće.

melču, melč; melčmój, melčtaj, melčtej; melčmy, melčće.♠

Eben ſo: ♣ḿeɫu, ḿel; ḿelmój, ḿeltaj, ḿeltej; my, ḿelće;♠ und ♣mlėju,
mlėj; mlėjmój, mlėjtaj, mlėjtej; mlėjmy, mlėjće.♠

Im vierten Falle tritt ♣aj, ’ej♠ an die Stelle von ♣am, ’am;♠ als: ♣dam,
daj; dajmój, dajtaj, dajtej; dajmy, dajće.

kopam, kopaj; kopajmój, kopajtaj, kopajtej; kopajmy, pajće.

wołam, wołaj; wołajmój, wołajtaj, wołajtej; woɫajmy, woɫajće.

wuhańam, hańej; hańejmój, hańejtaj, hańejtej; ńejmy, ńejće.

sadžam, sadžej; sadžejmój, džejtaj, džejtej; džejmy, džejće.♠

§. 109. Bezeichnung des Geſchlechtes.

Das Geſchlecht wird in dem Particip Perf. Act. und Paſſ. ganz ſo
bezeichnet, wie bei dem Fürworte ♣wón, wono, wona.♠

<pb n="145"/>

Singular. Plural.

♣ɫ: ḿetł, ḿetło, ḿetła. ḿetłi; ḿetɫo, ḿetłe.♠

♣yɫ: zamknył, mknyło, mknyła. zamknyli; zamknyło, mknyɫe.♠

♣aɫ: sedžaɫ, sedžaɫo, sedžaɫa. sedželi; sedžaɫo, sedžaɫe.♠

♣ił: chodžił, chodžiło, chodžiła. chodžili, chodžiło, chodžiɫe.♠

♣aɫ: pó-znał, znaɫo, znaɫa. znali: znało, znałe.♠

♣ty: dobyty, dobyte, dobyta. dobyći; dobyte.♠

♣ćeny: ḿećeny, ḿećene, ḿećena. ḿećeni; ḿećene.♠

♣any: kopany, kopane, kopana. kopani; kopane.♠

Dual.

♣ḿetłaj, łoj; ḿetli. znaɫaj, oj; znali.♠

♣zamkłaj, łoj; zamkli. dobytaj, tej; dobyći.♠

♣sedžałaj, ɫoj; sedželi. ḿećenaj, nej; ḿec̀eni.♠

♣chodžiłaj, ɫoj; chodžili. kopanaj, nej; kopani.♠

♣M’etli♠ u. ſ. w. im Plural und ♣ḿetłaj, ḿetłoj♠ und ſ. w. im Dual ſind
Maſc. Ration.; während ♣ḿetło, ḿetłe♠ im Plural und ♣ḿetli♠ (aber auch
♣ḿetɫoj♠) im Dual für das Maſc. Irration., dann Femin. und Neutr.
verbleiben.

Da nun aber die Präterita aus dem Particip Perf. (♣ḿetł♠ u. ſ. w.) und
dem Hilfszeitworte beſtehen, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß dann
auch das Geſchlecht an dem Particip veränderlich iſt, daß man daher
ſagen muß: ♣muž je ḿetł, džėćo je ḿetło, žona je ḿetɫa♠ der Mann, das
Kind, die Frau hat gefegt. Eben ſo: ♣žońe stej ḿetli♠ die (zwei) Frauen
haben gekehrt; obwohl letzterer Unterſchied in der unaufmerkſamen Rede
häufig vernachläſſigt wird.

Das Particip Präſentis (eigentlich Verbal-Adjectiv) gilt in Hinſicht des
Geſchlechtes und der Declination ganz für ein Adjectivum, als: ♣ḿećacy,
e, a; ḿećaceho, —, ḿećaceje,♠ u. ſ. w. Dual. ♣ḿećacaj, ci.♠ Plur.
♣ḿećaci, ḿećace, —; ḿećacych,♠ u. ſ. w. Dagegen findet in dem Gerundium
keine Unterſcheidung der Zeit noch des Geſchlechtes ſtatt; man ſagt
alſo: ♣muž, ḿećo♠ oder ♣ḿećiwši; žona, ḿeċo♠ oder ♣ḿećiwši;♠ als der
Mann, die Frau fegte.

Eine genaue Unterſcheidung des Geſchlechtes aber haben wir allein im
Dual und zwar in allen Perſonen. Während die übrigen Slawen nämlich den
Dual überhaupt längſt ſchon verloren haben, iſt er in unſerem
unverdorbenen, reinen Dialecte bis auf den heutigen Tag vollſtändig
durch die ganze Reihe der Declination und Conjugation verblieben. Nicht
bloß in den Participien iſt dieſe Unterſcheidung, ſondern auch in jeder
Zeit findet man im Dual die Bezeichnungen:

1., ♣mój. 2., taj. 3., taj♠ für Maſc. Rat. 1., ♣wi, ẃe. 2., tej♠ für die
übrigen; z. B.

Dual. ♣ḿećemój, ḿećewi, ḿećeẃe; ḿec̀etaj, tej; ḿećetaj, tej.♠

<pb n="146"/>

§. 110. Bedeutung der Verba.

Das Zeitwort bezeichnet eine Thätigkeit oder einen Zuſtand. Eine
Thätigkeit kann ſich auf drei verſchiedene Arten äußern: 1) als eine
einzelne, momentane Thätigkeit; 2) als wiederholt oder als welche zu
geſchehen pflegt, (iterativ oder frequentativ); 3) als dauernd, das iſt,
die ſich als, eine gewiſſe Zeit hindurch, wirkend zeigt (durativ). Der
Zuſtand kann ebenfalls ſein: 1) ein augenblicklicher, der ſogleich
wieder verſchwindet; 2) ein ſich wiederholender, in den man öfters
geräth; 3) ein dauernder, in welchem man längere Zeit verharrt.

Auf dieſen dreifachen Unterſchied in der Thätigkeit und in dem Zuſtande
gründet ſich (wie ich glaube) in der ſlawiſchen Sprache der wichtige
Umſtand, daß ein jedes Zeitwort (wenn es vermöge ſeiner Bedeutung
möglich iſt) auch drei, jenem dreifachen Unterſchiede entſprechende
Formen hat. So der Begriff des Sich-Legens: 1) ♣lehnyć so♠ heißt: ſich
einmal niederlegen; 2) ♣lėhać so♠ ſich öfters, zu wiederholten Malen
niederlegen; 3) ♣ležeć♠ in der Handlung des Sich-Legens beharren,
liegen. Alle drei Formen ſtellt der Satz dar: ♣štóž so lehńe ha wusńe,
tón lėṕe leži, hač kiž so lėha,♠ wer ſich niederlegt und einſchläft, der
liegt beſſer, als wer ſich (öfters) legt. In der Regel gehören die
Zeitwörter von der erſten Bedeutung zur ♣II.;♠ die von der zweiten zur
♣VI.,♠ ſeltener ♣V.;♠ die von der dritten faſt immer zur ♣V.♠ und ♣IV.♠
Hauptform (ſiehe §. 45—51.). Ein jedes Zeitwort hat dieſe drei
verſchiedenen Formen, wenn ſie anders nicht dem Begriffe deſſelben
widerſprechen; und wo die einfache Wurzel nicht hinreicht, jene drei
Unterſchiede zu bezeichnen, da werden ſie durch Zuſammenſetzung aus
Präpoſitionen dargeſtellt.

Dieſer Umſtand iſt um ſo wichtiger, als ſich darnach die Bildung
verſchiedener Formen des Zeitwortes, beſonders aber die des Imperfectums
richtet; denn: „Alle Zeitwörter, ſie mögen was immer für eine Form
haben, haben im Imperfectum den Ausgang: ♣ch: še; še; chmój, chẃe; štaj,
štej; chmy, šće, chu;♠ wenn ſie eine iterative oder frequentative, und
wenn ſie eine durative Handlung oder einen ſolchen Zuſtand anzeigen.
Bezeichnen ſie dagegen eine einzelne oder momentane Handlung oder einen
ſolchen Zuſtand, ſo haben ſie im Imperfectum die kurze Form ♣»ch; —; —;
chmój♠ u. ſ. f.« Daraus folgt denn auch, daß Zeitwörter, welche beide
Bedeutungen haben, auch ein doppeltes Imperfectum annehmen; beſonders
ſind dieß die mit Präpoſitionen zuſammengeſetzten; z. B. ♣pšepytach,
aše♠ ich durchſuchte lange, mit Sorgfalt; ♣pšepytach, ta,♠ aber ich
durchſuchte eilig, im Fluge, bald.

<pb n="147"/>

§. 111. Zuſammenſetzung der Zeiten und Jormen.

Von den verſchiedenen Zeiten haben nur das Präſens, Imperfect, der
Imperativ, Infinitiv, das Particip Perf. Act. und Paſſ. ſo wie das
Particip Präſ. Act. und das Gerundium (ſeltener auch das Futurum) eine
eigene Form; die übrigen Zeiten werden aus dem Particip Perf. Act. und
dem Hilfszeitworte zuſammengeſetzt, und zwar:

1) Das Perfect aus dem Particip Perf. Act. und ♣sym, sy,♠ u. ſ. w.; ♣sym
rėzał♠ ich habe geſchnitten.

2) Das Plusquamperfect aus demſelben Particip und ♣bėch, bė♠ u. ſ. w.
♣bėch tkał♠ hatte gewebt.

3) Der erſte Subjunctiv aus dem Particip Perf. Act. und ♣bych, by♠ u. ſ.
w. ♣bych hladaɫ♠ ich würde ſehen.

4) Der zweite Subjunctiv aus dem Particip Perf. Act. und ♣budžich,
budžiše♠ u. ſ. w.; ♣budžich kukał♠ ich würde geguckt haben.

5) Das Futurum aus dem Infinitiv und ♣budu, budžeš♠ u. ſ. w.; ♣budu
rejwać♠ ich werde tanzen.

6) Der Conditional, wenn man an jede Perſon in jeder Zahl und Zeit die
Sylbe ♣-li♠ anhängt; ♣budu-li pšińć♠ wenn ich kommen werde; ♣dašli♠ wenn
du gibſt.

7) Der Conceſſiv, wenn man jeder Perſon in jeder Zahl und Zeit die Sylbe
♣ńech♠ vorſetzt; ♣ńech će widžu♠ wenn ich dich auch ſehe, mag ich dich
ſehen. Doch hat dieſes ♣ńech♠ auch die Bedeutung: ſoll, mag, beſonders
in der dritten Perſon des Singulars, Duals und Plurals; ♣ńech dže♠ er
gehe, er ſoll gehen.

§. 112. Bezeichnung der Conjugationen.

♣I. -u, -ć, -ł:♠ bei hartem Conſonanten am Ende.

♣II. -ju, -ć, -ł:♠ beim Vocal am Ende des Stammes.

♣III. -u, -yć, -ył:♠ nach ♣n.♠

♣IV. -’u, -ić, -ił♠ (auch ♣-’u, -yć, -ył♠).

♣V. -’u, -’eć, -ał♠ (auch ♣-eć, -ył♠).

♣VI. –am, -ać, -ał;♠ (auch ♣-’am, -eć, -’ał♠).

♣VII. –uju, -ować, -owaɫ.♠

Die Zeitwörter der ♣I.♠ Hauptform ♣A♠. (§. 45.) gehen nämlich nach der
♣I.,♠ die ♣B.♠ nach der ♣II.♠ Conjugation. Nach der ♣III.♠ gehen die
Verba der ♣II.♠ Hauptform, und dann ſo fort.

<pb n="148"/>

§. 113. Die erſten drei Conjugationen.

♣I. II. III.♠

Präſens.

S. ♣ẃedu piju wuknu♠

♣ẃedžeš piješ wukńeš♠

♣ẃedže. pije wukńe♠

D. ♣ẃedžemój, eẃe pijemój, eẃe wukńemój, eẃe♠

♣ẃedžetaj, tej pijetaj, tej wukńetaj, tej♠

P. ♣ẃedžemy pijemy wukńemy♠

♣ẃedžeće pijeće wukńeće♠

♣ẃedu. pija, piju. wuknu, wukńa.♠

Imperfectum ♣I.♠ Durativ.

S. ♣ẃedžech pijach wuknich♠

♣ẃedžeše piješe wukniše♠

♣ẃedžeše piješe wukniše♠

D. ♣ẃedžechmój, chẃe pijachmój, chẃe wuknichmój, chẃe♠

♣ẃedžeštaj, tej piještaj, tej wukništaj, tej♠

P. ♣ẃedžechmy pijachmy wuknichmy♠

♣ẃedžešće piješće wuknišće♠

♣ẃedžechu. pijachu. wuknichu.♠

Imperfectum ♣II.♠ Momentan (bei Compoſitis).

S. ♣ẃedžech♠ o. ♣džich pich wuknych♠

♣ẃedže pi wukny♠

♣ẃedže pi wukny♠

D. ♣ẃedžechmój, chẃe pichmój, chẃe wuknychmój, chẃe♠

♣ẃedžeštaj, tej pištaj, tej wuknyštaj, tej♠

P. ♣ẃedžechmy pichmy wuknychmy♠

♣ẃedžešće pišće wuknyšće♠

♣ẃedžechu. pichu. wuknychu.♠

Imperativ.

S. ♣ẃedž pij wukń♠

D. ♣ẃedžmój pijmój wukńmój♠

♣ẃedžtaj, tej pijtaj, tej wukńtaj, tej♠

P. ♣ẃedžmy pijmy wukńmy♠

♣ẃedžće. pijće. wukńće.♠

Particip im Präſens.

♣ẃedžacy, e, a. pijacy, e, a. wukńacy, e, a.♠

Infinitiv.

♣ẃesć♠ führen. ♣pić♠ trinken. ♣wuknyć♠ lernen.

Particip im Perfect Activ.

S. ♣ẃedł, ło, ła pił, ło, ła wuknył, ło, ła♠

D. ♣ẃedłaj, łój, ẃedli piłaj, piłoj, pili wuknyłaj, łoj, yli♠

P. ♣ẃedli, dło. pili, piło. wuknyli, yɫo.♠

<pb n="149"/>

Particip im Perfect Paſſiv.

S. ♣ẃedženy, e, a pity, e, a wukńeny, e, a♠

D. ♣ẃedženaj, ni pitaj, pići wukńenaj, ni♠

P. ♣ẃedženi, ne. pići, pite. wukńeni, ne.♠

Gerundium.

♣ẃedžo, ẃedžiwši. pijo, piwši. wukńo, wuknywši.♠

Die Futura: ♣poẃedu, wupiju, nawuknu♠ werden wie die Präſentia ♣ẃedu,
piju, wuknu♠ conjugirt.

Das durative Futurum von ♣pić♠ und ♣wuknyć♠ aber wird aus dem Infinitiv
und ♣budu♠ zuſammengeſetzt, welches letztere gerade ſo wie ♣ẃedu♠
conjugirt wird.

S. 1. ♣budu pić♠ D. ♣budžemój, džeẃe pić♠ P. ♣budžemy pić♠

2. ♣budžeš pić budžetaj, tej pić budžeće piċ♠

3. ♣budže pic̀. budžetaj, tej pić. budža, budu pić.♠

In der erſten und dritten muß vor ♣eš, e♠ u. ſ. w. der Conſonant weich
ſein, daher in einen weichen verwandelt werden, wenn er es nicht iſt;
♣pletu♠ flechte, ♣plećeš; winu♠ wende, ♣wińeš;♠ nur ♣(c) s, z♠ in der
erſten bleiben unverändert; z. B. ♣ńesu, ńeseš, ńese♠ ich trage, u. ſ.
w. ♣ẃezu, ẃezeš, ẃeze♠ ich fahre.

Zur erſten Conjugation gehören auch noch ſolche Zeitwörter auf ♣-u,♠
welche ♣-ał, -any, -ać♠ in den Grundformen haben; wie ♣ze-žwu, žwał,
žwany, žwać♠ aufkauen; ♣sṕu, spał, spany, spać♠ ſchlafen.

Andere von dieſer Art, die mit zwei oder mehreren Conſonanten anfangen,
ſchieben im Präſens zwiſchen dieſelben ein ♣e♠ ein; z. B. ♣brać♠ nehmen,
♣b́eru; žrać♠ freſſen, ♣žeru; stłać♠ (oder ♣słać♠) ſenden ♣sćełu.♠

Ferner gehört zu dieſer Conjugation auch die kürzere Form von den
Zeitwörtern auf ♣ėju,♠ wie ſie im §. 45. ♣B.♠ 3. aufgezählt ſind; als:
♣za-wru, wŕeš, wŕe; wŕemój, wŕeẃe, wŕetaj, tej♠ ſchließe zu; ♣wumru,
wumŕeš, wumŕe♠ ſterbe; ♣roz-pru, pŕeš, pŕe♠ trenne auf. Doch hat
letzteres auch die Form ♣ze-ṕeru, ṕeŕes, ṕeŕe.♠ Anſtatt ♣kću, kća♠ in
der dritten Perſon Pluralis von ♣kćėć♠ findet ſich in den Volksliedern
auch die Form ♣ktu:♠ ſie blühen.

Nach der erſten geht auch das Präſens gewiſſer Zeitwörter mit offener
Stammſylbe, welche in der genannten Zeit die Sylbe ♣du♠ annehmen, als:
♣jdu♠ gehe von ♣(jić) hić; jėdu♠ fahre von ♣jėć; bydu♠ (in Compoſ.) bin,
von ♣być♠ (auch das Futurum ♣budu,♠ wie früher geſagt) und das verlorene
♣šedu, šoł.♠

Die Zeitwörter auf ♣ku♠ und ♣hu♠ (oder ♣žu♠) haben im Infinitiv ♣c;♠
als: ♣laku, lac so♠ Aehren bekommen (vom Getreide); ♣móžu♠ (ſlaw. ♣mohu)
móc♠ können. Den Infinitiv auf ♣sć♠ aber haben faſt alle auf ♣du, zu,
su, stu, tu;♠ als: ♣pšadu♠ ſpinne, ♣pšasć; lėzu♠ krieche, ♣lėsć♠ (oder
♣lėzć); tšasu♠ ſchüttele, ♣tšasć; rostu♠ wachſe, ♣rosć.♠

Anmerkung. Im gemeinen Leben hört man anſtatt ♣móžeš♠ <pb n="150"/>du
kannſt, von ♣móžu, móc,♠ häufig den Imperativ ♣móž;♠ z. B. ♣ty móž tam
hić♠ du kannſt hingehen.

Das Zeitwort ♣hnać♠ treiben, hat im Präſens die Form ♣ćėŕu♠ nach der
♣IV.♠ Conjugation. ♣Jėm♠ eſſe, iſt unregelmäßig. Die Zeitwörter ♣jmu♠
nehme, ♣pnu♠ ſpanne, ♣žnu♠ ſichele, ♣na-činu♠ ſchneide (an), gehören in
ihrer erſten Hälfte zur dritten Conjugation; mit der zweiten Hälfte aber
d. i. dem Infinitiv und den Participien gehn ſie in die zweite
Conjugation über.

♣na-jmu: jał, jaty, jeć♠ miethen.

♣na-pnu: ṕał, ṕaty, ṕeć♠ ſpannen.

♣žnu: žał, žaty, žeć♠ ſicheln.

♣na-čnu: čał, čaty, čeć♠ ſchneiden.

♣Wozmu♠ ich nehme, hat: ♣wzał, wzaty, wzawši, wzać; wzach,♠ im
Imperfectum, und ♣woz, wozmój, woztaj, woztej; wozmy, wozće♠ im
Imperativ. Überdieß gibt es auch noch die ♣II.♠ Form: ♣woznu♠ ich nehme
(mit einem Griff) im Präſens; und davon abgeleitet: ♣woznych♠ im
Imperfectum; und ♣woznywši♠ im Gerundio.

Die Zeitwörter auf ♣nu,♠ welche vor dieſem ♣nu♠ im Präſens eine
geſchloſſene Stammſylbe, wie: ♣pad-nu♠ falle, ♣sed-nu♠ ſitze, ♣ćahnu♠
ziehe, ♣wuk-nu♠ lerne; oder zwei Conſonanten ohne Vocal haben, wie
♣dótk-nu♠ berühre, ♣torh-nu♠ reiße: haben gern außer dem oberen noch
einen zweiten Imperativ und ein kürzeres Particip Perf. Act. nach Art
der erſten Conjugation; z. B.

Imperativ ♣II.♠

S. ♣wuk.♠ D. ♣wukmój♠ P. ♣wukmy♠

♣wuktaj, tej. wukće.♠

Particip Perf. Act. ♣II.♠

♣wukł, wukło, wukɫa♠ gelernt; ♣dótkɫ, dótkɫo, dótkła♠ berührt.

Das Maſculin im Singular iſt ungebräuchlich, weil man ♣ł♠ am Ende nach
Conſonanten nicht hört; die Ruſſen ſchreiben auch dieſes ♣ł♠ nicht.

Alle Zeitwörter auf ♣nu,♠ welche vor ♣nu♠ ein ♣d (dnu)♠ oder ♣h (hnu)♠
haben, nehmen nebſt dem gewöhnlichen Imperfectum ein anderes nach der
erſten Conjugation auf ♣žech, že, že;♠ z. B. von ♣padnu♠ falle, und
♣torhuu♠ reiße.

S. ♣padžech♠ oder ♣pažech toržech♠

♣padže paže torže♠

♣padže paže. torže♠ u. ſ. w.

Doch kommt die erſte Form meiſt nur in Büchern vor. Kommt bei den Verben
auf ♣ahnyć♠ das ♣a♠ zwiſchen zwei weiche Conſonanten (♣h♠ wird dabei gar
nicht als Conſonant betrachtet); ſo geht es nach §. 11. in ♣e♠ über; z.
B. ♣ćahnu♠ ziehe, ♣ćehńeš, ćehńe; lahnu pario, lehńeš, lehńe.♠

<pb n="151"/>

§. 114. Vierte und fünfte Conjugation.

♣IV. IV. V.♠

Präſens.

S. ♣hońu nošu ležu♠

♣honiš nosyš ležiš♠

♣honi nosy leži♠

D. ♣honimój, iẃe nosymój, yẃe ležimój, žiẃe♠

♣honitaj, tej nosytaj, tej ležitaj, tej♠

P. ♣honimy nosymy ležimy♠

♣honiće nosyće ležiće♠

♣hońa noša leža.♠

Imperfectum ♣I.♠

S. ♣hońach nošach ležach♠

♣hońeše nošeše ležeše♠

♣hońeše nošeše ležeše♠

D. ♣hońachmój, chẃe nošachmój, chẃe ležachmój, chẃe♠

♣hońeštaj, tej nošeštaj, tej, ležeštaj, tej♠

P. ♣hońachmy nošachmy ležachmy♠

♣hońešće nošešće ležešċe♠

♣hońachu. nošachu. ležachu.♠

Imperfectum ♣II.♠ (in der Zuſammenſetzung.)

S. ♣wu-hońich wu-nosych wu-ležach♠

♣honi nosy leža♠

♣honi nosy leža♠

D. ♣honichmój, chẃe nosychmój, chẃe ležachmój, chẃe♠

♣honištaj, tej nosyštaj, tej ležeštaj, tej♠

P. ♣honichmy nosychmy ležachmy♠

♣honišće nosyšće ležešće♠

♣honichu. nosychu. ležachu.♠

Imperativ.

S. ♣hoń noš lež♠

D. ♣hońmój nošmój ležmój♠

♣hońtaj, tej noštaj, tej ležtaj, tej♠

P. ♣hońmy nošmy ležmy♠

♣hońće nošće ležće.♠

Particip Präſentis Act.

♣hońacy e, a nošacy, e, a ležacy, e, a♠

♣II. honicy, e, a II. nosycy, e, a II. ležicy, e, a.♠

Infinitiv.

♣honic̀♠ jagen ♣nosyć♠ tragen ♣ležeć♠ liegen.

<pb n="152"/>

Particip Perfceti Act.

S. ♣honił, ło, ła nosył, ło, ła ležał, ło, ła♠

D. ♣honiłaj, iłoj, ili nosyłaj, yłoj, yli ležałaj, ałoj. želi♠

P. ♣honili, iło nosyli, yło leželi, žało,♠

Particip Perfecti Paſſ.

S. ♣hońeny, e, a nošeny, e, a ležany, ženy, e, a♠

D. ♣hońenaj, enej, eni nošenaj, enej, eni ležanaj, ženej, eni♠

P. ♣hońeni, ene nošeni, ene leženi, žane.♠

Gerundium.

♣honiwši, hońo nosyws̀i, nošo ležawši, ležo.♠

Das kurze Futurum, ♣zhońu♠ geht wie ♣hońu♠ im Präſens.

Nach ♣nosyć♠ gehen die Zeitwörter auf ♣zyć, syć♠ und ♣cyć;♠ z. B. ♣wožu♠
fahre, ♣wozyć.♠ Alle übrigen Conſonanten müſſen vor ♣ić♠ die
Buchſtabenverwandlung erleiden; iſt der Endconſonant im Stamme hart, ſo
wird er auch vor ♣a, o♠ und ♣u♠ weich. Nur die Zeitwörter auf ♣dsić,
dcić♠ und ♣tsić♠ ſetzen im Präſens ♣dsju♠ von ♣dsić, dcju♠ von ♣dcić♠
und ♣tsju♠ von ♣tsić;♠ z. B. ♣wótsju♠ wetze, von ♣wótsić; swėdsju,
swėdcju♠ zeuge, von ♣swėdsić, swėdcić.♠

Das zweite Imperfectum haben alle zuſammengeſetzten und einfachen, wenn
ſie eine momentane Handlung bezeichnen (ſiehe §. 110.); z. B. ♣zapalich,
li♠ zündete ein Mal an; ♣zapalach♠ mehrere Male; ♣tsylich♠ machte einen
Schuß, ♣tsylach♠ mehrere, ich ſchoß; obwohl ♣zapalach♠ und ♣tsylach♠
eben ſo gut von der durativen Form ♣zapalam, leć;♠ und ♣tsylam, tsyleć♠
hergeleitet werden können.

§. 115.

Sechſte Conjugation.

♣a)♠ hart. Präſens. ♣b)♠ weich.

S. ♣wołam walam♠

♣wołaš waleš♠

♣woła wala♠

D. ♣wołamój, aẃe walamój, leẃe♠

♣wołataj, tej walataj, tej♠

P. ♣wołamy walamy♠

♣wołaće waleće♠

♣wołaja, ju. waleja, ju.♠

Imperfectum.

S. ♣wołach walach♠

♣wołaše waleše♠

♣wołaše waleše♠

D. ♣wołachmój, chẃe walachmój, chẃe♠

♣wołaštaj, tej waleštaj, tej♠

P. ♣wołachmy walachmy♠

♣wołašće walešće♠

♣wołachu. walachu.♠

<pb n="153"/>

Imperativ.

S. ♣wołaj walej♠

D. ♣wołajmój walejmój♠

♣wolajtaj, tej walejtaj, tej♠

P. ♣wołajmy walejmy♠

♣wołajće. walejće.♠

Particip im Präſens Activ.

♣wołacy, e, a walacy, e, a.♠

Infinitiv.

♣wołać♠ rufen. ♣waleć♠ wälzen.

Particip im Perfect Activ.

S. ♣wołał, ło, ła walał, ło, ła♠

D. ♣wołałaj, oj, wołali walałaj, oj, waleli♠

P. ♣wołali, wołałe. waleli, walałe.♠

Particip im Perfect Paſſiv.

S. ♣wołany, e, a walany, e, a♠

D. ♣wołanej, ani walanej, leni♠

P. ♣wołani, ane waleni, lane.♠

Gerundium.

♣wołajo, woławši. walejo, walawši.♠

♣Wołam♠ und ♣walam♠ unterſcheiden ſich nur dadurch, daß, wenn auf ♣a♠ im
letztern ein weicher Conſonant kommt, daſſelbe in ♣e♠ verwandelt wird.

Die Zeitwörter dieſer Conjugation mit hartem Endconſonanten (z. B.
♣wołam♠) haben in einigen Formen neben der regelmäßigen Conjugation auf
♣a♠ eine weichere auf ♣e♠ bei voranſtehendem weichen Conſonanten; z. B.

Präſens.

S. ♣(płakam) (mazam) (pisam) (sypam) (woram)♠

♣płačeš mažeš pišeš sypes woŕeš♠

♣płače maže piše syṕe woŕe.♠

D. ♣płačemój, ẃe žemój, ẃe pišemój, ẃe, syṕemój, ẃe woŕemój, ẃe♠

♣płačetaj, tej žetaj, tej pišetaj, tej syṕetaj, tej woŕetaj, tej.♠

P. ♣płačemy mažemy pišemy syṕemy woŕemy♠

♣płačeće mažeće pišeće syṕec̀e woŕec̀e♠

♣(płakaja) (mazaja) (pisaja) (sypaja) (woraja).♠

Imperativ.

S. ♣płač maž piš syṕ (woŕ)♠

D. ♣płačmój mažmój pišmój syṕmój woŕmój♠

♣płačtaj, tej mažtaj, tej pištaj, tej syṕtaj, tej woŕtaj, tej♠

P. ♣płačmy mažmy pišmy syṕmy woŕmy♠

♣płačće mažće pišće syṕće woŕće.♠

Gerundium.

♣płačo mažo pišo♠ — —.

<pb n="154"/>

Der kürzere Imperativ hat immer die Nebenbedeutung, daß die Handlung
kürzere Zeit zu dauern habe; ſo: ♣syṕ mi do s̀klė♠ ſchütte mir es
(ſchnell) in die Schüſſel.

Ein gleiches geſchieht mit den Zeitwörtern auf ♣otać,♠ z. B. ♣pluskotać♠
plätſchern, als: ♣pluskoces, skoce♠ u. ſ. w.; aber nur im Präſens. Dieſe
Formen gehören eigentlich zu der erſten Conjugation von den
verlorengegangenen Formen: ♣płaču, mažu, pišu, syṕu, woŕu, pluskocu,♠
und geben dem Verbo den Nebenbegriff einer kürzeren Dauer der Handlung,
als bei der vollen Form auf ♣a.♠ Die erſte Perſon Sing. und die dritte
Plur. behalten aber ihren harten Character nach der ♣VI.♠

§. 116.

Sicbente Conjugation.

Präſens. Imperfectum ♣I.♠ Imperfectum ♣II.♠

S. ♣spytuju spytowach spytwach♠

♣spytuješ spytowaše spytwaše♠

♣spytuje spytowaše spytwaše♠

D. ♣spytujemój, eẃe spytowachmój, chẃe spytwachmój, chẃe♠

♣spytujetaj, tej spytowaštaj, tej spytwaštaj, tej♠

P. ♣spytujemy spytowachmy spytwachmy♠

♣spytujeće spytowašće spytwašće♠

♣spytuja, ju spytowachu spytwachu.♠

Imperativ ♣I.♠ Imperativ ♣II.♠

S. ♣spytuj spytwaj♠

D. ♣spytujmój spytwajmój♠

♣spytujtaj, tej spytwajtaj, tej♠

P. ♣spytujmy spytwajmy♠

♣spytujće spytwajće.♠

Infinitiv.

♣spytować, spytuwać, spytwac̀♠ verſuchen.

Particip im Präſens Activ.

S. ♣spytowacy, e, a; aty, e, a spytwacy, e, a; aty, e, a♠

D. ♣spytowacaj, cej; ataj, tej spytwacaj, cej; ataj, tej♠

P. ♣spytowaci, ce; ći, ate. spytwaci, ce; aći, te.♠

Particip im Perfect Activ.

S. ♣spytował, tuwał, ło, ła spytwał, ło, ła♠

D. ♣spytowałaj, tuwałaj, oj, ali spytwałaj, oj, wali♠

P. ♣spytowali, tuwali, ałe spytwali, wałe.♠

Particip im Perfect Paſſiv.

S. ♣spytowany, tuwany, e, a spytwany, e, a♠

D. ♣spytowanaj, tuwanaj, ej, ani spytwanaj, ej, ni♠

P. ♣spytowani, tuwani, ane. spytwani, ane.♠

<pb n="155"/>

Zeitwörter dieſer Conjugation, von welchen keine andere, eine kürzere
Zeitdauer bezeichnende Form (♣I., II., III., IV.♠ oder ♣V.♠ Form)
beſteht, haben im Imperfectum, wenn ſie mit Präpoſitionen
zuſammengeſetzt ſind, oder eine kurzdauernde Handlug bezeichnen, die
Form: ♣ach, a, a,♠ u. ſ. w. z. B. ♣podžakowa so♠ er bedankte ſich (ſagte
ein Mal Dank) zum Unterſchiede von ♣podžakowaše so♠ ſagte (mehrere Male,
mit vielen Worten) Dank.

§. 117.

Das Hilfszeitwort ♣sym, budu, być,♠ ſein.

Dieſes Zeitwort iſt unregelmäßig, und nimmt ſeine Formen von den
Stämmen: ♣jes, bė, by, bu.♠

Präſens. Imperfectum ♣I.♠ Imperfectum ♣II.♠

S. ♣sym bėch bych♠

♣sy bėše, bė by♠

♣jo, je bėše, bė by♠

D. ♣smój, sẃe bėchmój, chẃe bychmoj, chẃe♠

♣staj, stej bėštaj, tej byštaj, tej♠

P. ♣smy bėchmy bychmy♠

♣sće bėšće byšće♠

♣su. bėchu. bychu.♠

Subjunctiv. Futurum. Imperativ.

S. ♣budžich budu♠

♣budžiše budžeš budž♠

♣budžiše budže budž♠

D. ♣budžichmój, chẃe budžemój, ẃe budžmój♠

♣budžištaj, tej budžetaj, tej budžtaj, tej♠

P. ♣budžichmy budžemy budžmy♠

♣budžišc̀e budžeće budžc̀e.♠

♣budžichu. budža♠

Anmerkung. Den Imperativ ſpricht man ♣bydž, bydžmój♠ u. ſ. w. aus.

Inſinitiv. Gerundium.

♣być♠ ſein ♣bywši.♠

Participien.

Perf. Act. ♣był, było, była,♠ der geweſen iſt.

Perf. Paſſ. ♣byty, byte, byta,♠ der geworden iſt (nur in Compoſ.)

Präſ. Act. ♣budžacy, budžaty; te; ta;♠ der iſt.

Perfect.

S. ♣sym, sy, je był, ło, ła.♠

D. ♣smój, staj byłaj, byłoj; sẃe, stej byli.♠

P. ♣smy, sće, su byli, było.♠

<pb n="156"/>

Plusquamperfect.

S. ♣béch, bėše♠ oder ♣bė, bėše♠ oder ♣bė był, ło, ła.♠

D. ♣bėchmój, bėštaj byłaj, byłoj; bėchẃe, bėštej byli.♠

P. ♣bėchmy, bėšće, bėchu byli, było.♠

Subjunctiv ♣I.♠

S. ♣bych, by, by był, ło, ła.♠

D. ♣bychmój, byštaj byłaj, byłoj; bychẃe, byštej byli.♠

P. ♣bychmy, byšće, bychu byli, było.♠

Subjunctiv ♣II.♠

S. ♣budžich, budžiše, budžiše był, ło, ła.♠

D. ♣budžichmój, budz̀is̀taj byłaj, byłoj; budžichẃe, ištej byli.♠

P. ♣budžichmy, budžišće, budžichu byli, było.♠

Das Particip Perf. Paſſ. und Präſ. Act. dann das Gerundium ſind nur in
Zuſammenſetzungen im Gebrauche, z. B. ♣dobyty, e, a♠ gewonnen;
♣dobudžacy, e, a♠ gewinnend; ♣dobywši♠ beim Gewinn.

In Zuſammenſetzungen hat dieſes Zeitwort oft auch die Bedeutung
»werden«; z. B. ♣budu pytany♠ werde geſucht werden. Doch heißt dieſes
eigentlich: ich werde ein geſuchter ſein. Eine reine Paſſivbedeutung hat
♣bych, by♠ u. ſ. w, wenn es mit einem paſſiven Particip ſteht; nie
jedoch hat ♣bych♠ die Bedeutung »ich war.« So heißt: ♣ja bėch hłupy♠ ich
war dumm, ♣ja bych hłupy♠ ich wurde dumm; ♣ja bėch bity♠ ich war
geſchlagen, ♣ja bych bity♠ ich ward geſchlagen; ♣bėch će nabił♠ ich
hätte dich geſchlagen, oder hatte dich geſchlagen; ♣ja bych će nabił♠
aber, ſobald es nämlich mit dem Particip Perf. Act. ſteht, hat eine ganz
andere, die ſubjunctiviſche Bedeutung: ich hätte, würde dich geſchlagen
haben, möchte dich ſchlagen. Anſtatt ♣budža♠ im Futurum ſagt man auch
♣budžeja♠ und ♣budu.♠ Im gemeinen Leben wird von der Futurform die erſte
Sylbe ♣bu♠ immer weggelaſſen, und man ſagt alſo: ♣ja du, ty džeš, wón
dže widžeć♠ u. ſ. w. ich werde, du wirſt, er wird ſehen (♣je vais
voir♠). Mit ♣ńe: ńeńdu, ńeńdžeš widžeć,♠ eigentlich das Futur. mit ♣du♠
gehe.

In allen mit ♣s♠ anfangenden Formen tritt in der Znſammenſetzung mit der
Negation ♣ńe♠ ein ♣j♠ vor ♣s♠; z. B. ♣ńejsym♠ bin nicht, ♣ńejsće♠ ſeid
nicht; aber ♣ńejo, ńebudu, ńebėch.♠ Die mit ♣byc̀♠ Zuſammengeſetzten
haben alle Formen, wie das einfache ♣być,♠ nur kein Präſens, da ♣sym,
sy♠ u. ſ. w. nie mit andern Wörtern verbunden wird (♣ńe♠ ausgenommen) z.
B. ♣dobyć♠ gewinnen, ausharren: ♣dobych♠ ich gewann, harrte aus;
♣dobėch♠ (nur; ich harrte aus); ♣dobudžich, dobudu♠ ich werde ausharren,
♣dobydu♠ ich werde gewinnen; ♣dobudž♠ gewinne, ♣dobyty♠ gewonnen;
♣dobywši♠ gewinnend u. ſ. w.

Das Präſens nehmen dieſe Zeitwörter von dem, als einfach
ungebräuchlichen ♣bywać, bywam;♠ als: ♣dobywam, waš♠ u. ſ. w. ich
gewinne, harre aus. Dieſes ♣bywać♠ iſt ein duratives Zeitwort der ♣V.♠
Form, und richtet ſich Wort für Wort nach dieſen Verben (♣VI.♠
Conjugation); daher wir es nicht weiter auszuführen nöthig haben.

<pb n="157"/>

§. 118.

Vollſtändige Conjugation des Zeitwortes ♣ženu (ćėŕu)♠ von ♣hnać,♠ und
ſeines iterativen ♣hońu♠ mit allen umſchriebenen Zeiten.

Anſtatt des ganz ungebräuchlichen ſlawiſchen ♣ženu♠ ſagen wir ♣ćėŕu♠ in
den Formen, die von ♣hnać♠ fehlen.

Präſens.

S. ♣ženu ćėŕu hońu♠

♣žeńeš c̀ėriš honiš♠

♣žeńe ćėri honi♠

D. ♣žeńemój, eẃe c̀ėrimój, iẃe honimój, iẃe♠

♣žeńetaj, tej ćėritaj, tej honitaj, tej♠

P. ♣žeńemy ćėrimy honimy♠

♣žeńeće ćėriće honic̀e♠

♣žeńa, ženu. ćėŕa, ćėŕu. hońa.♠

Imperfectum.

S. ♣žeńach ćėŕach hońach♠

♣žeńeše ćėŕeše hońeše♠

♣žeńeše ćėŕeše hońeše♠

D. ♣žeńachmój, chẃe ćėŕachmój, chẃe hońachmój, chẃe♠

♣žeńeštaj, tej ćėŕeštaj, tej hońeštaj, tej♠

P. ♣žeńachmy c̀ėŕachmy hońachmy♠

♣žeńešće ćėŕešće hońešće♠

♣žeńachu. ćeŕachu. hońachu.♠

Futurum.

Kurze Form. Lange Form.

S. ♣poženu poćėru honić budu♠

♣požeńeš poćėriš honić budžeš♠

♣požeńe poćěri honić budže♠

D. ♣požeńemój, ẃe poćėrimój, ẃe honić budžemój, ẃe♠

♣požeńetaj, tej poćėritaj, tej honić budžetaj, tej♠

P. ♣požeńemy poćėrimy honić budžemy♠

♣požeńeće poćėriće honić budžeće♠

♣poženu. poćėŕa. honić budža.♠

Imperativ.

S. ♣žeń ćėŕ hoń♠

D. ♣žeńmój ćėŕmój hońmój♠

♣žeńtaj, tej ćėŕtaj, tej hońtaj, tej♠

P. ♣žeńmy ćėŕmy hońmy♠

♣žeńc̀e. ćėŕće. hońće.♠

<pb n="158"/>

Particip im Präſens Activ.

♣žeńacy, e, a ćėŕacy, e, a hońacy, e, a.♠

Infinitiv.

♣hnać♠ treiben. ♣honić♠ jagen.

Particip im Perfect Activ.

S. ♣hnał, ło, ła honił, ło, ła♠

D. ♣hnałaj, oj, ali honiłaj, oj, ili♠

P. ♣hnali, ałe. honili, iłe.♠

Particip im Perfect Paſſiv.

S. ♣hnaty, e, a hońeny, e, a♠

D. ♣hnataj; tej, hnaći hońenaj; ej, eni♠

P. ♣hnaći, hnate. hońeni, ene.♠

Gerundium.

♣žeńo, hnawši; ćėŕo, ćėriwši; hońo, honiwši.♠

Perfect.

S. ♣sym, sy, jo hnał, ło, ła; honił, ło, ła.♠

D. ♣smój, staj hnałaj, oj, honiłaj, oj; sẃe, stej hnali, honili.♠

P. ♣smy, sće, su hnali, hnałe; honili, honiłe.♠

Plusquamperfect.

S. ♣bėch, bėše♠ o. ♣bė, bėše♠ o. ♣bė hnał, ło, ła; honił, ło, ła♠ u. ſ.
w.

Subjunctiv ♣I.♠

S. ♣bych, by, by hnał, ło, ła; honił, ło, ła,♠ u. ſ. w.

Subjunctiv ♣II.♠

S. ♣budžich, budžiše, budžiše hnał, ło, ła; honił, ło, ła,♠ u. ſ. w.

Der Conditional oder Bedingungsmodus (wenn etwas geſchieht) wird
gebildet, wenn man jeder Form, wie ſie ſo eben ausgeführt worden, die
Sylbe ♣li♠ anhängt; z. B. ♣hońu-li,♠ wenn ich jage; ♣ćėŕeše-li♠ wenn er
trieb; ♣sym-li honiła♠ habe ich gejagt, und ſo w.

Der Conceſſiv wieder wird gebildet, wenn man jeder Form das Wörtchen
♣ńech♠ vorſetzt; z. B. ♣ńech ćėrimy♠ mögen wir jagen; ♣ńech hońiće♠
möget ihr doch jagen; ♣ńech budžetaj honić♠ mögen ſie (beide) nur jagen.

§. 119.

Conjugation des Zeitwortes im Paſſiv.

♣a)♠ Mit dem Fürworte ♣so.♠

Präſens.

S. ♣ḿenuju so♠ ich werde genannt

♣ḿenuješ so♠ du wirſt genannt

♣ḿenuje so♠ er wird genannt

D. ♣ḿenujemój, eẃe so♠ wir werden genannt

♣ḿenujetaj, tej so♠ ihr werdet, ſie werden genannt

<pb n="159"/>

P. ♣ḿenujemy so♠ wir werden genannt

♣ḿenujeće so♠ ihr werdet genannt

♣ḿenuja so♠ ſie werden genannt.

Imperfectum: ♣ḿenowach so♠ ich wurde genannt u. ſ. w.

Imperativ: ♣ḿenuj so♠ werde genannt u. ſ. w.

Infinitiv: ♣ḿenować, ḿenuwać so♠ genannt werden.

Perfect: ♣sym so ḿenował, ło, ła♠ ich bin genannt worden u. ſ. w.

Plusquamperf: ♣bėch so ḿenował, o, a♠ ich war genannt worden u. ſ. w.

Subjunctiv ♣I.: bych so ḿenuwał, o, a♠ würde genannt werden u. ſ. w.

Subjunctiv ♣II.: budžich so ḿenuwał, o, a♠ ich würde genannt worden ſein
u. ſ. w.

Doch würde bei manchen activen Zeitwörtern, welche mit ♣so♠ als reciprok
gebraucht werden, eine Zweideutigkeit entſtehen. So iſt ♣myju so, sym so
mył,♠ kein Paſſiv, denn es heißt: ich waſche mich, habe mich gewaſchen.
Iſt das Subject ein lebloſes Ding, ſo entſteht keine Zweideutigkeit:
♣ńech so sudob́o wumyje♠ das Geſchirr ſoll ausgewaſchen werden. So ſind
die Stellen: ♣Gal. 5. 2. Budz̀eće-li so dać wobrėzać♠ und die Stelle: 2.
3. ♣zo by so dał wobrėzac̀,♠ deßhalb weniger zweideutig, weil die
Beſchneidung in der Regel von einem andern ausgeführt wird.

In anderen Fällen nimmt man das paſſive Particip mit ♣sym, sy♠ u. ſ. w.
(§. 64.) wie folgt:

♣b)♠ Mit dem paſſiven Particip.

♣Wołać♠ rufen: ♣wołany.♠

Präſens.

S. ♣sym, sy je wołany, e, a♠ ich werde gerufen.

D. ♣smój, staj wołanaj; sẃe, stej wołanej, ani,♠ wir werden gerufen.

P. ♣smy, sće, su wołani, e,♠ wir werden gerufen.

Imperfectum.

S. ♣bėch, bėše♠ oder ♣bė, bėše♠ o. ♣bė woľany, e, a♠ wurde gerufen.

D. ♣bėchmój, bėštaj wołanaj; bėchẃe, bėštej -anej, ani♠ w. wurd. gerufen

P. ♣bėchmy, bėšce, bėchu wołani, ane,♠ wir wurden gerufen.

Perfectum.

S. ♣sym, sy, je wołany był, -ane było, -ana była♠ ich bin gerufen
worden.

D. ♣smój, staj wołanaj byłoj; sẃe, stej -ani byli♠ wir ſind gerufen
worden.

P. ♣smy, sće, su wołani byli, wołane byłe♠ wir ſind gerufen worden.

Plusquamperfectum.

S. ♣bėch wołany był, -ane było, -ana była♠ u. ſ. w. ich war gerufen
worden.

Subjunctiv ♣I.♠

S. ♣bych wołany był, -ane było, -ana była♠ uſw. ich wäre gerufen worden.

Subjunctiv ♣II.♠

S. ♣budžich -ny był, -ne było, -a była♠ uſw. würde gerufen worden ſein.

<pb n="160"/>

Futurum.

S. ♣budu, budžeš, budže wołany, e, a♠ ich werde gerufen werden.

D. ♣budžemój, taj wołanaj: budžeẃe, etej wołani♠ w. werd. gerufen werd.

P. ♣budžemy, eće, dža wołani, ane♠ wir werden gerufen werden.

Imperativ.

S. ♣budž wołany, e, a♠ werde du, er gerufen.

D. ♣budžmój, taj, tej wołanej, ani,♠ werdet gerufen.

P. ♣budžmy, budžće wołani, ane,♠ werden wir gerufen.

Infinitiv.

S. ♣wołany, e, a być;♠ D. ♣wołanaj, -ani być;♠ Pl. ♣wołani, -ane być♠
gerufen werden.

§. 120.

Schlußbemerkungen zu den Zeitwörtern.

Vor der Sylbe ♣’eš♠ in der erſten und dritten Conjugation muß immer ein
weicher Conſonant ſtehen; iſt er daher in der erſten Perſon hart, ſo muß
er in einen weichen übergehen; nur vor ♣n♠ und ♣y♠ bleibt er hart; z. B.
♣wobwleku so♠ ziehe mich an, ♣wobwlečcs̀, wleče♠ u. ſ. w. ♣wlečemój,
wlečemy, wlečeće, wobwleku.♠ Im gemeinen Leben hört man auch ♣ẃedžeja♠
von ♣ẃedu,♠ und ♣wobwlečeja♠ in der dritten Perſon Plur.

Die Verba auf ♣hu♠ (wie ♣mohu♠ ſlawiſch) haben auch vor ♣u♠ weich, alſo
♣žu♠ ſtatt ♣hu; móžu♠ ich kann; ♣łžu♠ ich lüge.

In der dritten Perſon bei den Perfecten wird nie ♣je, jo♠ ausgelaſſen,
wie dieſes bei den andern Slawen geſchieht, ſondern immer ausdrücklich
hinzugeſetzt; ♣jo pił♠ er hat getrunken, nicht ♣pił; je był♠ er iſt
geweſen, nicht ♣był.♠

In den fünf erſten Conjugationen wird das ♣i♠ am Ende des Imperativs
gewöhnlich verſchluckt, und an deſſen Stelle der weiche Endconſonant
geſetzt:

♣ẃedu: ẃedž; ẃedžmój, džtaj, tej; ẃedžmy, ẃedžće.♠

♣pletu: pleć; plec̀mój, plećtaj, tej; plećmy, plec̀će.♠

♣winu: wiń; wińmój, taj, tej; wińmy, ẃińće.♠

♣pelńu: pelń; pelńmój, taj, tej; pelńmy, pelńće.♠

Dabei geht ♣h♠ in ♣ž, k♠ in ♣č♠ über, es mag ♣i♠ ſtehen bleiben oder
nicht:

♣wumóžu (hu): wumóž; wumóžmój, taj, tej; wumóžmy, wumóžće.♠

♣ṕeku: ṕeč; ṕečmój, taj, tej; ṕečće.♠

So auch in ♣łži♠ ſtatt ♣łž♠ von ♣łžu (łhu)♠ ich lüge.

Würde nach weggeworfenem ♣u♠ oder ♣ju♠ von dem Stammworte eine einzige
Sylbe ohne Vocal übrig bleiben, wie in ♣mknu, tru, sṕu;♠ ſo darf des
Wohllautes wegen ♣i♠ am Ende nicht weggelaſſen werden; als:

<pb n="161"/>

♣za-mknu: mkni; mknimój, taj, tej; mknimy, mknic̀e.♠

♣ze-tru: tri; trimój, tritaj, tej; trimy, triće.♠

♣sṕu: spi; spimój, spitaj, tej; spimy, spiće.♠

Von ♣jdu♠ gehe, iſt der Imperativ: ♣dži; džimój, taj, tej; džimy,
džiće.♠ In den Compoſitis aber: ♣wuńdž; wuńdžmój, taj, tej; wuńdžmy,
wuńdće;♠ aber: ♣póńdu♠ hat ♣pój,♠ eigentlich ♣po-i; pójmój, taj, tej;
pójmy, pójće. Wozmu♠ ich nehme hat ♣woz; wozmój, taj, tej; wozmy,
wozće.♠

Mehrere Conſonanten am Ende der Stammſylbe verhindern nicht die
Abſorbirung des ♣i,♠ wenn ſie ſich leicht ausſprechen laſſen:

♣pusču♠ laſſe: ♣pušć; pušćmój, taj, tej; pušćmy, pušćće.♠

♣posylńu♠ ſtärke: ♣posylń; posylńmój, taj, tej; posylńmy, posylńće.♠

♣polėps̀u♠ beſſere: ♣polėpš; polėpšmój, taj, tej; polėps̀my, polėpšće.♠

♣hóršu so♠ klage: ♣hórs̀; hóršmój, taj, tej; hórs̀my, hórs̀će.♠

♣ḿechču♠ weiche: ♣ḿechč; ḿechčmój, taj, tej; ḿechčmy, ḿechčće.♠

Doch ſetzt der Serbe in ♣wuswėtli♠ erleuchte, ♣bydli♠ wohne, ♣modli so♠
bete, ♣mysli♠ denke ♣i,♠ weil es ihm ohne dieſes zu hartklänge.

Steht aber vor ♣n♠ kein ♣r♠ oder ♣l,♠ ſondern ein anderer Conſonant; ſo
muß ♣i♠ geſetzt werden:

♣błazńu: błazni; błaznimój, taj, tej; błaznimy, błazniće.♠

Doch ſucht man auch hier ſich zu helfen, und zwar durch Auslaſſung des
♣ń;♠ ſo hört man häufig von ♣ŕeknu♠ ich ſage:

♣ŕek; ŕekmój, ŕektaj, tej; ŕekmy, ŕekc̀e;♠ anſtatt:

♣ŕekń; ŕekńmój, ŕekńtaj, tej; ŕekńmy, ŕekńće.♠ Oder aber:

♣syń; syńmój, taj, tej; syńmy, syńće,♠ von ♣sydnu so♠ ſetze mich,
anſtatt:

♣sydń; sydńmój, taj, tej; sydńmy, sydńće.♠

Steht ♣h♠ vor ♣nu,♠ ſo wird jenes ganz unberückſichtigt gelaſſen, als:
♣ćahnu♠ ziche: ♣ćehń; ćehńmój, taj, tej; ćehńmy, ćehńće.♠

Manche Zeitwörter der ♣V.♠ Form auf ♣ać♠ haben nicht nur im Präſens,
ſondern auch im Imperativ die Form, als wären ſie von der zweiten
Conjugation (§. 115.), wie ♣płačeš, płač; mažeš, maž.♠ Aber nicht alle;
andere Verba nähmlich haben dieſe Form gar nicht, oder nur in
Zuſammenſetzungen; ſo:

♣łamac̀,♠ brechen: ♣łamaj;♠ aber ♣nałaḿ, rozłaḿ.♠

♣kleskać♠ klatſchen: ♣kleskaj; hibać♠ bewegen: ♣hibaj; skakać♠ ſpringen:
♣skakaj♠ (ſcherzweiſe ♣skač); stonać♠ ſtöhnen: ♣stonaj.♠

In der vierten Conjugation wird bei den Zeitwörtern auf ♣zyć♠ und ♣syć♠
im paſſiven Part. vor ♣’eny, z♠ in ♣ž, s♠ in ♣š♠ verwandelt

♣kazyć♠ verderben: ♣kaženy; zarazyć♠ todtſchlagen: ♣zaraženy;♠

♣nosyć♠ tragen: ♣nošeny; mėsyć♠ miſchen: ♣mės̀eny.♠

Eben ſo bei der erſten Conjugation:

♣pšemóžu (mohu): pšemóženy♠ überwunden; ♣ṕeku: ṕečeny♠ gebacken.

Die Laute ♣d♠ und ♣t♠ gehen in ♣dž♠ und ♣ć♠ über; ♣ẃedu♠ führe,
♣ẃedženy; ḿetu♠ kehre, ♣ḿećeny; z♠ und ♣s♠ aber bleiben in dieſer <pb
n="162"/>unverändert: ♣ẃezu♠ fahre, ♣ẃezeny; lėzu♠ krieche, ♣lėzeny;
pasu♠ hüte, ♣paseny; ńesu♠ trage, ♣ńeseny.♠

Das Gerundium auf ♣wši♠ wird immer gerade von dem Particip Perf. Act.
gebildet, indem man ♣ł♠ in ♣wši♠ verwandelt; ſteht dann vor ♣ł♠ ein
Conſonant, ſo ſetzt man ♣iwši♠ ſtatt ♣ł,♠ und der Conſonant wird weich;
als: ♣ẃedł♠ geführt: ♣ẃedžiwši; ṕekł♠ gebacken: ♣ṕečiwši.♠

Das Gerundium auf ♣’o♠ wird von der zweiten Perſon Sing. Präſ. dadurch
abgeleitet, daß man ♣š♠ ſamt dem vorangehenden Vocal in (weich) ♣’o♠
verwandelt. Setzt man dann an die Stelle von ♣o♠ die Sylbe ♣acy, e, a,♠
ſo hat man das Particip Präſ. Act.:

Conjugat. ♣I. ’eš: ẃedžeš: ẃedžo, ẃedžacy, e, a.♠

♣II. ’eš: piješ: pijo, pijacy, e, a.♠

♣wumŕeš: wumŕo, wumŕacy, e, a.♠

♣III. ’eš: wukńeš: wukńo, wukńacy, e, a.♠

♣IV. iš. płodžiš: płodžo, płodžacy, e, a.♠

♣yš: prosyš: prošo, prošacy, e a.♠

♣V. iš: sedžis: sedz̀o, sedžacy, e, a.♠

♣ležiš: ležo, ležacy, e, a.♠

Die ♣VI.♠ Conjug. bildet ♣ajo♠ aus ♣aš;♠ die ♣VII. jo♠ aus ♣ješ:♠

♣VI. aš: torhaš: torhajo, torhacy, e, a.♠

♣VII. uješ: džakuješ: džakujo,♠ aber ♣džakowacy, e, a.♠

♣mudruješ: mudrujo, mudrowacy, e, a.♠

§. 121.

Unregelmäßige Zeitwörter.

Da durch die Aufſtellung der ♣VI♠ Hauptformen der Zeitwörter und durch
die Aneinanderreihung analoger Zeiten der Grundſatz offenbar wurde, daß
in der ſlawiſchen Sprache nicht immer der Infinitiv es entſcheidet, nach
welcher Conjugation ſich ein Zeitwort richtet, und daß demnach bei
vielen Verben die dem Präſens analogen Zeiten zu einer anderen
Conjugation gehören, als die mit dem Infinitiv verwandten: ſo wurden
ſchon dadurch viele Zeitwörter unter die regelmäßigen gebracht, welche
andere Grammatiker zu den unregelmäßigen ſtellen. ♣B'eru, za-wru, ẃezu♠
werden nach der ♣I.♠ conjugirt, ihre Infinitive aber ♣brać, za-wrėć,
ẃesć♠ ſind ganz verſchieden; und während ♣brac̀♠ im Particip ♣brał,
brany♠ der ♣VI.♠ Conjugation analog iſt, richtet ſich ♣za-wrėć♠ nach der
♣II.♠ und nur ♣ẃešć♠ nach der ♣I.;♠ alſo ♣za-wrėł, za-wrėty;♠ und ♣ẃezł,
ẃezeny.♠ Anſtatt alſo dieſe Zeitwörter für unregelmäßig auszugeben, muß
man von der Bildung ihrer Infinitive bei der Conjugation abſtrahiren,
und ſie bald in dieſe, bald in jene Form verweiſen. (Vergleiche Seilers
Grammatik Seite 81. Infinitiv auf ♣ać♠).

Andere Abweichungen von der Regel entſtehen theils aus der Vermiſchung
verſchiedener Wurzeln und Formen der Zeitwörter, theils ſind es
Archaismen, die einſt Regel waren, jetzt aber verloren ſind; <pb
n="163"/>oder aber ſind es endlich Abkürzungen, die ihren Grund im
Genius der Sprache oder der Trägheit der Zunge haben. So kommt ♣sym,
budu, być♠ von drei verſchiedenen Wurzeln: ♣jes, bu, by (bė).♠

♣Jdu♠ oder ♣du, džeš, dže; džemój, dz̀eẃe, dz̀etaj, tej; džetaj, tej;
džemy, džeće, du♠ ich gehe; ♣džėch, džėše♠ u. ſ. w. ich ging; ♣dži♠
gehe; ♣hity♠ gegangen; ♣hić♠ gehen; ♣džejo, ducy♠ gehend: nimmt das
Particip Perf. Act. von dem alten ♣šedu: šoł, šło, šła♠ gegangen; eben
ſo das Gerundium ♣šowši♠ und ♣šedši.♠

Die mit ♣du♠ zuſammengeſetzten Zeitwörter weichen etwas ab. Die Partikel
vor ♣du♠ muß ſich ſtets auf einen Vocal endigen; an dieſen wird durch
alle Formen ♣ń♠ angeſetzt (ſo wie häufig im Mähriſchen) und dieſem erſt
♣du, džeš, dže♠ u. ſ. w. angehängt; als: ♣pšińdu, pšińdžeš, pšińdže♠
komme; ♣pšińdžech, pšińdže, pšińdže♠ kam: ♣pšińdž♠ komm mit verlorenem
♣i; pšińdžo♠ kommend; aber (ohne ♣ń) pšišoł, pšišło, pšišła♠ gekommen,
und ♣pšišowši♠ kommend, und ♣pšišedši.♠ Eben ſo ♣wot-e-ńdu♠ gehe weg;
♣roz-e-ńdu♠ zergehe; ♣pońdu♠ (nur als Futurum von ♣hić♠ gebräuchlich)
werde gehen u. ſ. w. Doch hat ♣wuńdu♠ gehe aus, auch ♣wujšoł♠ neben
♣wušoł.♠ Im Infinitiv wird von ♣hić♠ nur ♣ć♠ an ♣ń♠ angefügt: ♣ps̀ińdu,
pšińć; woteńdu, woteńć; rozeńdu, rozeńć; wuńdu, wuńć.♠

♣Mam, mėć, mėł♠ hat zwei Formen; eine von ♣mėju,♠ und zwar: ♣mėjach,
mėješe♠ Imperfectum; auch ♣mėch, mė♠ in der Bedeutung: ich hab’s
erhaſcht! ♣mėj♠ Imperativ, ♣mėć♠ Infinitiv, ♣mėjacy, mėł♠ und ♣mėty♠
Participium; ♣mėwši♠ Gerundium und ♣mėjo.♠ Im Futurum ſteht ♣zmėju;♠
dann aber ♣mam♠ Präſens, von ♣imam,♠ welches mit der Negation ♣ńe♠ in
♣nimam♠ verſchmilzt.

♣Chcu, chceš, chce; chcemój, chceẃe, chcetaj, tej: chce, my, chceće,
chceja♠ (oder ♣chcu♠ in Compoſitis) will; ♣chcych, chcyše♠ u. ſ. w.
wollte; ♣chcyj♠ wolle; ♣chcyć♠ wollen; ♣chcyjacy♠ wollend; ♣chcył♠
gewollt; ♣chcyjo♠ und ♣chcywši♠ wenn man will. Anſtatt ♣ńechcu♠ will
nicht, ſagt man immer ♣nochcu♠ oder auch ♣ńecham♠ nach der ♣VI.♠
Conjugation.

♣Dam♠ hat ♣daja♠ ſie geben, und ♣dadža,♠ ſonſt ganz nach der ♣VI.♠

♣Wedžeć♠ wiſſen, und ♣jėsć♠ eſſen, haben die Form:

Präſ. ♣wėm, wėš, wė; wėmój, wėstaj, tej; wėmy, wėsće, ẃedža.♠

♣jėm, jėš, jė; jėmój, jėstaj, tej; jėmy, jėsće, jėdža.♠

Imperf. ♣ẃedžach, ẃedžeše,♠ und ♣ẃedžich, ẃedžiše; jėdžich, džiše.♠

Imper. ♣wėz; wėzmój, wėztaj, tej; wėzmy, wėzće.♠

♣jėz; jėzmój, jėztaj, tej; jėzmy, jėzće.♠

Particip Perf. Act. ♣ẃedz̀ał, ło, ła♠ gewußt; ♣jėdł, ło, ła♠ gegeſſen.

Die Compoſita von ♣ẃedžeć♠ haben im Präſens zwei Formen: ♣poẃem♠ und
♣poẃedžu♠ hinterbringe, ♣poẃeš♠ und ♣poẃedziš.♠ Imperativ: ♣poẃez♠ und
♣poẃedž.♠ Particip: ♣poweł♠ und ♣poẃedžił;♠ wo jenes gewöhnlich den
Nebenbegriff einer kürzeren Handlung hat.

Aehnlich mit ♣wėm♠ iſt ♣smėm♠ darf: Präſens: ♣smėm, smėš, <pb
n="164"/>smė; smėmój, ẃe, smėtaj, tej; smėmy, smėće, smėja♠ o. ♣smėdža.♠
Imperfectum: ♣smėdžich, smėdžiše, smėdžiše♠ u ſ. w.; oder regelmäßig:
♣smėjach, smėješe, smėješe♠ u. ſ. w. Imperativ: ♣smėj.♠ Particip ♣smėł,
ło, ła; smėty, e, a;♠ Gerundium: ♣smėjo, smėwši.♠

♣Stać♠ ſtehen, hat zwei ähnliche Formen: ♣stoju, stojis̀, stoji♠ o.
♣steju, stejiš, steji; stejimój, taj, tej; stejimy, stejic̀e, steja.♠
Imperfectum: ♣stejach, steješe,♠ oder ♣stojach, stoješe♠ u. ſ. w.
(♣stach, sta♠ in Compoſ.) Imperativ: ♣stej, stój.♠ Participium: ♣stał,
staty.♠

Die aus ♣stać♠ zuſammengeſetzten Verba gehen nach der ♣III.♠
Conjugation; als: ♣pšestanu, pšestańeš, pšestańe; pšestańemój,♠ u. ſ.
w., höre auf; ♣pšestach, pšesta, pšesta; pšestachmój;♠ u. ſ. w. mit dem
kurzen Imperfectum, hörte auf; ♣pšestań♠ höre auf.

♣N'ech♠ mag iſt aus ♣ńechaj♠ (von ♣ńecham♠) verkürzt; eben ſo ♣móž♠
kannſt, aus ♣móžeš.♠

§. 122.

Defective Zeitwörter.

Sehr viele Zeitwörter ſind im Serbiſchen ſo beſchaſfen, daß ihnen in
einer Form mehrere Zeiten fehlen; die aber durch Zeiten von demſelben
Stamme, jedoch nach einer andern Form, erſetzt werden. So z. B. hat
♣wisyć♠ hangen, im Präſens die erſte Perſon Sing. nicht; eben ſo kein
Imperfectum, keinen Imperativ, keine Participien (nur ♣wisycy♠): aber es
erſetzt alle dieſe Formen durch ♣wisam♠ (nach der ♣V.♠ Form): ♣wisam,
wisach, wisaj, wisał, wisany.♠

Von vielen Zeitwörtern beſtehen nur noch wenige einfache Formen; die
übrigen werden nur in Compoſitis gebraucht; z. B. ♣jeć♠ fangen, ♣jaty;
c̀eć♠ hauen, ♣čaty; ṕeć♠ ſpannen; ♣žeć♠ ſicheln. Aber: ♣najimu, jiḿeš♠ u.
ſ. w. ich miethe; ♣najach♠ miethete, ♣najim♠ miethe; ♣najał, ło, ła,♠
und ♣najaty, e, a♠ gemiethet; ♣najo, najawši♠ miethend; ♣najacy, e, a♠
miethend. Das ſelbe kann man mit den übrigen thun.

Von dem alten Zeitworte ♣džeju, džeć♠ ſagen, iſt nur noch das
Imperfectum: ♣džach, džeše, džeše♠ u. ſ. w. übrig.

§. 123.

Die unveränderlichen Redetheile.

Die Partikeln, d. i. die Adverbien, Präpoſitionen, Conjunctionen und
Interjectionen bedürfen keiner Flexion, und ſind daher auch im
Slawiſch-Serbiſchen unveränderlich. Nur der Interjection »♣na♠ da haſt!«
ſetzt man im Dual ♣taj, tej (nataj, natej),♠ im Plural ♣će (nac̀e♠ da
habt ihr!) an.

<pb n="165"/>

Syntax.

♣I.♠ Regeln der Angemeſſenheit.

Gebrauch der Subſtantive.

§. 124.

Redetheile, die ſich in Geſchlecht und Zahl nach dem Subſtantiv richten.

In Anſehung des Geſchlechtes und der Zahl richten ſich die Adjective und
Participien, auch die Präterita ſo wie die adjectiviſch gebräuchlichen
Pronomina als ſolche, nach dem Subjecte des Satzes: ♣Naš nan je pšecy
strowy był♠ unſer Vater iſt ſtets geſund geweſen; ♣naša mać ńeje dołho
žiwa była♠ unſere Mutter hat nicht lange gelebt; ♣te mało džėćo je chėcy
wumŕeło♠ dieſes kleine Kind iſt ſchnell geſtorben. Im Dual: ♣Dwaj z ńich
staj tón džeń do mėstačka šłoj♠ zwei von ihnen ſind denſelben Tag in das
Städtchen gegangen; ♣mojej twaŕeńi stej ceły wichor wutrałoj (wutrali)♠
meine (zwei) Gebäude haben den ganzen Sturm ausgehalten; ♣wašej sotsje
stej so woženiłoj (woženili)♠ eure (beiden) Schweſtern haben
geheirathet. Eben ſo im Plural, wobei beſonders zu bemerken iſt, daß die
Unterſcheidung zwiſchen den rationalen Maſculinen und den übrigen
Subſtantiven ſtreng beobachtet wird: ♣Kralej bychu wšicy synoẃe zabići♠
dem Könige wurden alle Söhne todtgeſchlagen; ♣tame duby budža porubane♠
jene Eichen werden niedergehauen werden; ♣te słowa same na sebi su
dobre♠ dieſe Worte ſind an ſich gut; ♣tsi wėcy ńejsu dopelńene♠ drei
Dinge ſind nicht erfüllt.

<pb n="166"/>

♣Ja, ty, mój, wój, my, wy♠ ſind aller drei Geſchlechter fähig, jenachdem
ſie eines oder das andere vertreten; ♣ja sym jeho ńeznał♠ ich habe ihn
nicht gekannt, wenn eine männliche; ♣ja sym jeho ńeznała,♠ wenn eine
weibliche Perſon ſpricht; ♣mój smój tam radaj byłoj♠ wir (beide) ſind
gern dort geweſen (männlich), ♣mój sẃe tam radži (radej) byłoj♠
(weiblich); ♣my smy wšicy zahańb́eńi♠ (Maſc. Rat.), ♣my smy wšitke (woły,
duby, wėcy, pola) zahańb́ene (mój smój dobri,♠ bei Seiler iſt wohl
Druckfehler ſtatt ♣mój sẃe dobri). Dz̀ėċi♠ Kinder darf, obgleich es
♣synoẃe, hólcojo♠ Knaben mit inbegreift, dennoch nicht mit dem
Maſculinum Ratjonale conſtruirt werden, da es wider den Sprachgebrauch
wäre: man ſagt niemals: ♣éilej naši džėći su dobri,♠ ſondern ♣telej naše
džėći su dobre♠ dieſe unſere Kinder ſind gut. Ob man dem zufolge das
Particip des Perfects, in welchem einzigen Falle die ſorgloſe Rede das
Maſculinum Rationale bei ♣džėći♠ zuläßt, ſo conſtruiren will oder nicht,
— überlaſſe ich dem Gutdünken der Schriftſteller, welche das zu
entſcheiden fähig ſind. Ich werde nie ſchreiben: ♣naše džėći su tam
byli,♠ ſondern ♣było.♠

§. 125.

Zwei Subſtantive in einem Satze.

Die Appoſition muß mit ihrem Subjecte zwar in demſelben Caſus, nicht
aber in gleichem Genus und Numerus ſtehen: ♣Bóh wótc, Bóh tón kńez,
mċsto Budyšin♠ Stadt Bautzen, ♣hólčec syrota♠ der verwaiſte Knabe, ♣ẃes
Ćėškecy, ẃes Liboń, wy lud boži♠ Ihr das Volk Gottes.

Bei ♣sym, być♠ ſein und den andern Verben, die einen doppelten Nominativ
bei ſich haben, findet daſſelbe Verhältniß zwiſchen dem Subjecte und
Prädicate ſtatt, wie zwiſchen der Oppoſition und ihrem Subjecte; das
Zeitwort richtet ſich nach dem Subjecte: ♣česna wėc su chc̀izna♠ die
Kindtaufe iſt eine Ehrenſache; ♣Bóh bėše słowo, Bóh jo słowo był; naj
bóle pšezćėhany lud su dołho dosć židža byli♠ die Juden waren lange
genug das geplagteſte Volk. ♣Serb́a so naš ceły lud ḿenuje♠ Serben nennet
ſich unſer ganzes Volk.

Anmerkung. ♣Jako by hrėch chwalobna wėc była♠ heißt mir: als würde man
etwas Lobenswerthes für Sünde halten, ♣jako by hrėch chwalobna wėc był♠
aber: als könnte man die Sünde ſür etwas Lobenswerthes halten.

§. 126.

Mehrere Subſtantive in einem Satze.

Zwei Subjecte von gleichem Geſchlechte, die im Singular ſtehen, haben
das Adjectiv, Verbum u. ſ. w. entweder im Dual oder <pb n="167"/>im
Singular mit gleichem Geſchlechte bei ſich; wenn keines von ihnen ein
lebendiges Weſen bezeichnet: ♣Dy by jow swėrnosć ha sprawnosć bydliła,♠
oder ♣dy byštej swėrnosć ha sprawnosć bydliłoj♠ wenn Treue und
Gerechtigkeit hier herrſchte.

Sind aber beide, oder auch nur eines, Namen von Animaten, ſo ſteht der
Dual: ♣wowca ha koza stej wužitnej♠ das Schaf und die Ziege ſind
nützlich; ♣žona ha chėža stej so zpaliłoj♠ Weib und Haus ſind verbrannt.
— Nur ſeltene Beiſpiele finden ſich, wo zwei Animate im Subject das
Verbum u. ſ. w. im Singular bei ſich haben: wie ♣łhaŕ ha paduch jo
wšudžom zadsṕeny♠ der Lügner und (der?) Dieb ſind überall verachtet (iſt
überall verachtet), weil hier eine und dieſelbe Perſon gedacht wird.

Zwei Subjecte von gleichem Geſchlcchte, die beide im Dual ſtehen, haben
das Zeitwort, Beiwort u. ſ. w. im Dual deſſelben Geſchlechtes bei ſich;
♣rucy ha nozy stej jemu wotrubanej♠ ihm ſind beide Hände und Füße
abgehauen; ♣našej džėdaj ha wujej staj wumŕełoj♠ unſere beiden Großväter
und Vetter ſind geſtorben; ♣nanaj ha wozaj staj domoj pšijšłoj♠ die
beiden Väter und Wagen ſind nach Hauſe gekommen. Eben ſo, wenn drei oder
mehrere Subjecte von gleichem oder auch theils von weiblichem, theils
von ſächlichem, (nie aber von männlichem) Geſchlechte alle im Dual
ſtchen: ♣našej chėži, zahrodže ha poli stej dółžnikam pšedanej♠ unſere
(beiden) Häuſer, Gärten und Felder ſind den Gläubigern verkauft.

Zwei Subjecte von gleichem Geſchlechte, von denen eines im Dual, das
andere im Singular ſtehet, haben das Verbum, Adjectiv u. ſ. w. im Plural
deſſelben Geſchlechtes bei ſich; ♣prėńej kole ha wojo su so namakało♠
die Vorderräder und die Deichſel haben ſich gefunden.

Zwei oder mehrere Subjecte von gleichem Geſchlechte, unter denen eines
oder mehrere im Plural ſtehen, haben das Zeitwort u. ſ. w. im Plural
deſſelben Geſchlechtes bei ſich, wenn auch ein oder das andere im
Singular oder Dual ſteht: ♣wobaj końej, prėdk ha tsi kolesa su so
namakało♠ beide Pferde, der Vorder-Wagen, und drei Räder ſind gefunden
worden.

Anmerkung. Doch geben die vermiſchten Fälle immer eine verwickelte
Conſtruction; daher ſich das Verbum u. ſ. w. häufig auch nur nach dem
nächſten Subjecte richtet: ♣wotez̀ka ha huzdže stej zhub́enej♠ das
Lenkſeil und beide Zäume ſind verloren.

Mehrere Subjecte von gleichem Geſchlechte im Singular haben das Zeitwort
u. ſ. w. im Singular oder Plural, wenn unter ihnen kein Animatum ſich
befindet; iſt aber ein ſolches vorhanden, dann ſteht das Zeitwort u. ſ.
w. in der Regel im Plural. ♣Džež jėd, woheń ha meč kńežuje♠ wo Gift,
Feuer und Schwert herrſchen. ♣Wojak, kóń ha wóz su ńepšećelej do rukow
padnyli♠ Soldat, Pferd und Wagen ſind dem Feinde in die Hände gefallen.

Haben mehrere Subjecte ein verſchiedenes Geſchlecht, ſo richtet ſich,
<pb n="168"/>wenn ſie lebloſe Dinge bezeichnen, das Zeitwort, das
Adjectiv und ſo fort nach dem zunächſt ſtehenden; ♣wóz ha wojo jo
złamane; dub ha lipa jo pokopana; wólša ha rab jo tẃerdy.♠ Iſt aber
unter mehreren Subjecten ein Animatum oder ein Perſonen-Name, ſo richtet
ſich das Verbum und Adjectiv nach dieſem (natürlich ſtcht das Zeitwort
dann im Dual oder Plural nach Obigem); ♣Bóh wotc ha Słowo staj swėt
stworiłoj♠ Gott Vater und das Wort haben die Welt erſchaffen. Unter zwei
oder mehreren Animaten und Perſonen-Namen hat im Singular das Femininum
vor dem Neutrum, und das Maſculinum vor beiden; im Dual aber nur das
Maſculinum (weil Femininum und Neutrum gleiche Form); im Plural dagegen
nur das Maſculinum Rationale den Vorzug, da hier die übrigen ſtets
gleiche Formen haben. ♣Nan ha mać z tym ńejstaj zpokojom♠ die Eltern
ſind damit nicht zufrieden; ♣moji synojo ha džowki su na kwas prošeni♠
meine Söhne und Töchter ſind zur Hochzeit geladen; ♣staršej dwé ha małoj
dėsći pak ńepońdz̀etej♠ die beiden älteren und die beiden kleinen Kinder
aber werden nicht gehen.

Wenn die Perſonen verſchieden ſind, ſo hat die erſte den Vorzug vor der
zweiten und dritten, die zweite vor der dritten: ♣ja ha nan smój jene♠
ich und der Vater ſind eins; ♣ja ha ty smój wobaj wohańb́enaj, ja ha ty
sẃe wobej (wobi) wohańb́enej (b́eńi)♠ ich und du ſind beide zu Schande
gekommen; ♣ty ha wón staj joh’ widžałoj♠ du und er habt ihn geſehen.

§. 127.

Der Singular bei Collectiven.

Die Collective im Singular haben in der Regel auch das Zeitwort im
Singular bei ſich; ♣wšitkón lud padže na swoje kolena♠ das ganze Volk
fiel auf ſeine Kniee. Seltener iſt der Fall, wo das Prädicat im Plural
ſteht, wie: ♣ha ceła hromada na so wołachu ha praẃachu,♠ und der ganze
Haufe ſchrie auf einander und ſagte, Wenn ♣to♠ ein Subſtantiv im
Prädicate hat, ſo richtet ſich ♣sym♠ ganz nach dem Prädicate; z. B.
♣kajke su to ćežke lėta♠ was ſind das für ſchwere Jahre! ♣to bychu mi
było wėcy♠ das wären mir Dinge; ♣to by ŕana wobrada była♠ das wäre eine
ſchöne Beſcherung; ♣to bės̀taj dwaj kralej♠ das waren zwei Könige.

Das Relativum im Singular ♣štož♠ ſteht bisweilen für ♣kotrajž, kotrejž
(kotsiž)♠ im Dual, und ♣kotsiž, kotrež♠ im Plural; dann hat es natürlich
auch das Verbum im Dual oder Plural; ♣wšicy ludžo, štož su tam byli♠
alle Leute, welche dort waren; ♣tej žab́e, štož stej w škleńcy♠ die
(beiden) Fröſche, die im Glaſe ſind. Eben ſo für ♣kotryž, kotraž; tón
muž, štož jo nas wopytał♠ der Mann, der uns beſucht hat.

<pb n="169"/>

Das der Höfllichkeit wegen bei uns allgemein gebräuchliche ♣wy♠ (niemals
♣woni♠) hat das Particip immer im Plural (und zwar als Maſculinum
Rationale ſelbſt für Frauen) bei ſich; bei Adjectiven und dergleichen
ſchwankt der Sprachgebrauch zwiſchen dem Singular (Maſculin, Feminin,
Neutrum) und dem Plural Maſculinum Rationale) ♣maćė! wy sće ḿe wołali♠
Mutter, Sie haben mich gerufen! ♣Nano, bydžće tak dobri (dobry)♠ Vater,
ſein Sie ſo gut! ♣Wy sće so mylili, moja luba♠ Sie haben geirrt, meine
Liebe.

§. 128.

Perſönliche Fürwörter im Satze.

Da die Perſonen an dem Ausgange des Verbums hinlänglich erkennbar ſind,
ſo werden die perſönlichen Fürwörter ♣ja, ty, wón, mój, wój, wonaj, my,
wy, woni♠ nur dann geſetzt, wenn die Perſon beſonders ausgezeichnet
werden ſoll. ♣Što činiće? Młóćimy♠ was macht Ihr? Wir dreſchen. —
♣Kńeže, ty chceš mi nohi myć♠ Herr, du willſt mir die Füße waſchen? ♣Nic
wy sc̀e ḿe wuzwolili, hale ja sym was wuzwolił♠ nicht Ihr habt mich
auserwählt, ſondern ich Euch.

Das unbeſtimmte Fürwort »es«, welches wir nicht haben, wird nicht
ausgedrückt, ſondern es bleibt das Zeitwort in der dritten Perſon
ſächlichen Geſchlechts: ♣hrima♠ es donnert; ♣błyska so♠ es blitzt;
♣ḿerzńe♠ es friert. Auch wenn im Prädicat ein Subſtańtiv anderen
Geſchlechts iſt: ♣mi je zima było♠ mir iſt kalt geweſen; ♣tedom je ẃac
hač dwė sćė ludži zemŕeło♠ damals ſind mehr als zwei hundert Menſchen
geſtorben; ♣hdyby čas wob́edować było♠ wenn es Zeit zu Mittag zu eſſen
wäre.

Seltener wird ♣wono♠ es hinzugeſetzt; ♣wone jo so ẃac hač dwė ńėdz̀ėle
ṁnyło♠ es ſind mehr als zwei Wochen vergangen.

§. 129.

Das Zeitwort mit einem Zahlworte.

Mit ♣ẃele♠ viel, ♣mało♠ wenig, ♣nėšto♠ etwas, eine gewiſſe Quantität;
♣kełko, kejko♠ wie viel; ♣tełko, tejko♠ ſo viel und ähnlichen
Numeralien, eben ſo mit den Cardinal-Zahlen von ♣ṕeć♠ bis ♣tawzynt♠ und
ſo weiter (aber nicht ♣ṕećo, šėsćo♠ u. dergl.) ſteht das Verbum im
Singular und im ſächlichen Geſchlechte: ♣ẃele jo jich było? ṕeć, šėsč,
sedym, dwacyći, (półsta) ṕećdžesać jo jich było; dwé sćė knihi jo
zwostało♠ zwei Hundert Bücher ſind verblieben; ♣wot toho časa jo hižom
štyri ha dwacyći lėt♠ ſeit dieſer Zeit iſt's ſchon vier und zwanzig
Jahr; ♣w tymlej doḿe jo jich ṕeć wumŕe<pb n="170"/>ło♠ in dieſem Hauſe
ſind fünf geſtorben. — Eben ſo mit ♣pół; półdra sta jo so jich zatepiło♠
anderthalb Hundert ſind ertrunken.

Nur ſelten ſteht bei einem Numerale das Verbum im Plural: ♣tak ẃele, kak
so jeho dotknychu, bychu wustroẃeni♠ ſo viele ihn berührten, wurden
geheilt.

§. 130.

Das Verbum mit der Negation.

♣Ničo♠ nichts, die negative Quantität, denkt man ſich als ein
unbeſtimmtes Subject; daher: ♣ničo ńeje wyše zwostało♠ nichts iſt übrig
geblieben.

Zuweilen geſchieht es wohl auch, daß man ſich in negativen Sätzen die
Negation als ein unbeſtimmtes Subject denkt, wo dann das beſtimmte
Subject, das ſonſt im Nominativ ſtehen würde, in den Genitiv geſetzt
wird: ſo hört man wohl: ♣na cełej hujb́i ani zorna wowsa ńeje♠ auf dem
ganzen Schüttboden gibt es auch nicht ein Körnchen Hafer; ♣na cełoj łucy
stwelca trawy ńejo♠ auf der ganzen Wieſe iſt auch kein Gras-Halm (zu
finden).

§. 131.

Gebrauch des Adjectivs.

Das Adjectiv muß, wie §. 124. geſagt wurde, mit dem Subſtantiv
übereinſtimmen in Zahl, Geſchlecht und Endung. Eben ſo muß in den
Sätzen, welche, wie bei ♣sym♠ und ähnlichen Zeitwörtern, Subject und
Prädicat im Nominativ haben, das Adjectiv, wenn es allein im Prädicat
ſteht, vollſtändig mit dem Subject übereinſtimmen. ♣Naš kral jo sprawny
ha dobry♠ unſer König iſt gerecht und gut. — Iſt das Subject kein
beſtimmter Redetheil, ſondern ein ganzer Satz oder eine Conſtruction
oder ganz unbeſtimmt; ſo ſtehet das Adjectiv im Neutrum, und zwar wird
bei allen Adjectiven mit hartem Endconſonanten in der Regel die zugleich
auch adverbialiſche Form auf ♣o♠ (nicht auf ♣e)♠ angenommen (auch bei
denen auf ♣ki♠ und ♣chi). Zo jo so naše džėćo zatepiło, jo wėrno♠ daß
unſer Kind ertrunken iſt, iſt wahr; ♣kóždomu ńejo dobro so z̀enić♠ zu
heirathen (Subject) iſt nicht Jedermann gut; ♣džensa je ŕeńe hwėzdno♠
heut iſt es ſchön ſternhell. Nicht aber ♣džensa je ńeb́o♠ (Himmel)
♣hwėzdno,♠ ſondern ♣hwėzdne.♠ Bei (dem einfachen) ♣to♠ ſteht nicht ♣o,♠
ſondern ♣e;♠ z. B. ♣to jo dobre♠ dieſes (dieſe Speiſe) iſt gut (ſchmeckt
gut). Manchmal aber, wenn das aus einem ganzen Satze oder aus einer mit
mehreren Worten gebildeten Conſtruction beſtehende Subject voran ſteht,
wird das Prädicat mit dem Wörtchėn ♣to♠ eingelei<pb n="171"/>tet, und
dann deutet dieſes auf den Gedanken, den das Subject ausdrückt, als auf
einen einzigen hin; und in dieſem Falle hat ♣to♠ im Prädicats-Adjective
die adverbialiſche Form auf ♣o. Zo je so naše dz̀ěćo zatepiło, to neje
wėrno. So ženić, pŕedy hač so muž ha žona zceła znajetaj♠ (bevor Mann
und Frau einander ganz kennen), ♣to ńeje dobro.♠

Oft geſchieht es auch, daß das Beiwort die Stelle eines Subſtantiv’s
vertritt; ♣chudeho ha bohateho je Bóh stworił♠ den Armen und den Reichen
hat Gott geſchaffen. Iſt ein ſolches Adjectiv Subject, ſo richten ſich
die andern Worte nach ihm.

§. 132.

Gebrauch des Zahlwortes.

Die Ordnungs- und Gattungszahlen werden rein adjectiviſch gebraucht. Von
den Grundzahlen werden nur ♣jedyn, dwaj, tsjo, s̀tyŕo♠ und von den
übrigen bis ♣džeẃeć stow džeẃeć ha džeẃeć džesaćo♠ u. ſ. w. nur die Form
auf ♣ćo♠ (dieſe als Maſculinum Rationale) als Adjectiv behandelt; die
übrigen: ♣ṕeć, šėsć, sedom♠ u. ſ. w. ſind im Nominativ und Accuſativ
Subſtantive, die den Genitiv bei ſich haben; und in den übrigen Caſus
werden ſie adjectiviſch nach ♣boži♠ declinirt oder als indeclinabele
Adjective behandelt und das Subſtantiv mit ihnen in gleichem Caſus
geſetzt.

♣Jedyn muž, jedyn dub, jene wokno, jena žona.♠

♣Dwaj mužaj, dwaj dubaj, dwė wokńe, dwė žońe.♠

♣Štyŕo mužojo, štyri duby, štyri wokna, štyri žony.♠

Dativ ♣štyŕom mužam, štyri dubam, štyri woknam, štyri žonam.♠ Local
♣štyŕoch mužach, štyri dubach, štyri woknach, štyri žonach.♠ Nominativ
ṕećo mužojo.♠ Accuſativ ♣ṕećoch mužow♠ oder Nominativ und Accuſativ ♣ṕeć
muži, ṕeć dubow, ṕeć woknow, ṕeć žonow.♠ Genitiv ♣ṕećoch mužow, ṕećich
dubow, ṕećich woknow, ṕećich žonow.♠ Dativ ♣ṕećom mužam, ṕećim dubam,
ṕećim woknam, ṕec̀im žonam,♠ Sociativ ♣ṕećimi mužemi, ṕećimi dubami,
ṕećimi woknami, ṕećimi žonami.♠ Local ♣ṕećoch mužach, ṕećich dubach,
ṕećich woknach, ṕećich žonach.♠

Die Grundzahlen von ♣ṕeć♠ an werden aber auch unabgeändert mit allen
Caſus des Subſtantiv’s geſetzt, z. B. ♣do ṕeć muži♠ (bis) auf fünf Mann;
♣k ṕeć dubam♠ zu fünf Eichen; ♣stwa z wosym woknami♠ Stube mit acht
Fenſtern; ♣na džesać žonach♠ auf zehn Weibern.

Anmerkung. ♣P'eć mužow♠ (ſt, ♣muži)♠ ſcheint mir den Principien unſerer
Sprache nach nicht haltbar. Die aus mehreren mit ♣ha♠ und, verbundenen
Numeralien zuſammengeſetzten von ♣jedyn ha dwacyći♠ o. ♣dwacyći ha
jedyn♠ bis ♣tawzynt ha jedyn♠ o. ♣jedyn ha tawzynt♠ laſ<pb n="172"/>ſen
nur das letzte Wort decliniren, die andern bleiben alle unverändert;
auch richtet ſich nur das letzte Numerale nach dem dabei ſtehenden
Subſtantive, und modificirt dieſes nach dem Geſagten; z. B. ♣dwacyći ha
jedyn muž,♠ auch ♣dwacyćo ha jedyn muž♠ oder ♣jedyn ha dwacyćo mužojo♠
und ♣jedyn ha dwacyći muži; jedyn ha dwacyći žonow♠ oder ♣dwacyći ha
jena žona; z ṕeć ha štyrcyćimi♠ oder ♣štyrcyći žonami♠ mit fünf und
vierzig Frauen; ♣k džeẃeć ha tsicyćom mužam♠ zu neun und dreißig
Männern.

Hat ♣sto♠ hundert, ♣dwė sćė, tsi sta♠ u. ſ. w. eine kleinere Zahl bei
ſich, ſo ſtehet die kleinere immer nach; ♣sto ha jena žona; sto ha dwė
kruẃe♠ hundert und zwei Kühe; ♣štyri sta ha ṕeć wołow♠ vier hundert und
fünf Ochſen; und wieder ♣sedom stow ha wosym ha ṕec̀džesat dubow♠ 758
Eichen. Eben ſo mit ♣tawzynt; pšed tawzynt ṕeć stow hȧ dwaj ha
sedomdžesat lėtami♠ von 1572 Jahren.

§ 133.

Gebrauch des Pronomens.

Die perſönlichen Fürwörter werden im Serbiſchen viel ſeltener gebraucht,
als im Deutſchen, da ſchon in den Formen des Zeitwortes die Perſon genau
genug beſtimmt iſt. Die Regel iſt, daß man ſie ſo oft wegläßt, als es
nur ohne Verletzung der Deutlichkeit möglich iſt. ♣Wem, dy póńdu♠ ich
weiß, wann ich gehen werde. ♣Wón praẃi, zo ńesḿe♠ er ſagt, er dürfe
nicht. ♣Dżiće, džež chceće♠ geht, wohin ihr wollt. ♣Jano, dže džeš♠
Johann, wohin gehſt du? Auch beim Imperativ: ♣ryč, zo će słyša; čiń, zo
c̀e widža♠ rede, daß man dich hört; handle, daß man dich ſicht. Nur wenn
bei der dritten Perſon des Singulars oder Duals im Imperativ der Name
derſelben nicht genannt wird, ſo iſt es nöthig, das Pronomen
hinzuzuſetzen; ♣wón pań♠ er falle, ♣wonaj džitaj♠ ſie mögen beide gehen.

Das deutſche »es« wird, wie ſchon oben bemerkt wurde, zuweilen mit
♣wono♠ wiedergegeben; viel öfters aber läßt man es aus, ſelbſt bei den
inperſonellen Zeitwörtern, wo es doch noch am eheſten ſtehen ſollte;
♣ṅejoli so zabłysknyło, tak tez̀ ńejo zahrimało♠ wenn es nicht geblitzt
hat, ſo hat es auch nicht gedonnert. Iſt aber dieſes »es« rein
pleonaſtiſch, und gibt es ein anderes Subject im Satze; ſo darf ♣wono♠
niemals ſtehen: ♣bėše pak wulka drohota♠ es war aber eine große
Theuerung; ♣nėdy bėchu tsjo bratsja♠ es waren einmal drei Brüder. Oder
dieſe Subjecte nehmen zuweilen für »es« das Pronomen der dritten Perſon
in gleichem Geſchlecht, gleicher Zahl und Endung zu ſich; ♣wón ma kóždy
swój rozom♠ es hat Jeder ſeinen Verſtand; ♣woni su to hłupi ludžo hižon
wėšćili♠ es haben das dumme Leute ſchon vorhergeſagt.

<pb n="173"/>

Der Accuſativ von ♣wono♠ es, ♣je♠ ſteht nicht nur als Accuſativ bei den
tranſitiven Verben, ſondern auch als Prädicat bei jenen Zeitwörtern,
welche ſonſt einen doppelten Nominativ, einen des Subjects, den andern
des Prädicats haben. ♣Ja je ńewėm♠ ich weiß es nicht. ♣Ty sy kowaŕ był♠
du biſt Schmied geweſen; ♣ja je hišće sym♠ ich bin es noch; ♣ha budu je
wostac̀♠ und werde es bleiben.

Über den Mißbrauch des ♣tón, to, ta♠ habe ich ſchon §. 102. geſprochen,
hier ſei nur noch bemerkt, daß es überall da mit Recht ſteht, wo ſich
ein Relativ darauf bezieht, wo es zu einem andern Worte einen Gegenſatz
bezeichnen, oder einem Subſtantive ein Gewicht beilegen ſoll. ♣Tu móc,
kiž mi mój wótc dał je♠ die Macht, die mir mein Vater gegeben hat.

Auch dann pflegt man es zu ſetzen, wo ein Subſtantiv im
Poſſeſſiv-Genitiv nach ſeinem Subjecte ſteht, z. B. ♣móc teje cyrkẃe♠
die Macht der Kirche. Jeder Serbe, welcher ſein Sprachgefühl nicht durch
langen ſchlechten Gebrauch dieſer Conſtruction abgeſtumpft hat, wird
augenblicklich die Härte derſelben fühlen. Natürlich, da der Geiſt der
ſlawiſchen Sprache hier ein poſſeſſives Adjectiv fordert; ♣cyrkwina
móc.♠ Jeder gute Schriftſteller und Kanzelredner ſollte ſich vor ſolchen
Fügungen ſorgfältig hüten; da ſie ja in der Regel leicht umgangen werden
können. —

Die fragenden Fürwörter ♣s̀tó♠ und ♣s̀to♠ vertreten bisweilen die Stelle
des unbeſtimmten ♣nėchtó♠ Jemand, ♣nėšto♠ etwas; ♣wėš ty što wot ńeho♠
weißt du etwas von ihm? Das Relativum ♣kiž♠ vertritt die Stelle von
♣kotryž, trež, traž♠ im Nominativ und Accuſativ eines jeden Genus und
Numerus; ausgenommen beim Maſculinum Animatum im Singular, und beim
Maſculinum Rationale im Plural; wo es nur für den Nominativ gilt. ♣Wšicy
ludžo, kiž tam bėchu♠ alle Menſchen, welche dort waren; aber nicht ♣kiž
smy tam widželi,♠ ſondern ♣kotrychž,♠ die wir dort geſehen; ♣póznaj
kubła, kiž ći cyrkeẃ skići♠ erkenne die Güter, welche dir die Kirche
beut. Da ♣seb́e, so, sebi, sej♠ das Reciprocum für alle drei Perſonen
iſt, ſo muß auch ♣swój♠ für mein, unſer, dein, euer, gebraucht werden,
wenn ich, wir, du, ihr im Subjecte des Satzes ſtehen; vergleiche §. 42.
♣džeržu to wo swojich rukach♠ ich halte das in meinen Händen; ♣dži,
zawołaj swojeho muža♠ gehe, rufe deinen Mann; ♣mój nidy swojej
ńeńdžemoj♠ wir beide werden nie die unſern werden (Volkslieder);
♣płakajće na swoje džėći♠ weint über euere Kinder.

Die Poſſeſſiva ♣mój, twój, naš, waš♠ werden überall nur dann geſetzt,
wenn auf denſelben ein ganz beſonderer Nachdruck liegt, wenn ſie einem
andern Worte entgegengeſetzt werden, oder aber, wenn ♣swój♠ zu
Zweideutigkeiten Anlaß geben könnte. Doch wird dieſe Regel nicht ſo
ſtreng beobachtet, als es geſchehen ſollte; ſo ſteht ſchon im Vater
unſer: ♣kaž my woddawamy nas̀im winikam♠ ganz ohne <pb n="174"/>Urſache
für ♣swojim winikam.♠ Das deutſche ſein, ihr, ſein, — ihr: wird nur dann
mit ♣swój♠ gegeben, wenn ſich daſſelbe auf das Subject im Satze bezieht;
♣wón, wona pšeda swój dom♠ er, ſie verkaufte ſein, ihr Haus; ♣wonaj,
woni pšedaštaj, -tej swój dom; woni, wone pšedachu swój dom.♠ Bezieht es
ſich aber auf ein anderes Wort im Satze, ſo wird es durch ♣jeho, jeje;
jeju; jich♠ gegeben. ♣Kńez pšikaza, joho pšedać ha joho žonu♠ der Herr
befahl, ihn zu verkaufen, und ſein (deſſen) Weib; nicht ♣swoju žonu♠ das
hieße, der Herr ließ ſein eigenes Weib verkaufen. Auf die Frage alſo:
♣na čejich końoch jėdžechu♠ auf weſſen Pferden ritten ſie? — wird
geantwortet: ♣na swojich,♠ wenn die Pferde den Reitern gehören; ♣na
jeho,♠ wenn ſie einem andern Manne, ♣na jeje,♠ einer (andern) Frau, ♣na
jeju,♠ wenn ſie zwei andern Eigenthümern, ♣na jich konóch♠ endlich, wenn
ſie mehreren (andern) Menſchen als Eigenthum angehören.

Der Unterſchied zwiſchen ♣mńe, mnu, teb́e, tobu, jeho, jemu♠ und ♣ḿe, će,
mi, ći (ho, mu)♠ iſt ſchon §. 101. angegeben; in dem Satze: ♣što to teb́e
stara♠ was geht das dich an, iſt ein anderer Sinn, als in dem: ♣što će
to stara♠ was geht dich das an.

Gebrauch des Zeitwortes.

§. 134.

In Rückſicht auf Perſon, Geſchlecht, Zahl.

In dieſen drei Punkten muß das Zeitwort dem Subjecte angemeſſen ſein;
beſonders muß man ſich hier vor Verwechſelung des Geſchlechtes im Dual
und Plural hüten. ♣Ja joh ńejsym znał, znało, znała♠ ich habe ihn nicht
gekannt; ♣našej žońe joh ńejstej widžałoj (widz̀eli)♠ unſere (beiden)
Frauen haben ihn nicht geſehen. Doch wird in der gemeinen Rede häufig
der eigentlich nur dem rationalen Maſculin zukommende Ausgang ♣li♠ im
Plural nicht bloß bei allen männlichen, ſondern ſelbſt bei den
weiblichen und ſächlichen Subſtantiven geſetzt. Ob das gute
Schriftſteller nachahmen werden, ſteht im Zweifel. So ſagt man: ♣syc̀cy
su počeli kosy klepać♠ die Schnitter haben angefangen die Senſen zu
dengeln; ♣włosy su jom počeli♠ (ſtatt ♣počało) rosć♠ die Haare haben ihm
angefangen zu wachſen; ♣žony su počeli♠ (ſtatt ♣počało) serpy wótsic̀♠
die Frauen haben angefangen die Sicheln zu wetzen; ♣wokna su počeli
(počało) so poćić♠ die Fenſter haben angefangen zu ſchwitzen.

<pb n="175"/>

§. 135.

In Hinſicht auf die Form.

Ob man in einem Satze das Zeitwort in der durativen, oder iterativen, in
der frequentativen oder bloß momentanen Form gebrauchen ſoll, hängt
einzig davon ab, wie die Handlung oder der Zuſtand beſchaffen iſt. So
heißt: ♣wón chodži wokoło swojich dz̀ėłac̀eŕow♠ er geht bei ſeinen
Arbeitern auf und ab; ♣wón dže wokoło swojich džėłaćeŕow♠ er macht einen
Gang um ſeine Arbeiter herum (und geht dann wieder weg); ſo heißt ♣ńeńdž
na piwo♠ gehe dieſes Mal (heute) nicht zu Biere; ♣ńechodž na piwo♠ aber
gehe niemals zu Biere.

§. 136.

In Hinſicht auf den Imperativ.

In ſeltenen Fällen vertritt in den Sätzen des Zugebens der Imperativ den
Conceſſiv; ♣daj habó ńedaj♠ du magſt geben oder nicht; doch ſagt man da
lieber die zweite Perſon Sing. Präſ.: ♣daš habó ńedaš; chceš habó
ńechaš♠ du magſt wollen oder nicht.

§. 137.

Über das Plusquamperfectum.

Das Plusquamperfectum ſollte bei der Bezeichnung deſſen verwendet
werden, was vor dem Perfectum geſchehen iſt: ♣ha tak dokońa Boh sedmy
džeń swoje džėło, kiž bė čińił, Gen. 2. 2. Dokeliž ja sym tón gróš
namakała, kotryž bėch zhubiła♠ denn ich habe den Groſchen gefunden, den
ich verloren hatte, ♣quam perdideram.♠ Im gemeinen Leben wird dieſes
weniger beobachtet; deſto öfter aber wird das Plusquamperfectum durch
ein Adverbium oder auch dadurch bezeichnet, daß man ein
zuſammengeſetztes Zeitwort nimmt; ♣dyž smy posnėdali, wstupi mój bratr
dójstwy♠ als wir gefrühſtückt hatten, trat mein Bruder in das Zimmer.

§. 138.

Das Präſens ſtatt des Perfectums.

In lebhaften Erzählungen, doch nur in der vertraulichen Umgangsſprache,
und in der maleriſchen, nicht aber in der ernſten, hi<pb
n="176"/>ſtoriſchen Schreibart, wird auch das Präſens (und bisweilen
ſogar das kurze Futurum) anſtatt des Perfectums gebraucht: ♣Ja pšindu,
poladnu wokoło so, ha što bė?♠ Ich komme, blicke um mich, und was war’s?
—

§. 139.

Gebrauch des Imperfectums.

Das Imperfectum wird, faſt wie der griechiſche Aoriſt, nur zur Erzählung
gebraucht; die Handlung mag nun dauernd ſein (lateiniſch Imperfectum)
oder als vergangen erzählt werden (lateiniſch Perfectum).

♣My wėmy wot swojich wótcow, zo bėchu pohańo♠ wir wiſſen von unſern
Vorfahren, daß ſie Heiden waren. ♣Ha kńez ryčeše z Mojzasom ha džeše:♠
Und der Herr ſprach mit Moiſes und ſagte.

Anmerkung. Über den Gebrauch des Optativs (Subjunctiv’s) iſt ſchon §.
61. bei der Bildung deſſelben, ſo wie bei dem Zeitworte ♣sym♠ §. 117.
und ♣ćėŕu♠ §. 118. genug geſagt worden.

§. 140.

Gebrauch des Paſſivums.

Schon oben §. 64. ſagten wir, daß das Paſſivum mit dem Particip Perf.
Paſſ. faſt nie gebraucht wird. Am gewöhnlichſten ſetzt man dafür ♣so♠
mit dem Activ, wenn keine Zweideutigkeit zu befürchten iſt; als:
♣Krystus jo so narodžił♠ Chriſtus wurde geboren. Am nächſten kommt der
lateiniſchen Form auf ♣or♠ das paſſive Particip mit ♣bych;♠ als: ♣ja
bych namakany inveniebar♠ oder ♣inventus sum.♠

Anmerkung. Recht wahr und gut bemerkt Herr Seiler, »daß unſere Sprache
mehr Gefühls- und Anſchauungsſprache, als die (reflectirende) deutſche,
weit öfter den lebendigen Ausdruck durch Verba und andere
Zergliederungen gebraucht, wo im Deutſchen Abſtracta geliebt werden.«

§. 141.

Participial-Conſtruction.

Das Zuſammenziehen zweier Sätze in einen geſchieht vermittelſt der
Participial-Art, die man Gerundium oder Transgreſſiv nennt. Da aber
dieſes weder Declination, noch Genus und Numerus hat, <pb n="177"/>ſo
müſſen, damit keine Zweideutigkeit entſtehe, die beiden zuſammen zu
ziehenden Sätze ein und daſſelbe Subject haben: ♣woni spėwajo ha juskajo
na piwo du♠ ſie gehen ſingend und jauchzend, indem ſie ſingen und
jauchzen, zu Biere. ♣Ztyknyws̀i rucy so modlić♠ mit gefalteten Händen
beten, indem man die Hände faltet. Obwohl die Form auf ♣wši♠ eigentlich
nur dann gebraucht werden ſollte, wenn die Handlung des Gerundiums
früher geſchehen iſt, als die des beſtimmten Verbums; ſo wird doch
darauf wenig geachtet, und man nimmt jenes Transgreſſiv, welches ſich
leichter bilden läßt, oder überhaupt gebräuchlicher iſt.

Sehr ſelten iſt der Fall, daß dieſes Transgreſſiv im Accuſativ ſteht,
wie z. B. ♣wón ws̀itko stejo ha ležo wostaẃi♠ er ließ alles ſtehen und
liegen (eigentlich ſtehend und liegend).

Bei einigen Zeitwörtern wird auch die Form des Particips im Präſens auf
♣cy♠ ohne Unterſcheidung des Geſchlechtes und der Zahl transgreſſiviſch
gebraucht; ♣wón ducy ke mńe pšińdże♠ er kam, als er ging, auf dem Wege,
zu mir; ♣budžće tak dobri, pšińdžće ducy k nam♠ ſeid ſo gut, kommt auf
dem Wege zu uns; ♣wona nas ducy wopyta♠ ſie beſuchte uns, als ſie
(vorüber) ging. ♣Nas̀e dz̀ėćo spicy woła♠ unſer Kind ſchreit im Schlafe,
während es ſchläft. ♣Wone so spicy zpalichu♠ ſie (die Frauen, die
Thiere) verbrannten ſchlafend, im Schlafe, während ſie ſchliefen.

Gebrauch der Partikeln.

§. 142.

Adverbien.

In der natürlichen Rede muß das Adverbium immer unmittelbar vor dem
Worte ſtehen, zu welchem es gehört. ♣Ja sym jara mało bėhał♠ ich bin
ſehr wenig gelaufen; aber ♣ja sym mało jara bėhał♠ hieße, ich bin ſelten
ſchnell gelaufen.

♣Rad (rady), rade, rada♠ vertritt das Adverbium; ♣ja će rad widžu♠ ich
ſehe dich gern; ♣my smy jom radži pšiposkwali♠ wir haben ihm gern
zugehört. Doch hört man auch ♣rad♠ und ♣rady♠ (wie ein Adverbium) bei
jedem Geſchlecht und jeder Zahl; ♣waše džėći su rady pa nas♠ euere
Kinder ſind gern bei uns. Eben ſo iſt es mit dem Comparativ ♣radši♠ oder
♣radsi; žony su radši♠ oder ♣radsi w mėsće♠ die Frauen ſind lieber in
der Stadt, ♣džėći chcedža radši♠ oder ♣radsi do zahrody hić♠ die Kinder
wollen lieber in den Garten gehen.

Das Adverbium ♣peča♠ — dem čechiſchen ♣prý♠ entſprechend — (vielleicht
aus ♣poẃedža♠ zuſammengezogen) ſteht nur beim Zeitwort <pb n="178"/>und
gibt dem Satze die Bedeutung von Etwas Ungewiſſem, das das Gerücht
verbreite; ♣wón chce peča jich Maŕu mėć♠ er will, ſo heißt es, ſo höre
ich, ſo ſagt man, ihre Marie haben.

Übrigens ſind die Adverbien ihrer Beſtimmung nach keiner Rection fähig.
Die Setzung eines Caſus können ſie nur dann veranlaſſen, wenn ſie 1) die
collectiven Zahlwörter vertreten: ♣wšoho dosć♠ von allem genug; 2) wenn
ſie als Präpoſitionen gebraucht werden (§. 143.): ♣blizko našeje łuki♠
nahe an unſerer Wieſe; und 3) endlich, wenn ſtatt des Adjectiv’s, das
einen Caſus regiert, das Adverbium geſetzt wird; ♣tomu ruńa♠ dem gleich.

§. 143.

Präpoſitionen.

Die Präpoſitionen ſtehen vor dem Worte, welches ſie regieren. Nur ♣dla♠
wird immer nachgeſetzt, daher ♣dla tebe♠ (Lubenſki’s ♣Marja)♠ nicht
nachzuahmen. Beim Local wird die Präpoſition ♣w, we, wo♠ in, häufig
weggelaſſen; dagegen ſteht im Sociativ immer ♣z, ze♠ mit, auch wenn er
Inſtrumental iſt, z. B. ♣z nožom♠ mit dem Meſſer ♣cultro♠ (ſchneiden),
wo c̃echiſch und ſlawiſch überhaupt ♣nožem,♠ ja ſelbſt ♣otcem, synem♠
von, durch den Vater, Sohn (gemacht).

Die Wiederholung der Präpoſition findet nur des Nachdrucks wegen und in
Gedichten ſtatt; ♣na łučku na zelenu♠ auf die Wieſe, die grüne.

Außer den im §. 65. aufgezählten wirklichen Präpoſitionen werden aber
auch noch ſehr viele einfache und (mit Präpoſitionen) zuſammengeſetzte
Adverbien als Präpoſitionen gebraucht und mit dem Genitiv conſtruirt.
Sie ſind: ♣blizko♠ nahe, ♣blizko pola♠ nahe am Felde; ♣bliz̀e,♠
Comparativ des vorigen, ♣bliz̀e dwora♠ näher am Hofe; ♣dale♠ weiter von,
♣dale hunow♠ hinter den (das Gehöfte umgebenden) Mauern; ♣melčo♠ ohne
Wiſſen ♣clam, melčo kńeza♠ ohne des Herren Wiſſen; ♣ńedaloko♠ ohnweit,
♣ńedaloko wsy♠ ohnweit des Dorfes; ♣nimo♠ vorbei, ♣nimo cyrkẃe♠ neben
der Kirche vorbei; ♣niz̀e♠ unterhalb, ♣niže słónca♠ unterhalb der Sonne;
♣pódla♠ neben, ♣pódla nosa♠ neben der Naſe; ♣posledy, z posledy♠ ſpäter,
nach, ♣posledy kńežich♠ nach der Herrſchaft; ♣pŕedy♠ vor, ♣pŕedy syna jo
nan♠ vor dem Sohne iſt der Vater; ♣sŕedža♠ oder ♣wósŕedža♠ immitten
darin, ♣wósŕedža polow♠ mitten in den Feldern; ♣wosŕedž♠ oder ♣sŕedž♠
ſtatt ♣wsŕedž♠ immitten hinein; ♣wosŕedž polow♠ mitten in die Felder
hinein; ♣zesŕedža♠ aus der Mitte heraus, ♣zesŕedż♠ oder ♣zesŕedža cełej
c̀ródy♠ mitten aus der ganzen Herde heraus; ♣woko, wokoło♠ rings umher,
♣wokoło studńe♠ um den Brunnen herum; ♣wyše (wóše)♠ oberhalb, ♣wyše
mróčeli♠ über den Wolken; ♣zady, ze zady♠ hinter, ♣ze zady hunow w
zahrodže♠ hinter den Hofmauern im Garten <pb n="179"/>(Seiler);
♣zblizka♠ von der Nähe, ♣zblizka woweow♠ nahe bei den Schafen; ♣zboka♠
ſeitwärts, ♣zboka rėki jo mėsto♠ ſeitwärts von dem Fluße iſt eine Stadt;
♣zkónca♠ am Ende, ♣sedžiš zkónca kerkow♠ du ſitzeſt am Ende der
Sträucher; ♣znutska♠ innerhalb, ♣znutska čłoẃeka jo čma♠ innerhalb des
Menſchen, im Innern, iſt Finſterniß; ♣zpody♠ unterhalb, ♣zpody hłowy jo
hłowak♠ unter dem Haupte iſt ein Hauptkiſſen; ♣zẃercha♠ oberhalb,
bezeichnet ein ſehr nahes Daraufſein; ♣zẃercha końa ležeše wojak mordwy♠
ober ſeinem Pferde lag der todte Krieger; ♣zwonka♠ außerhalb, ♣zwonka
čłoẃeka jo meńe džiwneho hač znutska♠ im Äußeren des Menſchen iſt
weniger Wunderbares, als im Innern.

1. Anmerkung. Stehen dieſe adverbiellen Präpoſitionen bei einem
Zeitworte, ſo darf man ſie mit dieſem nicht als ein Wort ſchreiben, wie
die eigentlichen Präpoſitionen.

2. Anmerkung. ♣Móc♠ Kraft, als Präpoſition zu gebrauchen, z. B. ♣móc
mojeho hamta♠ Kraft meines Amtes, iſt meines Erachtens nicht
nachzuahmen. Sehr zweckmäßig wäre es, wenigſtens in der Schrift ♣ḿez♠
zwiſchen von ♣bez♠ ohne zu unterſcheiden; alſo zu ſchreiben; ♣ḿez
druhimi♠ unter andern, ♣ḿez pšećelow♠ unter Freunde; aber ♣bez pšećelow♠
ohne Freunde.

§. 144.

Die Negation ♣ńe, nic, ani♠ oder ♣anic.♠

Die negative Partikel ♣ńe♠ nicht, wird in negativen Sätzen ſtets mit dem
beſtimmten Zeitworte verbunden, und zwar zu einem Worte. Hat das
Zeitwort aber das Hilfszeitwort bei fich, ſo bekommt dieſes die
Partikel; ♣ńedam, ńedach, ńedaj, ńedać, ńedajo, ńedawajo, ńedawši,
ńedawawši; ńejsym dał, ńebėch, ńebych, ńebudžich dał; ńebudu dać; ńejsym
daty.♠ Daher auch ♣ńejsym był, ńebych był♠ von ♣byc̀.♠

Höchſt ſelten wird ♣ńe♠ mit dem Particip des Perfects (nicht mit dem
Hilfsverbe) verbunden; ♣za tym bėchu so tež ći najmudriši ńedopytali♠
dahinter waren auch die Allerklügſten nicht gekommen.

In den abhängigen Sätzen ſchwankt der Sprachgebrauch; ♣mój bratr ńebė
wumŕeł♠ mein Bruder wäre nicht geſtorben; ♣ja bych ńeẃedžił♠ ich wüßte
nicht. Röm. 7, 7.

Nach ♣zo,♠ wenn es ♣ut♠ oder ♣utinam♠ bedeutet, ſteht ♣ńe♠ gewöhnlich,
nach ♣dy♠ aber, wenn ♣bych♠ oder ♣budžich♠ darauf folgt, immer beim
Particip; ♣zo by tež tón ńewumŕeł♠ damit nicht auch der ſtürbe; ♣zo
budžiše ty tola ńemelčał♠ daß du doch nicht geſchwiegen hätteſt; ♣dyby
zakoń ńepraẃił♠ wenn das Geſetz nicht ſagte.

Soll durch ♣ńe♠ der ganze Satz negativ ſein, ſo ſteht es vor <pb
n="180"/>dem beſtimmten Verbo; ſoll aber blos ein einzelnes Wort negativ
werden, ſo kann es auch dieſem vorgeſetzt werden; z. B. dem Infinitiv,
wenn es der Sinn erfordert; ♣woni tŕebachu nam jenoj ńepomhać♠ ſie
brauchten uns nur nicht helfen, uns ohne Hilfe laſſen. Beſonders, wenn
zwei Sätze, ein bejahender und ein verneinender, verkürzt werden ſollen,
um das beſtimmte Verbum nicht zu wiederholen; ♣ńewė, komu ma dać habó
ńedać♠ er weiß nicht, wem er geben ſoll und wem nicht.

Iſt in einem Satze, deſſen beſtimmtes Verbum eine Verneinung enthält,
ein anderes mit ♣ńe♠ zuſammengeſetztes Wort, ſo iſt der Satz, wie im
Deutſchen, ein indirect bejahender; ♣mój ńemóžemój so zdžeržeć, zo
bychmój ńeryčałoj♠ wir können uns nicht enthalten, nicht zu ſprechen,
das heißt: wir müſſen ſprechen. Eben ſo, wenn ♣ńe♠ zweimal im Satze
vorkommt; ♣to ńeje ńemóžno♠ das iſt nicht unmöglich.

Doch machen die andern negativen Redetheile das ♣ńe♠ vor dem Zeitworte
nicht entbehrlich, da ſie ſich nicht unter einander aufheben; ♣ja nidy
nikom ničo ńeb́eru♠ ich nehme nie Jemandem Etwas. Infinitive, die von
negirten Verben regiert werden, erhalten kein ♣ńe; ja ńemóžu jėsć ha
pić♠ ich kann nicht eſſen und trinken, oder ♣jėsć ani pić♠ (nicht) eſſen
noch trinken, am beſten aber: ♣ja ńemóžu ani jėsć ani pic̀.♠

Anmerkung. ♣To ńeje kłničom♠ heißt das taugt zu nichts.

Steht eine Negation, das deutſche nicht, ohne ein Zeitwort, für ſich
allein da; ſo wird es im Serbiſchen mit ♣nic♠ gegeben: ♣hač dotal, ha
dale nic♠ bis her und nicht weiter; ♣nic ponižny ha nic naduty♠ nicht
demüthig und nicht aufgeblaſen; ♣hač maš habó nic♠ ob du haſt oder
nicht; ♣nic brać, hale dawać jo ŕeńe♠ nicht nehmen, ſondern geben iſt
ſchön; (weil hier ♣brać♠ mehr für das Verbal-Subſtantiv ſteht. das
Nehmen). Den negativen Redetheilen, welche kein Zeitwort bei ſich haben,
wird ♣nic♠ zur Verſtärkung nachgeſetzt; ♣ha to nidy nanidy nic♠ und das
nun nie und nimmer mehr. Seltener wir ♣nic♠ in unbeſtimmt verneinenden
Sätzen nach einem oder dem andern Worte, jedoch vor der Negation ſelbſt,
in der Bedeutung des deutſchen »wohl, etwa, vielleicht« geſetzt, wie
etwa in: ♣teb́e nic ničo ńemyli♠ dich irrt wohl nichts?

Wenn ♣ani♠ oder ♣anic (hani, hanic)♠ ſich nur auf einen Theil bezieht,
nur ein oder ein Paar Worte beſonders hervor hebt, ſo darf das Verbum
die negative Partikel nicht verlieren. ♣Hanic słyšeć won ńechaše wo tym♠
davon wollte er nicht einmal etwas hören. Stehet es aber ſtatt ♣neque —
neque♠ weder — noch, ſo iſt ♣ńe♠ überflüſſig, weil ſchon ♣anic♠ den
ganzen Satz verneinet. ♣Ja ani wėm, ani rozeḿu, što ty praẃiš♠ ich weiß
es weder, noch verſtehe ich, was du ſageſt. Doch ſteht häufig ♣ńe♠ noch
dabei; ♣wón ńeje anic zymny, anic ćopły♠ er iſt weder kalt noch warm.

<pb n="181"/>

§. 145.

Gebrauch der Bindewörter.

Viele Verhältniſſe zwiſchen ganzen Sätzen und einzelnen Gliedern können
nicht anders, als vermittelſt der Conjunctionen, die ſich auf einander
beziehen, bezeichnet werden. Solche ſind: ♣ani — ani; anic — anic (hani
— hanic), ani tu — ani tam♠ weder hier noch dort; ♣habó — habó, habó ja,
habó ty♠ entweder ich, oder du; ♣jakož — tak, jakož my, tak tež wy♠ wie
wir, ſo auch ihr, oder ♣kaž my tak tež wy; nic jenoj — hale tež, nic
jenoj nan hale tež mać♠ nicht nur der Vater ſondern auch die Mutter;
♣hač ruńe — tola♠ obgleich — doch.

Nach ♣jeli, jelizo, hejzo♠ und andern conditonalen Partikeln hat der
Serbe kein dem deutſchen »ſo« entſprechendes Bindewort; er läßt daher
den Nachſatz gewöhnlich ohne Partikel, manchmal mit dem aus dem
Deutſchen übernommenen ♣da♠ auf den Vorderſatz folgen: ♣ńechašli won
hić, (da) wostań doma♠ willſt du nicht hinaus gehen, ſo bleibe zu Hauſe.

Der richtige Gebrauch der Conjunctionen hängt ſowohl von ihrer
Bedeutung, als von der Verbindung des Satzes, in dem ſie ſtehen, mit dem
Ganzen ab.

♣A, ha♠ und, verbindet ganz gleichartige Sätze, oder einzelne
(gleichartige) Wörter; ♣muž ha žona.♠

♣Abó, habó♠ oder, disjunctiv im Nachſatze oder bei einzelnen Gliedern:
♣ńech jėsće, habó pijeće, habó štožkuli činiće♠ ihr möget eſſen oder
trinken, oder ſonſt etwas thun. ♣Habó — habó♠ entweder — oder: ♣habó
ṕeńezy habó žiẃeńo♠ entweder Geld oder Leben.

♣Ale, hale♠ aber, copulativ, etwas Unerwartetes anzeigend; ♣hale štó bė
so nadžał♠ aber wer hätte erwartet; auch mit ♣wšak; hale wšak bė nan tež
sobu♠ aber es war ja der Vater auch mit; 2) adverſativ: aber, ♣hale to
hišće ńeje wšitko♠ aber das iſt noch nicht Alles; beſonders nach
vorangegangenem ♣dŕe (deŕe)♠ zwar; ♣ja dŕe sym joh widžał, hale
znazdala♠ ich habe ihn wohl geſehen, aber von Ferne. 3) Mit
vorangehender Negation: ſondern: disjunctiv: ♣nic ty, hale twój bratr♠
nicht du, ſondern dein Bruder.

♣Ani, anic, hani, hanic♠ in verneinenden Sätzen excluſiv: ♣hani nan,
hani mać staj tam byłoj♠ weder der Vater, noch die Mutter ſind dort
geweſen; 2) copulativ bei vorangehender Negation: ♣ja ńejsym
ńedočakliwy, ani ńehańbity♠ ich bin nicht ungeduldig, noch (und nicht)
unverſchämt; 3) eine Verſtärkung, Bekräftigung des früheren Gedankens
anknüpfend: ♣ńerudž so, hani ńemorkotaj♠ gräme dich nicht, ja murre
nicht einmal; ♣ńepraẃ jom ani słowčka♠ ſage ihm auch nicht ein Wort.

♣Bórńe (byrńe♠ ſtatt ♣by ruńe♠ es ſei gleich) conceſſiv, wenn auch, <pb
n="182"/>wenn gleich; immer mit dem Subjunctiv: ♣byrńe byšće ḿe
zarazyli♠ und wenn ihr mich auch todtſchläget, ſo . . .

♣By♠ ſlawiſch »es ſei« von ♣być,♠ nur noch in ♣by ruńe♠ es ſei gleich,
erhalten.

♣C̀im♠ deſto, den Comparativ ſteigernd: ♣wón pak čim bóle wołaše♠ er
ſchrie aber deſto (um ſo) mehr. 2 (♣čim — ćim♠ in gleichem Verhältniſſe
ſteigernd: ♣čim wys̀i sy, ćim bóle so ponižuj♠ je höher du biſt, deſto
tiefer demüthige dich. Nicht ſelten wird ♣čim — ćim♠ auch weggelaſſen:
♣wys̀e stupiš, dale widz̀iš♠ je höher du ſteigſt, deſto weiter ſiehſt du.

♣Da♠ ſo, da (aus dem Deutſchen), den Nachſatz einleitend: ♣ńebudžeš
poskać, da budžeš bity♠ wirſt du nicht gehorchen, ſo bekommſt du
Schläge. 2) Eine Schlußfolgerung zu bezeichnen; da ſteht es zweimal,
oder wird andern Conjunctionen und Wörtern, beſonders Fragewörtern zur
Verſtärkung nachgeſetzt: ♣Ha dokeliž syn, da da tež herba boži♠ und weil
Sohn, ſo denn auch Erbe Gottes; ♣dži da♠ nun ſo gehe doch; ♣ńeje da
žadyn kónc♠ iſt denn kein Ende? ♣da pój da zasy♠ ſo komm denn wieder;
♣dokeliž da♠ weil alſo; ♣byrńe da♠ wenn gleich alſo; ♣dyda♠ wann denn;
♣s̀tó da♠ wer denn?

♣Dójž♠ ſo lange: ♣dójž je džeń♠ ſo lange es Tag iſt. 2) Bis, häufig mit
einem pleonaſtiſchen ♣ńe♠ im Satze: ♣wostań tu, dójž dešćik ńepšestańe♠
bleibe hier, bis der Regen (nicht) aufhört. Doch ſetzt man in dieſer
Bedeutung häufig auch ♣hač.♠

♣Dokelž, dokeliž♠ weil, da, urſächlich; ♣dokeliž was ńeznaju♠ weil ich
euch nicht kenne. (In den katholiſchen Evangelien häufig überflüſſig, an
der Stelle des griechiſchen # nach # und dergl.).

♣Dy,♠ mit dem Sabjunctiv: ♣dy byšće mi to wotrunali, da bych ja zpokojom
był♠ wenn ihr mir das wieder erſtatten würdet, ſo wäre ich zufrieden.
Als Fragepartikel, wann; mit jedem Modus: ♣dy sy pšišoł♠ wann biſt du
gekommen? ♣dy bys̀c̀e mi to dać móhli♠ wann könntet ihr mir das wohl
geben?

♣Dyž♠ wenn ♣si,♠ conditional; ♣to wulkeho wub́erka nimaš, dyž maš jene♠
da haſt du keine große Auswahl, wenn du nur eines haſt. 2) Als, wann,
die Zeit bezeichnend: ♣dyž wstanych♠ als ich aufſtand; 3) ſeltener da,
weil, cauſal; ♣z tobu z̀ana ryč ńeje, dyž sy hłuchi♠ mit dir iſt keine
Rede, da du taub biſt.

♣Dyz̀li♠ als, beim Comparativ; ♣študwawši, dyžli kuly - rėpa na Swėčk -
Maŕu♠ holziger, als eine Kohlrübe zu Lichtmeß.

♣Duž:♠ da nun, da alſo, anreihend und beſchließend: ♣duž wstaže Pėtr♠ da
nun ſtand Petrus auf; ♣kńez ńejo doma, duž čeledž ńewė, što džėłać♠ der
Herr iſt nicht zu Hauſe, und da weiß alſo das Geſinde nicht, was es
arbeiten ſoll.

♣Dz̀ėn♠ ja, im Sinne des: ja eben, eben ja, nach einem oder mehreren
Wörtern explanativ: ♣my džėn haklej smy wuswobodženi♠ wir ſind ja eben
erſt erlöſt.

<pb n="183"/>

♣Ha♠ denn, zu unterſcheiden von ♣ha♠ und, nur verſtärkend bei
Fragewörtern: ♣s̀tó - ha je♠ wer iſt s denn? ♣dže - ha sy był♠ wo biſt du
geweſen? So viel wie ♣štó - da, dže - da.♠

♣Hač♠ als, nach Comparativen und nach ♣tak♠ mit Adjectiven und Adverbien
im Poſitiv: ♣chłódnis̀o, hač hewak♠ kühler, als ſonſt; ♣tak deŕe hač
móz̀u♠ ſo gut, als ich kann. 2) Ob, bei directen und indirecten Fragen:
♣hač chceš hić haby nic♠ willſt du gehen oder nicht? ♣s̀tó wė, hač bė
štuka habó lin♠ wer weiß, ob es ein Hecht oder eine Schleie war. 3) Bis,
♣usque (usque dum), hač so to ws̀itko stawać poc̀ina♠ bis dieſes alles zu
geſchehen anfängt; ♣(usque ad) hač do bėłoho dńa♠ bis zu hellem, lichtem
Tage. 4) Für ♣jolizo♠ falls, bedingend; ♣hač hotowi ńejsće, da so
hladajc̀e♠ falls ihr nicht fertig ſeid, ſo ſehet euch vor. 5) Daß, das
conſecutive ♣ut; ja so stróžich, hač ts̀epotam♠ ich erſchrack (ſo), daß
ich noch zittere.

Mit ♣hač♠ werden eine Menge anderer Bindewörter gebildet; theils durch
Zuſammenſetzung; ♣hac̀ ruńe♠ ſo viel als ♣by ruńe, byrńe, bórńe♠ (ſ. d.);
theils durch Anreihung an ein Adverbium der Zeit; ♣potym hač♠ nachdem;
♣pŕedy hač♠ bevor; ♣tak dołho hač♠ (z. B.) ♣ja pši tebi zwostanu♠ ſo
lange als ich bei dir bleibe; ♣tak chėtsje hač♠ (z. B.) ♣ja woteńdu♠ ſo
bald (als) ich weggehe.

♣Hejzo♠ (ſiehe ♣jolizo).♠

♣Jako♠ wie, comparativ; wenn ein Poſitiv oder ♣tak♠ vorangehet oder im
Nachſatze ſteht; ♣bėły jako snėh♠ weiß wie Schnee: ♣jako des̀ćik lačnu
zeḿu napowa, tak ...♠ wie der Regen die dürſtende Erde tränkt, ſo ... 2)
Als, explanativ: ♣wońi jako kńeža;♠ ſie als Herrn. Doch ſeltener und
weniger gut. 3) Als, beim Comparativ: ♣ks̀iws̀i jako prudło♠ krummer als
ein (Bogen) Sprenkel. 4) Als ob, mit dem Subjunctiv; ♣jako by žadyn Bóh
na ńeb́esach ńebył♠ als wäre kein Gott im Himmel. 5) Als, von der Zeit;
♣ha jako so jeje čas dopelńi♠ und als ihre Zeit ſich erfüllte ...

♣Jo-li, jolizo♠ auch ♣hejzo, hejzy, hejzoli, hejzyli, (est-ce-que)♠
ſlawiſch ♣jestliže,♠ wenn, falls, conditional; ♣jo-li-zo budžeš jom
pisać, ŕek jom wele dobroh wotemńe♠ im Fall, daß du ihm ſchreiben wirſt,
ſo ſage ihm einen ſchönen Gruß von mir. Steht in demſelben Satze ſchon
das Zeitwort ♣jo♠ iſt, ſo kann ♣jolizo♠ ſtehen bleiben, oder an deſſen
Stelle nur ♣-li♠ geſetzt werden: ♣jo-li-zo jo to twoja wola,♠ oder
♣jo-li to twoja wola♠ wenn das dein Wille iſt.

♣Jenoj♠ nur, ♣jenoj zo; jenoj zo će nichtó ńepytńe♠ nur daß dich Niemand
bemerkt.

♣Kak♠ wie, als ob, mit folgendem Subjunctiv; ♣wón c̀ini, kak by nėmy był♠
er macht, als wenn er ſtumm wäre.

♣Kaz̀ — tak,♠ wie — ſo; ♣kaz̀ nan tak syn♠ wie der Vater ſo der Sohn; oder
der Vater ſo wohl, als der Sohn; ♣kaz̀ jo to dobył, tak jo to wotbył♠ wie
gewonnen ſo zerronnen.

♣Kiba, kibali♠ (beſſer ♣chiba)♠ außer, ausgenommen, excluſiv; ♣ni<pb
n="184"/>chtó, kibali wótc♠ Niemand außer dem Vater. 2) ♣Kiba zo, kibali
zo♠ außer daß, es ſei denn, daß; ♣kiba zo pochwatamy♠ außer wenn wir ein
wenig eilen.

♣Lėdom, lėdym♠ kaum, mit ♣zo,♠ Zeit beſtimmend; ♣lėdom zo wuńdžech♠ kaum
daß ich hinaus ging.

♣-Li♠ ob ♣utrum, num.♠ 1) Eigentlich ein Adverbium, das dem Verbo und
andern Wörtern angehängt wird. Im Serbiſchen wird es jedoch immer nur
als 2) Bedingend, wenn, gebraucht: ♣chceće-li, ja to chėtsje wudžėłam♠
wollet ihr, ſo mach ich es ſchnell fertig.

♣Ńech♠ mag, dient zur Bildung des Conceſſiv, und kann ſowohl den
Indicativ als den Subjunctiv bei ſich haben. ♣Ńech kóždy čini, s̀toz̀ so
jom lubi♠ mag ein Jeder thun, was ihm beliebt; ♣ńech jenoj by će nan
widžał♠ möchte dich nur der Vater ſehen.

♣Ńez̀li♠ als, nach (negirten) Comparativen: ♣radsi prosyć, ńez̀li kradnyć♠
lieber betteln, als ſtehlen (Seiler, mir unbekannt).

♣Nydym♠ ſtracks, ſogleich; ♣nydym so wohlada♠ ſtracks wandte er ſich um;
♣nydym hač tam pšińdžeš♠ ſo bald du hinkommſt.

♣Nic jeno (jenoj) — hale tež♠ nicht nur, ſondern auch: ♣nic jenoj
mužojo, hale tez̀ žony♠ nicht nur Männer, ſondern auch Frauen.

♣Pak♠ aber, adverſativ, immer nach einem oder mehreren Wörtern ſtehend;
♣wón pak mi slubi zasy ps̀ińć♠ er aber verſprach mir wieder zu kommen
(Volkslied). 2) Aber, copulativ, in der Bedeutung »wieder ein Mal« (das
Volk ſagt in dieſem Falle in der Regel ♣pa,♠ ohne ♣k); maće pa (pak)
wotawu na pšedań♠ habt ihr aber (wieder ein Mal) Grummet zum Verkauf? 3)
Seltener für ♣habó,♠ oder; ♣ty krańeš, pak maš zmija♠ du ſtiehlſt, oder
haſt du einen Drachen. 4) ♣Pak — pak♠ entweder, oder; beſonders bei
Imperativen: ♣pak dži, pak wostań♠ entweder geh, oder bleibe. ♣Pak —
pak,♠ oder ♣pa — pa,♠ bald — bald; ♣pa — pa pa,♠ bald — bald (wieder ein
Mal); ♣pa pa — pa pa,♠ bald (wieder ein Mal) — bald (wieder ein Mal);
♣pak sym chudy, pak sym bohaty♠ bald bin ich arm, bald reich; ♣pa sym
chudy, pa pa bohaty♠ bald bin ich arm, bald wieder ein Mal reich; ♣pa pa
sym chudy, pa pa sym bohaty♠ bald bin ich wieder ein Mal arm, bald
wieder ein Mal reich.

♣Potajkim♠ demnach, demzufolge, concluſiv-cauſal; ♣potajkim maće wy to
za was̀u winwatosć♠ dem zufolge haltet ihr das für euere Pflicht?

♣Potym hač♠ nachdem, Zeit anzeigend; ♣potym hač bė wotjėł♠ nachdem er
weggefahren war; 2) je nachdem, die Art bezeichnend; ♣potym hač wy so
wuznajeće♠ je nachdem Ihr euer Bekenntniß darleget.

♣Pŕedy♠ Aoverbium, mit ♣hač,♠ ehe, bevor; ♣pŕedy hač joh zatsyliš♠ bevor
du ihn todt ſchießeſt.

♣Pšetož♠ denn, cauſal: ♣ja ći ńepraẃu, pšetož ja ńewėm♠ ich ſage dir’s
nicht, denn ich weiß es nicht.

<pb n="185"/>

♣Ruńe jako, ruńe kaž — tak♠ gerade ſo wie — ſo, comparativ im
Vorderſatze; ♣ruńe jako wón ps̀ekrasńeny jo, tak budz̀emy tež my
ps̀ekrasńeni♠ gerade ſo wie er verklärt iſt, ſo werden wir auch verklärt
werden. ♣Ruńe tak deŕe — jako♠ eben ſo gut — als, comparativ: ♣ty móz̀es̀e
ruńe tak deŕe do mńe tsylić, kaz̀ do tej lipy♠ du konnteſt eben ſo gut
mich ſchießen, als jene Linde.

♣Tak — kaz̀♠ ſo — wie, comparativ; ♣tak hładki kaž had♠ ſo glatt wie eine
Schlange.

♣Tak deŕe — jako, kaž♠ ſo gut — als, wie, comparativ, ♣motyka je tak
deŕe zelezna jako łopać♠ die Haue iſt ſo gut von Eiſen als die Schaufel.

♣Tez̀♠ auch, copulativ; ♣ja tam tež pońdu♠ ich werde auch hingehen; 2)
ſogar, ſelbſt ♣tez̀ cuzi ludžo jeho znajachu♠ auch fremde Menſchen
kannten ihn; 3) mit dem Subjunctiv, wenn auch; ♣ha bych ja tež sto woči
mėł♠ und wenn ich auch hundert Augen hätte.

♣Tola♠ doch, jedoch, adverſativ; ♣lóžo budz̀e, tola hac̀ lėṕe, to ńewėm♠
leichter wird es ſein, doch ob beſſer, weiß ich nicht; 2) doch,
beſtärkend; ♣ty tola nidy doma ńejsy♠ du biſt doch nie zu Hauſe.

♣Wšak♠ ja, copulativ, faſt wie cauſal und dann immer an der erſten
Stelle: ♣daj, wšak maš♠ gib, du haſt ja; 2) mit nachfolgendem ♣pak,♠
copulativ, in der Bedeutung »ja wieder«: ♣wšak pa tu zasy sće♠ da ſeid
ihr ja wieder ein Mal da; 3) doch, adverſativ, ♣hač ruńe ćerpimy, da
wšak mamy trós̀t♠ obgleich wir leiden, ſo haben wir doch den Troſt; ♣haj
wšak♠ ja doch; 4) mit ♣dz̀ėn♠ gleich, ♣pój wšak♠ ſo komm doch nur.

Anmerkung. Übrigens läßt der gemeine Mann im Sprechen immer das ♣w,♠ und
häufig das ♣k♠ in ♣wšak♠ unausgeſprochen, er ſagt ♣ša.♠ Auch hängt man
♣to♠ an, und ſpricht dann ♣šato,♠ das wohl ♣wšato♠ zu ſchreiben wäre.

♣Ždyn♠ gleich mit ♣džėn.♠

♣Zo♠ daß ♣quod,♠ umſchreibend, beſonders die Infinitive (lateiniſch
Accuſativ ♣cum inſinitivo); my widžimy, zo džeja♠ wir ſehen ſie kommen,
♣my widžimy jich hić. So nadžėju, zo borzy zas pšińdžeš♠ ich hoffe, daß
du bald wieder kommſt; 2) cauſal; ♣tohodla, zo pozdz̀e ps̀ińdže, ničo
ńedósta♠ deßwegen, daß er ſpät kam, erhielt er nichts; 3) ♣ut,♠
conſecutiv, ♣wón jeho lubuje, zo chcył jo zjėsc̀♠ er liebt ihn, daß er
ihn aufeſſen wollte; 4) ♣ut♠ damit, die Abſicht anzeigend; immer mit dem
Subjunctiv; ♣zo by dołho z̀iwy był na zemi♠ damit du lange lebeſt auf
Erden (viertes Gebot).

§. 146.

Gebrauch der Interjectionen.

So wie die Adverbien regieren auch die Interjectionen keinen Caſus. Doch
werden mit ihnen verſchiedene Endungen verbunden; <pb n="186"/>am
häufigſten der Nominativ und Vocativ: ♣ach ja hub́eny čłoẃek♠ ach ich
elender Menſch! ♣a ty šibako♠ ah du Schalk! ♣ty Rauso♠ du — —! Auch der
Accuſativ oder Genitiv: ♣ach ḿe zjebanu♠ o mich betrogene; ♣o tajkeho
ńerozoma♠ o ſolch ein Unverſtand. ♣Bėda♠ wehe, hat die Perſon im Dativ,
oder wie ♣rostejće, bohuzkorz̀eno,♠ die Präpoſition ♣na♠ mit dem
Accuſativ: ♣bėda wam, bėda na was♠ wehe (über) Euch! ♣bohuskorženo na
teb́e♠ Gott ſei’s geklagt über dich; ♣rostejće na tajke ryče♠ Zeter Mord
über ſolche Reden. ♣Na, nataj, natej, naće♠ da haſt du, habet ihr, hat,
da es für ♣tu maš, mataj, matej, maće♠ ſtehet, auch einen
Objects-Accuſativ; z. B. ♣naće ceły toleŕ♠ da habt ihr einen harten
Thaler.

♣II.♠ Regeln der Abhängigkeit.

§. 147.

Subſtantive mit dem Genitiv.

Der Nominativ (♣casus rectus♠) iſt der Caſus des Subjectes. Wird das
Subject der zweiten Perſon angeredet, ſo ſtehet das Anredewort im
Vocativ: ♣luba sotra, kńeže, Božo naš♠ Herr, unſer Gott. Dieſe beiden
Caſus ſind von allen andern Redetheilen unabhängig; die übrigen Endungen
(♣casus obliqui♠) werden regiert. Der Genitiv bezeichnet das Verhältniß
der wirkenden Urſache, des Beſitzes, der Herkunft, des Ganzen, des
Maßes, der Größe, und alles deſſen, wodurch das Subſtantiv näher
beſtimmt wird. Wenn alſo zwei Subſtantive in einem ungleichen
Verhältniſſe ſtehen, ſo kommt das beſtimmende im Genitiv zu ſtehen:
♣stworićel (stworićeŕ) ńeb́es ha zeḿe♠ Schöpfer Himmels und der Erde;
♣čłoẃek pėkneho wašnička♠ ein Menſch von hübſchem Betragen; ♣čas
drohoty♠ Zeit der Theuerung; ♣mnohosć knihi♠ Menge Bücher; ♣stadło
kozow♠ Herde Ziegen; ♣wokleṕ słȯmy♠ Schütte Stroh; ♣skiba chlėba♠ ein
(Ramfel) Stückchen Brod; ♣kórc žita♠ Scheffel Korn; ♣por čriẃi♠ ein Paar
Schuhe; ♣kopa jeji♠ Schock Eier. ♣Šołćic nan♠ Schulzen’s Vater; ♣Wićazec
wotročk♠ Lehmann’s Knecht; ♣Huntasec Jakub♠ Huntaſſes Jakob, Jakob
Huntaß.

Wenn Pronomina und Adjectiva die Stelle des Subſtantiv’s vertreten, ſo
befolgen ſie dieſelbe Regel: ♣pšikład złeho♠ das Beiſpiel des Böſen;
♣kónc wšoho toho♠ das Ende alles deſſen; ♣ẃele dobreho♠ (ſchönen Gruß)
viel Gutes; ♣štož je na nim dobreho♠ was Gutes an ihm iſt.

<pb n="187"/>

§. 148.

Poſſeſſive Adjectiva ſtatt des Genitivs.

Die Subſtantive, die im Singular ſtehen, werden faſt niemals in den
Genitiv geſetzt, wenn man das bloße Verhältniß der Abkunft oder des
Beſitzes ihres Gegenſtandes bezeichnen will; ſondern es ſtehen dafür
ihre poſſeſſiven Adjective auf ♣owy, iny, yny, i♠ (ſiehe §. 24.). ♣Syn
boz̀i♠ Sohn Gottes; ♣Abrahamowa mandz̀elska♠ Abrahams Gemahlin; ♣Janowa
chćeńca♠ die Taufe des Johannes; ♣djabołowe kosedła♠ Schlingen,
Fallſtricke des Teufels; ♣ńeẃesćiny nan♠ der Vater der Braut; ♣dz̀ówcyny
kłobuk♠ der Hut der Magd; ♣Jozefowy ha Mariny syn♠ Joſeph’s und Maria’s
Sohn.

Anmerkung. Subſtantive, bei denen kein poſſeſſives Adjectiv gebräuchlich
iſt, wie z. B. faſt alle Collectiva und Abſtracta, müſſen natürlich in
den Genitiv geſetzt werden: ♣zeḿe kralojo♠ Könige der Erde; ♣ńeb́a
hwėzdy♠ Sterne deś Himmels. Eben ſo alle im Dual und Plural ſtehenden
Subſtantive; z. B. ♣nas̀eju nanow kubła♠ die Güter unſerer beiden Väter;
♣swėtow swėtło♠ das Licht der Welten.

Hat das im Singular ſtehende Nomen noch ein oder das andere
Beſtimmungswort bei ſich, ſei es ein Subſtantiv (Appoſition), Adjectiv,
Pronomen oder Zahlwort, ſo wird dieſes Beſtimmungswort in den Genitiv
geſetzt, als ob jenes Nomen auch im Genitiv ſtände; z. B. ♣krala
Dawidowe słowa♠ des Königs Davids Worte; ♣našeho kńeza hetmanowa džówka♠
unſeres Herrn Vogtes Tochter (weil ♣kńez♠ hier nur Titulatur iſt,
♣hetman♠ dagegen den Grund-Gedanken enthält); ♣Hoŕanskoh’ Šipšikowy
dwór♠ der Hof des Schipſchik aus ♣Hora♠ (Guhre); ♣žołtoh knadz̀owe ṕerko♠
des Goldammers Feder; ♣čornoh plesakowe hriwy♠ die Mähne der ſchwarzen
Bleſſe; — ♣jeje štwortoh mužowy kupny list♠ der Kaufbrief ihres vierten
Mannes. Und gar: ♣Jana, teho chćenikowa hłowa♠ Johannes des Täufers
Haupt (bei Seiler.) Doch ſetzen die gebildeteren und ſprachgelehrten
Serben das den Grundgedanken enthaltende Nomen auch in den Genitiv; z.
B. ♣teho krala Davida ŕane słowo♠ des Königs David’s ſchönes Wort (!)

Eben ſo ſteht der Genitiv, wenn nicht der Beſitz, ſondern andere
Verhältniſſe bezeichnet werden ſollen: ♣to je teb́e škoda♠ da iſt es
Schade um dich: ♣to je twoja s̀koda♠ das iſt dein Schade; ♣ḿe je nana
hańba♠ ich ſchäme mich wegen des Vaters, ♣to je nanowa hańba♠ das iſt
die Schande des Vaters.

<pb n="188"/>

§. 149.

Zahlwörter mit dem Genitiv.

Die Grundzahlen von ♣ṕeć♠ an, ſo wie die collectiven Zahlwörter, die
eine unbeſtimmte Menge angeben, wie: (♣mnoho♠ viel) ♣mało♠ wenig, ♣ḿeńe♠
weniger, ♣ẃele♠ viel, ♣ẃacy♠ mehr, ♣tožto♠ ziemlich viel, ♣chėtro♠
hübſch viel, ♣trochu♠ ein wenig, ♣kełko (kejko)♠ wie viel, ♣tełko
(tejko)♠ ſo viel, ♣nėšto♠ etwas, ♣dosc̀♠ genug; ſo auch bisweilen ♣što,
štož♠ wie viel ♣(quid, quod), ničo♠ gar nichts; haben, wenn ſie im
Nominativ oder Accuſativ ſtehen, das Subſtantiv im Genitiv bei ſich:
♣ṕeć porstow♠ fünf Finger, ♣džeẃeć bowow♠ neun Eimer, ♣tóz̀to mosaza♠
hübſch viel Meſſing, ♣ẃele złotych♠ viel Dukaten, ♣nės̀to sele♠ etwas
Salz, ♣poz̀će mi, štož ṕeńez maće♠ borgt mir, ſo viel Geld ihr habet. Nur
♣wšo, wšicko, ws̀itko♠ wird als Adjectiv (♣wšón, wšo, wša♠) mit ſeinem
Subſtantiv verbunden. Im Genitiv, Dativ, Sociativ, Local werden ſie
entweder unveränderlich oder auch declinirt mit dem Subſtantiv in
einerlei Caſus geſetzt. Die Zahlenſubſtantive, wie ♣kopa♠ Schock,
♣hromada♠ Haufe, Menge u. ſ. w. haben als Subſtantive den Genitiv bei
ſich, ſie mögen in welchem Caſus immer ſtehen; z. B. ♣z kopu jeji♠ mit
einem Schock Eier, ♣do tsećiny cełoho swojoh zamožeńa♠ bis zum dritten
Theile ſeines ganzen Vermögens. Die halbirenden Zahlen haben, da ſie aus
♣pół♠ und dem Genitiv Sing. der Ordnungszahl zuſammengeſetzt ſind (§.
138.), ihr Subſtantiv immer im Genitiv Sing.; es ſei denn, daß dieſes
keinen Singular hat; ♣półštwórta kórca♠ viertehalb Scheffel, aber
♣półtseća cypow♠ dritthalb Dreſchflegel, ♣półdra duri♠ anderthalb
Thüren. — Nur in dem Falle, wo die halbirenden Zahlen in distributiven
Numeralien vorkommen, ſteht das Subſtantiv im Local wegen ♣po;♠ weil
dann das halbirende Zahlwort adverbiell behandelt wird, z. B. ♣kóždom po
półs̀ėsta toleŕu za lėto♠ Jedem zu ſechſthalb Thaler des Jahres.

Bei Subſtantiven, die ein Ganzes oder eine Materie bezeichnen, wird
häufig die Bezeichnung der Quantität weggelaſſen, und dennoch der
Genitiv geſetzt bei Zeitwörtern, die den leidenden Gegenſtand im
Accuſativ fodern: ♣nalij mi wina♠ ſchenke mir Wein ein, ♣natoč piwa♠
zapfe Bier; wobei man ♣nėšto♠ etwas (Wein, Bier) verſtehen muß. ♣Wón jo
sej ṕeńez nahromadžił kaj kubłochćik♠ er hat ſich Geld geſammelt, wie
ein Geldvogel (♣kubłos̀ćik♠ von ♣kubłach♠ Knaul, ein Weſen, das fremden
Menſchen Geld wegnimmt und es ſeinem Herrn zuträgt z. B. in Geſtalt
einer Dohle).

Der in andern Sprachen gebräuchliche Objects-Genitiv wird im Serbiſchen
gewöhnlich mit einer Präpoſition gegeben; z. B. ♣caritas inimicorum♠
Feindesliebe ♣lubosć k ńepšećelam.♠

<pb n="189"/>

§. 150.

Adjective mit dem Genitiv.

Die Adjective, die ihrem Begriff nach einen Caſus regieren können,
verlangen entweder den Genitiv als leidenden Gegenſtand der Sache, oder
den Dativ als Gegenſtand der Perſon. Den Genitiv nehmen beſonders die
Adjective, die ein Begehren, ein Kundig-, Würdig-, Voll-, Bedürftig-,
Theilhaftig-, Mächtig - Sein oder das Gegentheil bezeichnen: ♣česće
lakomny♠ ehrgeizig, ♣wody stradny♠ verdurſtend, ♣z̀iẃeńa syty♠
lebensſatt, ♣česće hódny, dostojny♠ ehrenwerth, ♣puća swėdomy♠ des Weges
kundig, ♣połny muki♠ voll von Mehl, ♣samoh seb́e mócny♠ ſeiner ſelbſt
mächtig.

§. 151.

Adjective mit dem Dativ.

Den Dativ nehmen die Adjective, die eine Nähe oder Ferne, eine
Annehmlichkeit oder Widerwärtigkeit, eine Möglichkeit, Zweckmäßigkeit,
ein Gelegen-, Paſſend-, Behülflich - Sein, eine Willfährigkeit,
Ähnlichkeit, Gleichheit, Nützlichkeit, Treulichkeit, Gewohnheit oder das
Gegentheil davon bezeichnen; ♣ta sukńa jo mi prawa♠ der Rock iſt mir
recht, paßend; ♣wón jo mi swėrny♠ er iſt mir treu.

Anmerkung. Doch ſagt man: ♣joho ruńa♠ ſeines Gleichen.

§. 152.

Adjective mit dem Accuſativ.

Der Accuſativ bezeichnet den Umſtand der Zeit auf die Frage: wie lange?
wie alt? wann?; des Raumes auf die Frage: wie weit, hoch, lang, tief?
des Gewichtes auf die Frage, wie leicht, ſchwer? des Werthes auf die
Frage: wie theuer? um wie viel theurer, wohlfeiler, beſſer? auch: wie
viel koſtet es? z. B. ♣cełu noć ńespać♠ die ganze Nacht nicht ſchlafen,
♣sedom łóchći hłóbs̀i♠ ſieben Ellen tiefer, ♣to jo sedym slėbornów
winojte♠ das iſt ſieben Groſchen werth, ♣lėto stary♠ ein Jahr alt.

Anmerkung. Die eben angeführten Beſtimmungen können aber auch mit
Präpoſitionen ausgedrückt werden, wodurch freilich die Bedeutung in
etwas geändert wird; ♣pšez nóc♠ über Nacht, die Nacht hindurch,
♣popółdńu♠ nach Mittag, ♣wodńo♠ am Tage. ♣Muž♠ bedeutet in dieſer
Verbindung: Mannshöhe: z. B. ♣muz̀ wysoki♠ mannshoch, ♣tsi muže hłuboki♠
drei Mann tief, (als Maſc. Irrat. und Inanimat!!)

<pb n="190"/>

Rection des Verbums.

Das Verbum bezeichnet die meiſten Verhältniſſe und macht dadurch, daß
die damit verbundenen biegſamen Redetheile in mancherlei Caſus verſetzt
werden müſſen.

§. 153.

Das Verbum mit zwei Nominativen.

Einen Nominativ des Subjectes und einen des Prädicates haben die Verba:
♣a) być♠ ſein, mit jenen ſeiner Compoſita, die keine tranſitive
Bedeutung haben; ♣rėkać♠ heißen; ♣wostać, zwostać♠ bleiben; ♣nastać♠
entſtehen; ♣so zdać♠ ſcheinen; ♣so ḿenować♠ ſich nennen, heißen; ♣so
narodžić♠ geboren werden; ♣so podjeć♠ empfangen werden; ♣b)♠ alle
Participien Perfecti Paſſivi, wenn ſie mit ♣być♠ zuſammengeſetzt werden,
als: ♣postaẃeny, ḿenowany, wuzwoleny, rodženy, stwoŕeny być; c)♠ die
reciproken Zeitwörter §. 52. ♣Wón rėka, je ha wostańe lichomnik♠ er
heißt, iſt und bleibt ein Wucherer; ♣ja ńejsym hodny, twoj syn rėkać♠
ich bin nicht werth, dein Sohn genannt zu werden. Bei den Verbis ♣rėkać♠
nennen und ♣naŕec, naŕeknyć♠ Namen geben, ſteht auch der Name im
Nominativ, das zu benennende Subject aber im Dativ. ♣Mi Pawoł rėkaja♠
mich heißen ſie, (nennt man, ich heiße) Paul; ♣holeńo rėkaja mhi♠
(Nebel) ♣kuŕawa; mi nic ha tebi nic, hale mhi♠ ein ſehr gewöhnliches
Wortſpiel. Auch wenn das Zeitwort im Infinitiv ſteht: ♣ty sy zestariła,
ha chceš tola ŕana rėkać, ha česc̀ena wostać♠ du biſt gealtert, und
willſt doch ſchön heißen und geehrt bleiben.

§. 154.

Der Genitiv ſtatt des Nominativs im Subjecte.

Wenn in einem Satze eine unbeſtimmte Menge als Subject gedacht werden
kann, ſo wird das eigentliche Subject in den Genitiv geſetzt: z. B. ♣Was
dyrbi byc̀ kaz̀ pėska na moŕu♠ Euch ſollen ſo viele werden als Sandes am
Meere; wo ♣tak ẃele♠ ausgelaſſen; ♣tam bė ludži kaž na hermanku♠ dort
waren ſo viele Menſchen wie auf dem Jahrmarkte.

§. 155.

Der Inſtrumental ſtatt des Nominativs im Prädicate.

Bei ♣być♠ und den áhnlichen Zeitwörtern wird ſtatt des Nominativs im
Prädicate nicht ſelten der Inſtrumental mit ♣z♠ geſetzt; z. B. <pb
n="191"/>♣z kńezom byc̀♠ Herr (ſeiner) ſein. Doch iſt es außer dieſem
einzelnen Falle bei uns ſchon faſt ganz außer Gebrauch gekommen; auch
♣»zčisteju kńez̀nu zwostaći«♠ reine Jungfrau zu bleiben, heißt es Seite
53. im kathol. Liederbuche vom Jahre 1720; eben ſo: S. 51. ♣»Ty budžeš z
Božej mac̀eŕu»♠ du wirſt Gottes Mutter ſein.

§. 156.

Active Verba mit dem Accuſativ (tranſitiv).

Alle activen Verba fordern den Accuſativ des leidenden Gegenſtandes, die
Fälle ausgenommen, wo der Genitiv §. 163. oder der Dativ §. 165. deſſen
Stelle vertritt. ♣Jeleń ma rohi♠ der Hirſch hat Geweihe (Hörner), ♣ja
slub́u ći nadu♠ ich verſpreche dir Gnade. Selbſt den Genitiv der
Maſculina Animata im Singular und Dual, und den der Maſculine Rational
hält man wenigſtens in der Syntax für den Accuſativ; ♣nimas̀li syna, da
maš wotročka♠ haſt du keinen Sohn, ſo haſt du einen Knecht; denn die
Accuſative ♣syn, wotročk♠ ſind längſt ſchon veraltet. Eben ſo ſteht auch
♣jeho,♠ bei uns immer für den alten Accuſativ ♣jej.♠

§. 157.

Accuſativ bei nicht-tranſitiven Verben.

Auch manche Neutra haben den Accuſativ bei ſich: ♣žonu zėtkach♠ ich
begegnete einem Weibe, ♣ju hłowa boli♠ ſie hat Kopfſchmerzen, ♣ḿe porst
sẃerbi♠ mir juckt der Finger, ♣na rucy će wozeb́e♠ an die Hände friert
dich, ♣twój hnėw ḿe ḿerzy♠ dein Zorn ärgert mich. So iſt auch das ♣so♠
bei den Reflexiven eigentlich der Accuſativ des Objects, ♣so prašeć♠
fragen, ♣so džiwać♠ ſich wundern.

Der Accuſativ ſteht endlich auch bei allen Zeitwörtern auf dieſelben
Fragen, auf welche er bei den Adjectiven ſteht, wie wir das im §. 152.
weiter aus einander geſetzt haben: ♣nan tam ceło lėto wosta♠ der Vater
blieb das ganze Jahr dort; ♣wutoru ẃečor♠ Dienſtag Abends; ♣tsi mile wot
Prahi♠ drei Meilen von Prag; ♣to płaći sedym slėbornow♠ das gilt, koſtet
ſieben Groſchen.

§. 158.

Zwei Accuſative bei einem Verbum.

Neben dem Objectsaccuſative kann bei vielen Verben auch noch ein
Prädicatsaccuſativ faſt wie eine Appoſition zu jenem ſtehen. ♣Bo<pb
n="192"/>jaznych čini nuza króbłych♠ Furchtſame macht die Noth kühn;
♣tych my ḿenujemy hrėšnikow♠ dieſe nennen wir Sünder.

Anmerkung. Oft aber wird dieſer Prädikats-Accuſativ mit einer
Präpoſition, mit ♣za♠ für, ♣k♠ zu u. ſ. w. umſchrieben; ♣štó je ḿe za
sudnika postawił♠ wer hat mich zum Schiedsrichter beſtellt; ♣teb́e sej ja
k towaršej ńewuzwolu♠ dich erwähle ich mir nicht zum Geſellſchafter. ♣K♠
wird beim Sprechen auch weggelaſſen, wo dann ſcheinbar ein Dativ ſteht,
♣towaršej.♠ Bildet jedoch in einem Satze das reciproke ♣so♠ den
Objects-Accuſativ, und iſt noch ein (accuſativiſches) Prädicat dabei —
wo dann beide Accuſative ſamt dem Subjecte ſich auf eine einzige Perſon
beziehen — ſo wird für den Prädicats-Accuſativ in der Regel der
Nominativ geſetzt, gleichſam als Appoſition zum Subjecte; ♣džeržće so
hotowi♠ haltet euch bereit, ♣wón wuznawa so winwaty♠ er bekennt ſich für
ſchuldig, ♣wona budže so chuda twarić♠ ſie wird ſich arm bauen (ſelten).

§. 159.

Der Inſtrumental ſtatt des Prädicatsaccuſativs.

So wie bei den Zeitwörtern ♣być♠ und dergleichen der Prädicatsnominativ
in den Inſtrumental mit ♣z♠ verwandelt wird, ſo ſollte es bei denſelben
Zeitwörtern auch mit dem Prädicats-Accuſativ geſchehen: ♣wón so muži na
nim zkńezom byc̀♠ er rühmt ſich, ſeiner Herr zu werden. Aber unſer Serbe
verſteht ſich nicht leicht zu ſolchen Dingen, dieſen Fall ausgenommen.

§. 160.

Die zwei Accuſative im Paſſiv.

Hat ein Zeitwort zwei Accuſative, einen des Objects, den andern des
Prädicats bei ſich; ſo werden im Paſſiv beide zu Nominativen; ♣bojazni
bychu z nuzy króbli♠ die Furchtſamen wurden aus Noth kühn; doch gibt es
auch Zeitwörter, bei denen wohl der Objectsaccuſativ im Paſſiv in den
Nominativ übergeht, die aber den zweiten Objectsaccuſativ, der immer den
Gegenſtand, die leidende Sache bezeichnet, im Accuſativ ſtehen laſſen.
Solche Verba ſind, die ein Lehren, ein An- oder Aus-Kleiden, ein Fragen
und dergleichen bedeuten. ♣Wón wobleka so bėłu drastu♠ er zieht ein
weißes Kleid an; ♣wón je bėłu drastu woblečeny♠ (Seiler). Doch ſetzt man
in dieſem Falle lieber eine Präpoſition; z. B. ♣wón je do běłoj drasty
woblečeny.♠ oder ♣wón by wo tu wėc tež prašany♠ er wurde auch um dieſe
Sache gefragt.

<pb n="193"/>

§. 161.

Der Genitiv bei ♣sym.♠

Mit ♣sym, być♠ wird der Genitiv verbunden, wenn man eine beſtimmte
Eigenſchaft oder Beſchaffenheit bezeichnen will: ♣dobreje nadžije być♠
guter Hoffnung ſein; ♣swojeje hłowy być♠ ſeinen eigenen Kopf haben,
eigenſinnig ſein. ♣Mróčele su husto wóhńowej barby♠ die Wolken ſind oft
feuerfarben.

§. 162.

Der Genitiv als Prädicat.

Eben ſo ſteht der Genitiv als Prädicat bei ♣sym♠ in den Redensarten: ♣jo
tŕeba, žel, škoda, hańba;♠ das Subject aber ſteht bei den drei erſtern
im Dativ, bei ♣hańba jo♠ im Accuſativ: ♣was̀eje pomocy jo mi tŕeba♠ eurer
Hülfe bedarf ich; ♣wam jo kóz̀doho nowoho ṕeńeza žel ha s̀koda♠ euch iſt
um jeden neuen Pfennig Leid und Schade; ♣ḿe by tajkoho was̀ńa hańba było♠
ich würde mich eines ſolchen Betragens ſchämen.

§. 163.

Der Genitiv anſtatt des Accuſativ's.

Schon im §. 75. wurde erwähnt, daß bei den maſculinen Namen lebendiger
Weſen im Singular und Dual, und bei denen vernunftbegabter Weſen auch im
Plural der Genitiv die Stelle des Accuſativs vertrete, da der alte
Accuſativ (mit dem Nominativ gleich) ſchon längſt außer Gebrauch
gekommen iſt. Daher wurde auch dieſer ſtellvertretende Genitiv immer als
Accuſativ behandelt. Nun gibt es aber außerdem noch gar viele Fälle, wo
das Zeitwort es erfordert, daß ein Genitiv an die Stelle geſetzt wird,
wo ſonſt ein Accuſativ ſteht. Dieſes iſt der Fall:

1) Wenn von etwas Ganzem nur ein Theil, eine unbeſtimmte Quantität
verſtanden werden ſoll; wo man häufig ♣ẃele♠ viel, ♣nėšto♠ ein wenig,
♣mało♠ wenig und dergleichen ſubſtituiren kann; ♣wotkraj chlėba♠
ſchneide Brod ab (ſiehe §. 149.).

2) In allen negativen Sätzen; beſonders mit ♣z̀adyń; wón žaneje hańby
ńeznaje jako pos♠ er kennt keine Scham wie ein Hund; ♣ja ani štomika
ńewidžu♠ ich ſehe auch nicht ein Bäumchen. ♣Ja nimam tajkeho zamožeńa♠
ich habe kein ſolches Vermögen. Doch wird im gemeinen Leben ſowohl als
bei unſeren Schriftſtellern ſehr häufig gegen dieſe Regel gehandelt.
Beſonders ſtehen die Wörtchen <pb n="194"/>♣što♠ was, ♣štož♠ welches,
♣ńėšto♠ etwas, ♣ničo♠ nichts, in der Regel im Accuſativ. ♣Štož ńeznaješ,
za tym ńežadaš♠ was man nicht kennt, das begehrt man nicht.

3) Wenn reflexive Verba mit neutraler Bedeutung zugleich den Gegenſtand
ihres Zuſtandes bei ſich haben; wie: ♣Boha so bojeć♠ Gott fürchten,
♣wšoho so zdalujes̀♠ du entfernſt dich von Allem. Beſonders aber jene
tranſitiven Zeitwörter, welche in der Zuſammenſetzung mit ♣na♠ (einige
auch mit ♣wob♠) durch ♣so♠ intranſitive Reflexiva werden: ♣so kłobasow
wobjėsć♠ ſich an Würſten übereſſen, ♣so wina wopić♠ ſich im Weine
betrinken, ♣so palenca wobžlokaó♠ ſich im Brantwein beſaufen, ♣so nažrać
chlėba♠ ſich ſatt Brod freſſen, ♣so chorosće namėć♠ die Krankheit ſchon
ſatt, zur Genüge haben, ♣so čriẃi nadžěłać♠ ſich ſatt arbeiten an
Schuhen, es ſatt haben Schuhe zu machen, ♣so dornow nakopać♠ es ſatt
haben, Raſen zu graben, ♣ja sym so wowców napasł♠ ich habe es ſatt
Schafe zu hüten.

4) Auch andere tranſitive Zeitwörter, die durch ♣so♠ intranſitiv werden:
♣mi chce so rybow♠ ich habe Appetit auf Fiſche, ♣mojej z̀ońe je so hribow
zachcyło♠ meine Frau hat Appetit auf Pilze bekommen, ♣wona so mojej ruki
džerži. łówi, ps̀ima♠ ſie hält ſich an meiner Hand, fängt, greift nach
meiner Hand. ♣Ps̀epoćeny ma so zymneje wody pasć♠ der Schwitzende hat
ſich vor kaltem Waſſer zu hüthen, ♣złósćnik dyrbi so swojich hrėchow
wuznać♠ der Böſewicht muß ſeine Sünden bekennen, ♣hłupy so swojich ṕeńez
chwali♠ der Dumme rühmt ſich ſeines Geldes.

5) Viele intranſitive Reflexiva, die aus tranſitiven entſtanden, eine
Gemüthsbewegung bezeichnen, ſie ſeien einfach oder zuſammengeſetzt; ♣ja
so kaju swojich hrėchow♠ ich bereue meine Sünden, ♣ty so pukow bojis̀♠ du
fürchteſt Schläge, ♣wona so muchow hrawuje♠ ſie ekelt ſich vor Fliegen,
♣zẃeselu so Was̀eje strowosće♠ freue mich über Euere Geſundheit,
♣dopomńće so wašeje młodosće♠ erinnert Euch Euerer Jugend. Die
Zeitwörter des Sich-Erinnerns und Vergeſſens haben auch ♣na♠ an oder auf
etwas; ♣ńezabudz̀ na mńe♠ vergiß nicht auf mich, ♣dopomń so na twoju
staru mać♠ erinnere dich an deine alte Mutter Ohne ♣so♠ haben ſie den
Accuſativ.

6) Die Zeitwörter, die ein Befreien, Losmachen, Ausleeren Reinigen
bedeuten, haben den Accuſativ der Perſon, aber den Genitiv der ſich
entfernenden Sache: ♣Wón je so swojich hrėchow wučisćił♠ er hat ſich von
ſeinen Sünden gereinigt, ♣wuchowaj nas ws̀eho złeho♠ behüte uns von allem
Böſen.

7) Auch die ein Begehren, ein Mangel-an-Etwas-Haben bezeichnen; ♣pića,
jėdže tradać♠ Durſt, Hunger leiden, ♣chlėba poz̀adac̀♠ Brod begehren.

8) Andere haben das Object bald im Genitiv, bald im Accuſativ; ♣ja
tŕebam sele♠ ich brauche Salz, ♣ja ceły kórc tŕebam♠ ich brauche einen
ganzen Scheffel, ♣ja chcu swojich peńez wužić♠ ich <pb n="195"/>will
mein Geld genießen, ♣wón ceło ẃeselo z nami wuži♠ er genoß das ganze
Vergnügen mit uns, ♣nas̀a chora zasy mocy nabywa♠ unſere Kranke gewinnt
wieder Kräfte, kommt zu Kräften.

§. 164.

Der Dativ bei Zeitwörtern.

Der Dativ bezeichnet das Ziel der Handlung, die Perſon oder Sache, auf
welche die Handlung gerichtet iſt. ♣Mi so lubi♠ mir gefällt es, ♣mi so
zda♠ mir ſcheint es, ♣mi so chce♠ ich habe Luſt, ♣mi so dz̀ije♠ mir
träumt, ♣što ći je♠ was iſt dir, was fehlt dir, ♣chcu ći wotpić♠ ich
will dir abtrinken (Formel, wenn man dem Zutrunk Beſcheid thut), ♣ńečiń
nikomu ks̀iwdy♠ thue Niemandem Unrecht. ♣Ja sym so Bohu dowėrił♠ ich habe
Gott vertraut.

Auch der leidende Gegenſtand wird zuweilen mit dem Dativ bezeichnet:
♣Bohu so modlić♠ zu Gott beten, ♣z časom wšomu pšiwukń♠ gewöhne dich bei
Zeiten an Alles, ♣ńeps̀irunaj ḿe sebi♠ vergleiche mich nicht (mit) dir,
♣ty jomu ničo ńerozemis̀♠ du verſtehſt ihm nichts, kein Wort, ♣kóždy so
ći smėje♠ Jeder lacht über dich, ♣boz̀im kazńam dyrbimy wėrić♠ den
Geboten Gottes müſſen wir glauben. Kommen aber hiebei zwei Dative, der
Perſon und der Sache, zuſammen, ſo muß man das zu vermeiden ſuchen, wenn
es Zweideutigkeiten veranlaßt.

§. 165.

Der Dativ bei dem Zeitworte ♣dać♠ zulaſſen und ähnlichen.

Steht bei dem Zeitworte ♣dac̀♠ in der Bedeutung von laſſen, zulaſſen,
geſtatten (♣ps̀ipus̀ćić, dowolić♠) das Geſtattete im Infinitiv, ſo muß das
Subject, dem etwas geſtattet wird, in den Dativ geſetzt werden. ♣Sće-li
wy jemu dali panyć, da dajće jemu tez̀ zasy stanyć♠ habet ihr ihn fallen
laſſen (nicht aufgehalten), ſo laſſet (hindert nicht) ihn auch wieder
aufſtehen.

Hat ♣dać♠ in dieſer Bedeutung das reciproke ♣so♠ bei ſich, ſo ſteht der
Dativ in der Bedeutung „von Jemandem“ anſtatt ♣wot; ńedaj so złomu
pšemóc♠ laß dich nicht (dem Böſen) von dem Böſen überwältigen, ♣wón so
dawa z̀idam howić♠ er läßt ſich von Juden heilen.

Das im Infinitiv ſtehende Zeitwort kann auch einen Caſus bei ſich haben,
und dann muß man wohl Acht geben, welches Wort zu ♣dam♠ und welches zu
dem Infinitiv gehört; z. B. ♣Daj mi ruku wokošeć♠ laß mich deine Hand
küſſen, ♣ńedaj mi so teb́e stróžić♠ laß mich nicht vor dir erſchrecken,
wo ♣mi♠ zu ♣ńedaj, so♠ zu ♣stróžić♠ <pb n="196"/>reciprok, und ♣teb́e♠ zu
♣stróžić♠ als Objectsgenitiv gehört. Das zu ♣dam♠ gehörige Wort ſteht
unmittelbar nach demſelben; wenn daher zwei Dative bei einander ſtehen,
ſo gehört der zweite zu dem Infinitiv; z. B. ♣Daj mi nanej zapłaćić♠ laß
mich dem Vater bezahlen, das iſt, daß ich dem Vater das Geld bezahle,
♣daj mi kožuch zapłaćić♠ daß ich den Pelz bezahle.

§. 166.

Attraction des Dativs.

Wenn die Zeitwörter, die nach §. 153. einen doppelten Nominativ bei ſich
haben, in einem Satze im Infinitiv ſtehen, aber ſo, daß ihr (logiſches)
Subject im Dativ ſteht, ſo muß auch ihr Prädikat durch Attraction in den
Dativ geſetzt werden; ♣čłoẃekej ńejo dobro samomu być♠ für den Menſchen
iſt es nicht gut allein zu ſein, ♣jemu so lubi swobodnomu wostać♠ ihm
gefällt es frei zu bleiben.

Anmerkung. In den andern Caſus findet aber keine Attraction ſtatt: ♣teb́e
dyrb́ało hańba byc̀ pšecy tak hłupy zwostać♠ du ſollteſt dich ſchämen,
immer ſo dumm zu bleiben.

§. 167.

Gebrauch des Locals.

Der Local ſteht eigentlich nur bei Präpoſitionen, auf die Frage wo: ♣pši
blidže♠ neben dem Tiſche, ♣w Prazy♠ in Prag, ♣po štoḿe♠ auf dem Baume
hin, ♣na ławe♠ auf der Bank. — Bei den Verben, die ein Aufſtellen,
Aufhängen, Setzen bedeuten, kann bisweilen auch der Local mit ♣w♠ oder
♣na♠ geſetzt werden, da man nämlich fragen kann: wo die Sache iſt; ♣Wón
je so na stólčku synył♠ er hat ſich auf dem Stuhle niedergeſetzt.

Anmerkung. Da unſer Volk im Local das ♣w♠ vor dem Subſtantiv immer
wegläßt, ohne daß dadurch irgend eine Zweideutigkeit entſtünde, ſo haben
es viele auch in der Schrift auszulaſſen für gut befunden. So ſagt man:
♣s̀toḿe♠ im Baume, ♣traẃe♠ im Graſe, ♣syńe♠ im Heu, ♣chėz̀i♠ im Hauſe,
♣kólni♠ im Schuppen, ♣Rakecy♠ in Königswarthe (Städtchen); ſogar:
♣Mrózecy♠ bei Mroſes. Auch im Altſlawiſchen kommt oft der Local ohne ♣w♠
vor; ich glaube daher, daß eine ſolche Abkürzung nicht zu tadeln iſt.

§. 168.

Gebrauch des Inſtrumentals.

Der Inſtrumental oder Sociativ ſteht immer mit einer Präpoſition und
bezeichnet das Verhältniß ♣a)♠ der Geſellſchaft oder Ver<pb
n="197"/>bindung; z. B. ♣z nanom♠ mit dem Vater, ♣wón ze swojej žonu♠ er
mit ſeiner Frau, er und ſeine Frau, ♣z božej pomocu♠ mit Gottes Hilfe;
♣b)♠ des Werkzeuges, mit welchem, und des Mittels, durch welches etwas
gethan wird: ♣z nožom krać, z piłu rėzać, z nožicami tsihać, ze serpom
žeć♠ mit dem Meſſer, der Säge, der Scheere, der Sichel ſchneiden, ♣z
kijom bić♠ mit dem Stocke ſchlagen, ♣z nohomaj kopać♠ mit den Füßen
ſtoßen; ♣ze sydyrom posypać♠ mit Reibkäſe beſtreuen, ♣z jėdom♠ (auch
♣jėda) zawdać♠ mit Gift vergeben, vergiften; ♣c)♠ der Art und Weiſe: ♣z
hłosom, z cyłoj s̀iju kšičeć♠ laut, aus hellem Halſe ſchreien, ♣ńelubujmy
jenoj ze słowom ani z jazykom, hale ze skutkom ha z prawdu♠ lieben wir
nicht bloß mit Wort oder Zunge, ſondern in der That und Wahrheit; ♣d)♠
des Ortes, der Richtung: ♣z woṕečicu♠ verkehrt, ♣z woknom won ladać,
ćisnyć♠ zum Fenſter hinaus ſehen, werfen; ♣e)♠ der Zeit: ♣z časom♠ bei
Zeiten, ♣z chwilemi♠ zeitweilig, ♣z jenym dobom♠ mit einem Male, ♣z molo
z rańom♠ alsbald mit dem Morgen; ♣f)♠ und noch viele andere Verhältniſſe
mit anderen Präpoſitionen, als: ♣to za wórom ha maru wońa♠ es riecht
nach Weihrauch und Myrrhen, ♣za kozołom sḿerdži♠ es ſtinkt von einem
Ziegenbocke. So ſteht auch bei den Zeitwörtern, die eine Bewegung
anzeigen, der Name des in Bewegung geſetzten Gegenſtandes im Local; z.
B. ♣wón z kaḿeńom zamnu ḿece♠ er wirft mit einem Steine nach mir, ♣z
palcom hibać♠ den Daumen bewegen, ♣z wočomaj mikotać♠ mit den Augen
blinzeln, ♣ty z nim wo zeḿi (zeḿi♠ ſtatt ♣zeḿu,♠ alter Accuſativ,
eigentlich ♣zeḿ) rėzny,♠ oder ♣dyri♠ du warfſt ihn auf die Erde,
ſchlugſt mit ihm an den Boden, ♣wón z peńezami ḿece♠ er wirft mit Geld
herum. (Vergleiche noch die Präpoſitionen.)

§. 169.

Gebrauch des Infinitivs.

Hängt ein Zeitwort von einem andern ab, ſo wird das abhängige in den
Infinitiv geſetzt; dabei regiert der Infinitiv noch ſeine Endungen, als
ſtände das Zeitwort im Indicativ: ♣ja mam ẃele wuknyć♠ ich habe viel zu
lernen, ♣ty móhł so toho hańbować♠ du könnteſt dich deſſen ſchämen.

§. 170.

Der Infinitiv als Subject und Object.

Der Infinitiv kann auch als Subject oder Object in einem Satze
erſcheinen, wobei er wie ein Subſtantiv des ſächlichen Geſchlechtes
behandelt wird, nur daß er kein Adjectiv bei ſich hat: ♣ps̀ihladować je
lóžo♠ oder ♣lóže, dyžli sam džėłać♠ zuſehen iſt leich<pb n="198"/>ter,
als ſelbſt arbeiten, ♣wuč ḿe twoju wolu dopelnić♠ lehre mich deinen
Willen erfüllen.

§. 171.

Der Infinitiv ſtatt des Verbal-Subſtantivs.

Wird ♣sym, być♠ mit dem Infinitiv der Verba: ♣widžeć♠ ſehen, ♣słyšeć♠
hören, ♣čuć♠ fühlen, riechen (auch ſchmecken) verbunden, ſo bedeutet es
eine Möglichkeit, wie das griechiſche ♣ὠστι ἰδεῖ♠ (lateiniſch ♣est
videre♠). Dabei ſteht die Perſon oder Sache, die man ſehen, hören u. ſ.
w. kann, entweder im Nominativ als Subject für ♣sym, był;♠ oder im
Accuſativ als Object für den Infinitiv, wo dann ♣być♠ als imperſonales
Zeitwort gebraucht wird; ♣ty sy widžeć, teb́e jo widžeć♠ du biſt zu
ſehen, kannſt geſehen werden; ♣teb́e budže widz̀eć♠ (aber ♣ty budžeš
widžeć♠ du wirſt ſehen). Kommen aber andere Verba mit ♣być♠ in dieſem
Sinne zuſammen, ſo muß das Verbal-Subſtantiv immer mit ♣k♠ geſetzt
werden; ♣ty ńebė k namakańu♠ du warſt nicht zu finden; doch kann dieſes
auch bei jenen drei Verben ſtatt finden ♣ty sy k widžeńu♠ du biſt zu
ſehen (ſiehe folgenden §.)

§. 172.

Gebrauch des Verbal-Subſtantivs.

Hängt der (deutſche) Infinitiv mit zu, nicht von einem Verbo, ſondern
von einem andern Worte, als einem Subſtantive oder Adjective u. ſ. w.
ab, ſo wird er im Serbiſchen durch das Verbal-Subſtantiv in dem von
jenem Redetheile regierten Caſus ausgedrückt: z. B. ♣hódny zatsyleńa♠
werth erſchoſſen zu werden, ♣k rejwańu ńelepy♠ ungeſchickt zum Tanzen.
Iſt aber der Infinitiv paſſiviſch, ſo ſteht auch im Serbiſchen der
Infinitiv; ♣swėca ńebė hódna zaswėćena być♠ die Kerze war nicht werth,
angezündet zu werden. Doch kann man eben ſo gut ſagen: ♣swėca ńebė
zaswėćeńa hódńa (hódna).♠ Niemals aber ſetzt man im Serbiſchen zu einem
Verbal-Subſtantiv das reciproke ♣so,♠ wie: ♣błyskańe♠ das Blitzen (wie
es im Polniſchen, ♣błyskanie sie,♠ und Čechiſchen ♣blyskáni-se♠ jedoch
ſelten geſchieht.

§. 173.

Das Gerundium ſtatt des Infinitivs.

Aber auch, wenn der (deutſche) Infinitiv von einem Verbo abhängt, wird
im Serbiſchen nicht immer der Infinitiv geſetzt. Wenn nämlich ein
Subject als in einem Thun begriffen oder in einem Zuſtande verharrend
dargeſtellt wird, ſo ſteht das dieſe Handlung <pb n="199"/>oder dieſen
Zuſtand bezeichnende Verbum im Gerundio. ♣Wostaj ws̀itko stejo ha ležo,
ha bėz̀♠ laß Alles ſtehn und liegen, und lauf; ♣wona w błóće tsjacy
wosta♠ ſie blieb im Kothe ſtecken.

Doch gebe man ſehr wohl Acht, ob ſich das Gerundium auf das Object oder
Subject des Satzes bezieht; ſollte daraus eine Zweideutigkeit entſtehen,
ſo muß man das Gerundium jedes Mal mit ♣zo♠ daß auflöſen. ♣Wón namaka
jich spicy♠ heißt er fand ſie ſchlafend, d. h. ſie ſchliefen, weil, wenn
er ſchliefe, er ſie nicht finden könnte. Aber: ♣ja joh widz̀ach na štoḿe
sedžo♠ ich ſah ihn auf dem Baume ſitzen, ♣sedens ego♠ oder ♣sedentem
eum;♠ da ſage man: ♣zo na štoḿe sedz̀es̀e♠ daß er ſaß, oder ♣dyž na s̀toḿe
sedžach,♠ als ich ſaß.

♣III.♠ Ellipſe.

Die Ellipſe beſteht darin, daß entweder Wörter, welche der Natur nach da
ſtehen ſollten, ganz weggelaſſen werden (reine Ellipſe), oder daß
Wörter, die ſchon einmal da waren, nicht wiederholt werden.

§. 174.

Reine Ellipſe.

Das Zeitwort ♣jo est♠ und ♣su sunt,♠ welches in andern Sprachen überaus
häufig weggelaſſen wird, fehlt im Serbiſchen nur ſelten. ♣Dz̀iw, zo
płakał ńeje♠ ein Wunder, daß er nicht geweint hat, ſtatt ♣jo džiw.♠ Aber
eigenthümlich bei uns iſt es, daß bei den Zeitwörtern ♣chcyć♠ wollen,
♣nochcyć, ńechać♠ nicht wollen; ♣móc♠ können, ♣ńemóc♠ nicht können, wenn
ſie im Subjunctiv ſtehen, das ganze Hilfszeitwort ♣bych♠ und ♣budžich♠
in allen Perſonen ausgelaſſen, und nur das Pronomen mit dem Participium
Perf. Act. verbunden wird: ♣Boz̀o, (ty) chcył nam nadny być♠ Gott, du
wolleſt uns gnädig ſein; ♣to chcył ja widžeć♠ das möchte ich ſehen; ♣to
móhł kóždy praẃic̀♠ das könnte Jeder ſagen; ♣toho wy ńemóhli popanyc̀♠ den
könntet ihr nicht fangen.

Sehr gewöhnlich iſt die Auslaſſung des ♣ẃele, tak ẃele♠ und der anderen
eine unbeſtimmte Menge bezeichnenden Wörtchen, wie in den §. §. 154.
163. ſchon geſagt wurde; ♣tu je muchow♠ oder ♣tak muchow,♠ oder
eigentlich ♣tak ẃele muchow, zo wšo bórc̀i♠ hier ſind ſo viel Fliegen,
daß alles ſummt.

Die Steigerungspartikeln ♣čim — c̀im♠ je — deſto, werden auch oft
weggelaſſen, und dann ſteht vor dem zweiten Comparativ in der Regel ♣ha♠
und: ♣ẃets̀i sy ha ẃetše maš prawo♠ je größer du biſt, deſto größeres
Recht haſt du; anſtatt ♣čim ẃetši — ćim ẃetše.♠

Bei dem conditionalen Subjunctiv wird ♣dy♠ und ♣li♠ wenn, häufig
weggelaſſen, ohne daß ſich der Sinn ändert; ♣bych ja to činił, <pb
n="200"/>by hóŕe wupadnyło♠ thäte ich das, ſo würde es ſchlimmer
ausfallen; anſtatt ♣bych-li ja to činił,♠ oder ♣dy bych ja to c̀inił.♠

§ 175.

Ellipſe durch Abkürzung.

Die Kürze ſowohl als der Wohlklang der Rede fodert, daß alle
Wiederholung ſolcher Wörter, die man leicht ſich hinzudenken kann, ſo
oft es nur die Deutlichkeit erlaubt, vermieden werde. Daher werden
Subſtantive und Adjective, die im Vorderſatze da waren, im Nachſatze
nicht wiederholt. ♣Sćeli wy pšeklepani, woni tež (su)♠ ſeid ihr
verſchmitzt, ſo ſind ſie es auch. So werden auch die Prädicate und
Attribute bei mehreren Subjecten, verſchieden an Zahl und Geſchlecht,
oft nur mit einem, und zwar dem nächſtſtehenden, in Geſchlecht und Zahl
übereinſtimmend verbunden. ♣Twoja s̀ija jo podomna bėłym róz̀am, ha twoje
lic̀ka čerẃenym♠ dein Hals gleicht den weißen Roſen, und deine Wangen den
rothen, wo ♣su podomne róz̀am♠ gleichen den Roſen ausgelaſſen iſt.

Wenn zwei oder mehrere Verba in den zuſammengeſetzten Zeiten mit
einander verbunden werden, ſo wird das Hilfszeitwort nur bei einem
geſetzt. ♣Ja sym lehnyć šoł, spał, zasy wotućil, ha pšecy ničo ńepytnył♠
ich bin ſchlafen gegangen, habe geſchlafen, bin wieder aufgewacht, und
habe immer noch nichts gemerkt.

Auch das reflexive ♣so♠ wird bei mehreren reflexiven Zeitwörtern nur ein
Mal geſetzt. ♣Sy-li so zabłudžił, da so rozladuj ha prašej, dže sy♠ haſt
du dich verirrt, ſo ſiehe dich um, und frage, wo du biſt. Wenn jedoch
zwiſchen den einzelnen Verben mehrere andere Wörter, Subſtantive,
Adjective u. ſ. w. ſtehen, ſo wiederholt man ♣so♠ ſehr gern: ♣my smy so
na našim Janom džiwali ha jara ẃele so sḿeli,♠ wir haben uns über unſern
Johann gewundert und ſehr viel gelacht.

Wenn mehrere Verba denſelben Caſus regieren, ſo muß er nicht bei jedem
ſtehen: ♣dyž je wobdžėłam, ha tola ńezkažu♠ wenn ich ſie bearbeite, und
doch nicht verderbe; ♣dyž so jemu powėrimy ha poddamy♠ wenn wir uns ihm
anvertrauen und ergeben.

♣IV.♠ Wortfolge.

§. 176.

Erklärung des Subjectes.

In der natürlichen Wortfolge nimmt das Subject die erſte, das Verbum die
zweite Stelle ein; ♣Bóh kraluje♠ Gott herrſcht, ♣džėćo spi♠ das Kind
ſchläft, ♣mać je płakała♠ die Mutter hat geweint. Be<pb n="201"/>kommt
das Subject ein Prädicat, ſo ſteht die Copula zwiſchen beiden; ♣ty sy
strowy♠ du biſt geſund. Iſt jedoch das Verbum in einer zuſammengeſctzten
Zeit, ſo ſteht das Participium nach dem Prädicat; ♣ty sy naš ńepšećel
był♠ du biſt unſer Feind geweſen.

Die Attribute, als Adjective, Participien, Pronomina, Numeralien und ſo
weiter, ſtehen immer vor dem Subſtantiv, mit dem ſie in gleichem Caſus
ſtehen: ♣My smy wšė s̀tyri wysoke hory widz̀eli♠ wir haben alle vier hohen
Berge geſehen, ♣naša mać tež♠ unſere Mutter auch. Doch ſtehen die
Adjective und Pronomina bisweilen auch nach: ♣Wotce naš♠ Vater unſer,
♣ličko čerẃene♠ rothe Wange, Auch ♣mócny muž ha bohaty♠ ein mächtiger
und reicher Mann. Das Adjectiv kann ſogar von ſeinem Subſtantiv getrennt
werden, da durch ſeinen Ausgang hinlänglich beſtimmt wird, zu welchem
Worte es gehört: ♣nėtk wulki jo nam pšišoł dz̀eń♠ nun iſt der große Tag
uns heran gekommen.

§. 177.

Der Objects-Genitiv.

Der Objects-, das iſt, der von einem Subſtantiv regierte Genitiv ſteht
gewöhnlich nach ſeinem Subjecte: ♣kus chlėba♠ Bißchen Brod, ♣punt ḿasa♠
Pfund Fleiſch, ♣hors̀ć pėska♠ eine Hand voll Sand. Doch kann er auch
voranſtehen; ♣pychi lubosć♠ Prachtliebe, ♣kreẃe pšelećo♠ Blutvergießen.
Ja in vielen Fällen muß der Genitiv vorangehen: ♣a)♠ wenn er ein
Adjectiv erklärt; ♣česće hódny♠ ehrenwerth, ♣zaražeńa winwaty♠ des
Mordes ſchuldig, ♣pukow winojty♠ werth der Schläge, ♣Boha bojazny♠
gottesfürchtig, ♣Boha zabyćiwy♠ gottvergeſſen; ♣b)♠ wo ein durch einen
Genitiv erklärtes Adjectiv zu einem Subſtantiv wird; ♣ṕeńez łakomnosć♠
Geldgier, ♣česće dostojnosć♠ Ehrwürdigkeit, Ehrwürden, ♣Boha bojaznosć♠
Gottesfurcht, ♣Boha zabyćiwosć♠ Vergeſſenheit Gottes. Übrigens ſteht
auch ♣c)♠ der (poſſeſſive) Genitiv der Familiennamen voran: ♣Wićazec
kozy♠ Lehmann's Ziegen, ♣Putnikec dwór♠ Putniks Hof, ♣Ćėslic Jan♠
Zimmermann's Johann; ♣d)♠ endlich ſollten nach dieſem Beiſpiel wohl auch
alle andern poſſeſſiven Genitive voranſtehen; wobei man den läſtigen
Artikel (§. 102.) entbehren könnte: ♣čłoẃekow mysle ńejsu Bože mysle♠
der Menſchen Gedanken ſind nicht Gottes Gedanken; ♣radosće džeń♠ Tage
der Wonne; ♣ćėła swėtło♠ Licht des Leibes.

§. 178.

Das beſtimmte Verbum zuletzt.

In den nicht zuſammengeſetzten Zeiten iſt es ſehr gewöhnlich, das
Zeitwort zuletzt zu laſſen, während das Subject am Anfange, <pb
n="202"/>und die übrigen Worte zwiſchen beiden ſtehen; ♣my ruńe wšicy
domoj džemy♠ ſo eben gehen wir alle nach Hauſe. ♣Morwi ńikomu ńezawidža,
tež žanemu čłoẃekej ničo ńeb́eru♠ die Todten beneiden Niemanden, auch
nehmen ſie keinem Menſchen etwas. Kommt das Hilfszeitwort dazu, ſo iſt
deſſen Stellung verſchieden; bald vor, bald nach dem Subjecte, niemals
aber weit von dieſem getrennt; am öfterſten folgt das Hilfszeitwort nach
dem Subjecte. ♣My bėchmy hižom wšicy do woza zlėzli, dyž ...♠ wir waren
ſchon alle in den Wagen geſtiegen, als ...

§. 179.

♣Sym, so♠ und die unbetonten Fürwörter.

Das Zeitwort ♣sym,♠ ſei es Hilfszeitwort oder nicht, hat eine ſehr freie
Stellung in den geraden Sätzen. So bald aber eine Conjunction da iſt
(ausgenommen ♣ha, hale, pšetož),♠ ſo ſteht es unmittelbar nach dieſen,
vor dem Subjecte und allen andern Redetheilen; und die kleinen
Pronomina, ♣so, mi, će (ho)♣ ſtehen unmittelbar nach ♣sym; dokeliž bėchu
so wšicy zabłudžili♠ weil ſich alle verirrt hatten, ♣dy by mi nėchtó
dwaj slėbornaj dał♠ wenn mir Jemand zwei Groſchen gäbe. Eben ſo nach
allen relativen und andern Fürwörtern; ♣kiž su so pŕedy za wami prašeli♠
die früher nach euch gefragt haben, ♣my smy ći całtu sobu pšińesli♠ wir
haben dir eine Semmel mitgebracht, ♣ja du so ći wohladać♠ ich werde mich
dir umſehen, das iſt, ich werde dir es nicht thun. Zwiſchen die kleinen
Fürwörter und das Zeitwort können nur dann andere Wörter eingeſchoben
werden, wenn das Verbum kein Hilfszeitwort bei ſich hat; ♣tón hólčec so
ani čerta ńeboji♠ dieſer Knabe fürchtet ſich vor dem Teufel nicht. Doch
ſollte man die kleinen Fürwörter nicht ſehr weit von dem Verbo
entfernen, da ſie nur einzig und allein demſelben angehören. So iſt die
Conſtruction: ♣Će, Božo, chwalimy♠ (Kirchenlied) grundfalſch. Denn dieſe
kleinen Wörtchen können niemals den Satz anfangen; am wenigſten, wenn
ſie durch einen Vocativ beſtimmt ſind.

§. 180.

Stellung des Infinitiv's.

Der Infinitiv kann bald vor, bald nach dem beſtimmten Verbum ſtehen:
♣wón ńechaše domoj hić♠ er wollte nicht nach Hauſe gehen, ♣dyž woni joh
zabić chcychu♠ als ſie ihn todtſchlagen wollten, ♣tu ẃele widžeć ńejo♠
hier iſt nicht viel zu ſehen. Doch iſt es gewöhnlicher, das Finitum vor
dem Infinitiv zu ſetzen.

Das Hilfszeitwort ♣budu♠ ſteht in der directen Rede gewöhnlich <pb
n="203"/>vor dem Infinitiv: ♣štož budžec̀e wy zjėsć, to♠ was ihr aufeſſen
werdet, das; doch findet man es auch nachgeſetzt, beſonders mit der
Negation: ♣ja dŕe was doc̀akać ńebudu♠ ich werde euch wohl nicht
erwarten. Kommt das einen Infinitiv regierende Verbum ſelbſt in den
Infinitiv zu ſtehen (z. B. im Futur), ſo ſteht der regierende Infinitiv
dem regierenden ſowohl vor als nach. ♣Winowaty ńedyrbi so wuryčeć chcyć♠
der Schuldige ſoll ſich nicht herausreden wollen, ♣ja ńecham pšestać so
prócować♠ ich will mich zu bemühen nicht aufhören.

§. 181.

Ordnung in fragenden Sätzen.

Da im Serbiſchen die Frage auch ohne Fragepartikel nur durch die
Betonung (und in der Schrift durch das Fragezeichen) bezeichnet wird, ſo
ſteht wie im Deutſchen das Verbum im Frageſatze voran: ♣sće wy ws̀itko
dobyli♠ habt ihr Alles gewonnen? Liegt aber ein beſonderer Nachdruck auf
einem Worte, ſo kann auch dieſes voranſtehen. ♣Wy sće to činiłi♠ ihr
habt das gemacht? ♣Naš nan je pola was był♠ unſer Vater iſt bei euch
geweſen? ♣Ty tu sy?♠ du biſt da? Schon oben §. 133. ſagten wir, daß
♣s̀tó♠ und ♣što♠ bisweilen die Stelle des ♣nėchtó♠ und ♣nės̀to♠ vertreten.
Dieſes geſchieht ♣a)♠ im Nachſatze nach einem negativen Vorderſatze; ♣ja
newėm, hač štó chce♠ ich weiß nicht, ob Jemand will; ♣b)♠ in bedingenden
Sätzen: ♣ma-li mi štó s̀to rozkazwać♠ hat mir Jemand etwas zu befehlen;
♣c)♠ Bei ſolchen Fragen, wo ♣nėchtó♠ und ♣nėšto♠ etwas ganz Allgemeines,
gänzlich Unbekanntes bezeichnet: ♣maš ty koho znatoho w Prazy♠ haſt du
(irgend) einen Bckannten in Prag, kennſt du dort irgend Jemanden? ♣Wės̀
ty što noweho♠ weißt du nichts (irgend) Neues (aber nicht: weißt du
etwas Neues? wenn man fragt, um dann ſelbſt eine Neuigkeit zu erzählen.)

§. 182.

Das Verbum in bedingenden Sätzen.

In bedingenden Sätzen ſteht das Verbum mit der angehängten Partikel
♣-li♠ als erſtes Wort: ♣pšindže-li s̀tó ẃacy, ńech sobu dz̀e♠ kommt noch
Jemand, ſo mag er mit gehen. Aber dieſe Partikel ♣-li♠ wird ſo wie die
Fragepartikeln häufig weggelaſſen; dann ſteht aber das Verbum immer am
Anfange des Satzes: ♣Chceš krala widžeć, da dži do Dŕeždžan♠ willſt du
den König ſehen, ſo gehe nach Dresden. Iſt das Verbum zuſammengeſetzt,
ſo ſteht das Hilfszeitwort am Anfange und das Particip am Ende des
Bedingungsſatzes: ♣sće wy ceły dz̀eń zprócńe džėłali, da wotpočńće ńėtk
ps̀i sẃa<pb n="204"/>toku♠ wenn ihr den ganzen Tag mühſam gearbeitet
habet, ſo ruhet beim Feierabend aus.

§. 183.

Trennung der Conjunctionen.

Die conceſſiven, mit ♣ruńe♠ zuſammengeſetzten Conjunctionen: ♣hač ruńe,
dyž ruńe, hejzo ruńe,♠ man hört euch ♣byrńe ruńe♠ (alſo eigentlich ♣by
ruńe ruńe♠) können auch getrennt; und zwiſchen ſie ein oder das andere
Pronomen oder eine Partikel, ja ſelbſt die einfachen Formen von ♣być♠ im
Präſens und Subjunctiv eingeſchoben werden: ♣hač sym tam ruńe był♠
obgleich ich dort geweſen bin; ♣dyž bėch ja ruńe chory♠ wenn ich gleich
krank war; ♣byrńe bys̀će wy tedom ruńe ńepšišli♠ wenn Ihr damals auch
nicht gekommen wäret.

§. 184.

Inverſion.

Die Inverſion oder Umſtellung beſteht darin, daß der Sprechende ein Wort
oder einen Satztheil, ſelbſt einen ganzen Satz, den er insbeſondere
hervorheben will, aus ſeiner natürlichen Ordnung herausreißt, und als
erſtes Wort im Satze aufſtellt: dann ſteht z. B. das Prädicat vor dem
Subject: ♣ćėła swėtło je woko♠ des Leibes Licht iſt das Auge. Oder es
ſteht der Objectscaſus vor dem ihn regierenden Verbo: ♣mać syna lubuje♠
die Mutter liebt den Sohn; ♣zbožo česc̀e ńepoẃetši♠ das Glück vergrößert
die Ehre nicht. Ja der Objectscaſus ſteht ſelbſt vor dem Subjecte:
♣česće zboz̀o ńepoẃetši; syna lubuje mać ẃacy dyžli džówku♠ mehr als die
Tochter; ♣filium amat mater.♠ Hiebei muß aber der Objectscaſus
hinlänglich erkenntlich ſein, um ihn von dem Subjectsnominativ zu
unterſcheiden. Bei gleichen Ausgängen iſt das erſte Wort immer das
Subject. So in: ♣złósć ńepšemóže lubosć♠ die Boßheit überwindet nicht
die Liebe, ♣malitia — charitatem.♠ Unveränderlich muß bleiben: ♣ṕeć
wašich honić budže jich sto, ha sto wašich honić budže džesać tawzyntow♠
fünf der Euern werden hundert und hundert der Eueren werden zehn
Tauſende der Ihrigen jagen.

Inhalt.

Seite.

Vorwort 1

Einleitung.

§. 1. Das Serbiſche als Dialect der ſloweniſchen Sprache 3

§. 2. Dialecte der Serbiſchen Sprache 5

§. 3. Verhältniß des Serbiſchen zum Polniſchen und Cechiſchen 7

§. 4. Geſchichtlicher Ueberblick der ſerbiſchen Orthographie 15

§. 5. Meine Neuerungen in der ſerbiſchen Orthographie 17

§. 6. Regeln der ſerbiſchen Orthographie 20

§. 7. Buchſtaben 24

§. 8. Ausſprache der Conſonanten 25

§. 9. Ausſprache der Vocale 27

§. 10. Dyphtongen 29

§. 11. Buchſtabenverwandlung 29

§. 12. Accent 30

Bildung der Wörter.

§. 13. Urlaute 32

§. 14. Bildungsſylben 32

§. 15. Unterſcheidung des Geſchlechtes 33

Bildung der Subſtantive.

§. 16. Stammſylben als Subſtantive 34

§. 17. Subſtantive mit Vocalen gebildet 35

§. 18. Bildung der Subſtantive durch Bildungsſylben 36

§. 19. Zuſammengeſetzte Subſtantive 44

§. 20. Geſchlecht der Subſtantive 46

§. 21. Motion der Subſtantive 47

§. 22. Bildung der Familien- und Ortsnamen 48

Bildung der Adjective.

§. 23. Urſprüngliche Adjective 49

§. 24. Ableitung der Adjective 50

§. 25. Diminutive Adjective 55

§. 26. Zuſammengeſetzte Adjective 55

§. 27. Comparations-Bildung. ♣A)♠ Comparativ 56

§. 28. Unregelmäßiger Comparativ 57

§. 29. ♣B)♠ Bildung des Superlativ's 58

Bildung der Adverbien.

§. 30. Wurzeladverbien 58

§. 31. Adverbien mittelſt Bildungsſylben 59

§. 32. Zuſammengeſetzte Adverbien 60

§. 33. Adverbien mittelſt Präpoſitionen 60

§. 34. Ableitung der Adverbien von Adjectiven 62

§. 35. Comparation der Adverbien 63

Bildung der Numeralien.

§. 36. Grund- und Ordnungszahlen 64

§. 37. Gattungs- und Multiplications-Zahlen 65

§. 38. Vertheilungs- und Halbirungszahlen 66

§. 39. Subſtantive Numeralien 67

§. 40. Sammelzahlwörter 68

Bildung der Fürwörter.

§. 41. Die Fürwörter 68

§. 42. Eintheilung der Fürwörter 69

Bildung der Zeitwörter.

§. 43. Formen der Zeitwörter 71

§. 44. Ableitung der einfachen Formen 72

§. 45. ♣I.♠ Hauptform 73

§. 46. ♣II.♠ Hauptform 76

§. 47. ♣III.♠ Hauptform 77

§. 48. ♣IV.♠ Hauptform 78

§. 49. ♣V.♠ Hauptform 80

§. 50. Die iterativen Zeitwörter auf ♣'eć♠ ſtatt ♣'ać♠ 82

§. 51. ♣VI.♠ Hauptform 82

§. 52. Reciproke Zeitwörter 84

§. 53. Imperſonale Zeitwörter 85

§. 54. Bildung des Präſens 85

§. 55. Bildung des Futurums 86

§. 56. Futura auf ♣nu (II.♠ Hauptform) 87

§. 57. Futura der ♣III.♠ und ♣IV.♠ Form 88

§. 58. Futura der ♣V.♠ und ♣VI.♠ Form 89

§. 59. Bildung des Imperativ's 91

§. 60. Bildung der Präterita 92

§. 61. Bildung des Optativ's 95

§. 62. Bildung des Gerundiums 95

§. 63. Bildung der Verbalien 96

§. 64. Bildung des Paſſivums 98

Bildung der Präpoſitionen.

§. 65. Die Präpoſitionen 98

§. 66. Subſtantive mit Präpoſitionen gebildet. 99

§. 67. Adjective mit Präpoſitionen zuſammengeſetzt 100

§. 68. Zeitwörter mit Präpoſitionen 100

Bildung der Conjunctionen.

§. 69. Die Conjunctionen 104

Bildung der Interjectionen.

§. 70. Die Interjectionen 106

Flexion der veränderlichen Redetheile.

§. 71. Vorerinnerung 107

Declination der Subſtantive.

§. 72. Die ſieben Declinationen 107

§. 73. Schema der Declinationen 108

§. 74. Zuwachs in der Declination 110

§. 75. Allgemeine Bemerkungen 110

§. 76. Declination der Maſculina ohne Endvocal 112

§. 77. Bemerkungen zur ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination 112

§. 78. Genitiv der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination 114

§. 79. Dativ der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination 115

§. 80. Vocativ der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination 115

§. 81. Local der ♣I.♠ und ♣II.♠ Declination 116

§. 82. Nominativ Pluralis auf ♣ojo, jo, ow'e, i, y, e♠ 117

§. 83. Genitiv Pluralis auf ♣ow,♠ ohne ♣ow,♠ auf ♣i♠ 118

§. 84. Dativ, Local, Sociativ Pluralis 118

§. 85. Declination der Eigennamen 118

§. 86. Dritte und vierte Declination 120

§. 87. Bemerkungen zur ♣III.♠ und ♣IV.♠ Declination 121

§. 88. Heteroclita der ♣III.♠ und ♣IV.♠ Declination 122

§. 89. Fünfte Declination 123

§. 90. Sechſte Declination 124

§. 91. Siebente Declination 125

§. 92. Unregelmäßige Declination 127

§. 93. Declination der fremden Wörter 127

§. 94. Das bewegliche ♣e♠ und ♣o♠ 128

§. 95. Das unbewegliche ♣e♠ und ♣o♠ 130

§. 96. Das mildernde ♣e♠ 130

§. 97. Declination der Adjective 131

§. 98. Allgemeine und beſondere Bemerkungen 132

§. 99. Declination der Numeralien 133

§. 100. Declination der unbeſtimmten Numeralien 135

Declination der Pronomina.

§. 101. Die perſönlichen Pronomina 136

§. 102. Die beſtimmten Pronomina 137

§. 103. Die fragenden Pronomina 138

§. 104. Die beziehenden Pronomina 139

§. 105. Die unbeſtimmten Pronomina 140

§. 106. Die poſſeſſiven Pronomina 140

Conjugation der Verba.

§. 107. Bezeichnung der Perſon im Präſens und Imperfectum 141

§. 108. Bezeichnung der Perſon im Imperativ 143

§. 109. Bezeichnung des Geſchlechtes 144

§. 110. Bedeutung der Verba 146

§. 111. Zuſammenſetzung der Zeiten und Formen 147

§. 112. Bezeichnung der Conjugation 147

§. 113. Die erſten drei Conjugationen 148

§. 114. Vierte und fünfte Conjugation 151

§. 115. Sechſte Conjugation 152

§. 116. Siebente Conjugation 154

§. 117. Das Hilfszeitwort ♣sym, budu, być♠ ſein 155

§. 118. Vollſtändige Conjugation ♣(ženu, ćėŕu, hońu)♠ 157

§. 119. Conjugation des Zeitwortes im Paſſiv 158

§. 120. Schlußbemerkungen zu den Zeitwörtern 160

§. 121. Unregelmäßige Zeitwörter 162

§. 122. Defective Zeitwörter 164

§. 123. Die unveränderlichen Redetheile 164

Syntax.

♣I.♠ Regeln der Angemeſſenheit.

Gebrauch der Subſtantive.

§. 124. Redetheile, die ſich in Geſchlecht und Zahl nach dem Subſtantiv
richten 165

§. 125. Zwei Subſtantive in einem Satze 166

§. 126. Mehrere Subjecte in einem Satze 166

§. 127. Der Singular bei Collectiven 168

§. 128. Perſönliche Fürwörter im Satze 169

§. 129. Das Zeitwort mit einem Zahlwort 169

§. 130. Das Zeitwort mit der Negation 170

§. 131. Gebrauch der Adjective 170

§. 132. Gebrauch der Zahlwörter 171

§. 133 Gebrauch der Pronomina 173

Gebrauch der Zeitwörter.

§. 134. In Rückſicht auf Perſon, Geſchlecht, Zahl 174

§. 135. In Hinſicht auf die Form 175

§. 136. In Hinſicht auf den Imperativ 175

§. 137. Ueber das Plusquamperfectum 175

§. 138. Das Präſens ſtatt des Perfectums 175

§. 139. Gebrauch des Imperfectums 176

§. 140. Gebrauch des Paſſivums 176

§. 141. Participial-Conſtruction 176

Gebrauch der Partikeln.

§. 142. Adverbien 177

§. 143. Präpoſitionen 178

§. 144. Die Negation ♣ńe, nic, ani♠ oder ♣anic♠ 179

§. 145. Gebrauch der Conjunctionen 181

§. 146. Gebrauch der Interjectionen 185

♣II.♠ Regeln der Abhängigkeit.

§. 147. Subſtantive mit dem Genitiv 186

§. 148. Poſſeſſive Adjectiva ſtatt des Genitiv's 187

§. 149. Zahlwörter mit dem Genitive 188

§. 150. Adjective mit dem Genitiv 189

§. 151. Adjective mit dem Dativ 189

§. 152. Adjective mit dem Accuſativ 189

Rection des Verbums.

§. 153. Das Verbum mit zwei Nominativen 190

§. 154. Der Genitiv ſtatt des Nominativ's im Subjecte 190

§. 155. Der Inſtrumental ſtatt des Nominativ's im Subjecte 190

§. 156. Active Verba mit dem Accuſativ (tranſitiv) 191

§. 157. Accuſativ bei nicht tranſitiven Verben 191

§. 158. Zwei Accuſative bei einem Verbum 191

§. 159. Der Inſtrumental ſtatt des Prädicatsaccuſativ's 192

§. 160. Die zwei Accuſative im Paſſiv 192

§. 161. Der Genitiv bai ♣sym♠ 193

§. 162. Der Genitiv als Prädicat 193

§. 163. Der Genitiv anſtatt des Accuſativ's 193

§. 164. Der Dativ bei Zeitwörtern 195

§. 165. Der Dativ bei dem Zeitworte ♣dać♠ zulaſſen und dergleichen 195

§. 166. Attraction des Dativ's 196

§. 167. Gebrauch des Locals 196

§. 168. Gebrauch des Inſtrumentals 196

§. 169. Gebrauch des Infinitiv's 197

§. 170. Der Infinitiv als Subject und Object 197

§. 171. Der Infinitiv ſtatt des Subſtantivum Verbale 198

§. 172. Gebrauch des Verbal-Subſtantiv's 198

§. 173. Das Gerundium ſtatt des Infinitiv's 198

♣III.♠ Ellipſe.

§. 174. Reine Ellipſe 199

§. 175. Ellipſe durch Abkürzung 200

♣IV.♠ Wortfolge.

§. 176. Erklärung des Subjectes 200

§. 177. Der Objects-Genitiv 201

§. 178. Das Verbum finitum zuletzt 201

§. 179. ♣Sym, so,♠ und die unbetonten Fürwörter 202

§. 180. Stellung des Infinitiv's 202

§. 181. Ordnung in fragenden Sätzen 203

§. 182. Das Verbum in bedingenden Sätzen 203

§. 183. Trennung der Conjunctionen 204

§. 184. Inverſion 204

[1] ⁾ Nämlich dieſes letztere ♣l♠ in der neueſten Schriftſprache; die
čechiſche Bibel und alle Werke der früheren Literaturperiode aus dem 16.
und 17. Jahrhunderte unterſcheiden das grobe ♣ł♠ ſehr deutlich von dem
weichen ♣l (lj).♠ Eben ſo das Volk in vielen Gegenden.

[2] ⁾ Die Polen haben bisweilen ein ſolches euphonifches ♣d,♠ wie in
♣zdra la♠, Verrath, ſtatt ♣zrada; zdrowna,♠ gleichfalls, ſtatt ♣zrowna.
Zdrowna♠ hört man auch in einzelnen Gegenden Böhmens.

[3] ⁾ Auch zemienin ein Edelmann; plur. zemiené, mian, mianam u. ſ. w.;
zemau.

[4] ⁾ Den einzigen Fall mit ♣ts♠ ausgenommen, wo auch wir ♣tsylba♠
Geſchoß, und ♣tsėcha,♠ eigentlich ♣tśėcha♠ Dach, unterſcheiden.

[5] ⁾ Außer dem aus ♣a♠ entſtandenen Umlaute ♣e♠ haben wir einen aus
♣o;♠ z. B. ♣ẃesoły♠ fröhlich, ♣ẃeselši; skoro♠ bald, ♣skeŕe♠ eher,
gehört auch bieher.

[6] ⁾ Männlich findet man auch die Form ♣wšitkón,♠ oder ♣wšickón.♠

[7] ^(*)) ♣stróža♠ Wache (♣straž, strež♠); ſo heißt noch ein Dorf.

[8] ^(**)) ♣wowsaj♠ zwei Haferſorten, Haferfelder.

[9] ⁾ Die alte (zugleich ächt ſlawiſche) Form ♣ztworićel♠ findet man
noch z. B. in der katholiſchen Kirchenagenda (beim Glauben) und in den
evangeliſchen Büchern.

[10] ⁾ Da wir das Wort Geſell (Handwerksgeſell) nicht eigends haben, ſo
wird die Form auf ♣ski♠ dazu gebraucht; ſo heißt ♣šewski♠
Schuhmachergeſell, ♣kowarski♠ Schmiedegeſell, ♣kołodžejski♠
Rademachergeſell, ♣hornčerski♠ Töpfergeſell; ♣klamarski,♠ Kaufmannscomis
(wobei man vielleicht ♣towarš♠ verſtehen könnte).

[11] ⁾ Dieſe und ähnliche heißen im männlichen Geſchlechte auch Pferd-,
Kuh-, Junge, Lamm-, Eſel-, Schöps-, Hirt (man denke ♣hólc♠ ausgelaſſen.)
